II. Das Jch in staatlicher Erziehung : haftet das Gedächtnis gesunder Völker mit Liebe an den kriegerischen Höchstleistungen, die sie vollbracht haben, allen Greueln zum Trotz, die als Begleiterscheinungen davon unzertrennlich sind. Und daher ist Verständnis für Zweck und Wesen des Krieges notwendig für jedes Ich, das dem Staat einmal bedingungslos, und nicht nur unier Vorbehalt eines Mindestmaßes eigenen Wohlbefindens, dienen soll und will. Wer von der gegebenen Plattform des eigenen Volkstums aus in die Vergangenheit eindringt, um sich das Verständnis dafür zu erarbeiten, wie dies Volkstum geworden ist, der erkennt rasch, wie kein Volk für sich da ist, sondern wie die Schicksale der Völker einander wechselseitig bedingen. Heute, wo der Verkehr in einem Maße verdichtet und beschleunigt worden ist, das sich die Menschen vor hundert Jahren noch nicht vorstellen konnten, mehr denn je. Aber zu keiner Zeit, die wir einigermaßen noch durchforschen können, ist das, was wir mensschliche Gesittung, Kultur im weitesten Verstande nennen, das Ergebnis der Arbeit eines Volkes gewesen. Es war und ist das Ergebnis des Miteinanderund Gegeneinanderarbeitens von Völkern gewesen, die durch ihre Lebensbedingungen auf freundnachbarliche oder feindliche Auseinandersetzung angewiesen waren. Der Weg zur gegenwärtigen Kultur, ohne die kein Ich, das in sie hineingeboren worden, sich sein Leben vorstellen kann, führt über Blumenwiesen und durch Blutströme, über lichte Höhen und durch schaurige Abgründe, und er ist gesäumt mit den Leichensteinen der Völker, die an seinem Rande liegen blieben. Zur jeweils erreichbaren Höhe geht es für das einzelne Ich nur mit dem eigenen Volke, schon weil sich das Ich der Menschheit nur durch das Medium eines Volkstums verständlich machen kann. Es ist nicht wahrscheinlich, daß das anders werden wird, selbst wenn alle Welt Esperanto lernt. Um der Verflochtenheit der Völkerschicksale willen wäre es wünschenswert, daß ein deutsches Ich nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die Sprache aller der Völker beherrschte, die uns Deutschen benachbart sind. Man darf zweifeln, ob ein Ich überhaupt imstande ist, außer seiner Muttersprache mehr als eine Fremdsprache wirklich beherrschen zu lernen. Und wenn auch volle Beherrschung Harms, Das Ich und der Staat Z 2 -