Gemeinsame Untersuchung einer wissenschaftlichen Frage 67 bei jedem Schritt Gelegenheit, den Anfänger in die wissen- schaftliche Forschung einzuführen, ihn vor Fehltritten zu warnen, auf Mängel und Lücken seiner Arbeit aufmerksam zu machen. In gemeinsamer Arbeit werden so die Kräfte gespornt und wachsen allmählich zu fruchtreicher Betäti- gung heran. Das Ergebnis der Untersuchung, das sich Punkt für Punkt in gegenseitiger Ergänzung herausstellt, ist der schönste Lohn der beharrlichen Arbeit und weckt neue Freude zu weiterer Forschung. 9. Die einzelnen Mitglieder können dann in selbständiger Zusammenfassung des Erforschten Rechenschaft über das Resultat ihrer Untersuchung geben und so eine gute und anregende schriftliche Abhandlung oder einen mündlichen Vortrag als Frucht ihrer Seminararbeit vorlegen. Aber wenn sie auch nicht zu diesem erstrebenswerten letzten‘ Abschluss ihrer Untersuchung gelangen, so wird doch schon die gemein- same Forschungsarbeit unter Leitung des Lehrers reiche Frucht für alle bieten. H. Schrörs macht mit Recht auf die Bedeutung und den Nutzen dieser Übung aufmerksam, die in der ersten Auflage dieses Buches keine Beachtung gefunden hatte (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3082 f). — Auch H, van Laak weist auf diese wichtige und anregende Übung hin (Civ. Catt. 60 [1909, 2] 402.). 3. Als Gegenstand solcher gemeinsamen Untersuchungen kann im allgemeinen jede wissenschaftliche Frage in Betracht kommen. Insbesondere ist für diese Übung z. B. auch die Behandlung von Quellentexten geeignet mit den ver- schiedenen Fragen, die ihren Ursprung, ihre Erhaltung und ihre Glaubwürdigkeit betreffen. Übrigens wird der Seminar- leiter aus dem Gebiet seiner eigenen Arbeiten oder den damit zusammenhängenden Fragen leicht passende Gegen- stände für diese gemeinsamen Untersuchungen entnehmen können. 4. Er wird jedoch dabei auf eine Gefahr zu achten haben. Die gemeinsamen Untersuchungen im Seminar dürfen nicht den Schein erwecken, als sollten die Seminarmit- glieder mit ihren Arbeiten dem Leiter nur Handlanger- 5