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        <title>Das Ich und der Staat</title>
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            <surname>Harms</surname>
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      <div>IV. Das Jch als Massenteilchen 
haber oder Anwärter auf die Macht zu knüpfen, wird auf den An- 
spruch auf Versorgung für das eigene Alter und für die Hinter- 
bliebenen verzichten müssen. Eben weil sie immer darauf gefaßt 
sein müßte, mit den Machthabern aus dem Amt zu scheiden und 
weil kein Staat die Versorgung dieser ständig wechselnden Beamten- 
schaft tragen könnte. 
Es gibt hier also nur ein Entweder~Oder. Der Charakter eines 
Staatsbeamten ist unvereinbar mit dem Vorbehalt, als solcher nur 
den Interessen einer bestimmten Partei oder Parteigruppe dienen zu 
wollen. Andererseits ist es,. nach den Erfahrungen, die andere par- 
lamentarisch regierte Länder bereits hinter sich haben, auch nicht 
erwünscht, den fest überlieferten Charakter des Staatsbeamtentums 
aufzulösen dadurch, daß man den Anspruch auf Versorgung aufhöbe. 
In der Richtung einer gesunden Entwicklung liegt eine Wandlung 
nur in dem Sinne, daß der Beamte sich immer ausschließlicher 
als Organ des Staates und immer weniger als Organ der zeit- 
weiligen Machthaber des Staates fühlen lerne. 
Wozu das Massenteilchen Ich freilich auch das Seinige bei- 
zutragen hat. Im Staate, dessen Volk sich selbst zu regieren hat, 
ist es staatsbürgerliche Pflicht des Massenteilchens Ich, sich nichts 
gefallen zu lassen. Für byzantienernde Unterwürfigkeit sollte kein 
Raum. sein im parlamentarisch-demokratisschen Staate, und dem 
überheblichen Gefühl der Gottähnlichkeit, das manche Organe des 
neuen Staates noch nicht los zu werden vermögen, sollte von den 
Massenorganen der Zeitung und der Partei rücksichtslos ein Dämp- 
fer aufgesetzt werden. Denn erst, wenn man sich allerseits der 
neuen Staatsform angepaßt hat und dadurch ein Zustand leidlichen 
inneren Gleichgewichts erreicht ist, wird der Staat, trotz seiner 
Wehrlosigkeit, nach außen hin einigermaßen als gesichert gelten 
können. Über einen Staat herzufallen, den das in ihm wohnende 
Staatsvolk mit ganzer Seele will, scheut sich doch auch der mili- 
tärisch Überlegenez nur wenn der Landesfeind auf Spaltung im 
Innern glaubt rechnen zu dürfen, hält er den Krieg für einen 
militärischen Spaziergang, wie es Poincaré, Iswolsky und Grey 
im Juli 1914 getan haben. 
§2</div>
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