On Die Beurteilung der Quellen Widerspruch die eine Aussage als unglaubwürdig nach- weisen und so die andere indirekt bestätigen. 9, Innere Kriterien. Aus der Prüfung der Quellen selbst ergibt sich eine Reihe von inneren Kriterien. a) Zuvörderst ist die Beschaffenheit und der allgemeine Charakter der Quellen zu beachten. Wir können uns darüber ein Urteil bilden durch die Prü- fung der Entstehung und des Alters eines Textes sowie durch die Untersuchung seiner Ausdrucksweise und seines allge- meinen Inhaltes. Entstammt die Quelle einer Zeit, einer Gegend, einer Gesellschaft, die den in Frage kommenden Tatsachen nahestehen, so sprechen diese Umstände weit mehr für die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit des Be- richtes, als wenn es sich um eine späte und in einer ent- legenen Gegend unter lauter fremden Menschen entstan- dene Erzählung handelt. Nach der sprachlichen Seite hin können uns gezwungene und gezierte Wendungen, gehäufte übertriebene Ausdrücke, allzu gefühlvolle und phantastische Schilderungen vor zu großem Zutrauen zu derartigen Be- richten warnen. Ebenso wird sich aus der allgemeinen Geistesrichtung, die im Texte zum Ausdruck kommt, aus den falschen Lehrmeinungen, einseitigen Parteiansichten u. ä. wenigstens im allgemeinen der Charakter der Quelle erkennen lassen. b) Von großer Wichtigkeit ist dann die Prüfung der Zuverlässigkeit des Autors. a) Es fragt sich dabei zuerst, ob er die Wahrheit in Bezug auf die berichteten Tatsachen wissen konnte. Es ist dafür zu beachten, ob er ein Zeitgenosse und un- mittelbarer Zeuge war, oder doch aus glaubwürdigen Quel- len seine Kenntnisse schöpfte;. ob er seiner Stellung nach zu den berichteten Tatsachen in besonderer Beziehung stand; ob er seinen geistigen Fähigkeiten und seinem Bil- dungsgrade nach in der Lage war, die Tatsachen richtig wahrzunehmen und aufzufassen, seine Wahrnehmungen korrekt zu verknüpfen, genau im Gedächtnis zu bewahren und ohne Entstellung mitzuteilen. 534