IV. Das Jch als Massenteilchen Doch darüber, wie der Schnörkel aussehen mag, den die Erde während einer gemessenen Zeitspanne im Raume beschreibt, mögen die Astronomen sich den Kopf zerbrechen. Auch andere Köpfe als die der Astronomen und Physiker aber geht die Frage an: woher nimmt das menschliche Ich die Ermächtigung zu jenem „„Als ob“, das die Grundlage seiner stolzesten Wissenschaft ist? Von wannen kommt dem Ich die Einsicht, daß in der Erde eine Kraft „itzen'“ müsse, die den Stein anzieht, und in der Sonne eine, die die Erde anzieht? Und daß den einzelnen Fasern des Holzes eine Kraft innewohnen müsse, die den eintretenden Keil abwehren, abstoßen möchte? Kein Ich hat eine der zahllosen ,„„Kräfte‘‘, womit die Wissenschaft arbeitet, als müßte es nur so sein, je unmittelbar wahrgenommen, wie er etwa die Tatsache wahrnimmt, daß der Stein zur Erde fällt. Wie also kommt das Ich dazu, als Ursache ungezählter „Fälle), die es wahrgenommen hat, eine „Kraft“ zu setzen, von der es nichts weiter kennt als die Wirkungen – wenn nämlich die angenommene Kraft tatsächlich die wahrgenommenen Wirkungen ausgeübt hat? Die Ermächtigung dazu kann das Ich nirgendwo andersher schöpfen, als aus innerer Erfahrung, aus der Beobachtung seines eigenen Seelenlebens. Das Ich ist sich mitunter einer Kraft bewußt, die anzieht, und mitunter einer, die abstößt, und mitunter auch beider Kräfte zugleich. Kraft ist nichts anderes als die Lebensäußerung eines ungebrochenen Willens. Wenn ich etwas ,,haben möchte‘, wenn ich etwas „gut leiden mag‘“, wenn ich ein anderes Ich „liebe“, so weiß ich unmittelbar um das Vorhandensein einer Krafr in mir, die den begehrten Gegenstand anziehen möchte, manchmal auch tatsächlich anzieht, und ebenso oft widerwillig verzichten muß, weil die Umsetzung des Willens in die Tat „„über die Kraft!“ geht. Wenn ich etwas „„nicht ausstehen kann““, wenn ich es „verabscheue"“, wenn ich es „hasse“, so fühle ich den Willen, und, je nachdem, die Kraft in mir, es von mir abzustoßen, die Entfernung zwischen mir und dem Gegenstand meines Hasses zu vergrößern. Das muß nicht immer räumliche Entfernung sein. Die größte Entfernung, die ich zwischen mich und ein anderes Ich legen kann, ist die, daß ich es töte. Und wenn der Körper des Getöteten auch unmittelbar zu meinen Füßen liegt, sein „Ich““ ist für mich fortan 5()