Zweck der Seminare 29 dem ersten „studiosus philologiae“ Friedrich August Wolf nachmachen, es bliebe doch schließlich ein möglicher Weg, den dieser von 1777—79 in Göttingen bei seinem philo- logischen Studium einhielt.. Wenigstens hinsichtlich des Stoffes könnte sich auch heute noch ein schaffensfreudiger Studiosus damit begnügen, in den Vorlesungen die Quellen und Hilfsmittel für sein Fach und die verschiedenen Dis- ziplinen desselben zu erfahren und dann sich aus diesen selbständig Aufklärung und Belehrung zu suchen. Aber bei dieser Art von Studium wird den allermeisten dasjenige verschlossen bleiben, was für gründliche Schulung weit mehr als ausgedehnte Stoffkenntnis in die Wagschale fällt, und selbst die begabtesten würden in der Regel doch nur nach langen, zeitraubenden und kraftzehrenden Umwegen zu einer recht unvollkommenen Kenntnis dieses wichtigeren Punktes gelangen. Es ist das formelle Moment in der Aufgabe der Seminare; sie sollen mit der Methode des Wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens bekannt und vertraut machen. Allerdings gibt es ja auch über die Methodik gar manche alte und neue und große und kleine Bücher und Abhandlungen, denen sich die vorliegenden „Beiträge“ für die Praxis anschließen wollen. Aber all diese Methodenlehren und Methodologien können Zwar manche nützliche Belehrung über Quellenkunde und Kritik, über Auffassung und Darstellung bieten: das eigent- lich Formelle der methodischen Schulung vermögen sie nicht.zu geben. Denn es handelt sich dabei um die Aus- bildung der Fähigkeit, bei den verschiedenen Funktionen nach den bewährten Regeln der Methodik vorzugehen. Dazu genügt aber nicht die einfache Kenntnis jener Regeln; °S muß der einzelne am die richtige Anwendung derselben gewöhnt und auf die Gefahren und Fehler bei dieser An- wendung aufmerksam gemacht werden. Dies wird nur durch die verschiedenen seminaristischen Übungen zu erreichen Sein; welche jene formelle Schulung und methodische Ausbildung als ein wichtiges und ihnen eigentümliches Ziel erstreben. bw.