Bedeutung der Seminarbildung: Rückblick 33 ersten Band der „Politik“ von Heinrich von Treitschke (p. 367 ff), der ebenfalls die „Sättigung des Geistes“ und die „Blasiertheit der durch- schnitilichen jungen Studenten“ beklagt und verlangt, daß „der akade- mische Unterricht produktiv sein“ und „der Hörer gezwungen werden soll, selbst nachzudenken“ (p. 75 f). Eine gleiche Bestätigung bietet in manchen Punkten die Schrift von Al. Riedler „Unsere Hochschulen und die Anforderungen des zwanzigsten Jahrhunderts“ (Berlin 1898); ebenso wird in manchen anderen Veröffentlichungen über die not- wendige Reform der Universitäten die Bedeutung der Seminare mit mehr oder weniger Nachdruck hervorgehoben. Eine große Zahl solcher Reformschriften nennt Wilh. Erman im 1. Teil der „Bibliographie der deutschen Universitäten“ p- 101—830, von denen besonders die neueren P. 126 f und p. 130 zu beachten sind; vgl. auch die Schriften über Übungen, Seminare und Praktika, ebd. p. 338 f.; ferner F. von der Leyen, Deutsche Universität und deutsche Zukunft. Jena 1906, und Hochland 4 (1907, 1) 497 f. Anknüpfend an die Schrift Bernheims hebt auch Ludwig von Ham- Merstein die Bedeutung der Seminarbildung in seiner Abhandlung über „die deutschen Universitäten der Gegenwart“ hervor (Stimmen aus Maria-Laach 55 [1898. 2] 12—28). Obwohl er aber mit Bernheim in einer besseren Pflege der seminaristischen Übungen gleich vom ersten Semester an ein wichtigus Heilmittel für manche Schwächen des heutigen Universitätsunterrichtes erkennt, so bemerkt er doch auch mit vollem Recht, daß für viele dieser Mikstände außer den gewöhnlich angeführten Gründen noch manche andere tiefer liegende in Betracht kommen. \ 10. Rückblick. Als eine kurze Zusammenfassung des Gesagten über die geschichtliche Entwicklung, den Zweck und die Bedeutung der Seminare mögen hier die Worte Friedrich Paulsens nebst einigen Bemerkungen Platz finden. . 1. In seiner Darstellung des Wesens und der geschicht- lichen Entwicklung der deutschen Universitäten sagt der- selbe:') „Eine wichtige Ergänzung der Vorlesungen bilden gegenwärtig die seminaristischen Übungen. Sie sind ge- wissermaßen an die Stelle der alten Disputationen getreten. Doch ist ihr Charakter ein anderer, es handelt sich hier nicht, wie dort, um Einübung des überlieferten Wissens, sondern um Anleitung zur Erzeugung des Wissens“. Das *) In: W. Lexis, Die deutschen Universitäten 1 (Berlin 1893) 74 f. Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten 8. Aufl, ” 4