Zweck der Seminare 27 Reife in dem einen oder anderen. Philologische, philosophische und juristische Seminare oder naturwissenschaftliche Praktika verfolgen auch dieses als nächsten Zweck. Von selbst wächst daraus der künftige Gelehrte hervor, wenn Fähigkeit und Neigung hiefür vorhanden ist, was in den seltensten Fällen von vornherein feststeht. Der eigentliche gelehrte Beruf ist ein Charisma, das nicht herangezüchtet, sondern nur entdeckt und entwickelt werden kann“ (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3082). 23. Schon aus dem kurzen Rückblick auf die geschicht- liche Entwicklung der seminaristischen Bildung ergibt sich dieser Zweck als der stets von den Gründern und Leitern der Seminare erstrebte: Die Ratio studiorum Societatis Jesu von 1599 bezeichnet bereits in gleicher Weise die Aufgabe der griechischen und hebräischen Akademie mit den schon an- geführten Worten: „ut inde prodire possint, qui harum lin- guarum scientiam et dignitatem privatim ac publice tueantur“ (Reg. Reet. 7). Auch nach den ältesten Seminarstatuten, wie sie z. B. unter Mitwirkung von F. A. Wolf 1812 für Berlin und im gleichen Jahre für Breslau aufgestellt wurden, sind diese philologischen Institute dazu bestimmt, „die- jenigen, die für die Altertumswissenschaft gehörig vorbe- reitet sind, durch möglichst vielfache Übungen, welche in das Innere der Wissenschaft führen, und durch literarische Unterstützung jeder Art weiter und weiter so auszubilden, daß durch sie künftig diese Studien erhalten, fortgepflanzt und erweitert werden.“!) Ebenso heißt es in den schon erwähnten Beschlüssen der Generalversammlung des öster- reichischen Episkopates zu Wien vom 13. November 1901 (In. 14) über die theologischen Seminare: „Für die höhere Pflege der theologischen Wissenschaften und Aneignung der wissenschaftlichen Form und Methode sollen wenigstens an allen theologischen Fakultäten wissenschaftliche Seminare eingerichtet werden, damit teils die begabteren Studierenden der Theologie mit Erlaubnis ihrer geistlichen Oberen, teils die absolvierten Hörer und Aspiranten des Doktorates wie auch andere lernbegierige Priester eine formgerechte und ') In: Handbuch der Erziehungs- und Unterrichtslehre von A. Bau- meister 2, 1 B p. 16.