' IV. Das JIch als Masssenteilchen Reichspolitik, sondern weil er nur dem Bedürfnis des heimischen Partei- und Klüngelwesens zu dienen hatte. Als buntschillernder Reklameaushang, zur Bekämpfung geschäftlicher „Konkurrenz“’, tat er seine Dienste. Als es aber keine Parteien mehr gab, als ein von der Umwelt abgeschlossenes Reich um sein Dasein zu kämpfen ge- zwungen war, da offenbarte sich die unzulängliche Art, wie die „wohlunterrichtete‘“ deutsche Presse ihre Leser über das Ausland „auf dem Laufenden“’ erhalten hatte, in geradezu erschütternder Weise. Keine Zeitung angelsächsischer oder romanischer Zunge macht aus der Rubrik „Ausland““ soviel Wesens, wie es die deutsche Zeitung zu tun von altersher immer noch gewöhnt ist. Aber im Unter- bewußtsein der angelsächsischen oder romanischen Zeitung schlummert die Überzeugung, daß das, was sie ihren Lesern unter der Rubrik „Ausland““ vorsetzt, ein Stück von der auswärtigen Politik des heimischen Staates ist. Und was für gewöhnlich im Unterbewußtsein schlummern mag, tritt im Bedarfsfalle sehr fühlbar an die Ober- fläche. Das gibt der angelsächsischen und romanischen Zeitung, bei räumlich viel beschränkterem Auslandteil, innerlich eine starke Über- legenheit über die deutsche Zeitung. m Und weil dem so ist, deshalb hat die deutsche Politik auch so wenig davon, daß die deutsche Presse „nicht käuflich“ ist. Für Geld käuflich ~ gewiß nicht. Und doch kaufte sich einst der Reichskanzler Bülow, mit Hilfe seines getreuen Hammann, die ganze bürgerliche deutsche Presse für seine Blockpolitik, ohne daß es ihn einen Pfennig gekostet hätte! Nur das Berliner Tageblatt entzog sich ~ damals ~ der amtlichen Befruchtung und gedieh dabei prächtig. Als einziges Blatt bürgerlicher Opposition konnte es die Zahl seiner Bezieher rasch verdoppeln und verdreifachen. Alle übrigen bürgerlichen Zeitungen aber waren befangen in der Angstvorsstellung, ohne die ,,halbamtliche Nachricht“ der ,„Kon- kurrenz““ nicht gewachsen zu sein. Bei dieser subalternen Schwäche packte Bülow die deutsche Presse. Er gab an ,,gutgesinnte““ Blätter bereitwillig „Informationen“ ~ oder was man in deutscher Gut- gläubigkeit dafür hielt ~ aber er gab sie nie an eine Zeitung allein, sondern, nach feststehender Rangabstufung, mindestens an zwei ()