; Die Rezension die Voraussetzungen und’ Bedingungen beachten, ohne welche eine richtige Kritik überhaupt nicht möglich ist. 1. Weil die Kritik ihrem Begriffe und ihrer Aufgabe entsprechend ‚ein Urteil über den Wert des Werkes fällen und dieses Urteil aus dem Vergleich des Werkes mit der feststehenden Norm ableiten soll, so muß der Kritiker vor allem eine genügende Kenntnis des Werkes und der rechten Norm besitzen. Denn wo eine der beiden Größen oder gar beide unbekannt sind, da kann kein Vergleich und deshalb auch kein Urteil zustande kommen. Die Kenntnis des Werkes kann sich jeder durch eine gewissenhafte Lesung verschaffen. Dieses bildet daher die erste und not- wendigste. Voraussetzung für jede wissenschaftliche Kritik. 9, Schwieriger ist die zweite Voraussetzung, nämlich eine gründliche Kenntnis der als Norm des Ur- teils in Frage kommenden Gesetze und Regeln, die für das vorliegende Werk Geltung haben. Außer auf die allgemeinen Anforderungen, die man an jedes wissen- schaftliche Werk stellen muß, ist dabei auch auf das be- sondere Gebiet zu achten, mit welchem sich das Werk beschäftigt. Ohne eine gute Kenntnis desselben und der wichtigsten einschlägigen Literatur wird man nur ein sehr unzureichendes Urteil über die Schrift abgeben können. 3. Neben der notwendigen Kenntnis seines Gegenstan- des muß der Kritiker ferner die Fähigkeit besitzen, die Übereinstimmung zwischen dem Werke und der richtigen Norm zu prüfen und darüber zu einem klaren Urteil zu gelangen. Es gehört dazu ein gewisser Takt und ein geübter Blick, der das Wesentliche vom Un- wesentlichen sicher zu unterscheiden vermag und auch in dem individuellen Gewande das Wertvolle sicher zu er- kennen und abzuschätzen gelernt hat. 4. Gegenüber den mannigfachen Beeinflussungen und Trübungen, denen das Urteil oft ausgesetzt ist, muß der Kritiker endlich seine volle Unabhängigket zu wahren wissen, um sich bei der Kritik einzig und allein von den Interessen der Wahrheit leiten zu lassen. Daß Ad