III. Zwischen Schulpflicht und Bürgerpflicht s das! Denn allgemeine Arbeitspflicht braucht sich nicht wie allge- meine Dienstpflicht auf das männliche Ich zu beschränken. Es ist schon möglich, ja wahrscheinlich, daß die Einführung einer allge- meinen Arbeitspflicht für Männer uns außenpolitische Schwierig- keiten machen würde. Und weil wir doch nun einmal kein freies Volk mehr sind, das die Bedürfnisse körperlicher und seelischer Volksgesundheit ohne Rücksicht auf das Ausland regeln könnte, so möchte es sich sogar empfehlen, mit der Einführung eines weiblichen Arbeitspflichtjahres für den Staat anzufangen. Dagegen aus dem Versailler Diktat begründete Einwendungen herzuleiten, wird immer- hin schwieriger sein, als gegen ein männliches Arbeitspflichtjahr. Daß der neue Staat, im Gegensatz zum alten, dadurch einen vor- wiegend weiblichen Charakter bekommen würde, braucht schwerlich befürchtet zu werden. Die künftigen Mütter, die ein Jahr ihrer Jugend, ohne Unterschied des Standes und des Besitzes der Eltern, im Dienst des Reichsgedankens gearbeitet hätten, die würden deutsche Jungen der Zukunft schon zu Männern erziehen, darüber dürften wir unbesorgt sein. Und das männliche Arbeitspflichtjahr würde bei einem so erzogenen Geschlechte ganz von selbst sich einstellen. Jeder Banllehrling, jeder angehende Börsenspekulant wird uns im Handumdrehen zahlenmäßig nachweisen, daß ein Arbeitsdienstjahr für das Deutsche Reich „finanziell untragbar““ sei. Aber es fragt sich doch, ob uns im Dunstkreise von Bank und Börse überhaupt der Wille heranwachsen kann, der den neuen Staat der Deutschen gestalten muß, falls dieser Staat der Mühe, sich um seine Zukunft zu sorgen, wert sein soll. Das zurzeit maßgebliche Geschlecht darüber dürfen die Interessenten des Versailler Diktates beruhigt sein ~ schafft uns die allgemeine Arbeitspflicht so wenig, wie es uns die Reichsschule schafft, aus dem einfachen Grunde, weil es gar nicht den Willen dazu hat. Der Wille — darüber dürfen auf der andern Seite wir, die Leidtragenden des Versailler Diktats, beruhigt sein ~ bahnt sich für das, was er im Dienste der Volks- gemeinschaft erstreben muß, auch schon den Weg. Aber dieser Wille selbst kann erst heranwachsen mit dem neuen Geschlecht, dessen Nerven nicht zermürbt worden sind in der seelischen Anspannung der vier Kriegsjahre, weil ihm der Krieg ein Jugenderlebnis und kein Alterserlebnis war; und er wird mit ihm heranwachsen, sofern el.?