<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Wissenschaftliches Arbeiten</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Leopold</forname>
            <surname>Fonck</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1689851430</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        EIGENTUM
DES
INSTITUTS
FÜR
WELTWIRTSCHAFT
BISLIOTHER
I 445418
        <pb n="2" />
        Wissenschaftlich
Beiträge zur Methodik und Praxis
des
akademischen Studiums
A
Dr. phil, et theol. Leopold ‚Fonck S. J.
Honorar-Professor der Universität Innsbruck, Professor am päpstlichen
Bibelinstitut in Rom
Dritte Auflage
7, bis 8, Tausend
(anastatischer Neudruck der 2. Anflage)
- D86-——
Innsbruck
Druck und- Verlag von Felizian Rauch
1926

Von
        <pb n="3" />
        Nil obstat ut R. P. Fonck tertiam editionem huius libri prelo
gubiciat.
Romae, 1 Octobris 1925.
Jos. Filograssi S, J.
Praep. Prov. Rom, Soc. Jesu.
NIS
1. Auflage (1.—3. Tausend) 1908 K 2.60
2. Auflage (4.—6. Tausend) 1916 K 4.70
3. Auflage (7.—8. Tausend) 1926
(anastatischer Neudruck der 2, Aufl.)
Italienische Übersetzung: Il Metodo del Lavoro scientifico; Contributi
alla pratica dello studio accademico. Versione dal tedesco del Sac.
Dott. Ubaldo Mannncci, Professore di Teologia Patristica, Roma 1909,
Polnische Übersetzung : Praca Naukowa; Przyczynek do metodyki studyöw
 uniwersyteckich. Przeklad J. J. Rapackiego. Warschau 1910,
Französische Bearbeitung: Le Travail scientifique; Ecole-Pratique
Adapt6 de l’allemand par /. Bourg et A. Decisier, Paris 1911.
        <pb n="4" />
        AETERNI , PATRIS , VNIGENITO
DE . VIRGINE , NATO
JESV , SALVATORI
PER , LVSTRA . BIS . QVINQVE
THEOLOGIS , OENIPONTANIS
CARITATE , MVNIFICA
PROPITIO
        <pb n="5" />
        Berichtigungen und Zusätze
Seite Zeile
22 4 Ermann 1. Erman
96 letzte Nach „es genügt“ ist einzuschalten: die Erziehung
62 38 tud 1. 6tude
63 9 vorgeben 1. vorgehen
73 16f schriftlichen Arbeiten 1. schriftliche Arbeit
74 3ff Vergleiche hierzu den Ausspruch von Fr, A. Wolf oben
5,20 2.110
82 37 dies 1. dieses
92 8 Mähre 1. Märe
92 17 ml. im
101 23 Holzmann 1. Holtzmann
102 3 —Migßversändnis ]. Mi£verständnis
107 4 der Gesetze 1. den Gesetzen
109 16 n..5,21.n. 256,2
112 29 Veihinger 1. Vaihinger
119 17  Demostenes 1. Demosthenes
122 33 —Pädagogik!® 1. Pädagogik 15
127 19 sein, 1. sein.
141 11 Stark 1. Starck
142 letzte Quellenangabe 1. Quellenangaben
144 37 Sdıopfocaı 1. dıopdocar
148 3 Piere 1. Pierre
163 26 1251. 185%
176 18 genaue 1, genauer
187 8 ihrer l. ihren
201 31 Jedlicka 1. Jedlicska
251 35 —Schleininger 1. Schleiniger
269 24 MHauptitel 1. Haupttitel
285 10 J. G. Wettstein 1. J. J. Wetstein
288 6 xohhor 1. xolMlof
288: 32 Punkle 1. Punkte
Andere Fehler wolle der geneigte Leser gütigst selbst berichtigen.
a a

"&amp;amp;
        <pb n="6" />
        Vorwort zur ersten Auflage
Wie lernt man wissenschaftlich arbeiten ?
Verhältnismäßig am leichtesten kann es ein strebsamer
Musensohn an der hohen Universität lernen. Er belegt und
besucht während der ersten Semester das Proseminar und
darauf das Seminar aus seinem‘ Fachgebiete, nimmt an
den Seminarühungen regen Anteil und läßt sich vom Seminarvorstand
 eine wissenschaftliche Hausarbeit geben, die
er unter der Leitung desselben allmählich fertigstellt, nicht
ohne manches Privatissiımum über die richtige Arbeitsweise
 von seinem Professor zu erhalten. So lernt er dann
nach und nach wissenschaftlich arbeiten.
Aber wie sollen denn. jene es lernen, die kein Proseminar
 und Seminar und keinen hilfsbereiten Professor zu
ihrer Verfügung haben und doch auch den Wunsch und die
Kraft zur Mitarbeit auf dem großen Felde der Wissenschaft
in sich verspüren? Sie müssen, so gut es eben gehen will,
zusehen, wie die anderen es machen, und sich bei kundigen
Leuten Rats erholen und studieren und probieren, ob es
vielleicht gelingen möge.
Bei diesen wie bei jenen wird es aber in der Regel
nicht ohne mancherlei Mühe und vielfachen Zeitverlust gelingen.
 Erst nach allerhand Irrwegen und Abwegen und
Umwegen werden die meisten den Weg herausfinden, der
wenigstens halbwegs zum Ziele führt.
Allen diesen und manchen anderen mag es nützlich
und lehrreich sein, die Hauptstationen dieses Weges in
einer kurzen Zusammenfassung jener Punkte näher kennen
zu lernen, die beim wissenschaftlichen Arbeiten als allgemein
anerkannte und allgemein bewährte Normen gelten können.
        <pb n="7" />
        Vorwort zur ersten Auflage
Den nächsten Anlaß zu dieser Zusammenfassung boten
die praktischen Übungen des biblisch-patristischen Seminars
an der Innsbrucker theologischen Fakultät. Seit einer Reihe
von Jahren gehörte zu denselben auch die Besprechung
der methodologischen Fragen, die mit der Wahl eines Themas,
mit dem Sammeln und Verarbeiten des Stoffes, mit der
Darstellung und Veröffentlichung einer wissenschaftlichen
Arbeit zusammenhängen. Was dort in den letzten sechs
Jahren erörtert wurde, bildet den Grundstock zu vorliegender
 Schrift.
Sie möchte mit der Darlegung unseres Weges beim
wissenschaftlichen Arbeiten den vielen, die einen ähnlichen
Weg zu suchen haben, wenigstens etwas Zeit und Mühe
sparen und zum leichteren Finden behilflich sein. Sie behandelt
 daher die mannigfachen Einzelfragen mit besonderer
 Rücksicht auf die praktischen Bedürfnisse und erörtert
zB. auch die Kollektaneenfrage, die Zitationsweise , die
technisch-formalen Anforderungen hinsichtlich der Darstellung
 und Veröffentlichung u. a. in ausführlicher Weise.
Mit Rücksicht auf jene Kreise, die mit der wissenschaftlichen
 Arbeitsmethode unserer Hochschulseminare noch
weniger vertraut sind, geht der Einzelbehandlung der genannten
 Fragen ein kürzerer einleitender Teil über die
seminaristische Bildungsweise voraus.
In beiden Teilen wird die einschlägige Literatur bei
jedem Kapitel ausführlich angegeben, Von derselben muß
Ernst Bernheims „Lehrbuch der historischen Methode“ hier
besonders erwähnt werden, das namentlich bei den mehr
theoretischen und prinzipiellen Fragen vielfach mit Nutzen
verwendet wurde.
Dem allgemeinen Charakter der methodologischen Fragen
entsprechend berücksichtigt die Schrift nicht bloß eine einzeine
 Klasse von wissenschaftlichen Arbeiten, sondern alle
Arten, die in der allgemeinen Methode mit den biblischpatristischen
 Studien übereinstimmen. Weniger in Betracht
kommen daher nur die ausschließlich experimentellen, die
ganz praktischen und die rein spekulativen Wissenschaften,

VI
        <pb n="8" />
        Vorwort zur ersten und zweiten Auflage vI
Auf die Arbeiten aller übrigen Gebiete, die man vielleicht
unter dem Namen der „positiven Geisteswissenschaften“
zusammenfassen könnte, insbesondere auf die philologischen,
historischen, juridischen und positiv-theologischen Untersuchungen,
 finden die nachstehenden Ausführungen mehr
oder weniger Anwendung.
Daß der Weg überall schon einer schön gebahnten
Straße gleichen werde, ist wohl kaum zu erwarten. Sollte
ein Arbeiter auf dem einen oder anderen Gebiete der
Wissenschaft die Unebenheiten und Mängel und Lücken
des Weges ausbessern und ausfüllen helfen, so würde er
sich ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für jeden kleinsten Beitrag
 verdienen.
Besonderer Dank gebührt schon jetzt jenen Herren,
die mir bei der Vorbereitung und Drucklegung des Werkes
anregend und fördernd geholfen haben. Ich nenne die
Herren Universitätsprofessor Dr. Ernst Kalinka, Universitätsprofessor
 Dr. August Haffner, Universitätsbibliothekar
Dr. Anton Hittmair, Privatdozent Dr: Joh. Ude, Gymnasialdirektor
 Dr. Joh. Wimmer, Professor Dr. Andreas Kuhn,
Dr. Joh. Ko. Heller, Wilh. Peitz, Franz Pangerl.
Wegen der großen praktischen Bedeutung der Kollektaneenfrage
 erscheint das 15. Kapitel, das diesen Punkt
behandelt, auch in einer Sonderausgabe. Eine lateinische
Bearbeitung der ganzen Schrift ist in Vorbereitung und soll
baldmöglichst im gleichen Verlage erscheinen.
Innsbruck, am 4. Oktober 1907.
Der Verfasser
Vorwort zur zweiten Auflage
NL
Infolge der Berufung nach Rom war es mir leider nicht
möglich, den vielen und dringenden Wünschen nach einer
neuen Auflage früher zu entsprechen. Auch in der Bearv
        <pb n="9" />
        ” Vorwort zur zweiten Auflage
beitung dieser neuen Ausgabe mußte vieles für später
zurückgestellt werden.
Immerhin haben die von vielen Seiten in öffentlichen
Besprechungen oder privaten Mitteilungen geäußerten Verbesserungsvorschläge
 nach Möglichkeit Berücksichtigung gefunden.

Ein besonderer Dank für ihre anregenden und fördernden
 Bemerkungen gebührt namentlich den Herren Jakob
Overmans, Universitätsprofessor Dr. Heinrich Schrörs, Hans
Schmidkunz, Dr. Oskar Kataun, Dr. Max MHEittlinger, Dr.
J. B. Geniesse. Auch den Übersetzungen und Bearbeitungen
des Buches in italienischer, französischer und polnischer
Sprache sowie der spanischen Schrift „Cömo se aprende
a trabajar cientificamente“ von Zacarias Garcia Villada
verdanke ich manche Anregungen.
Gegenüber der abfälligen Beurteilung durch Herzberg-Fränkel
 in den „Mitteilungen des Institutes für österreichische
 Geschichtsforschung“, die schier gar nichts Gutes in
dem Buche zu finden wußte, und von der bekannten
Wahrmund-Affäre wohl nicht ganz unbeeinflußt war, genügt
 es, auf die Anerkennung seitens vieler anderer kompetenter
 Kritiker und auf. die allgemeine beifällige Aufnahme
 der Schrift hinzuweisen.
Von der Ausgabe einer lateinischen Bearbeitung wurde
mit Rücksicht auf die verschiedenen Übersetzungen in neuere
Sprachen Abstand genommen,
Möge das Buch auch in der neuen Ausgabe manchem
ein Helfer sein auf dem Weg des wissenschaftlichen Arbeitens.

Zürich, Leonhardstrasse 12
4. August 1916
Der Verfasser

YIl
        <pb n="10" />
        Inhalt
Die Zahlen bezeichnen die Seiten
a Seite
Berichtigungen und Zusätze . . . . MV
Vorwort zur ersten Auflage . . . V—VII
Vorwort zur zweiten Auflage. VI— VII
Erster Teil: Die Schule des wissen-‚schaftlichen
 Arbeitens’ . . 3—110
Erstes Kapitel: Die Anfänge der seminaristischen
 Bildung in der alten Schule . ... 3—17
Verschiedene seminaristische Übungen der alten
Schule und ihre Bezeichnung 3—5; Disputationen
5—8; Akademien 8—11; fachwissenschaftliche Seminare
 11—15; Rückblick 15—17
Zweites Kapitel: Entwicklung der Seminare
an den modernen Universitäten. .... . 18—95
Die Hochschulseminare im allgemeinen 18—22; die
theologischen Seminare im besonderen 22—25
Drittes Kapitel: Zweck und Bedeutung der
seminaristischen Bildungsweise . . ‚ 26—35
Zweck der Seminare 26—30; Bedeutung der Seminarbildung
 30-—33; Rückblick 33—35
Viertes Kapitel: Einrichtung und äußere Hilfsmittel
 der Seminare . . .„. 36—5
Seminarlokal 36 f; Seminarbibliothek 37—40; Bibliothekskataloge
 40—43 ; das Ordnungswort in den
Katalogen 43—50; Lehr- und Anschauungsmittel
50—52; Dotation 52 f
Fünftes Kapitel: Die seminaristischen Übungen 54 — 70
Vorbemerkungen 54 f; Diskussion wissenschaftlicher
Fragen 55—57; Disputation 57—61; Lektüre und
Interpretation 62—64; Besprechung der neuesten
Fachliteratur 64-66; gemeinsame Untersuchung
einer wissenschaftlichen Frage 66—68; außerordentliche
 Veranstaltungen 68—70
        <pb n="11" />
        Inhalt
Seite
Sechstes Kapitel: Die schriftlichen Arbeiten
der Mitglieder . pn . 11—75
Vorbemerkungen 71—73; schriftliche Seminararbeiten
 73—75
Siebtes Kapitel: Die Berichterstattung . . . 76 — 79
; Notwendigkeit und Nutzen 76 f; Art und Weise
77—79
Achtes Kapitel: Die Rezension . . . 80— 97
Begriff und Aufgabe 80—82; Zweck und Bedeutung
82 £; Voraussetzungen 83—86; Eigenschaften 86—93 ;
Bemerkungen für die Praxis 93—97
Neuntes Kapitel: Die populärwissenschaftliche
Darstellung . . S . .. 98—105
Aufgabe und Bedeutung 98—100; Anforderungen
100-—103; verschiedene Arten 103—105
Zehntes Kapitel: Die wissenschaftliche Abhand-U
 A . 106—110
Begriff und Aufgabe 106—108; Bedeutung 108 f;
Anforderungen und Sckwierigkeiten 109 f
Zweiter Teil: Die Methode des wissenschaftlichen
 Arbeitens. . 111—3928
Erster Abschnitt: Die Wahl des "Themas. 111—125
Elftes Kapitel: Bedeutung der Themawahl und
ihre Praxis. . . 111—125
Wichtigkeit der Fragestellung 111 f; Gesichtspunkte
für die Wahl des Themas 112—120; Bemerkungen
für die Praxis 120—125
Zweiter Abschnitt : Das Sammeln des Stoffes 126—183
Einleitendes 126-—128
Zwölftes Kapitel: Quellenkunde . . 129—140
Begriff und Aufgabe 129-—131; Notwendigkeit und
Bedeutung 132 f; allgemeine Regeln 133—139;
Quellennachweise 139 f
Dreizehntes Kapitel: Studium und Lektüre . 141—158
Literatur 141 f; Voraussetzungen 142-—149; Bemerkungen
 für, die Praxis 149—158
Vierzehntes Kapitel: Kollektaneen . . . . 159—183
Literatur 159; Notwendigkeit und Nutzen 160 —162;
Gegenstand 162—166; Form der einzelnen Aufzeichnungen
 166—169; Einrichtung und Ordnung
der Stoffsammlung: 1) Heftmethode 170—174:;

MM
wi
        <pb n="12" />
        izitul XI
Seite
2) Zettelmethode 174—178; Aufbewahrung der
Kollektaneen 178-—181 ; Bemerkungen für die Praxis
181— 183
Dritter Abschnitt: Das Verarbeiten des
Stoffes . . . „. 184—9248
Vorbemerkungen 184 f
Fünfzehntes Kapitel: Das Verständnis der
Quellen... ... 186—205
Literatur 186; Einleitendes 186—188; das sprachliche
 Verständnis 188—194; das inhaltliche Verständnis
 194—199; falsches Verständnis 199—205
Sechzehntes Kapitel: Die Beurteilung der
Quellen . U. 206—240
Literatur 206 f; Einleitendes 207-—209; Hilfsmittel
209—217; Entstehung und Echtheit des Textes
217—222; Erhaltung und Unverfälschtheit des
Textes 222—9228; Textgestaltung 228—232; Glaubwürdigkeit
 und Wahrheit des Textes 232—240
Siebzehntes Kapitel: Die Sichtung des Stoffes 241-—244
Zeitliche Ordnung 241 f; geographische Ordnung
241 f; sachliche Ordnung 243 f
Achtzehntes Kapitel: Die Disposition des Stoffes 245-—9248
Notwendigkeit 245 f; Eigenschaften 246—248
Vierter Abschnitt: Die Darstellung . . . 249—9275
Literatur 249; Vorbemerkungen 249
Neunzehntes Kapitel: Allgemeine Anforderungen 250—253
Sprache und Stil 250 f; Inhalt 252 f
Zwanzigstes Kapitel; Besondere Anforderungen:
 Die Schreibweise , . 254—256
Einund-wanzigstes Kapitel: Die Abkürzungen 257-—260
Zweiundwanzigstes Kapitel: Die Zitate ,‚ . 261—275
Bedeutung und Berechtigung des Zitates 261 f;
Gegenstand 262—264; Art und Weise 264—274:
Ordnung der Zitate 274 f
Fünfter Abschnitt: Die Veröffentlichung 276—328
Literatur 276; Einleitendes 276 f
Dreiundzwanzigstes Kapitel: Allgemeine Bemerkungen
 , . . 0.0.0.0... . , 278—992
Das Manuskript 278—281; die Anmerkungen 281
bis 284; die Anmerkungen in Textausgaben 284 bis

Inhal
        <pb n="13" />
        Z Inhalt
Anite
289; Berechnung des Manuskriptes 289 f; Art der
Veröffentlichung 290—292
Vierundzwanzigstes Kapitel: Autor und Verleger.
 . nn ; . 293—304
Wahl des Verlegers 293 f; die Honorarfrage 294 bis
297; Höhe der Auflage 297 f; neue Auflagen 298 f;
and. Vereinbarungen 299—302 ; Verlagskontrakt 302f
Fünfundzwanzigstes Kapitel: Drucklegung und
Korrektur. . .- EL Lu . 304—311
Format, Papier und Satz 304—306; Korrekturregeln
306—308; Korrekturzeichen 308—310; Schriftprobe
eines korrigierten Textes 311
Sechsundzwanzigstes Kapitel: Zugaben zum
gedruckten Text . . . 312—320
Seitenüberschriften 312—315 ; Inhaltsverzeichnisse
315—9317 ; Literaturverzeichnis 317—319; Vorwort 319 f
Siebenundzwanzigstes Kapitel: Der Titel . 321-—328
Literatur 321 f; verkehrte Titelmoden 321—325;
Eigenschaften eines guten Titels 326 f; Schluß 327 f
Erster Anhang: Quellennachweise . . . 329—360
$ 1. Allgemeine Bibliographie . . . 329—356
1) Bibliographische Nachschlagewerke 329—335;
2) allgemeine Bücherverzeichnisse 335 f; 3) Enzyklopädien
 : a) allgemeine 336 —338; b) religiöse 338 f;
4) allgemeine Literaturgeschichte 339; 5) anonyme
und pseudonyme Schriften 339—342; 6) Bibliographie
 der Zeitschriften: a) Geschichte der periodischen
 Literatur; Verzeichnisse 342—344; b) einige
für die Bibliographie und die allgemeine Literaturkunde
 wichlige Zeitschriften 344—346; c) theologische
 Zeitschriften 346—348; d) bibliographische
Hilfsmittel über den Inhalt der Zeitschriften 348;
7) Nachweis der übrigen neu erscheinenden Literatur
348—350; 8) Schulschriften und Veröffentlichungen
gelehrter Gesellschaften 350—354; 9) allgemeine
Handschriftenverzeichnisse 334; 10) sonstige allgemeine
 Hilfsmittel 355 f
8 2. Quellensammlungen allg. Inhalts 356—360
Zweiter Anhang: Seminarstatuten . . 361—366
Personenregister . „, 367—8377
Orts- und Sachregister - .. 378—396

XI
        <pb n="14" />
        Wissenschaftliches
== Arbeiten -
% % %
"—————— Praxis
= des akademischen Studiums —
        <pb n="15" />
        Erster Teil
Die Schule des wissenschaftlichen Arbeitens
Erstes Kapitel
Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den
alten Schulen
1. Verschiedene seminaristische Übungen der
alten Schule und ihre Bezeichnung. Unsere modernen
 Universitäten werden nicht ohne Grund als der
Stolz einer Nation betrachtet. Der Stolz unserer Universitäten
 sind ihre Seminare und Institute. Schon bei einem
einfachen Gange durch manche Musenstadt werden die
herrlichen Gebäude der akademischen Institute und Sammlungen
 und Seminare es jedem Besucher von nah und fern
kundtun, was den Pflegern und Hütern dieser Hochburgen
der Wissenschaft vor allem wert und teuer ist.
Doch ebendiese neuen herrlichen Hallen werden vielleicht
 dem Besucher noch etwas mehr zu sagen scheinen:
er wird in ihnen die Bestätigung für das oft gehörte Urteil
 erblicken, daß die Bildungsweise, der diese Anstalten
 vor allem zu dienen bestimmt sind, so recht eigentlich
 eine Errungenschaft der modernen Kultur und der
neuen Schulen darstelle.

 E
        <pb n="16" />
        4 Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen
Eine gewisse Berechtigung wird man diesem Urteil
nicht absprechen können; denn wer wollte leugnen, daß
diese auf das modernste eingerichteten Bauten den Stempel
des Fortschrittes der Neuzeit offen an der Stirne tragen?
Und auch da, wo ein stiefmütterlich bedachtes Seminar
nur ein schlechtes Lokal sein eigen nennt und über wenig
glänzende Lehrmittelsammlungen verfügen kann, wird ein
gerechter Beurteiler in dem inneren Betrieb und den wissenschaftlichen
 Arbeiten des Instituts leicht den gleichen
Charakter des modernen Fortschritts erkennen.
Trotzdem erweist sich jenes Urteil als unrichtig, wenn
es nicht bloß die äußeren Schalen und die gegenwärtige
Erscheinungsart, sondern auch den inneren Kern, und das
wesentliche Element dieser seminaristischen Bildungsweise
als eine Frucht der modernen Kultur betrachten wollte.
Auch die alte Schule kannte und liebte und übte in den
verschiedensten Weisen das, was wir heute unter dem
Namen der seminaristischen Ausbildung zusammenfassen.
Freilich, die Pflanze ist gewachsen und zum mächtigen
Baume geworden, der seine Äste weithin über die Lande
ausstreckt. Doch auch vor mehr als dreihundert Jahren
finden wir nicht bloß ein in der Erde still verborgenes
und langsam sprossendes Samenkörnlein, sondern schon
das junge Fruchtbäumchen, das grünt und blüht und köstliche
 Früchte bringt.
in den Statuten und Berichten der alten Schulen, die
hier hauptsächlich in Betracht kommen, begegnen uns drei
Arten von Übungen und Anstalten, welche als die alten
seminaristischen Einrichtungen bezeichnet werden können.
Es sind 1. regelmäßige Übungen der Studierenden
 unter Leitung eines Lehrers, die mit den lateinischen
 Namen circulus, repetitio, disputatio, actus, problema,
casus oder auch scabella bezeichnet oder unter dem gemeinsamen
 Ausdruck academia zusammengefaßt werden.
9. Dazu kommen wissenschaftliche Vereine der
Studierenden unter Vorsitz eines Lehrers, welchen vorzüglich
 der Name academia oder auch collegium eignet.
        <pb n="17" />
        Seminaristische Übungen der alten Schule. Disputationen 5
3. Endlich gab es eigentliche fachwissenschaftliche
 Seminare, die entweder gleichfalls zu den Akademien
 gerechnet wurden, oder den besonderen Namen
seminarium führten.
Für den Gymnasialunterricht gab es ähnliche Übungen, zu denen
außer den Repetitionen und Akademien insbesondere die declamatio und
concertatio gehörten; vgl. Bernh. Duhr in: Bibliothek der kath. Pädagogik
 hgb. von F. X. Kunz 9 (Freiburg 1896) 118-—28.
An manchen privaten und öffentlichen Lehranstalten bestehen diese
Einrichtungen der alten Schule noch jetzt in Kraft, zum Teil unter Beibehaltung
 der alten Namen. Für den Zweck dieses kurzen geschichtlichen
 Rückblickes müssen wir uns mit einigen Bemerkungen über die
einzelnen Arten jener Übungen begnügen, und zwar unter Beschränkung
auf den höheren Unterricht seit dem sechzehnten Jahrhundert.
2. Disputationen. An der Universität, ebensowie
an jeder anderen Schule, kann der Unterricht nie und
nimmer seiner Aufgabe gerecht werden, wenn er sich einseitig
 auf die Tätigkeit des Lehrers in den Vorlesungen
beschränkt. Erst dort wird er reife und dauernde Früchte
erzielen, wo er die Studierenden zu selbstgewollter Mitarbeit
 aneifert und anleitet und sie in methodischer Übung
ihr eigenes Können allmählich entfalten lehrt.
Diese Erkenntnis, auf die man gerade in der letzten
Zeit mit besonderem Nachdruck hingewiesen hat, war auch
für den Unterricht in der alten Schule maßgebend. Als
erstes Mittel sollten diesem Zwecke die verschiedenen
Formen der Disputationen dienen.
1. Schon an den Universitäten des Mittelalters standen
diese Übungen in hohen Ehren. Mag man der Scholastik
auch noch so abhold sein und mit Theobald Ziegler gegen
das allzu formalistische Sic et non der scholastischen Dialektik
 den Vorwurf erheben, daß in ihren Disputationen
„der unfruchtbare Schulwitz und jener Geist der Eristik vor
allem gezüchtet wurde“!), man wird doch nach einer ruhigen
und sachlichen Prüfung aller in Betracht kommenden Fak-')
 Th. Ziegler, Geschichte der Pädagogik 1 $ 6, in: Handbuch
der Erziehungs- und Unterrichtslehre von A. Baumeister 1, 1? 30.
        <pb n="18" />
        $ Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen
toren dem Ergebnis seine Zustimmung nicht versagen
können, das Friedrich Paulsen mit den Worten auspricht:
„Und was die Disputationen anlangt, so dürfte das Mittelalter
 über ihren Wert sich schwerlich in einer Täuschung
befunden haben. Sie waren ohne Zweifel geeignet, eine
große Präsenz des Wissens und eine erstaunliche Geübtheit
 im Auffassen von Argumentationen hervorzubringen“ ').
Dabei bemerkt Paulsen, daß er in der scholastischen Philosophie
 und ihrem Unterrichtsbetrieb zu wenig bewandert
sei, um eine Rettung jener mittelalterlichen Einrichtungen
versuchen zu können (ebd. 36).
2. Auf den Wert und die Weise der Disputationsübungen
wollen wir jetzt nicht näher eingehen?). Wie die Leiter und
Lehrer der mittelalterlichen Universitäten sahen auch die
Vertreter der alten Schule seit dem sechzehnten Jahrhundert
in diesen Übungen ein Hauptmittel, nicht bloß um die
Präsenz des Wissens und die Geübtheit im Auffassen zu
‚fördern, sondern auch um das Wissen zu vertiefen und
eine fruchtreiche Selbsttätigkeit und Mitarbeit der Studierenden
 zu erzielen. Freilich war diese Selbsttätigkeit frei
von dem modernen Ehrgeiz, neue Wahrheiten zu finden
und diese „eigengemachte Weisheit“ vom Katheder herab
feilzubieten. Innerhalb des Wissensgebietes, das zunächst
im Vordergrund des Interesses stand, wird man jedoch
auch die spekulative tiefere Begründung und Weiterbildung
einer Lehre und die Anwendung der Prinzipien auf neue
Fälle und Verhältnisse und eine allseitigere Lösung der
entgegenstehenden Schwierigkeiten als eine fruchtreiche Art
von produktiver wissenschaftlicher Tätigkeit bezeichnen
dürfen. Gerade dazu boten aber die Disputationen den
Studierenden die mannigfachste Anregung und Förderung.
3. Man unterschied mehrere Arten von Disputationen je
nach der größeren oder geringeren Feierlichkeit des Aktes.
1) Fr. Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts 1? 38. —
Über die Entwicklung der akademischen Disputation an den Universitäten
 vgl. Ferd. Hichler in: Sammlung bibliothekswissenschaftlicher
Arbeiten, hgb. von Karl Dziatzko, 11. Heft (Leipzig 1898) p. 36 f.
2) Vgl. darüber n. 19 im 5. Kapitel p. 57—61.
        <pb n="19" />
        Disputationen /
Wie man an den Universitäten des Mittelalters in allen
Fakultäten neben den regelmäßigen kleineren Wiederholungen
 (repetitio oder resumptio) die disputationes ordinariae
und die feierliche disputatio quodlibetica gehalten hatte‘),
so gab es auch später außer den täglichen Übungen, die
sich unmittelbar an die Vorlesungen anschlossen und circuli
 oder scabella genannt wurden, auch wöchentliche und
monatliche Disputationen und feierliche Akte über einen
größeren Teil oder auch über das ganze Gebiet der Studien
einer Fakultät. Die wöchentliche Disputierübung hieß meistens
 sabbatina, weil sie in der Regel auf den Sonnabend
verlegt wurde, während die menstrua wenigstens einige
Male im Semester wiederkehrte und ein actus sollemnis
oder publicus in der Regel den Anfang oder das Ende des
Schuljahres auszeichnete.
Auf diese von den früheren Schulen übernommenen Übungen wurde
in der Studienordnung der Gesellschaft Jesu von Anfang an ein ganz
besonderes Gewicht gelegt. Schon die Konstitutionen machen den Studierenden.
 der Gesellschaft die Teilnahme an den Disputationen unter
Hinweis auf den großen Nutzen derselben zur Pflicht (P. 4 c. 6 n. 10)
und die Ratio studiorum in den verschiedenen Redaktionen von 1586,
1599 und 1832 kommt immer wieder auf diese wichtige und nützliche
Einrichtung zurück. Vgl. die Ratio studiorum von 1586, De repetitionibus
 und De disputationibus bei @. M. Pachtler, Ratio studiorum et
institutiones scholasticae Societatis Jesu 2 (Monumenta Germaniae Paedagogica
 von K. Kehrbach 5, 98—107); Ratio stud. v. 1599 und 1832,
Regulae Praefecti studiorum 8—16. 19. 20. 24. 25, 26; Regulae communes
 omnibus Professoribus superiorum Facultatum 11—18; Regulae
Professoris Sacrae Scripturae 19. 20; Regulae Professoris Theologiae 14;
Regulae Professoris Theologiae moralis 6; Regulae Professoris Philosophiae
 16—20; Regulae Professoris Philosophiae moralis 3. 4 (Pachtler
2, 276 ff. 290 f. 298. 308. 324 ff. 340 ff); Regulae Scholasticorum 5. 6;
Institutio eorum, qui per biennium privato studio Theologiam repetunt 9
(ebd. 452, 454).
„Als Ergänzung der Disputierübungen wurde für die Moraltheologie
die collatio casuum conscientiae (auch einfach casus genannt) angeordnet,
während im mathematischen Unterricht neben den üblichen Wiederholungen
 das problema die Stelle der Disputation vertrat (Reg. Prov,
1) Vgl. Otto Kaemmel in: Geschichte der Erziehung von K, 4.
Schmid 92, 1, 434—8.
        <pb n="20" />
        8 Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen
13—15; Reg. Prof. Theol. mor. 7—10; Institutio eorum, qui per biennium
 priv. stud. Theol. repetunt 2; Reg. Prof. Mathematicae 2. 3.
Pachtler 2, 240. 326 ff, 452. 348).
Vgl. Pachtler 1 (Monumenta Germ. Paed. 2) 258—60: „Ordo servandus
 in publicis disputationibus“ (um 1580); Ant. Possevino, Bibliotheca
 selecta 1 c. 7 (Romae 1593) p. 41 f (deutsch von &amp;amp;. Fell in:
Bibliothek der kath. Pädagogik hgb. von F. X. Kunz 11, 455{f);
Bernh. Duhr, Die. Studienordnung der Gesellschaft Jesu 3 (ebd. 9,
159—66).
Es bedarf kaum der ausdrücklichen Bemerkung, daß diese Disputierübungen
 nicht bloß in den Jesuitenschulen, sondern auch in allen übrigen
höheren Lehranstalten der alten Zeit, und zwar sowohl in der theologischen
 als auch in der juristischen, in der medizinischen und in der
philosophischen (Artisten-) Fakultät, eifrig gepflegt wurden. So bestimmten,
 um nur ein einziges Beispiel anzuführen, die im J. 1653
veröffentlichen Statuten der Salzburger Benediktineruniversität über den
Besuch dieser Disputationen: „Quamvis omnium sit comparere ad Theses
et Disputationes publicas, singulariter tamen omnes et singuli illius
Facultatis Studiosi, cuius Theses habentur, venire et toto die interesse
tenentur; secus a Decano illius Facultatis poena pecuniaria determinata
muletabuntur“ (bei Magnus Sattler, Collektaneenblätter zur Geschichte
der ehem. Benediktineruniversität Salzburg [Kempten 1890] p. 34).
Gegen unsere Ausführungen auf diesen ersten Seiten wurde der
Vorwurf der Parteilichkeit erhoben, weil sie zusehr auf die Jesuitenschulen
 Rücksicht nehmen und zuwenig die übrigen Orden und Anstalten
 beachten. „An altogelher impartial historian would probably
have discovered more evidence to show that the training which produced
 the great Benedictine editors, must have been based on a
system as perfect for its time as the ratio or the modern Seminar“
(P. J. Toner in: The Irish Theol. Quarterily 3 [1908] 241). Sollte hier
ein „historian“ die Geschichte der seminaristischen Bildungsweise
schreiben wollen, so hätte er notwendigerweise auf die übrigen Orden
und Anstalten ausführlicher eingehen müssen und er dürfte nicht
einmal mit dem „discover more evidence“ ‚zufrieden sein. Der Ursprung,
 Zweck und Charakter unserer Schrift und dieser kurzen einleitenden
 Übersicht wird es aber wohl rechtfertigen, daß wir uns auf
die gelegentlichen Beispiele beschränkten, und jene Studienordnungen
und Einrichtungen an erster Stelle berücksichtigten, die in den letzten
Jahrhunderten den nachhaltigsten Einfluß auf die Entwicklung dieser
Bildungsweise ausgeübt haben.
3. Akademien. In noch höherem Maße als bei den
Disputationen wurde die selbsttätige Mitarbeit der Studierenden
 in den alten Schulen angeregt durch die soge-
        <pb n="21" />
        Disputationen. Akademien 9
nannten Akademien. Weil diese Einrichtung vorzüglich
durch die Ratio studiorum der Gesellschaft Jesu ihre besondere
 Ausbildung erhalten hat, muß diese Studienordnung
 als Hauptquelle für die Kenntnis derselben dienen.
1. Mit dem Namen academia bezeichnet man einen
wissenschaftlichen Verein der ausgezeichneteren Studierenden,
die zu bestimmten Zeiten unter Vorsitz eines Lehrers oder
seines Stellvertreters zu privaten wissenschaftlichen Übungen
sich versammeln.
2. Der Zweck dieser Vereine fällt fast ganz mit dem
unserer heutigen Seminare zusammen. Bernh. Duhr sagt
darüber mit vollem Recht: „Der Jüngling soll lernen, die
freien Augenblicke, die ihm nach der Schule, den Pflichtarbeiten
 und einer anständigen Erholung übrig bleiben,
gut und fruchtbar zu verwenden. Er soll in früher Jugend
Hinneigung zu den geistigen Gütern der Menschheit, zu
Tugend und Wissenschaft, fassen und sie betätigen, und
zwar aus sich selbst: Spontaneität, Aktivität, Energie sind
die drei Geheimnisse des geistigen Fortschrittes, handle es
sich um Tugend oder Wissenschaft oder Kunst. Zugleich
sind diese akademischen Schülervorträge eine gute Vorschule
 für künftige Lehrtätigkeit und wissenschaftliche Verwertung
 des Gelernten; sie gewöhnen an die Behandlung
gelehrter Dinge und an die Genauigkeit im Forschen; denn
das Vorgetragene wird durchaus nicht gläubig hingenommen,
sondern es folgt eine Diskussion und Disputation, die gerade
 den schwächeren Teilen der Abhandlung zusetzt“!).
3. Mitglieder der Akademie sollen nach den Bestimmungen
 der Studienordnung nicht alle Angehörigen einer
Klasse oder eines Kurses sein, sondern nur die besseren,
die durch Talent und Tugend sich auszeichnen; denn die
Akademie soll ein „coetus studiosorum ingenio et pietate
praestantium ex omnibus  scholastieis delectus“ sein, wie
die Ratio studiorum von 1839 sich ausdrückt (Reg. Acad. 1).
‘) B. Duhr, Die Studienordnung der Gesellschaft Jesu 3, in:
Bibliothek der kath. Pädagogik 9, 129.
        <pb n="22" />
        10 Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen
4. Über die Verfassung der Akademie bemerkt
B. Duhr: „In der Leitung der Akademie ist das monarchische
und das demokratische Prinzip vereinigt. Der Rektor des
Kollegs wählt aus den Professoren oder den übrigen Patres
den Vorsitzenden oder Moderator, die Mitglieder aber wählen
alle drei bis vier Monate mit geheimen Stimmzetteln und
durch Stimmenmehrheit den Magistrat der Akademie, nämlich
 den Rektor, seine zwei Räte und den Sekretär, auch
andere Würdenträger, wenn die große Zahl der Mitglieder
es nötig machen sollte“ (aaO. 129).
5. Als Mittel zur Erreichung des angestrebten Zieles
stehen der alten Akademie mehr oder weniger sämtliche
Übungen des modernen Seminars zur Verfügung. Mochte
auch nach der alten Ratio studiorum von 1599 das Hauptgewicht
 in den gewöhnlichen Sitzungen auf die Wiederholung,
 Aneignung und Vertiefung des in der Schule vorgetragenen
 Stoffes gelegt werden, so boten doch auch diese
alten Bestimmungen in der Erörterung von wissenschaftlichen
 Fragen, bei den feierlichen akademischen Akten und
in der öffentlichen Verteidigung von Thesen ein weites
Feld für die Förderung und Entfaltung der Selbsttätigkeit
bei den Studierenden. Die neue Studienordnung von 1832
legte noch mehr Nachdruck auf diese Ausbildung des
eigenen Schaffens bei den Akademikern, indem sie an
Stelle der regelmäßigen Wiederholungen als Hauptübung
der Akademie die sogenannten Vorlesungen bestimmte. Es
sind darunter eigentliche Seminararbeiten verstanden, die
von den Mitgliedern in den Sitzungen vorgelesen werden.
Die anschließende Diskussion bietet allen Akademikern Gelegenheit,
 ihre Bemerkungen über die behandelte wissenschaftliche
 Frage vorzulegen und Einwürfe gegen die vorgetragene
 Meinung zu erheben. Außerdem wird auch nach
der neuen Ordnung durch feierliche akademische Akte und
halböffentliche oder öffentliche Sitzungen in Gegenwart
eines größeren Auditoriums noch mehr Gelegenheit zur
Selbsttätigkeit und zum öffentlichen Auftreten geboten.
        <pb n="23" />
        Akademien. Fachwissenschaftliche Seminare 11
6. Der große Nutzen dieser wissenschaftlichen Übungen
liegt auf der Hand. „Eine einzige selbständige wissenschaftliche
 Arbeit, die nach eingehenden Studien zu Papier
gebracht wird, ist dann auch für die eigene wissenschaftliche
 Erkenntnis und Methode von großer Bedeutung und
wirkt anregend und fördernd auf das übrige Studium ein“).
Derselbe Autor fügt aber mit vollem Recht hinzu: „Der
Erfolg in den Akademien hängt ebensowie in unseren akademischen
 Seminarien hauptsächlich von dem Moderator,
dem Leiter, ab. Wenn er für sein Fach begeistern kann,
wenn er die vielen interessanten Fragen aufzuschließen vermag,
 die oft in einem ganz abstrakten Thema verborgen
sind, wenn er dabei zu eigenem selbständigen wissenschaftlichen
 Arbeiten an der Hand der ersten Quellen anzuregen
 versteht, dann wird der Zweck dieser Akademien
ganz gewiß erreicht werden und es wird nie an Männern
fehlen, die nicht allein für die Tugend, sondern auch für
die Wissenschaft begeistert sind“ (ebd.).
Für die näheren Bestimmungen sind die Vorschriften der Studienordnung
 von 1599 und 1832 zu vergleichen (bei @. M. Pachtler, Ratio
studiorum et institutiones scholasticae Soc. Jesu 2, 460—81). Eine gute
Zusammenstellung und Erläuterung der einzelnen Punkte bietet B. Duhr,
Studienordnung p. 128—36. — Auch für die verschiedenen Arten der
Akademie (Akademie der Grammatiker, der Humanisten und Rheto-Tiker,
 der Philosophen und Theologen) möge der Hinweis auf diese
Bestimmungen genügen.
4. Fachwissenschaftliche Seminare. Während
die Disputationen für alle Studierenden und die eigentlichen
 Akademien wenigstens für einen größeren Kreis derselben
 bestimmt waren, sollte eine dritte Einrichtung der
alten Schule nur jenen zugute kommen, die sich in einem
einzelnen Fache weiterbilden oder für die Tätigkeit im Lehramte
 vorbereiten wollten. Auch für diese mit unseren
Modernen Seminaren noch näher verwandten Einrichtungen
sind wir auf die Studienordnung der Gesellschaft Jesu als
Hauptquelle unserer Kenntnis angewiesen.
') B. Duhr, Studienordnung 136.
        <pb n="24" />
        12 Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen
1. In den Bestimmungen dieser Ratio studiorum werden
zwei Arten von solchen Seminaren berücksichtigt. Bei der
ersten handelt es sich um die Förderung einzelner Studierender
 in einem bestimmten Fachstudium. Die Übungen,
welche dafür angeordnet sind, werden ebenfalls als „Akademie“
 bezeichnet, obwohl sie sich von den allgemeinen
Vereinen dieses Namens in mehr als einem Punkte unterscheiden.

9. Zu dieser ersten Klasse gehören die griechischen
und hebräischen Akademien und die besonderen Übungen
für die Mathematik. Es ist davon die Rede in der 8. und
20. Regel des Provinzials und in der 7. Regel des Rektors!).
 Die letztere bestimmt, daß der Rektor für die Einrichtung
 von Akademien des Griechischen und Hebräischen
Sorge trage, in welchen die Akademiker wöchentlich 2—3mal,
und zwar an freien Tagen, solche Übungen veranstalten,
daß daraus tüchtige Vertreter der beiden Sprachen im privaten
 und öffentlichen Leben hervorgehen können („ut inde
prodire possint, qui harum linguarum scientiam et dignitatem
 privatim ac publice tueantur“).
3. Über die Arbeiten in diesen Akademien bemerkt
B. Duhr: „Diese Akademien üben nicht bloß die Grammatik,
 Philologie, den Stil, sondern auch die Lektüre und
Literatur der beiden Sprachen; Abhandlungen werden verfaßt,
 vorgelesen und diskutiert; irgend ein griechischer
Autor oder ein Buch des Alten Testamentes wird abschnittweise
 zur Übersetzung und Erklärung unter die Akademiker
verteilt und so zum Gemeingut aller“?). Eine derartige
Akademie ist der Sache nach ganz dasselbe mit unseren
akademischen Seminaren und würde im Betriebe der modernen
 Universität ohne weiteres auch den Namen eines
fachwissenschaftlichen Seminars erhalten.
4, Daß dieser Name „Seminar“ für eine ähnliche Einrichtung
 in der alten Schule bekannt war, zeigt die zweite
Art der in der Ratio studiorum vorgesehenen Übungen.
 G. M. Pachtler, Ratio studiorum 2, 236. 256. 268.
2?) B. Duhr, Studienordnung 135.
        <pb n="25" />
        Fachwissenschaftliche Seminare
Sie haben den Zweck, die Lehramtskandidaten für ihre
spätere Berufstätigkeit in geeigneter Weise vorzubereiten.
Sie werden von der Studienordnung zwar auch als eine
Art von Akademie bezeichnet, führten aber, wie aus anderen
 Nachrichten hervorgeht, auch den Namen eines
Seminariums.
5. Die Ratio studiorum redet von denselben in der
30. Regel des Provinzials und in der 9. des Rektors. Die
erste lautet: „Und damit sie [die Kandidaten] ihr Lehramt
mit desto besserer Vorbildung antreten, ist es besonders
notwendig, daß sie in Privatakademien hiezu vorgeübt
werden. Dem Rektor wird daher die genaue Ausführung
der Vorschrift seiner 9. Regel sehr empfohlen“. In dieser
9. Regel des Rektors heißt es: „Damit die jungen Lehrer
der unteren Klassen ihr Amt nicht ohne eine praktische
Vorbildung antreten, soll der Rektor des Kollegs, aus dem
die Lehrer der Humaniora und der Grammatik gewöhnlich
genommen werden, einen sehr erfahrenen Schulmann auswählen;
 bei diesem sollen sich gegen Ende ihrer Studien
die künftigen Lehrer wöchentlich dreimal eine Stunde lang
einfinden, damit sie gegenseitig durch Vorlesen, Diktieren,
Schreiben, Korrigieren und andere Arbeiten eines tüchtigen
Lehrers zu ihrem neuen Schulberufe vorgebildet werden“).
6. Wie man sieht, haben die hier ins Auge gefaßten
Übungen den Zweck, den Kandidaten des Lehramtes außer
der im gewöhnlichen Unterricht und in den verschiedenen
Akademien erlangten wissenschaftlichen Vorbildung auch
die notwendige praktische und formelle Schulung für ihren
Beruf zu bieten. Es lag nahe, die beiden Arten dieser
vorbereitenden Übungen miteinander zu vereinigen, und so
wurden schon vor der Veröffentlichung der Studienordnung
von 1599 philologische Seminare ins Leben gerufen, welche
ausschließlich oder doch hauptsächlich für die wissenschaftliche
 und praktische Heranbildung der Lehramtskandidaten
bestimmt waren.
*) @. M. Pachtler, Ratio studiorum 2, 262 f. 270 f.

13
        <pb n="26" />
        14 Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen
Es möge genügen, als Beispiel hier das Seminar von Palencia in
Spanien zu erwähnen, das auf Anordnung des Generals der Gesellschaft
Jesu im Jahre 1579 durch den Visitator der kastilianischen Provinz,
P. Diego de Avellaneda, begründet wurde. Der durch seine pädagogischen
 Schriften bekannte P. Juan Bonifacio (1538—1606) spricht
sich in seinen Briefen wiederholt über den großen Nutzen und die Bedeutung
 dieses philologischen Seminars aus. So schreibt er einige Jahre
nach dessen Errichtung unter anderem an seinen Gründer: „Wiewohl
du nicht diese Einrichtung zuerst erfunden, denn ihre Erfindung ist sehr
alt, so hat doch niemand vor dir derselben eine so vortreffliche Ausstattung
 gegeben. Denn du hast aus den verschiedenen Kollegien unserer
 Provinz, welche du als Legat des Pater General besuchtest, die
besten Zöglinge in das Kolleg von Palencia wie in ein trojanisches Pferd
gesammelt und dem tüchtigsten Professor zur Ausbildung anvertraut.
Der Erfolg ist so glücklich, daß diese unsere Provinz, dank dem von dir
gegründeten Seminar (tui beneficio seminarii), in der griechischen und
lateinischen Literatur mit Italien wetteifern kann. Der Nachwuchs an
Lehrern, an dem uns die Nationen jenseits der Alpen voraus waren,
mehrt sich wunderbar. Es ist kein Mangel an solchen, welche die ermüdeten
 Lehrer unterstützen oder ersetzen können; die geistige Barbarei
 schwindet, die Sprache verfeinert sich und die Schmach einer
unedlen Sprache, um deren willen das Ausland über uns zu lachen
pflegt, wird von uns genommen. Möge das Seminar fortbestehen, wie
es begonnen, mögen fromme und talentvolle Schüler dort gebildet
werden. Mögen die Provinziale, wofern sie wünschen, daß dieser süße
Honig der Sprache bereitet werde, aus jeder Provinz die Blüte auslesen.
Kein Tag vergehe ohne Übungen im Reden und Schreiben! Cicero, der
Meister der lateinischen Sprache, sei stets in ihren Händen. Virgil
werde fleißig gelesen, denn er lehrt am besten den Versbau. Aus den
Possen des Plautus und Terenz wähle man die Stücke aus, welche zur
Bildung des Geistes beitragen können, und deren gibt es viele. Auch
jene Stellen in diesen beiden Dichtern.übergehe man nicht, die, wenngleich‘
 in Versen abgefaßt, doch zur Bereicherung der Redekunst beitragen.
 Die Unsrigen sollen sich mit der Geschichte vertraut machen,
die hebräische und griechische Sprache erlernen und im Altertum zu
Hause sein. Dann wird unser Volk den Beifall Italiens ernten ... So
unterliegt es auch keinem Zweifel, daß nicht nur aus den großen und
herrlichen Seminaren Gregors [XIII], sondern auch aus dieser deiner
kleineren Stiftung Lehrer hervorgehen, welche fähig sind zum Lehrfache
 und zu nützlicher Tätigkeit in der Kirche, und daß aus jenen
Häusern wie aus einer reichen Grube lebendige Steine hervorgehen,
sei es zum Aufbau, sei es zur Ausbesserung des Tempels Gottes.
Unserer Provinz konnte kein zeitgemäßeres und nützlicheres Geschenk
zuteil werden. Sie war von Schulen fast erdrückt, jetzt aber atmet
        <pb n="27" />
        Fachwissenschaftliche Seminare. Rückblick „J
sie wieder auf... Wir haben genug Last und Arbeit übernommen;
wohl uns, wenn wir darin ausharren bis zum Ende, ohne ausgezischt
zu werden! Diesen glücklichen Erfolg verbürgt uns einzig und allein
diese Art von Seminaren“ (Der fruchtbringende Weise [De sapiente
fructuoso] 1. Buch 6. Brief [De utilitate seminarii], übersetzt von
H. Scheid in: Bibliothek d. kath. Pädagogik 11, 195—9).
Derselbe im Lehramt ergraute Pädagoge drückt seine Freude über
die Gründung des philologischen Seminars zu Palencia schon bald nach
der Errichtung in einem Brief vom 27. Juli 1579 an den Pater General
aus (ebd. p. 43) und schreibt über die Teilnahme an den Übungen des
Seminars an einen jüngeren Ordensgenossen: „Es freut mich von Herzen,
daß du dich mit Eifer auf die griechische und lateinische Sprache verlegst
 und in dem Seminar, nicht der Philosophen und Theologen, sondern
 der klassischen Studien gerne weilst. Ich danke dem allmächtigen
Gott, der dir nicht nur dieses Verlangen eingeflößt, sondern auch die
Gelegenheit zu diesem Studium und die Zeit zur Vollendung desselben
gegeben hat. Denn ich sehe die Bedeutung der Seminarien von einem
höheren Gesichtspunkt an“ (ebd. 1. Buch 7. Brief [De latinitatis seminario
 a nostris fratribus adamando] p.* 109).
Über ähnliche „humanistische Seminarien“ in anderen Provinzen
der Gesellschaft Jesu vgl. @. M. Pachtler, Ratio studiorum 4, 175—235;
Fr. Paulsen, Gesch. d. gelehrten Unterrichts? 1, 8387 f; Bernh. Duhr,
Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge 1 (Freiburg
1907) 551—3.
5. Rückblick. Freilich wäre es sicherlich unrichtig,
ein solches philologisches Seminarium des 16. Jahrhunderts
ohne weiteres dem Institut gleichen Namens im 20. Jahrhundert
 gleichzustellen. Denn abgesehen von anderen Unterschieden
 gab es eben damals an den Universitäten noch
keine eigentlichen philologischen Vorlesungen, als deren
Ergänzung unsere heutigen akademischen Seminare die
Vorbildung des Lehramtskandidaten weiterführen und vollenden
 sollen. So mußte das alte Seminar auch für diese
noch fehlenden Vorlesungen einigermaßen Ersatz bieten und
im allgemeinen die auf dem Gymnasium erlangte Ausbildung
vertiefen, vervollständigen und zum Abschluß bringen.
Aber wenn wir, wie anfangs bemerkt, den inneren
Kern und das wesentliche Element der seminaristischen
Bildungsweise ins Auge fassen, so dürfte aus dem Gesagten
zur Genüge hervorgehen, daß auch die alte Schule in den

15
        <pb n="28" />
        16 Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen
verschiedensten Weisen das‘ kannte und liebte und übte,
was wir heute als Seminarbildung bezeichnen. Das Bäumchen
 ist zu einem großen und herrlichen Fruchtbaum geworden;
 aber es war nicht erst neu zu setzen, es brauchte
nur zu wachsen und sich zu entwickeln, um in den modernen
 Seminaren die reichsten Früchte zu tragen.
Ähnliche seminaristische Übungen warden auch in anderen ge-Jehrten
 Schulen unter Leitung eines hervorragenden Mannes der Wissenschaft
 mit großem Eifer abgehalten. So versammelte zB. der Benediktiner
 Benedikt (Bernardin) Bacchim (1651—1721) eine auserwählte
Schar von Schülern in seiner Zelle zu gelehriten Arbeiten und Erörterungen;
 manche derselben taten sich später durch ihre wissenschaftlichen
 Arbeiten hervor (H. Hurter, Nomenclator litterarius 4? 1229). Der
große Exeget Augustin Calmet aus demselben Orden (1672—1757)
begann schon bald nach Übernahme des biblischen Lehrstuhles mit
seinen Schülern praktische exegetische Übungen abzuhalten, durch die
er selbst für seine großen Veröffentlichungen vielfache Förderung fand
(ebd. 1418). Der Dominikaner Tommaso Vinzenzo Moniglia (1686—1767)
hielt ähnliche praktische Privatkurse für seine Schüler aus dem Gebiet
der Geschichte und Geographie und aus anderen Fächern (ebd. 5° 65).
Der Franziskaner Wilhelm Smits aus Kevelaer am Niederrhein (1704
bis 1770), der als Exeget einen großen Ruf hatte, leitete das „collegium
philologiae sacrae“ im Kloster der Minderbrüder zu Antwerpen (ehd. 94).
Die Beispiele für ähnliche seminaristische Einrichtungen und Bestrebnngen
in den alten Schulen ließen sich leicht vermehren‘).
Außer den schon genannten Schriften ist noch zu vergleichen:
G. M. Pachtler, Die Reform unserer Gymnasien (Paderborn 1883)
61. 85—94, 244—9. 261 f. 282; Joh. Janssen, Geschichte des deutschen
Volkes 71 (Freiburg 1904) 97. 111—5. Zu Ernst von Sallwürcks
Darstellung der „Entwicklung und Ausbreitung des jesuitischen Schulwesens
 im 17. und 18. Jahrhundert“ in: Gesch. der Erziehung von
K. A. Schmid 5, 2 (Stuttgart 1901) vgl. Hist.-pol. Blätter 129 (1902, 1)
232—40: „Das Bildungswesen der Jesuiten seit 1600“.
Es wäre lehrreich, dem Gebrauch des Namens „Seminar“ in seiner
Anwendung auf derartige geistige Bildungsanstalten nachzugehen. In
der klassischen und nachklassischen Sprache bezeichnet seminarium
entweder eine „Pflanzschule“ (plantarium) im eigentlichen Sinne oder
übertragen die Ursache, den Anfang, die Quelle einer Sache. Am
nächsten kommt der späteren Bedeutung „Seminar“ der klassische Gebrauch
 in Verbindungen wie „seminarium Catilinarium“ (Cic., Cat.
ı) Den Hinweis auf die angeführten Beispiele verdanke ich Professor
 Hermann van Laak in Rom,
        <pb n="29" />
        Rückblick 17
2,10) oder „veterani seminarium iudicum tertiae decuriae“ (Cic., Phil.
13,2) oder „seminario exiguo militum relicto“ (Liv. 6,12) u. ä. (vgl.
Du Cange und Forcellini s. v.). Auch die von Hch. Ed. Dirksen,
Manuale latinitatis fontium iuris civilis Romanorum (Berlin 1837) s. v.
für die Bedeutung „schola“ aus dem Corpus iuris civilis angeführte
Stelle „adsciscere in seminarium dignitatum“ (Nov. Valentiniani III de
postulando 2, 2 vom 13. August 442; in der Ausgabe von T%. Mommsen
und Paul M. Meyer 2 [Berlin 1905] p. 77 f) geht nach dem Zusammenhang
 nicht über die alte Bedeutung hinaus. In den Beschlüssen
des Trienter Konzils (sessio 23 c. 18 de reformatione) ist dagegen der
Gebrauch von „seminarium“ neben „collegium“ zur Bezeichnung der
geistlichen Bildungsanstalten üblich. Ebenso heißt das philologische
Seminar von Palencia in den angeführten Briefen des P. Juan Bonifacio
bald „collegium“ bald „seminarium“ (in der lateinischen Ausgabe der
Schrift „De sapiente fructuoso“ ([Ingolstadii 1606] p. 107. 109. 115.
119 u. 6).
Fonck, Wissenschattliches- Arbeiten. 8. Aufl.

+
        <pb n="30" />
        18 Entwicklung der Seminare an den modernen Universitäten
Zweites Kapitel
Entwicklung der Seminare an den modernen
Universitäten
6. Die Hochschulseminare im allgemeinen,
1. Die Entwicklung der Seminare an den modernen
Universitäten ist auf allen ihren Stufen durch die gleiche
Erkenntnis beeinflußt, die auch bei den alten Schulen zu
einer sehr nachdrücklichen Betonung der praktischen
Übungen geführt hatte. Zunächst mußte darauf Bedacht
genommen werden, dem bloß rezeptiven Verhalten der
Studierenden möglichst wirksam entgegenzutreten und ihnen
die notwendige Anregung und Anleitung zu einer selbstständigen
 produktiven Tätigkeit zu bieten. Außerdem war
es namentlich für die Kandidaten des höheren Lehramtes
unumgänglich nötig, ihnen außer einer gründlicheren Einführung
 in die humanistischen Studien der Philologie, Geschichte,
 Archäologie usw. auch die entsprechende pädagogische
 Vorbildung hinsichtlich der formellen und praktischen
Seite ihrer späteren Berufstätigkeit zu ermöglichen.
9. Während die erstere Rücksicht fast in allen wissenschaftlichen
 Disziplinen die Abhaltung von praktischen
Übungen veranlaßte und damit von selbst den Weg der
seminaristischen Bildung betreten ließ, führte das letztere
Moment zur ersten Einrichtung von eigentlichen Universitätsseminaren.
 Die ersten Anstalten dieser Art kamen daher
 den philologischen Studien zugute, in deren Dienst
        <pb n="31" />
        Die Hochschulseminare im allgemeinen 19
sie auch heute noch vielleicht mehr als auf den meisten
übrigen Gebieten eine liebevolle Pflege erfahren und reife
Früchte zeitigen.
3. Das erste philologische Hochschulseminar wurde 1697
durch Christoph Cellarius (1638—1707) an der Universität
Halle - als collegium elegantioris litteraturae errichtet. Die
Anstalt sollte vor allem dem Verfall der klassischen Studien
 an der Universität entgegenwirken und insbesondere
den künftigen Lehrern an Gymnasien und anderen Schulen
die nötige Ausbildung geben. Sie blieb aber ohne nachhaltige
 Wirkung, da die Theologie und die Jurisprudenz
fast ausschließlich das Interesse der Studenten in Anspruch
nahmen und ein Verständnis für selbständige philologische
Studien noch zu wenig vorhanden war. ;
“. Etwas mehr Erfolg hatte das Seminarium philologicum,
 das Joh. Matth. Gesner (1691—1761) im Jahre 1737
an der drei Jahre zuvor errichteten Universität Göttingen
ins Leben rief. Es hatte den Zweck, die Studierenden der
Theologie, von denen viele eine Zeitlang im Lehramt tätig
sein Sollten, auf diese Wirksamkeit in der Schule vorzubereiten
 durch fachwissenschaftlichen Unterricht in der
Philologie, Mathematik und Naturwissenschaft, Geschichte
und Geographie, ferner durch pädagogische Unterweisung
in der Unterrichtsmethode und durch praktische Einübung
derselben im Schulehalten. Unter der vorzüglichen Leitung
Gesners, welcher fast 25 Jahre hindurch an der Spitze der
Anstalt blieb, entfaltete diese einen günstigen Einfluß auf
die Heranbildung von geeigneten Lehrkräften. Doch gelangte
auch hier die Philologie noch nicht zur Anerkennung als
einer selbständigen Wissenschaft; für die meisten dieser
Lehramtskandidaten blieb außerdem die Tätigkeit in der
Schule nur eine Durchgangsstufe für das geistliche Amt.
5. Das erste ausschließlich fachwissenschaftliche philologische
 Hochschulseminar wurde von Friedrich August Wolf
(1759—1824) im J. 1787 an der Universität Halle begründet.
Zwar sollten nach den Bestimmungen des Oberschulkollegiums
 auch bei diesem Seminar die praktischen Interessen

Up &amp;gt;
        <pb n="32" />
        20 Entwicklung der Seminare an den modernen Universitäten
in‘ der Heranbildung von geschickten Schulmännern nicht
außer acht gelassen werden. "Tatsächlich aber betrachtete
der Vater der klassischen Philologie und Altertumswissenschaft
 es als die Hauptaufgabe seiner Stiftung, gelehrte
Philologen heranzubilden, und diese Aufgabe hat das Institut
 unter der 23jährigen Leitung seines Gründers auch
in hervorragender Weise erfüllt. Allerdings mußte Wolf
selbst im J. 1810 bei den Verhandlungen über die Errichtung
 eines ähnlichen philologisch-pädagogischen Seminars
in Berlin ausdrücklich einen doppelten Mangel seiner Halleschen
 Gründung anerkennen, nämlich „daß junge Leute
oft schon in der ersten Hälfte ihrer Studien zu einer gelehrten
 Tätigkeit getrieben wurden, ehe sie ihre eigene
tiefere Bildung weit genug gebracht hatten, und daß alles
Praktische beinahe ganz fehlte“.
6. Wie in Berlin so wurden im Lauf des 19. Jahrhunderts
 an allen deutschen und ebenso an den österreichischen
 Universitäten und im Ausland philologische Seminare
für die klassischen Studien nach dem Muster der Wolfschen
Anstalt in Halle eingerichtet. Zu den altphilologischen
traten dann allmählich ähnliche Institute für die übrigen
Zweige der akademischen Lehrtätigkeit hinzu, vorzüglich
für den neusprachlichen, geschichtlichen und geographischen,
naturwissenschaftlichen und mathematischen Unterricht. Um
die Übungen des‘ Seminars auf einen kleineren Kreis beschränken
 und erfolgreicher gestalten zu können, wurde
vielfach ein sogenanntes Proseminar als Vorstufe für die
Studierenden der ersten Semester eingeführt.
7. In Frankreich erlangte namentlich die Ecole des
Chartes (seit 1821) für das Studium des Mittelalters und die
Ecole pratique des Hautes Etudes (seit 1868) insbesondere
für die geschichtlichen und philologischen Studien große
Bedeutung; sie folgen der seminaristischen Bildungsweise.
Im übrigen sind die französischen Universitäten und Institute
hinsichtlich der Seminare noch weit zurück, wenngleich ein
guter Anfang vielerorts gemacht ist. In Belgien wie in den
Vereinigten Staaten von Amerika gibt es zahlreiche Hoch-
        <pb n="33" />
        Die Hochschulseminare im allgemeinen 21
schulseminare, die insbesondere an der Löwener Uhiversität
in großer Blüte stehen.
8. Der gemeinsame Zweck dieser Seminare ist vorzüglich
 die methodische Schulung und Anleitung zu selbständigem
 wissenschaftlichem Arbeiten und Forschen auf den
einzelnen Gebieten des akademischen Unterrichts. Die bei
dieser wissenschaftlichen Ausbildung vernachlässigte praktische
 Vorbereitung für die Tätigkeit im Lehrfach soll den
Kandidaten in eigenen pädagogischen Seminaren geboten
werden, die teils in Verbindung mit der Universität, teils
in Verbindung mit der Schule für die nötigen praktischen
Übungen Sorge tragen.
Nicht selten wird an den großen Universitäten ein Seminar wegen
der übergroßen Zahl der Mitglieder seiner Aufgabe kaum gerecht werden
können. Wenn z. B. das Seminar für neuere deutsche Literaturgeschichte
 von Prof, Minor an der Wiener Universität im Studienjahre
1907—1908 etwa 150 Mitglieder zählte, und in früheren Jahren gar
noch mehr (0. Kataun), so kann es seiner Bestimmung für die einzelnen
 Mitglieder kaum noch entsprechen. In solchen Fällen wird nur
die Teilung des Seminars in kleinere Gruppen eine wirksame Abhilfe
bieten können.
Näheres über die Geschichte der Seminare vgl. bei F. Paulsen,
Geschichte des gelehrten Unterrichts? 1, 531. 542 f. 560. 578 f; 2, 24 ff.
37 ff. 44—6. 79 f. 88 £. 222—6. 256—8. 269—76. 622—4; A. Baumeister,
 Die Einrichtung und Verwaltung des höheren Schulwesens
(= Handbuch der Erziehungs- und Unterrichtslehre 1, 2. München 1897)
25T: W. Fries, Die Vorbildung der Lehrer für das Lehramt, im
gleichen Handbuch 2, 1 (München 18953) 1—108. — Über Ferd. von
Richthofens (+ 6. 10. 1905) geographisches Seminar oder „Kolloquium“
vgl. Naturwiss. Wochenschrift N. F. 4 (1905) 728,
Ss Für Frankreich vgl. Ch.-V. Langlois, Manuel de Bibliographie
historique, 2. partie: Histoire et organisation des etudes historiques.
Paris 1904. — Über die Seminare in Belgien vgl. P. Fredericq, L’ Origine
et le Developpement des cours pratiques d’histoire dans 1’ enseignement
Snperjeur en Belgique. Liege 1898, Über Löwen: Universite Catholique
de Louvain. Le Seminaire historique. Louvain 1905 (aus der franz. Bearbeitung
 meines Buches pP. 16).
. Über ein russisches anti-mohammedanisches Seminar an der
kirchlichen Akademie in Kazan berichtet Aurelio Palmievi, La Chiesa
Russa (Firenze 1908) 497—503; dasselbe veröffentlicht seit 1873 eine
Sammlung von Schriften gegen den Islam.
        <pb n="34" />
        a2 Entwicklung der Seminare an den modernen Universitäten
Für die einzelnen Seminare sind die Darstellungen der Geschichte
einer jeden Universität sowie die einschlägigen Monographien zu vergleichen,
 wozu der zweite Teil der „Bibliographie der deutschen Universitäten“
 von Wilh. Ermann und Kw. Horn die besten bibliographischen
 Angaben bietet.
Einen Überblick über die an den Hochschulen aller Länder bestehenden
 Seminare und Institute bieten die einzelnen Jahrgänge von:
Minerva, Jahrbuch der Universitäten (jetzt: Jahrbuch der gelehrten
Welt). Straßburg, seit 1891, und das Handbuch dazu (seit 1913).
7. Die theologischen Seminare im besonderen.
1. Die Entwicklung der seminaristischen Bildungsweise war
auch für die theologischen Studien von heilsamem Einflusse.
Über die Seminare an den protestantischen theologischen
Fakultäten in Deutschland bemerkt z. B. W. Fries: „Die
Theologen wirken neben der Vorbildung für die Praxis
sehr eifrig und erfolgreich nach dieser Seite hin [in seminaristischen
 Übungen] und ziehen jeden angeregten Studenten
zu intensiver, selbständiger Teilnahme heran; dafür sind
die exegetischen, dogmatischen, kirchen- und dogmengeschichtlichen
 Übungen, welche neben den homiletischen und
katechetischen hergehen, ein genügender Beweis“). Auch
an den katholischen theologischen Fakultäten in Deutschland,
Österreich, Belgien, Frankreich, den Vereinigten Staaten
und in anderen Ländern wurden in den letzten Jahrzehnten
Seminare für die verschiedenen Fächer eingeführt und mit
bestem Erfolge weiter ausgebildet.
9, In Österreich haben die gleichen Einrichtungen zuerst
an der theologischen Fakultät zu Innsbruck bestanden.
H. Zschokke bemerkt darüber: „An der theologischen Fakultät
in Innsbruck hat sich unter den theologischen Fakultäten der Monarchie
das Institut der Privatdozenten zuerst und mit gutem Erfolge eingebürgert.
 . Auch haben die Jesuiten analog den übrigen Fakultäten Seminarien
 an ihrer Fakultät eingeführt, und zwar ein dogmatisches,
homiletisches, biblisches und propädeutisches, und so den Beweis geliefert,
 daß bei richtigem Verständnis und gutem Willen diese Institute,
welche sich ‚an den weltlichen Fakultäten so gut bewähren, auch für
1) W. Fries in: Handbuch der Erziehungs- und Unterrichtslehre
von A. Baumeister 2, 1 B p. 17.
        <pb n="35" />
        Die theologischen Seminare im besonderen 23
die theologischen Fakultäten möglich, wünschenswert und ersprießlich
seien“ (Die theologischen Studien und Anstalten der kath. Kirche in
Österreich [Wien u. Leipzig 1894] 252). Im gleichen Sinne heißt es in
der Festschrift des Innsbrucker akademischen Senates zum fünfzigjährigen
Regierungsjubiläum S. M. des Kaisers Franz Joseph I: „Dazu kommen
noch [an der theologischen Fakultät] Übungen teils wissenschaftlicher,
teils praktischer Art, welche anfangs privatim abgehalten wurden, seit
1864 (1863—64) auch unter dem Titel: Repetitorium, Disputationes,
Academia, Collationes, Übungen, später auch als Seminar im Vorlesungsverzeichnis
 angekündigt werden. Am ältesten sind jene über
Dogmatik, Kirchenrecht, Moraltheologie und geistliche Beredsamkeit;
jetzt sind auch solche aus Philosophie und Hebräisch eingeführt“ (Die
Leopold-Franzens-Universität zu Innsbruck in den Jahren 1848—1898
P- 20). Ein Blick in die Verzeichnisse der Vorlesungen zeigt, daß die
Aufzählung der seminaristischen Übungen an der Innsbrucker theologischen
 Fakultät weder bei Zschokke noch in der akademischen Festschrift
 Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Denn die Übungen,
welche z. B. Joh. Wenig über „Analysis philologica pericoparum chaldaicarum
 Danielis et Esdrae“ 1864—65 ankündigte, werden ebensowohl
als seminaristische bezeichnet werden müssen wie die kirchengeschichtlichen
 Übungen „mit Anleitung zum kirchengeschichtlichen Quellenstudium“,
 die Hartmann Grisar 1875—76 und öfters abhielt. Außerdem
 wurden von Joh. B. Katschthaler regelmäßig ein dogmengeschichtliches
 und ein apologetisches „Conversatorium“ abgehalten, während
später katechetische und liturgisch-praktische Seminarübungen unter
Michael Gatterer hinzukamen. Seit 1901—02 kommen im biblisch-Patristischen
 Seminar, außer der Interpretation von geeigneten Texten
und der Charakteristik der neuesten einschlägigen Literatur auch schriftliche
 Arbeiten der Mitglieder zur Besprechung; schon in früheren Jahren
wurde wiederholt ein alttestamentliches Seminar von Gust. Bickell, ein
»Seminarium exegeticum“ von Ant. Tuzer, ein biblisches Seminar von
Joh. B. Nisius gehalten.
3. Alle diese verschiedenen seminaristischen Übungen
waren übrigens für die Innsbrucker theologische Fakultät
durchaus keine neue Einrichtung. Denn da für die Studien
an derselben seit der ersten Begründung der alten Innsbrucker
 Universität und schon früher seit dem Bestehen
des theologischen Studiums in der Tiroler Hauptstadt die
Ratio studiorum Societatis Jesu maßgebend gewesen war,
So standen auch die seminaristischen Übungen der alten
Schule, wie wir sie im Vorausgehenden kennen gelernt
haben. schon seit drei Jahrhunderten hier in Ansehen und
        <pb n="36" />
        24 Entwicklung der Seminare an den modernen Universitäten
wurden mit großem Eifer gepflegt. So wird auch in der
„Geschichte der Universität in Innsbruck“ von Jakob Probst
dieser alten Seminarübungen, namentlich in der Philosophie
 und Theologie, ehrenvoll gedacht (p. 48—53).
A. Ein großer Unterschied bestand allerdings noch immer
zwischen diesen theologischen Seminarübungen und den
verwandten Einrichtungen der anderen Fakultäten. Mit
der regelmäßigen Aufnahme der Übungen in das vom Ministerium
 für Kultus und Unterricht genehmigte Verzeichnis
der Vorlesungen war zwar eine gewisse Approbation seitens
der Unterrichtsverwaltung gegeben, die auch vom Herrn
Minister mündlich wiederholt in anerkennender Weise ausgesprochen
 wurde. Doch waren die Seminare bis vor wenigen
 Jahren von der Unterrichtsbehörde nicht als formell
bestehende Institute anerkannt und erhielten auch keinerlei
Unterstützung seitens derselben.
5. In dieser Beziehung hat die letzte Zeit einigen Fortschritt
 gebracht. Zunächst wurde die Errichtung eines
wissenschaftlich-theologischen Seminars an der theologischen
Fakultät in Wien zu Beginn des Studienjahres 1899—1900
genehmigt!) und nacheinander sieben selbständige Abteilungen
 desselben errichtet, nämlich ein alttestamentliches,
neutestamentliches, kirchenhistorisches, apologetisches, moraltheologisches,
 kirchenrechtliches und pastoraltheologisches
Seminar. Nachdem dann auch die Generalversammlung des
österreichischen Episkopates zu Wien am 13. November 1901
die Errichtung von wissenschaftlichen Seminaren an allen
theologischen Fakultäten beschlossen hatte,?) wurde die von
der theologischen Fakultät zu Innsbruck schon im J. 1902
erbetene Anerkennung und Errichtung eines dogmatischen,
biblisch-patristischen und kirchengeschichtlichen Seminars
durch Erlaß des Ministeriums für Kultus und Unterricht
vom 2. November 1904, Z. 31.687 gewährt. Außerdem
1) Vgl. Beck- von Kelle, Die österr, Universitätsgesetze (Wien 1906)
n. 317.
; ?) Beck- von Kelle n. 608.
        <pb n="37" />
        Die theologischen Seminare im besonderen 25
wurde die Errichtung von ähnlichen Seminaren an den
übrigen theologischen Fakultäten Österreichs angeordnet.
Die im erwähnten Ministerialerlaß vom 2. November 1904 approbierten
 Seminarstatuten der Innsbrucker theologischen Fakultät, die
Nach dem Muster der Statuten des Wiener theologischen Seminars
sowie der philologischen und juridischen Seminare entworfen wurden,
gelangen im Anhang zum Abdruck.
Über die Bemühungen zur Hebung des theologischen Unterrichts
seitens des französischen Episkopates vgl. Mgr. Fuzet, Le Grand Semi-Nnaire.
 Paris 1904; Lettre de Mgr. I’ Eveque de la Rochelle, reglant la
Teorganisation des Etudes ecclesiastiques. Paris 1901; Mgr. Latty, Lettre
ä MM. les Directeurs de son Grand Seminaire. Paris 1902; Mgr. Mignot,
Lettres sur les Etudes ecclesiastiques. Paris 1908; Mgr. Turinaz, La
vraie methode des Etudes ecclesiastiques. Nancy 1903. — Von anderen
hierher gehörigen Schriften vgl. J. Hogan, Les Etudes du Clerge, traduit
de l’ anglais par 4. Boudinhon. Rome 1901; J. V. Bainvel, Comment
enseigner la theologie dans les Grands Seminaires?, in: Alliance des
Grands Seminaires, Compte rendu du 3. Congres (Paris 1908) 100—111;
BP Saintyves, La Reforme intellectuelle du Clerge et la liberte d’ enseignement.
 Paris 1904 (vom gegnerischen Standpunkt aus geschrieben). —
Diese Angaben sind der französischen Bearbeitung meines Buches p. 18
entnommen.
        <pb n="38" />
        26 Zweck und Bedeutung der seminaristischen Bildungsweise
Drittes Kapitel
Zweck und Bedeutung der seminaristischen
Bildungsweise
8. Zweck der Seminare. 1. Der Zweck der wissenschaftlichen
 Seminare ist im allgemeinen, durch geeignete
Schulung in die wissenschaftliche Arbeitsweise einzuführen
und so tüchtige Vertreter für die einzelnen Zweige der
wissenschaftlichen Studien auszubilden. Daher sollen sie
a) sachlich eine gründlichere fachwissenschaftliche Kenntnis
 eines Gebietes vermitteln; b) formell mit der Methode
des wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens bekannt
und vertraut machen; c) praktisch durch mündliche und
schriftliche Übungen die selbständige Mitarbeit der Studierenden
 anregen und fördern.
Mit Recht betont H. Schrörs in seiner inhaltreichen Besprechung der
ersten Auflage dieses Buches, daß neben der Anleitung zu wissenschaftlicher
 Produktion als Ziel der Seminarübungen „ebenso wesentlich die Einführung
 in die wissenschaftliche Methode überhaupt“ in Betracht kommt,
„auch für solche Studierende, von denen nicht zu erwarten ist, daß sie
je die Feder zu wissenschaftlichen Arbeiten ansetzen werden. In dieser
Hinsicht ist das Seminar eine notwendige Ergänzung zu allen jenen
Vorlesungen, die ihrer Natur nach nur die Ergebnisse der Forschung
vermitteln, nicht in diese selbst einweihen. Für jeden, der auf wirkliche
theologische Bildung Anspruch machen will [und das gleiche gilt von
jedem anderen Fache], ist aber das letztere nötig, und dieses allein
befähigt ihn, sich später in wissenschaftlichen Fragen selbständig zurecht
zu finden. Dabei ist es keineswegs erforderlich, daß einer in allen
Fächern seminaristisch gebildet werde, sondern es genügt zu geistiger
        <pb n="39" />
        Zweck der Seminare 27
Reife in dem einen oder anderen. Philologische, philosophische und
juristische Seminare oder naturwissenschaftliche Praktika verfolgen auch
dieses als nächsten Zweck. Von selbst wächst daraus der künftige
Gelehrte hervor, wenn Fähigkeit und Neigung hiefür vorhanden ist,
was in den seltensten Fällen von vornherein feststeht. Der eigentliche
gelehrte Beruf ist ein Charisma, das nicht herangezüchtet, sondern nur
entdeckt und entwickelt werden kann“ (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3082).
23. Schon aus dem kurzen Rückblick auf die geschichtliche
 Entwicklung der seminaristischen Bildung ergibt sich
dieser Zweck als der stets von den Gründern und Leitern der
Seminare erstrebte: Die Ratio studiorum Societatis Jesu von
1599 bezeichnet bereits in gleicher Weise die Aufgabe der
griechischen und hebräischen Akademie mit den schon angeführten
 Worten: „ut inde prodire possint, qui harum linguarum
 scientiam et dignitatem privatim ac publice tueantur“
(Reg. Reet. 7). Auch nach den ältesten Seminarstatuten,
wie sie z. B. unter Mitwirkung von F. A. Wolf 1812 für
Berlin und im gleichen Jahre für Breslau aufgestellt wurden,
sind diese philologischen Institute dazu bestimmt, „diejenigen,
 die für die Altertumswissenschaft gehörig vorbereitet
 sind, durch möglichst vielfache Übungen, welche in
das Innere der Wissenschaft führen, und durch literarische
Unterstützung jeder Art weiter und weiter so auszubilden,
daß durch sie künftig diese Studien erhalten, fortgepflanzt
und erweitert werden.“!) Ebenso heißt es in den schon
erwähnten Beschlüssen der Generalversammlung des österreichischen
 Episkopates zu Wien vom 13. November 1901
(In. 14) über die theologischen Seminare: „Für die höhere
Pflege der theologischen Wissenschaften und Aneignung der
wissenschaftlichen Form und Methode sollen wenigstens an
allen theologischen Fakultäten wissenschaftliche Seminare
eingerichtet werden, damit teils die begabteren Studierenden
der Theologie mit Erlaubnis ihrer geistlichen Oberen, teils
die absolvierten Hörer und Aspiranten des Doktorates wie
auch andere lernbegierige Priester eine formgerechte und
') In: Handbuch der Erziehungs- und Unterrichtslehre von A. Baumeister
 2, 1 B p. 16.
        <pb n="40" />
        28 Zweck und Bedeutung der seminaristischen Bildungsweise
tiefere theologische Bildung gewinnen und Anleitung zur
literarischen Produktivität erhalten können.“!)
3. Tatsächlich wird dieser Zweck auch mehr oder
weniger überall in dem Betrieb der heutigen Universitätsseminare,
 wie er sich entsprechend der geschichtlichen Entwicklung
 allmählich gestaltet hat, angestrebt und vielfach
mit glücklichem Erfolge erreicht. Dabei wird man in dem
allgemeinen Streben nach Einführung in die wissenschaftliche
 Arbeitsweise und Heranbildung eines tüchtigen Nachwuchses
 das genannte dreifache Moment mit Recht unterscheiden
 können, das der Aufgabe des einzelnen Seminars
die konkrete Gestalt verleiht. Denn es handelt sich bei dieser
wissenschaftlichen Schulung zunächst um eine gründlichere
 Kenntnis des Wissensstoffes auf jedem
Gebiete der Forschung. Bei der immer mehr wachsenden
Ausdehnung desselben ist es völlig unmöglich, in den allgemeinen
 und besonderen Privatvorlesungen alle zu einem
Fach gehörigen Fragen in. genügender Weise zu behandeln.
Freilich wird auch ein Seminar den Stoff nicht erschöpfen
können; aber es bietet doch die erwünschte Gelegenheit zu
eingehender Erörterung von wichtigen Spezialfragen, zu
genauerer Information über die einschlägige alte und neue
Literatur und vorzüglich zur gründlicheren und leichteren
Aufklärung über einzelne Punkte und Schwierigkeiten, die
erst in dem freien und unmittelbaren Verkehr des Seminars
zur Aussprache und Lösung gelangen können.
Trotz der Reserve, die wir gleich beifügen, meint H. Schrörs,
daß wir die Erweiterung und Vertiefung des Wissensstoffes durch die
Seminare zu stark betonen (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3082). In der
angegebenen Weise und mit den nötigen Beschränkungen dürfte aber
dieses erste Moment in der Aufgabe der Seminare doch seine Berechtigung
 haben.
4. Immerhin hat aber dieses sachliche oder stoffliche
Moment bei der Aufgabe des Seminars nur eine mehr
untergeordnete Bedeutung im, Vergleich mit der formellen
und praktischen Rücksicht. Mögen es auch nur wenige
1) Beck- von Kelle, Die österr. Universitätsgesetze n. 608 p. 748.
        <pb n="41" />
        Zweck der Seminare 29
dem ersten „studiosus philologiae“ Friedrich August Wolf
nachmachen, es bliebe doch schließlich ein möglicher Weg,
den dieser von 1777—79 in Göttingen bei seinem philologischen
 Studium einhielt.. Wenigstens hinsichtlich des
Stoffes könnte sich auch heute noch ein schaffensfreudiger
Studiosus damit begnügen, in den Vorlesungen die Quellen
und Hilfsmittel für sein Fach und die verschiedenen Disziplinen
 desselben zu erfahren und dann sich aus diesen
selbständig Aufklärung und Belehrung zu suchen. Aber
bei dieser Art von Studium wird den allermeisten dasjenige
verschlossen bleiben, was für gründliche Schulung weit mehr
als ausgedehnte Stoffkenntnis in die Wagschale fällt, und
selbst die begabtesten würden in der Regel doch nur nach
langen, zeitraubenden und kraftzehrenden Umwegen zu
einer recht unvollkommenen Kenntnis dieses wichtigeren
Punktes gelangen. Es ist das formelle Moment in der
Aufgabe der Seminare; sie sollen mit der Methode des
Wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens
bekannt und vertraut machen. Allerdings gibt es ja auch
über die Methodik gar manche alte und neue und große
und kleine Bücher und Abhandlungen, denen sich die
vorliegenden „Beiträge“ für die Praxis anschließen wollen.
Aber all diese Methodenlehren und Methodologien können
Zwar manche nützliche Belehrung über Quellenkunde und
Kritik, über Auffassung und Darstellung bieten: das eigentlich
 Formelle der methodischen Schulung vermögen sie
nicht.zu geben. Denn es handelt sich dabei um die Ausbildung
 der Fähigkeit, bei den verschiedenen Funktionen
nach den bewährten Regeln der Methodik vorzugehen.
Dazu genügt aber nicht die einfache Kenntnis jener Regeln;
°S muß der einzelne am die richtige Anwendung derselben
gewöhnt und auf die Gefahren und Fehler bei dieser Anwendung
 aufmerksam gemacht werden. Dies wird nur durch
die verschiedenen seminaristischen Übungen zu erreichen
Sein; welche jene formelle Schulung und methodische
Ausbildung als ein wichtiges und ihnen eigentümliches
Ziel erstreben.

bw.
        <pb n="42" />
        30 Zweck und Bedeutung der seminaristischen Bildungsweise
5. Enge mit der formellen Seite verbunden und doch
wieder gesondert von derselben zu betrachten ist das dritte
und wichtigste Moment bei der Aufgabe der Seminare,
nämlich die praktische Anregung und Förderung
der selbständigen Mitarbeit der Studierenden.
Ohne eine solche wirksame Anleitung wird der allgemeine
Zweck der Seminare überhaupt nicht erreicht werden
können; denn nur durch selbstgewolltes und selbsttätiges
energisches Arbeiten ist ein tieferes Eindringen in die
verschiedenen Gebiete der Wissenschaft möglich, deren
Vertreter aus den Seminaren hervorgehen sollen, und nur
unter der Leitung eines erprobten Führers wird der Anfänger
 in der Regel die Irr- und Umwege vermeiden, auf
denen schon so mancher sich verloren hat.
9. Bedeutung der Seminarbildung. Aus dem
geschilderten Zweck der Seminare geht nicht bloß die Berechtigung,
 sondern auch die hohe Bedeutung der seminaristischen
 Bildung klar hervor. Auch über diesen Punkt
hat die Geschichte längst ihr Urteil gesprochen.
1 Schon die Lehrer der alten Schulen sind sich über
die Bedeutung der praktischen Anleitung zum selbständigen
Arbeiten klar gewesen und haben deshalb den mannigfachen
privaten und öffentlichen akademischen Übungen und Veranstaltungen
 eine so liebevolle Pflege gewidmet. Dem Gesagten
 will ich hier nur noch die Worte Hartmann Grisars
beifügen, der in seinen „historischen Schildereien“ „Aus
dem Studentenleben im alten Innsbruck“ bemerkt: „Ähnlich
 unseren gegenwärtigen sogenannten Seminarien bildeten
 diese akademischen Übungen allwöchentlich die Ergänzung
 zu den Lektionen und gaben einen Sporn zu
Selbständigkeit des Arbeitens, zur Übung auch in klarem,
raschem Ausdruck der Gedanken. Die Alten sind, was
praktische Anleitung zur Aneignung des Wissensstoffes betrifft,
 von der späteren Zeit nicht überholt worden“ (p. 18).
2. Die geschichtliche Entwicklung des höheren Unterrichts
 im neunzehnten Jahrhundert hat diese Anschauung
        <pb n="43" />
        Bedeutung der Seminarbildung 31
der alten Schule voll und ganz bestätigt. Gerade in den
letzten Jahrzehnten ist von kompetenten Autoritäten die
große Bedeutung der Seminare wiederholt und mit großem
Nachdruck hervorgehoben worden. Mit Rücksicht auf die
oft betonte Reformbedürftigkeit unseres heutigen Universitätsunterrichtes
 wurde immer energischer die seminaristische
Bildungsweise als eines der hauptsächlichsten Heilmittel
bezeichnet.
Wilh. Fries sagt darüber unter anderem: „Was ‚die Methode des
Studiums betrifft, so muß der Student danach streben, aus der bloßen
Rezeptivität des Hörens und Nachschreibens möglichst bald zur Selbsttätigkeit
 zu gelangen; sonst schwellen seine Hefte an, ohne daß ein
wirkliches Eindringen in die Wissenschaft erfolgt. Auch fördert nicht
die Menge der Vorlesungen, sondern die Art, wie dieselben orientieren
und anregen ... Wenn bereits aus Professorenkreisen heraus die Reformbedürftigkeit
 des Universitätsunterrichtes zugestanden wird, so ist
derselbe sicherlich einer Verbesserung fähig, und zwar nach der Richtung,
 daß einerseits die Studenten sich nicht mehr allein dessen getrösten,
 was sie schwarz auf weiß nach Hause tragen, andererseits die
Lehrenden Gelegenheit nehmen und erhalten, sich davon zu überzeugen,
ob und wie ihr Vortrag verstanden und angeeignet sei. Es kann ja
nur da, wo wirkliche Wechselwirkung zwischen Lehrenden und Lernenden
 stattfindet, von einem Unterricht die Rede sein. Nun ist der
Weg dazu, wenigstens in der Form einer Ergänzung des gewohnten
Verfahrens, ja längst beschritten worden, läßt sich aber noch gangbarer
 machen und weiter ausbauen“. Als Hauptmittel dazu betont
Fries die Vermehrung der seminaristischen Übungen: „Unter diesen
Umständen erscheinen Übungen, vorgenommen im unmittelbaren Anschluß
 an schwierige und bedeutsame Vorlesungen, als eine notwendige
Ergänzung und für den künftigen Beruf mindestens ebenso wichtig wie
jene, vorausgesetzt daß ihr Leiter nicht bloß auf selbständige Auffassung
 und klares Wissen, sondern auch auf Präzision und Sicherheit
der mündlichen und schriftlichen Darstellung dringt“. Er verweist
dabei auf die Münchener Rektoratsreden von Christ (1891) und Bayer
(1892) sowie auf die Ausführungen von Schmidkunz in der Akademischen
Revue 1, 1 p..4 ff (in: Handbuch der Erziehungs- und Unterrichtslehre
2,1B p. 15 9.
Ausführlicher spricht sich in ähnlichem Sinne aus Ernst Bernheim
 in seiner Schrift: „Der Universitätsunterricht und die Erfordernisse
 der Gegenwart“ (Berlin 1898). Er betont zunächst die Tatsache,
daß seit einiger Zeit Schatten aufsteigen, die uns um die Wahrung des
alten Glanzes unserer Universitäten ernstlich besorgt machen müssen.
        <pb n="44" />
        32 Zweck und Bedeutung der seminaristischen Bildungsweise
„Unter den Universitätslehrern selbst ist die Klage allgemein geworden,
daß es der studierenden Jugend an innerer Frische und Freudigkeit
fehle: die jugendliche Lust an der allseitigen Ausbildung zum erwählten
Berufe ist vielfach einem lauen und flauen Wesen gewichen, das sich
in verschiedener Weise übel geltend macht, wie wir im Folgenden sehen
werden, und die Resultate des Unterrichtes schwer beeinträchtigt. Könnten
die herrschenden Miß£stände von uns Lehrern verkannt werden ..., so
würden gewichtige praktische Folgen, die immer deutlicher zu Tage
getreten sind, unwiderleglich davon zeugen“ (p. 1 f). Den Hauptgrund
dieses Mißstandes sieht auch er in einem Mangel der heutigen Universitätsbildung:
 „In der Tat, wenn wir uns einmal unbefangen in der
Welt des Unterrichts umsehen und dann auf unsere Universitäten
blicken, so ist der Eindruck unabweislich, daß sie in ihrer pädagogischen
 Entwicklung zurückgeblieben sind. Überall sonst sieht man
in unserem Unterrichtswesen die Ausichten der großen Pädagogen dieses
Jahrhunderts in die Praxis der Lehrmethoden übergeführt, deren Quintessenz
 ist, die eigene Denktätigkeit und das selbständige Anschauungsvermögen
 der Schüler zu wecken und groß zü ziehen. Vielleicht mag
dieses lebensvolle Prinzip noch immer nicht allseitig energisch genug
ausgestaltet sein, der Universitätsunterricht ist jedenfalls bisher am
wenigsten davon ergriffen worden“ (p. 15). Er faßt am Schluß seine
anregenden Ausführungen, die aus der Schrift selbst einzusehen sind,
in die folgenden Thesen zusammen: „Unser Universitätsunterricht leidet
daran, daß die systematisch darstellenden Vorlesungen vom. Katheder
herunter einen unverhältnismäßig großen Raum im Lehrplan einnehmen;
sie beschränken bei der passiven Rezeptivität, die sie bedingen, die
wesentliche Aufgabe des Unterrichts, selbsttätig beobachten, denken
und arbeiten zu lehren. Diese Aufgabe muß in den Vordergrund
treten. Demgemäß sollen die 3 bis 6 und mehr Stunden in der Woche
üblichen sogen. Privatvorlesungen mit geringen Ausnahmen unterbleiben.
An ihre Stelle sollen treten: 1. kurze Orientierungsvorlesungen . . .,
worin eine gedrungene Übersicht über die Hauptmomente des Stoffes
unter wesentlichem Hervorheben der Auffassung gegeben wird, und die
Hörer durch Nachweis der klassischen Hauptwerke und Handbücher angeleitet
 werden, sich die Detailkenntnisse selbsttätig anzueignen ...
9, Praktische Übungen von den ersten Semestern an, je nach Bedarf
zwei-, vier- und mehrstündig in der Woche, welche die Studenten zu
allgemein wissenschaftlichem und zu fachmäßig differenziertem Beobachten
 und Denken heranbilden und sie mündlich wie schriftlich zu
klarer Formulierung ihrer Gedanken und zu selbständig produktiver
Tätigkeit anleiten ... 3. Kombination systematischer Darstellung mit
praktischen Übungen“ (p. 71—3).
Eine gewichtige Bestätigung der Tatsachen. und des Grundgedankens.
 von denen seine Abhandlung ausgeht, findet Bernheim im
        <pb n="45" />
        Bedeutung der Seminarbildung: Rückblick 33
ersten Band der „Politik“ von Heinrich von Treitschke (p. 367 ff), der
ebenfalls die „Sättigung des Geistes“ und die „Blasiertheit der durchschnitilichen
 jungen Studenten“ beklagt und verlangt, daß „der akademische
 Unterricht produktiv sein“ und „der Hörer gezwungen werden
soll, selbst nachzudenken“ (p. 75 f). Eine gleiche Bestätigung bietet in
manchen Punkten die Schrift von Al. Riedler „Unsere Hochschulen
und die Anforderungen des zwanzigsten Jahrhunderts“ (Berlin 1898);
ebenso wird in manchen anderen Veröffentlichungen über die notwendige
 Reform der Universitäten die Bedeutung der Seminare mit
mehr oder weniger Nachdruck hervorgehoben. Eine große Zahl solcher
Reformschriften nennt Wilh. Erman im 1. Teil der „Bibliographie der
deutschen Universitäten“ p- 101—830, von denen besonders die neueren
P. 126 f und p. 130 zu beachten sind; vgl. auch die Schriften über
Übungen, Seminare und Praktika, ebd. p. 338 f.; ferner F. von der
Leyen, Deutsche Universität und deutsche Zukunft. Jena 1906, und
Hochland 4 (1907, 1) 497 f.
Anknüpfend an die Schrift Bernheims hebt auch Ludwig von Ham-Merstein
 die Bedeutung der Seminarbildung in seiner Abhandlung über
„die deutschen Universitäten der Gegenwart“ hervor (Stimmen aus
Maria-Laach 55 [1898. 2] 12—28). Obwohl er aber mit Bernheim
in einer besseren Pflege der seminaristischen Übungen gleich vom
ersten Semester an ein wichtigus Heilmittel für manche Schwächen
des heutigen Universitätsunterrichtes erkennt, so bemerkt er doch auch
mit vollem Recht, daß für viele dieser Mikstände außer den gewöhnlich
angeführten Gründen noch manche andere tiefer liegende in Betracht
kommen.
\
10. Rückblick. Als eine kurze Zusammenfassung
des Gesagten über die geschichtliche Entwicklung, den
Zweck und die Bedeutung der Seminare mögen hier die
Worte Friedrich Paulsens nebst einigen Bemerkungen Platz
finden.
. 1. In seiner Darstellung des Wesens und der geschichtlichen
 Entwicklung der deutschen Universitäten sagt derselbe:')
 „Eine wichtige Ergänzung der Vorlesungen bilden
gegenwärtig die seminaristischen Übungen. Sie sind gewissermaßen
 an die Stelle der alten Disputationen getreten.
Doch ist ihr Charakter ein anderer, es handelt sich hier
nicht, wie dort, um Einübung des überlieferten Wissens,
sondern um Anleitung zur Erzeugung des Wissens“. Das
*) In: W. Lexis, Die deutschen Universitäten 1 (Berlin 1893) 74 f.
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten 8. Aufl, ”

4
        <pb n="46" />
        34 Zweck und Bedeutung der seminaristischen Bildungsweise
Richtige in dieser letzten Bemerkung dürfte wohl nur
darin liegen, daß in den modernen Seminaren entsprechend
dem Fortschritt der wissenschaftlichen Methode, namentlich
in quellen- und textkritischer Beziehung, mehr Anleitung
zum eigentlichen Forschen und Verarbeiten des aus den
Quellen gesammelten Materials geboten wird, Aus unseren
früheren Ausführungen geht aber zur Genüge hervor, daß
die alte Schule außer den Disputationen noch eine Reihe
anderer Übungen kannte, die mit den heutigen Seminaren
weit enger verwandt sind, und daß es bei diesen sich
durchaus nicht bloß um Einübung des überlieferten Wissens
 handelte, sondern ebensosehr um anregende und fördernde
 Anleitung zu eigener produktiver Tätigkeit. Außerdem
 ist zu beachten, daß zur „Erzeugung des Wissens“
auch noch ein Doppeltes gehört: eben jene Aneignung des
Überlieferten und eine methodische Ausbildung der intellektuellen
 Fähigkeiten. Für beides war aber einst vielleicht
besser gesorgt als jetzt.
9. „Die Seminare“, sagt Paulsen weiter, „sind die
eigentlichen Pflanzschulen der wissenschaftlichen Forschung.
Entstanden sind sie allerdings zunächst in anderer Absicht;
die ersten Seminare, die im vorigen Jahrhundert zu Halle
und Göttingen gegründet wurden [ähnlich wie die schon
im 16. Jahrhundert blühenden philologischen Seminare der
alten Schule], waren oder sollten eigentlich pädagogische
Seminare für künftige Lehrer der Gelehrtenschulen sein.
Tatsächlich waren sie, namentlich das Seminar F. A. Wollfs,
in erster Linie Anstalten, in denen die Technik der philologischen
 Forschung gelehrt wurde; und noch mehr gilt
dies von den philologischen Seminaren und Gesellschaften,
die im 19. Jahrhundert von Gottfried Hermann, Friedrich
Wilhelm Thiersch, Friedrich Wilhelm Ritschl u. a. geleitet
wurden: sie waren Philologen-, nicht Lehrerschulen. Und
dasselbe gilt auch von den zahlreicher Seminaren, die in
neuerer Zeit für die übrigen Wissenschaften innerhalb der
philosophischen Fakultät und auch in der theologischen
und juristischen Fakultät entstanden sind: sie setzen sich,
        <pb n="47" />
        Rückblick 35
mit wenigen Ausnahmen, zunächst die Anleitung zu wissenschaftlicher
 Arbeit und Forschung, nicht zur Verwendung
der Erkenntnis in irgendwelcher Praxis zum Ziel“.
3. Hinsichtlich. des letzten Punktes wäre daran zu
erinnern, daß schon F. A. Wolf selbst es als einen Mangel
seiner Halleschen Stiftung bezeichnete, daß ihr „alles Praktische
 beinahe ganz fehlte“. Teilweise wird zwar dieser
Mangel an den Universitäten für die Lehramtskandidaten
durch die pädagogischen Seminare in Verbindung mit der
Universität oder im Anschluß an die Schulen ausgeglichen,
in welchen oft recht erfreuliche Erfolge erzielt werden‘).
Vielfach macht sich aber jener Übelstand bei den modernen
Seminaren sehr fühlbar und der Wunsch nach einer Abhife
erscheint in sich vollkommen berechtigt, ohne daß man
jener praktischen Richtung das Wort zu reden braucht,
welche die Universität fast nur als eine Fachschule zur
Dressur für einen bestimmten Beruf betrachten möchte.
4. Übrigens hat ja auch eine geordnete methodische
Schulung und Anleitung zu selbständiger Tätigkeit stets
eine große praktische Bedeutung für jeden Beruf. Was der
notwendigen Vorbildung für die einzelne Berufstätigkeit
dabei Noch abgeht, wird durch praktische seminaristische
Übungen und Einrichtungen erreicht werden können. Wie
die Lehramtskandidaten in den pädagogischen Seminaren,
SO erhalten z, B. die Theologen in den katechetischen, homiletischen,
 pastoraltheologischen, liturgischen Übungen die
notwendige praktische Schulung. Auch diese Übungen gehören
 Zu den seminaristischen, Einrichtungen, wenngleich
Se durch ihren besonderen Charakter von den eigentlichen
‘achwissenschaftlichen Seminaren unterschieden sind.
Zu einzelnen Punkten ist noch zu vergleichen die Schrift von
Hans Schmidkung, Einleitung in die akademische Pädagogik. Halle 1907.
. N Vgl. zZ, B. Otto Willmann, Das Prager pädagogische Unterrichts-Seminar
 in dem ersten Vierteljahrhundert seines Bestehens. Wien 1901,
X DD

Q*
        <pb n="48" />
        26

Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare
Viertes Kapitel
Einrichtung und äussere Hilfsmittel der Seminare
11. Seminarlokal. 1. Die erste Bedingung zur erfolgreichen
 Wirksamkeit eines wissenschaftlichen Seminars
ist eine angemessene äußere Einrichtung. An erster Stelle
gehört dazu ein geeignetes Seminarlokal. Allerdings können
die Versammlungen der Mitglieder an und für sich auch
in einem Hörsaal oder in irgend einem anderen Raume
abgehalten werden. Man wird aber einen derartigen Zustand
 immer nur als provisorischen Notbehelf ansehen
müssen. Bei geordneten Verhältnissen muß jedes Seminar
über ein eigenes Heim verfügen.
2, Diese Notwendigkeit ergibt sich aus den folgenden
Gesichtspunkten. Zunächst fordert es die Einrichtung eines
Seminares, daß die ihm zur Verfügung stehenden Lehrmittel
 dem Leiter wie den Mitgliedern zu jeder Zeit und
unabhängig von den Vorlesungen oder sonstigen Umständen
zugänglich seien. Ferner werden die gemeinsamen Übungen
des Seminars eine leichte und nach dem Bedarf wechselnde
Benutzung dieser Lehrmittel notwendig machen, die deshalb
 im Übungssaal selbst zur Hand sein müssen. Sodann
fordert die gleiche Notwendigkeit einer leichten Benutzung
aller Hilfsmittel bei den selbständigen Arbeiten der Mitglieder,
 daß jedem einzelnen sein bestimmter Arbeitsplatz
im Seminarraum angewiesen werden könne. Die unbedingt
erforderlichen Bücher- und sonstigen Lehrmittelsammlungen
        <pb n="49" />
        Seminarlokal. Seminarbibliothek 57
machen endlich einen besonderen Aufbewahrungsraum ganz
unentbehrlich und müssen aus den angeführten Gründen
mit dem gewöhnlichen Übungs- und Arbeitsraum in engster
Verbindung bleiben.
3. Tatsächlich hat denn auch die Erfahrung überall das
unabweisbare Bedürfnis eines eigenen Heims für jedes
Seminar bewiesen und es ist an den meisten Universitäten
seitens der zuständigen Behörden für solche Seminarlokale
zum Teil in ganz vorzüglicher Weise Sorge getragen worden.
Wo dies bislang nicht geschehen, da wird hoffentlich eine
nicht allzu ferne Zukunft Abhilfe schaffen.
4. Hinsichtlich der Einrichtung des Seminarlokales werden
die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Institute und
die verschiedenen Wünsche ihrer Leiter und Mitglieder
maßgebend sein müssen. Im allgemeinen wird es sich
empfehlen, wenn jedem Seminar wenigstens ein der Anzahl
 der Mitglieder entsprechender Übungs- und Arbeitssaal
 zur Verfügung steht, an welchen sich die Räumlichkeiten
 für die Bibliothek und Lehrmittelsammlung sowie
für den Seminarkustos anschließen. Im Hauptsaal ‚wäre
vor allem für geeignete Arbeitstische und Sitze zu sorgen;
die Wände können einen passenden Platz für einen Teil
der Karten, Tabellen und sonstiger Lehrmittel bieten, aus
deren täglichen Anblick sich schon wie von selbst manche
nützliche Kenninisse dem Gedächtnis einprägen.
_ 12%. Seminarbibliothek. 1. Was dem Handwerker
sein Werkzeug, das sind dem Studierenden wenigstens teilweise
 die Bücher, Daher ist an ein ersprießliches Arbeiten
In einem Seminar ohne eine ausreichende Bibliothek überhaupt
 nicht zu denken. Lehrer und Lernende würden sein
wie der Vogel, dem die Flügel zum Fliegen fehlen oder
allzu stark beschnitten sind.
2. Allerdings wird eine Seminarbibliothek niemals die
Benutzüng der Universitätsbibliothek oder einer anderen
größeren Büchersammlung überflüssig machen. Ebensowenig
 kann aber eine derartige öffentliche oder private
        <pb n="50" />
        38 Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare
Anstalt, selbst wenn sie noch so reich dotiert und noch
so trefflich geleitet ist, eine gut ausgestattete Handbibliothek
 im Seminar entbehrlich erscheinen lassen. Eine solche
erweist sich hauptsächlich in einer dreifachen Hinsicht als
ein wichtiges und notwendiges Hilfsmittel für jedes Seminar.
 Zunächst wird der Seminarleiter bei den verschiedenen
 Übungen in den allermeisten Fällen immer wieder
die vorzüglicheren Textausgaben, Handbücher, bibliographischen
 Hilfsmittel und anderen Nachschlagewerke zur Hand
haben müssen, die er weder der gemeinsamen öffentlichen
noch auch der eigenen Privatbibliothek für die Zwecke des
Seminars entnehmen kann. Sodann muß den Seminarmitgliedern
 ausreichend Gelegenheit geboten werden, sich auf
eine leichte Weise die erforderliche Bücherkenntnis zu erwerben.
 Endlich müssen sie die wichtigsten Nachschlagewerke
 bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten ohne Schwierigkeiten
 und unliebsamen Zeitverlust zu ihrer Verfügung
haben.
Über den beklagenswerten Mangel an Bücherkenninis bemerkt
Ernst Bernheim in seiner wiederholt angeführten Schrift „Der Universitätsunterricht
 und die Erfordernisse der Gegenwart“ (p. 41 f): „Der
Mangel an Bücherkenninis ist eine wahre Partie honteuse in unserem
heutigen akademischen Leben. Genug Büchertitel werden vom Katheder
herunter dem Studenten in die Feder diktiert, aber wann kommt er
dazu, sich mit diesem Handwerkszeug des Gelehrten und Lehrers vertraut
 zu machen? Meist erst in der letzten Stunde, wenn er seine
Examensarbeit angreift, und nur im notdürfligsten Umfange. Jeder
Bibliothekar weiß Wunderdinge von der krassen bibliographischen Unkenntnis
 ausgewachsener Studenten“ zu erzählen, bewahrt als kuriose
Dokumente manchen Bestellzettel, auf dem der Besteller ein wahres
Testimonium paupertatis unterschriftlich bescheinigt. ‚Bibliographisch
ist eigentlich ein zu vornehmer Ausdruck: Leute in höheren und
höchsten Semestern wissen oft so wenig mit einem wissenschaftlichen
Buche Bescheid, daß sie sich der Indices nicht ohne weiteres zu bedienen
 verstehen; die landläufgen Abkürzungen in Citaten sind ihnen
fremd“, Allerdings fügt Bernheim hinzu: „Und das, trotzdem die
meisten Seminare mit bequemen Handbibliotheken ausgestattet sind“.
denn die Bibliothek allein ohne den richtigen inneren Betrieb des
Seminars kann den erwünschten Erfolg nicht haben; aber ohne eine
solche Bibliothek würde der richtige Betrieb, wie ihn Bernheim be-
        <pb n="51" />
        Seminarbibliothek 39
fürwortet, auf Schritt und Tritt gehemmt und ein Vertrautwerden mit
dem Bücherwesen in noch viel höherem Maße erschwert‘ sein.
3. Die Seminarbibliothek muß nach dem Gesagten in
erster Linie eine Nachschlagebibliothek sein. Daraus
ergibt sich für ihre Zusammensetzung die Hauptregel, daß
zunächst auf die Anschaffung von wichtigeren Textausgaben,
 Kommentaren, Handbüchern, bibliographischen, lexikalischen
 und anderen Nachschlagewerken zu achten ist. Einzeluntersuchungen
 müssen neben diesen und ähnlichen
Werken, die zum gelehrten Handwerkzeug gehören, mehr
zurücktreten. Wichtig wäre es allerdings, auch die hauptsächlicheren
 Fachzeitschriften zur Einsicht und leichten Benutzung
 auflegen zu können; es wird aber nur dort möglich
 sein, wo durch eine ausreichende jährliche Dotation
für die notwendigen Mittel gesorgt ist.
4, Aus dem gleichen Charakter der Bibliothek ergibt sich
auch für die Benutzung eine wichtige und wesentliche
Regel, daß nämlich die Bücher im allgemeinen nur im Seminarlokal
 selbst gebraucht werden sollen, wenigstens diejenigen,
 welche zu den eigentlichen Nachschlagewerken
gehören. Eine Entlehnung auch nur eines Teiles solcher
Werke würde namentlich bei stark besuchten Seminaren
die Arbeit wesentlich erschweren. Auch für die übrigen
Bücher wird die Entlehnung mit Rücksicht auf den größeren
gemeinsamen Nutzen nach Möglichkeit zu beschränken sein.
Da ein Seminarleiter nur selten in der beneidenswerten Lage sein
dürfte, für alle eigenen und fremden Wünsche hinsichtlich der Bibliothek
 ausreichende Mittel zu seiner Verfügung zu haben, so wird es
stets von der größten Wichtigkeit sein, daß auch seitens der Universitätsbibliothek
 auf die Bedürfnisse der verschiedenen Seminare tunlichst
 Rücksicht genommen werde. So können z. B. große, kostspielige
Quellenwerke, welche ihrer Natur nach dem Interessenkreis eines bestimmten
 Seminars angehören und von den Mitgliedern desselben in
erster Linie und fast ausschließlich zu benutzen sind, gegebenen Falls
von‘ der Universitätsbibliothek diesem Seminare zur Verfügung gestellt
werden, Ähnlich könnte es mit teuren Fachzeitschriften geschehen
sowie mit größeren Subskriptionswerken und überhaupt solchen wissenschaftlichen
 Publikationen, deren Anschaffung ein bedeutendes jährliches
 Budget voraussetzt. Daß sich dabei keinerlei unüberwindliche
        <pb n="52" />
        40 Einrichtung und äußere Hilfsmittet der Seminare
praktische Schwierigkeiten ergeben, zeigt z. B. das überaus erfreuliche
und für die Seminararbeiten höchst förderliche Verhältnis, welches in
Innsbruck dank dem liebenswürdigsten Entgegenkommen des Vorstandes
und der Beamten der Universitätsbibliothek zwischen dieser und den
wissenschaftlichen Seminaren besteht‘).
Ein derartiges Verhältnis ermöglicht es auch, daß der Seminarbibliothek
 durch den behördlich geregelten Dublettenaustausch der verschiedenen
 öffentlichen Büchersammlungen manche nicht unbedeutende
Werke .zugeführt werden können
Außerdem ist es von Wichtigkeit, daß den Mitgliedern des Seminars
 auch in ihrer Bibliothek die Möglichkeit geboten werde, von den
wichtigeren Neuerscheinungen auf dem Gebiete ihrer besonderen Studien
Kenntnis zu erhalten und wo möglich Einsicht zu nehmen. Außer durch
die Literaturzeitungen und Zeitschriften läßt sich dieses auch dort, wo
nur geringe Mittel für Neuanschaffungen zur Verfügung stehen, doch
einigermaßen erreichen durch regelmäßige und gut geordnete Ansichtssendungen
 sowie durch die Kataloge der bedeutenderen Verlagshandlungen
 und Antiquariate, Die letzteren sind leicht erhältlich und können
in der Bibliothek an einem dafür bestimmten Platz in alphabetischer
Ordnung den Mitgliedern zugänglich gemacht werden. Für die Ansichtssendungen
 wird man sich am besten mit einer guten Buchhandlung am
Ort in Verbindung setzen, welcher man als Entgelt die Neuanschaffungen
für die Bibliothek tunlichst zuwendet.
13. Bibliothekskataloge. 1. Es ist für die Seminarmitglieder
 wie für alle, die sich mit wissenschaftlichen
Arbeiten zu beschäftigen haben, von großer Bedeutung,
sich mit der Einrichtung der Bibliothekskataloge vertraut zu
machen. Daher mögen im Anschluß an die Ausführungen
über die Seminarbibliothek einige Bemerkungen über diesen
Gegenstand hier Platz finden. Sie betreffen nur einige
Hauptpunkte. Für anderes sei auf die einschlägige Literatur
verwiesen.
Vgl. Arnim Graesel, Handbuch der Bibliothekslehre®, Leipzig 1902
(mit reichen Literaturangaben); dasselbe in französischer Bearbeitung
a. d. T.: Manuel de bibliotheconomie, trad. p. Jules Laude, Paris 1897;
Albert Maire, Manuel pratique du Bibliothecaire. Paris 1896; LCopold
Delisle, Instructions elementaires et techniques pour la mise et le
') Im allgemeinen ist zu vergleichen: Ferd. Hichler, Die wissenschaftlichen
 Bibliotheken in ihrer Stellung zu Forschung und Unterricht.
Leipzig 1910.
        <pb n="53" />
        Bibliothekskataloge 41
maintien en ordre des livres d’ une bibliotheque*. Paris s. a.; Ferdinand
Grassauer, Handhuch für österreichische Universitäts- und Studien-Bibliotheken
 sowie für Volks-, Mittelschul- und Bezirks-Lehrerbibliotheken.
 Mit einer Sammlung von Gesetzen, a. h. Entschließungen,
Verordnungen, Erlässen, Akten und Aktenauszügen. Wien 1883 (2. [Titel-]
Ausgabe 1899); James Duff Brown, Manual of Library Economy. London
 1903; Friedrich Joh. Kleemeier, Handbuch der Bibliographie. Kurze
Anleitung zur Bücherkunde und zum Katalogisieren. Mit Literaturangaben
 ..., Wien 1903. Albert Cim, Le livre. 5 voll. Paris 1905-1908.
Für die Katalogisierung vgl. Vorschriften für die Katalogsarbeiten
 der k. k. Hofbibliothek. Hg. von der Direktion. I. Abteilung;
Nominal Kataloge, 1. Band: Vorschrift für die Verfassung des alphabetischen
 Nominal-Zettelkatalogs der Druckwerke der k. k. Hofbibliothek.
Wien 1901; Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der
preußischen Bibliotheken und für den preußischen Gesamtkatalog. Vom
10. Mai 1899. Berlin 1899; Verwaltungsordnung für die k. Hof- und
Staatsbibliothek München. Genehmigt am 15. Februar 1909; Gius, Fumagalli,
 Cataloghi di biblioteche e indiei bibliografici. Firenze 1887;
Henry B. Wheatley, How to catalogue a library. London 1889; Rules
for compiling the Catalogues in the Department of printed Books in
the British Museum. Printed by Order of the Trustees. London 1900;
Instruceciones para la redacciön de los catälogos en las bibliotecas
publicas del estado . . 1. Madrid 1902. — Vgl. dazu „Mitteilungen
des österr. Vereins für Bibliothekswesen“ 2 (1898) 56 —8 (H. Bohatta) ;
3 (1899) 74—85 (R. Daublebsky v. Sterneck); 4 (1900) Beilage zu
Nr. 2 p. 1—2% (Simon Laschitzer); 5 (1901) 16—32 (G@. A. Crüwell);
6 (1902) 20—30 (J. Himmelbauer); ebd. 59—67 (@. A. Crüwell).
Ebenso beschäftigen sich zahlreiche andere Abhandlungen und Bemerkungen
 in diesen „Mitteilungen“ sowie im „Zentralblatt für Biblioihekswesen“
 (Leipzig 1884—), in der „Revue des Biblioth&amp;amp;ques“ (Paris
1501—) und in anderen Zeitschriften mit den hierher gehörigen Fragen,
die in manchen Punkten noch keine einheitliche Lösung gefunden haben.
Vgl. besonders Graesel, Bibliothekslehre p. 201—300 und die Literatur
P. 243 f. — Praktische Belehrung über Zettelkataloge bietet z. B. auch
die „Präsides Korrespondenz“ 1907 p. 10—14.
2. Die Kataloge der Bibliotheken zerfallen nach der gewöhnlichen
 Einteilung in zwei Klassen: allgemeine und besondere
 Kataloge. Die letzteren umfassen z. B. bloß die
Handschriften oder die Inkunabeln (d. i. die vor 1501 gedruckten
 Bücher oder „Wiegendrucke“) oder die Cimelien
(d. i. die besonders kostbaren „Kleinode“). Die allgemeinen
Kataloge, mit denen wir uns hier vorzüglich zu beschäf-
        <pb n="54" />
        42 Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare
tigen haben, unterscheidet man wiederum in Autorenund
 Fachkataloge. Bei den ersteren, die man auch Nominalkataloge
 nennt, gibt die einfache alphabetische Folge
der Autorennamen, oder, wo diese fehlen, der sachlichen
Ordnungswörter den Ausschlag; bei den letzteren, die auch
Realkataloge oder systematische oder wissenschaftliche
Kataloge heißen, ist die sachliche Rücksicht der Zusammengehörigkeit
 zu einer bestimmten Fachgruppe entscheidend.
Innerhalb dieser einzelnen Fachgruppen und ihrer Unterabteilungen
 werden die Bücher in alphabetischer Folge
geordnet. Ein Mittelglied zwischen diesen beiden Arten
bildet gewissermaßen der Schlagwortkatalog (franz.
Catalogue &amp;amp; mots-souches), in welchem unter bestimmten
sachlichen und alphabetisch geordneten Schlagwörtern die
einzelnen Schriften in alphabetischer Folge der persönlichen
oder sachlichen Ordnungswörter verzeichnet werden. Auf
die übrigen Arten der Kataloge, wie sie in größeren Bibliotheken
 vielleicht noch angelegt werden, brauchen wir hier
nicht einzugehen. Für einheitliche Seminarbibliotheken ist
eine Art von Schlagwort- oder Indexkatalogen sehr empfehlenswert.

38. Für die Herstellung der Kataloge kann eine
doppelte Art in Betracht kommen: in Bandform oder auf
Zetteln. Erstere nimmt wenig Platz in Anspruch, verursacht
geringe Kosten und erleichtert im allgemeinen die Übersichtlichkeit.
 Sie hat aber den Übelstand, daß namentlich
bei größeren Anschaffungen die einzelnen Blätter schnell
und sehr ungleichmäßig ausgefüllt werden und dann nicht
ohne Mühe, Schwierigkeiten und Zeitverlust Ersatz finden.
Der Zettelkatalog nimmt mehr Platz ein; er weist auf jedem
Zettel nur ein Buch auf und erfordert deshalb ein beständiges
Umblättern der einzelnen Zettel; auch sind die Auslagen
größer. Er ermöglicht aber eine unbeschränkte Ausdehnung,
eine übersichtliche Einteilung nach Schlagwörtern, die leichte
Einfügung von Hinweiszetteln, die strenge Durchführung
der alphabetischen Reihenfolge. Für Seminarbibliotheken
wird im allgemeinen der Zettelkatalog den Vorzug verdienen.
        <pb n="55" />
        Bibliothekskataloge 43
4, Bei der Herstellung der einzelnen Katalogzettel
werden die folgenden Regeln von Nutzen sein können:
a) Auf einem Zettel wird nur ein Buch verzeichnet; auch bei
hinzukommenden neuen Auflagen ist es vorzuziehen, für
dieselben einen eigenen neuen Zettel zu verwenden.
b) Die Auffindung eines Buches kann durch mehrere
Hinweiszettel unter verschiedenen Stichwörtern erleichtert
werden, namentlich bei Teilen eines größeren Sammel-Werkes
 oder bei Zweifeln über die Wahl des Ordnungswortes.

c) Im Titel eines Buches kann man unwesentliche
Bestandteile weglassen; man darf aber nie die Form des
Titels ändern.
d) Auf den einzelnen Zetteln kommt oben links in
besonders deutlicher Schrift das persönliche oder sachliche
Ordnungswort zu stehen; dann folgt in neuer Linie der
Titel mit allen wesentlichen Teilen; wiederum in neuer
Linie wird je nach den Umständen die Auflage, die Bandzahl,
 und wenn man will, das Format angegeben, ebenfalls
die Zahl der etwa beigefügten Tafeln, Karten oder Illustrationen;
 den Schluß macht in neuer Linie die Bezeichnung
 des Erscheinungsortes und -jahres.
Wenn letzteres auf dem Titel fehlt, aber aus dem Vorwort oder
der Approbation oder sonstwie aus Angaben des Buches zu erkennen
ist, wird es in runder Klammer (...) beigefügt; wenn man es nur
er erschließt, kommt es in eckigen Klammern [. . .] zu stehen.
©S nicht zu bestimmen, so wird dem Erscheinungsort der Vermerk
„0. J.“ ‚(ohne Jahresangabe) oder „s. a.“ (sine anno) hinzugesetzt. Fehlt
U die Angabe des Ortes, so lautet der Vermerk: „o. O. u. J.“ (ohne
rt und Jahr) oder „s. ]. e. a.“ (sine loco et anno).
Die Beifügung des Verlegers, die von manchen gewünscht wird,
erscheint anderen weniger notwendig.
©) Bei patristischen und ähnlichen Werken pflegt man
dem Titel auch die „Initia“ und das „Explicit“, die Anfangs-
 und Schlußworte beizufügen, aus denen das Werk
am leichtesten identifiziert werden kann.
14. Das Ordnungswort in den Katalogen,
Für die Benutzung der Kataloge muß man vor allem
        <pb n="56" />
        44 Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare
wenigstens einigermaßen mit den Regeln bekannt sein,
nach welchen die einzelnen Bücher ihren bestimmten Platz
im alphabetischen Katalog erhalten. Die Reihenfolge richtet
sich stets nach dem Ordnungswort. Dasselbe wird
dem Titel der Schrift entnommen, oder falls dieselbe keinen
Titel hat, aus dem Inhalt entsprechend gebildet. Bei
mehreren Titeln geht für die Wahl des Ordnungswortes
der allgemeine Titel z. B. einer Sammlung dem besonderen
 Titel eines Teiles derselben vor, ebenso der Haupttitel
 eines Werkes dem etwaigen Neben- oder Untertitel,
der vollständigere dem unvollständigen, der auf dem eigentlichen
 Titelblatte stehende dem Umschlag- oder Schmutzoder
 Vorstehtitel.
I. Persönliches Ordnungswort. Yür die Bestimmung
 des Ordnungswortes ist zunächst zu unterscheiden,
ob eine Schrift mit dem Namen eines Verfassers oder
Herausgebers erschienen ist oder nicht. Man wählt dementsprechend
 im allgemeinen entweder ein persönliches
oder ein sachliches Ordnungswort. Für den ersteren
Fall ist besonders auf folgende Regeln zu achten:
1. Bei Schriften, in deren Titel der Verfasser seinen
wahren Namen nennt, bildet der Familienname des
Verfassers das Ordnungswort, und zwar im Nominativ und
in seiner ursprünglichen und vollständigen Form. Dabei
ist genau auf die vom Verfasser gebrauchte Form des
Namens zu achten wie z. B. bei den verschiedenen Variationen
 von Maier bis Meyr oder bei dem ck trotz des vorhergehenden
 Konsonanten in alten deutschen Namen. Die
Vornamen und etwaige Präpositionen von, de, d’ u. ä. werden
nachgesetzt und durch einen Beistrich von dem vorausgehenden
 Familiennamen, durch einen Punkt von dem folgenden
Titel getrennt (zwischen Haupt- und Untertitel und ebenso
zwischen Titel und Erscheinungsort wird ein Punkt gesetzt).

Die Behandlung des Artikels vor dem Familiennamen
ist verschieden. Nach den preußischen „Instruktionen“ wird
        <pb n="57" />
        Bibliothekskataloge: Persönliches Ordnungswort 45
der einfache unverbundene Artikel vor den Namen in den
germanischen Sprachen nachgesetzt, in den romanischen
dagegen als Teil des Familiennamens betrachtet und an
seinem Platze belassen; sind aber Präposition und Artikel
enge miteinander verbunden oder zu einem Worte vereinigt,
 so werden sie in den germanischen und romanischen
Sprachen als zum Familiennamen gehörig an der Spitze
des Ordnungswortes beibehalten (Instruktionen 5 78—82).
Ihren Platz vor dem Familiennamen behalten :
@) im Deutschen: zum, zur, von und zur, von den;
b) im Holländischen: de, ten, ter, tot, van, van den ;
c) im Französischen: le, la, les, du, des;
d) im Italienischen: dal, dai, da’, del, dei, de’;
ge) im Porturgiesischen : da.
Dem Namen vorangehende ständige Attribute und
Präfixe wie Saint u. ä., Fitz (normannisch = Sohn), Mac,
Mc oder M’ (stets in der vollen Form Mac zu rechnen;
irisch-schottisch == Sohn), 0” (irisch == Enkel) oder 4p, 4b
(welsch == Sohn) werden zum Namen gezogen (ebd. $ 83).
. Bei deutschen, französischen, spanischen und italie-Nischen
 Doppelnamen wird gewöhnlich der erste Name
Ordnungswort, bei den ungarischen, englischen, holländischen,
 skandinavischen und slavischen meistens der zweite.
; Die ursprüngliche Namensform hat auch vor der laünisierten,
 gräzisierten oder sonstwie umgeformten den
Vorzug; doch nimmt man bei älteren Schriftstellern in der
Regel die latinisierte oder gräzisierte Form als Ordnungswort
 und fügt derselben die ursprüngliche Namensform in
Klammern bei (ebd. 8 100 f): Cartesius (Descartes), Bosius
(Dubois), Chillingworthus (Killingsworth).
Die englischen Eigennamen bestehen häufig aus dem Vornamen,
dem Familiennamen des Taufpaten und dem eigenem Familiennamen,
Nur der letzte wird als Ordnungswort genommen: aus Morris Hicky
Morgan wird also Morgan, Morris Hicky.
2. Statt des Familiennamens wird der Vorname als
Ordnungswort verwendet bei Heiligen und Seligen, Päpsten
und Mitgliedern regierender Familien, ebenso bei mittelalterlichen
 Autoren und bei Ordensleuten, deren Familien-
        <pb n="58" />
        46 Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare
name nicht festgestellt werden kann. Für die sprachliche
Form des Vornamens gibt die Nationalität des Verfassers
den Ausschlag.
3. Als Verfasser gelten außer den eigentlichen Urhebern
 im gewöhnlichen Sinne auch die Sammler von
Sagen, Märchen, Sprichwörtern, Rätseln, Liedern, die Herausgeber
 von Lesebüchern, Bibliographien, Registern, Chrestomathien
 aus mehreren Autoren, Schrifttafeln, Biographien,
Erklärungen und selbständigen Bearbeitungen eines "’extes.
Dagegen wird bei Textausgaben der Name des Verfassers
und nicht der des Herausgebers Ordnungswort, und meistens
auch bei Übersetzungen der Name des ersten Verfassers,
nicht der des Übersetzers. Bei periodischen Werken, Zeitschriften,
 Zeitungen, Jahrbüchern usw. wird ein sachliches
Ordnungswort gewählt, selbst wenn dieselben von einem
einzelnen Verfasser herausgegeben werden. Ebenso kommen
Briefwechsel von zwei oder mehr Personen wohl am besten
unter ein sachliches Ordnungswort, während die Briefe
einer Person unter deren Namen eingereiht werden. Kataloge
 von Privatsammlungen ohne Namen des Herausgebers
erhalten wohl am besten den Namen des Sammlers, Verkaufskataloge
 den Namen der Firma.
4. Für die Ausgaben und Übersetzungen einzelner
biblischer Bücher wird der Name des Hagiographen,
oder wo kein Autor genannt ist, der Titel des Buches Ordnungswort.
 Im Interesse einer einheitlichen Ordnung dürfte
es sich empfehlen, die Angaben in der Form der alten
lateinischen Vulgata beizubehalten. Dagegen wird bei Ausgaben
 und Übersetzungen von wenigstens zwei oder mehr
Büchern der Bibel am besten ein einheitliches sachliches
Ordnungswort gewählt, und zwar „Biblia“ für die ganze
h. Schrift oder Teile des Alten und Neuen Testamentes in
einer gemeinsamen Ausgabe oder Übersetzung, „ Testamentum
Vetus“ bezw. „Testamentum Novum“ für Ausgaben und Übersetzungen
 von allen oder wenigstens zwei Schriften des
Alten bezw. Neuer. Testamentes.
        <pb n="59" />
        Bibliothekskataloge: Persönliches Ordnungswort 47
5, Die Bezeichnungen der Stellung und Würde
des Verfassers werden nur bei den höheren kirchlichen
Würdenträgern, bei den Mitgliedern regierender Häuser
sowie als Bestimmung des Adelsgrades dem Ordnungswort
hinzugefügt.
6. Für die weitere Ordnung gleichlautender Namen
sind die Vornamen maßgebend. Sind dieselben auf dem
Titelblatt nicht angegeben, so müssen sie aus den bibliographischen
 Hilfsmitteln oder anderswoher ergänzt werden.
7. Hat der Verfasser auf dem "Titel einen erdichteten
Namen (Pseudonym) angegeben, so sucht man am besten
den wahren Namen des Verfassers zu ermitteln und setzt
diesen als Ordnungswort ein, indem man den falschen
Namen mit der Bezeichnung „Pseudonym“ (Pseud., Ps.)
beifügt. Durch einen Hinweiszettel wird unter dem Pseudonym
 auf den wahren Namen verwiesen. Ist der wahre
Name nicht zu ermitteln, so muß das Pseudonym als Verfassername
 und Ordnungswort gelten.
8. Sind auf dem Titel statt des Namens nur einzelne
 Buchstaben angegeben und läßt sich der volle
Name des Verfassers nicht ermitteln, so kann man entweder
 den letzten Anfangsbuchstaben oder den ersten als
Vertreter des Ordnungswortes bestimmen, oder auch die
Schrift als anonym betrachten und sie nach‘ den Regeln
der anonymen Werke behandeln. Das letztere Verfahren
dürfte den Vorzug verdienen.
9. Bei einem Sammelwerk, in welchem selbständige
einzelne Schriften zusammengefaßt werden, ist ein sachliches
 Ordnungswort zu empfehlen; ebenso bei einem von
drei oder mehr Verfassern gemeinsam bearbeiteten einheitlichen
 Werke. Bei Fortsetzungen und Neuauflagen wird
der Name des ersten Verfassers beibehalten, wenn nicht
durch gänzliche Umarbeitung aus der früheren Schrift eine
neue ‚und selbständige geworden ist.
II. Sachliches Ordnungswort. Das sachliche Ord-Nungswort
 wird verwendet bei allen Schriften, deren Ver-#


A
        <pb n="60" />
        45 Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare
fasser auf dem Titel gar nicht genannt und auch nicht
anderweitig zu ermitteln ist, oder bei denen überhaupt
kein Verfasser im eigentlichen Sinne angenommen wird.
Zu letzteren gehören, wie schon bemerkt wurde, alle periodischen
 Schriften, Sammelwerke von selbständigen Einzelschriften
 mit einem gemeinsamen Gesamttitel, Werke von
drei oder mehr Verfassern, ebenso amtliche Veröffentlichungen,
 Gesetze u. a. Für die Bestimmung dieses sachlichen
Ordnungswortes sind insbesondere folgende Punkte zu beachten:

1. Im allgemeinen wird bei der gewöhnlichen Form
der Titel das erste Substantivum regens als Ordnungswort
 gewählt, wenn es nicht als bloße Apposition
zur näheren Bestimmung eines anderen Substantivs dient,
oder nur den Teil eines Werkes bezeichnet wie Teil, Buch,
Pars, Volumen, Liber u. a. Dabei werden Komposita als
ein Wort betrachtet und zusammengesetzte Komposita aufgelöst
 wie Reichs- und Landtagsakten in Reichstagsakten
und Landtagsakten.
9. Bei Titeln in Form eines vollständigen oder verkürzten
 Satzes wird am besten das erste Wort, jedoch
unter Übergehung des Artikels, zum Ordnungswort.
3. Die orthographische Form des sachlichen
Ordnungswortes richtet sich nach der herrschenden Orthographie,
 auch wenn die Schreibung des Titels eines Werkes
davon abweicht. Ist das als Ordnungswort zu bestimmende
Substantiv von einem unter 1) genannten Wort wie Pars,
Liber u. dgl. abhängig, so wird es in den Nominativ gesetzt:
 z. B. bei dem Titel „Seriptorum rerum Bohemicarum
Tomus primus“ wird „Scriptores“ Ordnungs wort.
4, Die dem Ordnungswort im Titel vorangehenden
Wörter werden demselben nachgesetzt und durch einen
Beistrich von ihm getrennt.
5. Die weitere Ordnung der Titel richtet sich
nach den übrigen wesentlichen Wörtern in der im Titel
gegebenen Reihenfolge.

I
        <pb n="61" />
        Bibliothekskataloge: Sachliches Ordnungswort 4)
6. In vielen Fällen ist es ratsam, durch sogenannte Hinweise
 unter eigenen Schlagwörtern auf das richtige Ordhnungswort
 zu verweisen, oder auch noch durch summarische
 Angaben die Auffindung eines Werkes zu erleichtern.
Solche Hinweise sind insbesondere am Platz, wenn neben
einem sachlichen Ordnungswort auch ein persönliches
Schlagwort naheliegt und umgekehrt, oder wenn innerhalb
derselben Art z. B. bei Pseudonymen von einem Namen
auf einen ‚anderen zu verweisen ist.
Andere bibliographische Hilfsmittel z. B. für die Ermittlung der
Pseudonymen u. a. werden später bei den Erörterungen über die
Quellenkunde angeführt werden.
Die Beachtung der wichtigeren Regeln insbesondere über die
Ordnungsworte der alphabetischen Kataloge ist sowohl für die Benutzung
 der Bibliotheken als auch für die Zitationen in wissenschaftlichen
 Arbeiten von großer Bedeutung. Von letzteren wird später die
Rede sein. Um die unliebsamen „Bibliothekserfahrungen“, von denen
ein Bibliothekar manch schöne Proben in den „Grenzboten“ vorlegt
(37 [1878] 1, 1,251—65), nicht noch durch eigene Beiträge zu vermehren,
ist es nicht genug, in der Bibliothek keine Bücherzettel mit Wünschen
wie „Albert Schmidt aa0. I“ oder „Hänel“ zu präsentieren. Man gewöhne
 sich an eine sorgfältige und peinlich genaue Angabe der wesentlichen
 Teile des Titels, und zwar des Haupttitels, unter Voraussetzung
des persönlichen oder sachlichen Ordnungswortes, mit kurzer, aber
präziser Fassung ‚des zur genauen Kennzeichnung des Buches not.
wendigen Titeltextes. Dabei sollte niemals bei einem persönlichen
OÖrdnungswort. der Vorname des Verfassers fehlen, auch wenn er nicht
gerade Maier oder Müller heißt, noch auch die Jahreszahl der Veröffentlichung
 des Werkes und bei mehrbändigen Schriften die Bezeichnung
des gewünschten Bandes oder Bandteiles. Bei periodischen Schriften
empfiehlt es sich, regelmäßig Band und Jahrgang anzugeben,
Bezüglich der Vornamen, die nach einer üblen Gewohnheit vielfach
ganz vernachlässigt werden, bemerkt Ernst Bernheim mit vollem Recht:
„Wenn es sich auch nur um zwei Autoren desselben Nachnamens
handelt, welche viel geschrieben haben, so wird dem, der das Buch
aufzusuchen hat, durch die Weglassung des Vornamens eine ärgerliche
Mühe aufgebürdet, die ihm ersparı werden könnte, M. E. hat man
Nicht das Recht, die Zeit anderer Leute für seine Nachlässigkeiten in
Anspruch zu nehmen“ (Lehrbuch der hist. Methode® 278 f). Für die
Auffindung der Vornamen verweist er auf die bei A. Graesel, Handbuch
 der Bibliothekslehre* (Leipzig 1902) 206 angegebenen Hilfsmittel.

Fonck. Wissenschaftliches Arbeiten, 8. Aufl,

C
        <pb n="62" />
        ; Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare
Für die alphabetische Reihenfolge werden die Diphthonge ä, ö
und ü (ae, oe und ue) am besten wie einfache Laute behandelt; ausgenommen
 sind nur solche Wörter, in denen ae, oe oder ue nicht in
einen Doppellaut verschmelzen, sondern getrennt gesprochen werden
wie z. B. Aetius, Boethius, Huet,
15. Lehr- und Anschawungsmittel. 1. Von der
modernen Didaktik wird mit vollstem Recht auf die Verwendung
 von Anschauungsmitteln im Unterricht großer
Wert gelegt. Der Hochschulunterricht darf auf dieses wichtige
 Lehrmittel am allerwenigsten verzichten. Denn zu dem
Gewinn, welchen die Benutzung desselben den Vorlesungen
in den meisten Gegenständen bringen wird, kommt noch
die nicht zu unterschätzende pädagogische Rücksicht auf
die große Zahl der Studierenden, welche sich an der Universität
 auf den Lehrberuf in den verschiedensten Unterrichtsanstalten
 vorbereiten. Es ist für diese von großer
Bedeutung, wenn sie während ihrer akademischen Studienjahre
 die Verwendung und den mannigfachen praktischen
Nützen der Anschauungsmittel aus eigener Erfahrung kennen
gelernt haben.
9, Aus den gleichen Gründen beanspruchen diese Anschauungsmittel
 auch ihren Platz unter den äußeren Hilfsmitteln
 des Seminars. Allerdings wird die unmittelbare
Verwendung für den seminaristischen Unterricht vielfach
weniger in Betracht kommen und es könnte fast den Anschein
 haben, als wären diese Lehrmittel für den Zweck
des Seminars weniger entsprechend; denn sie setzen durchwegs
 ein ganz rezeplives Verhalten der Lernenden voraus,
während das Seminar vor allem zu produktiver Tätigkeit
anregen soll.
3. Die Schwierigkeit ist jedoch mehr eine scheinbare
als wirkliche. Denn zunächst werden schon die Seminarübungen
 bei vielen Gegenständen von den Anschauungsmitteln
 mit großem Nutzen Gebrauch machen können und
zum Teil ganz auf dieselben angewiesen sein. Sodann behält
aber ganz allgemein die erwähnte pädagogische Rücksicht
ihre Geltung auch für die Seminare, und für diese in ganz

50
        <pb n="63" />
        Lehr- und Anschauungsmittel 51
vorzüglicher Weise. Denn der einzelne Studierende wird
sich mit den für sein Fach passenden Lehrmitteln dieser
Art auf die leichteste und erfolgreichste Weise bekannt
und vertraut machen können, wenn er sie in den Räumen
des Seminars oder der Bibliothek oder auch in besonderen
damit verbundenen Sammlungen täglich vor Augen hat
und sich ungehindert mit ihnen näher beschäftigen kann.
Außerdem würde es der Stellung der Seminare innerhalb
des Organismus der Hochschule durchaus entsprechen, wenn
die einzelnen Fachprofessoren, welche die berufenen ord-Nungsmäßigen
 Leiter der Seminare sind, aus den Sammlungen
 ihrer Seminare die Anschauungsmittel für die allgemeinen
 Vorlesungen entnehmen könnten.
4. Wollten endlich die Seminare, wie es bei den ähnlichen
 Einrichtungen der alten Schule der Fall war, ihren
Mitgliedern auch durch außerordentliche Veranstaltungen
Gelegenheit zur Übung und Betätigung ihrer Kräfte bieten,
So würde sich ein neues weites Feld für die Verwendung
der Anschauungsmittel eröffnen.
Welcher Art diese Anschauungsmittel sind, wird sich zumeist
nach dem besonderen Gegenstand der einzelnen Fachwissenschaft richten.
Im allgemeinen leisten in den meisten Fällen treffliche Dienste Karten
Pläne, Bilder, Tabellen, Modelle, Geräte, Münzen und andere Gegenstände.
 Unter den Bildern verdienen außer den Sammlungen von Photographien
 aller Art die Lichtbilder eine besondere Erwähnung, für
welche natürlich auch ein guter skioptischer Apparat vorhanden sein
müßte, Unter allen Anschauungsmitteln dürften diese wohl den reichsten
und Vielseitigsten Nutzen gewähren. Selbst ganz einfache schematische
Zeichnungen, welche man ohne große Mühe auf einem mit Spirituslack
überstrichenen Glase oder auf dünnem Pauspapier oder noch besser auf
feinem Gelatinefolio herstellen kann, bieten als Lichtbilder oft recht
dankbare Erläuterungen zu wissenschaftlichen Fragen.
Mit Bezug auf die Lichtbildervorträge findet H. Schmidkunz es
mit Recht beklagenswert, „wieviel die Lichtbildvortragenden dadurch
versäumen, daß sie hauptsächlich zuviel Bilder zeigen und hinwieder
jedes einzelne Bild nicht genügend ausschöpfen, wodurch erst die alte
kunstwissenschaftliche Forderung des Sehenlernens befriedigt werden
kann“ (Zts. f. Philos. u. Pädag. 15 [1908] 512). .
Ein ziemlich reichhaltiges Verzeichnis von verschiedenen Lehrund
 Anschauungsmitteln für alle Fächer des gewöhnlichen Unterrichts
        <pb n="64" />
        52 Einrichtung und äußere Hilfsmittel des Seminars
bietet der „Katalog der Ausstellung neuerer Lehr- und Anschauungsmittel
 für den Unterricht an Mittelschulen“, welche in Wien vom 5,
bis 26. April 1903 veranstaltet wurde (Druck und Verlag von Carl
Fromme in Wien). — Über die Bedeutung der Anschauungsmittel für
den Unterricht vgl. z. B. den Artikel in W. Rein, Encyklopädisches
Handbuch der Pädagogik (’Langensalza 1903) 1, 188—97.
16. Dotation. 1. Für die erfolgreiche Wirksamkeit
eines Seminars ist es eine unerläßliche Bedingung, daß
seine Existenz. und sein Betrieb durch eine ausreichende
Dotation gesichert seien. Da es sich hier zunächst um Einrichtungen
 an den öffentlichen Hochschulen und Lehranstalten
 handelt, ist es auch die Sache der Unterrichtsbehörde,
 für diese Ausstattung der Seminare Sorge zu tragen,
Man wird bei derselben eine ordentliche und außerordentliche
 Dotation unterscheiden können.
9, Durch die ordentliche Dotation sollen jedem
Seminar zuvörderst die Mittel gewährt werden, für die Vermehrung
 und zeitgemäße Ausbildung der Bibliothek und
der übrigen Lehrmittelsammlungen in geeigneter Weise Sorge
zu tragen. Selbstverständlich müssen diese Mittel auch die
Katalogisierung und Instandhaltung der Bibliothek sowie der
übrigen Sammlungen und die angemessene Erhaltung der
notwendigen Einrichtung ermöglichen. Außerdem sollte
durch die Dotation eine Summe für die Prämiierung der
besseren Arbeiten der Mitglieder zur Verfügung gestellt
werden. In der Regel ist auch bei den bestehenden Seminaren
 für diesen doppelten Zweck Vorsorge getroffen.
3. Daneben werden aber nicht selten außerordentliche
 Unterstützungen aus besonderen Anlässen sich als
notwendig erweisen. Schon die erste Einrichtung der Bibliothek
 ist ohne eine solche nicht ausführbar und auch später
lassen sich größere notwendige Anschaffungen nur auf dem
Wege außerordentlicher Dotationen ermöglichen. Dasselbe
gilt für die erste Erwerbung und spätere Vermehrung der
sonstigen Lehrmittel.
4. Um den Zweck des Seminars in besserer Weise zu
erreichen, wäre es fernerhin sehr wünschenswert, daß dem
        <pb n="65" />
        Dotation 53
Leiter desselben die Möglichkeit geboten werde, mit den
Mitgliedern oder mit einem Teile derselben eine größere
oder kleinere Studienreise zu unternehmen. Zweck und
Plan derartiger Reisen werden sich nach dem Charakter
des einzelnen Seminars richten müssen; der große Nutzen
derselben für allseitige Ausbildung der Studierenden muß
aber jedenfalls allgemein anerkannt werden. Für solche
Studienausflüge wird nun wohl jeder Teilnehmer die auf
ihn entfallenden Auslagen zu einem Teile übernehmen
können. Sicherlich würden aber diese Veranstaltungen bedeutend
 erleichtert und auch ärmeren Studierenden zugänglich
 gemacht werden, wenn dem Seminar für solche Zwecke
eine außerordentliche Dotation bewilligt würde.
Es wird Sache des Seminarleiters sein, bei solchen
und ähnlichen Anlässen die erforderlichen Schritte zu tun.
Wenn auch die äußeren Hilfsmittel nicht die Hauptsache
beim Seminar sind, so bleiben sie doch die wesentliche
und unerläßliche Bedingung und Voraussetzung einer gedeihlichen
 Wirksamkeit.
        <pb n="66" />
        7}

Die seminaristischen Übungen
Fünftes Kapitel
Die seminaristischen Übungen
17. Vorbemerkungen. 1. Die seminaristische Ausbildung
 muß naturgemäß auf den verschiedenen Gebieten
des Hochschulunterrichtes eine verschiedene Gestaltung annehmen.
 Anders wird man in einem Seminar für Theologen,
 Juristen, Philologen und Historiker vorgehen müssen
und anders in den Instituten für Mediziner und Naturwissenschaftler;
 ebenso wird wiederum eine verschiedene
Methode eingehalten werden in einem homiletischen, katechetischen,
 liturgischen oder paläographischen Seminar und
bei den biblischen, patristischen, philologischen oder historischen
 Übungen.
9, Im allgemeinen wird man unter diesen verschiedenartigen
 seminaristischen Einrichtungen zwei große Klassen
unterscheiden können. Bei der einen Gruppe liegt das
Hauptgewicht in der praktischen Ausbildung des einzelnen
durch eigenes Experimentieren und Versuchen und Üben
zur Förderung wissenschaftlicher Probleme und zur Erlangung
 der fachwissenschaftlichen Kenntnisse und der notwendigen
 Gewandtheit, welche der Beruf erfordert. In der
anderen Klasse steht im Vordergrund die Behandlung einer
wissenschaftlichen Frage in einer größeren oder kleineren
schriftlichen Arbeit oder in einem mündlichen Vortrag. Die
beiden Gruppen schließen sich gegenseitig keineswegs
völlig aus. Vielmehr wird in jeder derselben, um den
        <pb n="67" />
        Vorbemerkungen. Diskussion wissenschaftlicher Fragen 55
Zweck der seminaristischen Bildungsweise zu erreichen, zu
den Hauptübungen manche andere hinzutreten müssen, die
sich der charakteristischen Hauptübung der anderen Gruppe
nähert, oder als beiden Klassen gemeinsam betrachtet
werden kann.
3. Es leuchtet aber von selbst ein, daß sich für diese
Hauptübungen der beiden Gruppen nicht ohne weiteres die
gleichen allgemeinen Regeln aufstellen lassen. _ Überhaupt
werden dort, wo die persönlichen praktischen Übungen die
Hauptsache bilden, allgemeine Regeln weniger notwendig
sein. Die folgenden Bemerkungen haben deshalb mehr die
zweite Gruppe im Auge, für deren wissenschaftliche Arbeiten
 auch diese Beiträge zur Methodik vorzüglich gelten
können.
4. Im vorliegenden Abschnitt begnügen wir uns mit
einigen Bemerkungen über die verschiedenen Übungen. Die
ausführliche Behandlung der Methode der wissenschaftlichen
 Arbeit wird den Inhalt des zweiten Teiles dieser
Schrift bilden.
18. Diskussion wissenschaftlicher Fragen. Schon
die Besprechung der schriftlichen Seminararbeiten, auf die
wir später einzugehen haben, kann bei einiger Vorbereitung
zu einer recht anregenden Diskussion der behandelten oder
einer verwandten wissenschaftlichen Frage führen. Diese
Art von Übung verdient aber auch einen selbständigen
Platz unter den Mitteln der seminaristischen Bildungsweise
1. Der große Nutzen solcher Erörterungen liegt auf der
Hand und wurde in der alten Schule, wie wir früher
sahen, von jeher anerkannt. Sie bietet den‘ einzelnen
Gelegenheit, sich in der freien Äußerung ihrer Meinung
zu üben, die derselben entgegenstehenden Schwierigkeiten
schnell aufzufassen, zu prüfen und zu beurteilen, die Gründe
und Gegengründe nach allen Seiten zu erwägen und gegeneinander
 zu halten. Sie kann auch ein geeignetes Mittel
sein, mit den wichtigeren wissenschaftlichen Fragen eingehender,
 als es in den gewöhnlichen Vorlesungen möglich
        <pb n="68" />
        D6 Die seminaristischen Übungen
ist, bekannt zu machen und das Interesse für dieselben
wachzurufen.
2. Dazu ist es aber zunächst erforderlich, dass der
Gegenstand für solche Diskussionen gut gewählt werde.
Er darf nicht zu allgemein genommen werden, weil dann
bei der Erörterung nur geringer Nutzen erzielt wird, und
soll hinwieder auch nicht zu speziell sein, weil in der Regel
für allzu spezielle Punkte weder das Interesse noch die
nötigen Vorkenntnisse in genügendem Maße vorhanden sind.
Es dürfte besonders zu empfehlen sein, eine bedeutendere
wissenschaftliche Frage von größerer Tragweite und wenn
möglich von aktueller Bedeutung zu wählen und sie nach
der einen oder andern Seite oder in ihren verschiedenen
Teilen erörtern zu lassen. Dieselbe muß aber der Bildungsstufe
 und den Kenntnissen’ der‘ Seminarmitglieder angemessen
 sein und in unmittelbarer Beziehung zu ihren Fachstudien
 stehen.
Es ist zwar richtig, daß „für historische und exegelische (Dinge)
mehr das Ganze im Kleinsten steckt“, wie H. Schrörs zu diesem Punkte
bemerkte (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3082). Aber es dürfte zweifelhaft
sein, ob das „Kleinste“ sich zum Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen,
 wie wir sie hier im Auge haben, eignet. Rein methodologisch
wird auch im allergeringsten Teil irgendeiner Frage die wissenschaftliche
 Arbeitsweise trefflich erläutert und geübt werden können. Praktisch
 wird aber eine Diskussion über einen allzu speziellen Punkt im
Seminar aus den angegebenen Gründen kaum möglich sein. Es wird
das gemeinsame Ziel aller Seminarübungen bleiben müssen, dem angehenden
 Jünger der Wissenschaft allmählich das Verständnis für das
Ganze im Kleinsten zu erschließen.
3. Sodann wird die Diskussion nur bei guter Vorbereitung
 den erwünschten Nutzen bringen. Auch wo
sie nicht im Gewand der scholastischen Disputation auftritt,
 wird doch eine gewisse schulmäßige oder wenn man
lieber will parlamentarische Form eingehalten werden
müssen. Es scheint am ratsamsten, den Gegenstand der
Diskussion einige Zeit vorher bekannt zu machen und ein
Referat über denselben vorbereiten zu lassen. Auch die
übrigen Mitglieder des Seminars werden zur Vorbereitung
aufgefordert, um mit Nutzen an der Erörterung sich betei-
        <pb n="69" />
        Diskussion wissenschaftlicher Fragen. Disputation 57
ligen zu können. Bei dieser fällt zunächst dem Referenten
die Aufgabe zu, nach Vorlegung seines Referates dasselbe
gegen etwaige Einwürfe zu verteidigen oder einzelne Punkte
ausführlicher zu begründen und klarzulegen. Ein vorher
bestimmter Korreferent kann das Referat einer prüfenden
Kritik unterziehen, oder auch die Frage unter einem anderen
 Gesichtspunkte behandeln. Jedes der anwesenden Mitglieder
 darf auch seine Einwürfe erheben, oder die Aufklärung
 eines Punktes anregen, oder in anderer Weise die
Frage zu fördern suchen.
Zum großen Teile wird der Erfolg bei dieser wie bei
allen anderen Übungen aber von der zweckmäßigen
Leitung durch den Vorstand abhängig sein.
19. Disputation. 1. Vielleicht mag es dem einen
oder anderen als ein kleiner Anachronismus erscheinen,
wenn unter den Übungen eines modernen Hochschulseminars
 auch die mittelalterliche Disputation ihren Platz
erhält. Doch die Diskussion wissenschaftlicher Fragen steht
dieser alten Disputierübung schon so nahe, daß es nur ein
kleiner Schritt mehr zu ihr hinüber ist, und die Vorteile
dieser alten Art der wissenschaftlichen Erörterungen sind
SO groß, daß sie wenigstens bei manchen Gegenständen
gar sehr dazu einladen, diesen Schritt nicht zu scheuen.
_ 2. Das eigentümliche und unterscheidende Merkmal der
Cigentlichen Disputation besteht in der strengen syllogistischen
 Form, welche bei derselben beobachtet werden muß.
Die Gründe und Gegengründe treten in der „eisernen Rü-Stung“
 des Syllogismus auf. Der Angreifer bringt seine
Schwierigkeiten gegen die zur Diskussion stehende These
in dieser strengen schulmäßigen Form vor und ebenso muß
der Verteidiger „in forma“ die Lösung geben. Nur bei
der etwaigen weiteren Erklärung der Lösung bleibt die
Syllogistische Form in der Regel unbeachtet.
ie en Ar klares Bild einer solchen Disputation zu erhalten, möge
dispilaton ge KEN En DE Pan DA
ek der  Kalhalicche rn en, ie Si z. B. Bernhard rin . „Biblion
 Pädagogik“ gibt (9 [Freiburg 1896] 160 f); Ausführ-
        <pb n="70" />
        b. Die seminaristischen Übungen
licheres darüber bieten die scholastischen Lehrbücher der Logik. „Schon
einige Tage zuvor sind die Thesen, die Namen des Defendenten und der
Opponenten (argumentantes) ausgehängt, so daß auch die übrigen Studierenden
 sich auf die Einwürfe vorbereiten können. Der Vorsitzende
der Disputation ist gewöhnlich der Professor des betreffenden Faches
selbst. Auf den Stundenschlag sind alle versammelt, denn von der
Disputation fernbleiben gilt als ebenso großer Fehler als die Versäumung
 der Vorlesung. Nach kurzem Gebet steigt der Defendent auf
den Katheder, trägt die erste These vor nebst dem status quaestionis
und den Beweisen. Dies dauert eine Viertelstunde, der Präses ‚sagt
bald sein satis est. Nun erhebt sich der erste Angreifer, nennt die
These, gegen die er angeht, und trägt seinen Angriffssyllogismus vor.
Der Defendent wiederholt ohne Gegenbemerkung den ganzen Syllogismus,
 nimmt dann. die propositio maior vor und sagt: Distinguo,
nego, concedo maiorem, je nachdem es der Wahrheit entspricht.
Ähnlich geht es mit der propositio minor oder dem Untersatze: Concedo,
 nego, distinguo minorem — ergo nego consequens. Der Angreifer
faßt nun den negierten Teil seines Syllogismus, beweist ihn durch neue
Argumente, die vom Defendenten in gleicher Weise behandelt werden,
bis endlich die These, bezw. ein Argument des Professors feststeht oder
fällt. Natürlich wacht der Lehrer nicht nur über die Einhaltung der
syllogistischen ‚Forma‘, sondern auch über Rettung seiner These und
der Argumente. Ist die Zeit des ersten Opponenten, etwa eine Viertel.
stunde, verstrichen, so erhebt sich auf ein Zeichen der zweite zum
Vortrage seiner Einwürfe, die, wie eben gezeigt worden, behandelt
werden. Es bleibt zuletzt noch eine Viertelstunde, in welcher die
Corona ihre Einwendungen machen darf; der Verteidiger, im äußersten
Falle der Lehrer, hat die Lösung zu geben. Wie leicht hat ein Studierender
 in irgend einem Lehrsatze einen unlösbaren Knoten gefunden!
Jetzt mag er seine Schwierigkeit vortragen und so lange verteidigen,
his sie endgültig gelöst ist“.
3. Auf den ersten Blick mag allerdings ein. ‚solch
trockenes „Distinguo, nego, concedo maiorem“ recht mittelalterlich
 und abschreckend klingen. Bei einem vernünftigen
Urteil wird man aber der Sache mehr auf den Grund
gehen und den Wert der Disputationen nach dem praktischen
Nutzen abschätzen müssen, den sie gewähren. Nur darf
man sich bei diesem Werturteil nicht von jenem Zerrbild
einer scholastischen Disputation‘ beinflussen lassen, wie. es
hie und da bei feierlichen Promotionen zur Schau gestellt
wird. Wo alles vorher abgekartet ist und es sich bloß um
ein leeres Scheingefecht handelt, da mag man allerdings

8
        <pb n="71" />
        Disputation SE)
diese Zeremonie getrost zum alten Plunder in die Rumpelkammer
 werfen. Die seminaristische Übung der Disputation
hat aber mit solch hohlem Scheinwesen nichts zu tun.
A. Als den ersten besonderen Vorteil dieser Übung
wird man die Bildung klarer Begriffe bezeichnen
dürfen. „Unterscheiden, was in der Vorstellung zu unterscheiden
 ist“, bemerkt Franz Hettinger mit vollem Recht,
„bildet die Grundvoraussetzung der wissenschaftlichen
Darstellung. Woher kommen denn überhaupt soviele Irrtümer,
 wenn nicht aus unbestimmten, vieldeutigen, allgemeinen
 Aussprüchen, nicht scharf und genau gebildeten
Begriffen, verschiedenartigen nur zufällig und äußerlich zueinander
 gehörenden Ideen, an sich ganz fremdartigen
Gedanken, die nur durch Ideenassoziation, nicht begrifflich
und logisch verbunden sind? Gerade das nun leistet die
Disputation; sie nötigt uns, jeden Begriff genau zu prüfen,
wie der Baumeister jeden Stein, den er für sein Werk
verwenden will. Geschieht dies nicht, dann mag die schriftliche
 und noch mehr die mündliche Darstellung durch den
Schmuck und Glanz der Rede, den Reichtum der Bilder,
die Neuheit der Gedanken den Leser und Hörer bestechen,
aber einen wissenschaftlichen Wert hat sie nicht“). Diese
klare und scharfe Bestimmung. der Begriffe galt den alten
Didaktikern als eine so wesentliche Leistung der Disputation,
daß sie selbst den Namen derselben von dieser Aufgabe
ableiteten. „Mit Recht hat jemand [nämlich Juan Luis
Vives] behauptet, weil die Wahrheit unter dem dichten
Schleier verborgen und gewissermaßen unter der Rinde
versteckt liege, habe die Disputation daher ihren Namen
erhalten, daß sie bei der Untersuchung der Wahrheit das
Falsche, Zweideutige und Unsichere zunächst entferne und
so zum Kern, zur Wahrheit selbst gelange, ähnlich wie
man Weinreben, Nüsse, Eisen und Gold durch Entfernung
alles unützen Beiwerkes säubere“?).
') Fr. Hettinger, Timotheus (*Freiburg 1897) 188.
?) Ant. Possevino, Die Ausbildung des Geistes, Kap. 31, in: Bibliothek
 der kath. Pädagogik 11, 455.

z
=
        <pb n="72" />
        Die seminaristischen Übungen
5. Mit dieser Bildung klarer Begriffe hängt der zweite
Vorteil aufs engste zusammen, daß die Studierenden sich
an eine geordnete logische Denkarbeit gewöhnen
daß sie lernen, ihre Gedanken in logischer Aufeinanderfolge
 zu entwickeln und ihre Beweise in klarer, bestimmter,
logischer Form vorzulegen.
6. Sie erreichen drittens das, was Friedrich Paulsen
eine „große Präsenz des Wissens“ nannte und als
wertvollen Nutzen der Disputation bezeichnete!). Denn
dieser geistige Wettkampf führt sie von selbst dazu, jedem
Gegner Rede und Antwort zu stehen und durch Unterscheidung
 des Ungenauen, Unklaren und Zweideutigen bei
jedem Einwurf immer mehr den eigentlichen Kern der
Wahrheit von allem unnützen Beiwerk zu säubern. So gelangen
 sie auf sicherem Wege zur vollen Beherrschung
ihres Gegenstandes.
7. Als weitere kostbare Frucht hebt Paulsen eine „erstaunliche
 Geübtheit im Auffassen von
Argumentationen“ hervor (aa0.). „Auch das ist kein
geringer Vorteil“, bemerkt Hettinger, „daß er [der Studierende]
 die Einreden des Gegners richtig, vollständig,
ohne Änderung oder Zusatz wiederzugeben lernt, wodurch
allein eine Verständigung möglich wird; weil gerade dies
so selten ist, darum findet auch so selten bei wissenschaftlichen
 Gegensätzen eine Ausgleichung statt, vielmehr steigert
sich nur die Verwirrung und bei mündlichen Verhandlungen
 auch die Erbitterung“?). Die richtige Auffassung der
Argumentation des Gegners muß notwendig zur Anerkennung
 des Wahrheitsgehaltes in seinem Einwurf führen, und
wenn es als oberstes Gesetz in jedem wissenschaftlichen
Streit gelten muß, daß man niemals der Wahrheit widersprechen
 darf und daß „wir nichts vermögen wider die
Wahrheit“, so sollte auf diesem Wege eine Verständigung
überall erzielt werden können. „Magna est veritas et
praevalet“.
1) Fr, Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts 1% 38.
®*) Fr. Hettinger, Timotheus® 189,

60
        <pb n="73" />
        Disputation A
8. Durch das tiefere Eindringen in den Kernpunkt einer
Frage und die allseitige objektive Anerkennung des Wahrheitsgehaltes
 in den Argumenten der Gegner erweist sich
die Disputation, wie schon früher hervorgehoben wurde,
auch als geeignetes Mittel, das Wissen zu vertiefen und eine
fruchtreiche selbsttätige Mitarbeit der Studierenden anzuregen.
9. So verdient die Disputation trotz ihres mittelalterlichen
 Ursprungs und Charakters doch auch einen Platz
unter den seminaristischen Übungen des zwanzigsten Jahrhunderts,
 Sie wird sich aber ihrer Natur nach vorzüglich
für jene Fächer eignen, bei welchen das Hauptgewicht
auf die spekulative Begründung, Ausgestaltung und Weiterbildung
 einer Lehre gelegt wird. Sie kommt daher vornehmlich
 für die Seminare der eigentlichen philosophischen
und der spekulativen dogmatischen und moralischen Wissenszweige
 in Betracht.
Reichhaltige bibliographische Angaben über die Disputation bietet
Wilhelm Erman in: Erman-Horn, Bibliographie der deutschen Univer-.
sitäten 1 (Leipzig und Berlin 1904) p. 340—-8 (17,9 n. 7162—7322). Das
Buch des Juan Luis Vives De Disputatione vom Jahre 1531 verdiente
unter den älteren Schriften einen Platz.
Der Wert der disputatorischen und konversatorischen Übungen
wurde auch seitens der höchsten Unterrichtsbehörden wiederholt anerkannt.
 Hettinger führt einen Erlaß des preußischen Ministeriums vom
17. April 1844 an (aaO. 189), in welchem gegenüber der einseitig akroamatischen
 Methode der meisten Disziplinen an den modernen Hochschulen
 „das Zurücktreten einer Unterrichtsform bedauert wird, wodurch
ein geistiger Verkehr zwischen Lehrer und Lernenden sonst bei allen
Unterrichtsgegenständen vermittelt wurde. Früher waren mit den
zusammenhängenden Vorträgen disputatorische und conversatorische
Übungen verbunden, in welchen sich die Blüte der wahren Lehr- und
Lernfreiheit zeigte“ usw.
Gerade diesen Übungen eignet also in besonderer Weise jener
Vorzug, welchen man zur Hebung des modernen Hochschulunterrichtes
durch die seminaristische Bildungsweise anstrebt. Hettinger empfiehlt
daher mit Recht seinem Timotheus: „Nehmen Sie fleißig Anteil an
den Disputationen; sie sind die beste Palästra des Geistes, sie üben
den Scharfsinn, schärfen die Urteilskraft, sind eine Schule strenger
Logik und leiten Sie an, den fraglichen Gegenstand nach allen Seiten
zu betrachten und zu durchdringen. So gewinnen Sie eine feste Basis
für Ihre ganze wissenschaftliche Zukunft“ (aaO. 392 f).

6
        <pb n="74" />
        Die seminaristischen Übungen
20. Lektüre und Interpretation. Allgemeinere
Verwendung als die Disputation findet bei den seminaristischen
 Übungen die Lektüre und Interpretation geeigneter
Texte.
1. In sachlicher Beziehung bietet sie Gelegenheit, in
die Kenntnis wichtiger Quellenschriften einer . Disziplin
genauer einzuführen und manche sprachliche und geschichtliche
 Punkte und andere nützliche Wahrheiten ins Gedächtnis
 zurückzurufen. In der Regel dürfte jedoch der methodische
 Vorteil höher eingeschätzt werden, daß bei diesen
Übungen die Studierenden mit den Regeln der Hermeneutik
und Kritik und ihrer praktischen Anwendung vertraut werden.
9, Unter beiden Rücksichten muß zunächst der zu behandelnde
 Text gut gewählt werden. Bei den meisten
Fächern empfiehlt es sich, wichtigere Quellenschriften von
nicht zu großem Umfange durchzunehmen, die womöglich
ein abgeschlossenes Ganze bilden und sich in einem Semester
 beendigen lassen. Dabei muß zugleich noch aus
einleuchtenden praktischen Gründen darauf Bedacht genommen
 werden, daß eine gute, wohlfeile und handliche
Ausgabe des Textes erhältlich ist, damit alle Mitglieder die
Schrift bei der Interpretation in Händen haben.
Dem praktischen Bedürfnis ist für eine Reihe von Seminaren
durch entsprechende Ausgaben von Quellenschriften Rechnung getragen
worden. Für die philologischen Seminare ist schon durch die treffliche
„Bibliotheca Teubneriana“ (Leipzig 1849—) mit ihren kritischen Ausgaben
 vollauf gesorgt. Den Theologen bietet die Sammlung von Hugo
Hurter eine reiche Auswahl von kleineren und größeren patristischen
Schriften (Sanctorum Patrum opuscula selecta ad usum praesertim
studiosorum theologiae, Edidit et commentariis auxit H. Hurter S. J.
Oeniponte 1868—1885. 48 Bändchen in 16°. Series altera. Ebd. 1884—
1892. 6 Bändchen in 12°. Kleinere patristische Texte mit besonderer
Rücksicht auf die Bedürfnisse theologischer Seminare veröffentlicht
Gerhard Rauschen in seiner 1904 begonnenen Sammlung (Florilegium
patristicum digessit verlit adnotavit Ferardus Rauschen. Bonnae 1904 ff.
Bisher 9 Hefte). Einen ähnlichen Zweck verfolgen die Sammelausgaben :
Bibliotheca Sanctorum Patrum et Scriptorum ecclesiasticorum. Roma
1900—; P. Lejay et Hipp. Hemmer, Textes et documents pour l’ etude
historique du Christianisme. Paris 1904—. — Über den Kreis der patristischen
 Schriften greifen zwei andere Sammlungen hinaus, die von

62
        <pb n="75" />
        Lektüre und Interpretation 5
Gustav Krüger und von Hans Lietzmann herausgegeben werden:
Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengeschichtlicher Quellenschriften
 als Grundlage für Seminarübungen herausgegeben unter Leitung
 von @. Krüger. Freiburg i. B. 1891—1896. 12 Hefte. Zweite
Reihe, Tübingen und Leipzig 1901 ff. — Kleine Texte für tiheologische
 Vorlesungen. Herausgegeben von H. Lietemann. Bonn 1903 ff.
Bisher 131 Hefte.
3. Bei der Lektüre und Interpretation im Seminar wird
man in verschiedener Weise vorgeben können. Entweder
bereiten alle Mitglieder‘ einen vorher bestimmten Abschnitt
des Textes vor, oder es werden einzelne für jede Stunde
damit beauftragt; doch müssen auch in letzterem Falle alle
übrigen sich vorher schon etwas mit dem Texte bekannt
zu machen suchen. Zum richtigen Verständnis des "Textes
wird vor allem eine gute Übersetzung gegeben werden
müssen, in der ein jeder das Ergebnis seiner hermeneutischen
 Bemühungen im getreuen Anschluß an das Original
 und in einer für alle verständlichen und sprachrichtigen
 Weise vorlegen kann. Je nach dem besonderen Zwecke
des Seminars wird sich daran eine Besprechung und Erklärung
 anschließen, in welcher mehr die sprachlichen oder
die historischen und sachlichen oder die technischen oder
auch die kritischen Gesichtspunkte hervorgehoben werden.
Eine möglichst allseitige Beteiligung sämtlicher Mitglieder
ist dabei sehr zu wünschen.
Es würde zu weit führen, die Grundsätze der Hermeneutik und
Kritik hier darzulegen; sie werden im zweiten Teile (15. und 16. Kap.)
zur Sprache kommen. Hier möge der Hinweis genügen auf die Ausführungen
 von Heinrich Kihn, Encyklopädie und Methodologie der
Theologie (Freiburg i. B. 1892) 120—99 und Friedrich Blass, Hermeneutik
 und Kritik in: Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft
von Iwan Müller 12 (München 1892) 139—295, woselbst die reichhaltige
 Literatur angegeben ist. _
Für die Übersetzung leistet gute Dienste das Büchlein von Paul
Cauer, Die Kunst des Übersetzens (*Berlin 1903); vgl. auch Blass aaQ0.
245—8; Kihn 195 f, — Das Prinzip, alles Nationale des Originals
möglichst abzustreifen, hat in neuester Zeit dazu geführt, z. B. auch
Jesus als unseren Landsmann und Zeitgenossen reden zu lassen; ein
solcher Übersetzer der Evangelien scheitert aber offenbar an der
zweiten Klippe, auf die Wilhelm von Humboldt hinwies, weil er „auf

67
        <pb n="76" />
        tn Die seminaristischen Übungen
Kosten seines Originals zu sehr an die Eigentümlichkeit seiner Nation“
sich hält. Ebenso gefährlich ist freilich die erste Klippe, „sich auf
Kosten des Geschmacks und der Sprache seiner Nation zu genau an
sein Original zu halten“ (Cauer p. 4). Die rechte Mitte, die v. Humboldt
„nicht bloß schwer, sondern geradezu unmöglich“ nennt, läßt sich
wenigstens in vielen Stücken annähernd erreichen, wenn man unter
Vermeidung aller Einseitigkeit und pedantischer Mechanisierung vorzüglich
 auf die besonderen Zwecke und die praktischen Bedürfnisse
bei jeder Übersetzung Rücksicht nimmt. Vgl. auch die von Cauer angeführte
 Abhandlung von Julius Keller „Die Grenzen der Übersetzungskunst“
 (Programm des Gymnasiums zu Karlsruhe 1892).
Von einer „Übersetzungskunst“ kann freilich dort überhaupt nicht
mehr die Rede sein, wo der Übersetzer sowohl das Original als auch
die eigene Sprache so barbarisch behandelt, wie es z. B. in einer deutschen
 Ausgabe des lateinischen Martyrologiums geschieht. Zum 26, März
sagt z. B. das Original: „... qui cum esset zetarius [d. h. Diener]
palatit et hospes sanctorum, a persecutoribus tertio appensus, tertio
auditus, in confessione Domini perseverans missus est in foveam, et
dimissa super eum massa arenaria, martyrio coronatus est.“ Die
deutsche „Übersetzung“ lautet: „... des kaiserlichen Hofbedienten,
genannt Zetarius. Weil dieser ein Wirt war und fromme Männer bei
sich aufnahm, ward er von den Verfolgern dreimal auf die Folter gespannt
 und dreimal peinlich verhört, im Bekenntnis des Herrn gleichwohl
 standhaft befunden, ebendeshalb in eine Grube geworfen, mit
häufigem Sand überschütiet und also mit der Marterkrone geziert“.
Und so geht es weiter.
Ein klassisches Muster für die Beurteilung von Übersetzungen,
besonders po#tischer Werke, ist noch immer Wilhelm Schlegels Rezension
der Vossischen Homer-Übersetzung (0. Kataun).
21. Besprechung der neuesten Fachliteratur.
Für die Zwecke des Seminars ist es weiterhin noch ein
anregendes und förderliches Mittel, entweder regelmäßig
oder doch von Zeit zu Zeit die wichtigeren Erscheinungen
der neuesten einschlägigen Fachliteratur zu besprechen.
1. Um dem beklagenswerten Mangel an Bücherkenntnis
in unserem akademischen Leben abzuhelfen, kann die Handbibliothek
 des‘ Seminars in keiner Weise genügen. Auch
wenn sie viel besser ausgestattet wäre, als es tatsächlich
bei sehr vielen der Fall ist, würden doch die Studierenden
ohne die leitende und fördernde Anregung in den Seminarstunden
 größtenteils nur in sehr beschränktem Maße die

.
        <pb n="77" />
        Besprechung der Fachliteratur 3
notwendige Kenntnis der Literatur und insbesondere der
Neuerscheinungen erlangen. Die meisten würden sich damit
 begnügen, unter den für die eigene Spezialarbeit notwendigen
 Schriften Umschau zu halten.
2. Die regelmäßige Besprechung bietet außerdem Gelegenheit,
 zu den Anschauungen und Meinungen, wie sie in
den neuen Schriften zu Tage treten, Stellung zu nehmen.
Sie vermittelt so nicht bloß die Kenntnis der neuen Publikationen,
 sondern gewährt auch einen übersichtlichen Einblick
 in die verschiedenen Strömungen und wissenschaftlichen
 Fragen der Gegenwart und ermöglicht es, sich über
den Wert der mannigfachen Erscheinungen in leichter Weise
ein Urteil zu bilden. Allerdings wird dadurch die eigene
Prüfung der Literatur keineswegs überflüssig. Aber es ist
doch dafür die nötige Grundlage gegeben und eine wirksame
 Anregung geboten.
3. Um eine derartige Besprechung mit der erwünschten
Vollständigkeit geben zu können, wäre es nun freilich das
beste, wenn die Seminarbibliothek selbst oder die Universitätsbibliothek
 die sämtlichen wichtigeren Neuerscheinungen
auf den einzelnen Gebieten der Fachliteratur sofort an-Schaffen
 könnte. Wo dieses nicht zu erreichen ist, läßt
Sich einigermassen dafür Ersatz schaffen durch regelmäßige
Ansichtssendungen und durch Entlehnung der fehlenden
Werke von auswärtigen größeren Bibliotheken. Wo es
Sich um Spezialschriften über einzelne Fragen handelt, wird
©S auch möglich sein, durch Mitglieder, welche sich mit
der betreffenden Frage beschäftigen, wenigstens für die
Besprechung und eventuell auch für die Seminarbibliothek
solche Monographien zu erhalten.
4. Die erstrebenswerte Vollständigkeit erfordert es ferner,
daß außer den selbständigen Schriften auch die wichtigeren
Abhandlungen und Bemerkungen der Fachzeitschriften zur
Besprechung herangezogen werden. Allerdings wächst gerade
 diese Literatur auf jedem Gebiete schier ins Unabsehbare
 an. Doch lassen sich die wissenschaftlichen Strömungen
 der Gegenwart in der Regel nur unter Berücksich-Fonck,
 Wissenschaftliches -Arbeiten, 3. Aufl.

6f
5
        <pb n="78" />
        €; Die seminaristischen Übungen
tigung dieser periodischen Fachliteratur verfolgen und
bei richtiger Unterscheidung des Wichtigen vom Minderwertigen
 läßt sich hier gewöhnlich eine lohnende Auslese
für die Zwecke des Seminars halten. Nebenbei wird auch
eine bessere Kenntnis dieser Fachzeitschriften und ihrer
Richtung als erwünschte Zugabe den meisten sehr willkommen
 sein.
5. Für die. Besprechung selbst bleibt natürlich die
Hauptarbeit dem Seminarleiter zu tun. Er kann zwar einen
Teil der Literatur von den Mitgliedern in kurzen Referaten
und Kritiken behandeln lassen, muß sich aber doch in
jedem Falle selbst ein Urteil über die einzelnen Schriften
bilden. Auch ist es für gewöhnlich zu nützlicher Anregung
dienlich und förderlich, wenn er in Verbindung mit den
Einzelreferaten oder zusammenfassenden Übersichten der
Mitglieder sein eigenes Urteil ‚über die zur Besprechung
gelangenden Schriften in einer kurzen motivierten Charakteristik
 abgibt.
Über die literarischen Hilfsmittel, welche bei diesen Besprechungen
von Nutzen sein können, ist die Bibliographie im Anhang zu vergleichen.
Es ist zu empfehlen, daß die zur Besprechung gelangenden
Schriften allen Mitgliedern während einiger Tage vorher und auch
nachher zur Einsichtnahme im Seminarlokal aufliegen, vorher um sich
vorzubereiten auf die Besprechung, nachher, um sich selbst ein Urteil
bilden zu können. So lassen sich die Störungen vermeiden, welche ein
Zirkulieren der Schriften während der Besprechung im Seminar verursacht,

22, Gemeinsame Untersuchung einer wissenschaftlichen
 Frage. Ausser den genannten Übungen
wird auch die gemeinsam von Lehrer und Schüler geführte,
Schritt für Schritt sich weiter bewegende Untersuchung einer
wissenschaftlichen Frage einen Platz unter den Seminarübungen
 beanspruchen können.
1. Sie bietet zunächst den Vorteil, dass der Stoff in
geeigneter Weise unter die Mitglieder des Seminars verteilt
werden kann. Die gemeinsame Arbeit weckt das Interesse
und den edien Wetteifer aller Beteiligten. Der Lehrer hat

6
        <pb n="79" />
        Gemeinsame Untersuchung einer wissenschaftlichen Frage 67
bei jedem Schritt Gelegenheit, den Anfänger in die wissenschaftliche
 Forschung einzuführen, ihn vor Fehltritten zu
warnen, auf Mängel und Lücken seiner Arbeit aufmerksam
zu machen. In gemeinsamer Arbeit werden so die Kräfte
gespornt und wachsen allmählich zu fruchtreicher Betätigung
 heran. Das Ergebnis der Untersuchung, das sich Punkt
für Punkt in gegenseitiger Ergänzung herausstellt, ist der
schönste Lohn der beharrlichen Arbeit und weckt neue
Freude zu weiterer Forschung.
9. Die einzelnen Mitglieder können dann in selbständiger
Zusammenfassung des Erforschten Rechenschaft über das
Resultat ihrer Untersuchung geben und so eine gute und
anregende schriftliche Abhandlung oder einen mündlichen
Vortrag als Frucht ihrer Seminararbeit vorlegen. Aber wenn
sie auch nicht zu diesem erstrebenswerten letzten‘ Abschluss
ihrer Untersuchung gelangen, so wird doch schon die gemeinsame
 Forschungsarbeit unter Leitung des Lehrers reiche
Frucht für alle bieten.
H. Schrörs macht mit Recht auf die Bedeutung und den Nutzen
dieser Übung aufmerksam, die in der ersten Auflage dieses Buches
keine Beachtung gefunden hatte (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3082 f). —
Auch H, van Laak weist auf diese wichtige und anregende Übung hin
(Civ. Catt. 60 [1909, 2] 402.).
3. Als Gegenstand solcher gemeinsamen Untersuchungen
kann im allgemeinen jede wissenschaftliche Frage in Betracht
kommen. Insbesondere ist für diese Übung z. B. auch die
Behandlung von Quellentexten geeignet mit den verschiedenen
 Fragen, die ihren Ursprung, ihre Erhaltung und
ihre Glaubwürdigkeit betreffen. Übrigens wird der Seminarleiter
 aus dem Gebiet seiner eigenen Arbeiten oder den
damit zusammenhängenden Fragen leicht passende Gegenstände
 für diese gemeinsamen Untersuchungen entnehmen
können.
4. Er wird jedoch dabei auf eine Gefahr zu achten
haben. Die gemeinsamen Untersuchungen im Seminar dürfen
nicht den Schein erwecken, als sollten die Seminarmitglieder
 mit ihren Arbeiten dem Leiter nur Handlanger-5
        <pb n="80" />
        Die seminaristischen Übungen
dienste für seine eigenen Publikationen leisten. Auch in
diesem Punkte bewähren die Studierenden in der Regel
der Schwäche des Professors gegenüber ihren üblichen
Scharfblick. Nichts stört aber das Vertrauensverhältnis, wie
es im Seminar herrschen soll, mehr als die Meinung —
selbst wenn sie nur den Schein für sich hätte — dass die
eigene Mühe für selbstsüchtige Zwecke von anderen ausgebeutet
 werde.
5. Die Frucht solch gemeinsamer Untersuchungen im
Seminar kann in manchen Fällen die wissenschaftliche
Veröffentlichung des Ergebnisses sein, die von dem Leiter
des Seminars unter Mitwirkung der Mitglieder, oder auch
von einigen Mitgliedern unter Leitung des Professors
herausgegeben wird.
23. Ausserordentliche Veranstaltungen. Außer
diesen regelmäßigen Übungen können im Seminar bei besonderen
 Anlässen auch außerordentliche Veranstaltungen
von Nutzen sein. Bei den seminaristischen Einrichtungen
der alten Schule war für derartige größere Akte in mannigfacher
 Weise Vorsorge getroffen, wie früher erwähnt
wurde. Auch für den Zweck der modernen Hochschulseminare
 sind sie vielfach recht förderlich.
1. Es lassen sich verschiedene Arten solcher außerordentlichen
 Übungen unterscheiden. Bei festlichen Anlässen,
welche zu dem Seminar in näherer Beziehung stehen, kann
eine feierliche Sitzung statthaben, deren Vorbereitung und
Durchführung den meisten Mitgliedern Gelegenheit zu ausgiebiger
 Übung und produktiver Betätigung ihrer Kräfte
bietet. Man wird dagegen wohl kaum geltend machen
wollen, daß derartige Feiern einen allzu schulmäßigen
Charakter haben und daher der Würde und Stellung eines
akademischen Seminars zu wenig entsprechen. Denn dieser
Charakter hängt einzig und allein von der Art und Weise
ab, in der solche Akte gehalten werden. Sollte man denn
etwa deshalh auf eine akademische Schillerfeier beim
hundertjährigen Todestag des großen Dichters verzichten

38
        <pb n="81" />
        Außerordentliche Veranstaltungen fr
müssen, weil auch alle Mittelschulen diesen Tag‘ in recht
schulmäßiger Weise begehen? Ein germanistisches Seminar
würde, meine ich, durchaus seinem Zweck entsprechend
handeln, wenn die Mitglieder in vereinter Arbeit bei solchem
Anlaß einen akademischen Festakt vorbereiteten und in
einer außerordentlichen Sitzung des Seminars abhielten,
nötigenfalls sogar in der Universitätsaula vor einem gewählten
 Auditorium. In ähnlicher Weise würden sich für
viele Seminare, und zwar nicht bloß bei Jahrhundertfeiern,
Anlässe zu festlichen akademischen Akten oft genug bieten,
welche das Interesse für die Arbeiten des Seminars neu
beleben und seine Wirksamkeit in vielfacher Hinsicht fördern
 könnten.
9. Außerordentliche Veranstaltungen anderer Art wären
die schon gelegentlich kurz erwähnten Studienreisen. Der
vielseitige Nutzen derselben leuchtet von selbst ein. Die
praktische Erfahrung zeigt auch zur Genüge, daß sie sich
ohne allzugroße Schwierigkeiten durchführen lassen, wenigstens
 mit einem Teile der Mitglieder, wenn der Kostenpunkt
 nicht allen die Reise ermöglicht. Das Gelingen derselben
 wird in der Regel zum größten Teile abhängen von
einem zweckmäßigen und praktischen Plane sowie der allseitigen
 und sorgfältigen Vorbereitung der Reise.
3. Die Praxis mancher Fakultäten und Institute im
In- und Auslande hat den großen Nutzen solcher Studienreisen
 immer von neuem bestätigt. Wie an manchen
deutschen und österreichichen Universitäten, so werden
auch z. B. von der Pariser Ecole des Chartes, von der
Jerusalemer Ecole Biblique, von der Beiruter Faculte
orientale, vom römischen Bibelinstitut alljährlich wissenschaftliche
 Exkursionen und Studienreisen veranstaltet.
Es wäre jedenfalls sehr wünschenswert, dass man
solchen Veranstaltungen noch mehr Beachtung schenkte,
als es vielfach geschieht. Philologische wie theologische
Seminare könnten da vielleicht von den naturwissenschaftlichen
 Instituten manches lernen. Wenn es für diese
nicht zu viel ist, für die Interessen des mineralogischen

oe
        <pb n="82" />
        T Die seminaristischen Übungen
und petrographischen Unterrichts mit hoher Unterstützung
seitens der Unterrichtsbehörde vom Tiroler Land aus eine
Reise nach dem Harz oder nach Ischia zu unternehmen oder
für zoologische Studien die Station von "Triest zu besuchen,
so dürfte es doch auch wohl z. B. im Interesse der kirchlichen
 Kunst und der Liturgik gestattet sein, vom gleichen
Ausgangspunkt aus die viel näher gelegenen kunstge”
schichtlichen Schätze und liturgisch-historischen Sammlunlungen
 der bayrischen Hauptstadt oder gar der Kaiserstadt
an der Donau nebst dem nahegelegenen Kalksburger Kabinett
 für kirchliche Kunst in näheren Augenschein zu
nehmen. Reicher Erfolg würde sicherlich den Aufwand von
Mühe und Zeit und Kosten lohr en.
Vgl. Joh. Teufer, Über klassische Studienreisen, in: Neue Jahrbücher
 f. d. klass. Altertum 4 (1899, 2) 416; Max Siebourg, Über eine
halbjährige Studienreise in Italien, ebd. 2 (1898, 2) 415; Ludwig Weber
Über Schülerreisen, ihre Zweckmäßigkeit und Ausführbarkeit, ebd, 12
(1903, 2) 89.
So ist den Seminaren durch die mannigfachsten
Übungen Gelegenheit zu allseitiger Vorbereitung auf die
Berufsarbeit. geboten. Auf die erste und wichtigste dieser
Übungen müssen wir nun im folgenden näher eingehen,
“y

Mn
        <pb n="83" />
        Die schriftlichen Arbeiten. Vorbemerkungen
Sechstes Kapitel
Die schriftlichen Arbeiten der Mitglieder
24. Vorbemerkungen. 1. Nur zu häufig begegnet
man in den Kreisen derjenigen, die durch ihren Beruf in
ganz vorzüglicher Weise auf die wissenschaftliche Arbeit
hingewiesen werden, einem doppeltem Vorurteil, das viele
wie ein eiserner Hemmschuh in der Betätigung ihrer Kräfte
und Talente hindert und sie nicht zu froher Schaffenslust
und frischer Arbeitsfreudigkeit auf dem weiten Felde der
Wissenschaft kommen läßt.
Wenn man die einen ermuntern möchte, mit Hand
ans große Werk zu legen und sich zu wissenschaftlicher
Arbeit aufzuraffen, dann lautet ihre abweisende und überdrüssige
 Antwort: „Wozu soll auch ich noch die Zahl der
Schreiber vermehren? Es gibt ohnehin schon deren mehr
als genug. Heutzutage wird viel zuviel geschrieben“.
Es mag vielleicht schwer sein, solche Leute von ihrer
Meinung abzubringen. Aber daß ihre Anschauung unberechtigt
 ist, läßt sich unschwer zeigen. Denn freilich wird
viel zu viel wertloses und schlechtes Zeug zusammengeschrieben,
 weil nur zu oft unberufene und oberflächliche
Schwätzer ihre Weisheit zum Markte tragen und die
Dummen nicht alle werden, die durch den Kauf solch
seichtester Literatur jenes gewinnbringende Treiben immer
von neuem ermutigen. Aber an wissenschaftlicher Arbeit
geschieht nie zuviel, am allerwenigsten heutzutage, da

7i
        <pb n="84" />
        72 Die schriftlichen Arbeiten der Mitglieder
das Interesse für viele Fragen in die weitesten Kreise gedrungen
 und das Bedürfnis nach gründlicherer Belehrung
und besserer Erkenntnis der Wahrheit bei vielen in hohem
Maße geweckt und lebendig geworden ist. Vor allem dort,
wo es sich um die tiefere Erforschung und Begründung,
Verteidigung und Erklärung der Wahrheit handelt, wird
jeder Beitrag von berufener Seite stets höchst willkommen
sein, zumal gegenüber den rastlosen Bemühungen, mit
denen vielfach grundstürzende negative und radikale Anschauungen
 verbreitet werden.
Alfons Pisanus antwortet in seiner Denkschrift an Claudius
Aquaviva (bei Bernh, Duhr, Geschichte der Jesuiten in den Ländern
deutscher Zunge 1 [Freiburg 1907] 647 f) auf diese erste Schwierigkeit:
 In der Tat ist schon vieles geschrieben worden, aber nicht
vieles, was vollständig genügt; manches schlägt nicht völlig durch.
Er betont auch wiederholt die Notwendigkeit gründlicher monographischer
 Arbeiten: secus „Petrus in cunctis, in singulis nullus“.
2. Doch noch häufiger kann man eine andere Antwort
vernehmen, die sich auf das zweite Vorurteil stützt und
dabei noch den Vorteil hat, sich in das stets achtenswerte
Gewand der Bescheidenheit zu hüllen. Gar viele sind nämlich
 nur zu leicht bereit, die Arbeit eben den „berufenen“
Kräften zu überlassen: „Ich bringe ja doch nichts zustande;
ich weiß gar nicht einmal, wie ich die Sache anpacken
sollte“.
Alle Achtung vor der heiligen Bescheidenheit und
Demut, vorausgesetzt daß sie innerhalb der Grenzen der
Wahrheit bleibt. Aber in sehr vielen Fällen scheint mir
hier diese Tugend keine Existenzberechtigung zu haben,
weil sie mit der Wahrheit nicht übereinstimmt und die
vorgeschützte Unkenntnis sich auf leichte Weise heben
Jäßt. Man darf nur nicht von der Meinung ausgehen, daß
einzig und allein die im großen Stile betriebene Forscherarbeit
 des Gelehrten, der alle Bibliotheken und Archive
Europas: und noch dazu des Orients durchstöbert, den
Namen einer wissenschaftlichen Arbeit verdiene. Diese Art
wird freilich nur wenigen bevorzugten Kindern Fortunas
beschieden sein. Daneben gibt es aber auch in dem
        <pb n="85" />
        Vorbemerkungen. Schriftliche Seminarbeiten 3
großen Weinberg der Wissenschaft bescheidenere Aufgaben
 zu lösen, denen die meisten Kräfte in den zunächst
in Betracht kommenden akademischen Berufen gewachsen
sind.
3. Das Seminar soll seine Mitglieder zur angemessenen
Betätigung ihrer Kräfte in den verschiedenen Arten wissenschaftlicher
 Arbeiten anleiten und vorbereiten. Es soll
seinem Zweck entsprechend den Studierenden eine gründlichere
 fachwissenschaftliche Kenntnis vermitteln, sie mit
der Methode des wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens
 bekannt und vertraut machen und zu Sselbständiger
 Mitarbeit anregen und fördern. Dieses Ziel soll
hauptsächlich in Verbindung mit den sonstigen Übungen
erreicht werden durch die schriftlichen Arbeiten der Mitglieder.

25. Schriftliche Seminararbeiten. 1. Die schriftlichen
 Arbeiten der einzelnen Mitglieder wird in den meisten
Seminaren mit vollem Recht als eine der wichtigsten Übungen
 betrachtet. Sie zwingt einen jeden, sich mit einer
wissenschaftlichen Frage seines Faches eingehend zu beschäftigen,
 die wichtigste einschlägige Literatur näher kennen
zu lernen und die Grundsätze zu studieren, welche bei der
Entscheidung der Frage maßgebend sind. Sie wird ihn
auch am wirksamsten in die Methode des Forschens und
Arbeitens einführen, wofern es nicht an der notwendigen
theoretischen Anleitung bei der Arbeit fehlt. Sie legt endlich
den besten Grund zu einem fruchtreichen selbständigen
Weiterarbeiten, lehrt die so häufige Scheu vor dem ersten
Betätigen der eigenen Kräfte praktisch überwinden und
läßt die ersten Freuden am eigenen produktiven Schaffen
verkosten.
2. Damit aber diese Arbeiten solche erwünschte reife
Früchte zeitigen können, ist auf vielerlei zu achten, worauf
wir im zweiten Teile näher eingehen wollen. Vor allem
werden hier zwei Extreme zu meiden sein. Es ist einerseits
 durchaus verfehlt, wenn sozusagen das ganze vorbe--
        <pb n="86" />
        4 Die schriftlichen Arbeiten der Mitglieder
reitende Studium für den späteren Beruf darin aufgeht
daß eine große wissenschaftliche Abhandlung über irgendein
 Problem ausgearbeitet wird. Es ist das ein Zuviel,
das sich bei jedem Berufe in bitterster Weise rächen muß.
Die notwendige wissenschaftliche Ausrüstung besteht nicht
darin, daß man Spezialist in irgendeiner kleinen Frage
geworden ist. Sie setzt vielmehr ein gründliches und gewissenhaftes
 Studium der verschiedenen für den Beruf notwendigen
 Wissensgebiete voraus, die man nicht bloß in
der unmittelbaren Vorbereitung auf die Examina durch ein
flüchtiges Einpauken streifen darf.
3. Dem Zuviel steht auf der anderen Seite das Zuwenig
gegenüber. Wenn bei der Arbeit nichts anderes erreicht
wird, als ‚daß eine vermehrte Auflage der crambe recocta
zustande kommt, so wäre es wirklich schade um die Zeit
und Mühe, die man im Seminar darauf verwenden wollte.
4. Um leichter die rechte Mitte einzuhalten, wird es
sich empfehlen, bei den Arbeiten gewisse Abstufungen zu
beobachten. Anfänger können entweder mit kleineren Referaten
 und Kritiken beginnen, oder, wenn sie schon gleich
ein größeres Thema wählen, zuvörderst nur einen einzelnen
Punkt behandeln, um an solcher Teilarbeit die Kräfte allmählich
 zu üben und sich die Winke des Seminarleiters
für die spätere, umfassendere Behandlung des ganzen
Stoffes zunutze zu machen,
5. Auf die Fertigstellung der Arbeit soll in der Regel
die Besprechung derselben im Seminar folgen. Sie muß
daher zunächst dem Leiter übergeben und von diesem
geprüft werden. Die erneute Durcharbeitung und Berichtigung
 oder auch eine gänzliche Umarbeitung kann in manchen
Fällen zu dem erwünschten Resultat führen und wird oft
noch größeren Nutzen gewähren als die erste Abfassung.
Wird dann die Abhandlung für die Besprechung in einer
Seminarstunde approbiert, so empfiehlt es sich, sie einem
oder zwei Mitgliedern zur Einsicht zu übergeben, die als
Referent und Korreferent ihr Urteil im Seminar abzugeben
haben. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn jede Ab-78
        <pb n="87" />
        Schriftliche Seminararbeiten ‚ö
handlung, die zur Besprechung gelangt, einige Zeit vorher
im Seminarlokal für alle Mitglieder zur Einsichtnahme aufgelegt
 würde.
6. In der festgesetzten Stunde wird die Abhandlung entweder
 vollständig vorgelesen oder in einem freien Vortrag
nach dem Hauptinhalt so vorgelegt, daß den Mitgliedern
ein klares Bild vom Gang der Untersuchung, den Hauptergebnissen
 und den wichtigsten Beweisen für die einzelnen
Punkte geboten wird. Die sich anschließende Besprechung
bietet gewöhnlich Gelegenheit zur Hervorhebung eines besonderen
 Punktes, bei welchem die Untersuchung noch
weiter einsetzen kann, sowie zu sonstigen methodischen
und praktischen Bemerkungen. Eino rege Beteiligung seitens
der Mitglieder ist bei der Besprechung sehr wünschenswert
und bei einiger Anregung auch erreichbar, namentlich wenn
sich die Studierenden vorher mit der Arbeit etwas bekannt
machen konnten.
H. Schrörs meint in seiner öfters angeführten Besprechung, daß
eine Kritik eingelieferter Arbeiten durch andere Studierende ihre Bedenken
 habe. „Der große Zeitverlust, die Gefahr, daß das Niveau der
Diskussion zu sehr sich senkt, und die berechtigte Forderung, persönliche
 Empfindlichkeiten zu schonen, stehen entgegen. Der Lehrer wird
sich zu dem Opfer entschließen müssen, derartige Arbeiten unter. vier
Augen durchzusprechen“ (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3083).
Die angeführten Schwierigkeiten haben eine gewisse Bedeutung.
Sie lassen sich aber mit der nötigen Vorsicht und Klugheit in der
Praxis leidlich überwinden, und auf der anderen Seite stehen ihnen so
große Bedenken gegenüber, daß man wohl in der von uns empfohlenen
Weise das geringere Übel erkennen darf. Denn die Arbeiten der einzelnen
 Mitglieder überhaupt nicht zum öffentlichen Vortrag im Seminar
zuzulassen, geht nicht an, und wird auch von Prof. Schrörs wohl nicht
beabsichtigt. Den Vortrag ohne jede Kritik hinzunehmen, scheint ebenso
unmöglich, und daß der Lehrer allein eine Kritik abgebe, hat gleichfalls
seine großen Schwierigkeiten. So wird er zwar nicht das Opfer einer
Durchsprechung unter vier Augen sich ersparen können, aber doch den
gemeinsamen Nutzen aller Mitglieder durch den öffentlichen Vortrag
wie durch eine gut geleitete Kritik seitens des Referenten und Korreferenten
 zu dienen suchen müssen.
Die verschiedenen Arten von wissenschaftlichen Arbeiten
wollen wir nun im folgenden etwas eingehender erörtern.
FE

Tr
        <pb n="88" />
        Die Berichterstattung
Siebtes Kapitel
Die Berichterstattung
26. Notwendigkeit und Nutzen. 1. Eine ganz
einfache und leichte erste Art wissenschaftlicher Arbeit ist
die Berichterstattung über einzelne oder mehrere fremde
Arbeiten auf irgendeinem Gebiete der Wissenschaft. Mag
sie auch nicht den Namen von wissenschaftlicher Arbeit im
höchsten und vollkommensten - Sinne verdienen, sie darf
doch mit vollem Rechte dazu gezählt werden und ist eine
notwendige und nutzbringende Art derselben.
2. Jeder einzelne, der seine Kräfte auf dem weiten
Gebiete der Wissenschaft in fruchtreicher Weise betätigen
will, muß in der Regel damit beginnen, daß er sich Kenntnis
 von dem verschafft, was andere auf diesem Gebiete
geleistet haben. Auch späterhin ist diese Rücksicht auf
fremde Arbeiten für jeden unerläßlich. Schon deshalb
ist eine gewissenhafte-Berichterstattung für die meisten unbedingt
 notwendig. Für das Gebiet der eigenen Studien
muß sie in vielen Fällen ein Wegweiser sein, der die Arbeit
des Suchens erleichtert. Für die angrenzenden und die
mehr oder minder fern liegenden Zweige der Wissenschaft
 muß man sich oft genug mit einem guten Bericht
über fremde Leistungen begnügen.
3. Auch für weitere Kreise ist die Berichterstattung
oft das einzige Mittel, sie mit dem Stand der wissenschaftlichen
 Forschung und ihren gesicherten Ergebnissen bekannt

76
        <pb n="89" />
        Notwendigkeit und Nutzen. Art und Weise 77
zu machen. Denn für gewöhnlich werden die größeren
wissenschaftlichen Schriften selbst nur eine beschränkte
Verbreitung finden. Neben der populär-wissenschaftlichen
Darstellung müssen kurzgefaßte Berichte die Kenntnis dieser
Arbeiten verbreiten.
A, Der größte Nutzen fällt aber demjenigen zu, der sich
mit der Berichterstattung befaßt. Sie nötigt ihn, sich bei
der Lektüre einer Schrift genaue Rechenschaft von dem
Inhalt derselben zu geben und leitet ihn an, die Gedanken
mit seinen eigenen Worten wiederzugeben. Er gewöhnt
sich so auf eine leichte Weise an die richtige Auffassung
fremder Ausführungen, von welcher für die eigene Arbeit
außerordentlich viel abhängt. Er kann es ‚auch durch
Übung bald zu einer gewissen Meisterschaft bringen in
der großen Kunst, über den Hauptinhalt einer Schrift in
kurzer und knapper Form sich und anderen Rechenschaft
zu geben.
5. Für das Seminar bietet diese Berichterstattung zunächst
 den Vorteil einer leichten und sehr nützlichen Übung
für die Anfänger. Sie wird auch als kurze Einführung und
erste Vorbereitung bei der Lektüre und Interpretation eines
neuen Textes oder Schriftstellers im Seminar gute Dienste
leisten. Sie kann ihren regelmäßigen Platz finden bei der
Besprechung der Fachliteratur und die Arbeit der Vorbereitung
 für solche Erörterungen bedeutend erleichtern.
27. Art und Weise. Man muß bei der Berichterstattung
 das Referat über ein einzelnes Buch unterscheiden
von dem zusammenfassenden Überblick über einen größeren
oder kleineren Teil eines Literaturgebietes.
1. Bei einzelnen Schriften kommt es zunächst darauf
an, durch sorgfältige Lektüre sich mit dem Zweck der betreffenden
 wissenschaftlichen Untersuchung, dem Gang derselben,
 ihrem Hauptergebnis und den wichtigsten Beweisen
für dasselbe vertraut zu machen. Es genügt natürlich dafür
 nicht, einen flüchtigen Blick in die Inhaltsangabe am
Anfang oder am Ende der Schrift zu werfen oder sich aus
        <pb n="90" />
        7 Die Berichterstattung
dem Register eine oberflächliche Kenntnis derselben zu
verschaffen. Solche „Bettelgelehrsamkeit“, wie sie Paul de
Lagarde nannte, sollte überhaupt in der Wissenschaft keinen
Platz finden. Es ist aber auch nicht nötig, alle Exkurse
des Autors, selbst wenn sie mit dem Gang der Untersuchung
 nur lose zusammenhängen, vollständig zu lesen.
Durch regelmäßige Übung lernt man auch hierin die rechte
Mitte einhalten und sich in kurzer Zeit doch eine hinreichende
 Kenntnis des Inhaltes verschaffen.
Einige Winke, die für die Lektüre von Nutzen sein können,
werden später bei der Behandlung des Quellenstudiums (13. Kapitel)
zur Sprache kommen. Dort werden auch die einschlägigen Schriften
angeführt werden.
2. Schon bei der Lektüre selbst sind die Hauptpunkte
schriftlich zu notieren. Es genügt dafür aber, wenigstens
in den meisten Fällen, ein kurzes Schlagwort nebst Angabe
der Seite (eventuell auch der Zeile) oder Nummer der
Untersuchung. Längere Auszüge aus dem Buche machen
würde in der Regel unnötigen Zeitverlust verursachen. Für
gewöhnlich empfiehlt es sich dann, nach der ersten allgemeinen
 Lektüre die Hauptpunkte nochmals durchzunehmen
und sich darnach den Bericht in seinen Grundlinien zurechtzulegen.
 Dabei sollte das Augenmerk vor allem darauf
 gerichtet sein, durch genaue Unterscheidung des Wichtigeren
 vom Unwichtigeren und durch Hervorhebung der
wesentlichen Teile die Klarheit des Überblickes zu erleichtern.
 Je nach dem Zweck des Berichtes wird man gut
daran tun, durch Streichung des Nebensächlichen und
knappere Fassung des Notwendigen den Umfang mehr
oder weniger zu beschränken.
3. Bei der Berichterstattung über mehrere einzelne
Schriften kann man in der gleichen Weise verfahren. Doch
laßt sich in der Regel das Gemeinsame leicht zusammenbehandeln
 und dann in einer kurzen Charakteristik das jeder
Schrift Eigentümliche hervorheben.
Handelt es sich aber um einen zusammenfassenden
Überblick über die Literatur zu einer besonderen Frage, so

{8
        <pb n="91" />
        Art und Weise 79
wird man für gewöhnlich die Hilfe der Literaturgeschichten
sowie die einschlägigen Zeitschriften und Jahresberichte in
Anspruch nehmen müssen, um eine gewisse Vollständigkeit
zu erreichen. Man ist dadurch jedoch der eigenen Lektüre
wenigstens der wichtigeren Schriften nicht überhoben.
Denn auch bei dieser Art darf das erste und wichtigste
Gebot jeder wissenschaftlichen Arbeit nicht außer acht gelassen
 werden, stets und überall, soweit es möglich ist,
zur Quelle selbst zu gehen und seinen Stoff nicht aus
zweiter, dritter, vierter Hand zu nehmen.
$
4

d'
        <pb n="92" />
        Die Rezension
Achtes Kapitel
Die Rezension
28. Begriff und Aufgabe. Mit der Berichterstattung
 kann in den meisten Fällen, wenngleich nicht immer
und nicht notwendigerweise, die Beurteilung der in Frage
kommenden Schriften verbunden werden. Der Bericht wird
dadurch zur Rezension oder rezensierenden Kritik,
1. Während die eigentliche Berichterstattung sich mit
der richtigen Auffassung und kurzen Wiedergabe des vorliegenden
 Stoffes begnügt, gehört es zum Wesen der Kritik,
ein Urteil über das Vorliegende abzugeben. Der Name „Kritik“
(vom Verbüm xpiveıv „scheiden, entscheiden, urteilen“) deutet
schon auf dieses wesentliche Element des Urteilens hin.
Der Name kann aber auf sehr verschiedene Arten von
Kritik angewendet werden. Denn wie die Logik lehrt, kommt
ein Urteil dadurch zustande, daß man einen zu beurteilenden
 Begriff A mit einem anderen B vergleicht und entweder
die Übereinstimmung zwischen beiden oder die Nicht-Übereinstimmung
 konstatiert; im ersteren Falle ergibt sich
das bejahende Urteil:.A ist gleich B, im anderen das verneinende:
 A ist nicht gleich B. Wenn es sich bei dieser
Vergleichung nur um die Feststellung der Tatsächlichkeit
 überlieferter Daten und Ereignisse handelt, haben wir
es mit der historischen Kritik zu tun’); soll aber bei
der Vergleichung ein Werturteil abgegeben werden, so
75 Vol. E. Bernheim, Lehrbuch* 250. 324 f.

80
        <pb n="93" />
        Begriff und Aufgabe :
betreten wir das Gebiet der eigentlichen rezensierenden
 Kritik.
92. Je nach dem Masstab, der an die zu beurteilende
Größe gelegt wird, kann diese rezensierende Kritik wieder
verschiedener Art sein: wissenschaftliche, moralische,
 ästhetische Kritik. Ein anderes Urteil wird
man fällen, wenn man vorzüglich und an erster Stelle die
ethischen Gesetze des sittlich Guten im Auge hat und
mit dieser Norm ein Werk vergleicht; ein anderes, wenn
man, ohne diese sittliche Norm ganz zu vernachlässigen,
an erster Stelle die ästhetischen Gesetze des künstlerisch
Schönen als vornehmsten Maßstab anlegen will. Beide
Rücksichten werden in einem gewissen Grade auch bei der
wissenschaftlichen Kritik im engeren Sinne in Betracht
kommen; denn das Wahre, Gute und Schöne mit seinen
unwandelbaren Gesetzen muß bei jeder Beurteilung die
entscheidende Norm bilden. Jede wissenschaftliche Untersuchung
 hat aber in erster Linie die Erforschung und
Feststellung, die Begründung und Erläuterung der Wahrheit
 zum Gegenstande. Deshalb muß auch das Urteil über
den Wert eines Werkes aus dem Gebiete der Wissenschaft,
wie die wissenschaftliche Kritik es abzugeben hat, zuvörderst
auf den Wahrheitsgehalt desselben Rücksicht nehmen und
jene Gesetze als entscheidende Norm festhalten, welche für
die Erforschung und Feststellung, die Begründung und Erläuterung
 der Wahrheit innerhalb der vom Autor gesetzten
Grenzen Geltung haben.
3. Die Aufgabe der wissenschaftlichen Kritik, wie wir
sie hier im Auge kaben, besteht also darin, daß man ein
Werk aus dem Gebiete der Wissenschaft mit den Gesetzen
und Anforderungen vergleicht, die für eine solche Untersuchung
nach allgemeinem Urteil Geltung haben, und die Übereinstimmung
 oder Nicht-Übereinstimmung mit dieser Norm
feststellt.
4. Näherhin gehört zu dieser Aufgabe der Kritik, daß
sie durch ihr Urteil die Bedeutung eines Werkes für die
Förderung der Erkenntnis des behandelten Gegenstandes
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 8, Aufl,

81
6
        <pb n="94" />
        Die Rezension
klar hervortreten lasse. Sie soll deshalb zeigen, welches
Ziel das Werk verfolgt, ob und in welchem Grade und auf
welchem Wege es dieses Ziel erreicht. Sie soll in gerechter
Berücksichtigung aller Umstände die Vorzüge und Fehler
des Werkes in der Sache und in der Form darlegen, und
so ein Bild ‚desselben entwerfen, in dem Licht und Schatten
nach Gebühr verteilt sind. Dabei hat sie bei jedem Schritte
Gelegenheit, durch die eigenen Erörtungen die Erkenntnis
des behandelten Gegenstandes auch positiv zu fördern,
Wenn H. Schmidkunz verlangt, die Kritik solle, bevor sie einen
möglichst objektiven, normalen Maßstab anlegt, gegebenen Falls zuerst
zeigen, daß ein Werk „hinter der idealen Vollkommenheit zurückbleibt,
die aus seinem eigenen Wesen folgt, daß es insbesondere vielleicht
Widersprüche mit sich selbst zeigt, daß der Autor die eigene Klärung
nicht abgeschlossen hat, daß er sich selber nicht völlig gerecht wird,
und dergl. mehr“ (Zts. f, Philos. u. Pädag. 15 [1908] 509), so dürfte
diesem Wunsche in der obigen näheren Bestimmung der Aufgabe der
Kritik schon entsprochen sein. Das Urteil über die „ideale Vollkommenheit“
 eines Werkes wird praktisch eben auf dem bezeichneten Wege
am sichersten auf objekliver Grundlage gefällt werden können.
Welcher Art die allgemeinen Gesetze und Anforderungen an eine
wissenschaftliche Untersuchung sind, wird zum großen Teile im Verlauf
 dieser Darlegungen zur Sprache kommen,
Wenngleich wir im folgenden zunächst nur die eigentliche wissenschaftliche
 Kritik oder „Rezension“ im Auge haben, wird das meiste
sich doch auch leicht auf andere Arten der Kritik, insbesondere auf
die literarische und die Kunstkritik, anwenden lassen,
29, Zweck und Bedeutung. Aus dem Begriff
und der Aufgabe der Kritik, wie wir sie hier betrachten,
ergibt sich von selbst ihr Zweck und ihre Bedeutung.
1. Der Kritiker kann allerdings gar verschiedene Zwecke
bei der Rezension eines Werkes anstreben. Soll aber seine
Kritik ihrer Aufgabe nich untreu werden,” so gibt es für
ihn nur einen einzigen berechtigten Hauptzweck, dem Recht
und den Interessen der Wahrheit zu dienen, Wo die Übereinstimmung
 mit der rechtmäßigen Norm vorhanden ist,
da fordert dies Interesse die offene Anerkennung, und es
verlangt eine gleiche offene Sprache, wo jene Übereinstimmung
 fehlt. Durch die Erfüllung dieser Forderungen

Q97
        <pb n="95" />
        Zweck und Bedeutung. Voraussetzungen 53
sich ganz in den Dienst .der königlichen Wahrheit zu
stellen, kann der einzige der Kritik würdige Zweck sein.
2. Daraus erhellt aber auch die hohe Bedeutung, die
ihr zukommt. Wenn jede wissenschaftliche Arbeit ihren
Wert und ihren wahren Adel von dem Dienst der erhabenen
 Königin herleitet, der alle Wissenschaft untertan
 ist, so darf die rechte und wahre Kritik einen besonders
 ehrenvollen Rang und Platz im Dienst dieser
Herrin beanspruchen, Sie hat ja im Namen der Wahrheit
die Forderungen und Rechte dieser Fürstin geltend zu
machen und soll durch ihren Urteilsspruch über den Wert
und die Würde der einzelnen in ihrem Gefolge entscheiden.
3. Je größer die Wirksamkeit, je ausgedehnter die Tragweite
 dieses Urteilsspruches ist, desto höher steigt die Bedeutung
 der Kritik. In gar manchen Fällen hängt es von
ihrer Anerkennung oder Verwerfung ab, ob ein Werk mit
seinen Untersuchungen und Ergebnissen in weiten Kreisen
Beachtung findet oder nicht. Ihr Votum wird es häufig
genug entscheiden, ob ein wahrer Fortschritt in der Erforschung
 und Erkenntnis der Wahrheit auch zum Eigentum
 und Gemeingut weiterer Kreise wird. Durch ihr Veto
kann sie auch nicht. selten dem Irrtum wirksam in den Weg
treten und durch ihre Warnungen auf falsche und gefährliche
 Bahnen einzelner aufmerksam machen.
Wo sie dagegen selbst mit ihrem Spruche sich bewußt
 oder unbewußt von der Gefolgschaft ihrer Herrin
trennt, da reißt sie auch nur zu leicht viele andere mit sich
in das feindliche Lager hinüber. So kann sie dann ein
wahres Hindernis auf dem Wege der Wahrheit und eine
Förderin und Führerin des Irrtums werden. Statt zu bauen
und zu pflanzen wird sie dann nur mehr zerstören und
verderben, niederreißen und ausrotten.
30, Voraussetzungen. Ihrer hohen Bedeutung kann
die Kritik nur dann entsprechen, wenn sie auch die Anforderungen
 und Regeln erfüllt, welche sich aus ihrer Aufgabe
 ergeben. Wir müssen in dieser Beziehung zuvörderst

6*
        <pb n="96" />
        ; Die Rezension
die Voraussetzungen und’ Bedingungen beachten, ohne
welche eine richtige Kritik überhaupt nicht möglich ist.
1. Weil die Kritik ihrem Begriffe und ihrer Aufgabe
entsprechend ‚ein Urteil über den Wert des Werkes fällen
und dieses Urteil aus dem Vergleich des Werkes mit der
feststehenden Norm ableiten soll, so muß der Kritiker vor
allem eine genügende Kenntnis des Werkes und der rechten
Norm besitzen. Denn wo eine der beiden Größen oder gar
beide unbekannt sind, da kann kein Vergleich und deshalb
auch kein Urteil zustande kommen. Die Kenntnis des
Werkes kann sich jeder durch eine gewissenhafte
Lesung verschaffen. Dieses bildet daher die erste und notwendigste.
 Voraussetzung für jede wissenschaftliche Kritik.
9, Schwieriger ist die zweite Voraussetzung, nämlich
eine gründliche Kenntnis der als Norm des Urteils
 in Frage kommenden Gesetze und Regeln,
die für das vorliegende Werk Geltung haben. Außer auf
die allgemeinen Anforderungen, die man an jedes wissenschaftliche
 Werk stellen muß, ist dabei auch auf das besondere
 Gebiet zu achten, mit welchem sich das Werk
beschäftigt. Ohne eine gute Kenntnis desselben und der
wichtigsten einschlägigen Literatur wird man nur ein sehr
unzureichendes Urteil über die Schrift abgeben können.
3. Neben der notwendigen Kenntnis seines Gegenstandes
 muß der Kritiker ferner die Fähigkeit besitzen, die
Übereinstimmung zwischen dem Werke und
der richtigen Norm zu prüfen und darüber zu einem
klaren Urteil zu gelangen. Es gehört dazu ein gewisser
Takt und ein geübter Blick, der das Wesentliche vom Unwesentlichen
 sicher zu unterscheiden vermag und auch in
dem individuellen Gewande das Wertvolle sicher zu erkennen
 und abzuschätzen gelernt hat.
4. Gegenüber den mannigfachen Beeinflussungen und
Trübungen, denen das Urteil oft ausgesetzt ist, muß der
Kritiker endlich seine volle Unabhängigket zu
wahren wissen, um sich bei der Kritik einzig und allein
von den Interessen der Wahrheit leiten zu lassen. Daß

Ad
        <pb n="97" />
        Voraussetzungen
auch Ehrlichkeit und reine Wahrheitsliebe zu den notwendigen
 Voraussetzungen gehören, braucht nicht erst ge
sagt zu werden.
So selbstverständlich alle diese Voraussetzungen auch scheinen
können, so lehrt doch die tägliche Erfahrung nur zu sehr, daß es nicht
ganz überflüssig ist, daran zu erinnern. Allerdings steht es mit der
wissenschaftlichen Fachkritik nicht gerade so schlimm, wie Adolf Bartels
 es von manchen belletristischen Berufskritikern für Zeitungen
schildert: „Was soll da ein armer Kritiker, der fünfzig Bücher zugeschickt
 bekommt — zu Weihnachten sind’s auch vielleicht hundert —,
um sie auf zehn Zeilen im Durchschnitt, die Zeile zu 10 Pfennig, zu
besprechen, anfangen? Allen Respekt noch, wenn er die besseren
(ziemlich rasch unterscheiden kann er ja) wenigstens noch ordentlich
liest und in die schlechteren doch einmal hineinblickt! Das Resultat
ist dann freilich eine Sammelkritik mit ungefähr hintreffenden Richtungs-
 und Wertbestimmungen bei den tüchtigeren, mit leeren Phrasen
bei den untüchtigen Kritikern, wenn nicht Lob und Tadel einfach nach
dem Parteistandpunkt verteilt wird“ (Kritiker und Kritikaster [Leipzig
1903] 11). Es wäre verfehlt, die Ausführungen dieser „sehr persönlichen
 und durch und durch subjektiven Schrift“ auf das Gebiet der
wissenschaftlichen Kritik ohne weiteres übertragen zu wollen. Leider
zeigt aber ein Blick in die wissenschaftlichen „Sammelkritiken‘“ mancher
Zeitschriften und Jahresberichte nicht selten eine ähnliche mangelhafte
Kenntnis der zur Besprechung kommenden Schriften oder auch den
einseitigen, alles beherrschenden Parteistandpunkt. Nicht gar so selten
wird der Kritiker mit einem „von Sachkenntnis nicht getrübten Blicke“
sich seine Welt betrachten, wie P. Odilo Rottmanner zu sagen pflegte.
Und wenn er dann auch noch dem Neid und der MiGgunst und anderen
unedlen Regungen zugänglich ist, dann bleibt von den notwendigen
Voraussetzungen für den königlichen Dienst der Wahrheit allerdings
nicht viel mehr übrig.
Es mag nicht ganz unnütz sein, die vier Gruppen hier anzuführen,
in welche Bartels die „Kritikaster“ je nach den ihnen fehlenden Eigenschaften
 einteilt, ohne daß damit die persönlichen Exemplifikationen
dieser Gruppen gebilligt werden sollen: „Man kann die Kritikaster nach
den Eigenschaften einteilen, die ihnen fehlen: fehlt die Ehrlichkeit,
dann haben wir den Fälscher oder den Wahrheitsfeind (objektiv), der
die erhaltenen Eindrücke, manchmal aber auch den Tat- und Wortbestand
 aus irgend welchen Motiven verdreht; fehlt die eigentliche
kritische Begabung, so bildet. sich das Schimpftalent aus und der
Kritiker exzelliert als Schimpfbold. Mangelndes Wissen wird durch
Geschwätz verborgen, und wenn der Kritikaster ästhetisch unfähig ist,
so verlegt er sich auf den ‚Geist‘ [und wird zum ‚geistreichen Rai-85
        <pb n="98" />
        . Die Rezension
sonneur‘]. Schließlich kann auch gelehrtes Wissen eine Art des Kritikasters
 erzeugen, den gelehrten Kleinigkeitskrämer und Allesbesserwisser,
 der Totaleindrücke überhaupt nicht mehr empfängt“ (aaO. 34 f).
Eine ähnliche Unterscheidung der Kritiker bietet Hauff in seinen „Memoiren
 des Satans“ (0. Kataun).
81, Eigenschaften. Wo die Voraussetzungen und
Bedingungen von seiten des Kritikers vorhanden sind, wird
die Kritik ihrem Zwecke entsprechen und ihre Aufgabe erfüllen,
 wenn sie auch die notwendigen Eigenschaften einer
guten Kritik an sich trägt.
1. Als erste dieser Eigenschaften ergibt sich aus dem
Begriff und der Aufgabe der Kritik die Wahrheit. Nur
als eine Dienerin der Wahrheit hat die Kritik überhaupt
ihre Berechtigung. Daher muß sie zuerst selbst den Anforderungen
 ihrer Herrin entsprechen. Sie entspricht ihnen
nur dann, wenn alle einzelnen Behauptungen voll und
ganz mit dem vorliegenden Tatbestand übereinstimmen.
Es gilt dies sowohl hinsichtlich der Worte und Sätze und
der in ihnen ausgesprochenen Ansichten, welche aus einem
Werke angeführt werden, als auch hinsichtlich des Urteils,
das man über sie ausspricht, und hinsichtlich aller sonstigen
 Tatsachen, die etwa zur Begründung dieses Urteils
zur Sprache kommen. Bei den Zitaten ist vorzüglich
darauf zu achten, daß die unvermeidliche Loslösung der
Worte und Sätze aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang
den Sinn und’ die Tragweite derselben in keiner Weise beeinträchtigt
 oder ändert. Nur zu oft tritt manche Kritik
in diesem Punkte unbewußterweise der Wahrheit zu nahe,
weil der engere oder weitere Kontext zu wenig berücksichtigt
 wird. Bezüglich des Urteils fordert die Wahrheit,
daß dort, wo man etwas als wertvoll anerkennt, tatsächlich
auch die Übereinstimmung mit der richtigen Norm vorhanden
 ist und umgekehrt, daß also Lob und Tadel einzig
und allein von dem objektiven Wert des Buches bestimmt
werden. In gleicher Weise müssen alle übrigen Tatsachen
und Begründungen ohne Übertreibung und Entstellung ganz
wahrheitsgemäß verwendet werden.

86
        <pb n="99" />
        Eigenschaften 7
9. Zur Wahrheit der einzelnen Behauptungen und
Urteile muß sodann die Gerechtigkeit der ganzen Kritik
hinzukommen. Denn es kann alles richtig und wahr sein,
was ein Kritiker sagt, und doch kann er höchst ungerecht
kritisieren. Es wäre der Fall, wenn er in einseitiger Weise
entweder nur das Gute hervorheben wollte, um zu loben,
oder nur das Fehlerhafte, um zu tadeln. Die Gerechtigkeit
fordert, daß er Lob und Tadel so verteile, wie es dem
wirklichen Werte des Ganzen entspricht. Sie fordert auch,
daß er das rechte Maß im Loben und Tadeln einhalte
und einem jedem das zuerkenne, was ihm rechtmäßig
gebührt. Sie verlangt ferner, daß er den rechten Maßstab
bei der Beurteilung eines Werkes anwende, die Grenzen
beachte, die der Verfasser sich gesteckt hat, und den
Charakter sowie den Zweck seiner Arbeit berücksichtige.
Man fehlt daher nicht bloß gegen die Wahrheit, sondern auch
gegen die Gerechtigkeit, wenn eine Kritik durch persönliche Rücksichten
 und Vorurteile und nicht durch den objektiven Wert der zu besprechenden
 Schrift bestimmt wird. Leider lassen manche Kritiker
in diesem Punkte gar viel zu wünschen übrig. Bei Autoren aus ihrem
Kreise bewegen sie sich fast nur zwischen den beiden Polen der
Dankbarkeit und der Bewunderung. Wo es sich dagegen nicht um
einen aus ihrer Sippe handelt, wird meisterhaft grau in grau gemalt,
Wenn sie dann noch ihrer Kritik die Würze des „Esprit“ und der
Ironie und des Sarkasmus beizumischen wissen und mit spöttischen
Bemerkungen die fehlenden objektiven Gründe ersetzen, werden sie
für gewöhnlich die Lacher auf ihrer Seite haben, trotzdem sie weder
ein wahres noch ein gerechtes Urteil abgeben... Nur eine Art von
Kritik ist noch ungerechter: das vornehme Ignorieren und verächtliche
Totschweigen.
Vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus erscheint im Gebiet der
Wissenschaft auch die sogenannte „impressionistische“ oder Stimmungskritik,
 die sich ganz von dem ersten Eindrucke eines Werkes leiten
Jäßt, durchaus unberechtigt und verwerflich, trotzdem man sie im
Zeitalter der Moderne als die einzig wünschenswerte für das Gebiet
der Kunstkritik hingestellt hat. Der erste Eindruck ist viel zu sehr
vom eigenen Temperament und seiner augenblicklichen Stimmung und
anderseits von äußerlichen und oft kleinlichen Nebensachen abhängig
und wird viel zuviel von der Phantasie und den Sinnen beeinflußt,
als daß er den erforderlichen Maßstab für ein wahres und gerechtes
Urteil bilden könnte. Jede Kritik, und vor allem jede wissenschaftliche

2
        <pb n="100" />
        88 Die Rezension
Kritik, muß notwendig und wesentlich Reflexionskritik sein, ebenweil
sie ein Urteil des Verstandes und als solches das Resultat der geistigen
Vergleichsarbeit des Kritikers sein soll.
3. Die Wahrheit muß von der Kritik auch mit der
notwendigen Klarheit ausgesprochen werden. „Es ist in
der Wissenschaft“, bemerkt Juan Luis Vives mit Recht,
„nichts verderblicher, als eine Verwirrung des Urteils, gerade
 wie im Leben eine Verwirrung der Absichten und des
Wollens, so daß man nicht weiß, was jemand eigentlich
billigt und was nicht, wie es heutzutage oft geschieht, wo
es sehr gefährlich ist, sich über etwas auszusprechen. So
aufgeregt sind die Geister und kampfbereit, daß es nicht
sicher ist, auch nur andeutungsweise etwas zu berühren,
selbst wenn man einen ganz anderen Zweck im Auge hat“*).
Soll die Kritik ihrer Aufgabe gerecht werden und über
den Wert oder Unwert einer wissenschaftlichen Leistung
aufklären, so darf sie der wünschenswerten Klarheit und
Entschiedenheit nicht ermangeln. Sie soll niemand darüber
im Zweifel lassen, wie es nach dem Urteil des Kritikers
mit dem in Frage kommenden Werke steht und was von
seinem Werte zu halten ist.
Freilich gilt das, was Vives von seiner Zeit (1492—1540) bemerkt,
 in vieler Beziehung nur zu sehr auch von der Gegenwart. Es
scheint fast, daß die vielfach beklagte nervöse Schwäche nur zu oft
eine ganz anormale Empfindlichkeit zur Folge hat, die ein klares und
entschiedenes Wort überhaupt nicht mehr ertragen kann. Dazu kommt
in vielen Kreisen das ungesunde Streben, auch in der Wissenschaft
durch Kompromißpolitik die bestehenden Gegensätze auszugleichen
und den Gegner zu gewinnen. Nur zu oft muß bei einer derartigen
Versöhnung die Klarheit und nicht selten auch die Gerechtigkeit und
Wahrheit sich mehr gefallen lassen, als mit der Würde und Bedeutung
 der Kritik vereinbar ist.
4. Klarheit und Entschiedenheit sollen jedoch keineswegs
 das Wohlwollen hindern, das jede Beurteilung
begleiten muß, soweit Gerechtigkeit und Wahrheit es ermöglichen.
 Wo es sich um wissenschaftliche Arbeiten
’) J. L. Vives, Über den Lebenswandel und die sittlichen Grundsätze
 des Gelehrten, Kap. 2, in: Bibliothek der kath. Pädagogik 8, 352.
        <pb n="101" />
        Eigenschaften 59
handelt, kann jeder Beitrag, der im Dienste der Wahrheit
mit redlichem Willen geboten wird, Anspruch auf dies
wohlwollende Entgegenkommen erheben. Jeder sollte daher
eher geneigt sein, die Worte eines Autors im guten als
im schlechten Sinne zu erklären, und deshalb auch nicht
die Mühe scheuen, durch wiederholtes Lesen anfängliche
Bedenken womöglich zu beseitigen, oder sich durch eine
kleine Anfrage Aufschluß über einen zweifelhaften Punkt
zu verschaffen. Ganz besonders ist dieses Wohlwollen in
solchen Fällen erforderlich, wo redliches wissenschaftliches
Streben Ermutigung verdient und erwarten darf.
Auf diese Eigenschaft der Kritik bezieht sich die Bemerkung
welche der h. Ignatius dem Exerzitienbüchlein vorausschickt: „Praesupponendum
 est quemlibet Christianum promptiorem esse debere ad
salvandam propositionem proximi quam ad eam condemnandam; et si
non potest eam salvare, inquirat ex ipso [auctore], quomodo eam intellegat“.
 Die übelwollenden und gehässigen Verdrehungen, denen seine
Worte ausgesetzt waren, gaben ihm allen Anlaß zu dieser Mahnung.
Es wäre sehr zu wünschen, daß sie auch heute allerseits die gebührende
 Beachtung fände.
5. Damit die Kritik in vollem Maße das leiste, was man
von ihr erwarten kann, muß sie endlich auch anreg end,
belehrend und fördernd sein. Der Kritiker sollte daher
 zunächst auf die sprachliche Form und die Anordnung
seiner Bemerkungen großen Fleiß verwenden und sich vor
allem zum strengen Gesetze machen, die leeren und abgedroschenen
 Phrasen der Zeitungsrezensenten nicht auf das
Gebiet der Wissenschaft zu übertragen. Sie können hier
keinen Anspruch auf das Bürgerrecht erheben. Im Inhalt
seiner Beurteilung muß er vorzüglich denjenigen, an die
er sich mit seiner Kritik wendet, Belehrung über die Ergebnisse
 der betreffenden Untersuchung, den Gang derselben
 und ihre hauptsächlichsten Beweismomente bieten
und durch sein eigenes Urteil die Beweiskraft dieser Gründe
anerkennen oder zurückweisen. In der Regel wird er dabei
 aber auch noch die Untersuchung selbst in dem einen oder
andern Punkte weiter fördern können und so seiner Kritik
einen selbständigen und bleibenden größeren Wert verleihen.
        <pb n="102" />
        Die Rezension
Über die Eigenschaften und Fehler der Kritik spricht sich Juan
Luis Vives eingehend aus im zweiten Kapitel seines Werkes „Über
den Lebenswandel und die sittlichen Grundsätze des Gelehrten“; auch
Antonio Possevino hat diese Ausführungen in seine Schrift über „die Aus«-bildung
 des Geistes“ (47. Kapitel) aufgenommen (vgl. Bibliothek der
kath. Pädagogik 8, 352—5; 11, 494—8). Unter anderem bemerkt er:
„Wie groß ist der Schaden, den die Wissenschaft durch solche Gehässigkeiten
 erleidet! Alle Autorität derer, die erbittert streiten und sich
gegenseitig grimmig befehden, entschwindet; ausgezeichnete Geister
verlieren den Mut, da sie Ekel ob der Bitterkeit des ewigen Wortgezänkes
 empfinden und dadurch den einst so liebgewonnenen Studien
ganz entfremdet werden. Dabei schwindet der Fortschritt in den
Wissenschaften und die Wahrheit wird verdunkelt, da manche die
Studien lieber in Verfall geraten als von ihren Feinden gefördert sehen
wollen... Der Gelehrte soll also bedächtig im Urteil und nicht eigensinnig
 im Behaupten sein. Will er über einen Gegenstand ein abfälliges
Urteil aussprechen, so lese er ihn wieder und wieder, wende und drehe
und betrachte ihn nach allen Seiten, damit er nicht im Verurteilen unbedachtsam
 vorangehe. Beim Lobe hingegen braucht er wohl weniger
vorsichtig zu Werke zu gehen. Was er aber verurteilt, muß er hinlänglich
 verstehen, damit nicht derjenige, den er an den Pranger stellen
will, mehr Gründe für sich als er gegen ihn habe. Klüger dürfte es
sein, sich lieber überhaupt nicht auszusprechen, als das Verdammungsurteil
 auf den Richter selbst zurückfallen zu lassen. Wenn ich nun
solche Vorsicht oder besser gesagt solches Wohlwollen von einem Gelehrten
 verlange, was soll ich dann von Männern denken, welche das,
was richtig gesagt ist, erst verdrehen und entstellen, um mit desto
mehr Grund den Gegner zerzausen zu können? Denn wenn es oft
nützlich ist, etwas in einem besseren Sinne auszulegen, so muß man
es als einen großen Frevel ansehen, alles zum Schlechteren zu verdrehen.
 Ich habe Hadrian Florent, den nachmaligen Papst, als er
noch Dekan der Universität Löwen war, in öffentlichen Disputalionen
oft alle von gegnerischer Seite vorgebrachten Stellen aus Autoren zu
seinen Gunsten verwenden hören, aber nie hat er sie verächtlich zurückgewiesen,
 auch wenn sie noch am Leben waren. Über Lebende muß
man mit mehr Vorsicht, über Tote mit mehr Ehrfurcht urteilen, weil
sie, dem Neide nicht mehr zugänglich, schon ihrem Richter überantwortet
 und jenem Gerichte unterworfen sind, das uns alle erwartet.
Diese Rücksicht gilt besonders hinsichtlich ihres sittlichen Lebenswandels.
 Über ihre wissenschaftlichen Leistungen mag man etwas
freimütiger sich äußern. Bei Beurteilung eines Buches ziemt es sich
nicht, die Rücksicht auf Vaterland, Alter oder Schule des Verfassers
vorwiegen zu lassen ... Wer in dem einen oder anderen Worte jemand
verbessert hat, darf nicht gleich für gelehrter gelten wollen als jener, noch

90
        <pb n="103" />
        Eigenschaften M
sich einbilden, mehr für die Sache getan zu haben. Dies tun aber
törichterweise viele... Bei den Schriftstellern auf einem bestimmten
wissenschaftlichen Gebiete muß man die Fehler, die sie auf anderen
Gebieten machen, milder beurteilen, z. B. beim Theologen historische,
beim Historiker metaphysische. Es ist genug, wenn er in seinem Fache
tüchtig ist. Noch nachsichtiger beurteile man die sprachlichen Fehler“ usw.
Johann Michael Sailer führt in seiner Schrift: „Praktische Logik
für den Widerleger, alı den Verfasser der sogenannten Reflexion wider
die Demonstratio catholica“ (München 1780), welche er zur Verteidigung
seines Lehrers Benedikt Stattler gegen die anonymen Angriffe Wolfgang
Fröhlichs veröffentlichte, die folgenden Regeln jeder gesunden Widerlegung
 auf: „Wenn du eine Schrift widerlegen willst, so fordert die
Logik von dir, daß du 1. diese Schrift ganz verstehst; 2. in dieser
Schrift Irrtümer entdeckt hast, Sätze, die der Wahrheit und nicht bloß
deiner Meinung zuwider sind; daß du 3. diesen Irrtum für erheblich
und einer Widerlegung wert finden kannst; 4. das Falsche und Unrichtige
 dieser Sätze ganz offenbar dartuest und 5. so dartuest, daß
der Leser entscheiden kann, wer recht oder unrecht hat, und daß du
endlich 6. deine Widerlegung nicht gegen die Person, sondern.gegen
den Irrtum richtest. Diese Gesetze einer überlegten, sanften, brüderlichen
 Widerlegung finden in der ganzen Welt als gangbare Münze
ihren Kurs und sind von dem allgemeinen Menschenverstande dazu
gestempelt“ (p. 4 bei &amp;amp;. Aichinger, J. M. Sailer [Freiburg 1865] p. 52).
In derselben Schrift gibt er dem Gegner, mit dem er wie mit
seinem Bruder redet, folgende auch heute noch praktische Mahnung:
„Warum, lieber Bruder, untersuchst du nun Stattlers Gedanken von
der Menschwerdung und von den Sakramenten, da du eine Wider-Jegung
 gegen sein Buch von der Kirche Jesu Christi schreibst? Stattler
hat über die Menschwerdung ein ganzes, über die Sakramente wieder
ein besonderes Buch geschrieben. Dort also müssen sein Urteile über
diese Gegenstände aufgesucht werden, wo sie mit Absicht untersucht
und beleuchtet sind. Und du lässest diese Denkmäler seiner scharfsinnigsten
 Untersuchungen unberührt und schnitzelst seine Meinungen
über diese Gegenstände aus einem Buche heraus, wo sie höchstens im
Vorbeigehen, soviel es zur Hauptabsicht taugte, behandelt werden
durften. Wenn du nun im dem Buche von der Kirche Jesu Christi
nicht alles findest, was sich von der Ankunft Jesu Christi in der Welt,
von den Wirkungen der Erbsünde und von der Kraft der Sakramente
sagen lässt, so bläsest du mächtig ins Kriegshorn, ad arma, und
schreist: Seht da den Mann, der in den wichtigsten Wahrheiten von
der Lehre der Väter abweicht! Gerade als wenn ich aus Ciceros Reden
gegen den Verres seine ganze Philosophie herausbringen, und was nicht
darin steht, ihm als einen Unphilosophen zum Nachlesen aufdringen
wollte. Würde nicht jeder lateinische Schulmeister in die Faust lachen

Q
        <pb n="104" />
        or Die Rezension
und mir ins Ohr sagen: Bruderherz, der Cicero hat noch mehr geschrieben
 als Reden gegen den Verres. In einer kleinen Stadt kam
die Frau Nachbarin — sie war einäugig und sah auch mit dem einen
Auge nicht recht — einmal in die Kindstube ihrer Base. Da bekam
sie von ungefähr, wie es eben geht, beim ersten Anblick nur die Füße
des neugeborenen Kindes zu Gesichte und entdeckte keine Nase, Schnell
griff sie wieder nach der Türe und sagte es der ganzen Stadt geheimnisvoll
 ins Ohr: ein Kind ohne Nase! Die Mähre hatte alle Weiber
und Mädchen in die Kirche gezogen, um das Kind ohne Nase bei Gelegenheit
 der heiligen Taufe zu sehen. Man brachte den frischen Buben
in die Kirche und nun fand sich die ganze Stadt betrogen, Es war
ein Kind mit einer gewöhnlichen Menschennase. Der Vater des Kindes
forschte bis auf den Ursprung des Märchens und entdeckte ohne Mühe,
daß die Frau Nachbarin die Nase an den Füßen suchte. Gerade so
ging es dir, lieber Bruder. Stattlers Urteil von der Erbsünde steht im
Traktate von der Erbsünde, seine Urteile über die Sakramente stehen
m Traktate von den Sakramenten und sein Urteil von der Menschwerdung
 im Traktate von der Menschwerdung. Die Nase steht im Gesichte“
 (p. 102. Aichinger p. 53 f).
Ein schönes Beispiel für das Verhältnis, wie es zwischen Kritikern
und Gelehrten herrschen sollte, bieten der Benediktiner Jean Mabillon
und der Bollandist Daniel Papebrock in zwei Briefen, die wir aus der
französischen Bearbeitung unseres Buches (p. 51 f) hier anführen wollen.
Mabillon hatte in seinem Werk De re diplomatica die Ansichten Papebrocks
 bekämpft und widerlegt. Daraufhin schrieb dieser ihm den
folgenden Brief (aus Antwerpen, 20. Juli 1693): „Je ne puis assez
admirer comment en si peu de temps vous avez pu faire une telle
besogne ... Sur quelques points, peut-ötre, n’ai-je pas 6t6 suffisamment
compris, ou vous-m6me avez-vous parle obscurement. Mais qu’ est-ce que
cela en regard de tant d’erreurs que signale et corrige Votre Reverence ?
Loin que je m’en offense, je me sens ä ce titre plus que jamais votre
oblige. Au debut de ma lecture, j’ai ressenti, je l’avoue, quelque
desagrement, humanum aliquid, mais bientöt le plaisir produit par un
sujet si utile et si solidement traile, l’agreable 6clat de la lumiere
partout brillante et jointe a 1’ admiration devant tant de choses, jusque-lä
inconnues pour moi, m’ont saisi au point que je n’ai pu me contenir
et que j’ai ä l’instant meme fait part 4 mon compagnon, le Pöre
Baert, du tresor que je decouvrais. Quant ä vous, en toute occasion, ne
craignez pas de dire que je suis tout entier de votre avis. Continuez de
m’ aimer comme vous faites, moi qui ne suis point savant, mais desire
m’ instruire.“
Die Antwort Mabillons lautete: „A mon retour d’ Allemagne, on
m’a remis la lettre dans laquelle vous exposez votre sentiment sur
mon ouvrage. Je ne puis me lasser d’admirer une si grande modestie

„92
        <pb n="105" />
        Eigenschaften. Bemerkungen für die Praxis ;
jointe A une erudition si profonde. Je n’en connais pas d’exemple aussi
illustre, Quel est, en effet, le savant qui, vaincu dans la discussion,
a jamais eu le courage de l’avouer et de proclamer publiquement sa
defaite? Vous le faites, au delä de tout ce qu'on peut dire, et il ne
vous suffit pas d’6tre le premier par la science, vous voulez l'etre
encore par la modestie. Mais loin de moi, de m’enorgueillir de mon
succes; je prefererais 6tre l’auteur de cetie lettre si humble, plutöt
que de concevoir une vaine gloire pour mon ouvrage. Priez Dieu qu'il
accorde A moi qui cherche ä vous imiter dans la science, d’ @tre digne
de vous suivre aussi dans les voies de l’humilite chretienne“,
32. Bemerkungen für die Praxis. 1. Das erste
bei jeder Kritik muß eine sorgfältige Lektüre der
Schrift sein, die zu beurteilen ist. Stellt sich dabei heraus,
daß dieselbe ihrem Inhalte nach dem eigenen Arbeitsfelde
zu ferne liegt, so ist es besser, von vorneherein seine Inkompetenz
 zu erklären und die Kritik abzulehnen, als sich
durch ein falsches oder zweifelhaftes Urteil zu kompromittieren
 und das Urteil anderer irre zu leiten. Kann man
trotzdem aus triftigen Gründen eine Besprechung nicht ablehnen,
 so wird es in einem solchen Falle das beste sein,
sich auf eine objektive Berichterstattung zu beschränken.
9. Kann man die Kritik übernehmen, so muß man
sich das Material dazu durch kurze Notizen bei
der Lektüre des Werkes sammeln. Auch hier genügen
 wie ‚bei der Berichterstattung zunächst möglichst
kurze Angaben eines Schlagwortes nebst Seite und Zeile,
ohne zeitraubende längere Exzerpte. Man kann dabei entweder
 der Reihe nach notieren, was einem auffällt, indem man
auf einem Blatt Papier die einzelnen Bemerkungen untereinander
 stellt und zu beiden Seiten einen genügenden
Raum für die zur Gruppierung notwendigen Noten frei läßt;
oder man vereinigt schon gleich bei der Lektüre die zusammengehörigen
 Notizen unter einige allgemeine Gruppen,
die sich leicht von selbst ergeben. So werden jene Stellen
und Abschnitte, welche besonders gut scheinen und durch
ihren Inhalt tieferen Eindruck machen, leicht zu einer
Gruppe zusammengestellt werden können, und ebenso
jene, welche durch eine schöne Form der Darstellung be-93
        <pb n="106" />
        Die Rezension
sonders gefallen; umgekehrt lassen sich ebenfalls solche
Teile, die unter beiden Rücksichten weniger befriedigen,
kurz in zwei anderen Gruppen anmerken. So kann. man
auch originelle Gedanken, schöne Bilder und Vergleiche,
neue Beweisgründe, und anderseits mangelnde Disposition,
Unklarheit in der Ausführung, zweifelhafte und unbewiesene
Behauptungen u. a. ohne Schwierigkeit unter gemeinsamen
Stichworten kurz notieren. Zuweilen mag es sich empfehlen,
noch mehr ins Detail einzugehen und Nachlässigkeiten in
der Zitationsweise, in der Interpunktion und dergleichen
äußeren Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit
nicht unvermerkt zu lassen.
3. Bei dieser Detailarbeit darf aber die Hauptsache für
eine gute Kritik nicht vernachlässigt werden, nämlich die
Prüfung des Ergebnisses und des Ganges der
Untersuchung. Man muß sich ein klares Urteil über
die Aufgabe zu bilden suchen, die sich der Verfasser des
Werkes, gestellt hat; über die Quellen und Hilfsmittel,
 die er zu rate gezogen; über die Weise, wie
er diese Quellen benützt und verwertet; über die Schlußfolgerungen,
 zu denen er bei seiner Untersuchung gelangt,
 und die Gründe, mit denen er diese Folgerungen
beweist. Wenn dazu die erste Lektüre nicht genügt, wird
die wiederholte und aufmerksame Prüfung der wichtigsten
Teile in der Regel genügenden Aufschluß geben und zu
einem klaren und begründeten Urteil über den Wert der
Arbeit führen. Man wird daraus auch leicht erkennen, ob
und in welchem Masse das Werk durch eigene, tiefer
dringende und fruchtreiche Arbeit die Erkenntnis des behandelten
 Gegenstandes fördert, oder ob es den früheren
Darstellungen nur eine ‚weitere hinzufügt, ohne etwas
Neues und Wertvolles zu bieten. Daraus ergibt sich dann
yon selbst, welcher Platz dem Werke in der vorhandenen
Literatur anzuweisen ist.
4, Diese Prüfung der Hauptteile darf niemals fehlen.
Hingegen kann es bei großen Werken oft kaum möglich
sein, auch die Einzelprüfung auf alle Teile gleichmäßig

04
        <pb n="107" />
        Bemerkungen für die Praxis 3
auszudehnen. In solchen Fällen ist es gut, nach einer sorgfältigen
 allgemeinen Musterung des Ganzen durch wiederholte
 größere Stichproben sich ein Urteil über einzelne
Teile nach den verschiedenen Rücksichten hin zu bilden.
Eine Reihe von solchen Proben wird in der Regel eine
genügende Grundlage für die Beurteilung abgeben.
Außerdem ist es bei derartigen größeren Werken,
namentlich wenn der Inhalt verschiedenartige Fragen umfaßt
sehr zu empfehlen, sein Augenmerk vorzüglich auf jene
Teile zu richten, die den eigenen Studien am nächsten
stehen. Eine sorgfältige Nachprüfung solcher Punkte gibt
am ehesten Gelegenheit, sowohl sich selbst ein zutreffendes
Urteil über den Wert der Arbeit in diesen Teilen zu bilden,
 als auch andern aus den eigenen Schätzen einige
nützliche Beiträge zur Förderung der Frage zu bieten. Es ist
aber nicht gestattet, aus einer Prüfung einzelner Teile ohne
weiters ein allgemeines Urteil über sämtliche andere Teile
zu fällen. Vielmehr soll man in der Kritik nicht unterlassen,
auf den durch die große Ausdehnung des Werkes gebotenen
beschränkten Umfang der Einzelprüfung hinzuweisen.
5. Wenn man so durch sorgfältige Lesung und Prüfung
des Werkes sich genügendes Material gesammelt und ein
klares Urteil gebildet hat, wird man seinen Stoffsichten
und gruppieren müssen, wenn €s noch nicht genügend geschehen
 ist, und dann an. die Zusammenfassung der
einzelnen Punkte zu einer Kritik des Ganzen gehen.
Gewöhnlich bildet dabei die kurze und übersichtliche Wiedergabe
 des Inhaltes hinsichtlich der Hauptpunkte den ersten
Teil. Man kann damit schon gleich die Beurteilung der
einzelnen Teile verbinden und dann ein Gesamturteil folgen
lassen, oder man trennt die Berichterstattung über den
Inhalt vollständig von der Beurteilung, die den zweiten
und eigentlichen Hauptteil der Kritik bilden muß. Mit dem
Urteil müssen auch kurz die Gründe für die Anerkennung
oder Ablehnung der Arbeit angegeben werden. Die Einzelbemerkungen
 bilden den dritten Teil der Kritik, der je
nach den Umständen schon bei der Berichterstattung oder

95
        <pb n="108" />
        ; Die Rezension
bei der Beurteilung der einzelnen Teile zugleich berücksichtigt
 oder auch bis zum Ende aufgespart werden kann.
Selbstverständlich ist es durchaus nicht erforderlich,
das ganze Detailmaterial, das man bei der Einzelprüfung
gesammelt hat, bei der Kritik vorzubringen und dieselbe
etwa mit dem obligaten Verzeichnis von Druckfehlern zu
beschließen. Es kann zuweilen notwendig oder wünschenswert
 sein als Beleg für die in der Kritik vorgebrachten
Urteile oder zur Charakteristik eines Autors oder einer
Richtung. Für gewöhnlich ist es aber besser, mit dem
„gelehrten Kleinigkeitskram“ Maß zu halten. Ohne das für
die Kritik notwendige Material zu beschränken, erweist
man meistens dem Autor sowohl wie der Mehrzahl derjenigen,
 für welche die Kritik bestimmt ist, einen weit
größeren Dienst, wenn man dem Verfasser persönlich seine
Notizen zur Verfügung stellt.
Im allgemeinen soll auch bei der Gestallung des Stoffes
für die wissenschaftliche Kritik der Freiheit des einzelnen
ein möglichst großer Spielraum gelassen werden.
Manche andere Punkte, welche für die Abfassung und Veröffentlichung
 einer Kritik von Nutzen sein können, werden in späteren Kapiteln
 zur Sprache kommen,
Außer den früher angegebenen Bemerkungen über Kritik in den
Werken von Kihn und Blass und anderen methodologischen Darstellungen
 können für die wissenschaftliche Kritik auch Erörterungen über
die literarische Kritik förderlich sein wie sie in literarischen Zeitschriften
 zu finden sind.
Um dem Autor im Falle einer nach seiner Ansicht ungerechten
Kritik Gelegenheit zu seiner Verteidigung zu geben, bestimmt das französische
 Preßgesetz vom 29. Juli 1881, das in Belgien, Italien und in
anderen Ländern nachgeahmt wurde, daß jeder, der in einer Zeitschrift
oder Zeitung genannt oder bezeichnet wird, ohne vorhergehenden Urteilspruch
 das Recht hat auf sofortige Veröffentlichung einer Erwiderung
an gleicher Stelle und in gleichem Druck, und zwar in der doppelten
Ausdehnung der in Frage kommenden Ausführungen‘). Es entspricht
mr) Lot dw 29 Jwillet 1881, Chap. 2 De la presse periodique, $ 2,
Des rectifications, n. 13: „Le gerant (d’un periodique) sera tenu d’inserer
 dans les trois jours de leur reception, ou dans le plus prochain
numero, s’il n’en etait pas publie avant l’expiration des trois jours,
les reponses de toute personne nommee ou designee dans le journal

Oß
        <pb n="109" />
        Bemerkungen für die Praxis 1
der Billigkeit und Gerechtigkeit, daß auch ohne ein solches Gesetz dem
Autor Gelegenheit zu sachlichen Erwiderungen gegeben werde.
ou 6crit periodique, sous peine d’une amende de 50 francs ä 500 francs,
sans prejudice des autres peines et dommages-interets auxquels 1’ article
pourrait donner lieu.
Cette insertion devra 6tre faite ä la me6me place et en memes
caracteres que l’article qui l' aura provoquee.
Elle sera gratuite, lorsque les reponses ne depasseront pas le
double de la longueur du dit article. Si elles le depassent, le prix
d’insertion sera dü pour le surplus seulement. Il sera calcule au prix
des annonces judiciaires.“
‘ N +
Fonek, Wissenschaftliches Arbeiten, 3. Aufß,

9”
m
        <pb n="110" />
        Die populär-wissenschaftliche Darstellung
Neuntes Kapitel
Die populär-wissenschaftliche Darstellung
33. Aufgabe und Bedeutung. Wollte man die
wissenschaftliche Arbeit im strengsten Sinne fassen, so
würde ihr außer der Berichterstattung und Kritik für weitere
Kreise kaum eine andere Art der Wirksamkeit zu Gebote
stehen. Wir dürfen aber auch die populär-wissenschaftliche
Darstellung einer Frage zu den wissenschaftlichen Arbeiten
im weiteren Sinne rechnen.
1. Diepopulär-wissenschaftliche Darstellung berücksichtigt
vorzüglich die große Zahl derjenigen, die der eigentlichen
wissenschaftlichen Forschung fernestehen, aber doch das
genügende Verständais für dieselbe besitzen und dem
Interesse für ihre Ergebnisse zugänglich sind. Diese weiten
Kreise soll sie mit einer Frage aus irgendeinem Gebiet der
Wissenschaft bekannt machen und ihnen einen Einblick in
den Stand der Forschung über dieselben ermöglichen. Eine
solche Darstellung übernimmt daher gewissermaßen das
Vermittleramt zwischen den gelehrten Forschern und der
überwiegenden Mehrzahl ihrer Zeitgenossen, die sonst der
mühsamen Pionierarbeit als unbeteiligte Zuschauer teilnahmslos
 gegenüberstehen würden. Sie darf deshalb wohl Anspruch
 auf Beachtung von seiten dieser Pioniere wie jener
weiteren Kreise erheben und hat auch für diejenigen, die
sich mit ihr beschäftigen, ihre besondere Bedeutung.
9. Der Gelehrte wird zwar sein Hauptaugenmerk stets
auf die wissenschaftliche Erforschung des Problems gerichtet

98
        <pb n="111" />
        Aufgabe und Bedeutung ;
halten, das den Gegenstand seiner Studien bildet. Es wird
immer seine höchste Befriedigung und Freude ausmachen,
auf seinem Arbeitsfeld und mit all seinen Kräften der
Wahrheit zu dienen. Doch eben dieser Dienst der Wahrheit
weist ihn auch schon auf seine Mitmenschen hin. Es wäre
ein verwerflicher Egoismus, wollte er ein so hohes und
ideales Gut wie die Erkenntnis und den Besitz der Wahrheit,
 auch nur in einem kleinen und beschränkten Maße
für sich allein in Anspruch nehmen, zumal dieses Gut
selbst schon seiner Natur nach auf die‘ Mitteilung an andere
 hindrängt und auch ohne eigenen Verlust, ja mit
großem eigenen Gewinn mitgeteilt werden kann. So hat
der Forscher selbst ein Interesse daran, daß die Ergebnisse
 seiner Arbeiten weiteren Kreisen zugänglich werden,
auch wenn er sich einzig von idealen Gesichtspunkten
leiten läßt. Für diese Mitteilung an weitere Kreise ist er
aber in der Regel auf die populär-wissenschaftliche Darstellung
 angewiesen, da die eigentlichen wissenschaftlichen
Werke aus naheliegenden Gründen für gewöhnlich auf die
Fachgenossen beschränkt bleiben.
3. Ebendiese Erwägung zeigt aber auch, wie notwendig
derartige Darstellungen für jene weiteren Kreise selbst sind,
Ohne dieselben würden nur wenige von den Fortschritten
der Wissenschaft Kenntnis erhalten, alte, eingerostete
Irrtümer würden sich trotz aller gegenteiligen Beweise der
Forscher in ihrem ererbten Besitzstande behaupten und
an einen Triumph der Wahrheit wäre kaum zu denken.
Der ganze Kulturzustand eines Volkes müßte in hohem Maße
Schaden leiden, wenn nicht für eine stete und lebendige
Verbindung zwischen der Wissenschaft und den weiteren
Volkskreisen Sorge getragen würde. Am allermeisten haben
aber für diese Verbindung die populär-wissenschaftlichen
Darstellungen zu sorgen.
4. Für diejenigen, welche sich mit dieser Arbeit beschäftigen,
 hat dieselbe eine ganz besondere Bedeutung.
Sie bietet ihnen eine willkommene Gelegenheit, ihre Kräfte
auf eine leichte, anregende und nützliche Weise im

9°
7
        <pb n="112" />
        . Die populär-wissenschaftliche Darstellung
Dienst der Wahrheit zu betätigen. Für eine streng-wissenschaftliche
 Forscherarbeit fehlen häufig die notwendigen
Mittel, und auch Zeit und Kräfte sind oft durch anderweitige
 Berufsarbeiten so sehr in Anspruch genommen, daß
man nicht an solche größere Unternehmen denken kann.
In solchen Fällen bietet oft eine populär-wissenschaftliche
Darstellung die beste Art geeigneter. wissenschaftlicher Beschäftigung.
 Sie nötigt den einzelnen zu fortgesetztem
eigenem Studium und reger geistiger Tätigkeit. Sie hebt
ihn dabei über die Schwierigkeiten eines trockenen, einseitig
 rezeptiven Studiums hinweg durch die Freude und
Anregung, welche für gewöhnlich mit dem eigenen produktiven
 Schaffen verbunden ist. Sie gewährt ihm auch
eine schöne Gelegenheit, für weite Kreise eine fruchtreiche
Wirksamkeit im Dienst der Wahrheit zu entfalten.
Diese und andere Gründe haben ganz allgemein für jede Art der
populär-wissenschaftlichen Darstellung‘ Geltung. Für solche Fragen, die
mehr in das Leben eingreifen und wegen ihrer größeren praktischen
oder idealen Bedeutung in höherem Grade das Interesse weiter Kreise
in Anspruch nehmen, haben derartige Arbeiten eine noch viel größere
Tragweite. Es gilt dieses vorzüglich von den für das praktische Leben
wichtigen Problemen, Fortschritten und Erfindungen auf dem Gebiet
der Naturwissenschaften, von großen geschichtlichen Tatsachen und
ganz besonders von der Erforschung und Aufklärung wichtiger religiöser
 und religionsgeschichtlicher Fragen.
Deshalb hat auch die populär -wissenschaftliche Darstellung für
diejenigen Berufkreise, welche sich vornehmlich mit diesen Gebieten
beschäftigen, eine ganz ausnehmende Bedeutung. Je mehr dabei jemand
in seinen Beruf, wie es z. B. bei den Theologen der Fall ist, einerseits
in langen und angestrengten vorbereitenden Studien sich mit den vielen
wissenschaftlichen Fragen seines Gebietes vertraut machen kann und
anderseits auf die Wirksamkeit für weite Kreise hingewiesen ist, desto
mehr sollte er bemüht sein, soweit es Zeit und Mittel gestatten, seine
Kräfte auch in dieser Art der wissenschaftlichen Arbeit im Dienste der
höchsten Wahrheit zu betätigen.
34. Anforderungen. Auch die populär-wissenschaftliche
 Darstellung wird nur dann ihrer Aufgabe und Bedeutung
 gerecht werden, wenn sie den notwendigen Anforderungen
 entspricht, die man an sie zu stellen berechtigt ist.

100
        <pb n="113" />
        Anforderungen 4
1. Hinsichtlich des Gegenstandes muß vor allem
die zu behandelnde Frage auch für eine solche populär-wissenschaftliche
 Darstellung geeignet sein.
Sie darf nicht allzu große Schwierigkeiten für das Verständnis
 bieten und muß auch in einer gewissen Beziehung zu
weiteren Kreisen stehen und nicht zu jenen Punkten gehören,
 die ihrer Natur nach nur vor dem Forum der
Fachgenossen zu behandeln, sind.
Insbesondere muß dasjenige, was in einer gemeinverständlichen
 Darstellung dem Volke als Resultat wissenschaftlicher
 Forschung vorgelegt wird, auch tatsächlich zu
den gesicherten und allgemein anerkannten Ergebnissen der
Forschung gehören. Man müßte es geradezu als ein Verbrechen
 an der Wahrheit und als gemeingefährliches Vorgehen
 bezeichnen, wenn jemand subjektive Anschauungen
und haltlose Hypothesen als feststehende wissenschaftliche
Resultate weiteren Kreisen darbieten wollte.
Wie sehr in dieser Beziehung gefehlt wird, zeigt ein Blick in die
Tagesliteratur, vorzüglich auf religiösem Gebiete. Überaus lehrreich
ist unter dieser Rücksicht ein geschichtlicher Rückblick auf die Leben-Jesu-Forschung
 des neunzehnten Jahrhunderts. Im Kampf gegen die
Offenbarung hat die kritische Forschung von Paulus, Strauß, Renan
bis zu den modernen Heinrich und Oskar Holzmann, Bernhard und
Johannes Weiß, Wernle, Wrede in ständigem Wechsel durch stets neue
Hypothesen die alten verdrängt, ohne daß sie bisher, abgesehen von
den unbewiesenen Negationen, zu einem anerkannten positiven Resultat
gelangt wäre. Obwohl der heständige Wandel genügend den problematischen
 Charakter dieser kritischen Forschung offenbart, wurden und
werden doch die haltlosen Hypothesen in allen Stadien immer wieder
mit zuversichtlicher Sıegesgewißheit als gesicherte Ergebnisse der Wissenschaft
 in populären Artikeln, Broschüren und größeren Schriften den
weitesten Kreisen dargeboten.
2, Weiterhin muß als eine der notwendigsten Voraussetzungen
 die gründliche Kenntnis des Gegenstandes
 bezeichnet werden, über den man für weitere Kreise zu
schreiben beabsichtigt. Die Notwendigkeit dieser Forderung
leuchtet von selbst ein. Sie tritt noch klarer hervor, wenn
man ein doppeltes beachtet: zunächst die Schwierigkeit, über
wissenschaftliche Gegenstände in gemeinverständlicher Weise

107
        <pb n="114" />
        1G2 Die populär-wissenschaftliche Darstellung
zu sprechen und zu schreiben, und sodann die Unmöglichkeit
 auf seiten der meisten Leser, durch Nachprüfung
ein etwaiges Mikversändnis zu berichtigen oder sich ein
selbständiges Urteil über die Frage zu bilden. Im Interesse
der Wahrheit und Gerechtigkeit ist deshalb auch bei dieser
Art wissenschaftlicher Arbeit vor allem eine gründliche
Kenntnis des Gegenstandes und aller auf denselben bezüglichen
 Fragen erforderlich, um in der Wahl der richtigen
Ausdrücke nicht fehl zu gehen und nicht sich zugleich
mit vielen andern der Gefahr des Irrtums auszusetzen.
Leider wird diese Veraussetzung nur zu häufig in unverantwortlicher
 Weise außer acht gelassen. Während gerade für die weiten
Volkskreise nur das Beste gut genug sein sollte, möchte es fast scheinen,
daß für die volkstümliche Behandlung wissenschaftlicher Fragen vielen
Artikel- und Broschürenschreibern alles gut genug dünkt. Mit einer
ganz oberflächlichen Kenntnis seines Gegenstandes oder selbst mit ganz
bodenloser Unkenntnis desselben sitzt man zu Gericht über wichtige
und weittragende Fragen und wagt es, sein Urteil in die Massen zu
werfen, die gar nicht in der Lage sind, den objektiven Wert desselben
zu prüfen, „gestützt auf Gründe, deren Scheinbarkeit man hervorhebt
und deren Schwäche man verschleiert, wie dies bei Vorträgen für das
Volk geschieht“, wie Artur Schopenhauer mit bitterer Ironie bemerkt
(Preisschrift über die Grundlage der Moral 1 $ 1).
Fast noch mehr ist es zu bedauern, daß sich auch angesehene
Vertreter der Wissenschaft zuweilen eines ähnlichen Fehlers schuldig
machen, wenn sie sich auf Gebiete begeben, die nicht zum Felde ihrer
eigenen Forschung gehören. Gewohnt, mit vollster Sicherheit und
Autorität in ihrem eigenen Fache aufzutreten, übertragen sie dieselbe
Sicherheit und Autorität auch auf diese anderen Gebiete und richten
dann noch viel größere Verwirrung an, als wenn ein einfacher Ignorant
 sich an die populäre Behandlung wissenschaftlicher Fragen
heranwagt.
Wenn dann erst biedere Ehrenmänner „in Pension“ sich berufen
fühlen, eine Wissenschaft für weite Kreise zu popularisieren, die sie
selbst niemals sich zu eigen gemacht haben, so ist gewiß die gute
Absicht anzuerkennen; es bleibt aber ein verdienstliches Werk, wenn
man sie von der Ausführung dieser Absicht zurückhält (Franz. Bearb.
 p. 56).
3. Mit Bezug auf die Darstellung muß man von
dieser Art wissenschaftlicher Arbeit in populärem Gewande
verlangen, daß sie auch die wissenschaftliche Ge-Br
        <pb n="115" />
        Anforderungen. Verschiedene Arten -
nauigkeit mit volkstümlicher und gemeinverständlicher
 Ausdrucksweise vereinige. Der Verfasser
 selbst darf zwar keineswegs, auch nicht bei einer
solchen Arbeit, auf sein wissenschaftliches Rüstzeug verzichten;
 er kann aber seinen Apparat hier nicht in gleicher
Weise verwenden, wie er es bei einer wissenschaftlichen
Untersuchung tun: würde. Er muß sich in den meisten
Fällen mit. dem Hinweis auf die hauptsächlicheren Quellenwerke
 begnügen, ohne einen jeden Punkt seiner Ausführungen
mit gelehrten Anmerkungen ‚und Quellennachweisen begleiten
 zu können. Die Beweise müssen ebenfalls in ein
populäres Gewand gekleidet werden, So daß ihre Beweiskraft
 in der für weitere Kreise wirksamsten Weise hervortritt.
 Dabei müssen manche Voraussetzungen, die man bei
einer eigentlichen wissenschaftlichen Untersuchung als selbstverständlich
 übergehen kann, ausdrücklich hervorgehoben
und erklärt werden.
Für die Darstellung sind außerdem die späteren Ausführungen des
zweiten Teiles (19. bis 22. Kapitel) zu vergleichen. — Was von der
schriftlichen Darstellung gilt, läßt sich auch leicht auf das gesprochene
Wort bei volkstümlichen Vorträgen anwenden,
85. Verschiedene Arten. Die populär-wissenschaftliche
 Darstellung kann in verschiedener Weise praktische
Verwendung finden.
1. Zunächst bieten zahlreiche Zeitschriften und wissenschaftliche
 Beilagen von Tageszeitungen dazu willkommene
Gelegenheit. In längeren oder kürzeren Artikeln oder
Artikelreihen lassen sich dort wissenschaftliche Fragen in
gemeinverständlicher Weise behandeln. Der ausgedehnte
Leserkreis, an den man sich insbesondere bei den größeren
Tageszeitungen wenden kann, mag diese Art für viele als
recht verlockend erscheinen lassen. Sie kann auch ihren
großen Nutzen haben. Aber es bleibt auch immer zu bedenken,
 in welcher Gesellschaft man bei einer solchen
Tageszeitung auftritt. Für gewöhnlich gibt diese einem Blatte
seine Richtung und sein Gepräge. Man wird sie sich daher

103
        <pb n="116" />
        Die populär-wissenschaftliche Darstellung
zuerst näher ansehen müssen, um späteren Unannehmlichkeiten.
 vorzubeugen.
2. Gründlicher und unabhängiger, als es in solchen
Artikeln geschehen kann, läßt sich eine Frage von irgendwelcher
 größeren Bedeutung in einer selbständigen Schrift
behandeln. Wenn sie geschickt abgefaßt ist und seitens
des Verlegers die entsprechenden Mittel für die Verbreitung
angewendet werden, kann man auch auf diese Weise mit
seinem Wort bis in die weitesten Kreise dringen. Im allgemeinen
 wird diese zweite Art vor der ersten den Vorzug
 verdienen.
3. Dem Übelstand, daß derartige Einzelschriften in der
Masse der Tagesbroschüren leicht verschwinden und sich
für die Aufbewahrung weniger eignen, läßt sich häufig dadurch
 vorbeugen, daß mehrere solche Schriften verwandten
Inhalts und gleicher Richtung zu einer größeren Sammlung
verbunden werden, von welcher die einzelnen Hefte in
zwangloser Folge selbständig erscheinen.
In neuerer Zeit sind derartige Sammlungen auf allen Gebieten
sehr beliebt geworden und haben meistens guten Erfolg. Von dem
neuesten populär-wissenschaftlichen Unternehmen dieser Art auf dem
Gebiete der Religionsgeschichte „Religionsgeschichtliche Volksbücher
für die deutsche christliche Gegenwart“ kamen laut einer Ankündigung
des Verlags in weniger als einem Jahre über 100.000 Hefte zur Versendung.
 Einer solch rührigen Tätigkeit gegenüber, die sich bei diesem
Unternehmen ganz in den Dienst der allermodernsten negativen Bibelkritik
 gestellt hat, sollte auch von positiver Seite viel mehr Wert auf
ähnliche Publikationen gelegt werden. Auf dem Gebiete der Bibelwissenschaften
 geschieht dies bereits durch die „Biblischen Zeit- und
Streitfragen“, die „Biblischen Zeitfragen“, die „Biblischen Volksbücher“
und andere Veröffentlichungen.
4, Bei größeren wissenschaftlichen Werken von allgemeinerem
 Interesse kommt nicht selten noch eine andere
Art von volkstümlichen Veröffentlichungen zur Anwendung.
Der Verfasser veranstaltet von seinem gelehrten Werke selbst
eine sogenannte Volksausgabe, die für weitere Kreise bestimmt
 ist. und ohne gelehrten Apparat die Ergebnisse und
Beweisführungen der Forscherarbeit in gemeinverständlicher
Weise vorlegt. Es kann auch dieses ein geeignetes Mittel

104
        <pb n="117" />
        Verschiedene Arten
sein, die Fortschritte der Wissenschaft zum Gemeingut
weiter Kreise zu machen.
Wie bei dieser letzten Art so ist es auch sonst wünschenswert,
daß die Vertreter der Wissenschaft selbst unmittelbar sich an der
populär - wissenschaftlichen Darstellung möglichst rege beteiligen. Es
wird sowohl dem Inhalt der volkstümlichen Publikation zugute kommen
als auch für die gelehrte Arbeit selbst von großem Nutzen sein; denn
es kann sie nur fördern, wenn sie auch mit den praktischen und
idealen Interessen des Volkes in direkter Fühlung bleibt und sich in der
Ausdrucksweise dem Verständnis solcher anpassen lernt, die außerhalb
des Kreises der Fachgenossen stehen. Es ist daher ein sehr nachahmenswertes
 Beispiel, wenn an den genannten religionsgeschichtlichen
Volksbüchern Professoren und Vertreter der Wissenschaft sich mit einem
Eifer beteiligen, der in diesem Falle allerdings einer besseren Sache
würdig wäre.
Für die praktischen Fragen gelten auch bei den populär-wissenschaftlichen
 Darstellungen die Bemerkung:n der späteren Kapitel.
DASS

107
        <pb n="118" />
        Die wissenschaftliche Abhandlung
Zehntes Kapitel
Die wissenschaftliche Abhandlung
36. Begriff und Aufgabe. 1. Die eigentliche wissenschaftliche
 Arbeit im strengen Sinne, soweit wir sie für
die vorliegenden Beiträge in den Kreis unserer Betrachtung
ziehen, fassen wir unter dem Namen der wissenschaftlichen
Abhandlung zusammen. Im Unterschied von den drei vorgehenden
 Arten wissenschaftlicher Arbeit verstehen. wir
hier unter dieser vierten Art die eingehende Erörterung
 einer Frage aus einem Gebiefe der gelehrten
 Studien in wissenschaftlicher Form zum
Zwecke einer Förderung der Forschung durch
die eigene Arbeit.
2. Von den vorausgehenden Arten unterscheidet sich also
diese letzte hauptsächlich durch ihre Form und ihren Zweck.
Der Gegenstand ist eine Frage aus irgendeinem Gebiete
der Wissenschaft, wie es auch bei den übrigen Arten gewöhnlich
 der Fall ist. Nur wird bei der Abhandlung mehr
darauf zu achten sein, daß es sich um eine eigentliche
Frage handle, d. h. um einen Punkt, zu dessen Aufklärung
 man durch eine eingehende Untersuchung noch einen
nützlichen Beitrag liefern kann. Jedenfalls kommt bei der
wissenschaftlichen Abhandlung in erster Linie die eigene
Arbeit in Betracht, nicht bloß eine fremde Leistung wie
bei der Berichterstattung und Kritik, wenngleich die Arbeiten
 anderer natürlich immer berücksichtigt werden
müssen. Die eigene Arbeit soll den Zweck verfolgen, durch

106
        <pb n="119" />
        Begriff und Aufgabe 7
allseitige Erörterung und Untersuchung der Frage einen
fördernden Beitrag zur Forschung zu bieten, nicht bloß zu
berichten oder zu kritisieren oder zusammen zu fassen.
Sie soll auch hinsichtlich der Form und der Gesetze und Anforderungen
 der wissenschaftlichen Darstellung entsprechen
und nicht nur in populärer Weise die Sache behandeln.
3. Die Förderung der Forschung durch eigene Arbeit, in
welcher man vorzüglich das unterscheidende Merkmal der
wissenschaftlichen Abhandlung erkennen kann, darf jedoch
nicht in einem allzu engen und einseitigen Sinne verstanden
 werden. Man kann nicht selten der Auffassung begegnen,
 als dürfe nur jene Arbeit auf das Verdienst einer
Förderung der wissenschaftlichen Forschung Anspruch erheben,
 bei der ganz neue Tatsachen oder Wahrheiten ans
Licht gebracht oder die schon vorhandenen hundert alten
Hypothesen durch die hunderteinte allerneueste vermehrt
werden. Trotz aller Achtung vor neuen Tatsachen und
Wahrheiten und Hypothesen wäre es doch verfehlt, auf
jedem Gebiete das gleiche Maß von Neuem zu fordern, das
man auf dem Gebiete der naturwissenschaftlichen Forschung
erreichen kann. Der Philologe und der Historiker, der spekulative
 Philosoph und der Dogmatiker, und auch der Exeget
vermag in fruchtreicher Arbeit die Forschung zu fördern,
ohne daß er gerade neue Tatsachen und Wahrheiten im Sinne
des Naturhistorikers entdecken muß. Durch sorgfältigere
Beobachtung alter und längst bekannter Tatsachen und
durch Anwendung alter Gesetze und Wahrheiten auf einen
vorliegenden und oft behandelten Text kann man z. B. den
Nachweis führen, daß eine als definitiv und abschließend
angepriesene Parabelforschung in vielen und sehr wesentlichen
 Punkten vollständig auf dem Irrwege sich befindet;
man kann dabei auch das Verständnis in manchen Punkten
fördern und eine neue Lösung alter Schwierigkeiten bieten
und die alte Wahrheit in mancher Beziehung in einem
neuen Lichte zeigen. Bei alledem werden eigentlich neue
Tatsachen und Wahrheiten gar nicht oder doch nur in
einem von den naturwissenschaftlichen Entdeckungen ganz

10°
        <pb n="120" />
        - Die wissenschaftliche Abhandlung
verschiedenen Sinne in Frage kommen, und doch kann
auch eine solche Arbeit einen nützlichen Beitrag zur Förderung
 wissenschaftlicher Forschung bieten. Man mag die
neuen Beobachtungen und Anwendungen alter Gesetze und
Wahrheiten als neue Tatsachen bezeichnen und die neuen
Erklärungen und Begründungen den neuen Hypothesen
gleichstellen ; jedenfalls muß man zugeben, daß es sich in
den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft auch um eine
sehr verschiedene Art der Förderung ihrer Forschung
handeln kann.
Auch ohne neue Tatsachen und unedierte Texte konnte z. B.
P. Rousselot mit seiner Schriff „L’intellectualisme de saint Thomas“
(Paris 1908) einen wertvollen Beitrag für das Studium des Thomismus
bieten, ebenso wie F. X. M. J. Roiron mit seiner Dissertation „Etude
sur l’ imagination auditive de Virgile“ (Paris 1908) neues Licht auf alte
und oft behandelte Stoffe geworfen hat (Franz. Bearb. p. 59. 65).
37. Bedeutung. Unter allen Arten der wissenschaftlichen
 Arbeit gebührt dieser letzten die erste Stelle. Wie
sie dem Begriff der wissenschaftlichen Arbeit im vollsten
und eigentlichen Sinne entspricht, so darf sie auch den
obersten Platz im Dienste der Wahrheit beanspruchen. Sie
soll vor allem der Erforschung, Begründung, Verteidigung
und Erklärung der Wahrheit dienen und auf allen Gebieten
den wahren Fortschritt in der Erkenntnis der Wahrheit
fördern.
Die Bedeutung dieser Arbeit für die Wissenschaft und
Wahrheit brauchen wir hier nicht des näheren zu schildern.
Man kann auf dieselbe mit vollem Recht das herrliche Lob
anwenden, das schon in der Weisheit Salomons der Einsicht
 und Weisheit gespendet wird: „Ich schätzte sie
höher als Zepter und Thron und ich achtete den Reichtum
 für nichts im Vergleich mit ihr; unschätzbaren Edelstein
 stellte ich ihr nicht gleich; denn alles Gold ist neben
ihr wie ein wenig Sand, und Silber wird ihr gegenüber
wie Kot: erachtet. Mehr als Gesundheit und Schönheit
liebte ich sie und es freute mich, dieser Leuchte zu folgen ;
denn ihr Licht erlöscht nicht. Alle Güter kamen mir

108
        <pb n="121" />
        Bedeutung. Anforderungen und Schwierigkeiten 109
zugleich mit ihr und unzählbarer Reichtum war in ihren
Händen“ usw. (Weisheit 7, 8—11).
Auch mit Rücksicht auf die Hochschulseminare kommt
der wissenschaftlichen Abhandlung eine ganz besondere
Bedeutung zu, und zwar zunächst schon aus naheliegenden
praktischen Gründen, weil die sogenannten Hausarbeiten
der Lehramtskandidaten und die Dissertationen der Bewerber
 um den Doktorhut zu dieser Art von wissenschaftlichen
 Arbeiten gehören. Außerdem wird der Zweck der
Seminare, eine formgerechte tiefere Fachbildung und Anleitung
 zu literarischer Produktivität zu gewähren, durch
kein anderes Mittel besser erreicht als durch diese Übung.
Mit Recht wird daher auch insbesondere seitens der Seminare
 der größte Wert auf diese Art der Arbeit gelegt, und
zwar in so hohem Maße, daß darin eher zuviel als zuwenig
 geschieht (vgl. n. 5, 2 p. 73 f).
38. Anforderungen und Schwierigkeiten. Schon
der Begriff der wissenschaftlichen Abhandlung zeigt, daß
sie hohe Anforderungen zu erfüllen und deshalb auch nicht
geringe Schwierigkeiten zu überwinden hat.
1. Gleich an der Schwelle und noch vor dem Beginn
der eigentlichen Arbeit fordert schon die Wahl des
Themas besondere Rücksichten und bereitet einiges Kopfzerbrechen;
 denn nicht jeder Gegenstand eignet sich für
den Zweck einer wissenschaftlichen Abhandlung, wie bereits
kurz bemerkt wurde.
2. Ist die Wahl glücklich getroffen, so ist es die
nächste Aufgabe des Arbeiters, den Stoff zu sammeln:
denn aus nichts wird auch nichts. Daher heißt es jetzt, die
rechten Quellen kennen und benutzen und in der rechten
Weise sein Material sammeln, ohne sich bei der Lektüre
und beim Studium auf unfruchtbaren Irrwegen zu
verlieren.
3. Hand in Hand mit dem Sammeln sollte auch schon
das Verarbeiten des Stoffes gehen, wenigstens insofern
 die Kritik der Quellen und des Textes überall ein-
        <pb n="122" />
        Die wissenschaftliche Abhandlung
zusetzen hat. Auch auf Sichtung und Ordnung des Materials
muß die Aufmerksamkeit bereits während des Sammelns
gerichtet sein. Sie kommt nach Beendigung der Sammelarbeit
 zum Abschluss und findet zuletzt in der geeigneten
Disposition des Ganzen ihren Ausdruck.
4. An die vorbereitende Arbeit schließt sich sodann
die Darstellung des gesammelten und verarbeiteten
 Materials. Sie hat wiederum ihren besonderen
Gesetzen und Regeln, äußeren wie inneren Anforderungen
zu entsprechen und darf keineswegs nach den Regeln eines
Schüleraufsatzes behandelt werden.
5. An letzter Stelle wird man endlich der Veröffentlichung
 der Arbeit sein Augenmerk zuwenden müssen.
Denn sie wird nicht geschrieben, bloß um auf dem Papier
zu stehen und dann in einer Schublade oder gar im Papierkorb
 eine Ruhestätte zu finden. Sie darf es nicht scheuen,
im Dienst ihrer Herrin vor die Öffentlichkeit zu treten, und
wo es sich um den Kampf für die Wahrheit handelt, da
soll sie mit Ehren ihren Platz auf der Walstatt behaupten.
 Damit sie es aber mit vollen Ehren tun kann, muß
sie auch den Satzungen entsprechen, die man für dieses
öffentliche Auftreten zu beachten hat.
So ergeben sich von selbst die Hauptpunkte, mit denen
wir uns im folgenden näher zu beschäftigen haben.

110
        <pb n="123" />
        ® ®
Zweiter Teil
Die Methode des wissenschaftlichen Arbeitens
Erster Abschnitt
Die Wahl des Themas
Elftes Kapitel
Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
39. Wichtigkeit der Fragestellung. Für die ganze
Arbeit in allen ihren Teilen ist die Wahl des Themas oder
die Fragestellung von ausschlaggebender Bedeutung. Das
Sammeln, Verarbeiten und Darstellen des Stoffes wird mehr
oder minder durch die Art, den Umfang und die Richtung
des Themas beeinflußt.
Ernst Bernheim bemerkt darüber in seinem „Lehrbuch der historischen
 Methode“ (*Leipzig 1908) 253—5: „Die fundamentale Bedeutung
 der Fragestellung kann kaum genug betont werden; denn die
Frage, was man wissen will, bedingt Richtung, Umfang und Resultat
der Forschung von vornherein. Dieselbe läßt sich allerdings oft erst
im Fortgang der Arbeit selbst präzisieren; aber unsere Aufmerksamkeit
muß von Anfang an darauf gerichtet sein, um nicht durch schiefe oder
unklare Stellung des Themas die Arbeit zu verderben, sei es daß wir
ziellos ins weite forschen, oder daß wir unseren Blick einseitig beschränken,
 und wir müssen uns während der Arbeit immer wieder in
dieser Beziehung kontrollieren. Eine bewußte Kontrolle ist bei der
Wahl des Themas auch deshalb ratsam, um sich nicht ohne weiteres
durch das Herkommen oder — man könnte fast sagen — durch die
        <pb n="124" />
        1.2 Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
Mode bestimmen zu lassen. Denn im ganzen sind wir gar nicht so
unabhängig in dieser Wahl, wie es auf den ersten Blick erscheint:
unbewußt einem Zuge der Gemeinsamkeit, zum Teil auch der Bequemlichkeit
 folgend, ersieht man sich meist die Arbeitsgebiete, welche
bereits in Angriff genommen sind, und es läßt sich faßt das Paradoxon
aufstellen, daß auf denjenigen Gebieten am wenigsten gearbeitet wird,
wo noch am meisten zu tun ist, ja oft genug finden bedeutende Forschungen
 kaum Beachtung und keine Nachfolge, nur weil zur Zeit
niemand auf dem Gebiet arbeitet. Wohl hat dieser Zug der Gemeinsamkeit
 eine unverkennbare Berechtigung, insofern es zweckmäßig ist,
ein einmal angegriffenes Gebiet möglich zu durcharbeiten, ehe andere
angegriffen werden, und insofern nur durch die gemeinsame Tätigkeit
vieler eine vollständige Durchforschung ganzer Epochen usw. möglich
ist. Allein es kommt immer ein Zeitpunkt, wo einstweilen mit den
vorhandenen Hilfsmitteln auf einem allseitig durchforschten Terrain
nicht mehr ergiebig zu wirken ist; es gibt namentlich überall einzelne
beliebte Themate, welche völlig erschöpft sind und trotzdem immer
noch von neuem gewählt werden ... es ist bedauerliche Arbeitsvergeudung,
 wenn immer wieder untersucht wird, wo Armin den Varus
geschlagen hat, welche Zusicherungen Pippin und Karl der Große den
Päpsten gemacht haben u. dgl., vorausgesetzt, daß der Bearbeiter sich
nicht von vornherein bewußt ist, mit neuen Hilfsmitteln oder neuer
Auffassung wirklich ergiebige Resultate wenigstens erhoffen zu können,
Und das ist es, worauf es ankommt: man soll sich von vornherein
möglichst klar machen, was man wissen will, und ob man nach der
ganzen Sachlage Aussicht hat, mit seiner Forschung etwas zu erreichen.“

Über individuelle Wahl des Themas zu schriftlichen Arbeiten
bietet manche Anregung H, Veihinger, Die Philosophie in der Staatsprüfung
 (Berlin 1906) p. 28—51.
40. Gesichtspunkte für die Wahl des Themas,
Die Fragestellung ist natürlich auf den verschiedenen Gebieten
 der wissenschaftlichen Arbeit sehr verschieden. Es
lassen sich aber doch gewisse allgemeine Gesichtspunkte
ins Auge fassen, auf welche man bei der Wahl seines
Themas zu achten hat. In den Worten Bernheims werden
die wichtigsten derselben schon kurz berührt; es wird aber
nicht ganz überflüssig sein, einige Punkte ausdrücklich
hervorzuheben.
1. Zuallererst muß man bei der Wahl eines Gegenstandes
 auf seine eigenen Verhältnisse Rück-1%
        <pb n="125" />
        Gesichtspunkte für die Wahl des Themas ;
sicht nehmen. Es ist die alte Mahnung der Parabel
vom Turmbauen und Kriegführen (Lk 14,28—39).
a) Das Thema soll daher zunächst den eigenen
Kräften und Fähigkeiten entsprechen. Es wäre ein
gewagtes Unternehmen, sich ohne weiteres an jedem Thema
zu versuchen. Jeder, der an eine wissenschaftliche Arbeit
herantritt, sollte es soweit in der richtigen Selbsteinschätzung
 gebracht haben, daß er ungefähr weiß, wie viel
die Kräfte zu tragen vermögen. Freilich werden die
Schwierigkeiten sich oft erst während der Arbeit zeigen,
und anderseits pflegt auch die Kraft mit der Arbeit selbst
zu wachsen. Aber eine ruhige Selbstprüfung und Überlegung
 vor der Wahl ist doch stets von großem Nutzen.
b) Auch auf die eigenen Neigungen darf man
bei dieser Wahl in geordneter Weise Rücksicht nehmen.
Sie sollen zwar nicht an erster Stelle und nicht . hauptsächlich
 den Ausschlag‘ geben. Aber wo sonstige Gründe
nicht eine andere Entscheidung ratsam erscheinen lassen,
darf man hoffen, bei der Wahl eines solchen Gegenstandes
mehr zu erreichen, der mit den eigenen Neigungen und
Wünschen übereinstimmt. Wo neben und mit den höheren
 Motiven auch die natürliche Freude an der Sache uns
treibt, da arbeitet man in der Regel mit mehr Hingabe und
Ausdauer und Erfolg.
c) Ernstlicher aber sollen ferner die eigenen Kenntnisse
 uud Vorstudien in Betracht gezogen werden.
Zwar läßt sich mit gutem Willen und ausdauerndem Fleiße
ein gutes Stück der nötigen Vorkenntnisse auch beim Beginn
 einer wissenschaftlichen Arbeit noch nachträglich erwerben.
 Aber ein gewisses Maß von Kenntnissen muß
Hänschen sich schon angeeignet haben, wenn Hans auf
diesem oder jenem Gebiet mehr als Mittelmäßiges leisten
soll. Ohne eine gründliche humanistische Vorbildung sich
ein philologisches, historisches oder archäologisches Thema
aus dem griechischen oder römischen Altertum wählen, ist
in der Regel ein ebenso gewagtes und aussichtsloses Beginnen
 wie die Behandlung einer Frage aus dem Gebiet
Fonck, Wisseuschaft iches Arbeiten. 8. Aufl,

115
ww
        <pb n="126" />
        114 Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
der orientalistischen Studien für jemand, der in den einschlägigen
 orientalischen Sprachen nicht sattelfest wäre.
Anderseits wird die Kenntnis mehrerer Grenzgebiete, die
vielfach ineinander übergreifen, ein wichtiger Fingerzeig
für die richtige Wahl eines passenden Themas sein können.
So würde z. B. demjenigen, der gute Kenntnisse aus den
Naturwissenschaften mit dem Ertrag langjähriger theologisch-exegetischer
 und orientalischer Studien verbindet,
eine Frage aus dem Gebiet der biblischen ‘ Naturwissenschaften
 naheliegen und fruchtreiche Behandlung versprechen.
So selbstverständlich vielleicht manchem diese Bemerkungen
scheinen mögen, so wenig werden sie oft genug in der Praxis beachtet.
 Würden nicht z. B. in den so beliebten patristischen Arbeiten,
selbst wenn sie zum strengwissenschaftlichen „Corpus scriptorum ecclesiasticorum
 latinorum“ gehören, manche bessere Erfolge erzielt worden
sein, wenn der Mangel der notwendigen theologischen Schulung bei
der Zuweisung der Aufgabe an einzelne Mitarbeiter mehr in Anschlag
gebracht worden wäre? Oder kann man sich wundern, daß ein gelehrtes
 zweibändiges Werk über die Gleichnisreden Jesu in seinem
wissenschaftlichen Ergebnis zum allergrößten Teil als völlig verfehlt
bezeichnet werden muß, wenn der Verfasser mit den in den Parabeln
vorausgesetzten Verhältnissen Palästinas ganz und gar nicht vertraut
ist? Es ist nicht notwendig, hier auf solche und ähnliche naheliegende
Beispiele ausführlicher einzugehen.
2. Mit der Beachtung der eigenen Fähigkeiten. und
Neigungen und Kenntnisse muß sodann bei der Wahl des
Themas auch die Rücksicht auf die Hilfsmittel verbunden
 werden, die. einem bei der Arbeit zur Verfügung
 stehen.
a) In dieser Hinsicht müssem vor allem die Bibliotheksverhältnisse
 in Betracht gezogen werden, die
vielleicht für ein Thema günstiger sind als für ein anderes.
Wenngleich der Leihverkehr in der Benutzung der Bibliotheken
 große Erleichterungen gewährt, so bleibt es doch
immer eine mißliche Sache, für einen großen Teil seiner
Arbeit beständig auf die Hilfe von auswärts angewiesen
zu sein.
ö) Es ist ferner in Erwägung zu ziehen, ob und in
welchem Maße archivalische und handschriftliche
        <pb n="127" />
        Gesichtspunkte für die Wahl des Themas =
Forschungen, größere Studienreisen und gegebenen
 Falls ein längerer Aufenthalt in fremden Orten und
Ländern möglich sein werden. Die verschiedene Lage der
Verhältnisse ist in der Regel von entscheidendem Einflusse
auf. die Bestimmung des Gegenstandes der Arbeit im allgemeinen.
 wie im besonderen. Wer infolge seiner beruflichen
 Wirksamkeit oder aus anderen Gründen derartige
ausgedehnte Forschungen nicht anstellen. kann, ist damit
noch lange nicht von wissenschaftlicher Arbeit ausgeschlossen.
 Er muß sich aber notwendig sein Arbeitsgebiet
ganz anders wählen als jener, dem die Verhältnisse solche
Studien ermöglichen.
3. Die genannten beiden Gesichtspunkte berücksichtigen
mehr die allgemeinen Voraussetzungen für eine gute Wahl
des Themas... Wenn wir dieser Wahl selbst etwas näher
treten, so dürfte als erste.Regel wohl zu gelten haben, daß
der Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit weder zu
allgemein gehalten noch zu eng begrenzt
sein darf.
a) Bei zu allgemeiner Fassung des Themas droht eine
doppelte Gefahr: oberflächliche Arbeit oder unnütze Kraftvergeudung.
 Wenn das Ackerfeld für einen einzelnen Arbeiter
 zu groß ist, wird er kaum zu einem tiefen Umgraben
 kommen. Er wird sich gar leicht nach Art des
palästinischen Fellach .damit begnügen, nur seicht die
oberste Erdschichte zu lockern. Wollte er trotzdem jeden
Fleck des ganzen großen Feldes allein tief und gründlich
umgraben, so würde die Zeit der Aussaat längst vorüber
sein, bevor er seine Arbeit zu Ende geführt hätte, und all
seine Anstrengung wäre umsonst gewesen. Auf dem unermeßlich
 großen Felde des Wissens reicht Kraft und Zeit
des einzelnen bei gründlicher Arbeit nur für einen verhältnismäßig
 kleinen Teil aus. Auf dem weiten Feld nur
oberflächliche Fellachenarbeit zu leisten, ist nicht ernster
Anstrengung wert.
b) Doch auch zu große Beschränkung ist vom Übel.
Immer wieder auf dem gleichen Punkt den Spaten ein-1{F


N’
        <pb n="128" />
        ; Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
setzen und immer nur tiefer und tiefer bohren, wäre nicht
die Art gedeihlicher Bestellung des Ackers. Ein zu enger
Gesichtskreis führt bei der wissenschaftlichen Arbeit leicht
zu Einseitigkeit und Kleinigkeitskrämerei. Er nimmt dem
Geiste seine Schwungkraft und den offenen Blick für große
Gedanken und umfassende Ziele. Selbst die Einzelforschung
muß darunter leiden, wenn das Beweis- und Vergleichsmaterial
 einem zu eng beschränkten Kreise entnommen
wird.
4. Aus dieser ersten Regel ergibt sich die weitere
Norm, stets ein genau und klar bestimmtes
Thema: zu wählen, das eine Förderung der
wissenschaftlichen Forschung durch die
eigene Arbeit ermöglicht. Allerdings wird sich. in
den meisten Fällen, wie Bernheim bemerkte, die genauere
Fassung der Frage erst im Verlauf der Arbeit selbst ergeben’).
 Aber es ist doch von der größten Bedeutung, daß
wir bei der Arbeit von Anfang an eine bestimmte Frage
ins Auge fassen, deren Beantwortung uns Gelegenheit
zu wahrhaft wissenschaftlicher Betätigung unserer Kräfte
geben kann.
Das unterscheidende Merkmal der eigentlichen wissenschaftlichen
 Behandlung eines Gegenstandes ist, wie wir
früher sahen (p. 106 —8), in der Förderung der Forschung
durch die eigene Arbeit zu suchen. Eine solche wird aber
kaum zu erhoffen sein, wenn man die Bestimmung seines
Arbeitsgebietes dem Zufall oder dem herrschenden Herkommen
 überläßt. Man muß zielbewußt Umschau halten
und zusehen, auf welchem’ Teile eines Gebietes, auf dem
wir unsere Kräfte erproben können, es noch eigene und
neue Arbeit zu leisten gibt im Dienste der Wahrheit. Eine
solche Umschau wird uns schon bald manche Fragen
zeigen, deren Beantwortung einen passenden Stoff für
unsere wissenschaftliche Arbeit bieten kann. Ist es auch
nicht immer eine neuentdeckte und noch ganz unberührte
Goldmine, so wird es doch vielleicht eine neue Ader des
') E. Bernheim, Lehrbuch® 254,

116
        <pb n="129" />
        Gesichtspunkte für die Wahl des Themas 117
edien Metalles sein, die für die harte Knappenarbeit eines
neuen Stollens: reiche Ausbeute verspricht. Wo aber eine
Mine schon längst von hundert Händen und Hacken nach
allen Richtungen durchsucht und all ihrer kostbaren Schätze
beraubt wurde, da wäre es für gewöhnlich aussichtslos,
in dem alten verlassenen Stollen weitergraben zu wollen.
Diese Forderung einer genauen und bestimmten Fragestellung
 gilt für alle Gebiete der wissenschaftlichen Arbeit.
Sie zeigt uns auch das Berechtigte in dem so beliebten
Suchen nach Problemen, das oft genug in eine krankhafte
Problemensucht ausartet. Es hat sein Gutes und kann für
die genauere Bestimmung des Arbeitsgebietes förderlich
sein, wenn es eine noch weniger behandelte Seite eines
Gegenstandes oder einer Frage aufsuchen lehrt, wo die
eigene Arbeit erfolgreich einsetzen kann. Insofern ist es
auch richtig, daß gerade diese Probleme, die stets neuen
Fragen und ihre Beantwortungen hauptsächlich den Fortschritt
 jeder Wissenschaft bedingen. Schließlich sind ja
auch die Hypothesen, durch die z. B. auf dem Gebiete der
Naturwissenschaften so mancher Fortschritt veranlaßt wurde,
wie Charles Seignobos bemerkt, nichts anderes als eine
Art von neuen Fragen mit einer provisorischen Antwort‘).
Damit aber ein wahrer Forschritt erzielt werde, muß die
Frage methodisch richtig gestellt werden unter systematischer
 Berücksichtigung. der schon geleisteten und der
noch zu leistenden Arbeit auf irgendeinem Gebiete. Sonst
wird die eigene Arbeit, der gerade die Fragestellung ihre
Richtung und ihren Umfang zuweist, nicht am rechten
Punkte einsetzen und das Ziel verfehlen oder doch nur
nach mancherlei Umwegen erreichen.
Die Bemerkung Bernheims (Lehrbuch® 254 f) über einzelne beliebte
 und doch schon völlig erschöpfte Themata aus der Geschichte
gilt mutatis mutandis vielfach auch von anderen Gebieten. Der Grund
liegt einerseits in der Unmöglichkeit, mit den vorhandenen Hilfsmitteln
über das schon von anderen erreichte Ziel in einer Frage hinauszukommen.
 Deshalb macht sich z. B. im Bereich der philologischen
Ur ') Langlois-Seignobos, Introduction aux 6tudes historiques (Paris
1905) 184.

A
1
        <pb n="130" />
        118 Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
Studien immer mehr eine Verschiebung des Arbeitsgebietes von der
altklassischen Literatur auf die spätere Zeit und die Schriftsteller der
ersten christlichen Jahrhunderte bemerkbar. Aus Mangel an neuem
und entscheidendem Material wird auch das vielbeackerte Feld der
hebräischen Metrik gegenwärtig kaum noch Aussicht auf eine ergiebige
Ernte bieten, trotz der unerschütterlichen Zuversicht stets neuer überzeugter
 Metriker.
Anderseits wird die erfolgreiche Behandlung eines Stoffes auch
ihre Grenze finden in den Schranken, die der menschlichen Erkenntnis
gezogen sind. In besonderer Weise trifft dieses zu bei so manchen
theologischen Streitfragen, die immer wieder mit neuem Eifer in Angriff
 genommen und doch nie der Lösung näher gebracht werden.
Auch hier wird eine systematische Wahl des Themas vor unnützer
Zeit- und Kraft- und Arbeitsvergeudung bewahren.
5. In Verbindung mit dieser Forderung verdient bei
der Themawahl 'auch das Prinzip der wissenschaftlichen
 Aktualität eine besondere Berücksichtigung.
H. Vaihinger bemerkt darüber mit Bezug auf das Thema
der schriftlichen Prüfungsarbeiten mit Recht: „Es ist sehr
zweckmäßig, die Prüfungsthemata, wenigstens zum Teil, aus
dem unmittelbar fluktuierenden wissenschaftlichen Leben
der Gegenwart zu entnehmen. Hierdurch bekommt die
Arbeit des Kandidaten selbst einen unmittelbar wissenschaftlichen
 Wert, er hat den Vorteil, durch seine Arbeit
an dem frisch pulsierenden Leben der Gegenwart teilzunehmen.
 Seine Arbeit macht ihm auch selbst viel mehr
Freude, wenn sie in den lebendigen Strom der aktuellen
Wissenschaft einmündet“ ').
Derselbe Autor erläutert diese Aktualität des Themas auch hinsichtlich
 seiner Formulierung durch einige Beispiele aus dem Gebiet
der Philosophie: „Ich kann das Thema stellen: „Die Beziehungen des
Euripides zur griechischen Philosophie, speziell zu Anaxagoras.“ Aber
dasselbe Thema gewinnt ein viel lebhafteres Interesse, wenn ich es
formuliere ...: „Mit welchem Recht nennt Nestle (‚Euripides‘ 1901)
den Euripides den Dichter der griechischen Aufklärung?“ Ein anderes
Beispiel: Ich kann das Thema stellen: „Der Lehrinhalt der Platonischen
Dialoge Hippias minor, Laches und Charmides.“ Aber dasselbe Thema
erregt das wissenschaftliche Interesse in viel höherem Maße, wenn ich
es formuliere ...: „Ist die neuerdings (von E. Horneffer in seiner
') H. Vaihinger, Die Philosophie in der Staatsprüfung (Berlin
1906) 36.

1X 5
        <pb n="131" />
        Gesichtspunkte für die Wahl des Themas 9
Scnrıft: Platon gegen Sokrates, Leipzig bei Teubner 1904) aufgestellte
Behauptung gerechtfertigt, Platon habe im Hippias II, Laches und
Charmides gegen Sokrates polemisiert ?“ usw. (aa0. 36 f).
In ähnlicher Weise lassen sich auf jedem Gebiete bei Berücksichtigung
 der neuen Veröffentlichungen leicht gute Themata finden,
die unmittelbar in das wissenschaftliche Leben der Gegenwart hineingreifen.

6. Bleibt die Wahl zwischen verschiedenen Stoffen,
unter Berücksichtigung der erwähnten Punkte, noch unentschieden,
 dann kann eine letzte Rücksicht für die Entscheidung
 noch in Betracht kommen. Unter sonst gleichen Verhältnissen
 verdient jener Gegenstand den Vorzug, der
mehr den Bedürfnissen der Gegenwart entspricht
 und größeren Nutzen zu bringen geeignet
erscheint.
Rein methodologisch betrachtet, hat eine Untersuchung
über die Partikel y£ bei Demostenes oder die Erörterung
der entlegensten Spitzfindigkeiten abstrakter Schulfragen
ebenso ihre Berechtigung wie die Behandlung solcher
"Themata, die dem Geistesleben der Mitwelt näher stehen
und in den weitesten Kreisen einen lebhaften Widerhall
finden. Von einem höheren Gesichtspunkt aus wird man
aber im Apostolat der Wissenschaft den Dienst der Wahrheit
 nach Möglichkeit auch zu einem Dienst der Liebe für
andere gestalten und deshalb auch die Rücksicht auf die
Bedeutung und den Nutzen einer Frage für das Leben der
Gegenwart nicht ausser acht lassen.
Keineswegs soll damit die wissenschaftliche Forscherarbeit
 auf das Niveau der populär-wissenschaftlichen Darstellung
 herabgedrückt werden. Sie soll und muß durchaus
auf ihrer hohen Warte bleiben. Sie darf von ihren Regeln
und Gesetzen nicht lassen, ohne ihren Adel zu verlieren.
Auch wird bei der Behandlung von solchen Fragen, die
auf die Bedürfnisse der Gegenwart Rücksicht nehmen, besonders
 auf die Gefahr zu achten sein, daß die ruhige Forschung
 durch die Parteistellung des Forschers beeinträchtigt
 werde, weil ihm die wünschenswerte gegebene oder
erworbene Distanz von seinem Gegenstande in einer der-11:
        <pb n="132" />
        N Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
artigen Frage leicht abgeht. Doch läßt sich diese Gefahr
bei einiger Umsicht wohl überwinden, und im allgemeinen
tut es der Würde der wissenschaftlichen Forschung durchaus
 keinen Eintrag, wenn von ihrem reichbesetzten Tische
nicht bloß ganz kümmerliche Krümchen für die Hungernden
draußen abfallen. Mögen immerhin hilfsbereite Hände den
gefüllten Brotkorb nehmen und unter die Menge verteilen:
edle Freigebigkeit ist des Adels schönste Zier.
Leider ist die Klage nur zu berechtigt, daß vielfach
vom "Tisch der Wissenschaft kaum noch armselige Brosamen
 für die weiteren Kreise abzufallen pflegen. Fast
mag es scheinen, als ob das „Odi profanum vulgus et
arceö“ Regel und Richtschnur für die Männer der Wissenschaft
 sein müsse. Doch wenn nicht alles täuscht, ist auch
hierin eine Wendung zum Bessern eingetreten. Sie wird
noch schönere Früchte zeitigen, wenn bei der Wahl des
Themas die Rücksicht auf die Bestrebungen und die Bedürfnisse
 und den größeren Nutzen vieler nicht von der
Hand gewiesen wird.
41. Bemerkungen für die Praxis. Da die Wahl
eines wissenschaftlichen Arbeitsgebietes von der weittragendsten
 Bedeutung ist und nicht selten für die Richtung
eines ganzen Menschenlebens den Ausschlag ‚gibt, dürfen
sich den Gesichtspunkten für die rechte Wahl des Themas
noch einige Bemerkungen für die Praxis anschließen. Sie
nehmen naturgemäß zunächst auf die Anfänger Rücksicht,
denen sich die Schwierigkeiten der Themawahl ja für gewöhnlich
 am meisten fühlbar machen.
1. Zunächst ist es sehr empfehlenswert, vor der
Entscheidung den Rat eines erfahrenen Mannes
einzuholen, dem man ein Urteil in dieser Frage
zutraut.
Der besondere Grund, der diese allgemeine Regel der
Klugheit gerade hier in vorzüglicher Weise nahelegt, ist in
den hohen Anforderungen an eine richtige Fragestellung
zu suchen. Die rechte Fassung der Frage setzt ja voraus,

19
        <pb n="133" />
        Bemerkungen für die Praxis a1
daß man sich über die bisherigen Leistungen auf einem
bestimmten Gebiete einen ungefähren Überblick verschafft
hat und daraus weiß, wo man mit der eigenen Arbeit erfolgreich
 einsetzen kann. In der Regel wird man aber viel
schneller und sicherer zu einem guten Urteil darüber gelangen,
 wenn man den Rat eines erfahrenen Mannes einholt,
 der selbst mit dem wissenschaftlichen Leben in naher
Fühlung steht und die Bestrebungen auf diesem oder jenem
Gebiet seit Jahren verfolgt hat.
2. Um auch selbst etwas Umschau halten zu können,
ist es dienlich, vor. allem in dem Gebiete, für das die
meisten Gründe uns zur Mitarbeit einladen, ein gutes
Handbuch sowie die wissenschaftlichen Jahresberichte
 der letzten Jahrzehnte zu durchmustern.
 Wir ersehen daraus allmählich, welche Gegenstände
 im Vordergrund des Interesses gestanden haben
und stehen, und werden auch schon bald auf die eine
oder andere Frage aufmerksam, die eine weitere Bearbeitung
 zu verdienen scheint.
Zur ersten Orientierung kann diese Durchmusterung
der einschlägigen Handbücher und Jahresberichte ein gutes
Mittel sein.
3. Zu einem klaren Urteil über die verschiedenen
etwa in Frage kommenden Stoffe wird man dann gelangen
können durch das Studium der neueren Veröffentlichungen,
 die sich mit dem fraglichen Gebiete beschäftigen.
 Vergleicht man dazu die wichtigeren fachmännischen
 Besprechungen solcher Schriften in den wissenschaftlichen
 Zeitschriften, so wird man nicht selten manch
guten und wertvollen Fingerzeig finden. Auch die Artikel
über die betreffende Frage in den fachwissenschaftlichen
Realenzyklopädien sowie bibliographische Repertorien werden
 dazu dienen können, den Überblick über die bisherigen
Behandlungen der mit einem "Thema in Verbindung stehenhenden
 Gegenstände zu vervollständigen.
H. Vaihinger gibt in dieser Beziehung den Forschern einen Wink,
der auch für Studierende praktisch sein kann: „Im übrigen läßt sich

1.
        <pb n="134" />
        Li Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
die Auffindung geeigneter Themata durch einen einfachen Kunstgriff
sehr erleichtern und vereinfachen: beim Studium überhaupt und insbesondere
 bei der Lektüre wissenschaftlicher Novitäten stoßen unser einem
so viele passende und reizvolle Themata zur Bearbeitung auf, daß man
sie nur sogleich — am besten jedes auf ein eigenes Blatt — zu notieren
und nach Fächern zu rubrizieren braucht, um dann im gegebenen
Moment eine große Auswahl von Themata bereit zu haben; man kann
dann aus dem vollen schöpfen, indem man einfach in seine Kollektaneen
 hineingreift“ (Die Philosophie in. der Staatsprüfung [Berlin
1906] 45),
4. Ist man auf diesem Wege der Wahl des eigenen
Arbeitsstoffes näher und näher getreten, so wird man zur
genaueren Bestimmung desselben die Kenntnis der
Quellen und der einschlägigen Literatur möglichst
zu vervollständigen suchen. Dieselbe ermöglicht in der
Regel mit genügender Sicherheit ein Urteil darüber, nach
welcher Richtung und in welchem Umfang das Sammeln
des‘ Materials für die eigene Arbeit einzusetzen hat.
Im Verlauf der Arbeit muß sich dann allmählich die
genauere Fassung und schärfere Umgrenzung des Themas
ergeben. Je weiter die Arbeit am Stollen gefördert ist,
desto sicherer und. klarer wird das Urteil über die Richtung
und Stärke der Goldader im harten Gestein.
5. Nach getroffener Themawahl wird der weiteren
Arbeit an der eigenen wissenschaftlichen Aufgabe mit
Nutzen eine vorläufige Skizze der künftigen Gesamtdarstellung
 vorausgehen. In der Regel wird sich ja die
Arbeit zunächst nur mit einem Teil der ganzen Aufgabe
beschäftigen können. Eine solche Skizze der Gesamtdarstellung
 kann aber recht viel zur Klärung, Festigung und
Hebung des Standpunktes für den Arbeitenden beitragen.
H. Schmidkunz macht nach dem Vorgang von Stuart Mill mit
Recht auf diesen Wink aufmerksam (Zts. f. Philosophie u. Pädagogik!®
[1908] 510).
Derselbe Autor fügt dann (ebd. 510 f) noch eine Warnung bei
vor dem eigentlichen „Wählen“ oder gar „Stellen“ eines Themas:
„Ein Arbeitsthema wird am besten gar nicht gewählt, wächst vielmehr
aus der wissenschaftlichen Entwicklung eines jüngeren oder älteren
wissenschaftlichen Arbeiters gleichsam von selbst heraus: oder erst
dann mag der Schüler als reif für eine eigene Arbeit gelten, wenn sich

‘99
        <pb n="135" />
        Bemerkungen für die Praxis 5
Bedürfnis und Spezialfähigkeit zu einem bestimmten Thema herausge -
stellt haben. Wohl jeder Dozent kennt die Bitten der Studenten um
ein ihnen zu empfehlendes Thema. Die richtige Antwort auf eine
solche Bitte oder Frage dürfte doch immer die sein: ‚Das müssen
Sie mir sagen, nicht ich Ihnen, was für ein Thema Ihnen am besteu
paßt oder liegt!‘ “.
Freilich ist diese „richtige“ Antwort doch gar sehr cum grano
salis zu verstehen: denn der Rat eines erfahrenen Mannes, von dem
wir unter n. 1 gesprochen haben, bleibt stets eine sehr wünschenswerte
und fördernde Beihilfe. Nur soll er eben die persönliche Mitwirkung
und Entscheidung fördern, nicht aber ersetzen.
6. Der Weg des eigenen Suchens nach einem Thema
bleibt aber stets ein recht mühsamer und beschwerlicher
und nur zu leicht wird mancher bei dem langen Suchen
kopfscheu werden und sich überdrüssig abwenden. Wenn
man der Versicherung des Herausgebers der „Zeitschrift
für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde des
Urchristentums“ glauben darf, steht es ja überhaupt in
weiten Kreisen mit der Wahl des "Themas recht bedenklich.
 „Es ist in der Tat ein Jammer“, sagt Erwin Preuschen
in seinem Organ, „zu sehen, wie jahraus jahrein zahlreiche
Programme, Dissertationen und Aufsätze sich mit vollkommen
 unfruchtbaren Untersuchungen abquälen, weil die
Wahl des Themas verfehlt oder das Problem verkehrt
angefaßt ist“*).
Um den Weg etwas zu ebnen und einer Fehlwahl
vorzubeugen, ist daher schon mehrfach der Versuch gemacht
 worden, durch eine Zusammenstellung von
„Desiderata“ eines Faches eine reiche Auswahl von
möglichen Themata zu bieten. Heinrich Weinel machte in
der genannten Zeitschrift einen‘ dahin zielenden Vorschlag?),
 der den Herausgeber in seiner zustimmenden Bemerkung
 zu dem angeführten Urteil veranlaßte. Doch
scheint es über den ersten Anfang, den Weinel selbst mit
sieben Nummern machte, nicht weit hinausgekommen zu
sein, wenngleich in dieser wie in anderen Fachzeitschriften
') E. Preuschen in: Zts. f. neutest. Wiss. 1 (1900) 351.
?) H. Weinel ebd. 347—51.

19?
        <pb n="136" />
        iz Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
mancherlei Anregung zu zeitgemäßen Arbeiten gegeben
wird. Es wäre gewiß mit Freuden zu begrüßen, wenn
„Gelehrte, denen mehr Probleme aufstoßen, als sie bewältigen
 können, die Aufgaben bekannt geben, deren
Lösung ihnen wünschenswert erscheint“*!), oder wenn solche
Aufgaben aus größeren Werken in den wissenschaftlichen
Zeitschriften ans Licht gezogen würden.
Dom Germain Morin ist in dieser Beziehung mit gutem Beispiele
vorangegangen, indem er eine Liste von Aufgaben über die lateinische
Literatur des Mittelalters veröffentlichte, die ihm bei seinen langjährigen
Arbeiten aufgefallen waren („De la. besogne pour les jeunes. Sujets
de travaux sur la litterature latine du moyen äge“ in: Revue d’ histoire
ecclesiastique 6 [1905] 327—45).
Ein anderer gelehrter Benediktiner, der große Jean Mabillon, hat
vor mehr als zweihundert Jahren seinem „Traite des etudes monastiques“
 ebenfalls ein ziemlich umfangreiches Verzeichnis wissenschaftlicher
 Aufgaben beigefügt unter dem Titel „Liste des principales diffßcultes
 qui se rencontrent dans la lecture des conciles, des Peres et de
I’ histoire ecclesiastique“ (in der lateinischen Übersetzung des „Tractatus“
von Gius. Porta [1? Venedig 1729] p. 270—94). Den einzelnen Punkten
fügte er die Angaben über die wichtigste Literatur hinzu. Einen Auszug
daraus bot Dom J.-M. Besse in seiner zusammenfassenden Bearbeitung
der Schrift Mabillons (Les etudes ecclesiastiques d’apres la methode de
Mabillon [*Paris 1902] 125—43).
Eine übersichtliche Zusammenstellung der wichtigeren Themata,
die in den verschiedenen. Hochschulseminaren als Seminararbeiten behandelt
 wurden und werden, ergäbe ebenfalls ein lehrreiches und anregendes
 Verzeichnis von Aufgaben für die wissenschaftliche Arbeit.
Auch eine Übersicht über die alljährlich von allen Fakultäten gestellten
 und zu stellenden Preisaufgaben würde manch guten Fingerzeig
geben können. Aus den verschiedenen Gebieten der Theologie hat
Msgr. Turinaz ein ähnliches Verzeichnis von Gegenständen der Disputationen
 und Dissertationen des Seminars von Nancy zusammengestellt
(La vraie methode des 6tudes ecclesiastiques [Nancy 1903] 111—7).
Für Prüfungsarbeiten aus dem Gebiete der Philosophie bietet die
früher zitierte Schrift von H. Vaihinger, Die Philosophie in der Staatsprüfung
 (Berlin 1906) eine Sammlung von 340 Themata. — Vgl. auch
L. Hahn in: Blätter f. d. Gymnasialwesen 1909 und Spyr. P. Lambros,
Byzantinische Desiderata, in: Bvyz. Zts. 1 (1892) 185—201.
Trotz des unleugbaren Nutzens, den solche Listen von
Themata gewähren können, bleibt es sicher richtig, was
&amp;gt;) E. Preuschen aaQ0.

‘94
        <pb n="137" />
        Bemerkungen für die Praxis 1935
die „Revue d’histoire ecclesiastique“ zu dem Vorschlag
Weinels bemerkte: „Le veritable' moyen d’epagner une
depense d’efforts improductivs est d’initier les jeunes gens
au travail personnel, de les habituer ä se tenir: au courant
des progres et cons6quemment des desiderata de la science,
de leur apprendre ä choisir non seulement des sujets neufs
mais encore appropries ä leur temperament et en rapport
avec les facilite&amp;amp;s materielles dont ils peuvent disposer pour
leurs recherches“*).
') Rev. d’hist, ecel. 2 (1901) 152.

4.
        <pb n="138" />
        126

Das Sammeln des Stoffes
Zweiter Abschnitt
Das Sammeln des Stoffes
42, Einleitendes, 1. Der erste Schritt zu einer wissenschaftlichen
 Arbeit ist die Wahl des Themas. Über die
Bestimmung und Aufgabe eines Baues muß der Baumeister
im klaren sein, bevor er den Plan im einzelnen entwerfen
und das Material für die Ausführung herbeischaffen kann.
Doch während der Architekt mit bekanntem und leicht
verfügbarem Material zu arbeiten hat, und daher zuerst den
Plan entwirft und dann die verschiedenen Arten von Materialien
 herbeischafft, gilt für den Meister des geistigen
Baues bei der wissenschaftlichen Arbeit eine andere Regel.
Sein Stoff ist ihm selbst wie den anderen zum größten
Teil noch gar nicht oder doch nicht hinreichend bekannt;
denn beim Beginne seiner Arbeit kann er es für gewöhnlich
nicht beurteilen, was sich aus den Nachforschungen und
Untersuchungen ergeben wird. Deshalb muß er zuerst sein
Material sammeln und kann erst dann seinen Plan im einzelnen
 entwerfen; denn der Plan setzt eine genaue Kenntnis
des Materials voraus. Gewisse allgemeine Normen bleiben
zwar dafür maßgebend. Aber in das Prokrustesbett eines
feststehenden Schemas läßt sich der wissenschaftliche Stoff
nicht hineinzwängen. Die Chrie mit ihren sieben Fragen
muß den Schüleraufsätzen am Gymnasium überlassen bleiben.
2. Ist also das Thema bestimmt, so muß die Arbeit des
Sammelns beginnen. Sie muß eine selbständige, persön-
        <pb n="139" />
        Einleitendes &amp;amp;
liche Leistung sein und wird daher auch den Stempel des
Persönlichen und Individuellen an sich tragen. Daher wird
man einer methodischen Behandlung‘ dieser Sammelarbeit
auch das Wort Goethes entgegenhalten: „Eines schickt sich
nicht für alle: sehe jeder, wie er’s treibe!“. Das Wort hat
seine Berechtigung. Doch es steht einer vernünftigen methodischen
 Behandlung der Hauptpunkte durchaus nicht im
Wege. Es soll ja nicht ein gemeinsames, für alle passendes
 Schema vorgezeichnet, sondern auf einige, prinzipiell
wichtige Punkte hingewiesen und für die Praxis auf einige
Winke aufmerksam gemacht werden, die den Weg zum
Ziele erleichtern und vielleicht manchen Umweg ersparen
können. Wer hätte denn noch nicht die Klagen über solch
beschwerliche Umwege und viel verlorene Zeit gehört?
Dem Manne der Wissenschaft, der seine Lehrjahre längst
hinter sich hat, mögen diese methodischen Erörterungen
immerhin wenig zu bieten haben. Dem strebsamen Musensohn
 werden sie zu Beginn des Weges nicht ganz unwillkommen
 sein,
3. Bei diesen Erörterungen ist noch ein Punkt zu beachten.
 Im Interesse der methodischen Untersuchung werden
die einzelnen Teile getrennt voneinander behandelt. Bei der
praktischen Arbeit müssen sie in beständiger Fühlung miteinander
 bleiben und sich wechselseitig durchdringen. Schon
die Wahl des Themas kann nicht vor dem Sammeln und
Verarbeiten des Stoffes zum vollständigen Abschluß gelangen.
Das .konkrete Desideratum stellt sich in der Regel erst
während der Arbeit heraus, wie schon bemerkt. wurde,
und ermöglicht erst so die genaue Fassung und Bestimmung
des Gegenstandes der Arbeit. Ebenso kann das Sammeln
des Stoffes nicht von der Kritik der Quellen und des Textes
und von der Interpretation ihres Inhaltes losgeschält werden.
Die theoretische Betrachtung muß aber im Interesse der
Klarheit die praktisch vereinten Funktionen auseinander
halten‘).
') Vgl. E, Bernheim, Lehrbuch® 563 f u. 3.

19"
        <pb n="140" />
        Das Sammeln des Stoffes
4. Für das Sammeln des Stoffes ist es nun vor allem
wichtig zu wissen, woher der Stoff zu nehmen ist. Die
Antwort auf diese Frage gibt die Quellenkunde, die man
auch als „Heuristik“ bezeichnet. Zur Ergänzung derselben
dient die gedrängte Übersicht über die Quellennachweise (die
bibliographischen Hilfsmittel und Quellensammlungen). Für
die Art und Weise, wie man aus diesen Quellen zu schöpfen
hat, können einige methodische Bemerkungen über das
Studium und die Lektüre von Nutzen sein. Um schließlich
den Weg anzugeben, wie man das Ergebnis der Sammelarbeit
 in geordneter Weise zu bewahren hat, ist die Kollektaneenfrage
 kurz zu erörtern.
SA

128
        <pb n="141" />
        Quellenkunde, Begriff und Aufgabe
Zwolftes Kapitel
Quellenkunde
43. Begriff und Aufgabe. 1. Unter Quellenkunde
verstehen wir hier die Lehre von den wissenschaftlichen
Quellen im weiteren Sinne, d. h. von den ursprünglichen
Fundorten des Stoffes für eine wissenschaftliche Arbeit und
von den Hilfsmitteln zur Auffindung desselber
9. Der Begriff „Quelle“ hat zumeist wohl in der Geschichtswissenschaft
 Aufnahme und Verbreitung gefunden zur Bezeichnung
 des Materials, woraus dieselbe ihre Erkenntnis
schöpft. X. Bernheim definiert die historischen Quellen als
„Resultate menschlicher Betätigungen, welche zur Erkenntnis
 und zum Nachweis geschichtlicher Tatsachen entweder
ursprünglich bestimmt oder doch vermöge ihrer Existenz,
Entstehung und sonstiger Verhältnisse vorzugsweise geeignet
sind“1). Wir dürfen aber die Bezeichnung im weiteren Sinne
auch auf das Material der wissenschaftlichen Arbeit im
allgemeinen anwenden, soweit sie für unsere Erörterungen
hier in Betracht kommt. Es wird jedoch nicht alles und
jedes Material schl2chthin zu den wissenschaftlichen Quellen
gerechnet werder. können. Schon der Name „Quelle“ führt
uns zum Ursprung hinauf, wo das auch in den Kanälen
und Rinnsalen fließende Wasser in ungetrübter Klarheit
aus dem Felsen sprudelt. So können wir auch den Gegen-1)
 E. Bernheim, Lehrbuch* 752,
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3, Aufl.

129
        <pb n="142" />
        S Quellenkunde
stand unserer wissenschaftlichen Erkenntnis vielleicht in
mancherlei abgeleiteten Formen in gelehrten Darstellungen
und Abhandlungen finden, nachdem er schon durch viele
Hände hindurchgegangen ist. Er wird sich uns dort aber
nur mehr oder minder in veränderter Gestalt und mit
allerlei Zutaten behaftet zeigen, von denen er sich auf einem
längeren Wege nie ganz frei halten kann. Die ungetrübte
Frische und Fülle behält unser Material gewöhnlich nur an
seinem ursprünglichen Fundort. Dorthin müssen wir daher
vorzudringen suchen, um wirklich aus der Quelle der Wissenschaften
 zu schöpfen. Erst wo der Weg dahin vollständig
 verschlossen und unzugänglich ist, kann uns das
Material aus zweiter, dritter, vierter Hand als Notbehelf
dienen. Wenn man diesen Notbehelf als „abgeleitete Quelle“
im weiteren Sinne bezeichnet, so soll er doch durchaus
nicht der eigentlichen Quelle gleichgestellt werden: er bleibt
ein abgeleiteter Kanal, vertritt aber die Stelle der Quelle,
solange diese völlig unzugänglich ist. Je weiter wir uns
aber damit von dem ursprünglichen Fundort entfernen,
desto weniger kann von wissenschaftlichen Quellen und
quellenmäßiger Erkenntnis bei unserer Arbeit die Rede sein.
H. Schrörs bemerkt zu diesen Ausführungen, daß der Begriff der
„wissenschaftlichen Quelle“ „in Bezug auf die zu erkennende Sache, nicht
in Bezug auf das erkennende Subjekt gefaßt werden“ müsse, wie es
von mir geschehe. „Nicht jeder ‚Fundort‘, auch nicht jeder ‚ursprüngliche
 Fundort‘, sondern nur jenes Medium, das objektiv die unmittel
barste Erkenntnis gestattet, kann Quelle sein“ (Deutsche Ltztg. 29
[1908] 3083).
In der Sache stimme ich meinem verehrten Kritiker vollkommen
bei. Nur glaube ich, daß die Beziehung des ursprünglichen Fundortes
auf das erkennende Subjekt, und nicht auf die zu erkennende Sache,
in meinen Worten nicht enthalten ist. Der ursprüngliche Fundort, wo
objektiv die zu erkennende Sache in ursprünglicher Reinheit und ohne
Zutat zu finden ist wie das Wasser in der Quelle, ist eben „jenes
Medium, das objektiv die unmittelbarste Erkenntnis gestatiet“,
Ebenso bin ich vollkommen damit einverstanden, daß „eine .abgeleitete
 Quelle‘ keine Quelle ist, wenn die ursprüngliche zugänglich
ist“, meine aber auch dies ausdrücklich schon in der ersten Auflapye
betont zu haben; in der obigen Fassung tritt es noch deutlicher hervor.
Es folgt daraus keineswegs, daß jede wissenschafiliche Bearbeitung

130
        <pb n="143" />
        Begriff und Aufgabe 131
überhaupt als „ahgeleitete Quelle“ anzusehen sei, was Prof. Schrörs mit
Recht als einen Fehler bezeichnet.
Im übrigen bemerkt derselbe sehr zutreffend, daß „der Anfänger
nicht energisch genug (darauf) hingewiesen werden kann, die Grenzlinie
zwischen Quelle und wissenschaftlicher Bearbeitung (zu) ziehen“. Der
Fehler, die letztere einfachhin als „abgeleitete Quelle“ zu bezeichnen,
„verführt den angehenden Jünger der Wissenschaft zu dem ohnehin
so naheliegenden Irrtum, das, woraus er zufällig geschöpft hat, als
Quelle zu werten, anstatt ihm mit skeptischer Kritik entgegenzutreten“
(aaQ.).
3. Aufgabe der „Quellenkunde“ ist es also, zunächst uns
mit den ursprünglichen Fundorten des wissenschaftlichen
Materials, mit dem wir uns beschäftigen, bekannt zu machen.
Je nach der mannigfachen Verschiedenheit dieses Materials
muß sich aber jene Aufgabe praktisch sehr verschieden gestalten.
 Für die Geschichtsforschung, die als Ziel die Vergegenwärtigung
 der vollen historischen Wahrheit anstrebt,
wird sich die Quellenkunde mit allem dem befassen müssen,
was für den Nachweis und die Erkenntnis geschichtlicher
Tatsachen in erster Linie als Überrest oder als Zeuge der
Überlieferung in Betracht kommt. Für sprachliche Studien
wird sie den Weg dazu zeigen müssen, das Material zur
richtigen Erkenntnis einer Sprache in einer bestimmten
Periode zu finden oder für ein Sprachdenkmal die Mittel
zum richtigen Verständnis desselben in seinem ursprünglichen
 Text nach Form und Inhalt zu erlangen. Bei dogmatischen
 Untersuchungen hat sie sich als Lehre von den
„loci theologiei“ mit den Quellen der Offenbarung, der
hl. Schrift und den Denkmälern der kirchlichen Tradition
zu beschäftigen.
4. Um jedoch ihrer ersten und vornehmsten Aufgabe gerecht
 zu werden, muß die Quellenkunde auch die Lehre
von den hauptsächlicheren Hilfsmitteln in ihren Bereich
ziehen, die zur Auffindung des Stoffes aus den eigentlichen
Quellen geeignet sind. Sie hat daher die wichtigeren bibliographischen
 Angaben über Quellensammlungen und Quellennachweise
 und sonstige praktische Behelfe bei der wissenschaftlichen
 Arbeit zu bieten.

Q*
        <pb n="144" />
        Quellenkunde
44. Notwendigkeit und Bedeutung. 1. Die Notwendigkeit
 der Quellenkunde ergibt sich zuvörderst mit
Rücksicht auf die ersten Schritte zu Beginn der wissenschaftlichen
 Laufbahn ganz von selbst. Die Neuheit der
Aufgabe, die. Schwierigkeit der Arbeit, die mannigfaltige
Fülle des Materials, das oft aus weitentlegenen und zerstreuten
 Angaben und Tatsachen gesammelt werden muß,
alles ist gar sehr dazu angetan, den Mut und die Ausdauer
des Anfängers auf eine harte Probe zu stellen. Er sieht
sich ringsum von kleinen und großen Lichtern umgeben:
wohin soll er sich wenden? Wird’s kein Irrlicht sein, wenn
er diesem oder jenem zu folgen sich entschließt?
Vor Irrwegen kann ihn nur eine gründliche Kenntnis
der Quellen für seine Arbeit und der notwendigen Hilfsmittel
 zu Beginn derselben bewahren. Sie wird ihn ohne
unnütze Vergeudung von Zeit und Kraft gleich zum rechten
Platz hinführen, wo er seine Hacke und seinen Hammer
gebrauchen kann.
2. Die Praxis ist daher auch so überzeugt von dieser
Notwendigkeit der Quellenkunde, daß sie es so ziemlich
bei jeder Arbeit als erstes betrachtet, sich die „Literatur“
zum Thema zu beschaffen, d. h. eben die Quellen und
Hilfsmittel zur Auffindung des Materials für die Arbeit.
Freilich kommt es dabei nicht so sehr auf eine möglichst
vollständige Liste der Bücher und Schriften an, als vielmehr
 auf die praktische Vertrautheit mit dem Quellenmaterial
 der Arbeit und mit den Hilfsmitteln, die zur
Auffindung desselben dienlich sein können. Die Praxis
nimmt aber doch in jedem einzelnen Falle die Dienste der
Quellenkunde als ganz unumgänglich notwendig für die
wissenschaftliche Arbeit in Anspruch.
3. Sie hat jedoch diese Dienste auch während der ganzen
Arbeit immer wieder nötig. Denn mit dem einmaligen
Benutzen der Quellen ist die Aufgabe des Jüngers der
Wissenschaft‘ noch längst nicht gelöst. Auch wenn er
schon ergraut ist in ihrem Dienste, muß er immer wieder
zu den Quellen zurück, um neues Material zu schöpfen

132
        <pb n="145" />
        Notwendigkeit und Bedeutung. Allgemeine Regeln 133
oder das alte zu vergleichen oder auch zu neuen Quellen
vorzudringen. i
4. Daraus wird auch schon die große Bedeutung der
Quellenkunde leicht klar. Man darf wohl behaupten, daß
das Maß des Erfolges einer wissenschaftlichen Untersuchung
zu einem großem Teile durch das Maß der Kenntnis der
Quellen und Hilfsmittel bedingt ist. Je vertrauter einer damit
 ist, desto mehr vermag er aus dem vollen zu schöpfen
und desto allseitiger wird er die Ergebnisse seiner Arbeit
vorlegen und beweisen können.
45. Allgemeine Regeln. „Was im einzelnen Falle
als Quelle anzusehen ist“, bemerkt Bernheim mit Recht
„hängt von dem jeweiligen Forschungsobjekt, also von der
Thema- oder Fragestellung ab“!). Für ein ganzes Forschungsgebiet
 oder gar für verschiedene, voneinander getrennte
 Gebiete lassen sich deshalb die genauen Einzelanweisungen
 für die Quellenkunde nicht geben. Wir können jedoch
wohl einige allgemeine Regeln ins Auge fassen, die den
Weg zur Auffindung der besonderen Quellen für unser
Thema leichter gangbar machen.
1. Man muß sich zunächst eine gute Kenntnis deı
für das eigene Arbeitsgebiet wichtigen größeren Quellensammlungen
 und allgemeinen bibliographischen
 Hilfsmittel verschaffen. Einige der wichtigeren
 werden wir im Anhang anführen nebst den nötigen
Literaturangaben, die für weitere Studien hierüber dienlich
sein können.
Derartige Sammlungen und Hilfsmittel bilden gewissermaßen
 das „Handwerkszeug“, auf das man sich in der
Werkstatt der Wissenschaft verstehen muß. Ebendeshalb
darf aber die Kenntnis desselben keine bloß theoretische sein.
Sie muß durch Übung und Gebrauch zu einer praktischen
Vertrautheit werden.
9. Man suche dann in möglichst umfassender Weise
zu allen erreichbaren Quellen auf dem eigenen
r ‘) E. Bernheim, Lehrbuch* 253.
        <pb n="146" />
        Quellenkunde
Gebiete zu gelangen. Nichts darf als zu klein und unbedeutend
 beiseite gelassen werden, wenn es irgendwie
geeignet erscheint, ein Licht auf den Gegenstand unserer
Frage zu werfen. Wie man die Entwicklungsstufe und den
Höhestand der Ausbildung einer Wissenschaft zum großen
Teile an dem Umfang des Quellenkreises bemessen kann,
den sie in den Bereich ihrer Betrachtung zieht, so ist auch
der Umfang und das Maß der Quellenbenutzung ein Gradmesser
 für den wissenschaftlichen Wert und Charakter
einer Arbeit.
Als Beispiel einer umfassenden Quellenbetrachtung kann die kurze
Übersicht der geschichtlichen Quellen dienen, wie sie z. B. von Bernheim
in seinem Lehrbuch geboten wird (p. 255—9). Von den zwei Klassen
der historischen Quellen, Überreste und Tradition, umfaßt die erstere
die Überreste im engeren Sinne, nämlich körperliche Reste, Sprache,
Zustände und Institutionen, Produkte, geschäftliche Akten, Briefe usw.
und Denkmäler, d. h. Inschriften, Monumente, Urkunden. Bei der Tradition
 wird eine bildliche, mündliche und schriftliche unterschieden,
Die bildliche Tradition besteht aus historischen Gemälden, Skulpturen
und überhaupt bildlichen Darstellungen geschichtlicher Persönlichkeiten,
Örtlichkeiten und Begebenheiten. Zur mündlichen Tradition werden
Erzählungen, Sagen, Anekdoten, Sprichwörter, historische Lieder gerechnet.
 Zur schriftlichen Tradition gehören Inschriften historischen
Inhalts, Kalender, Stammbäume und Genealogien, Annalen, Chroniken,
Memoiren, Biographien und alle anderen Arten von Geschichtsdarstel-Jungen.

3. Mit dieser umfassenden Benutzung der Quellen muß
das Studium der gesamten einschlägigen Literatur
 verbunden werden. Insbesondere ist es von großer
Wichtigkeit, die unserem Thema zunächst liegende Spezialliteratur
 durchzuarbeiten. Wenigstens die besseren Schriften
werden ‚reiche Ausbeute gewähren und Mühe und Zeit
vollauf lohnen. Man wird auf viele Quellen und Hilfsmittel
 aufmerksam, die auch für die eigene Arbeit von
Nutzen sein können, und findet dazu vielleicht noch manch
guten Wink für die Verarbeitung und Darstellung seines
Stoffes und selbst für die genauere und klarere Fassung
des Themas.
Es ist richtig, daß für Anfänger die Gefahr besteht, „ihr Studium
der eigentlichen Quelle durch das Zuziehen von fremden Bearbeitungen

194
        <pb n="147" />
        Allgemeine Regeln 135
des Themas zu trüben. Solche Spezialliteratur frommt dem Jünger
eines Faches doch erst dann, wenn er sich an ein selbständiges Arbeiten
mit dem primären Materiale gewöhnt hat“ (H. Schmidkunz in: Zts. für
Philos. u. Pädag. 15 [1908] 510). Wir weisen im Verlaufe unserer
Ausführungen wiederholt auf diese Gefahr hin. Aber in diesen „allgemeinen
 Regeln“ für die Quellenkunde durfte eine Mahnung über das
Studium der gesamten einschlägigen Literatur nicht fehlen, obwohl
diese dem Studium der eigentlichen Quellen folgen, nicht vorausgehen
soll. Vgl. unten n. 48, 2.
4A, Um zu einer allseitigen Quellenbenutzung zu ge-Jangen,
 genügt es in vielen Fällen nicht, sich auf das
eigene Fachgebiet zu beschränken. Vor allem muß man
die sogenannten Hilfswissenschaften beachten, die
mehr oder weniger unmittelbar zur Erreichung des vorgestreckten
 Zieles auf dem eigenen Gebiete behilflich sein sollen.
Man darf sich dabei aber nicht etwa mit jenen Disziplinen
 begnügen, die einem durch das Herkommen gewissermassen
 als offizielle Helfer bezeichnet werden. Die
Schranken, die in der Theorie zwischen den einzelnen Gebieten
 des Wissens aufgerichtet sind, bestehen für die
Praxis nur in einem sehr begrenzten Maße. Vielgestaltig
tritt uns zwar die Wahrheit entgegen, deren Erforschung
sich. die verschiedenen Wissenschaften zum Ziele setzen.
Aber als Abglanz der einen ewigen Wahrheit besitzt doch
auch der Gegenstand des menschlichen Forschens bei aller
Mannigfaltigkeit eine gewisse organische Einheit und bewirkt
 so den einheitlichen Zusammenhang alles Wissens.
Infolge dieser organischen Zusammengehörigkeit sehen wir
auf allen Seiten die Grenzgebiete ineinander hineinragen
und sich gegenseitig voraussetzen und ergänzen. Je nach
der Beschaffenheit des eigenen Gegenstandes werden diese
Grenzgebiete sehr verschieden sein. Wir müssen denselben
aber ernstlich unsere Aufmerksamkeit zuwenden und auch
die Quellen und Hilfsmittel dieser Grenzgebiete für unsere
Arbeit zu Rate ziehen.
In manchen Fällen wird man selbst in scheinbar ganz entlegene
Gebiete hinübergreifen müssen. Der Philologe, der einen patristischen
Text zu bearbeiten unternimmt, wird ohne Theologie seiner Aufgabe
nicht gerecht werden können, obwohl dieselbe nicht wie die Palaeo-
        <pb n="148" />
        : Quellenkunde
graphie, Epigraphik, Chronologie und Metrologie zu den offiziellen philologischen
 Hilfsdiziplinen gerechnet werden kann. Für den Exegeten
gelten als ordnungsmäßige Helfer außer dem weiten Gebiet der Orientalia
 insbesondere die biblische Einleitung, Geschichte, Chronologie,
Geographie, Archäologie, Philologie und Theologie; trotzdem wird er
z. B. für die Erklärung der Parabeln Jesu nicht selten auch bei den
Naturwissenschaften eine Anleihe machen müssen, während er sich für
eine gründliche Behandlung der Heilungswunder des Herrn selbst auf
medizinische Studien angewiesen sieht.
Zuweilen mag es bei derartigen ineinander greifenden Stoffen
schwer sein zu entscheiden, wem die Bearbeitung zuzuweisen ist, ob
z. B. dem Philologen oder dem Theologen. Die Entscheidung wird in
der Regel davon abhängen, welches Fach bei der Behandlung des
Gegenstandes die Führung zu übernehmen hat. Kommt es z. B. besonders
 auf die richtige Auffassung und Darstellung der Lehre eines
altchristlichen Schriftstellers an, oder ist die Herstellung und Interpretation
 eines patristischen Textes davon wesentlich beeinflußt, so ist
die Aufgabe in der Regel als vorherrschend theologisch zu betrachten
und einem philologisch gebildeten Theologen zu überlassen. Jedenfalls
muß aber bei solchen Stoffen das eine wie das andere Gebiet mit seinen
ihm eigentümlichen Quellen und Hilfsmitteln in gebührender Weise
berücksichtigt werden (vgl. Bernheim, Hist. Meth. 282 f).
Ein schönes Beispiel für die gründliche Beachtung der Grenzgebiete
 gab der „Vater der christlichen Archäologie“, Giovanni Battista
 de Rossi. Da er bei der Erforschung des christlichen Altertums
mit seinen Denkmälern und Inschriften auf Schritt und Tritt neben
seinen archäologischen Fachkenntnissen auch der theologischen Wissenschaft
 bedurfte, scheute er nicht vor der keineswegs geringen Mühe
zurück, mit ausdauerndem Eifer den theologischen Vorlesungen an der
Gregorianischen Universität während mehrerer Jahre zu folgen. Der
spätere Erfolg zeigte, daß er nicht umsonst so großen Wert darauf
gelegt hatte, in jeder Beziehung wohlgerüstet an sein Lebenswerk heranzutreten‘).

5. Das Verhältnis zu den Quellen wird bei den verschiedenen
 Teilen einer wissenschaftlichen Arbeit nicht
überall das gleiche sein. Hinsichtlich des Hauptgegenstandes
 der Untersuchung und aller seiner wesentlichen
 Punkte muß es als unverbrüchliche Regel gelten,
stets so weit als möglich zur ursprünglichen
Quelle vorzudringen und sich nicht mit den Angaben
') Ich entnehme diese Angaben über de Rossi den mündlichen
Mitteilungen von Professoren der Universita Gregoriana in Rom.

136
        <pb n="149" />
        Allgemeine Regeln
aus zweiter oder dritter oder noch späterer Hand zu begnügen.
 Solch spätere Mitteilungen können uns wohl als
Wegmarken auf unserer Bahn dienen, aber wir müssen
selbst weiter den steilen Pfad hinan, um zur frischen
Quelle an der Felswand zu gelangen. Wir werden noch
des öfteren auf diese Haupt- und Grundregel alles wissenschaftlichen
 Arbeitens zurückkommen.
Anders verhält es sich mit den gelegentlichen Angaben
 und nebensächlichen Dingen, die mit unserem Stoff
und den einschlägigen Grenzgebieten in gar keiner näheren
Verbindung stehen. Da wäre es sicherlich zu viel verlangt,
wenn man z. B. bei der gelegentlichen Erwähnung einer
Begebenheit aus der assyrischen oder ägyptischen Geschichte
stets unmittelbar auf die keilschriftlichen oder hieroglyphischen
 Texte zurückgehen müßte, die uns als erste und
älteste Quelle etwas über jenes Ereignis berichten. Wir
müssen uns bei solchen Angaben oft damit begnügen,
nur mittelbar aus der Quelle zu schöpfen und auf die
Darstellung der betreffenden Begebenheit in einer Bearbeitung
 der assyrischen oder ägyptischen Geschichte zu
verweisen.
Der Charakter der wissenschaftlichen Arbeit verlangt
aber selbst hier, daß man der ursprünglichen Quelle nach
Möglichkeit nahe zu kommen suche, soweit dieselbe für
uns erreichbar ist. Handelt es sich daher z. B. um Texte
aus den uns zugänglichen Literaturen, so müssen dieselben
wenn möglich in der besten kritischen Ausgabe des
Originals eingesehen werden. Kommen andere Punkte
in Betracht, für die wir nicht selbst auf das Original
zurückgehen können, so dürfen für gewöhnlich nur Bearbeitungen
 und Darstellungen von solchen Verfassern zu
Rate gezogen werden, die selbst aus den ursprünglichen
Quellen geschöpft haben und in dem betreffenden Fach
als wissenschaftliche Autoritäten anzusehen sind. Kleine
Kompendien oder Unterhaltungsschriften oder gar Zeitungsartikel
 als „Quelle“ zu benutzen, würde in der Regel als
arger Verstoß gegen die Wissenschaftlichkeit der Arbeit

137
        <pb n="150" />
        ? Quellenkunde
gelten, wenn nicht etwa eine historische, pädagogische,
literarische. oder soziglwissenschaftliche Untersuchung sich
auch mit diesem Material zu beschäftigen hat.
Wie wichtig das Zurückgehen auf die ursprünglichen Quellen ist,
kann uns wiederum das Beispiel de Rossis zeigen. Den Grund zu seinen
großartigen Entdeckungen in den römischen Katakomben legte er in
wiederholten längeren Reisen durch Italien, die Schweiz, Frankreich,
England, die Rheinlande, Bayern, Österreich, bei denen er in den Bibliotheken
 und Archiven die Texte der frühesten Itinerarien und alle
sonstigen ältesten Nachrichten über. die Lage und die Denkmäler der
Cömeterien Roms studierte und sammelte. So konnte er dann mit
aller Sicherheit den Spaten ansetzen und aus den verschütteten und
verschollenen Grüften das Material zu seiner „Roma sotterranea“ und
seinen „Inscriptiones christianae Urbis Romae* zu Tage fördern (vgl.
A. de Waal im Kirchenlexikon? 10, 1303—7).
6. Für dieses Verhältnis zu den Quellen ist es daher
von großer Wichtigkeit, dieselben richtig zu beurteilen
und zu unterscheiden. Schon beim Sammeln des
Stoffes muß man deshalb stets die Regeln der Quellenkritik
 vor Augen haben, die in den Kapiteln über die
Verarbeitung des gesammelten Stoffes eingehender erörtert
werden.
Überall macht sich dabei der entscheidende Einfluß
der Fragestellung bemerkbar. Das Urteil über den Wert
und den Charakter einer Quelle wird ganz von der Richtung
 unseres Themas abhängen. Was für eine historische
Arbeit zur Feststellung einer geschichtlichen Tatsache ganz
belanglos wäre, kann für den Philologen oder den Erforscher
 der Volksliteratur einen großen Wert haben. Das
gefälschte Dokument, das der Historiker als wertlose Quelle
über eine Stiftung beiseite schiebt, gewinnt für ihn selbst
vielleicht eine grundlegende Bedeutung, sobald er sich mit
der Person und dem Charakter des Fälschers näher zu
beschäftigen hat.
Wie’ es deshalb mit den Quellen für die eigene Arbeit
im besonderen steht, muß ein jeder bei seinen Vorarbeiten
nach Maßgabe des Themas und unter Benutzung der geeigneten
 Hilfsmittel im einzelnen festzustellen suchen. Dabei
 ist vorzüglich zu unterscheiden zwischen den eigentlichen

138
        <pb n="151" />
        Allgemeine Regeln. Quellennachweise 7
und ursprünglichen Quellen und zwischen den Hilfsmitteln
für die Sammlung des Materials, und bei den letzteren
wieder zwischen Hilfsmitteln erster Hand, ‚die unmittelbar
auf die Quellen zurückgehen, und solchen zweiter, dritter
und noch späterer Hand, die nur aus den Arbeiten anderer
 schöpfen.
Es bedarf wohl kaum des ausdrücklichen Hinweises darauf, daß
für die Kenntnis der Quellen und Hilfsmittel auch eine möglichst ausgedehnte
 Sprachenkenntnis erforderlich ist. Was an manchen
Universitäten als Bedingung z. B. für die Übernahme einer zoologischen
Dissertation gilt, daß der Kandidat französisch, englisch und italienisch
verstehe, könnte man fast als Voraussetzung für jede wissenschaftliche
Arbeit bezeichnen, soweit die modernen Sprachen in Frage kommen.
46. Quellennachweise. 1. Eine jede wissenschaftliche
Arbeit fordert vor allem die Anstrengung der eigenen persönlichen
 Kräfte und Fähigkeiten. Durch langjährige Leistung
 dieser persönlichen Arbeit wird man sich allmählich
 die beste und zuverlässigste Kenntnis der für das
eigene Arbeitsgebiet dienlichen Quellen und der notwendigen
 und nützlichen Hilfsmittel erwerben. Auch die besten
Bibliographien können diese selbsterworbene Kenntnis nicht
ersetzen. Sie können aber behilflich sein, dieselbe leichter
und schneller zu erlangen, und werden namentlich in den
ersten Zeiten der Arbeit die wesentlichsten Dienste leisten.
9, Gute Zusammenstellungen dieser bibliographischen
Hilfsmittel sind zwar schon mehrfach vorhanden. Eine
gedrängte Übersicht über die wichtigeren Werke dürfte
jedoch auch im Rahmen dieser Beiträge zur Methodik
willkommen sein. Sie muß sich aber, dem Zweck dieser
Schrift entsprechend, zunächst auf solche Hilfsmittel beschränken,
 die nicht bloß für ein einzelnes Spezialfach bestimmt
 sind, sondern für einen weiteren Kreis von wissenschaftlichen
 Arbeiten dienlich sein können. Dabei will unser
Verzeichnis in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit
 erheben.
Auf die Unterscheidung der bloß biographischen und der eigentlichen
 bibliogrephischen Se'.riften wurde keine Rücksicht genommen,

13°
        <pb n="152" />
        1. Quellenkunde
da die Aufgaben dieser beiden Arten von Hilfsmitieln sich gegenseitig
durchdringen und ergänzen. — Bei der Auswahl der angeführten Werke
war die Rücksicht auf die Interessen weiterer wissenschaftlicher Kreise
und vielfach auch auf die praktische Bedeutung einzelner Schriften
oder Sammlungen maßgebend. Daß dabei manche Wünsche unerfüllt
blieben, ist bei einer solchen Auswahl ebenso unvermeidlich wie der
Mangel einer lückenlosen und theoretisch streng konsequenten Liste,
Der Praxis schien aber so am meisten gedient zu sein.
Um die Darstellung nicht durch dieses lange bibliographische
Verzeichnis zu unterbrechen, wurde dasselbe in den Anhang verlegt.

A0
        <pb n="153" />
        Studium und Lektüre
Dreizehntes Kapitel
Studium und Lektüre
Vgl. Brother Azarias, Books and Reading. New York; 4. Berthold,
 Bücher und Wege zu Büchern. Stuttgart 1900; John Stuart
Blackie, Self-education. Edinburgh; &amp;amp;. Brandes, Über Lektüre, in:
Neue Freie Presse, Wien 1900 n. 12923—5; Alexandre Fichet, Arcana
studiorum omnium methodus et bibliotheca scientiarum librorumque
earum: ordine tributorum universalis. Lugduni 1649 (in: Petri Lambecii
Prodromus historiae litterariae. Lipsiae et Francofurti 1700); Joaquim
Ant. Ebstoa, Ensayo teorico-präctico sobre el arte de estudiar. Barcelona
 1908; Jaachim Fortius (Stark) Ringelbergius, De ratione discendi.
Lugduni Bat. 1622; Franz Hettinger, Timotheus (*Freiburg 1897)
392—6; Michael Hetzenauer, Abschreiben oder Benutzen? Innsbruck
1902; Karl Hilty, Lesen und Reden. *?Frauenfeld 1898; Hugo de S.
Victore, Eruditionis didascalicae seu de studio legendi libri septem (in:
Migne, Patr. lat. 176, 729—838); deutsch in: Sammlung der bedeut,
pädagog. Schriften 23 (Paderborn 1896); Claudii Judde Documenta
de necessitate atque de modo studendi ex gallico in latinum versa,
Viennae 1847; Heinr. Keiter, Die Kunst Bücher zu lesen. °Essen an der
Ruhr 1905; Kern und Stern des Studiums. Von einem Freunde der
studierenden Jugend. Hermeskeil 1899; Joh. Bernh. Krier, Das Studium
und die Privatlektüre. Freiburg 1904; Joh. Bapt. Molnar, De ratione
critica legendi libros moderni temporis sine iactura religionis et veritatis
libri duo. Posonii et Cassoviae 1776; Dan. Georg Morhof, Polyhistor
litterarius, philosophieus et practicus (*Lubecae 1747) 2 c. 8. p. 406—19;
O0’ Connor, Reading and the mind. New York; F. Paulsen, Die deutschen
Universitäten (Berlin 1902) 407 ff; Dionysii Petavii Orationes, Oratio 8
(De legendi delectu) et 9 (De discendi ratione) (Parisiis 1620, 248—96) ;
Ant. Possevino, Bibliotheca selecta 1 c. 12 (Quaenam pertineant ad
bonorum liborum usum) (Romae 1593, 56—683) ; deutsch in: Bibliothek der

141
        <pb n="154" />
        142 Studium und Lektüre
katholischen Pädagogik 11 (Freiburg 1901) 486—501; Franc. Sacchini,
De ratione libros cum profectu legendi libeHus. Ingolstadii 1614; ders.,
De vitanda librorum moribus noxiorum lectione oratio (erschien als
Anhang zum vorigen); beide Schriften deutsch in: Bibliothek der
kath. Pädagogik 10 (Freiburg 1898) 157—205; „Ant. E. Schönbach,
Über Lesen und Bildung. "Graz 1905; Jos. Seybold, Tractatus de prüdentia
 et iurisprudentia (Oeniponti 1727) Pars 2 fund. 283 p. 34—43;
Charles de Smedt, Principes da la critique historique (Liege 1883)
73—82; Ignatius Weitenauer, De modo Jegendi et excerpendi libri
duo. Augustae Vind. 1775; Fr. Xav. Wetzel, Die Lektüre. *Ravensburg
 [1897].
47. Voraussetzungen. Um den Stoff für ein bestimmtes
 Thema sammeln zu können, muß man zuerst die
Quellen kennen, die dafür in Betracht kommen. Die Quellenkunde
 soll uns diese Kenntnis vermitteln.
Sie kann uns aber nur den Weg zeigen, den wir zu
gehen haben. Was die Quellen für unsere Arbeit uns
bieten werden, darüber sagt sie uns wenig oder gar nichts.
Die Antwort auf diese zweite Frage sollen wir uns selbst
durch ernstes Studium suchen.
Es wird sich empfehlen, zuvörderst uns an einige
notwendige Voraussetzungen für dieses Studium zu erinnern,
 um dann einige Bemerkungen für die Praxis zu
beachten.
1. Vor allem muß als erste Voraussetzung das Hauptund
 Grundgesetz aller wissenschaftlichen Arbeit unverbrüchlich
 festgehalten werden. Es lautet: Geh zur Quelle
selbst und begnüge dich nicht mit einem abgeleiteten
 Rinnsal.
Mit vollstem Recht wird diese Forderung von den
Lehrern alter wie neuer Zeit erhoben und sie muß immer
wieder von neuem erhoben werden, weil sie leider von
nur zu vielen in neuer wie alter Zeit außer acht gelassen
wird. Die Gründe für ihre Berechtigung liegen auf der
Hand. Wem hätte nicht schon die eigene Erfahrung hundertfältige
 Proben vom Mutwillen des Druckfehlerkobolds
geliefert? Es möchte fast scheinen, dass er es gerade auf
die Quellenangabe und die Verweise auf frühere Schriften

Le
        <pb n="155" />
        Voraussetzungen 143
ganz besonders abgesehen hat. Wer sich mit solchen Angaben
 und Verweisen aus zweiter oder dritter Hand begnügt,
 setzt sich deshalb schon aus diesem Grunde stets
der Gefahr aus, mit solch unschönen fremden Federn geziert
 umherzuwandeln.
Nur zu häufig ist aber, wie Weitenauer an einer
Reihe von Beispielen zeigt!), nicht der Schriftsetzer, sondern
der Schriftsteller selbst der Urheber des Irrtums. Durch
falsche Auffassung der Worte einer Quellenschrift oder
Nichtbeachtung des Zusammenhanges oder der besonderen
Verhältnisse, auf die sich diese Worte beziehen, wird nur
zu leicht einem Ausspruch ein ganz fremder Sinn unterschoben.
 Dabei braucht noch längst nicht immer grobe
Fahrlässigkeit oder absichtliche Täuschung im Spiele zu
sein. Selbst ein sonst sorgfältiger Arbeiter wird sich nicht
von derartigen Menschlichkeiten ganz freisprechen können.
Wer sich daher kritiklos der Führung eines anderen überläßt
 und es verabsäumt, überall selbst die Quelle aufzusuchen,
 wird nur zu leicht von einem blinden Blindenführer
 auf falsche Bahn geleitet werden. Nur der wird
dieser Gefahr entgehen, der die Mühen des Weges bis zur
Quelle nicht scheut. Hier haben, wie Antonio Ballerini zu
sagen pflegte, die Worte des ungläubigen Thomas ihre
Berechtigung: „Nisi videro . . ., non ecredam“.
Jenes bequeme Sichbegnügen mit einem Auszug, den
andere aus den Quellen uns bieten, kann uns selbst der
Gefahr aussetzen, nicht einmal. den Anforderungen der Gerechtigkeit
 zu entsprechen. Denn die Quellen und ihre
Verfasser haben ein Recht darauf, selbst über ihre Ansicht
 befragt und nicht nach dem Urteil anderer gerichtet
zu werden, die ihnen fern und fremd und vielleicht
gar feindlich gegenüberstehen. Von solchen sich über die
Meinung eines Autors belehren zu lassen, müßte man mit
dem hl. Augustin ein höchst verwegenes Vorgehen nennen?).
') I. Weitenauer, De modo legendi 81—91.
?) S. Augustinus, De utilitate credendi c. 13. Corpus script. eccl.
lat. 25, 17.
        <pb n="156" />
        ‘I Studium und Lektüre
Doch auch abgesehen von diesen Gefahren fordert die
Würde der wissenschaftlichen Arbeit unbedingt ein Zurückgehen
 auf die ersten Quellen. Wie kann dort von einem
Streben nach Erkenntnis und Förderung der Wahrheit die
Rede sein, wo man sich damit begnügt, durch fremde
Brillen nach ihr zu schauen? Im günstigsten Falle wird
die Wissenschaft, wie Martin Gerbert bemerkt?), stets auf
dem gleichen Fleck stehen bleiben, wenn sie immer bloß
nach Kompendien und Auszügen wieder aufgewärmt wird.
Zur Förderung der Erkenntnis der Wahrheit reicht ein
solches schulmäßiges Lernen in keiner einzigen Frage aus.
Da es überhaupt auf ein Prüfen und Feststellen der Tatsachen
 verzichtet, kann es auf den Namen einer wissenschaftlichen
 Arbeit ja auch keinen Anspruch erheben.
Obwohl dieses Haupt- und Grundgesetz theoretisch von allen anerkannt
 wird, bleibt es in der Praxis doch nur zu oft unbeachtet.
Wollte man eine Beispielsammlung dafür anlegen, so würde leicht
jedes Gebiet eine beliebig große Zahl von Beiträgen dazu liefern.
Fehlerhafte Zitate und falsch aufgefaßte Texte gehen von einem Handbuch
 ins andere über, weil man die Mühe des Suchens nach der Quelle
scheut und mit blindem Vertrauen sich der Führung eines Autors überläßt.
 Nicht selten kann man Jahrhunderte hindurch diesen wenig
rühmlichen Prozeß verfolgen. Von Buch zu Buch ging bisher der
mifverstandene Text des hl. Johannes Chrysostomus über das Öl aus
der ehrwürdigen und köstlichen Lampe der Kirche (Hom. 32 al. 33 in
Matth. Migne, P. G. 57,384 f) und er wird auf seinem Gang wohl nicht
gleich einhalten trotz des Einspruches von Josef Kern (De sacr. Extremae
 Unetionis [Ratisbonae 1907] 29—32; vgl. Zeitschrift für kath.
Theol. 29 [1905] 382—9). Ebenso wird der alte Scholastiker Johannes
Maior (Jean le Maire) auch fernerhin noch wohl als Gewährsmann
dafür zitiert werden, daß man den unmündigen Kindern die letzte Ölung
spenden könne, wie es seit Jahrhunderten geschehen ist (Kern, De
sacr. Extr. Unet. 307) und die Worte des hl. Chrysostomus: „TO iepet
deikoy to E\xos“ (Hom. 3 de statuis n. 5. Migne, P. G. 49,54) werden
wohl noch lange in altüblicher Weise als Zeugnis für die Beichte
Geltung behalten, obgleich sie nach dem Zusammenhang auf die brüderliche
 Zurechtweisung zu beziehen sind (Boöleı dıopfchoar Tv 4delpÖv ;).
Weil es einmal Brauch ist, wird man auch weiterhin den Satz: „Die
1) M. Gerbert, Apparatus ad eruditionem theologicam (2, Blasii
1764) 117 f.

144
        <pb n="157" />
        Voraussetzungen ’
Tugenden der Heiden sind Laster“ als Worte Augustins und das berühmte
 „Credo quia absurdum“ als Ausspruch Tertullians zitieren,
obwohl der eine wie der andere entschieden Einspruch dagegen erheben.
 — Eine reichhaltige Sammlung von falschen Zitationen und
Anwendungen biblischer Texte in der Predigtliteratur veröffentlichte
J. V. Bainvel unter dem Titel: Les contresens bibliques des predicateurs
 (*Paris 1906), die auch in deutscher Übersetzung (von E. Schäfer)
erschien u. d. T.: Winke für die richtige Verwertung von Schrifttexten
in der Predigt (Rottenburg a. N. 1912).
Am allerwenigsten zu entschuldigen ist dieser Mangel des notwendigen
 Quellenstudiums bei solchen Werken, die ihrer Bestimmung
als Nachschlagebücher entsprechend bequeme Vermittler des Wissens
für viele werden sollen. Ist es nicht geradezu unverzeihlich, wenn z. B.
in der Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, die
man als unentbehrliches und in vieler Beziehung vorzügliches Nachschlagewerk
 immer wieder zur Hand nehmen muß, viele Bearbeiter
von Artikeln über katholische Einrichtungen und Anstalten es gänzlich
verabsäumen, die eigentlichen Quellen zu Rate zu ziehen, und sich
statt dessen mit den einseitigen und unwissenschaftlichen Darstellungen
aus zweiter oder dritter Hand begnügen? Wo es sich um einfache
geschichtliche Tatsachen handelt, würde man doch beim Zurückgehen
auf die Quellen zu einer richtigeren Erkenntnis und objektiveren Würdigung
 des gegnerischen Standpunktes gelangen können (vgl. die Nachweise
 in: Zeitschrift für kath. Theologie 25 [1901] 708—11; 28 [1904]
391—93). Aus dem gleichen Grunde ist es sehr zu bedauern, daß man
in den bibliographischen Notizen mancher fachwissenschaftlichen Zeitschriften
 sich auch in allzu häufigen Fällen mit der bequemen Art der
Angaben aus zweiter Hand begnügt, statt unmittelbar aus den Quellen
zu schöpfen.
2. Gerade beim Quellenstudium drängt sich jedem als
zweite Voraussetzung die weitere Forderung auf, seine
ganze Kraft in eigener, persönlicher und beharrlicher
 Arbeit einzusetzen.
Vielleicht mag es dem einen oder anderen fast überflüssig
 erscheinen, über diese Forderung ein Wort zu verlieren.
 Die tägliche Erfahrung lehrt aber zur Genüge, daß
es nicht ganz unnütz ist, auf diesen Punkt hinzuweisen.
Schon der Grund, weshalb das erwähnte erste Hauptund
 Grundgesetz vıelfach zu wenig beobachtet wird, kann
uns davon überzeugen. Denn schließlich ist die wahre Ursache
 in den meisten Fällen die Scheu vor der notwendigen
 eigenen Arbeit. Der Weg zur Quelle ist eben nur
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3. Aufl.

145
10
        <pb n="158" />
        Studium und Lektüre
zu oft ein steiler Bergpfad und viel bequemer ist es, sich
mit dem Rinnsal zur Seite des gewohnten breiten Weges
zu begnügen.
Für die Notwendigkeit eines Hinweises auf diese Forderung
 zeugt auch die beschämende Tatsache, daß sich
selbst auf wissenschaftlichem Gebiete ein fabrikmäßiger
Handelsbetrieb an die Öffentlichkeit wagen kann, der es
auf die direkte. Umgehung der eigenen persönlichen Arbeit
abgesehen hat. Daß einem private Bittschriften aus dem
Auslande mit hohem Honorarangebot und mit der flehentlichen
 Bitte um .eine wissenschaftliche Doktordissertation
über ein bestimmtes Thema zugehen, wird man zwar nicht
Joben, aber doch begreiflich finden können; man wird dabei
nur den Bittsteller bedauern, dessen Gesuch trotz alles
Flehens dem horror vacui des Papierkorbes zum Opfer fällt.
Aber daß sich sogar im heiligen deutschen Reiche eigene
Institute für diesen fabrikmäßigen Unterschleif auf wissenschaftlichem
 Gebiete bilden und ihre Ware in der Öffentlichkeit
 anpreisen dürfen, das mag manch einer unter den
Errungenschaften des zwanzigsten Jahrhunderts wohl kaum
vermutet haben.
Der Abgeordnete Dr. M. Flemisch macht in der „Allgemeinen
Rundschau“ (3 [1906] 194 f) auf diese wenig erfreuliche Tatsache aufmerksam.
 Er nennt drei von diesen wissenschaftlichen Fabriken: das
Aufsatzinstitüat von Artur Giegler in Leipzig, das für 20 Pfennig per
Quartseite einen Aufsatz oder eine Rede über jedes‘ beliebige Thema
zu liefern bereit ist; ferner ein Unternehmen, das in der „Bayerischen
Lehrerzeitung“ (1906 n. 45 S. 887) „Konferenzarbeiten gut. und billig“
empfiehlt; endlich das Anerbieten des Herrn Direktor a. D. Claise in
Breslau, der „zur rite Erwerbung der Doktorwürde jederzeit fertige
gute Abhandlungen von bewährten Fachleuten“ zur Verfügung stellen
möchte. Ob solche Institute gute Geschäfte machen, entzieht sich
leider unserer- Kenntnis. Doch schon die Tatsache, daß sie existieren
und in der Öffentlichkeit ihre Dienste anbieten, läßt die‘ Mahnung zu
ernster eigener Arbeit als nicht ganz überflüssig erscheinen.
Diese Arbeit muß aber notwendig eine beharrliche sein.
Eine schöne Arbeit anfangen, ist verhältnismäßig leicht.
Für acht oder vierzehn Tage wird die Begeisterung in der
Regel wohl ausreichen. Dann aber oder auch schon früher

146
        <pb n="159" />
        Voraussetzungen 7
stellen sich die ersten Schwierigkeiten ein. Man muß den
Kampf gegen dieselben mit der ganzen Willenskraft aufnehmen,
 um das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Statt abzuschrecken,
 sollen diese Schwierigkeiten erst recht unseren
Mut herausfordern und uns in ausdauernder Geduld nicht
eher ruhen lassen, als bis sie überwunden sind. „Labor
fidissimus comes est“, meint Alexandre Fichet mit Recht,
„et sponsor fidelissimus, semper habet eventus felices“?).
3. Mit dieser Forderung persönlicher und beharrlicher
Arbeit hängt die dritte Voraussetzung aufs engste zusammen:
Geize mit deiner Zeit.
Wenn man die Nachrichten über das Leben und -die
Arbeitsweise jener großen Gelehrten der Vorzeit durchgeht,
die mit ihren Werken den Fortschritt der Wissenschaften
in unseren Tagen ermöglichten, so wird man wohl ohne
Ausnahme bei allen die beiden Punkte wiederfinden: unermüdlich
 in der Arbeit und äußerst sparsam, ja geizig in
der Ausnützung ihrer Zeit.
Eine kleine Blütenlese aus dem „Nomenclator litterarius“ von
Hugo Hurter kann dies an einigen Beispielen zeigen?). Die Angaben
sind den drei letzten Bänden der dritten Auflage dieses Werkes entnommen
 (Oeniponte 1907—13), welche die Zeit von 1564—1910 umfassen,
Fast bei allen großen Männern der Wissenschaft finden wir das
Lob, das bei Leonhard Lessius (Leys. 1554—1623) mit den kurzen
Worten’ ausgesprochen wird: „Pareissimus erat temporis, laboris pertinax“
 (3, 624). Bei Francisco Suarez (1548—1617) wird besonders
hervorgehoben, daß er in gewissenhaftester Ausnutzung seiner Zeit
jedes unnütze Gespräch vermied und solche Plaudereien „pretiosissimi
temporis depraedatores“ zu nennen pflegte (3, 379); auch die kleinsten
sogenannten verlorenen Augenblicke und die Zeit auf notwendigen Reisen
wußte er für seine Studien nutzbar zu machen. Tommaso Vincenzo
Moniglia (1686—1767) gestattete deshalb keinem Besucher den Eintritt
 in sein Zimmer und wollte lieber den Vorwurf der Unhöflichkeit
mit in den Kauf nehmen, als seine kostbare Studienzeit verlieren (5, 66).
Allen gemeinsam ist das Bestreben, die für Erholung der körperlichen
 Kräfte nötige Zeit möglichst zu beschränken, um mehr Stunden
für das Studium zu gewinnen. Der große Cesure Baronio (1538 —1607)
') 4l. Fichet, Arcana studiorum methodus c. 7 p. 16:
°) Auf die meisten dieser Beispiele: machte mich Professor Hermann
 van. Laak in Rom zuerst aufmerksam.

14"
10*
        <pb n="160" />
        5 Studium und Lektüre
pflegte nur 4 bis 5 Stunden zu schlafen und konnte vor seinem Tode
versichern, daß er in den letzten dreißig Jahren niemals sich ausgeschlafen
 habe (3, 528). Piere Halloix (+ 1656) brauchte gleichfalls nur
4 bis 5 Stunden für den Schlaf (3, 1099), während Dionysius Sanmarthanus
 (Denis de Sainte Marthe. 1650—17925) sich mit 4 Stunden
begnügte und kaum eine halbe Stunde für seine übrige Erholung benützte
 (4, 1208). Ähnlich machte es Frangois Comb#fis (1 605—79) während
der letzten 40 Jahre seines Lebens (4, 162), Agostino Franc. Orsi (1692
bis 1761) war selbst mit 3 his 4 Stunden Schlaf zufrieden (4, 1505), und
gar nur 2 Stunden genügten den Gelehrten Francois Clement’ (im Sommer)
(1714—983), Edmond Richer (1560— 1631) und Herkulan Oberrauch (1728
bis 1808) (5, 395; 3, 869; 5, 813); Giovanni :Batt. Tolomei (Ptolomaeus.
1653—1726) suchte auf andere Weise die Zeit für längere Studien zu
ersparen, indem er von seinem 15. Jahre an zuweilen ganze Nächte
durchstudierte (4, 1034).
Auf- solche Weise wußten jene Männer der Wissenschaft sich
Tag für Tag ausreichende Zeit für ihre Studien zu verschaffen. Selbst
mitten unter den Arbeiten und Sorgen des bischöflichen Amtes fand
Charles du Plessis d’ Argentr&amp;amp; (1673—1740), wenigstens wenn er zu
Hause war, täglich 7 freie Stunden für seine wissenschaftlichen Beschäftigungen
 (4, 1004). Bernard de Montfaucon (1655—-1741) widmete
noch als hochbetagter Greis täglich 8 Stunden dem Studium (4, 1446).
Jakob Gretser (1562—1625) wußte 10 Stunden täglich neben mancherlei
anderen Arbeiten für seine gelehrten Werke zu erübrigen (3, 730);
10 bis 12 Stunden Tomas Sanchez (+ 1610) (3, 594), 14 Stunden: Johann
Caramuel von Lobkowicz (1606—82) (4, 607). Ebensoviel Zeit verwandte
auch Henri Noris (1631—1704) auf die Studien von seinem 20. bis 44. Jahre,
während er gewöhnlich nur 5 und häufig nur :3 Stunden schlief; er
pflegie zu sagen, wer nicht wenigstens 8 Stunden täglich sich mit
wissenschaftlicher Arbeit beschäftige, werde ‚im Kreise der Gelehrten
nicht viel gelten (4, 861). Christian Lupus (Wolf. 1612-81) harrte selbst
15 Stunden täglich bei seinen Büchern aus (4, 522) und der Toulouser
Parlamentsadvokat Jean Baptiste Furgole (1690—1761 oder 1771) sogar
18 Stunden (4, 1614 n. 1). Auch Josef de Maistre pflegte während langer
Jahre 12 bis 15 Stunden täglich zu studieren (Stimmen aus Maria-Laach,
67 [1904, 2] 309).
Übrigens lassen sich auch aus unseren Tagen ähnliche xalxevtepoı
anführen. Der verehrte Verfasser des „Nomenclätor litterarius“, Hugo
Hurter (1832—1914), wird allen, die ihn. kennen gelernt, als herrliches
Beispiel. rastlosen und unermüdlichen Gelehrtenfleißes unvergeßlich
sein, ebensowie den Besuchern der Handschriftenabteilung der alten
Berliner Bibliothek das Bild des neunzigjährigen, stets schaffensfreudigen
Theodor Mommsen tief im Gedächtnis haften bleiben wird. -_ Von dem
Münsteraner Exegeten Laurenz Reinke (1797—1879) bemerkte Franz

‚48
        <pb n="161" />
        Voraussetzungen 149
Hülskamp im Nekrolog: „Männer, die bei mehr als 80 Lebensjahren
mehr Stunden als Reinke auf das Studium und weniger als er auf Erholung,
 Vergnügen und Gesellschaft verwendet haben, wird es in allen
Zeiten nur sehr wenige geben“ (Literar. Handweiser 18 [1879 n. 244] 242 £).
Wie bei diesen letzten Gelehrten, so scheint auch bei
den meisten übrigen ernste wissenschaftliche Arbeit bei
sorgsamster Ausnützung der Zeit auf die Lebensdauer nicht
ungünstig eingewirkt zu haben; denn fast ausnahmslos
haben die genannten Männer der Wissenschaft ein Alter
von 70 Jahren und darüber erreicht. Mag auch ihr Beispiel
nicht in allem und von allen nachzuahmen sein, so bleibt
es doch für alle eine ernste Mahnung, die Forderung
gewissenhaft zu beherzigen: Geize mit deiner kostbaren
Zeit, eingedenk des alten Wortes: „Heu, fugit interea, fugit
irreparabile tempus“
4. An letzter Stelle sei hier kurz noch eine Voraussetzung
 erwähnt, mit der wir uns später eingehender zu
beschäftigen haben. Es ist die Forderung, mit der Lektüre
 und dem Studium der Quellen das Streben
nach selbständiger Beurteilung derselben zu
verbinden.
Die Notwendigkeit dieses Strebens brauchen wir nieht
erst ausführlich zu beweisen. Ein Kritikloses Abschreiben
der Quellen ohne das Bemühen, zu einem eigenen Urteil
über ihren Wert zu gelangen, kann ja überhaupt auf den
Namen eines wissenschaftlichen Quellenstudiums keinen
Anspruch erheben. Deshalb war z.B. schon Ignaz Weitenauer
 so sehr von dieser Notwendigkeit überzeugt, daß er
in der ersten Hälfte seines Werkes „De modo legendi et
excerpendi“ fast ausschließlich die Regeln über die selbständige
 Kritik des Gelesenen vorlegt und mit Beispielen erläutert.
Im folgenden Abschnitt über die Verarbeitung des
gesammelten Stoffes müssen wir näher auf diese Regeln
der Kritik eingehen. Hier mag daher der kurze Hinweis
auf diese Voraussetzung genügen.
48. Bemerkungen für die Praxis. Weil das
Studium der Quellen vor allem eine persönliche Arbeit sein

&amp;amp;
        <pb n="162" />
        ; Studium und Lektüre
muß, wird auch jeder Arbeiter in der Praxis seinen eigenen
Weg sich suchen müssen. Es läßt sich daher auch kein
einheitlicher Wegweiser aufstellen, der einem jeden die
Richtung und den besonderen Pfad anzeigen könnte, um
zum erstrebten Ziele zu gelangen. Wohl aber können
einige Bemerkungen für die Praxis dazu behilflich sein, den
einzuschlagenden Weg leichter zu finden.
1. Der erste Schritt auf dem Wege wird in der Regel
darin bestehen, daß man sich eine Übersicht über die
einschlägige Literatur zu verschaffen sucht.
Die allgemeinen und besonderen bibliographischen
Hilfsmittel werden diesen ersten Schritt erleichtern. Unter
diesen werden die besseren Kirchen- und Konversationslexika
 und Encyklopädien namentlich dem Anfänger für
die erste Orientierung oft gute Dienste leisten können. So
sehr eine „Wissenschaft“ zu bedauern wäre, die bei ihrem
Studium nicht über derartige bequeme Nachschlagewerke
hinauskäme, ebensowenig würde eine Arbeitsweise zu loben
sein, die an solchen unentbehrlichen Hilfsmitteln hochmütig
vorüberginge.
Für den Umfang und die Auswahl der Literatur ist das
Thema der Arbeit ausschlaggebend. Wie die genauere Umgrenzung
 dieses Themas so wird sich auch die nähere Begrenzung
 der in Betracht kommenden Quellensehriften zum
Teil erst im Laufe der Arbeit ergeben. Es ist daher nicht
ratsam, gleich im Anfang allzuviel Zeit und Mühe auf
eine möglichst vollständige Zusammenstellung der gesamten
 Literatur zu verwenden. Die eigentliche Sammelarbeit
hat alsbald zu beginnen, nachdem man sich über seine
Aufgabe und die wichtigeren Quellenwerke klar geworden
ist. Die. wünschenswerte Vollständigkeit in Benützung der
Quellen wird sich im Verlauf der Arbeit allmählich erreichen
 lassen.
2. Nachdem man sich durch eine erste Orientierung
eine Übersicht über den Stand der Frage, die Quellen und
die wichtigeren Bearbeitungen verschafft hat, muß man
zuerst an das Studium der eigentlichen Quellen-150
        <pb n="163" />
        Bemerkungen für die Praxis
schriften herantreten und nicht mit dem Studium der
bearbeitenden Literatur beginnen. Man soll sich von Anfang
an gewöhnen, „unbefangen in das Quellenmaterial einzutauchen
 und sich eine bestimmte Ansicht zu bilden, um
dann später zu der bisherigen Literatur kritisch Stellung
 zu nehmen, wobei die Notwendigkeit, dann abermals
an die Quellen heranzutreten, nur fördernd wirken kann“
(H. Schrörs in: Deutsche Litztg. 29 [1908] 3083).
3. In der Benützung der‘ Quellen ist sodann auf die
rechte Ordnung zu.achten.
Im allgemeinen fordert dieselbe richtige Unterscheidung
 und gehörige Reihenfolge. Die verschiedenen
Teile der Arbeit sollen zwar nach deren Beendigung zu
einem einheitlichen, organischen Ganzen verbunden sich
gegenseitig durchdringen, beleuchten und ergänzen. Sie
haben aber nicht alle die gleiche Wichtigkeit und können
deshalb nicht alle den gleichen Anspruch auf Berücksichtigung
 während der Sammelarbeit erheben. Man wird daher
gut tun, von Anfang :an die Haupt- und Nebenfragen
nach Möglichkeit zu scheiden und den ersteren die ihnen
gebührende größere Aufmerksamkeit auch beim Quellenstudium
 zuzuwenden.
Hinsichtlich der Reihenfolge ist zunächst das allgemeine
 Gesetz zu beachten, daß die menschliche Erkenntnis
stets vom Bekannteren zum weniger Bekannten fortschreitet
und bei der positiven Forschung analytisch-synthetisch vorzugehen
 hat: indem vom Konkreten und Besonderen, von
den Tatsachen der Erfahrung und der Geschichte und von
den Erscheinungen der Außenwelt ausgegangen wird, und
bei dieser Sammlung von Tatsachen die einzelnen Fakta
zu einem geschlossenen Kreise so aneinander gereiht werden,
 daß man daraus den Schluß auf das Abstrakte und
Allgemeine ziehen und so das Verständnis von Gesetz und
Ursache gewinnen kann!). Man muß daher bei den hier
an erster Stelle in Betracht kommenden Arbeiten vor allem
1) Vgl. Alb. Stöckl, Lehrbuch der Philosophie 1 (Mainz 1905)
211 f.

151
        <pb n="164" />
        Studium und Lektüre
sein Augenmerk auf die Sammlung von Tatsachenmaterial
für seinen Gegenstand richten und dabei von dem Nächstliegenden
 ausgehen und so Schritt für Schritt weiter vorzudringen
 suchen.
Je nach der besonderen Art des Themas und dem
Charakter der Arbeit kann die Reihenfolge schon beim
Studium der Quellen noch etwas genauer bestimmt werden.
Handelt es sich bei einem Fragepunkt um die Darlegung
der geschichtlichen Entwicklung, so bietet in der Regel
die chronologische Folge auch bei den Quellen manche
Vorteile; doch läßt sich eine Erscheinung auch auf dem
umgekehrten Wege von einem Höhepunkt der Entwicklung
aus bis auf ihre ersten Anfänge verfolgen. So kann man
z. B. in der französischen Verfassungsgeschichte von Ludwig
 XIV. zurückgehen auf Hugo Capet, und in der Untersuchung
 der Gnadenlehre vom Konzil von Trient bis zu
Augustin, oder auch den umgekehrten Weg einschlagen.
In jedem Falle wird man aber bei einem solchen wie
bei ähnlichen Gegenständen das Ziel des Studiums eher
und leichter erreichen, wenn man die nach Zeit oder Ort,
nach Personen oder Sachen zusammengehörigen Quellenwerke
 auch bei der Untersuchung möglichst in der durch
den Zusammenhang gegebenen Reihenfolge zu erforschen
trachtet.
Würde hingegen die Behandlung irgendeines Textes
Zweck und Ziel der Arbeit sein, so käme beim Studium
der Quellen zuvörderst die Feststellung des richtigen Wortlautes
 nach dem Original oder den besten kritischen Textzeugen
 in Betracht; denn die ganze fernere Arbeit müßte
auf dieser Grundlage weiter bauen. Für die Erklärung
wären dann der Reihe nach der Wortsinn, die Bedeutung
der einzelnen Sätze und Abschnitte und der Inhalt des
ganzen Textes und seiner Teile zu untersuchen. Die Fragen
über die Entstehung und die Quellen des Textes, den Autor
und seine Zeit und die Verhältnisse, die für das tiefere
Verständnis des Inhaltes in Betracht kommen, müßten diese
Untersuchung begleiten und ergänzen, während die Erör-152
        <pb n="165" />
        Bemerkungen für die Praxis 3
terungen über den etwaigen Einfluß einer Schrift auf weitere
 Kreise und ihre Benutzung bei späteren Autoren für
gewöhnlich auch beim Quellenstudium dem letzten Stadium
der Arbeit zuzuweisen sind.
4. Die Lektüre und das Studium der einzelnen
Quellenschriften ist je nach dem Charakter und
der Bedeutung derselben verschieden zu bemessen.
Daniel Georg Morhof zitiert zur Bestätigung dieser
Regel die zutreffenden Worte des Francis Baco von Verulam,
 der sich darüber in seinem 48. „Sermo fidelis“ also
äußert: „Sunt libri quos leviter tantum degustare convenit;
sunt quos deglutire cursimque legere oportet; sunt denique,
 sed pauci admodum, quos ruminare et digerere par
est: hoc est, libri quidam per partes tantum inspiciendi;
alii perlegendi quidem, sed non multum temporis in iisdem
evolvendis insumendum ; alii autem pauci diligenter evolvendi
 et adhibita attentione singulari“*). Zur letzten Klasse
gehören jene Schriften, die sich ausführlich mit dem Gegenstand
 unserer Arbeit beschäftigen und die als erstklassige
Quellen für denselben anzusehen sind. Von solchen Quellenschriften
 gilt das Wort Alexandre Fichets: „Qui fontes invenit,
 multum et multa legit, cum principiis insint omnia;
qui rivulis irretitur licet multis, legendo multa parum aut
nihil legit“?).
Um daher unnütze Vergeudung der Zeit bei dem
Quellenstudium zu vermeiden, ist es notwendig, zugleich
mit der Übersicht über die einschlägige Literatur sich auch
ein richtiges Werturteil über den Charakter und die Bedeutung
 der einzelnen Quellen oder wenigstens der wichtigeren
 unter ihnen zu bilden.
5. Ein Hilfsmittel, um zu diesem richtigen Werturteil
zu gelangen, ist in vielen Fällen schon durch die Kenntnis
 der Person des Autors, seiner Werke und seiner
Arbeitsweise geboten.
' D. &amp;amp;@. Morhof, Polyhistor litterarius 2 c. 8 p. 409.
2) Al. Fichet, Arcana studiorum methodus c. 7 p. 17.

1565
        <pb n="166" />
        14 Studium und Lektüre
Freilich ist der Schluß von der Bedeutung des Autors
und seiner sonstigen Schriften auf den Charakter eines
fraglichen Werkes nicht immer untrüglich und deshalb nicht
immer berechtigt. „Quandoque bonus dormitat Homerus.“
In der Regel wird man aber von einem guten Baume auch
gute Früchte erwarten können und umgekehrt. Daher ist
es auch für das Quellenstudium von der größten Wichtigkeit,
 sich stets eine genaue Personen- und Sachkenntnis
 über die in Betracht kommenden Autoren zu verschaffen.

Wie sehr in dieser Beziehung oft gefehlt wird, selbst wo es sich
um ganz bekannte Personen der Gegenwart handelt, zeigen zahlreiche
Beispiele zur Genüge. In der von Emil Schürer und Adolf Harnack
(jetzt A. Titius und H. Schuster) herausgegebenen „Theologischen
Literaturzeitung“ bemerkte z. B. Professor Viktor Schultze von Greifswald
 gelegentlich einer Besprechung des vierten Bandes von Pastors
Geschichte der Päpste: „Das Urteil über Luther kann bei einem dem
Jesuitenorden angehörenden Historiker nicht überraschen“ (31 [1906]
323). Der verstorbene Tübinger Professor Franz Xaver von Funk wird
von Kanonikus Salvatore di Bartolo mit dem Beisatz „dell’ Ordine dei
Minori“ bedacht (Giudizi sovra i Criteri teologici [Torino 1891] 37).
Prof. Esser von Bonn muß sich im Katholik 87 (1907, 2) 185 Anm.
dagegen wehren, daß er von E. Vacandard in der Revue du Clerge
francais 50 (1907, 2) 114 ff in den-Ordensstand versetzt wird. Ich selbst
erhielt schriftliche Anfragen und Komplimente über das „Lehrbuch der
Kirchengeschichte“ des genannten Professors von Funk, das man mir
zuteilte. Es würde doch nicht gerade tiefe Studien erfordern, um solch
krasser Unkenntnis der Personalien eines Autors abzuhelfen,
6. Bei den Darstellungen, die sich ausführlich mit dem
Gegenstand der eigenen Arbeit beschäftigen, ist es zweckmäßig,
 an erster Stelle die zuletzt erschienenen
durchzunehmen. In der Regel wird ja in diesen der
größte Teil der früheren Veröffentlichungen berücksichtigt
sein. Wenngleich dadurch die eigene Einsicht in diese früheren
 Schriften nicht überflüssig wird, so schärft doch die
Lesung des späteren Werkes den Blick und stellt das
Auge so ein, daß es nicht mehr so leicht auf nebensächlichen
 oder gar ganz abgetanen Dingen unnütz haften
bleibt.

54
        <pb n="167" />
        Bemerkungen für die Praxis -
Man muß sich dabei aber vor der Gefahr hüten, daß
man alles Frühere und auch die Quellen selbst nun bloß
durch die Brille des letzten Bearbeiters betrachtet‘).
7. Bei der Lesung einer für die Arbeit wichtigen Schrift
beginne man mit dem Vorwort und der Einleitung,
 um über den Charakter, das Ziel und die
Grenzen der vorliegenden Untersuchung Aufschluß zu erhalten.
 Eine Übersicht über den Inhalt und die
Ergebnisse sowie den Schluß des Werkes wird dann
bald zeigen, ob ein genaueres Studium aller einzelnen Teile
desselben für das eigene Thema eine lohnende Ausbeute
verspricht. Je nach dem Befund wird man darauf die
ganze Schrift oder nur die einschlägigen Kapitel durchzunehmen
 und die Beweisführung im einzelnen zu
prüfen haben.
Bei Werken, die sich nur gelegentlich mit unserer
Frage befassen, genügt es in der Regel, die für die
eigene Arbeit wichtigen Teile genauer zu studieren und
sich ein Urteil über den Wert und den Charakter der
Schrift zu bilden.
Ist es von vornherein fraglich, ob eine Quelle für unseren
 Stoff etwas bieten wird, so bleibt einem die Arbeit
des Suchens nicht erspart. Sie kann durch Zuhilfenahme
des Inhaltsverzeichnisses und des Registers sowie durch
Stichproben erleichtert werden, und auch für die kursorische
Durcharbeitung solcher Werke bringt längere Übung größere
Leichtigkeit und eine gewisse Meisterschaft.
8. Die Würde ‘der wissenschaftlichen Arbeit verlangt
es, daß wir uns bei dem Studium der Quellen nicht mit
der Übersetzung begnügen, sondern mit dem Werk
in seinem Urtext bekannt zu machen suchen, soweit die
Grenzen der Möglichkeit es gestatten. Denn jede Übersetzung
 bleibt doch immer nur ein Hilfsmittel aus zweiter
Hand, und mag der Dolmetsch seines Amtes auch noch so
gewissenhaft gewaltet haben, sein Werk ist stets nur ein
Notbehelf und kann uns nimmer das Original ersetzen.
a !) Diese Bemerkung unter n. 6 verdanke ich Jakob Overmans.

155
        <pb n="168" />
        Studium und Lektüre
Ebenso ist es eine berechtigte Forderung wissenschaftlicher
 Genauigkeit und unter Umständen selbst der Gerechtigkeit,
 daß wir unter mehreren Auflagen oder
Bearbeitungen eines Werkes stets die letzte
zu benutzen suchen. Denn diese allein kann bei etwaigen
Abweichungen von früheren Ausgaben für die wirkliche
Meinung des Verfassers in Anschlag gebracht werden.
In besonderen Fällen können sich selbstverständlich
Ausnahmen von diesen Regeln als notwendig ergeben. Zuweilen
 kann die neue Bearbeitung einer Schrift ein ganz
neues Werk sein, neben welchem die frühere Ausgabe als
ältere selbständige Arbeit in Betracht kommt. So ist z. B.
die Neubearbeitung des „Lebens Jesu“ von David Friedrich
Strauß aus dem Jahre 1864 ein ganz neues Werk „für das
deutsche Volk“, und das frühere „Leben Jesu kritisch untersucht“
 behält daneben einen selbständigen Wert. Von den
vier Auflagen dieser früheren Schrift aus dem Jahre 1835
bis 1840 wird man für gewöhnlich nur die letzte für die
endgültige Meinung des Kritikers benutzen dürfen; wo es
sich aber darum handelt, die verschiedenen Wandlungen
in seinen Anschauungen kennen zu lernen, wird man notwendig
 die früheren Bearbeitungen seines Werkes zu Rate
ziehen müssen. Ebenso kann eine Übersetzung für uns zuweilen
 selbst wichtiger werden als das Original, wenn eben
das Werk des Übersetzers als solches für den Gegenstand
einer Untersuchung in Betracht kommt. '
9. Auf die ganz praktische Frage, wie man denn die
ganze notwendige Literatur sich verschaffen soll, läßt sich
im allgemeinen nur erwidern, daß jeder sich mit einer
größeren Bibliothek in Verbindung setzen und
mit den Hilfsmitteln, die ihm dieselbe bietet, möglichst vertraut
 machen muß. Bei dem ausgedehnten Leihverkehr,
in dem die meisten öffentlichen Bibliotheken untereinander
stehen, ist es verhältnismäßig leicht gemacht, auch jene
Werke zu erhalten, die nur in auswärtigen Büchersammlungen
 vorhanden sind.

156
        <pb n="169" />
        Bemerkungen für die Praxis 107
Doch wird ein ersprießliches Arbeiten auf die Dauer
nicht möglich sein, wenn der einzelne Arbeiter nicht das
nötige eigene Werkzeug leicht zu seiner Verfügung hat. Die
einmaligen Auslagen, die dazu erforderlich sind, dürften
für gewöhnlich die Kräfte des einzelnen nicht übersteigen.
Für ein kleines Spezialgebiet wird sich auch die allmähliche
 Anschaffung der einschlägigen Fachliteratur in den
meisten Fällen ermöglichen lassen. Nur für die ausgedehnte
 periodische Literatur und die kostspieligen. großen
Bibliographien und Quellensammlungen bleibt man in der
Regel auf die Benützung einer größeren öffentlichen Bibliothek
 angewiesen.
H. Schmidkunz verweist für die zweckmäßige Allmählichkeit im
Anlegen einer Privatbücherei und die Behütung vor unnötigen Anschaffungen
 auf seine Ausführungen über die „Hausbibliothek“ in der
„Wissenschaftlichen Beilage der Germania“ 1901 n. 43, und „Wie legt
man eine Bibliothek an?“ in: Das Wissen für alle 111—119, Wien,
10. Mai 1903, sowie einen Artikel über „Privatbibliothek“ in der Zeitschrift
 für Bücherfreunde, der mir nicht zugänglich war (Zts. f. Philos.
und Pädag. 15 [1908] 511).
10. Für gewisse Arten von Arbeiten kann es von
praktischem Nutzen sein, mit einem bewährten Zeitung sausschnitts-Bureau
 in Verbindung zu treten. Freilich
darf man für wissenschaftliche Arbeiten an derartige rein
geschäftliche Unternehmungen nicht allzu hohe Anforderungen
 stellen. Die Erfahrung mit einer Reihe von solchen
Anstalten in verschiedenen Ländern hat es in vielen Fällen
bestätigt, daß. bei den meisten Angestellten dieser Geschäfte
der Sinn und die nötige Vorbildung für wissenschaftliche
Hilfsarbeit gar nicht oder doch nur in sehr bescheidenem
Maße vorhanden ist.
Immerhin kann es sich aber der Mühe lohnen, für die
Sammlung von Artikeln, Besprechungen und kleinen Notizen
 über einen bestimmten Gegenstand, die in in- und
ausländischen Zeitungen und Zeitschriften zerstreut sich
finden können, die Dienste eines solchen Bureaus in Anspruch
 zu nehmen. Dabei ist es ratsam, die nötige Vorsicht
in der Wahl der Anstalt anzuwenden, den Gegenstand,

w
bar
        <pb n="170" />
        ; Studium und Lektüre
über den man die Ausschnitte wünscht, genau zu bezeichnen
 und die Bedingungen klar und bestimmt festzusetzen.
11. Die Sammlung des Stoffes aus den Quellen und
seine Benützung für eine wissenschaftliche Arbeit wird
schließlich nur dann praktisch durchführbar sein, wenn
man sich gewöhnt, mit der Feder in der Hand zu
lesen und eine gutgeordnete Sammlung von
Auszügen und Bemerkungen anzulegen.
Man bezeichnet solche Stoffsammlungen gewöhnlich
mit dem Namen „Kollektaneen“. Die Wichtigkeit und
Schwierigkeit des Gegenstandes macht eine eingehendere
Behandlung desselben notwendig.

158
        <pb n="171" />
        Kollektaneen
Vierzehntes Kapitel
Kollektaneen
Vgl. J.-M. Besse, Les etudes ecclesiastiques d’apres la methode
de Mabillon (*Paris 1902) ch. 11 p. 95—108; Jeremias Drexel, Aurifodina
artium et scientiarum omnium; excerpendi sollertia omnibus litterarum
amantibus monstrata. Monachii 1638; Alexandre Fichet, Arcana studiorum
methodus L. 1 c. 3 (Lugduni 1649, 8—10. 26—67) Appendix: Methodus
locorum communium; L. 2: Idea communium locorum; €. Frank, Die
Anlage einer Exzerptensammlung (Bibliothek für Volks- und Heimatkunde.
 Sonderheft zu den „Deutschen Gauen“ 6 Lief. 7. Doppelheft
113 und 114, August 1905); Jos. Jouvancy (Juvencius), De ratione discendi
 et docendi P. 1 c. 3 art. 1 (Veronae 1856, 52 f); Heinr. Keiter,
Die Kunst, Bücher zu lesen 2 (‘Essen 1904, 7—10); Joh. Bernh. Krier,
Das Studium und die Privatlektüre T. 2 K. 5 n. 5 ("Freiburg 1905,
336—40); Jos. Loos, Ein Beitrag zur Lösung der Collectaneen-Frage
[Selbstverlag. 1884]; Jean Mabillon, Traite des etudes monastiques
T. 2 c. 14 (ed. lat. Jos Porta [!Venetiis 1729] 202—7); Dan. Georg
Morhof, Polyhistor litterarius T. 1 L. 3 (‘Lubecae 1747, 559—714);
Vinz. Placcius, De arte excerpendi. Holmiae et Hamburgi 1689; Francesco
Sacchini, De ratione libros cum profectu legendi c. 10—13 (deutsch
von Jos. Stier in: Bibliothek für kath. Pädagogik 10 [Freiburg 1898]
175—84); Sammelbuch für Seelsorger. S. 1. e. a. (hergestellt in der
Anstalt Ursberg in Schwaben); Joh. Stobaeus, Loci communes sacri et
profani . . . Francofurti 1581; Über Tagebücher zur Beförderung der
Kenntnis und. Bildung des Herzens und Verstandes. München 1813;
Juan Luis Vives, De disciplinis 3 c. 3 (Bibliothek der kath. Pädagogik
 8 [Freiburg 1896] 242 f); Ign. Weitenauer, De modo legendi
et excerpendi L. 2 (Augustae Vind. 1775) 365—765; Fr. Xav. Wetzel,
Die Lektüre (*Ravensburg [1879]) 93—100. — Eine. Reihe älterer
Schriften über Kollektaneen werden angeführt bei Kinz. Placcius p. 8—14
und D. 6. Morhof 1, 561 f.

159
        <pb n="172" />
        Kollektaneen
49. Notwendigkeit und Nutzen. 1. „Um wahre
Wissenschaft zu erlangen, muß man nicht die Bibliothek
mit Büchern, sondern den Geist mit Kenntnissen bereichern,
nicht ganze Bände voll Auszüge schreiben, sondern sich
alles Wissenswerte einprägen, das man hört oder liest“?).
Diese richtige Erwägung hat zu dem Trugschluß Anlaß
gegeben, die schriftlichen Aufzeichnungen bei der Lektüre
seien als eine zwecklose oder gar schädliche Arbeit zu
verwerfen.
Auf eine eingehendere Widerlegung solcher Meinungen
können wir hier verzichten. Bücher und Auszüge machen
zwar nicht die wahre Wissenschaft aus; sie sind aber in
vielfacher Hinsicht ein notwendiges Mittel, um sich die
wahre Wissenschaft zu erwerben. Die meisten der angeführten
 älteren Autoren geben eine lange Reihe von Gründen
an, um diese Notwendigkeit zu beweisen. Für die Notwendigkeit
 und den Nutzen der Kollektaneen im allgemeinen
 lassen sich diese Gründe in die drei Punkte zusammenfassen:
 die Auszüge aus dem Gelesenen zwingen
zu größerer Aufmerksamkeit bei der Lektüre; sie verhelfen
zu einem besseren Verständnis und: zu leichterer Aneignung
des Inhaltes; sie sind die beste Stütze unseres schwachen
und unsicheren Gedächtnisses. Der letzte Grund kann für
sich allein vollkommen genügen. Er war auch für den
hl. Augustinus der entscheidende Beweggrund zu manchen
Aufzeichnungen: „Propter memoriam, quae infida custos
est excogitatorum, referri in litteras volui, quod inter nos
saepe pertractavimus“?). Die Unzuverlässigkeit dieses Wächters
 im Behülen der anvertrauten Schätze wird jedem durch
die eigene Erfahrung nur zu oft bestätigt. Möge er nicht
zu spät die Klage des Casaubonus wiederholen müssen:
„Dolet mihi quod multa legerim in nostra bibliotheca, quae
jam pridem in adversaria mea [d. i. in die Kollektaneen]
') Fr. Sacchini, De ratione libros cum profeetu legendi, in: Bibliothek
 f. kath. Pädag. 10, 176.
?) S. Augustinus, Contra Academicos 2 c. 9 n. 22 (Migne, P. L.
32, 930).

160
        <pb n="173" />
        Notwendigkeit und Nutzen A
non retuli“') oder die des Johannes Sturm: „Sed ego non
feci et dolet me non fecisse, atque utinam monitus fuissem
a praeceptoribus, ut hoc facerem: utilior vobis esse possem
hoc tempore quam sum“?). Ähnliche Klagen sind ja auch
aus unserer Zeit z. B. von Eduard Meyer u. a. bekannt.
9. Schon für jedes Studium kann man mit Jeremias Drexel
die Notwendigkeit der Kollektaneen durch das Beispiel und
Zeugnis der Gelehrten aller Stände und aller Zeiten bestätigen
 und sagen: „paene omnium eruditorum vocibus et
exemplis excerpta et notas commendari, immo hoc genus
industriae tam esse necessarium, ut eo neglecto vix ullus
sit ad eruditionem solidam accessus“®). Von jeder Lektüre
gilt das Wort desselben Autors: „Legere et nihil selegere
meo iudieio neglegere est“*). Wer bloß liest, unterscheidet
sich von dem, der liest und Aufzeichnungen für seine Kollektaneen
 macht, wie der Schmetterling von der Biene. Beide
fliegen umher von Blume zu Blume und besuchen die
duftenden Kräuter und holen sich aus den gleichen Gärten
und Auen ihre Nahrung. Der Schmetterling trägt aber
nichts heim, während die Biene in ihren Waben mit unermüdlicher
 Kunstfertigkeit den köstlichen Honig und das
nutzbringende Wachs bereitet und mit der Sorge für das
eigene Bedürfnis hundertfachen Nutzen für den Menschen
zu schaffen weiß. Nur die reichgefüllten Honigwaben der
Kollektaneen ermöglichen es, zugleich sich und anderen
Genuß und Freude und reichen Nutzen zu bringen”), Nur
so vermag der Gelehrte als ein Schüler des Himmelreiches
gleich einem klugen Hausvater aus seiner Vorratskammer
Altes und Neues hervorzubringen (Matth. 13,52).
!) Joh. Casaubomus, Epist. 309 bei D. &amp;amp;, Morhof, Polyhistor
litt. 1, 560 n. 6.
?) Joh. Sturm, bei D. G. Morhof, Polyhistor litt. 1, 560 n, 6.
8) Jerem. Drexel, Aurifodina 1 c. 7 p. 66.
4 Ders ebd. 1 a1 pp
5) Vgl. J. Weitenauer, De modo legendi et excerpendi 2 c. 1
p. 367 f.
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten, 3, Auf.

16°
11
        <pb n="174" />
        Kollektaneen
3. Was aber schon von jedem Studium gilt, hat bei den
positiven wissenschaftlichen Forschungsarbeiten doppelte und
dreifache Berechtigung. Es wäre geradezu Torheit, sich bei
einem solchen Arbeitsfeld für die überall zu erwartende
reiche Ernte auf die kleine Scheuer des Gedächtnisses verlassen
 zu wollen. Wem die mit flüchtiger Hand erhaschte
Garbe zu seiner Ernte genügt, der möge immerhin auf die
mühsame Arbeit der Kollektaneen verzichten. Er wird sich
aber auch die harten Worte des alten. Drexel gefallen
lassen müssen: „Licebit quidem non excerpere, sed licebit
etiam plurima nescire, innumera oblivisci, paene omnia incassum
 legere; licebit tempus frustra terere et optimas
horas pessime perdere“, und sich jenen anschließen, als
deren Wahlspruch er die Worte anführt: „Lectores esse
otiosi volumus: ita dum alimus desidiam, fovemus ignorantiam“*!).
 „Adversus hunc torrentem obluctari fatuum est“,
dürfen wir mit dem gleichen Autor beifügen?).
50. Gegenstand. Die erste Frage bei der Anlage
einer Stoffsammlung bezieht sich auf den Gegenstand: Was
soll man für die Kollektaneen aufzeichnen ?
Für die Beantwortung dieser Frage im einzelnen muß
zunächst wiederum das Thema und der besondere Zweck
einer Arbeit den Ausschlag geben. Denn von diesem Ziel
des Studiums wird in jedem einzelnen Falle das Urteil beeinflußt,
 ob etwas aus den Quellen als beachtenswert aufzuzeichnen
 ist oder nicht. So wird die gleiche Quellenschrift
 für eine philologische Frage eine ganz andere Ausbeute
 gewähren als für eine historische oder philosophische
oder theologische Erörterung.
Gewisse allgemeine Gesichtspunkte werden aber hinsichtlich
 des Gegenstandes von jedem Sammler beachtet
werden müssen.
1. Schon Aulus Gellius (um 130 n. Chr.), auf den auch
Sacchini und Drexel hinweisen, tadelt in der Vorrede zu seinen
1) Jerem. Drexel, Aurifodina 1 c. 9 p. 93; c. 10 p. 108.
?) Ders. ebd. p. 93.

162
        <pb n="175" />
        Gegenstand „53
„Noctes Atticae“ das‘ Vorgehen mancher Vielschreiber, die
nur auf den großen Haufen und nicht auf den inneren
Wert ihrer Aufzeichnungen schauen und urteilslos allen
möglichen Kehricht zusammenbringen: „Namque . illi
omnes, et eorum maxime Graeci, mülta et varia lectitantes,
in quas res cunque inciderant, alba ut dieitur linea sine
cura discriminis solam copiam sectati converrebant“’). Als
Beispiel eines solchen Kritiklosen Sammeleifers führt er
später einen Mann aus seinem Bekanntenkreise an, der
eines Tages ihm mit einem riesigen Bande seiner Kollektaneen
 eine Freude habe machen wollen. „Accipio cupidus
et libens, tamquam si copiae cornu nactus essem: et recondo
 me penitus, ut sine arbitris legam. At quae ibi
scripta erant, pro Jupiter! mera miracula: quo nomine
fuerit, qui primus grammaticus appellatus est, et quot
fuerint Pythagorae nobiles, quot Hippocratae“ etc. Als er
von diesem Inhalt des Bandes Kenntnis genommen, habe
er ihn schleunigst dem gütigen Geber zurückgestellt?).
Als erste Regel für die Wahl des Gegenstandes der
Stoffsammlungen wird man mit diesem alten römischen
Gewährsmann festhalten können, daß dieselbe mit weiser
Mäßigung und umsichtigem Urteil zu geschehen
hat. Man unterscheide die Aufzeichnungen aus den eigentlichen
 Quellen von den Sammlungen aus den Bearbeitungen
und Hilfsmitteln.. Mit Rücksicht auf die Quellen sahen wir
schon oben n. 45,2 p. 125, daß nichts als zu klein und
unbedeutend beiseite gelassen werden darf. Bei den übrigen
 Sammlungen soll nicht alles irgendwie Bemerkenswerte
 aufgezeichnet werden, sondern nur das Hervorragendste
 nnd Zweckdienlichste. Dabei wird die richtige Einschätzung
 des Wertes der verschiedenen Schriften und
Hilfsmittel einen guten Fingerzeig für die Bestimmung des
rechten Maßes bei den Auszügen aus denselben geben
können.
1) Aulus Gellius, Noctes Atticae, Praef. 11.
2) Ders. ebd. 1. 14 c. 6.

16°
11%
        <pb n="176" />
        Kollektaneen
Wenn H. Schrörs zu unserer ersten Regel bemerkt, daß nicht
nur das Hervorragendste und Zweckdienlichste, sondern „alles und jedes,
auch das Unscheinbarste, zu sammeln und zu verarbeiten sei“, „das
ist eine der ersten Forderungen jeder Wissenschaft“ (Deutsche Litzig. 29
[1908] 3083), so wird er mit uns diese Forderung auf die eigentlichen
Quellen beschränken müssen, und nicht als Regel für die Kollektaneen
überhaupt aufstellen wollen, um die „mera miracula“ des Aulus Gellius
zu vermeiden. Um jedem Mißverständnis vorzubeugen, ist die Unterscheidung
 von Quellen und Hilfsmitteln jetzt ausdrücklich hervorgehoben
 worden.
9, Weiterhin ist bei den Aufzeichnungen darauf zu
achten, wie weit die Arbeit des Sammelns durch zu verlässige
 bibliographische und andere Hilfsmittel
erspart oder erleichtert wird. So mochte man es in früheren
 Zeiten der Mühe wert erachten, und der eine oder andere
der älteren Autoren macht insbesondere auf diesen Gegenstand
 für die Kollektaneen aufmerksam, dem Ursprung und
ersten Auftauchen beliebter Sprichwörter und Redensarten
nachzuforschen. Auch für uns behält dieser Gegenstand
sein volles Interesse. Es wäre aber jetzt eine unnütze Vergeudung
 von Zeit und Mühe, das was Georg Büchmann in
seinen „Geflügelten Worten“ uns bietet, erst noch durch
eigenes Suchen zusammentragen zu wollen.
Hier und überall heißt es also, die einschlägigen
bibliographischen und literarischen Hilfsmittel kennen und
brauchen lernen, um seine ganze Zeit und Kraft jenen
Gegenständen zuzuwenden, bei denen die eigene Arbeit einzusetzen
 hat. Gegebenenfalls wird man dann durch eine
Blütenlese von Berichtigungen und Nachträgen seinen Dank
dem Verfasser abstatten können, der einem den eigenen
Weg hat bahnen helfen.
3. Man wird sodann bei diesen Hilfsmitteln wie bei
den Quellen sich fragen müssen, ob eine Sch rift späterhin
 einem leicht zur Verfügung steht oder
nicht. Bei solchen Büchern, die man stets leicht zur Hand
haben kann, wäre es wiederum verlorene Zeit und Mühe,
sich lange Auszüge zu machen und damit die Schatzkammer
 seiner Kollektaneen zu füllen. Kurze Hinweise
werden in der Regel vollauf genügen.

164
        <pb n="177" />
        Gegenstand 1
Hingegen darf man sich bei selteneren und schwer zugänglichen
 Werken die Mühe längerer Auszüge nicht verdrießen
 lassen. Bei diesen wird. man möglichst alles für
den eigenen Zweck Brauchbare aufzeichnen und der Stoffsammlung
 einverleiben.
A. Für die Aufzeichnungen eignen sich im allgemeinen
die verschiedenartigsten Gegenstände. Literaturangaben
 sind in der Regel sehr wertvoll, besonders über
solche Fundorte, ‚auf die man durch die allgemeinen Hilfsmittel
 nicht so leicht aufmerksam wird, wie gelegentliche
Bemerkungen und Ausführungen in Büchern und Zeitschriften,
 die scheinbar dem Gegenstand unserer Arbeit
ferne stehen, oder aus solchen Gebieten, die erfahrungsgemäß
 von der fachwissenschaftlichen Bibliographie weniger
berücksichtigt werden. Eine kurze Zusammenfassung der
Ergebnisse und Beweise eines Buches nebst Angabe des
Werturteils, das man bei der Lesung desselben sich gebildet
 hat, wird oft nützlich sein. Beobachtungen über die
Vorzüge und Nachteile der Disposition und des Beweisganges
 sowie auch der Darstellung und der äußeren Form
einer Schrift können als Winke für die eigene Arbeit einen
Platz in der Stoffsammlung verdienen.
Von Einzelheiten sind besonders solche Gedanken zu
beachten, die einen mehr als gewöhnlichen Eindruck machen
und tiefer in das Verständnis eines Gegenstandes einführen
können. Auch an dem Schmuck der Darstellung, schönen
Bildern und Vergleichen, packenden Beispielen und markigen
 Sentenzen wird man nicht achtlos vorübergehen.
Die Hauptsache bei dem Gegenstand der Stoffsammlung
 bleibt aber stets, das für den eigenen Zweck dienliche
 Tatsachenmaterial möglichst lückenlos aus den besten
Quellen zusammenzutragen.
‚5. Entsprechend dem allgemeinen Begriff der wissenschaftlichen
 Quellen wird man auch dem Gegenstande der
Kollektaneen nicht die engen Grenzen von kKkürzeren
 oder längeren Auszügen aus alten und neuen
Schriftwerken bestimmen dürfen. Wie man bei einer ge-16F
        <pb n="178" />
        N Kollektaneen
schichtlichen Arbeit alles, was irgendwie zu den Überresten
oder zur Überlieferung hinsichtlich einer Tatsache gehört;
für die Erforschung des wahren Sachverhaltes zu berücksichtigen
 hat und deshalb bei der Stoffsammlung beachten
muß, so darf auch bei jeder anderen Frage nichts außer
acht gelassen werden, das für die Feststellung des Tatbestandes
 von Nutzen sein kann.
Deshalb gehören zur Stoffsammlung auch kurze Aufzeichnungen
 über Beispiele aus dem Leben, Tatsachen aus
eigener oder fremder Erfahrung, Beobachtungen und Erlebnisse
 beim Besuche denkwürdiger Orte u. dgl. Ebenso
kann es nützlich sein, die gelegentlichen Früchte des eigenen
Nachdenkens über den Inhalt vıd die Form, die Einteilung
und Ausführung einer Arbeit oder einzelner Teile derselben
aufzuzeichnen und in den Kollektaneen aufzuheben. Solch
gelegentliche Früchte sind nicht immer die schlechtesten;
denn die Tätigkeit des Geistes ist nicht wie der Gang der
Maschine an das Öffnen des Dampfhahnes oder den Kontakt
 mit dem elektrischen Strome gebunden: „Spiritus ubi
vult spirat“.
6. Einen Platz in der Stoffsammlung verdienen auch
kleine oder größere Ausschnitte aus Tagesblättern
 oder aus Prospekten, Preislisten, Bücherverzeichnissen
 u. dgl.
Ebenso werden Flugblätter, Sonderabdrücke aus Zeitschriften
 und Sammelwerken, kleine Broschüren und Programme
 und ähnliche Erscheinungen, die man in seiner
Bibliothek nicht gerne als selbständige Nummern einreihen
möchte, für den eigenen Gebrauch oft am sichersten und
besten in den Kollektaneen aufbewahrt. Daß größere Bibliotheken,
 die den Wünschen und Interessen vieler Leser zu
entsprechen haben, in der Behandlung solcher Detailwaren
andere’ Wege gehen, kann natürlich dieser Weisung keinen
Eintrag tun.
51. Form der einzelnen Aufzeichnungen. Bei
der weiteren Frage nach der Form und Beschaffenheit der

166
        <pb n="179" />
        Gegenstand. Form der, einzelnen Aufzeichnungen 167
einzelnen Aufzeichnungen sehen wir zuvörderst. noch ab
von der Einrichtung und .Ordnung der ganzen Stoffsammlung.
 Wir haben hier bloß jene Punkte im Auge, die bei
jeder Art der Anlage Beachtung verdienen.
1. Das Haupterfordernis hinsichtlich der Form der einzelnen
 Aufzeichnungen ist peinlichste Genauigkeit.
Wer sich nicht von vorneherein beim Sammeln des
Stoffes an diese edle und allen erreichbare Standestugend
des wissenschaftlichen Arbeiters gewöhnt, wird sie später
nie mehr erwerben. Sie ist eben eine Sache langer Gewöhnung,
 eine Frucht ernster Schulung, die uns nicht im
Verlauf der Arbeit von selbst in den Schoß fällt. Nur
wer den Feigenbaum pflegt, kann gute Frucht von ihm
erwarten. ;
Wir werden uns später eingehender mit dieser edlen
„Akribia“ zu beschäftigen haben. Denn sie tritt erst bei
der Darstellung des gesammelten Stoffes auf das eigentliche
Feld ihrer Wirksamkeit und kann daher bei der Behandlung
dieses späteren Abschnittes einen Ehrenplatz beanspruchen.
Hier mag der Hinweis darauf genügen, daß auch die einzelnen
 Aufzeichnungen für die Kollektaneen den Stempel
peinlichster Genauigkeit tragen müssen. Die größere Mühe,
die damit namentlich im Anfang verbunden ist, die aber
später kaum noch als Mühe empfunden wird, bringt sicher
dreißig- und sechzig- und hundertfältige Frucht.
2. Aus dieser Hauptforderung ergibt sich im einzelnen
als erste notwendige Eigenschaft jeder‘ Aufzeichnung, daß
sie die sachliche Bemerkung mit allen nötigen
Angaben klar und bestimmt enthalte.
Ob die Bemerkung die Form eines eigentlichen Zitates
oder eines zusammenfassenden Auszuges oder eines kurzen
Hinweises haben soll, muß aus der Beschaffenheit des
Gegenstandes und seiner näheren :oder entfernteren Beziehung
 zum Thema, aus dem Wert und der Bedeutung
der Quelle und aus. der größeren. oder geringeren Zugänglichkeit
 derselben entschieden werden.
        <pb n="180" />
        Kollektaneen
3. Außer der Sache muß auch der Fundort mit der
ganzen Genauigkeit und Bestimmtheit angegeben werden,
die für ein wissenschaftliches Zitat erfordert wird.
Bei der ausführlichen Behandlung der Zitate werden
diese Forderungen genauer zu erörtern sein. Im allgemeinen
 ist es ratsam, stets Namen und Vornamen des
Autors, den unveränderten Haupttitel des Werkes, Ort und
Jahr des Erscheinens und die genaue Seitenangabe mit der
Anfangs- und Schlußseite zu notieren. Sind aus dem
gleichen Werke eine größere Zahl von Aufzeichnungen zu
machen, so empfiehlt es sich, wenigstens einmal den vollen
Titel der Schrift und nach Umständen die Abkürzung oder
das Sigel für dieselbe anzugeben. Bei den einzelnen Aufzeichnungen
 kann man dann durch abgekürztes Zitieren
oder Anwendung des Sigels Zeit ersparen.
Die Behandlung der Zeitschriften und Sammelwerke
und andere Einzelheiten kommen später zur Sprache.
4. Bei jenen Aufzeichnungen, die sich auf Erfahrungen
aus dem Leben oder Ergebnisse des eigenen Nachdenkens
beziehen, tritt an die Stelle des Fundortes die Angabe
von Zeit und Ort für jede Beobachtung. Wie weit die
gleichen genaueren Bestimmungen von Zeit und Ort auch
bei anderen Notizen von Nutzen sein können, wird jeder
nach den Umständen und nach seinem besonderen Zweck
sowie nach seiner Erfahrung zu bemessen haben.
5. Bei Zeitungsausschnitten, Sonderabdrücken und ähnlichen
 Teilen eines größeren Ganzen versiume man niemals,
 den vollen Titel des Blattes oder der Zeitschrift oder
des ganzen Werkes nebst Datum und Nummer oder Band
und Jahrgang sowie die Seitenzahlen genau anzugeben.
Ohne diese Bestimmungen verlieren solche Materialien gänzlich
 oder doch zum großen Teile ihren Wert und ihre
Brauchbarkeit für die wissenschaftliche Benutzung.
Es ist ein sehr bedauerlicher Übelstand, daß selbst hochangesehene
Zeitschriften ihren Sonderabdrücken diese Angaben nicht oder nur sehr
unvollständig beifügen. Man sollte doch meinen, daß die Rücksicht auf
die Forderungen der wissenschaftlichen Form und auf die Ersparnis

168
        <pb n="181" />
        Form der einzelnen Aufzeichnungen „rd
von Zeit und Mühe für alle Benutzer solcher Separatabzüge gegenüber
der buchhändlerischen Berechnung und Bequemlichkeit den Ausschlag
geben müßte,
Aus praktischen Rücksichten würde es auch zu empfehlen sein,
daß die Seitenzählung des Originals bei diesen Sonderabdrücken unverändert
 beibehalten würde. Wenigstens dürfte man erwarten, daß
bei einer neuen Paginierung auch die im Verlauf der Arbeit vorkommenden
 Verweise auf frühere Abschnitte derselben nach der neuen
Seitenzählung berichtigt werden. Der sprichwörtliche Mangel an praktischem
 Sinn bei den Jüngern der Wissenschaft brauchte doch durch
solche leider nicht ganz seltene Monstra gemischter Seitenzählung nicht
immer wieder bestätigt zu werden.
W. Str[eitberg] berichtet im „Anzeiger f, indogerm. Sprach- und
Altertumskunde“ (Indogerm. Forschungen) 18 (1905—6) 88 über einen
Artikel von Karl Brugmann in: Beilage z. Allg. Ztg. n. 156 v. 9. Juli
1905, der die eigene Seitenzählung der Sonderabdrücke (ohne Angabe
der Seitenzählung des Originals) mit Recht als „eine typographische
Torheit“ bezeichnet, und verweist auf ein ähnliches Urteil von Charles
Lanman in: The Nation v. 2. Nov. 1905.
6. Eine andere notwendigere Forderung ist bei allen
Aufzeichnungen und sonstigen Bestandteilen der Stoffsamm-Jung
 zu beachten. Sie verlangt, daß jede Notiz und jeder
Ausschnitt und alle übrigen Teile mit einem Schlagwort
versehen werden.
Die unbedingte Notwendigkeit dieser Forderung liegt
auf der Hand. Übersicht und Ordnung und damit Nutzen
und Brauchbarkeit der Kollektaneen hängen zum guten Teile
von den Stichworten ab. Die Wahl kann zuweilen Schwierigkeiten
 bereiten, zumal wenn man die eigene Aufgabe
noch nicht klar und bestimmt erfaßt hat und ein Gegenstand
 sich nach verschiedenen Rücksichten hin verwenden
läßt. Es wird stets vor allem darauf ankommen, den
Hauptinhalt des Gegenstandes oder wenigstens den Hauptpunkt,
 der mit Rücksicht auf das eigene Thema am
meisten in Betracht kommt, im Stichwort klar zum Ausdruck
 zu bringen.
Für die Praxis ist die genauere Bestimmung des Verfahrens
 ganz von der allgemeinen Einrichtung und Ordnung
 der Stoffsammlung abhängig.

16C
        <pb n="182" />
        Kollektaneen
52. Einrichtung und Ordnung der Stoffsamm.-tung.
 Daniel Georg Morhof bemerkt bei der Behandlung
der verschiedenen Methoden für die Anlage von Kollektaneen
zutreffend: „Quemadmodum non eadem vestis vel domus
mensura omnibus convenit, sed secundum vitae condicionem,
fortunarum amplitudinem vel tenuitatem adornari solet, ita
excerptorum plane dispar ratio et forma est“!). Die Kollektaneen
 sind ja so recht eigentlich Hauptfrucht und hinwieder
 Hauptmittel der eigenen persönlichen Arbeit. Deshalb
 werden auch die Wünsche, Bedürfnisse und Anlagen
der einzelnen Arbeiter ihnen stets den Stempel der eigenen
Persönlichkeit aufdrücken. Wie überall so muß besonders
bei der Einrichtung und Ordnung der Stoffsammlung
schließlich die eigene Erfahrung für jeden die beste Lehrmeisterin
 sein.
Man wird aber auch aus, fremder Erfahrung lernen
können und vielleicht durch diese vor zeitraubenden Umwegen
 und unnützen Irrwegen bewahrt bleiben. Wenigstens
für die Hauptlinien kann sie uns den Weg zeigen. Die
genauere Ausführung des Planes bleibt dann dem eigenen
Erproben und der eigenen Praxis überlassen.
Sie kennt vorzüglich zwei Arten von Kollektaneenanlagen,
 auf die sich alle übrigen zurückführen lassen. Man
kann sie kurz als Heft- und Zettelmethode bezeichnen.
1. Die Heftmethode. Den Vorzug des höheren
Alters hat die Heftmethode. Allem Anscheine nach war
sie: bei den Gelehrten des Altertums wie des Mittelalters
und der neueren Zeit bis zum vorigen Jahrhundert fast
ausschließlich im Gebrauch oder doch bei weitem die gewöhnlichere.
 Die Schreibtafeln, von denen Caius Plinius
Caecilius Secundus bei der Erwähnung der Exzerpte seines
Onkels, des älteren Plinius, redet?), dienten nur für die ersten
Aufzeichnungen während der Reise, die dann später in das
eigentliche Sammelbuch eingetragen wurden. Selch ein
großes und dickes Sammelbuch erwähnt Aulus Gellius in
') D. G. Morhof, Polyhistor litterarius 1, 562,
* C. Plinius' Caec. Sec., Epist.. 3, 5.

170
        <pb n="183" />
        Einrichtung und Ordnung der Stoffsammlung 1.1
dem früher angeführten Beispiel von einem seiner Bekannten
 („librum grandi volumine ‚doctrinae omnigenus‘,
ut ipse dicebat, ‚praescatentem‘“)!). Der ältere Plinius hinterließ
 seinem Neffen eine Kollektaneensammlung von 160
Bänden, deren Blätter auf der Vorder- und Rückseite ganz
enge beschrieben waren, so daß man füglich die doppelte
Zahl angeben könnte?).
Die späteren Autoren, die sich ausführlicher mit der
Anlage von Exzerptensammlungen und der Anleitung dazu
befaßten, setzen in der Regel auch die gleiche Heft- oder
Buchmethode voraus. So geben z. B. Vives, Possevino, Sacchini,
 Drexel, Morhof, Mabillon, Jouvancy, Weitenauer zwar
verschiedene Arten der Einteilung und Einrichtung der
Sammlung an; sie gehen ‚aber alle von der Heft- oder
Buchform als der allgemein üblichen aus.
a) Die ursprünglichste Form dieser Heftmethode bestand
in der einfachen Aneinanderreihung der einzelnen Aufzeichnungen
 in einem Hefte oder Buche. Durch das Schlagwort,
 das am Rande bei jeder Eintragung seinen Platz
erhält, wird die Möglichkeit einer leichteren Übersicht geboten.
 Um das Auffinden der gesuchten Bemerkungen
noch mehr zu erleichtern, wird ein sorgfältiges alphabetisches
 Register über die Schlagworte angelegt, das gleichzeitig
 mit den neuhinzukommenden Eintragungen oder
doch von Zeit zu Zeit durch Nachträge vervollständigt
werden muß. Statt dieses alphabetischen Verzeichnisses
empfiehlt Francesco Sacchini, ein zweites Heft anzulegen,
das nach bestimmten Abschnitten und Fächern eingeteilt
ist, um in demselben alles das in guter sachlicher Ordnung
unterzubringen, was im ersten Heft nur der zeitlichen
Reihenfolge der Aufzeichnungen nach bemerkt war’).
‘) Aulus Gellius, Noctes Att. 1. 14 c. 6, 1.
*) C. Plinius Caec. Sec., Epist. 3, 5: „Electorum commentarios
centum sexaginta mihi reliquit, opisthographos quidem et minutissime
scriptos: qua ratione multiplicatur hic numerus“.
3) Fr. Sacchini, De ratione libros cum profectu legendi, in: Bibliothek,
 f. kath. Pädagogik 10, 182.

.m
        <pb n="184" />
        . Kollektaneen
b) Weniger einfach ist die von Jeremias Drexel empfohlene
 Methode. Er teilt alle Aufzeichnungen für die Kollektaneen
 in drei Klassen, die er mit dem Namen Lemmata,
Adversaria und Historica bezeichnet. Historica sind ihm
alle geschichtlichen Beispiele, mögen sie nun ausführlich
oder nur kurz notiert werden; adversaria sind ausführliche
Aufzeichnungen, die nicht zu den geschichtlichen Beispielen
gehören; lemmata sind kurze Notizen über die Behandlung
eines Gegenstandes in irgendeiner Quelle, bei denen nur
der Fundort und vielleicht noch ein kurzes Merkwort über
die Art der Behandlung angegeben wird. Für jede dieser
drei Klassen ist ein eigenes Register erforderlich ').
c) Zur Verbesserung dieser Methode schlägt Zgnaz Weitenauer
 eine andere Dreiteilung vor. Zur ersten Klasse gehören
 nach ihm die „Adversaria eruditionis variae“, alle
besonderen Tatsachen und Aussprüche, die man in den
Kollektaneen aufbewahren will. Seine zweite Klasse nennt
er „Adversaria disciplinarum“; sie umfaßt alle Bemerkungen,
die sich auf irgendein bestimmtes wissenschaftliches oder
praktisches Gebiet beziehen. Eine dritte Gruppe bezeichnet
er als „Adversaria eloquentiae sacrae“ und weist ihr den
ganzen für die geistliche Beredsamkeit bestimmten Stoff
zu. Auch bei dieser Art und Weise läßt sich die notwendige
 Übersichtlichkeit nur durch einen dreifachen Index
erreichen?).
d) In mancher Beziehung praktischer sind die drei Methoden,
 die Jean Mabillon in Vorschlag bringt. An erster
Stelle empfiehlt er die einfachste und ursprünglichste Weise
der Heftmethode, alles der Reihe nach ohne Rücksicht auf
eine alphabetische oder sachliche Ordnung zu notieren.
Dabei sollen aber die zusammengehörigen längeren Aus.
züge über den Inhalt eines ganzen Werkes in eigenen
Heften oder Büchern aufgezeichnet werden, damit sie nicht
durch die gelegentlichen sonstigen Notizen auseinandergerissen
 seien. Zur Vermeidung der Mühe des langen Suchens
1) Jerem. Drexel, Aurifodina 2 c. 3.
2?) Ign. Weitenauer, De modo legendi et excerpendi 2 c, 3.

1792
        <pb n="185" />
        Einrichtung der Stoffsammlung : Heftmethode ;
gibt er drei Mittel an: den Inhalt der Kollektaneen allmählich
 in bestimmten sachlich geordneten Gruppen zusammenzufassen,
 oder ein alphabetisches Verzeichnis der
einzelnen Aufzeichnungen anzulegen, oder am Rande .der
einzelnen Eintragungen auf die neu hinzukommenden Notizen
 über den gleichen Gegenstand unter Angabe der
späteren Seite (und Nummer) kurz hinzuweisen. — Seiner
zweiten Art liegt die alphabetische Ordnung zugrunde. Die
einzelnen Silben werden nach der Reihenfolge des Alphabetes
 auf je eine oder mehrere Seiten eines größeren
Schreibbuches verteilt und oben auf der Seite notiert. Die
verschiedenen Aufzeichnungen werden dann nach der Anfangssilbe
 des Schlagwortes an der gehörigen Stelle des
Sammelbuches eingetragen. — Bei der dritten Art ist die
sachliche Ordnung maßgebend. Im Sammelheft werden die
Seiten je nach Bedarf auf gewisse sachliche Gruppen verteilt,
 deren Schlagworte auf dem oberen Rande jeder Seite
in alphabetischer Reihenfolge vermerkt werden und für die
Eintragung der einzelnen Aufzeichnungen maßgebend sind‘).
e) Es ist nicht nötig, auf die sonstigen mannigfachen
Variationen der Heftmethode bis zum neuesten „Sammelbuch“
 oder auf eine Erörterung ihrer Vorzüge und Nachteile
 einzugehen. Zeitliche, alphabetische und sachliche Ordnung
 erschöpfen ohnehin die Reihe der Möglichkeiten in
den Hauptlinien der Anlage. Für die Praxis der wissenschaftlichen
 Arbeit hat sich diese Heftmethode nach dem
Urteil der allgemeinen Erfahrung nicht bewährt. Für die
Stoffsammlung zu wissenschaftlichen Zwecken erfordert sie
bedeutend mehr Zeit und Arbeit, ist weniger übersichtlich
und viel schwieriger verwendbar als die moderne Zettelmethode.
 Was sich Gutes und Brauchbares in der alten
Weise findet, läßt sich bei dieser neuen Art leicht mit
Nutzen verwenden.
Für Anfänger kann vielleicht die einfache Heftmethode
noch empfehlenswert scheinen, wenigstens da, wo es sich
') J. Mabillon, Traite des etudes monastiques 2 ch. 14,

172
        <pb n="186" />
        . Kollektaneen
nicht um wissenschaftliches Arbeiten handelt. Sobald dieses
in Frage kommt, dürfte allein die Zettelmethode dauernd
sich bewähren. Sie schließt aber keineswegs aus, daß man
z. B. für zusammenhängende Exzerpte sich auch der Hefte
bedient; nur wird man dann einen Hinweis auf den Inhalt
dieser Exzerpte oder auch ein vollständiges Register dazu
auf einzelnen Zetteln unter die Zettelsammlung verteilen.
2. Die Zettelmethode. Schon Vinzenz Placcius
handelte im Jahre 1689 in seinem Werke „De arte excerpendi.
 Vom gelehrten Buchhalten“ ausführlich über das
Exzerpieren auf Zetteln!). Es scheint aber diese Art der
Stoffsammlung in früheren Zeiten wenig Anklang gefunden
zu haben. KEinstweilen blieb die Heft- und Buchmethode
überall vorherrschend. Eine Änderung trat erst im neunzehnten
 Jahrhundert ein, wohl veranlaßt durch den großartigen
 Aufschwung, den die positive wissenschaftliche
Forscherarbeit in dieser letzten Zeit genommen hat. Heute
„wird allgemein die Zettelmethode bevorzugt. Sie bietet
nach dem Urteil aller, die sie praktisch erprobt haben, die
größten Vorteile“?).
Freilich muß sich auch bei dieser Methode ein jeder
den seinen besonderen Wünschen und Bedürfnissen vollkommen
 entsprechenden Weg selbst durch eigene Übung
und Erfahrung suchen. Und wer ernstlich sucht, der findet.
Gewisse gemeinsame Punkte können aber auch hier die
Richtung des Weges angeben und das Suchen erleichtern.
a) Zuvörderst muß man zwei Größen der Zettel
unterscheiden. Die erste dient für zusammenhängende Auszüge
 und alle längeren Aufzeichnungen; die zweite ist für
kurze Notizen bestimmt. Nach Umständen kann auch bei
den kleineren Zetteln ‚durch Zahlen oder Buchstaben die
Reihenfolge äußerlich kenntlich gemacht und die Fortsetzung
 einer längeren Bemerkung auf mehreren Zetteln er-2)
 Vinz. Placcius, De: arte excerpendi c. 2 sectio 5 p. 68—73:
De schedis excerptorum.
2) J. M. Besse, Les etudes ecclesiastiques d’apres la methode de
Mabillon? 99.

174
        <pb n="187" />
        Einrichtung der Stoffsammlung: Zettelmethode a {I
möglicht werden. Als Grundformat für die größeren Auszüge
 dürfte wohl nach den üblichen internationalen Normalgrößen
 das kleine Quart (150: 200 mm) zu empfehlen sein,
für die kleineren Bemerkungen entweder die Hälfte (Oktarv,
125:150 mm) oder der vierte Teil dieses Quartblattes
(Sechzehntel, 75: 125 mm). Im allgemeinen ist namentlich
für die kleineren Zettel ein etwas stärkeres Papier mit glatt
geschnittenem Rande wünschenswert. Aus praktischen Rücksichten
 ist es ratsam, alle Zettel stets nur einseitig zu
beschreiben und bei den kleineren die Schmalseite als Höhe,
die größere Seite als Länge oder Breite zu nehmen.
Die Zettel in den angegebenen Größen sind jeizt überall leicht
zu haben, da das moderne „Card Index System“ mit seinen Merkkarten
und Kartotheken in fast allen Ländern Verbreitung gefunden hat und
in Handel und Industrie, in der Verwaltung, für Bibliothekskataloge
und viele andere Zwecke mannigfache Verwendung findet.
Die Karten werden von den meisten Firmen in verschiedenen
Farben geliefert, die zur äußeren Unterscheidung von verschiedenartigen
Aufzeichnungen dienlich sein können. Auch gestatten die sogenannten
Leitkarten mit überragenden Fahnen am oberen Rande und die Staffelkarten
 mit kleineren Fähnchen eine einfache Trennung der Haupt- und
Nebengruppen der Zettelsammlung.
b) Besondere Wichtigkeit hat bei dieser Methode das
Schlagwort, da es für die Ordnung und, Reihenfolge
der Zettel maßgebend ist. Sein regelmäßiger Platz ist bei
allen Zettel der obere Rand, der deshalb nur für die zum
Schlagwort gehörigen Notizen benutzt werden soll. Man
hat zwei Arten von Schlagwörtern zu unterscheiden, die
allgemeinen und die besonderen. Erstere dienen zur Bezeichnung
 der Gruppen, welche die Abteilungen der Kollektaneen
 bilden; letztere geben kurz den Hauptinhalt der
Aufzeichnung an und sind für den Platz des Zettels innerhalb
 der Gruppe maßgebend. Das allgemeine Schlagwort
wird am besten in der linken Ecke des oberen Randes
vermerkt, während das besondere Ordnungswort oben rechts
zu stehen kommt.
c) Für die Wahl des Schlagwortes wird die Übung schon
bald die ersten Schwierigkeiten überwinden helfen. Übrigens

175
        <pb n="188" />
        te Kollektaneen
bietet gerade die Zettelmethode ein sehr einfaches Mittel,
um ein schnelles und sicheres Vorgehen in zweifelhaften
Fällen zu ermöglichen: auf den Hauptzettel, der die ganze
Aufzeichnung unter einem ersten Stichwort enthält, wird
auf einem oder mehreren Hinweiszetteln unter einem
anderen Ordnungswort kurz verwiesen. Solche Hinweise
werden so kurz abgefaßt, als es die Grenzen einer leichten
Verständlichkeit erlauben.
d) Die Gruppenbildung kann besonders im Anfang
größere Schwierigkeiten bereiten, solange man das Ziel
einer Arbeit und die besondere Aufgabe, die zu lösen ist,
noch nicht klar erfaßt hat. Man wird gut daran tun, sich
anfangs mit wenigen allgemeinen Gruppen zu begnügen,
wie sie durch die verschiedenen Fächer der einzelnen Wissenschaften
 oder durch die Natur unserer Arbeit geboten
werden. Beim weiteren Sammeln werden sich dann diese
Hauptklassen dem Bedürfnis entsprechend von selbst in
genaue bestimmte Einzelgruppen zerlegen lassen, ohne daß
wir darüber gleich zu Beginn der Sammelarbeit- schon klar
zu sein brauchen. Sobald man durch die tägliche Übung
sich leicht in den für die eigene Arbeit in Betracht kommenden
 Gruppen auskennt, wird man in den meisten Fällen
bei jedem besonderen Gegenstand bald wissen, welcher
Abteilung der Kollektaneen er zuzuweisen ist. Zur Ersparung
 von Zeit und Arbeit kann man dann auf den einzelnen
 Zetteln auch bloß das besondere Schlagwort angeben,
 ohne jedesmal die Gruppenbezeichnung zu wiederholen.
 In zweifelhaften Fällen wird jedoch das allgemeine
Ordnungswort am besten auch ausdrücklich notiert. Wenn
bei einer Arbeit besonders die zeitliche Aufeinanderfolge in
Betracht kommt, wird die Zeitbestimmung die Stelle des
allgemeinen. Stichwortes vertreten und die kurze Angabe
des Inhaltes als besonderes Schlagwort den genaueren Platz
innerhalb der zeitlich zusammengehörigen Gegenstände bezeichnen.
 Die Möglichkeit einer chronologischen Ordnung
neben der alphabetischen oder der sachlichen läßt sich
auch dadurch erreichen, daß man die Zeitangabe in der

‚76
        <pb n="189" />
        Einrichtung der Stoffsammlung: Zettelmethode 17
Mitte des oberen Randes zwischen dem allgemeinen und
besonderen Schlagwort anmerkt. Für einen gegebenen besonderen
 Zweck können dann die Zettel mit geringer Mühe
auch in zeitlicher Reihenfolge verwendet werden.
e) Die Ordnung und Reihenfolge aller Zettel
der Kollektaneen ist zunächst infolge der allgemeinen Stichworte
 schon entweder eine sachliche oder eine chronologische.
 Die einzelnen Gruppen werden in der Regel am
besten in alphabetischer Ordnung den Kollektaneen einverleibt,
 wenn nicht besondere Gründe eine zeitliche oder
sachliche Reihenfolge als wünschenswert erscheinen lassen.
Innerhalb der Gruppen ist es auch am ratsamsten, die
Zettel in alphabetischer Ordnung aufzubewahren; Ausnahmen
 können sich ergeben aus der Rücksicht auf die
genaue zeitliche oder sachliche Einordnung aller Aufzeichnungen
 oder aus allgemeinen angenommenen und feststehenden
 anderen Reihenfolgen wie z. B. bei den vier Evangelien
und sonstigen Büchern der hl. Schrift. Ebenso werden
solche Aufzeichnungen, die sich auf Kapitel oder Verse
oder andere Abschnitte eines Buches beziehen, am einfachsten
 nach der Reihenfolge dieser Buchteile in der Stoffsammlung:
 ihren Platz erhalten. Bei verschiedenen Notizen
über den gleichen Gegenstand und die gleiche Zeit ist der
Name des Autors oder das Hauptschlagwort des "Titels in
alphabetischer Reihenfolge für die Einordnung maßgebend.
f) Um die notwendige Einheitlichkeit in der Verteilung
der Zettel zu bewahren, muß man natürlich die Schlagwörter
 stets in der gleichen Sprache nehmen und
nicht z. B. deutsche und lateinische durcheinander mengen.
Das Gedächtnis wird seinen Weg bei dem Aufsuchen einer
gewünschten Bemerkung viel sicherer und schneller finden,
wenn es nur mit Schlagwörtern in einer Sprache zu rechnen
hat. Auch werden die zusammengehörigen Bemerkungen
nur bei dieser Voraussetzung sich am gleichen Platz zusammenfinden.

g) Außer den schriftlichen Aufzeichnungen können auch
alle übrigen Materialien, die der Aufbewahrung wert
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3. Aufl. 12

art
        <pb n="190" />
        1 Kollektaneen
erscheinen, bei der Zettelmethode leicht ihren Platz in der
Stoffsammlung finden. Kleinere Zeitungsausschnitte und
Notizen, die den Umfang der gewöhnlichen Kollektaneenzettel
 nicht überschreiten, werden am besten auf solche
Zettel geklebt und mit Schlagwort und Fundortangabe versehen
 in die Sammlung eingereiht. Größere Auszüge,
Sonderabdrücke u. dgl. werden in gleicher Weise wie
die schriftlichen Aufzeichnungen größeren Formates behandelt.

Um sachlich zusammengehörige Broschüren, Sonderabdrücke,
Zeitungsblätter u. dgl. in den verschiedenen Formaten von Sedez bis
Folio leicht zusammen aufbewahren zu können, schlägt Jakob Overmans
folgendes Verfahren vor: alles was in der Höhe größer als 8° ist, wird
auf 8° oder kleiner als 8° gefaltet; alles was in der Breite kleiner als
4° ist, wird in einen Quartumschlag von etwas stärkerem Papier gelegt,
dessen unterer Rand nach innen in die offene Broschüre hineingebogen
wird, Das Falten auf 8°-Größe empfiehlt sich wegen der vielen Sonderabdrücke
 in diesem Format. Alsdann wird alles einzeln numeriert,
für jedes Stück ein Hinweiszettel in die kleine Kollektaneensammlung
eingefügl und alles zu je 100, 200 oder mehr Stück in zwei an Schnüren
verschiebbaren Pappendeckeln von Lexikonoktav geschnürt.
Bei Anwendung der praktischen größeren Aktenkästen, Selbstöffner
0. a. lassen sich diese Sammelobjekte auch ohne dieses etwas komplizierte
 Verfahren leicht und gut unterbringen (s. u.).
h) Für längere Aufzeichnungen, die zusammenhängend
gemacht werden, lassen sich auch, wie schon bemerkt
wurde, statt der Zettel ohne weiteres Hefte verwenden, oder
es können einzelne numerierte Blätter oder Quartbogen
nach Vollendung der Arbeit lose in Mappen oder Aktendeckel
 vereinigt werden. In derselben Weise lassen sich
auch kleinere oder größere Manuskripte leicht am richtigen
Platz in der Stoffsammlung aufbewahren. Aus praktischen
Gründen ist es ratsam, für seine Manuskripte das Format
der großen Kollektaneenzettel beizubehalten.
53. Aufbewahrung der Kollektaneen. In der
Frage über die Aufbewahrung der Kollektaneen können
wir von der Heftmethode ganz absehen. Denn sie kommt
für eigentliche wissenschaftliche Arbeiten als selbständige

"78
        <pb n="191" />
        Aufbewahrung der Kollektaneen 179
Sammelmethode kaum noch in Betracht, und wer sich dennoch
 mit ihr plagen will, wird selbst leicht wissen, wo er
mit seinen Sammelheften zu bleiben hat.
Für die Zettelmethode ist die Frage von größerer
Bedeutung. Denn von einer guten Aufbewahrung hängt die
Aufrechterhaltung der Ordnung und die leichte Verwendbarkeit
 der gesammelten Materialien ab. Sie ist auch die notwendige
 Bedingung, um viel unnütze Vergeudung der Zeit
und Mühe zu vermeiden.
Im allgemeinen können für die Aufbewahrung in Betracht
 kommen Sammelmappen oder Schachteln oder offene
Fächer oder Schubladen oder Kästen und Schränke.
1. Die Sammelmappen sind besonders für die Zettel
und sonstigen Sammelobjekte in größerem Format zu empfehlen.
 Einfache starke Kartonmappen in Quart oder auch
an Schnüren verschiebbare Pappendeckel können für diesen
Zweck völlig genügen. Man kann eine oder nach Bedürfnis
mehrere für die einzelnen Buchstaben des Alphabetes und
besondere für solche Gegenstände nehmen, bei denen der
Stoff reichlicher zufließt. Diese Sondermappen können dann
entweder als Unterordnungen innerhalb der Hauptgruppe
des betreffenden Buchstabens oder auch außerhalb dieser
Hauptmappe, aber in unmittelbarem Anschluß an dieselbe
ihren Platz in der ganzen Sammlung erhalten. Je nach
den Umständen und den besonderen Zweck einer Arbeit
läßt sich diese alphabetische Ordnung hier wie sonst auch
in anderer Weise durch eine sachliche oder chronologische
ergänzen oder teilweise ersetzen.
Statt der Mappen hat man Sammelbücher in Vorschlag gebracht,
die für alle Exzerpte zwischen ihren alphabetisch geordneten Blättern
Platz bieten sollen. Schon Vinzenz Placcius redete ausführlich „de
libris excerptorum“, die lose gebunden oder geheftet zur Aufnahme
der Auszüge dienen könnten (De arte excerpendi c. 2 sectio 4 p. 63—8).
Im 41. Heft der „Bibliothek für Volks- und Heimatskunde“, das über
die Anlage einer Exzerptensammlung für die hesonderen Zwecke des
Vereines „Heimat“ handelt, werden gleichfalls gebundene Exzerptenmappen
 empfohlen, die nach Bedürfnis durch Exzerptenregale entlastet
werden sollen; in diesen erhalten dann die zusammengehörigen Exk


19
        <pb n="192" />
        i- Kollektaneen
zerple in Exzerptenkuverts ihren endgültigen Platz. In der Praxis
dürfte diese Art der Aufbewahrung den Vergleich mit anderen Weisen
wohl kaum aushalten können. Auch die Arbeitsmethode nach feststehenden
 Schlagwörtern, zu denen ein langes Wörterverzeichnis als
„Schlüssel“ die verschlossene Pforte öffnet, ist für weitere Kreise kaum
einwandfrei.
Man kann auch die überall käuflichen Briefordner und Sammel*-mappen
 verschiedener Firmen, wie z. B. Friedrich Soennecken in Bonn,
Leipzig und Berlin, oder Stolzenberg in Oos-Baden und Berlin, oder
Theodor Schröter in Leipzig-Connewitz, für die Zwecke der Kollektaneen
nützlich verwenden.
Für die Aufbewahrung der Objekte größeren Formates erweisen
sich auch die verschiedenen Arten von Aktenschachteln, und namentlich
 die sog. „Selbstöffner“-Schachteln der Rheinischen Kontormöbelfabrik
 August Finkenrath Söhne in Barmen, als recht praktisch und
nützlich, bei verhällnismäßig geringen Anschaffungskosten.
2. Für kleinere Zettel wird man vielleicht im Anfang
sich mit geschlossenen Schachteln begnügen können. Sie
reichen aber auf die Dauer nicht aus und haben für die
Praxis manche Nachteile. Am besten dürften sich bei längerem
 Gebrauch entweder die einfachen offenen Fächer oder
eigentliche Sammelkästen oder Sammelschränke mit Fächern
oder Schubladen bewähren. Offene Fächer haben den
großen Vorzug, daß sie die Übersicht über das gesammelte
Material und die bequeme Verwendbarkeit desselben außerordentlich
 erleichtern. Auch die Herstellung erfordert wenig
Mühen und Kosten, da sie vom nächsten besten Tischler
in der gewünschten Form und Größe besorgt werden kann.
Wenn sie auf dem Studiertisch oder am Schreibpult in
praktischer Weise angebracht sind, können sie vielleicht
den persönlichen Wünschen mancher Jünger der Wissenschaft
 vollauf genügen. Dem Übelstand, daß der Staub
allzu leicht in die offenen Fächer eindringt, läßt sich durch
eine geeignete Schutzvorrichtung leicht abhelfen und
vorbeugen.
3. Trotzdem findet diese Art nicht den Beifall aller Sammler.
 Manche neigen mehr dem eigentlichen Sammelschrank
zu, der in 24 oder mehr Fächern oder Schubladen Raum
für die Zettel in alphabetischer Ordnung oder auch für die

“80
        <pb n="193" />
        Aufbewahrung. Bemerkungen für die Praxis ax
Exzerpte aus besonders gepflegten Teilen des großen wissenschaftlichen
 Arbeitsfeldes bietet. Das älteste Beispiel
eines solchen Sammelschrankes bietet uns wohl der öfters
genannte Vinzenz Placceius mit der ausführlichen Beschreibung
 der „Arca studiorum“ eines Anonymus, die er dann
zu einem großen „Secrinium litteratum“ vervollkommnete‘).
4. Wieder andere suchen die modernsten Erfindungen
der Neuzeit auch im Dienste der Wissenschaft nutzbar zu
verwenden. Die Anschaffung der bequemen und praktischen
 Zettelkasten oder Kartotheken erfordert zwar
einen etwas größeren Aufwand von Mitteln. Sie läßt sich
aber in den meisten Fällen doch wohl ermöglichen, und
wer sich mit diesem ganz modernen Kartensystem befreundet
hat, wird es auch für wissenschaftliche Kollektaneen sehr
brauchbar finden.
Auch für diesen Zweck der Aufbewahrung von Kollektaneenzetteln
haben sich .die Selbstöffner-Kartotheken der genannten Firma August
Finkenrath Söhne in Barmen als recht praktisch bewährt.
54. Bemerkungen für die Praxis. Es erübrigt
nur noch, einige kleinere Bemerkungen für die Praxis
beizufügen.
1. Man sorge zunächst stets für einen guten Vorrat
von gleich großen und gut beschnittenen Zetteln
oder Karten. Da ein scharf‘ geschnittener glatter Rand
für die Aufbewahrung wünschenswert ist, so empfiehlt es
sich, die Zettel aus der Fabrik zu beziehen oder mittelst
einer Schneidemaschine herstellen zu lassen. Die freien
Zettel: müssen ihren bestimmten, leicht erreichbaren Platz
auf dem Studiertisch haben. Für Bibliotheksbesuche,
Studienreisen und ähnliche Gelegenheiten kann man die
nötige Zahl von Zetteln in einem Notizbuch oder zwischen
 zwei schützenden Kartons, die mit einem Gummiband
 zusammengehalten werden, leicht mitnehmen.
2, Die Aufzeichnungen mache man nicht mit dem gewöhnlichen
 Bleistift, sondern entweder mit Tinte oder
') Vinz. Placcius, De arte excerpendi c. 2 sectio 10 p. 121—59.

iß
        <pb n="194" />
        Kollektaneen
doch mit Tintenstift. Man würde sonst bei längerem Aufbewahren
 vielleicht üble Erfahrungen hinsichtlich der Lesbarkeit
 der gesammelten Notizen machen.
3. Die Rücksicht auf leichtere Lesbarkeit und Übersichtlichkeit
 läßt es auch ratsam erscheinen, wenigstens
das Schlagwort stets in Kurrentschrift und nicht stenographisch
 zu notieren und es durch Unterstreichung hervorzuheben.
 Ebenso sollten Eigennamen, fremdsprachige Ausdrücke,
 einzelne wichtige Punkte eher kurrent als stenographisch
 geschrieben werden.
4. Es ist sehr zu empfehlen, die Zettel stets nur auf
einer Seite zu beschreiben und nur für eine Notiz
zu verwenden. Eine Ausnahnu.e für den letzteren Punkt
würde für gewöhnlich nur dann eintreten, wenn unmittelbar
 nacheinander zwei Bemerkungen über den gleichen
Gegenstand aufzuzeichnen wären, die dann per modum
unius auf demselben Zettel vereinigt werden könnten. Ist
aber der Zettel einmal in die Sammlung eingereiht worden,
so sollte er in der Regel behufs Nachtragung einer neuen
Notiz nicht wieder hervorgesucht werden. Man spart Zeit
und Mühe, wenn man frisch für jede neue Notiz einen
neuen Zettel nimmt.
5. Zum gleichen Zweck der Ersparung von Zeit und
Arbeit wird man gut daran tun, wenn man ‚die neu hinzukommenden
 Zettel nicht jedes einzelne Mal an dem ihnen
zukommenden Platz der Sammlung unterbringt, sondern
die Einreihung nur ein oder zweimal in der
Woche für alle neuen Zettel gemeinsam vornimmt.
 Durch einen etwas überstehenden, vielleicht auch
anders gefärbten Karton lassen sich die noch nicht eingeordneten‘
 Zettel leicht von den übrigen scheiden, wenn
man es nicht vorzieht, dieselben zusammen an einem gesonderten
 Platze vorläufig aufzubewahren. Wem . keine
Fahnen- und Staffelkarten für die Absonderung zur Verfügung
 stehen, erreicht denselben Zweck auf eine sehr einfache
Weise, indem er einen Karton von der gleichen Größe wie
die gewöhnlichen Zettel mit der Schmalseite als Basis auf-1892
        <pb n="195" />
        Bemerkungen für die Praxis 3
stellt, so daß er die auf ihrer Längsseite stehenden Zettel
um einige Zentimeter überragt.
6. Auf die gleiche sehr einfache Weise lassen sich auch
die Zettelreihen in beliebig viele Gruppen und
Unterabteilungen zerlegen. Der überragende Rand
dieser quer gestellten Kartons bietet gleichzeitig den geeigneten
 Raum für die Angabe des allgemeinen Gruppenschlagwortes
 und die Bezeichnung der Unterabteilungen
Mit den Leit- und Staffelkarten der Kartothek können natürlich
 ebenfalls die verschiedensten chronologischen, alphabetischen
 und sachlichen Gruppierungen leicht kenntlich
gemacht werden.
7. Es ist keineswegs schon alles getan, wenn man eine
recht große „silva rerum“ zusammengebracht hat. Man
muß auch mit seinen Schätzen möglichst vertraut sein, um
sie bei gegebener Gelegenheit nützlich verwenden zu können.
Deshalb ist es ratsam, seine Kollektaneen von Zeit
zu Zeit aufmerksam zu durchmustern und zugleich
die Ordnung der Gruppen und Zettel zu kontrollieren. Man
frischt so das Gedächtnis wieder auf, bessert hie und da
einen Ordnungsfehler und freut sich der mühsam erworbenen
 Schätze.
Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, daß es auch für die richtige
 Anlage der Kollektaneen, wie für alle übrigen Teile des wissenschaftlichen
 Arbeitens, namentlich bei den ersten Schritten von großer
Bedeutung ist, sich den Rat und die Leitung eines erfahrenen Mannes
zunutze machen zu können. Es gilt dies insbesondere von Spezialstudien
 auf gewissen Gebieten, wo der Anfänger sich allein nur schwer
zurechtfindet.

18:
        <pb n="196" />
        Das Verarbeiten des Stoffes
Dritter Abschnitt
Das Verarbeiten des Stoffes
55. Vorbemerkungen. Nach dem Sammeln des
Stoffes ist die Verarbeitung der gesammelten Materialien
Gegenstand der methodischen Betrachtung. In der Praxis
wird diese Verarbeitung allerdings nicht erst nach Vollendung
 der ganzen Sammelarbeit einsetzen. Beide Funktionen
müssen sich vielmehr gegenseitig durchdringen und fördern,
wie schon früher bemerkt wurde. Für die theoretische Betrachtung
 ist aber eine getrennte Behandlung der beiden
Punkte unerläßlich.
Mechanische Regeln lassen sich auch für diesen Teil
der wissenschaftlichen Arbeit nicht aufstellen. Denn hier
wie sonst gibt das eigene persönliche Eindringen in den
Gegenstand der Arbeit den Ausschlag und je nach der besonderen
 Art und Beschaffenheit dieses Gegenstandes wird
jeder sich selbst seinen eigenen Weg für die Bearbeitung
des Materials zu suchen haben. Doch auch hier hat die
Erfahrung anderer gewisse allgemeine Punkte festgestellt,
die dem einzelnen zur Orientierung für seine Arbeit dienen
können. Immer und überall stehen wir ja auf den Schultern
 jener, die vor uns gearbeitet haben, und wenn unser
Blick in manchen Stücken weiter reicht, so haben wir es
großenteils denen zu danken, die durch ihr Arbeiten uns
auf einen höheren Standpunkt gestellt haben.
Für die Verarbeitung des gesammelten Stoffes kommen
vorzüglich vier Stücke in Betracht.

184
        <pb n="197" />
        Vorbemerkungen
1. An erster Stelle handelt es sich um das rechte
Verständnis der Quellen und des aus ihnen geschöpften
Materials; denn vom richtigen Verstehen wird schließlich
alles abhängen und mehr oder minder alles übrige beeinflußt
 werden.
2. Hand in Hand mit dem Verstehen muß das Beurteilen
 oder die Kritik der Quellen und Texte und
Tatsachen gehen; denn sie hat zwischen Wahrem und
Falschem zu scheiden und in dem gesammelten Material
die Spreu vom Weizen und den Lolchsamen vom guten
Korne zu sondern.
3. Doch auch der gute Same ist noch längst nicht
gleichartig und gleichwertig in allen seinen Bestandteilen:
in dem gesammelten Stoff liegt auch nach der Ausscheidung
von Lolch und Spreu vielleicht noch Weizen und Roggen
und Gerste und Hafer in buntem Gemisch durcheinander
und an eine Auswahl des besseren Saatkornes aus dem
minderwertigen Haufen der gleichen Getreideart ist wohl
noch gar nicht gedacht worden. Darum muß an dritter
Stelle die Sichtung des Materials hinzukommen.
4A. Als reife Frucht dieser Ordnung wird sich dann
zuletzt die richtige Disposition des ganzen Stoffes
ergeben.
PD &amp;gt;
FANMSTS

185
        <pb n="198" />
        Das Verständnis der Quellen
Fünfzehntes Kapitel
Das Verständnis der Quellen
Vgl. die Ausführungen und Literaturangaben über Hermeneutik
in: Aug. Boeckh, Enzyklopädie und Methodologie der philolog. Wissenschaften
 (°hg. v. R. Klußmann. Leipzig 1886) 79—168; K. R. Hagenbach,
 Enzyklopädie und Methodologie der theolog. Wissenschaften
("Leipzig 1889) 180—3. 214—6; Ad. Tobler in: Grundriß der roman.
Philologie von Aust. Gröber 1 (*Straßburg 1904—06) 319 f. 346—60;
Friedr. Blass in: Handbuch der klass. Altertumswissenschaft von
Twan Müller 1 (?München 1892) 149—9248; Heinr. Kihn, Enzyklopädie
und Methodologie der Theologie (Freiburg 1892) 164—95; Herm. Paul
in: Grundriß der german. Philologie von Herm. Paul 1 (*Straßburg
1901) 178—84,
Vgl. ferner Ch. de Smedt, Principes de la critique historique
(Liege 1883) 99—116; Rud, Cornely, Historica et eritica Introductio in
U. T. libros sacros 1 (*Parisiis 1894) 535—616; Steph. Szekely, Hermeneutica
 biblica generalis. Friburgi 1902 (Literatur p. 17—27); Ernst
Bernheim, Lehrbuch der histor. Methode (°Leipzig 1908) 562—776. —
Auch die meisten Handbücher der biblischen Hermeneutik behandeln
die einschlägigen Fragen.
56. Kinleitendes. 1. Je nach der verschiedenen Beschaffenheit
 der Quellen wird auch die geistige Arbeit zur
Erlangung des richtigen Verständnisses derselben verschieden
 sein. So steht z. B. der Geschichtsforscher ganz anders
den Überresten gegenüber als den Denkmälern von Sprache
und Schrift in der Tradition. Jene können ihn zur Erkenntnis
 historischer Tatsachen führen, indem er aus ihnen
Dasein, Tätigkeit und Zustände früherer Geschlechter zu
erschließen sucht; bei diesen wird ihn das Zeugnis der

186
        <pb n="199" />
        Einleitendes 7
Urheber solcher Denkmäler über ein geschichtliches Ereignis
belehren. Bei den Überresten muß er daher ihre Beziehung
auf das Dasein, die Tätigkeit und die Zustände der Menschen
zu erkennen suchen; bei den Denkmälern der Tradition
wird er sich bemühen, den Gedanken ihrer Urheber möglichst
 vollkommen zu erfassen‘).
Die Behandlung der Überreste und ihrer Interpretation
müssen wir der Geschichtswissenschaft und ihrer Hilfsdisziplinen
 überlassen. Von allgemeinerer Bedeutung sind die
schriftlichen Denkmäler der Tradition. Sie kommen deshalb
 auch für unsere Darstellung vorzüglich in Betracht.
2. Zum vollen Verständnis eines Schriftwerkes ist erforderlich,
 daß man den ganzen Gedanken des Autors eıfasse
und alle Vorstellungen im Geiste gegenwärtig habe, die
derselbe in seinen Lesern oder Hörern hervorrufen wollte.
Die Lehre von den Mitteln, um zu diesem Verständnis
eines Textes zu gelangen, bezeichnet man gewöhnlich mit
dem Namen Hermeneutik oder Interpretationslehre. Man
unterscheidet in derselben verschiedene Arten des Verständnisses
 und der Auslegung und redet deshalb mit
Schleiermacher von einer grammatischen und psychologischen
 Interpretation, oder mit F. Ast von einer historischen,
grammatischen und geistigen, oder mit F. A. Wolf von einer
grammatischen, rhetorischen und historischen, oder mit
F. Blass von einer sprachlichen, historischen und technischen,
 oder mit A. Boeckh und H. Kihn von einer grammatischen,
 historischen, individuellen und generischen, oder
mit H. Steinthal von einer grammatischen, sachlichen, stilistischen,
 individuellen, historischen und psychologischen
Auslegung®).
3. Praktisch wird es für das Verständnis eines Textes vor
allem auf zwei Punkte ankommen: auf die rechte Erfassung
 der sprachlichen und formellen Seite und auf die
richtige Erkenntnis der Sache oder des Inhaltes, der in
1) Vgl. E. Bernheim, Lehrbuch® 569 f,
?) Vgl. F. Blass in: Handbuch d. klass. Altert. 1? 172—6.

187
        <pb n="200" />
        1 Das Verständnis der Quellen
dieser Form zum Ausdruck kommt. So läßt sich auch die
ganze Lehre in die beiden Abschnitte vom sprachlichen
und inhaltlichen Verständnis zusammenfassen. Die
grammatische, stilistische, rhetorische, technische und generische
 Interpretation gehört zur sprachlichen Auslegung,
die historische zur inhaltlichen, die individuelle, psychologische
 und geistige ist gleichmäßig bei der sprachlichen
und inhaltlichen zu berücksichtigen.
Da die einschlägigen Regeln vielfach und ausführlich
behandelt sind, dürfen wir uns umso eher mit einer kurzen
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte begnügen.
57. Das sprachliche. Verständnis. Um den Gedanken
 eines Autors richtig zu erfassen, müssen wir zuförderst
 seine Sprache möglichst vollkommen zu verstehen
suchen. Es werden dazu mehrere Stücke erfordert:
1. An erster Stelle müssen wir die allgemeine Bedeutung
 der Worte in lexikalischer und grammatischer
Hinsicht möglichst vollkommen kennen. Wir müssen die
einzelnen Elemente einer Rede richtig unterscheiden, den
Sinn der Wörter unter Beachtung der Homonymen und
Synonymen und der Etymologie festzustellen suchen, auf
die Syntax der Wörter, ihre Zusammengehörigkeit und
Trennung (Interpunktion) sorgfältig achten.
a) Eingründliches Studium der Sprachen, die
für unsere Quellen in Betracht kommen, ist. daher ganz
unerläßlich. Mit einer fremden Übersetzung sich begnügen
müssen, ist stets nur ein dürftiger Notbehelf und kann für
die ‘Hauptteile einer wissenschaftlichen Arbeit- niemals
ausreichen. Wo man in nebensächlichen Dingen auf eine
bloße Übersetzung angewiesen ist, versiäume man nicht,
durch Nennung der Übersetzung als Quelle dem Urheber
derselben die Verantwortung zu überlassen, und man
hüte sich umsomehr vor weittragenden Schlüssen aus dem
Text der Übersetzung, je weniger man imstande ist,
seine Richtigkeit durch Vergleichung mit dem Original
zu prüfen.

QR
        <pb n="201" />
        Das sprachliche Verständnis 3
Vgl. Z. Palfray, Defions-nous des traductions, in: Revue du clerge
france. 10 T. 39 (1904, 3) 397—401; Ch. de Smedt, Principes de la
eritique historique 103 f. Letzterer weist mit Recht darauf hin, daß
z. B. Baronius deshalb mancher Irrtum unterlaufen ist, weil er des
Griechischen unkundig war und sich daher bei griechischen Texten
auf die lateinische Übersetzung verlassen mußte. Und man braucht ja
wahrlich nicht ins sechzehnte Jahrhundert zurückzugehen, um Beispiele
 ähnlicher Irrtümer zu finden.
b) Bei dem Studium der Sprachen darf man sich
jedoch nicht etwa bloß mit einer schulmäßigen Kenntnis
des klassischen Sprachgebrauchs begnügen. Für die eigentlichen
 Klassiker wird dieselbe schon kaum ausreichen. Bei
anderen Texten steht man aber fast bei jedem Schritt vor
neuen Rätseln, wenn man über das Studium der Grammatik
 und des Lexikons der klassischen Sprache nicht
hinausgekommen ist. Man muß sich daher mit dem besonderen
 Sprachgebrauch jener Periode und
jener Gegend möglichst vertraut zu machen
suchen, der unsere Quellentexte angehören, und zwar
nicht bloß wo es sich um so schwierige Begriffe wie
öx6otacıc im Nicaenum handelt. Wer mit hellenistischen
Texten zu tun hat, muß im Gebiet des hellenistischen
Griechisch gründlich Umschau halten, und wer mit mittelalterlichen
 lateinischen Dokumenten sich beschäftigt, muß
das vulgäre Latein der späteren Zeiten studieren,
Überall wird man Wechsel und Wandel im Wortschatz und
vielfache Änderung der grammatischen Regeln und syntaktischen
 Konstruktionen beobachten können. Manche
klassische Ausdrücke und Wendungen verschwinden, oder
erhalten eine ganz neue, zuweilen auch eine der früheren
entgegengesetzte Bedeutung, wie z. B. aus dem klassischen
reserare = öffnen das mittelalterliche reserare + schließen
wird!). Unklassische Dialektbildungen und Fremdwörter erlangen
 das Bürgerrecht in der herrschenden Sprache, die
sich auch in ihrer Grammatik und Syntax oft gar wenig
um die klassischen Regeln kümmert.
') U. Mannucei in der italienischen Übersetzung.

18°
        <pb n="202" />
        Das Verständnis der Quellen
c) Außer der Sprachperiode ist auch schon für die allgemeine
 Wortbedeutung die besondere Literaturgattung
 zu beachten, zu der die Quellen gehören. Rechtsurkunden
 zeichnen sich schon in den ältesten Zeit durch
einen besonderen feststehenden Sprachgebrauch „mit allem
Formelkram der Schreibstube“ aus und ebenso formelhaft
wird vielfach in alten und neuen Kanzleien gearbeitet, auch
wenn es sich nicht um rechtliche Dokumente handelt. Gewisse
 hellenistische Texte sind wegen ihres engen Anschlusses
 an hebräische oder aramäische Vorbilder so sehr
von Semitismen durchsetzt, daß man den besonderen
Sprachcharakter dieser Gruppe für den Wortsinn notwendig
in Anschlag bringen muß, ohne deshalb das „Judengrie.
chisch“ als eigene Sprachform neben dem Hellenistischen
anerkennen zu müssen.
d) In anderer Weise ist der literarische Charakter
eines Textes für die Bestimmung der Wortbedeutung wichtig
 zur Beantwortung der Frage, ob ein Ausdruck im
eigentlichen oder im übertragenen Sinne gebraucht
 wird. Es liegt auf der Hand, wie sehr das richtige
Verständnis einer Quellenschrift davon beeinflußt wird, ob
eine Erzählung in geschichtlichem Gewande als eigentliche
Geschichte oder als Fabel oder Parabel aufzufassen ist. Im
allgemeinen wird man dabei als Regel festhalten müssen,
daß der eigentliche Sinn stets anzunehmen bleibt, solange
nicht das Gegenteil durch klare Gründe bewiesen, oder
wenigstens durch einen Analogieschluß oder auf andere
Weise wahrscheinlich gemacht ist. Denn man muß voraussetzen,
 daß ein Autor die Worte in ihrem gewöhnlichen
und eigentlichen Sinne verwendet, wenn nicht etwas anders
ausdrücklich von ihm bemerkt wird oder doch klar aus
seinen Worten und aus der Berücksichtigung aller Umstände
zu erschließen ist.
e) Dabei ist auch schon in dieser Beziehung die Regel
zu berücksichtigen, von der im nächsten Abschnitt bei der
Erörterung des inhaltlichen Verständnisses die Rede sein
wird: der Forscher muß sich ganz auf den Standpunkt

190
        <pb n="203" />
        Das sprachliche Verständnis 1
der einstigen Leser seiner Quelle stellen und darnach
beurteilen, ob ein Wort oder ein Satz oder auch eine Erzählung
 im eigentlichen oder übertragenen Sinne zu nehmen,
und was überhaupt als eigentlicher Sinn festzuhalten ist.
Denn nicht was ein heutiger Leser als eigentlichen Sinn
empfindet, muß deshalb auch schon den Lesern früherer
Jahrhunderte oder Jahrtausende als solcher erschienen sein.
Leider nur zu oft werden so spätere Auffassungen in
frühere Zeiten hineingetragen und falsche Auslegungen einer
Quelle veranlaßt‘).
f) Wie schon in dieser Hinsicht so kommt die Persönlichkeit
 des Verfassers eines Textes bei der Bestimmung des
allgemeinen Wortsinnes weiterhin auch wegen seines individuellen
 Sprachgebrauches in Betracht. Freilich
hat noch lange nicht jeder Schriftsteller seinen individuellen
Stil und zu gewissen Zeiten mag ein vorherrschender Formalismus
 mehr als sonst die individuelle Färbung des Ausdrucks
 bei den einzelnen Autoren zurückdrängen, wie der
„Stil von 1830“ in Frankreich. Es wird auch stets eine
Sache von großer Schwierigkeit sein und viel Übung und
Scharfblick erfordern, das sprachliche Privateigentum des
einzelnen von dem zu sondern, was der ganzen Periode
oder der besonderen Literaturgattung angehört, oder was
er bewußt oder unbewußt von fremden Vorbildern erborgt
hat. "Trotzdem darf diese Prüfung des individuellen
Sprachgebrauches. und Stiles nicht unterlassen werden.
Fortgesetzte Übung wird den Blick schärfen und das
Auge für die Beobachtung der feinen Unterschiede empfänglich
 machen, denen die allgemeine Bedeutung eines
Ausdruckes infolge der besonderen Eigenheiten eines Autors
unterliegt.
Hilfsmittel zur Bestimmung der allgemeinen Wortbedeutung sind
zunächst die Grammatiken und Wörterbücher der verschiedenen Sprachen
sowie die philologischen Handbücher und Grundrisse von J. Müller für
die klassische Altertumswissenschaft, H. Paul für die germanische Philologie,
 G. Gröber für die romanische Philologie, C. Bühler für die
') Bemerkung von J. Overmans.

19°
        <pb n="204" />
        i Das Verständnis der Quellen
indo-arische Philologie, W. Geiger und E. Kuhn für die iranische
Philologie u. a. Für die hiblische Philologie finden sich die
wichtigsten Hilfsmittel zusammengestelt bei Hagenbach, Encyklopädie '*
196 — 201; Kihn, Encyklopädie 103—20; Cornely, Introductio 1° 579—81;
Seckely, Hermeneutica 90—5; es kommen hiezu die neuen Wörterbücher
des neutestamentlichen Griechisch von .E, Preuschen und Fr, Zorell
(Paris 1911) und die neutestamentlichen Grammatiken von Winer, Beelen,
 Moulton und Blass. — Über das hellenistische Griechisch
ist besonders zu vergleichen der Artikel von Adolf Deissmann (mit
ausführlicher Bibliographie) in: Realenzyklopädie für prot. Theologie
und Kirche* 7 (Leipzig 1899) 627—39. — Für die Kenntnis des späteren
 Griechisch sind wichtig: Henricus Stephanus (Henri Estienne),
Thesaurus linguae graecae, Paris 1835—-56; Charles du Fresne Sieur
du Cange, Glossarium ad scriptores mediae et infimae graecitatis.
Lyon 1688; E. A. Sophocles, .Greek Lexicon of the roman and byzantine
 periods (from B. C. 146 to A. D. 1100). New York und Leipzig
 1888; Henr. van Herwerden, Lexicon Graecum suppletorium et dialecticum.
 *Lugduni Bat. 1910; ferner die Lexika von Bailly, Liddell-Scott,
 Passow, Pape u. a. — Für das spätere Latein leisten gute
Dienste: Du Cange, Glossarium ad seriptores mediae et infimae latinitatis.
 Niort 1883—87; L. Dieffenbach, Glossarium latino-germanicum
mediae et infimae aetatis. Francofurti 1857; Aegid. Forcellini, Totius
latinitatis lexicon, auctum ... cura et studio Vinc de Vit. Prati
1858—77; C. Paucker, Supplementum lexicorum latinorum 1, Berlin
1858; die Lexica von Freund, Georges u. a. Der „Thesauruslinguae
latinae“, der von den vereinigten Akademien von Berlin, Göttingen,
Leipzig, München und Wien herausgegeben wird und i. J. 1900 zu
erscheinen begonnen hat, umfaßt den Wortschatz der lateinischen
Schriftsteller, Inschriften und Glossare bis zum Ende des 6. Jahrhunderts
 n. Chr. — Von deutschen Wörterbüchern seien genannt:
Jakob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch (wird fortgesetzt
unter Leitung von M. Heyne); M. Heyne, Deutsches Wörterbuch,
3 Bde. ’Leipzig 1905 f.; M. Lexer, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch,
 3 Bde. Leipzig 1872—78 (Auszug daraus im 1 Bd. *1885);
K. Schiller und A. Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde,
Leipzig 1876—81 (Auszug daraus im 1 Bd. 1888). — Weitere bibliographische
 Notizen vgl. bei Bernheim® 286—9.
Übrigens bleibt das Hauptmittel für das Studium des Sprachgehrauches,
 namentlich bei weniger bearbeiteten Perioden und Autoren,
das eigene Lesen und Vergleichen der Schriften, die der gleichen Zeit
und Art angehören oder ihr nahe stehen. Übersetzungen können dabei
zwar gute Dienste leisten, sollen uns aber nur den Weg zum Original
zeigen, nicht das Original ersetzen. Ebensowenig dürfen wir uns einfach
mit der Angabe eines Wörterbuches begnügen. Auch diese unentbehr-‘92
        <pb n="205" />
        Das sprachliche Verständnis 133
lichen Hilfsmittel sollen nur Wegweiser zu den Quellen sein, in denen
wir die angeführten Zitate und Beweise für die Bedeutung eines Wortes
selbständig nachzuprüfen haben. „Nisi videro . . ., non credam“.
2. Mit der allgemeinen Wortbedeutung ist der Sinn
eines Satzes oder eines Ausdruckes auch nach seiner sprachlichen
 Seite hin in vielen Fällen noch längst nicht hinreichend
 festgestellt. Für eine bestimmte Quelle und einen
gegebenen Text müssen wir ferner wissen, welche von den
verschiedenen möglichen Bedeutungen hier zutrifft und festzuhalten
 ist. Die Bestimmung dieses besonderen
Wortsinnes an einer gegebenen Stelle ist das
zweite Erfordernis für das sprachliche Verständnis eines
Textes.
a) Für die Erkenntnis dieses Wortsinnes ist es vor allem
wichtig, auf den näheren und entfernteren Zusammenhang
 eines Satzes zu achten. Schon die alten
Schriftsteller und Erklärer heben diese Notwendigkeit der
Beachtung des Kontextes häufig hervor. „Prudentem semper
admoneo lectorem“, bemerkt der hl. Hieronymus, „ut non
superstitiosis acquiescat interpretationibus et quae commatice
 pro fingentium dicuntur arbitrio, sed consideret priora,
media et sequentia et nectat sibi universa quae scripta sunt“ ').
Dabei ist a) zunächst auf den grammatischen
Kontext zu achten, den man in jedem Text anzunehmen
hat, solange nicht ein Anakoluth klar bewiesen ist.
„ ß) Der logische Zusammenhang kann sodann neues
Licht über den Gedankengang einer Stelle verbreiten.
Y) Wo ein solcher scheinbar nicht vorhanden ist, wird
man den psychologischen Kontext zu untersuchen
haben, der nicht selten die Verbindung der Gedanken
und Sätze aus den seelischen Bewegungen und Eindrücken
des Sprechenden zu erklären geeignet ist. Für gewöhnlich
 wird diese allseitige Beachtung des Zusammenhanges
 vom größten Wert für die Bestimmung des richtigen
 Wortsinnes sein.
') S. Hieronymus, In Matih. 25, 13. (Migne, P. L. 26, 193 B).
Vgl. R. Cornely, Introductio 1° 585. 587.
Fonck, Wissenschaftliches. Arbeiten. 3. Aufl.

ü
        <pb n="206" />
        Das Verständnis der Quellen
b) Durch den Zusammenhang lernen wir ferner den
Gegenstand eines Textes sowie die Absicht und den
besonderen Zweck des Autors näher kennen. Beide
Punkte können wiederum die allgemeine Bedeutung eines
Ausdruckes oder Satzes genauer begrenzen und den wahren
Sinn uns klar machen.
c) Ein sehr wichtiges Hilfsmittel ist weiterhin die Vergleichung
 von wort- oder sachgemäßen Paralleltexten
 desselben oder eines ihm nahestehenden Autors.
Dabei werden. die sachlichen Parallelen in der Regel von
größerem Nutzen sein als ähnliche Wortverbindungen und
ein zweiter Text des gleichen Autors führt besser und
sicherer zum Ziele als Stellen verschiedener, wenngleich
verwandter Schriftsteller.
d) Bei dieser Vergleichung von Paralleltexten werden
sich für gewöhnlich zwei Regeln als zutreffend erweisen:
a) Zweideutige und unklare Stellen müssen nach klaren
und eindeutigen Worten erklärt werden. „Obscuriora per
clariora illustranda ‘sunt“. Doch können auch zwei für sich
allein unklare Stellen durch Gegenüberstellung einander
zuweilen etwas aufhellen.
ß) Kurze Erwähnungen und knappgefaßte Ausdrücke
sind nach ausführlichen Erörterungen über denselben Gegenstand
 zu erläutern: „Breviora per longiora explicanda sunt“.
58. Das inhaltliche Verständnis. Die Bestimmung
 der allgemeinen Bedeutung und des besonderen
Sinnes der Worte und Sätze eines Autors soll in der Regel
nur ein Mittel sein, um. zum rechten Verständnis des Inhaltes
 seiner Worte zu gelangen und dadurch seine Gedanken
 und Vorstellungen in unserem Geiste wieder aufleben
 zu lassen. Das volle sprachliche Verständnis wird
uns zwar schon irgendwie mit diesem sachlichen Inhalte
eines Textes bekannt machen. Aber es muß diese Kenntnis
nach allen: Seiten hin noch bedeutend vertieft werden, damit
 wir uns die Begriffe und Vorstellungen eines Autors
möglichst vollkommen vergegenwärtigen können. Zu diesem

194
        <pb n="207" />
        Das inhaltliche Verständnis _B
erweiterten und vertieften inhaltlichen Verständnis reicht
die sprachliche Betrachtung nicht mehr aus, mag sie auch
noch so allseitig angestellt werden.
Wir müssen zu diesem Zwecke vorzüglich eine doppelte
Seite berücksichtigen, die wir als persönliche und sachliche
unterscheiden können.
1. Die persönliche Seite bezieht sich auf die Person
des Autors und alles das, was in seinem Lebensgang und
in seinen äußeren Lebensverhältnissen auf seine Anschauungen
 und seine Entwicklung einen Einfluß ausgeübt hat.
Je klarer und wahrer das Bild ist, das wir uns von der
Person eines Schriftstellers machen, desto vollkommener
werden wir auch in seine Gedanken und Vorstellungen
einzudringen vermögen.
a) Die einzelnen Züge zu diesem geistigen Bilde eines
Autors müssen wir uns zunächst aus allen uns zugänglichen
Nachrichten über seine Person, seinen Charakter,
 seinen Lebens- und Bildungsgang zusammensuchen.
 Auch seine eigenen Schriften werden uns manchen
Zug zu diesem Bilde bieten, ohne daß wir deshalb den Vorwurf
 eines fehlerhaften Zirkelschlusses zu fürchten brauchen.
Denn wenn an dieser oder jener Stelle dieser Schritten deutlich
 ein bestimmter. Charakterzug hervortritt, so kann ich
doch dieses Charakterbild, das sich allmählich immer klarer
gestaltet, wiederum bei anderen weniger deutlichen Stellen
verwenden, um. tiefer in das sachliche Verständnis des
Textes einzudringen. Ebenso werden persönliche Erlebnisse,
die der Autor in seinen Schriften erzählt, oft neues Licht
auf schwierige Textstellen werfen.
b) Ein Schriftsteller steht aber nicht allein in der Welt.
Das Bild seiner Persönlichkeit dürfen wir ebensowenig isolieren.
 Wir müssen den Mann im Kreise seiner Familie
 sehen oder in der Gesellschaft seiner Freunde
und Bekannten?). Vielleicht zeigen sich da gewisse Strömungen,
 Tendenzen und Anschauungen, deren Spiegelbild uns
1) „Lamennais et Beranger s’eclairent mutuellement; de m6&amp;amp;me
Renan et Berthelot“. Franz. Bearbeitung p. 105.

19
13*
        <pb n="208" />
        Das Verständnis der Quellen
in dem einen oder anderen Texte begegnet. Vielleicht
mögen uns die Einwirkungen vonseiten der Umgebung den
lange vergeblich gesuchten Schlüssel zu manchem Rätsel
an die Hand geben.
c) Doch auch außerhalb dieses nächsten Kreises müssen
wir schon mit Rücksicht auf die Person des Autors Umschau
halten bei seinen Volks- und Zeitgenossen, mit denen
er in vielen Stücken die gleichen Ansichten und Meinungen
teilte. Wenn wir uns etwas mit den vorherrschenden Ideen
und Anschauungen der Zeit vertraut gemacht haben, wird
uns das Verständnis der Gedanken und Vorstellungen eines
einzelnen Mannes viel leichter werden, der durchgängig auf
dem Standpunkt seiner Zeitgenossen steht und als „Kind
seiner Zeit“ in Wort und Schrift sich äußert. Je weniger
eine scharfe Scheidung zwischen den individuellen Ansichten
des einzelnen und dem Gemeingut seiner ganzen Zeit möglich
 ist, desto notwendiger muß man. die Anschauungen
der näheren und entfernteren Umgebung eines Autors studieren,
 um sich ein klares Bild von dem Inhalt seiner
Schriften zu machen.
d) Wie Zeit und Volk so haben auch Ort und Land
in der Regel dem Autor ihren Stempel aufgedrückt. Schon
in dem Charakter seines Volkes hat er einen Teil der physischen
 Einwirkung seiner heimatlichen Landesnatur mit
zu tragen. Sie werden auch in seiner Denkweise und in
manchen seiner Bestrebungen zum Ausdruck kommen und
infolge der geheimnisvollen Wechselwirkung zwischen Naturund
 Geisteswelt vielfach seiner Auffassungs- und Ausdrucksweise
 ihre besondere Färbung geben.
Wer auf alle diese verschiedenen Momente hinsichtlich
der Persönlichkeit eines Autors achtet, dem mag es vielleicht
 gelingen, sich ganz in den Kreis seines Denkens und
Wollens und Fühlens hineinzuleben und so seine Eigenart
in sich gewissermaßen zu reproduzieren. Diese Kongenialität
befähigt ihn dann am besten, zum vollen Verständnis des
Gedankeninhaltes eines Textes zu gelangen, soweit die persönliche
 Seite in Betracht kommt.

196
        <pb n="209" />
        Das inhaltliche Verständnis A}
2. Neben dieser persönlichen Seite ist sodann für das
inhaltliche Verständnis des Textes auch das sachliche
Moment vorzüglich zu beachten.
a) Schon hinsichtlich der Persönlichkeit des Schriftstellers
spielt freilich der sachliche Hintergrund, die äußeren Verhältnisse
 seiner Zeit, seines Volkes und Landes eine große
Rolle. Alles dieses, was man seit Taine und Comte als
Milieu, als Umwelt oder Außenwelt. des Schriftstellers zu
bezeichnen pflegt, ist im Bezug auf die Person des Autors
insoferne von Bedeutung, als es eine Einwirkung auf seine
Individualität ausübt und in seiner Auffassungs- und Ausdrucksweise
 sich geltend macht. Für die theoretische Betrachtung
 ist davon aber die Behandlung der sachlichen
Momente zu trennen, insoweit sie in einem Texte erwähnt
oder angedeutet oder vorausgesetzt werden. Unter dieser
Rücksicht liegt die Notwendigkeit noch viel klarer zu Tage,
jene äußeren Tatsachen und Verhältnisse sorgfältig zu beachten,
 nicht bloß um die Individualität eines Autors zu
begreifen, sondern auch um den Inhalt seiner Schriften
zu verstehen.
6) Die Anforderungen, welche diese sachliche Seite an
die Auslegung stellt, können wir mit Bernheim dahin zusammenfassen,
 daß „der Forscher die Verhältnisse von Zeit
und Ort womöglich so kennen muß wie der einstige Leser
oder Leserkreis, an welchen der Autor sich als an sein
Publikum wandte“!). Ähnlich spricht schon Johann Jakob
Wetstein, auf den E. Cornely hinweist (Introductio 1?589),
die gleiche Forderung mit Bezug auf die Auslegung des
Neuen Testamentes aus: „Si libros Novi Testamenti planius
 et plenius intellegere cupis, indue personam illorum,
quibus primum ad legendum ab Apostolis traditi fuerunt;
transfer te cogitatione in illud tempus et in illam regionem,
ubi primum leeti sunt: cura ut, quantum fieri potest, illorum
 hominum ritus, mores, consuetudines, opiniones, sententias
 receptas, proverbia, parabolas, sermones quotidianos,
‘) E. Bernheim, Lehrbuch® £ 38.

19"
        <pb n="210" />
        . Das Verständnis der Quellen
modum et rationem aliquid alteri persuadendi et causis
fidem faciendi, cognoscas“!).
Die französische Bearbeitung (p. 106 f) erinnert noch an die
treffenden Worte von Louis Thomassin, Ancienne et nouvelle discipline
de l’Eglise touchant les benefices et les beneficiers (Paris 1678), Preface
p. XXIV: „C'est 1a la source feconde d’une infinit&amp;amp; de fausses preventions
 et de mauvais raisonnemenis quand on n’a la tete remplie
que des usages, des opinions et des maximes des derniers si@cles et
que sur ces principes on veut raisonner de la discipline des siecles
passes. Il faut se depayser entierement et oublier en quelgue maniere
le vieux monde quand on passe dans un nouveau moOnde qui est a la
verite beaucoup semblable &amp;amp; l’ancien, mais qui est aussi beaucoup
different“,
c) Man muß daher zuvörderst die Zeit und den Ort der
Entstehung einer Schrift und ihren ersten Leserkreis möglichst
 genau zu bestimmen suchen; denn von der Beantwortung
 dieser Fragen hängt die ganze weitere Untersuchung
 ab. Man wird sich dann eingehend zu beschäftigen
 haben mit dem Lande, seiner Geschichte und seiner
natürlichen und politischen Geographie, mit den Leuten
und ihrem privaten und öffentlichen, politischen und
religiösen Leben, mit ihren kulturellen Zuständen und
Einrichtungen, ihren gewerblichen, künstlerischen, wissenschaftlichen,
 religiösen Bestrebungen, kurz mit allem, was
sie uns in ihrem äußeren und inneren Leben näher
bringen kann.
d) Eine sorgfältige Prüfung des Textes muß dann
weiter zeigen, wo die Untersuchung von einzelnen Punkten
aus der sozialen, politischen oder religiösen Geschichte
oder von besonderen Zuständen und Einrichtungen auch
außerhalb jener Grenzen notwendig ist, die durch Ort und
Zeit der Entstehung und durch den ersten Leserkreis gegeben
 sind.
So fordert das volle Verständnis eines Textes allerdings
 große und gründliche Arbeit. Es ist aber eine Arbeit,
die jeder mit gutem Willen, Fleiß und Beharrlichkeit leisten
') J. J. Wetstein, De interpretatione N. T., im Anhang zu seinem
Novum Testamentum graece 2 (Amstelaedami 1752) 878.

198
        <pb n="211" />
        Das inhaltliche Verständnis. Falsches Verständnis 199
kann. Es ist eine Arbeit, die schon in sich selbst hohe
Freude und Befriedigung gewährt und uns in den Stand
setzt, im Dienst der Wissenschaft und zur Förderung der
Erkenntnis der Wahrheit Ersprießliches zu leisten. Übrigens
wird man sich auf einem enger begrenzten Gebiet, wie es
besonders für den Anfang stets zu empfehlen ist, schon
verhältnismäßig bald und ohne allzu große Anstrengungen
hinreichend auskennen. „Dimidium facti qui coepit habet:
sapere aude“.
Als Hilfsmittel dienen für diesen Teil der wissenschaftlichen Arbeit
 die Handbücher der Archäologie, Geographie und Geschichte, insbesondere
 der Kulturgeschichte, für die verschiedenen Länder, Völker
und Zeiten. Die wichtigsten werden in den früher (n. 57, 1f) p- 191 f)
genannten philologischen Handbüchern und Grundrissen angeführt. Für
die Einzelfragen ist die Fachliteratur eines jeden Gebietes zu vergleichen.
Vgl. auch X. Bernheim, Lehrbuch® 279—323.
Als Voraussetzung für das Verständnis des Textes bei handschriftlichen
 Quellen wäre noch die Schriftkunde (Paläographie und Handschriftenkunde)
 zu behandeln, als deren Begründer Jean Mabillon mit
seinem Werke „De re diplomatica libri sex“ (Paris 1681) und Bernard
de Montfaucon mit seiner „Palaeographia graeca“ (Paris 1708) zu betrachten
 sind, Wir müssen uns bescheiden, auf die Behandlung der
einschlägigen Fragen und die bibliographischen Angaben bei Friedrich
Blass, Palaeographie, Buchwesen und Handschriftenkunde (in: Handbuch
 der klass. Altertumswissenschaft von /. Müller 1 [°München 1892]
299—355), E. Bernheim, Lehrbuch® 289—306 und K. Breiholz in:
Grundriß der Geschichtswissenschaft von Al. Meister 1, 1 (Leipzig 1906)
Q1—130 zu verweisen. Die wichtigsten Hilfsmittel für die griechische
und lateinische -Paläographie sind: Ed. Maunde Thompson, Handbook
of Greek and Latin Palaeography. New edition. London 1908; Wühh.
Wattenbach, Anleitung zur griechischen Paläographie. Leipzig 1895;
ders., Anleitung zur lateinischen Paläographie, ‘Leipzig 1886; Wilh.
Arndt, Schrifttafeln zur Erlernung der Jateinischen Paläographie,® von
M. Tangl. Berlin 1897 f; Franz Steffens, Lateinische Paläographie.
Freiburg i. S. 1903 ff; M, Prou, Manuel de paleographie latine et
francaise du VIme au XVIIme siecle, suivi d’un dietionnaire d’abbreviations.
 ?Paris 1892; E. Chätelain, Paleographie des classiques latins.
Paris 1894—1900; Thompson-Fumagalli, Paleografia greca © Jatina.
2Milano 1899; Cesare Paoli, Programma di paleografia latina, 3 fasc.
2Firenze 1885—1902,
59. Falsches Verständnis. Um auf dem Wege
der sprachlichen und inhaltlichen Auslegung das Ziel des
        <pb n="212" />
        200 Das Verständnis der Quellen
vollen Verständnisses zu erreichen, muß man die angegebenen
 Mittel gebrauchen, zugleich aber in der Anwendung
derselben sich vor vielbetretenen Irrwegen hüten.
1. Ein Irrweg ist es zunächst, wenn man aus falscher
Wißbegierde zuviel in den Text hineinlegt. Eine solche
Auslegung findet in ganz nichtssagenden Kleinigkeiten große
Geheimnisse und weiß jedem Texte wunderbare Mysteria
zu entlocken, für die bei einer nüchternen methodischen
Interpretation gar kein Anhaltspunkt gegeben ist. Sie legt
Nicht aus, sondern unter.
Klassische Beispiele dieser Interpretation per excessum bieten uns
die Anhänger der allegorisierenden Methode, wie sie namentlich in der
alexandrinischen Schule vor alters im Schwunge war. Für jede beliebige
 Zahl, die in einem Bibeltexte ihnen begegnete, wußten sie eine
oder mehrere tiefe Bedeutungen anzugeben, auf deren Erklärung sie
oft viel geistreichen Scharfsinn verschwendeten. Man begnügte sich
dabei nicht mit den herkömmlichen Spielereien bei den gewöhnlichen
Zahlen von 1 bis 10. Auch beim 38jährigen Kranken und bei den
153 Fischen des zweiten wunderbaren Fischfanges wußte man genau
den tiefen Grund und die verborgene Bedeutung dieser Zahlen anzugeben.
 Und wie mit den Zahlen so versuchte man es fast mit jedem
kleinen Zuge in einer geschichtlichen Erzählung der Bibel. Noch viel
weiter über jede Grenze einer vernünftigen und berechtigten Erklärung
hinaus gingen die Gnostiker, von denen Irenaeus redet (Adv. haer. 1
ce. 1n. 5 ete.), und später die talmudischen Rabbiner mit ihren kabbalistischen
 Phantastereien.
Man könnte diese ganze Richtung als längst begraben und vergessen
 beirachten, wenn nicht einige Vertreter der modernen Wissenschaft
 in unseren Tagen ihr Andenken wieder aufleben ließen. Was
Alfred Loisy, Theodore Calmes’) (in abgeschwächter Form) und andere
Verteidiger der allegorischen Erklärung des vierten Evangeliums in die
Berichte des Erzählers hineindeuten, ist auf dem Wege einer methodischen
 Auslegung gleich unerfindlich wie die alten symbolischen Deuteleien.
 Das gleiche gilt von Ernst Böklen, Adam und Qain im Lichte
der vergleichenden Mythenforschung (Leipzig 1907), der in den Erzählungen
 der ersten Kapitel Genesis lauter ursprüngliche Mondmythen
findet, ähnlich wie Hugo Winckler und andere Anhänger der Astral-Mmythentlreorie,
 Solche Ansichten stehen aber noch um eine Stufe tiefer,
*) Trotz ‚des Widerspruches von M. J. Lagrange (Rev, bibl. N. S. 5
[1908] 450 n. 2) muß ich 7A. Calmes zu /den Verteidigern einer abgeschwächten
 Form der allegorischen Erklärung des vierten Evangeliums
 rechnen.
        <pb n="213" />
        Falsches Verständnis 201
als die alten symbolischen Auslegungen, weil jene alten Allegoriker
mit wenigen Ausnahmen dem geschichtlichen Sinne des Textes doch
noch volle Gerechtigkeit widerfahren ließen und ihre symbolische Interpretation
 erst auf der Grundlage einer historischen Erklärung aufbauen
 wollten.
Andere Beispiele phantastischer Hyperinterpretation aus dem Gebiete
 der Geschichte zitiert Bernheim 595—9.
9, Ein anderer Irrweg führt in _entgegengesetzter
Richtung vom Ziele ab. Man findet zuwenig in einem
Texte und gelangt deshalb nicht zum vollen Verständnis
desselben.
Auf diesen falschen Weg gerät man überhaupt durch
oberflächliche Arbeitsweise und insbesondere durch Vernachlässigung
 oder oberflächliche Anwendung der verschiedenen
Mittel der sprachlichen und inhaltlichen Auslegung. Jeder
wird dafür auf seinem eigenen Arbeitsgebiete leicht zahlreiche
 Beispiele finden können.
3. Weit gefährlicher ist aber der Irrtum jener, die in
einem Text etwas anderes als den Gedanken des Autors
und wohl auch das gerade Gegenteil davon finden wollen.
Der Grund dieses verbreitetsten und verderblichsten
Fehlers kann sehr verschieden sein.
a) Zuweilen ist es Mangel an der notwendigen Sachkenntnis
 oder auch eine oberflächliche Arbeitsweise. Da
beide Ursachen die gleichen Wirkungen haben, lassen sie
sich im Einzelfall oft nur schwer voneinander unterscheiden,
Zuweilen wirken Beispiele solch falschen Verständnisses infolge
mangelnder Sachkenntnis in wohltuend erheiternder Weise auf die ermüdeten
 Kopfnerven eines armen Bücherlinges ein. Wenigstens eines
möge hier zu gemeinem Nutz und Frommen Platz finden. Der kgl.
ungarische Sektionsrat i. R. Johann Jedlicka versucht in seinem Buche
„Die Entstehung der Welt“ (Göttingen o. J. [1903]) eine „kritische Beleuchtung
 der Angaben des Alten Testamentes gegenüber der Wissenschaft“
 zu geben. Auf Seite 128 spricht er von dem berühmten „Sonne,
steh still“ (Josue 10, 12), jener „kolossal dummen Behauptung“, wie er
sich ausdrückt, und bemerkt dabei gegen Aemilian Schöpfers „Bibe
und Wissenschaft“ folgendes: „Es hat ferner den begründeten Anschein,
daß auch Ae. Schöpfer an dieses mystische Ereignis glaubt. Er schreibt
nämlich aaO. S. 32, daß der Ausspruch des Alten Testamentes, daß sich
die Sonne um die Erde bewege, wahr ist, weil der englische Lehrer
        <pb n="214" />
        zZ Das Verständnis der Quellen
(damit meint er den obskuren hebräischen Scribenten, den er mit den
Engeln vergleicht) nur nach der sinnlichen Erscheinung schrieb“. Ein
einziger solcher Satz genügt ohne weitere kritische Beleuchtung der
vielfachen tatsächlichen Irrtümer, die er enthält, vollkommen als Beweis
dafür, daß der kgl. Sektionsrat i. R. sich ohne die nötige Sachkenntnis
an ein theologisches Thema gewagt hat und infolgedessen zum rechten
Verständnis seiner Quellen nicht gelangt ist.
Etwas ernster wird die Sache, wenn selbst Gelehrte wie Adolf
Harnack, Otto Zöckler, Adolf Jülicher in vielen Punkten zu einem
völlig falschen Verständnis ihrer Quellen gelangen, weil sie nicht mit
der nötigen Sachkenntnis an manche Teile ihres sehr ausgedehnten
Arbeitsgebietes herangetreten sind, oder aber diese Teile nur oberflächlich
 bearbeitet haben. Wer z. B. das Kapitel über die Gnadenlehre
des hl. Thomas von Aquin in Harnacks Lehrbuch der Dogmengeschichte
(3 [*Freiburg 1897] 550—73) mit den Quellen vergleicht, kann sich
des Eindruckes nicht erwehren, daß hier in vielen Punkten zum Teil
ganz unbegreifliche Mikverständnisse der Lehre des Aquinaten vorliegen,
die bei gründlicherer Kenntnis der scholastischen Doktrinen oder bei
sorgfältigerer Arbeitsweise hätten vermieden werden können. Schon gleich
der Ausgangspunkt der Gnadenlehre des Thomas wird von Harnack
ganz unrichtig angegeben. Der englische Lehrer handelt von der Gnade
in der ersten Hälfte des zweiten Teiles seiner Summa theologica in der
109. bis 114. Quaestio. Harnack beginnt seine Darlegung und Kritik
dieser Doktrin mit den Worten; „Thomas handelt zuerst (0. 109) von
der Notwendigkeit der Gnade. Art. 1 wird festgestellt, daß es unmöglich
sei, ohne Gnade irgend eine Wahrheit zu erkennen“ (Lehrbuch der
Dogmengeschichte 3° 556 f). Man hat schon wiederholt darauf hingewiesen,
 daß Thomas den zitierten Artikel zwar mit den Worten beginnt:
„Videtur quod homo sine gratia nullum verum cognoscere possit“, daß
er aber seiner Gewohnheit gemäß diese Ansicht im Hauptteil des Artikels
 bekämpft und zeigt, daß der Mensch ohne die Gnade nur die
„altiora intellegibilia“ nicht erkennen könne (vgl. M. Notton, Harnack
und Thomas von Aquin. Paderborn 1906).
Für den verstorbenen Greifswalder Professor Otto Zöckler sei
auf die Darlegungen in: „Zeitschrift für kath. Theologie“ 25 (1901)
708—10 verwiesen. Adolf Jülicher gelangt in seinem zweibändigen
Werk über „Die Gleichnisreden Jesu“ (Freiburg 1899) bei manchen
Parabeln zu einer völlig falschen Auslegung, weil er das in Betracht
kommende „Milieu“ Palästinas nicht hinreichend beachtet hat. Die
Belege dafür habe ich an zahlreichen Stellen in meinen „Parabeln des
Herrn“ vorgelegt.
b) Ein anderer Grund unrichtiger Auffassung ist bei
fremdsprachigen Texten nicht so selten in dem Mangel der

"92
        <pb n="215" />
        Falsches Verständnis 203
notwendigen Sprachkenntnisse zu suchen. Wie manche Beispiele
 zeigen, gilt dies ebensowohl den alten wie den modernen
 Sprachen gegenüber. Zur vollen Beherrschung einer
fremden Sprache und zum vollen Verständnis aller feinen
Färbungen und Nuancen, deren sie fähig ist, gelangen doch
nur wenige Ausländer, selbst wenn sie mit dem theoretischen
 Studium die praktische Übung im Gebrauch der
Sprache verbinden konnten.
c) Viel bedauerlicher ist aber falsches Verständnis infolge
von Vorurteilen und Voreingenommenheit für gewisse Anschauungen
 und Meinungen. ‘Leider fehlt es nur zu häufig
an der vielgepriesenen wissenschaftlichen „Voraussetzungslosigkeit“,
 namentlich wenn gewisse liebgewordene Grundsätze
 oder gar religiöse und konfessionelle Fragen zu erörtern
 sind. Nur zu oft zeigt sich bei solchen Untersuchungen
 der große Einfluß, den der menschliche Wille im
Bunde mit Phantasie und Gefühl auf das Erkenntnisvermögen
 ausübt. Kommen noch Ansichten und Urteile
über Personen und Einrichtungen hinzu, die man von Jugend
 auf stets von anderen wiederholen hörte und die man
selber angenommen hat, ohne sie jemals einer ruhigen
Prüfung auf ihre objektive Berechtigung unterworfen zu
haben, so begreift sich leicht, daß es dem geistigen Auge
schwer wird, durch all diesen Nebel hindurch das Licht
der Wahrheit zu schauen, und bei Texten, die ganz andere
Anschauungen zur Voraussetzung haben, zum richtigen Verständnis
 durchzudringen.
Dabei ist der Unterschied zwischen Vorurteil und böswilliger
 Absicht wohl zu beachten. Wenn wir uns über die
Macht der Vorurteile bei vielen unserer Gegner beklagen, so
sind wir doch weit davon entfernt, ihnen deshalb irgendwelche
 Böswilligkeit zum Vorwurfe zu machen.
Ein sehr lehrreiches Beispiel für die Macht der Vorurteile und
ihren Einfluß auf die Interpretation der Quellentexte bietet die Geschichte
 der wissenschaftlichen Leben -Jesu- Forschung seit den Tagen
des Wolfenbütteler Fragmentisten bis auf die Gegenwart. Wir sehen
in diesen anderthalb Jahrhunderten eine Hypothese nach der anderen
        <pb n="216" />
        204 Das Verständnis der Quellen
auftauchen und wieder verschwinden. Gegen die Betrugshypothese des
Reimarus tritt Paulus mit seiner reinen Natürlichkeitserklärung auf,
deren Vernichtung durch die Mythentheorie von David Friedrich Strauß
er selbst noch erleben muß. Die Grundlage des Mythus wird zum guten
Teile wieder zerstört durch die Tübinger Tendenzkritik, der sich Strauß
selbst immer mehr zuwandte, bevor er sich ganz dem Materialismu:
in die Arme warf. Die Voraussetzungen beider Hypothesen wurden
in unseren Tagen durch die moderne Evangelienkritik immer mehr als
unhaltbar nachgewiesen. Vergebens bemühen sich die Anhänger dieser
modernen kritischen Richtung, von einem mehr eklektischen oder vom
extrem eschatologischen Standpunkt aus zum richtigen Verständnis der
evangelischen Quellenschriften zu gelangen. Die mannigfach verschlungenen
 Irrpfade, auf denen sich alle diese Hypothesen bewegten und
bewegen, haben alle einen und denselben Ausgangspunkt, das Vorurteil,
als ob eigentliche Wunder und geschichtliche Tatsachen sich gegenseitig
ausschließen müßten. Mag man noch 'so sehr den Fortschritt rühmen,
den die moderne Wissenschaft in Behandlung der Wunderfrage gemacht
hat, so lange man in dem rein geschichtlichen Kerne der evangelischen
Berichte nicht wahre und wirkliche Wunder anerkennen will, wird man
mit jeder neuen Hypothese den Berichten selbst nur auf eine neue Art
Gewalt antun und sie schließlich völlig zerstören und vernichten, ohne
zu einem richtigen Verständnis der Texte zu gelangen. — Wir werden
bei Besprechung der. Regeln der Kritik auf diese Wunderfrage noch
zurückkommen müssen.
Wie sehr übrigens eine vorgefaßte Meinung selbst für das einfache
 sprachliche Verständnis hinderlich sein kann, zeigen z. B. die Ausführungen
 Otto Zöcklers über einen Text des Epiphanius in der „Realenzyklopädie
 für protest. Theologie und Kirche“ von Herzog-Hauck
(12® 313 f): „Trotz der verherrlichenden Züge, womit man ziemlich
frühzeitig das Bild und die Geschichte der Maria ausstattete, war man
bis gegen Ende des 4. Jahrhunderts noch nicht geneigt, ihr einen Kult
zu widmen oder gar Gebete an sie zu richten. Maria, sagt Epiphanius,
werde in Ehren gehalten, aber nicht angerufen, dem Herrn allein gebührt
 Anrufung (xpooxvveio%o0)“, Die ganze Beweisführung aus diesem
Text des Epiphanius steht und fällt mit der Voraussetzung, daß unter
xpooxvveiv nur „Anrufung“ und nicht etwa die dem Herrn allein gebührende
 Anbetung zu verstehen ist. Diese letziere Bedeutung läßt
sich aber nicht bloß aus dem klassisch-griechischen und dem neutestamentlich-hellenistischen
 Sprachgebrauch als durchaus gewöhnlich
und deshalb hier möglich, sondern auch aus dem ganzen Kontext des
Epiphanius als hier ausschließlich von ihm gemeint nachweisen. Die
Worte sind der Widerlegung der 79. Irrlehre in dem Hauptwerke des
Bischofs von Salamis entnommen. Sie beschäftigt sich mit den Kollyridianerinnen,
 die Maria göttliche Ehre erwiesen, indem sie ihr Brot-
        <pb n="217" />
        Falsches Verständnis 205
kuchen darbrachten und darnach eine Opfermahlzeit veranstalteten
(Adv. haereses, haer. 79. Migne, P. G. 42, 740—56). Wenn Epiphanius
diesen nun entgegenhält: „‘H Mapia &amp;amp;v tif, ö Küproc xpooxuveioto“
(n. 9), so will er damit eben jenen Opferkult verurteilen, der Gott allein
zukommt und den man als „Anbetung“ bezeichnet. Nur eine vorgefaßte
Meinung gegen den katholischen Marienkult kann in die Worte eine
Verwerfung jeglichen Kultus und jeder Anrufung hineinlegen.
        <pb n="218" />
        Die Beurteilung der Quellen
Sechzehntes Kapitel
Die Beurteilung der Quellen
Vgl. die Erörterungen und Literaturangaben über Kritik in: Jean
Mabillon, Traite des etudes monastiques 2 ch 3 (ed. lat. Jos. Porta
p- 193—201); Ign. Weitenauer, De modo legendi et excerpendi libri duo
Augustae Vind. 1775; Jos. Fessler, Institutiones Patrologiae (%ed. Bern.
Jungmann, Oeniponte 1890) 57—81; Ch. de Smedt, Principes de la
eritique historique. Liege 1883 (besonders 17—47 [dispositions n6cessaires
 au eritique]. 83—98 [authenticite des textes]. 117—36 [autorite
des textes]. 238—62 [de la conjecture]); ders., Introductio generalis ad
historiam ecclesiasticam critice tractandam (Gandavi 1876) 1—50;
Aug. Boeckh, Enzyklopädie und Methodologie der philolog. Wissenschaften
 (*Leipzig 1886) 169—254; K. R. Hagenbach, Enzyklopädie
und Methodologie der theolog. Wissenschaften (!*Leipzig 1889) 164—80.
213 f; Ad. Tobler in: Grundriß der roman. Philologie von &amp;amp;@. Gröber 1
(Straßburg 1904—06) 318—46; Friedr. Blass in: Handbuch der klass.
Altertumswissenschaft von I. Müller 1 (München 1892) 149—71
249—95; Heinr. Kihn, Enzyklopädie und Methodologie der Theologie
(Freiburg 1892) 120—63; Herm. Paul in: Grundriß der german. Philologie
 von H. Paul 1 (*Straßburg 1901) 184—200. 223—45; Ernst Bernheim,
 Lehrbuch der histor. Methode (Leipzig 1908) 324—562; Langlois-Seignobos,
 Introduction aux 6tudes historiques (*Paris 1905) 51—179;
Al. Meister in: Grundriß der Geschichtswissenschaft von Al. Meister 1
1 (Leipzig 1906) 9—15.
Für die editionstechnischen Fragen sind besonders zu beachten,
F, Stieve, Grundsätze, welche bei Herausgabe von Aktenstücken zur
neuen Geschichte zu befolgen sind, in: Bericht über die dritte Versammlung
 deutscher Historiker (Leipzig 1895) 18—28; Regulativ für
die Anlage der Ausgaben des Corpus seriptöorum ecclesiasticorum.
Wien 1901; Karl Krumbacher, Miszellen zu Romanos (Abh. d. k. bayer.
Akademie d. Wiss. 1. Kl. 24 Bd. 3 Abt.) (München 1907) 71—8,

206
        <pb n="219" />
        Einleitendes 207
122—35; ders. Zur Technik kritischer Apparate, in: Berl. Philol. Woch.
1905, 76 f; Otto Stählin, Editionstechnik, Ratschläge für die Anlage
textkritischer Ausgaben, in: Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum ete,
23 (1909, 1) 393—433 (auch separat); X. Bernheim, Lehrbuch® 447— 64
mit weiterer Literatur; Langlois-Seignobos, Introduction 55 note. Mit
Rücksicht auf die Ausführungen Krumbachers und Stählins wurden die
einschlägigen Abschnitte unserer Darstellung vielfach erweitert.
60. Einleitendes. Nach den früheren allgemeinen
Bemerkungen über den Begriff und die Aufgabe, den Zweck
und die Bedeutung, die Voraussetzungen und Eigenschaften
der rezensierenden Kritik (s. o. Kap. 8 p. 80—97) haben
wir uns hier nur noch mit der besonderen Aufgabe der
historischen Kritik zu befassen, die in der Beurteilung der
Quellen und ihrer Texte besteht.
1. Man pflegt diese Art der Kritik als die philologischhistorische
 zu bezeichnen. Man teilt sie wohl in Quellenund
 Textkritik ein oder unterscheidet in derselben mit
Boeckh die gleichen vier besonderen Gruppen wie bei der
Hermeneutik: Grammatische, historische, individuelle und
geherische (oder technische) Kritik. Es dürfte sich aber
für unsere Zwecke mehr empfehlen, nach dem Vorgang
von Bernheim u. a. nicht so sehr diese verschiedenen
Funktionen der Kritik, als vielmehr die einzelnen besonderen
 Aufgaben kurz zu erörtern, die sie bei der Beurteilung
der Quellen zu erfüllen hat und bei denen die genannten
Funktionen der Reihe nach in Tätigkeit treten. Als solche
einzelne Aufgaben bei der Beurteilung der Quellen können
wir bezeichnen die Untersuchung über die Entstehung
und Echtheit, die Erhaltung und Un verfälschtheit;
 die Glaubwürdigkeit und Wahrheit eines
Textes.
2. Für die Lösung dieser Aufgaben ist es vor allem
wichtig, daß man mit gründlicher Sachkenntnis und mit
der nötigen Vorbereitung an die Untersuchung herantrete
und sich einzig und allein durch die Beweiskraft der tatsächlichen
 Gründe, nicht aber durch persönliche Rücksichten
oder sachliche Voreingenommenheit, durch Abneigung oder

CM
        <pb n="220" />
        208 Die Beurteilung der Quellen
Zuneigung oder vorgefaßte Meinungen in seinem Urteil bestimmen
 lasse. Bei all diesen Untersuchungen handelt es
sich zumeist und zunächst um die einfache Feststellung von
Tatsachen, mag nun das Thema philologischer oder historischer
 oder theologischer Natur sein. Dabei haben wir in
erster Linie nicht die von den Quellen bezeugten, sondern
die das Zeugnis der Quellen selbst betreffenden Tatsachen
ins Auge zu fassen, um dadurch zu einem Urteil über den
Wert dieses Zeugnisses mit Rücksicht auf unser Thema zu
gelangen. Für die Feststellung dieser Tatsachen können aber
nur die objektiv vorliegenden Gründe, nicht unsere subjektiven
 Stimmungen und Meinungen maßgebend sein.
3. Aus dem Charakter der. Untersuchung ergibt sich noch
ein weiterer beachtenswerter Grundsatz. Das Vorhandensein
 oder Nichtvorhandensein von Tatsachen, die uns nicht
von der eigenen Erfahrung verbürgt sind, muß regelmäßig
durch glaubwürdige geschichtliche Zeugnisse festgestellt
werden. Rein innere Gründe können erst an zweiter Stelle,
in Ermangelung von äußeren Zeugnissen oder zur Ergänzung
derselben, in Betracht kommen, zumal der Wert dieser
inneren Gründe vielfach sehr von dem subjektiven Ermessen
 des einzelnen abhängig bleibt. Der beste Beweis
dafür ist die große Uneinigkeit und Verwirrung der Meinungen
 auf seiten der Vertreter einer Kritik, die sich hauptsächlich
 oder ausschießlich von inneren Gründen leiten
läßt.
4. Besondere Umsicht und Vorsicht erfordert bei der
kritischen Untersuchung die Verwendung des negativen Argumentum
 ex silentio. Um ein rein negatives Argument
 zur Grundlage einer Beweisführung nehmen zu können,
müssen zwei Punkte feststehen: a) daß ein Autor, dessen
Schweigen man gegen eine behauptete Tatsache anruft, dieses
Faktum notwendig hätte wissen müssen, wenn es wirklich
geschehen wäre, und b) daß er diese angebliche Tatsache
in einer vorhandenen Schrift auch hätte erwähnen müssen‘).
a 1) Vgl. Ch. de Smedt, Prineipes de la critique historique 213—37;
Langlvis-Seignobos, Introduction aux etudes historiques 220—2,
        <pb n="221" />
        Einleitendes. Hilfsmittel 7
Die Schwierigkeit dieser Feststellungen, vorzüglich hinsichtlich
 des zweiten Punktes, fordert aber stets große Vor:
sicht bei der Verwendung des negativen Beweises, insbesondere
 gegenüber wichtigen Tatsachen. Eine ausführliche
Behandlung dieser Frage gehört jedoch in das Gebiet der
Geschichtsforschung.
61. Hilfsmittel. Für die Lösung der besonderen
Aufgaben bei der Beurteilung eines Textes stehen uns teils
äußere teils innere Hilfsmittel zur Verfügung. Die äußeren
können wir unter der allgemeinen Bezeichnung von Textzeugen
 zusammenfassen. Es sind solche Nachrichten über
den Text, die wir nicht der inneren Beschaffenheit desselben,
 sondern äußeren Zeugnissen über ihn entnehmen.
Die inneren Kriterien werden uns hingegen durch die kritische
 Untersuchung des Textes selbst an die Hand gegeben.
A. Äußere Textzeugen. Man pflegt die äußeren
Textzeugen für gewöhnlich nur als „Quellen der Lesarten“
eines Textes bei der grammatischen oder allgemein philologischen
 Kritik desselben zu behandeln. Wenngleich sie
bei solchen Untersuchungen die wichtigste Rolle spielen,
kommen sie doch auch bei allen anderen Erörterungen in
der Beurteilung eines Textes (und zum Teil auch schon
für das Verständnis der Quellen) mehr oder weniger in
Betracht. Sie verdienen daher eine kurze allgemeine
Erwägung‘).
1. Zu den äußeren Textzeugen gehören: a) die Handschriften
 (codices). Den größten Wert für die Beurteilung
 eines Textes hat natürlich die Originalhandschrift
oder das Autograph ‚des Verfassers. Gewöhnlich müssen
wir uns aber bei den älteren Texten mit späteren Abschriften
 begnügen. Für die Verwertung der Handschriften
ist wie bei ’allen Zeugen ihr Alter und ihre Herkunft,
ihre Erhaltung und ihre Zuverlässigkeit maßgebend. Die
älteren Manuskripte sind zwar in der Regel, aber noch
1 Vgl. 4. Boeckh, Enzyklopädie? 195—204; Friedr. Blass in
Handbuch d. klass. Altert. 1? 277—89.
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 2 Aufl

20%
14
        <pb n="222" />
        % Die Beurteilung der Quellen
längst nicht immer die zuverlässigeren Textzeugen, weil
eine jüngere Handschrift auf eine bessere Vorlage zurückgehen
 und von einem zuverlässigerem Schreiber stammen
kann als eine ältere.
Zugleich mit den eigentlichen Handschriften verdient auch das
sonstige ungedruckte Material Beachtung, das sich oft im Nachlaß
 verstorbener Forscher finden und wertvolle Dienste leisten kann.
Vgl. 0. Stählin, Editionstechnik 402,
Das Aufsuchen der Handschriften ist durch die Kataloge
der Bibliotheken und die Verzeichnisse der vorhandenen Bücher- und
Handschriftensammlungen bedeutend erleichtert. Die wichtigeren Kataloge
 sind in der Bibliographie im ersten Anhang aufgeführt.
Für das Kollationieren und Sichten der Handschriften
wird man am besten ausgiebigen Gebrauch von der Photographie machen.
In den meisten größeren Bibliotheken ist es verhältnismäßig leicht und
auch nicht sehr kostspielig, gute Weiß-schwarz-kopien (engl. rotary
prints) herstellen zu lassen, „das einzige Mittel, um ein absolut zuverlässiges,
 bequem benützbares und zu jeder Zeit zur Revision und Kontrolle
 zugängliches Material zu gewinnen“!).
Doch wird man sich in zweifelhaften Fällen, und wo viele Handschriften
 zu untersuchen sind, zuvörderst durch die Photographie der
einen oder anderen Probeseite oder auch durch eine Probekollation
einer Anzahl charakteristischer Stellen ein Urteil über den Wert oder
Unwert einer Handschrift zu bilden suchen.
Für die Arbeit der Kollationierung selbst ist die größte Sorgfalt
und Genauigkeit erforderlich. Als Vorlage muß wo möglich stets die
gleiche Textgestalt genommen werden; die Zeilen der Vorlage wie jedes
Kollationsexemplares sind zu zählen, um darnach die Varianten zu
bezeichnen. Wenn man Mitarbeiter für die Kollationierung benützen
muß, wird man darauf zu achten haben, daß sie nach derselben Vor-”
 K. Krumbacher, Miszellen zu Romanos 76. Vgl. ders., Die
Photographie im Dienste der Geisteswissenschaften. Leipzig 1906 (Neue
Jahrbücher 17 [1903] 601—58) und O0. Stählin, Editionstechnik 404 f.
— „Die vatikanische Bibliothek ist längst mit einem wahrhaft großartigen
 Beispiele von Liberalität vorangegangen“ in Vermittlung von
billigen Photographien ihrer Handschriften (Krumbacher, Miszellen
77). Für die Bodleiana in Oxford wende man sich an Mr. Horace Hart,
M. A., University Press, Oxford. Für Londoner Manuskripte gibt Stühlin
(aaO.) die Adresse der photographischen Firma Donald Macbeih, 66,
Ludgate Hill, London E. C.; für Cambridge: Mr. W. F. Dunn, University
Library, Cambridge; für Wien: Photographische Anstalt S. Schramm,
Wien V, Stolberggasse 9.

10
        <pb n="223" />
        Hilfsmittel: Äußere Textzeugen 211
lage und nach den gleichen Normen ihre Arbeit leisten, die wo möglich
mit Hilfe der Photographien zu kontrollieren ist.
„Bei der Kollation selbst sind auch Orthographica, Spiritus, Akzente
 u. dgl. zu notieren, obwohl sie nicht in. den Apparat kommen,
weil sie für die Erklärung von Korruptelen oder für das Erkennen des
Handschriftenverhältnisses wichtig sein können. Besondere Aufmerksamkeit
 ist auf Lücken im Text und auf Korrekturen und Rasuren zu
richten. Zu notieren sind auch die Stellen, wo plötzlich spitzere oder
breitere Feder, hellere oder dunklere Tinte, breitere oder engere Schrift
beginnt“ (0. Stählin aaO. 407; vgl. ebd. 404—7).
Wer in der glücklichen Lage ist, unter alten Handschriftenschätzen
ein noch nicht benütztes Manuskript aufzufinden, wird leicht dazu
geneigt sein, seinen Wert zu überschätzen. Es ist zwar psychologisch
leicht erklärlich, mahnt aber deshalb umsomehr zu großer Vorsicht.
Eine gute kritische Ausgabe mit ausführlichem kritischen Apparat
macht bei vielen Texten für den gewöhnlichen Gebrauch bei einer
wissenschaftlichen Arbeit das Zurückgehen auf die Handschriften entbehrlich.

b) Die ältesten Drucke eines Textes (editio princeps
oder auch spätere Ausgaben) müssen dann als Textzeugen
berücksichtigt werden, wenn sie auf jetzt verschollene oder
verlorene Handschriften zurückgehen,
Bei der Vorbereitung einer neuen Textausgabe müssen möglichst
alle früheren Ausgaben verglichen und verwertet werden (vgl. O0. Stählin
 400 f).
c) Als Zeugen des ganzen Textes sind ferner die
alten Übersetzungen wichtig, weil sie häufig aus viel
älterer Zeit stammen als die meisten Handschriften. So
würden wir zB. für den hebräischen Bibeltext des Alten
Testamentes mit unseren Handschriften nicht viel über
das zehnte Jahrhundert n. Chr. hinauskommen, während
uns die griechische Übersetzung in das zweite vorchristliche,
die syrische, lateinische und koptische Übersetzung in das
zweite und dritte nachchristliche Jahrhundert hinaufführen.
Für die Verwertung der Übersetzung muß aber außer den
allgemeinen kritischen Faktoren noch besonders die Treue
der Übertragung, ihr Verhältnis zum Original und die Erhaltung
 ihres eigenen Textes geprüft werden.
d) In ähnlicher Weise wie die Übersetzungen können
auch die alten Kommentare und Scholien zu einem
an

14
        <pb n="224" />
        BL Die Beurteilung der Quellen
Texte wertvolle Aufschlüsse über das zugrunde liegende
Original geben. Doch haben sie in vielen Fällen nur für
den Gedankeninhalt und nicht für den Wortlaut des Textes
größere Bedeutung, wenn sie nicht rein philologisch den
Text interpretieren, oder bei der sachlichen Erklärung eine
bestimmte Form des Textes voraussetzen.
Den Kommentaren und Scholien sind manche alte
Paraphrasen beizuzählen, die von einer wörtlichen Über“
setzung soweit sich entfernen, daß sie meist nur eine erklärende
 Umschreibung des Originals bieten.
e) Die ältesten Zeugen eines "Textes sind nicht selten
Zitate und Nachahmungen bei späteren Schriftstellern. Es
ist aber bei diesen wohl zu. beachten, ob ein wirkliches
Zitat oder nur eine Anspielung vorliegt, ob ferner das Zitat
wörtlich oder nur dem Sinne nach und aus dem Gedächtnis
gemacht wurde, ob das Zitat selbst nicht später einer anderen
 Textform zuliebe geändert worden ist. Ebenso muß
die Zuverlässigkeit des zitierenden Zeugen nach den allgemeinen
 kritischen Regeln geprüft werden, bevor man sein
Zeugnis als beweiskräftig verwerten kann.
f) Endlich gehören zu diesen äußeren Textzeugen
auch alle sonstigen Zeugnisse und Nachrichten,
die uns irgend etwas über den Text selbst, seinen Inhalt,
seine Form, seine Entstehung und Erhaltung berichten.
9. Um mit Hilfe dieser Zeugen zu einem richtigen Urteil
 über eine Quelle zu gelangen, müssen wir also zuvörderst
 jeden einzelnen Zeugen gründlich studieren und jeden
Text rücksichtlich seiner Herkunft, Echtheit und Glaubwürdigkeit
 untersuchen. Sodann müssen wir auch ihre
Beziehung zueinander prüfen, um eine etwaige Abhängigkeit
 und Verwandtschaft unter ihnen festzustellen und darnach
 die zusammengehörigen Gruppen zu bilden und den
Zeugenwert jeder Gruppe zu bemessen.
3. Diese Gruppierung der Textzeugen ist eine der
hauptsächlichsten und schwierigsten Kritischen Aufgaben.
Nicht bloß die Handschriften, sondern auch alle übrigen
Textzeugen müssen bei dieser Gruppierung notwendig : be-219
        <pb n="225" />
        Hilfsmittel; Äußere Textzeugen
rücksichtigt werden. Ihr Abhängigkeits- und Verwandtschaftsverhältnis
 kann zuweilen an äußeren Merkmalen erkannt
werden, zB. an der Schrift, dem Schreibmaterial, auch wohl
aus direkten Nachrichten über die Entstehung einer Handschrift
 oder über die Lebensverhäitnisse des Übersetzers
oder Kommentators oder des zitierenden Schriftstellers. In
der Regel ist man aber besonders bei den Handschriften
auf innere Kriterien angewiesen. Charakteristische Kennzeichen
 sind auffallende übereinstimmende Lesarten und
mehr noch gemeinsame Lücken und Fehler. Bei sorgfältiger
Vergleichung und Abwägung aller Momente läßt sich dann
in manchen Fällen mit Sicherheit oder doch mit hinreichender
 Wahrscheinlichkeit der Stammbaum oder das Stemma
der Textzeugen herstellen.
Oft wird es aber auch unmöglich sein, ein solches
Stemma aufzustellen, besonders wenn es sich um sehr zahlreiche
 Zeugen handelt. Man wird sich dann damit begnügen
müssen, die Zeugen nach ihrer Zusammengehörigkeit in
Familien zu gruppieren.
Am einfachsten liegt die Sache, wenn sich alle Zeugen
auf eine noch vorhandene Quelle zurückführen lassen;
die abgeleiteten Zeugen können dann neben dieser Quelle
keinen Anspruch auf selbständigen Wert erheben. Ist die
gemeinsame Quelle verloren oder nicht bekannt, so muß
der Stammbaum oder die Gruppierung zeigen, welche von
den : vorhandenen Zeugen dem ursprünglichen Texte am
nächsten stehen und wie man mit Hilfe derselben womöglich
zur Herstellung dieses Urtextes gelangen kann.
Ein schematisches Beispiel eines einfachen Stemmas kann zur Erläuterung
 des Gesagten dienen. Von sechs Textzeugen a, b, c, d, e, f
erweisen sich durch Vergleich der Lesarten, hauptsächlich der Zusätze,
Lücken und Fehler, der Übereinstimmungen und der Unterschiede die
beiden ersten a und b als aus der gemeinsamen Quelle v stammend;
ebenso bilden c, d und e eine Gruppe, die aus der Quelle w_ abgeleitet
ist, während f sich als eine Abschrift von y herausstellt, Durch Vergleich
 der Gruppen untereinander ergibt sich wiederum die Zugehörigkeit
 von v und w zu einem gemeinsamen Stamme x, mit welchem
y von der Wurzel z ausgeht. In Form: eines Stammbaumes würde
dieses einfache Verhältnis in folgender Weise dargestellt werden:

13
        <pb n="226" />
        Die Beurteilung der Quellen
In umfassendster Weise hat zB. Herman Freiherr von Soden in
seinem Werke „Die Schriften des Neuen Testamentes“ (Berlin 1902—13)
sämtliche Zeugen des neutestamentlichen Textes neu gruppiert und auf
drei große Familien zurückgeführt, aus denen er die „älteste erreichbare
 Textgestalt“ wiederherstellen will. Für die Bezeichnung der Kodizes
verwendet er statt der unpraktischen großen und kleinen Buchstaben
arabische Ziffern, bei denen die Gestaltung der Zahl als Merkzeichen
für das Jahrhundert verwertet wird Doch ‚sind gegen die Bezeichnungsweise
 v. Sodens mehrfach gewichtige Bedenken geäußert worden,
 die C. R. Gregory in seinem Werke: „Die griechischen Handschriften
 des N, T.“ (Leipzig 1908) durch eine neue Art der Bezeichnung
zu vermeiden sucht. Vgl. auch J/. Sickenberger in: Theol. Revue 8
(1909) 73—9.
Ein vorzügliches Beispiel für die kritische Bewertung und. Gruppierung
 der Textzeugen bietet auch die Schrift von L. Duchesne, Etude
sur le Liber Pontificalis. Paris 1877.
Jedenfalls ist diese Gruppierung der Textzeugen nach ihrer Familienzugehörigkeit
 und ihre Bewertung nach dem Verhältnis zu einer
gemeinsamen Quelle ein bedeutender Fortschritt der Kritik in der Beurteilung
 der Quellen gegenüber der früher geltenden Weise, die Zeugen
zu zählen und höchstens noch außer der größeren Zahl das Alter zu
berücksichtigen und den älteren Texten vor den jüngeren den Vorzug
zu geben.
B. Innere Kriterien. Andere Merkmale zur
Beurteilung der Quellen werden den Texten selbst entnommen.

Diese inneren Kriterien lassen sich für die Beurteilung
eines Textes in dieselben Gruppen zusammenfassen wie für
die Interpretation der Quellen. Einerseits wird die Prüfung
des sprachlichen Ausdruckes einer Schrift mit allen seinen
grammatischen und stilistischen Eigentümlichkeiten als phi-Jologische
 Grundlage der Untersuchung die vollste Beachtung
 verdienen, und anderseits kann eine sorgfältige Betrachtung
 des Inhaltes nach der persönlichen Und sach-214
        <pb n="227" />
        Hilfsmittel: Innere Kriterien ,
lichen Seite hin reichen Stoff für die Kenntnis und Bewertung
 des Textes liefern.
1. Sprache und Stil helfen zunächst a) bei der Ermittlung
 der Entstehung eines Textes; denn die Kenntnis der
geschichtlichen Entwicklung einer Sprache befähigt uns,
aus dem Vergleich einer fraglichen Schrift mit solchen,
deren Ursprung bekannt ist, Zeit und Ort der Abfassung
innerhalb gewisser Grenzen zu bestimmen und mit mehr
oder weniger Wahrscheinlichkeit den Autor festzustellen.
b) Ebenso können wir aus dem bekannten Stil und
Charakter der Sprache eines Autors auf die Echtheit oder
Unechtheit fraglicher ihm zugeschriebener Werke einen
Schluß ziehen. Die Sprache eines Chrysostomus, Tertullian,
Augustin ist so charakterisch, daß man die fälschlich ihnen
beigelegten Schriften in vielen Fällen leicht von den echten
unterscheiden kann. Niemand wird auch Schriften von Luther
und Goethe, oder von Pascal und Franz von Sales miteinander
 verwechseln.
c) Schon die sprachliche Seite, der Wortschatz, Sprachgebrauch
 und Stil eines Textes kann aber auch für die
Untersuchung der Texterhaltung von großer Bedeutung sein
und selbst für die Beurteilung des Charakters eines Schriftstellers
 uns wertvolle Fingerzeige geben.
Mit Recht. wird jedoch vor Überschätzung solcher Feststellungen
und Urteile, die allein auf den sprachlichen Charakter einer Schrift
Rücksicht nehmen, gewarnt. Denn gerade die sprachliche Eigentümlichkeit
 einer Schrift ist gewöhnlich am meisten dem verderbenden
Einfluß der Überlieferung ausgesetzt. Selbst wenn wir aber auch eine
alte Schrift in ihrer ursprünglichen Sprachgestalt besitzen, ist es doch
immer eine sehr schwierige Sache, aus der Sprache allein Zeit und Ort
und Verfasser genauer zu bestimmen. Die Unterscheidung des Gemeinüblichen
 und des eigenen Sondergutes im Stil und in der Sprache
einer Zeitperiode wie eines einzelnen Schriftstellers ist eine so delikate
Sache, daß Mißgriffe und Fehlschlüsse nur zu leicht vorkommen können
und nur zu off vorgekommen sind. Selbst wenn wir eine „genaue
Statistik und Geschichte aller Konstruktionsverhältnisse und stilistischen
Erscheinungen“ besäßen, wie sie von Ernst Bernheim im Anschluß an
F. Bücheler, Philologische Kritik (Bonn 1878) 16 f als wünschenswert
bezeichnet wird (Lehrbuch” 404), bliebe es doch mehr als zweifelhaft,
ob dieselbe uns befähigen würde, „im Sprachgebrauch und in der

915
        <pb n="228" />
        215 Die Beurteilung der Quellen
Phraseologie jedes Schriftstellers Ererbtes und Eigenes, Gemeinübliches
und Freierfundenes strengstens zu unterscheiden“. Denn abgesehen von
gewissen charakteristischen Ausdrücken sind die Konstruktionsverhältnisse
 und stilistischen Erscheinungen zu allen Zeiten und bei jedem
Autor, und am allermeisten bei Männern mit stark ausgeprägter Individualität,
 so sehr abhängig vom Gegenstand und Zweck der Darstellung,
von dem Alter, der Disposition und der freien Entscheidung des ein.
zelnen, daß auch die genauesten statistischen Berechnungen zu einer
solchen strengsten Unterscheidung kaum jemals hinreichen werden
(vgl. Ch. de Smedt, Prineipes 91 f).
Wenn eine solche strenge Scheidung selbst in der eigenen Muttersprache
 ihre Schwierigkeiten hat, so muß es umsomehr als ein unsicheres
 Wagestück bezeichnet werden, in alten Texten einer toten
Sprache die einzelnen Abschnitte, ja selbst kleine Sätze und Satzteile
hauptsächlich nach dem Sprachcharakter einer Reihe von verschiedenen
Autoren zuweisen zu wollen.
2. Der Inhalt einer Schrift kann in dreifacher Weise
ein Kriterium für die Beurteilung bieten.
a) Zunächst werden uns schon im allgemeinen die
Anschauungen, Interessen und Bestrebungen, die im Text
ihren Ausdruck finden, auf gewisse Zeiten, Gegenden und
Personen hinweisen können, für die sie besonders passen.
Sie können auch zu Zweifeln über die Unverfälschtheit des
Textes Anlaß geben, wenn sie mit anderen feststehenden
Tatsachen nicht übereinstimmen, und ebenso ein Prüfstein
für die Zuverlässigkeit des Schriftstellers und die Richtigkeit
seiner Darstellung sein.
b) Im besonderen werden dann einzelne Angaben des
Textes über Ereignisse, Personen, Einrichtungen, gelegentliche
 Zeitbestimmungen u. dgl. willkommenes Material zur
Prüfung und zum Vergleich mit anderen Quellen bieten
und so ein allseitig begründetes Urteil über .den Text ermöglichen.
 Wäre zB. in einem angeblichen Briefe
Napoleons I. vom Telephon die Rede, oder in einem fraglichen
 Aktenstück des 18. Jahrhunderts von der Eisenbahn,
so müßte man notwendig schließen, das Schriftstück sei
entweder unecht oder interpoliert.
c) Endlich wird die Vergleichung des Inhaltes eines
Textes mit anderen Schriften, die zitiert, nachgeahmt oder

“4
        <pb n="229" />
        Hilfsmittel. Entstehung und Echtheit des Textes 217
sonstwie benützt werden, uns auch über die Quellen, aus
denen der Text geschöpft ist, und damit oft über die Zeit,
den Ursprung und den Charakter desselben wichtige Aufschlüsse
 bieten können.
62. Entstehung und Echtheit des Textes. Die
erste Aufgabe, die mit Hilfe dieser äußeren "Textzeugen
und inneren Kriterien bei der Beurteilung eines Textes zu
lösen ist, betrifft die Untersuchung über seine Entstehung
und Echtheit. Gegenstand derselben ist die Bestimmung
der Entstehungszeit, des Entstehungsortes und
des Verfassers. Von diesen drei sich ergänzenden Fragen
hat vorzüglich die Kenntnis von Zeit und Person des Autors
große Bedeutung für die Beurteilung einer Quelle.
Bei der Beantwortung dieser Fragen kann ein doppelter
Fall vorliegen. Entweder ist Zeit, Ort und Verfasser einer
Schrift unbekannt und muß erst auf kritischem Wege ermittelt
 werden, oder es ist eine bestehende, aber nicht
ganz sichere Meinung über Zeit, Ort und Verfasser einer
kritischen Prüfung zu unterziehen. Das Verfahren ist in
beiden Fällen das gleiche und kann daher kurz gemeinsam
behandelt werden.
1. An erster Stelle sind die äußeren Textzeugen
über Zeit, Ort und Verfasser der. Quelle zu befragen.
a) Unter diesen gebührt den Handschriften, wie
wir sahen, die erste Stelle. Ist das Autograph eines Werkes
vorhanden, so kann es natürlich unmittelbar zur Bestimmung
der Zeit und des Verfassers dienen. Bei den Abschriften,
auf die wir meistens angewiesen sind, können öfters die
Titel oder die Unterschriften (das „Explicit“) sichere oder
wahrscheinliche ‚Anhaltspunkte geben. In der Regel sind
diese handschriftlichen Angaben zwar bei älteren Texten
nicht auf die Verfasser selbst zurückzuführen. Je näher sie
aber der Entstehungszeit einer Schrift kommen und je
weniger Grund zur Annahme einer Fälschung oder eines
Irrtums vorliegt, desto eher verdient ein solches Zeugnis
über die Abfassung eines Textes Glauben.
        <pb n="230" />
        £ Die Beurteilung der Quellen
b) Weiterhin sind auch alle direkten Nachrichten
 sorgfältig in Betracht zu ziehen, die vielleicht in
anderen Quellen über die Entstehung des fraglichen Textes
vorhanden sein können. Wo immer wir Zeugnisse von Zeitgenossen
 oder wohlunterrichteten und wahrheitsliebenden
späteren Zeugen haben, die sich bei genauer Untersuchung
als glaubwürdig erweisen, werden wir sie als maßgebend
beachten müssen. Bieten uns solche Zeugnisse eine klare
Nachricht über Zeit und Ort der Abfassung oder über die
Person des Verfassers einer Schrift, so kann damit die Frage
nach der Entstehung des Werkes für den betreffenden Punkt
als entschieden betrachtet werden. Es wäre eine Anmaßung,
unbekümmert um derartige Zeugnisse einzig auf Grund der
inneren Kriterien den Ursprung eines Werkes bestimmen zu
wollen.
c) In anderen Fällen können uns Übersetzungen
und Erklärungen des Textes oder Zitate des Titels
und Anführung oder Nachahmung und Benutzung von Stellen
eines Werkes als Zeugnisse über Zeit und Verfasser desselben
dienen. Schon die einfache Tatsache der Benutzung ist ein
allgemeines Merkmal für die Zeitbestimmung, das in Krmangelung
 genauerer Angaben wenigstens für die Feststel-Jung
 des terminus ante quem dienlich ist. Ferner kann zB.
ein Schriftsteller in einem seiner Werke die fragliche Schrift
als seine Arbeit anführen oder auf dieselbe verweisen, oder
auch die Schrift als sein Werk ablehnen, oder es kann in
einem Werke eines anderen Schriftstellers ein Text als
Ausspruch eines Autors angeführt werden, der sich wörtlich
 in jener Schrift findet. Auch solche mehr zufällige
Hinweise auf den Ursprung einer Schrift sind zu beachten.
Doch unterliegen dieselben wie alle übrigen Zeugnisse
einer genauen Prüfung auf ihre Zuverlässigkeit und Beweiskraft‘).

Die ersten Zweifel an der Echtheit eines Textes werden nicht
selten durch auffallende und verdächtige Umstände des Ursprunges oder
der Auffindung desselben angeregt. Bei berühmten Fälschungen aus
') Vgl. A. Boeckh, Enzyklopädie* 235 —40.

218
        <pb n="231" />
        Entstehung und Echtheit des Textes
neuerer Zeit wie zB. bei den moabitischen Altertümern führten solche
Verdachtsmomente auf die Spur des Fälschers.
9. In vielen Fällen ist man für die Bestimmung des
Ursprunges eines Textes ganz auf die inneren Kriterien
 angewiesen.
a) Man wird dann zunächst Sprache und Stil der
Schrift mit anderen bekannten und datierten Werken vergleichen
 müssen, denen sie am nächsten zu stehen scheint,
um aus den lexikalischen, grammatischen und stilistischen
Übereinstimmungen oder Differenzen Anhaltspunkte für die
Bestimmung der Zeit und des Ortes der Abfassung zu gewinnen
 und vielleicht auch die Person des Autors mit
größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit zu ermitteln.
Steht die geschichtliche Entwicklung der Sprache für die
einzelnen Perioden hinreichend fest und ergibt sich aus dem
Vergleich des Textes ein genügendes charakteristisches
Beweismaterial, so läßt sich schon durch die sprachliche
Untersuchung entweder positiv die Entstehung innerhalb
gewisser Zeitgrenzen oder auch die Abfassung durch einen
bestimmten Autor wahrscheinlich oder sicher begründen,
oder negativ zeigen, daß eine Schrift nicht einer fälschlich
angenommenen Periode oder einem angeblichen Autor zugeschrieben
 werden darf, Wie schon bemerkt, wird man
sich aber vor allzu großem Zutrauen zu solchen rein sprachlichen
 Untersuchungen hüten müssen und vor allem die verschiedenen
 Möglichkeiten bei der kritischen Prüfung nicht
außer acht lassen, die bei den Übereinstimmungen wie bei
den Differenzen durch Nachahmung oder individuelle Entwicklung
 oder persönliche Eigentümlichkeiten oder auch durch
spätere Angleichung eines Textes und andere Textkorruptionen
 gegeben sein können.
b) In der Regel wird aus der Prüfung des Inhaltes
einer Schrift sich ein größerer Gewinn für die Bestimmung
ihrer Entstehung erzielen lassen. Schon der allgemeine
Charakter des Werkes, der geistige Horizont, der sich
darin zeigt, die besonderen Absichten, die Lehrmeinungen
und Anschauungen, die darin zu Tage treten, lassen

219
        <pb n="232" />
        2% Die Beurteilung der Quellen
nicht selten einen Schluss zu auf gewisse Zeiten, Gegenden
und Personen, für die sie als vorzüglich passend erscheinen.
 Als Kind seiner Zeit und seines Landes wird der
Verfasser, ohne sich zu nennen, doch bewußt oder unbewußt
 sich oft kenntlich machen und auch leicht sein Alter,
seinen Stand, seine Lebensverhälunisse verraten und so
dem geühten Auge wenigstens die Festsetzung der Grenzen
ermöglichen, innerhalb welcher die Entstehung der Schrift
anzusetzen ist.
Zuweilen genügt schon die Vergleichung des Textes einer Schrift
mit anderen bekannten Werken, um sich von ihrer Unechtheit zu überzeugen.
 So veröffentlichte zB. Kardinal Pitra in den Analecta sacra
et classica (1, 118—21) unter dem Namen eines gewissen Virgilius
das Bruchstück eines palästinensichen Itinerariums, das er dem 5. Jahrhunderte
 zuwies. Es war aber leicht nachzuweisen, daß es nur ein
Teil der Schrift des Theodosius Archidiaconus De situ Terrae Sanctae
aus dem 6. Jahrhunderte sei (ed. Gildemeister p. 15—21).
Außerdem werden sehr häufig auch besondere Angaben
 die genauere Bestimmung ermöglichen. Für die
Zeit ist die Erwähnung von geschichtlichen Ereignissen,
die sich aus anderen Quellen datieren lassen, ein wertvoller
 Anhaltspunkt. Oft wird der Verfasser sich auch durch
das besondere Interesse für die Begebenheiten aus einem
bestimmten Kreise und die genaue Kenntnis der Personen
und Verhältnisse, durch Mitteilungen über ihre Absichten
und Pläne als einen Angehörigen dieses Kreises und Mitbeteiligten
 an den geschilderten Ereignissen zu erkennen
geben.
Ebenso bietet die Benutzung von Schriften, deren Zeit
bekannt ist, einen sicheren Beweis für die Zeitgrenze, über
die wir die Entstehung einer Schrift nicht hinausrücken
dürfen (terminus post quem oder a quo).
Die Kritik kann dabei zu einer doppelten Schlußfolgerung
 gelangen: entweder zu der positiven, daß die fragliche
Schrift in eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Kreis
hineingehört, oder auch das Werk eines bestimmten Autors
ist; oder aber zu der negativen, daß die Schrift fälschlich
dieser oder jener Zeit, diesem oder jenem Autor zuge-‘0
        <pb n="233" />
        Entstehung und Echtheit des Textes 271
schrieben wird. So hat man zB. längst aus inneren Gründen
 erkannt, daß die Homilia de Assumptione B. M. V.
fälschlich dem hl. Hieronymus zugeschrieben wird, daß sie
überhaupt nicht dem 4. oder 5., sondern erst dem 8. oder
9, Jahrhundert angehört.
Bei sorgfältiger Prüfung der inneren Kriterien und
gleichzeitiger Berücksichtigung‘ der äußeren Textzeugen gelingt
 es nicht selten, auch in sehr dunkle und verwickelte
Fragen Licht zu bringen und sie einer endgültigen Lösung
entgegenzuführen.
Als Beispiele solcher Lösungen aus der letzten Zeit seien genannt:
Josef Stiglmayr, Das Aufkommen der Pseudo-Dionysischen Schriften und
ihr Eindringen in die christliche Literatur bis zum Lateranconcil 649.
Feldkirch 1895 (Gymnasial-Programm). Die Schrift erbringt den Nachweis,
 der auch unabhängig von Stiglmayr durch Hugo Koch gleichzeitig
geführt wurde, daß in dem Werke „De divinis nominibus“ das Buch
des Neuplatonikers Proklos (411—85) „De malorum subsistentia“ benutzt
 und exzerpiert wurde und daß deshalb dieses Werk und die mit
ihm zusammenhängenden sogenannten Dionysischen Schriften nicht von
Dionysius Areopagita geschrieben sein können. — Franz Diekamp behandelt
 in seiner Arbeit „Hippolytos von Theben. Texte und Unter
suchungen“ (Münster 1898) in gleich gründlicher Weise die Entstehung
der Schriften des Hippolyt von Theben, die nach seinen Ausführungen
der Zeit von 650—750, und zwar eher der zweiten als der ersten Hälfte
dieser Periode, angehören, — Adolf Harnack gelangt in seiner Schrift
„Lukas der Arzt, der Verfasser des dritten Evangeliums und der
Apostelgeschichte“ (Leipzig 1906) (Beiträge zur Einleitung in das Neue
Testament 1) zu dem Ergebnis, daß zwischen den sogenannten „Wirberichten“
 der Apostelgeschichte und dem ganzen übrigen Werke mit
Einschluß des Evangeliums eine vollkommene sprachliche Einheit und
ebenso eine volle Übereinstimmung in den Absichten, Mitteln, Anschauungen
 und dem ganzen geistigen Gesichtskreis besteht und daß
deshalb die Tradition mit der Annahme eines einzigen Verfassers des
Werkes im Rechte ist. Die weitere traditionelle Meinung, daß dieser
Verfasser Lukas der Arzt aus Antiochien gewesen sei, wird ebenfalls
durch die kritische Untersuchung bestätigt. — Die Streitfrage über
Kommodian von Gaza dürfte durch die Untersuchungen von Heinrich
Brewer „Kommodian von Gaza. Ein Arelatensischer Laiendichter aus
der Mitte des fünften Jahrhunderts“ (Paderborn 1906) (Forschungen
zur christlichen Literatur- und Dogmengeschichte 6 1 und 2) eine
wahrscheinliche Lösung gefunden haben, obwohl es nicht an Widerspruch
 gefehlt hat.

vw
        <pb n="234" />
        222 Die Beurteilung der Quellen
Das Studium dieser und ähnlicher Schriften wird insbesondere
den Anfängern den rechten Weg für eine historisch - kritische Untersuchung
 besser und klarer zeigen, als es durch theoretische Regeln
geschehen kann.
63. Erhaltung und Unverfälschtheit des Textes.
 Zur Beurteilung unserer Quellen ist es an erster Stelle
erforderlich, ihren Ursprung zu kennen und möglichst genau
zu wissen, von wem und woher und aus welcher Zeit sie
stammen. Wir müssen uns aber auch über den uns vorliegenden
 Text sorgfältig zu unterrichten suchen, um bei
der Beurteilung, die im ganzen wie im einzelnen an die
konkrete Gestalt des Textes anknüpfen muß, nicht fehlzugehen,
 Zu diesem Zwecke ist die Untersuchung der Texterhaltung
 und die Prüfung seiner Unverfälschtheit notwendig.
1. Das Verfahren bei dieser textkritischen Untersuchung
entspricht ganz dem Vorgehen bei der Prüfung des Ursprunges
 unserer Quellen.
a) Zuerst müssen wir mit möglichster Vollständigkeit
die äußeren Textzeugen vernehmen, um durch sorgfältige
 Kollation ein sicheres Urteil über die uns erhaltene
Textüberlieferung zu gewinnen. Dabei haben wir vor allem,
wie wir sahen, auf die Verwandtschaft der verschiedenen
Zeugen zu achten, um aus dem Verhältnis der einzelnen
Familien zueinander und zu ihrem gemeinsamen Urbild
nach Möglichkeit die älteste erreichbare Textgestalt herzustellen.
 Glücklicherweise ist für sehr viele Texte durch
gute kritische Ausgaben diese erste Arbeit schon bedeutend
vereinfacht und erleichtert. Eine Nachprüfung des kritischen
 Verfahrens und eine sorgfältige Berücksichtigung der
im Apparatus ecriticus angegebenen Textzeugen bleibt uns
aber für die eigene wissenschaftliche Arbeit nicht erspart.
b) Zur Untersuchung der Textzeugen muß sodann die
Prüfung der im Texte selbst gegebenen inneren Kriterien
 hinzukommen. Sie zeigen uns in Verbindung mit
den äußeren Zeugen die verschiedenen Anlässe, an der
Richtigkeit der überlieferten Textgestalt zu zweifeln. Der
erste äußere Anlaß dazu ergibt sich aus den verschiedenen
        <pb n="235" />
        Erhaltung und Unverfälschtheit des Textes 8
Lesarten oder Varianten, die von den Textzeugen angegeben
 werden. Der vorliegende Text selbst kann weitere
sprachliche oder inhaltliche Anstöße bereiten, die unsere
Aufmerksamkeit auf offenbare oder wahrscheinliche oder
mögliche Fehler der Textüberlieferung hinlenken.
Die Aufgabe der textkritischen Untersuchung ist es
also, den sicher überlieferten Text festzustellen, zwischen
den Varianten die bessere Lesart zu wählen, die vorhandenen
 Fehler und ihre Quellen zu erkennen und soweit
als möglich diese Fehler zu berichtigen.
9. Wo ein Text von allen Zeugen übereinstimmend
 überliefert ist, haben wir ihn als richtig
anzuerkennen, wenn nicht schwerwiegende Gründe‘ die Annahme
 eines Fehlers der Überlieferung nahelegen. Doch
selbst in solchen Fällen, die jedesmal erst zu beweisen
sind, sollte die subjektive Verbesserung des Fehlers nicht
ohne weiteres an die Stelle des überlieferten Textes gesetzt,
 sondern stets als neue Zutat gekennzeichnet werden,
woferne es sich nicht um bloße Schreibfehler oder kleine
orthographische Verstöße handelt. Sonst mag es freilich
recht wohl geschehen, „daß man von der modernsten Ausgabe
 eines Autors unwillig oder enttäuscht zu einer alten
zurückgeht und die überlieferten Korruptelen schmackhafter
findet als die neuen Konjekturen“*).
3. Wenn verschiedene Lesarten vorliegen, ist die
bessere zu wählen. Die Entscheidung darüber wird zuerst
wieder auf die größere oder geringere Autorität der Textzeugen
 Rücksicht nehmen müssen. Die Lesart der älteren
und glaubwürdigeren Zeugen hat in der Regel vor den
übrigen den Vorzug. Doch können innere Gründe eine
weniger gut bezeugte Variante als die bessere und angemessenere
 Lesart erscheinen lassen. Bestimmte einheitliche
Regeln lassen sich für diese Wahl nicht aufstellen, da in
jedem einzelnen Falle. die verschiedenen Umstände und
Verhältnisse zu berücksichtigen sind, von denen die Entscheidung
 beeinflußt wird.
71) Fr. Blass in: Handbuch d. klass. Altert, 1* 171.

95
LT
        <pb n="236" />
        A Die Beurteilung der Quellen
Im allgemeinen werden zwei Punkte Beachtung verdienen:
 a) Von zwei Lesarten gebührt jener der Vorzug,
aus der sich die andere herleiten läßt; b) für gewöhnlich
ist die schwierigere Lesart der leichteren vorzuziehen, wenn
es sich nicht um rein mechanische Fehler handelt.
Der letztere Kanon wird in der Regel als von Joh. Jak. Griesbach
(1745—1812) herrührend bezeichnet, der ihn bei der kritischen Bearbeitung
 des neutestamentlichen Textes besonders zur Anwendung
brachte. Der gleiche Grundsatz hatte aber auch schon bei den alten
Textkritikern Geltung. So bemerkt zB. der hl. Augustin, wo er die
erleichternde Lesart „per prophetam dicentem“ statt „per Ieremiam
prophetam dicentem“ im Texte von Matth. 27,9 zurückweist (De consensu
 Evangelistarum 3 c. 7 n. 29. Migne, P. L. 34,1175): „Sed utatur
 ista defensione cui placet; mihi autem cur non placeat haec causa
est quia et plures codices habent Ieremiae nomen, et qui diligentius
in graecis exemplaribus Evangelium consideraverunt, in antiquioribus
 graecis ita se perhibent invenisse; et nulla fuit causa cur adderetur
 hoc nomen ut mendositas fieret, cur autem de nonnullis codicibus
 tolleretur, fuit utique causa ut hoc audax imperitia faceret,
cum turbaretur quaestione quod hoc testimonium apud Ieremiam non
inveniretur“.
Bei der Wahl der besseren Lesart verdient im allgemeinen auch
jene Handschrift eine besondere Beachtung, welche durch sinnlose
Worle oder andere grobe Fehler zeigt, daß der Abschreiber nichts
von dem verstand, was er schrieb. Denn in einem solchen Falle kann
man für gewöhnlich sicher sein, daß der Abschreiber keine absichtlichen
 Änderungen im Texte vornahm, um sich das Verständnis zu erleichtern.
 Außerdem können die sinnlosen Worte den Weg zur richtigen
 Lesart zeigen, da der Abschreiber das wiederzugeben suchte, was
er in seiner Vorlage zu sehen glaubte,
4. In bezug auf die Fehler sind die manigfachen Arten
und die verschiedenen Quellen derselben zu unterscheiden.
A. Die Arten lassen sich auf drei Gruppen zurückführen:
 Auslassungen, Hinzufügungen und Veränderungen.
Zu den Auslassungen gehören Verstümmelungen zu Anfang
oder am-Ende der Schrift und Lücken innerhalb des Textes.
Durch Hinzufügung einzelner oder mehrerer Worte oder
Sätze oder Abschnitte entstehen die sogenannten Interpolationen.
 Veränderungen betreffen entweder die Schreibart
(Orthographie) oder die Worttrennung oder die Zeichen-EP
        <pb n="237" />
        Erhaltung und Unverfälschtheit des Textes ;
setzung (Interpunktion) oder die Wortstellung oder die Vertauschung
 von Worten und Sätzen.
B. Die Quellen der Fehler sind teils äußere oder
zufällige, teils innere.
a) Fehler, die aus äußeren Quellen hervorgehen,
bezeichnet man als mechanische, weil sie vom Schreiber
nicht frei gewollt und beabsichtigt sind. Die Ursachen
solcher mechanischer Fehler liegen entweder in dem Zustand
 des Textes der Vorlage, oder auf seiten des Schreibers.
a) Durch den Zustand des Textes können derarlige
Fehler entstehen: 1) wegen des Fehlens der großen Anfangsbuchstaben,
 wodurch namentlich bei Eigennamen
Schwierigkeiten vorkommen ;
2) wegen des Fehlens der Worttrennung bei der in
alter Zeit üblichen ununterbrochenen Schreibung der Buchstabenreihen;

3) wegen des Fehlens der Interpunktionen und der
Akzente, die in den alten Handschriften ausgelassen wurden ;
4) wegen der Siglen und Abkürzungen, die zu falschen
Auflösungen Anlaß geben;
5) wegen der schwierigen und undeutlichen Schrift,
die zu MikGverständnissen und Lesefehlern führt.
P)Aufseiten des Schreibers können die Ursachen
unbeabsichtigter Fehler liegen: 1) in einem Versehen beim
Schreiben, indem das Auge von einem Wort auf ein benachbartes
 mit gleicher oder ähnlicher Buchstabenverbindung,
 besonders am Ende (Homoioteleutun) abirrt und deshalb
 die zwischen diesen beiden Worten stehende Wortreihe
 ausläßt (Haplographie) oder wiederholt (Dittographie) ;
2) in einem Verhören beim Diktieren, indem gleich
oder ähnlich lautende, aber verschieden geschriebene Buchstaben
 oder Wörter miteinander verwechselt werden: wie
es namentlich bei dem Itazismus im Griechischen leicht
geschehen kann;
3) in einem Verschreiben durch Unachtsamkeit oder
auch Nachlässigkeit des Schreibers, der Buchstaben, Silben
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten, 3, Aufl.

225
15
        <pb n="238" />
        2 Die Beurteilung der Quellen
oder Worte umstellt oder ausläßt oder wiederholt oder
verwechselt.
b) Bei den inneren Ursachen ist die Absicht und
der freie Wille des Schreibers mit im Spiele. Es handelt
sich dabei entweder um gutgemeinte, aber unrichtige Verbesserungen,
 oder um absichtliche Fälschungen. Bei ersteren
 ist sehr oft die „audax imperitia“ beteiligt, die namentlich
 an maßloser und unberechtigter Konjekturalkritik ihre
Freude hat.
Bei der zweiten Klasse, nämlich den absichtlichen Fälschungen,
können verschiedene Gründe maßgebend sein. Zumeist sind es abweichende
 Lehrmeinungen, in deren Interesse ein Text gefälscht wird.
So haben zB. die orthodoxen Griechen bei manchen Väterstellen Texte
geändert und ausradiert, um den Katholiken Beweise für ihre Lehre
über das Hervorgehen des Hl. Geistes vom Valer und Sohne zu nehmen
 (U. Mannucci). Die Verstümmelung des Textes im Eingang des
Briefes der Konzilsväter von Ephesus an den Klerus von Konstantinopel
über die Verurteilung des Nestorius dürfle von der Kontroverse ZWischen
 Jerusalem und Ephesus über das Grab der Gottesmulter nicht
unbeeinflußt sein.
5. Ist der Fehler und womöglich seine Quelle erkannt,
so bleibt der textkritischen Untersuchung noch die Berichtigung
 derselben übrig. Sie wird bei den rein mechanischen
 Fehlern in der Regel leichter sein. als bei den
absichtlichen. Das Ziel dieser Korrekturarbeit muß stets
sein, den ursprünglichen Text oder die älteste erreichbare
Textgestalt herzustellen oder doch statt des Fehlers eine
angemessenere Form des Textes zu bieten. Hypothese und
Konjektur können bei dieser Arbeit gute und große Dienste
leisten, wenn sie sich innerhalb der Schranken ihrer Berechtigung
 halten und mit klugem Verständnis und diskretem
 "Takt gehandhabt werden. Gerade bei diesem
schwierigsten Teile seiner Aufgabe hat sich der kritische
Meister zu zeigen und zu bewähren. Bei allseitiger Berücksichtigung
 der äußeren und inneren Kriterien, die durch
die äußeren Zeugen und die Beschaffenheit des Textes gegeben
 sind, bei gründlicher Kenntnis aller in Betracht
kommenden sprachlichen und sachlichen Verhältnisse und

7296
        <pb n="239" />
        Erhaltung und Unverfälschtheit des Textes 267
Umstände kann ein kritisch geschultes und geschärftes Auge
die Verbindung von bekannten vorliegenden Tatsachen mit
anderen noch unbekannten erkennen und daraus die angemessenere
 Berichtigung eines fehlerhaften Textes erschließen.
So kann eine Konjektur von der Ursache auf eine noch
nicht bekannte Wirkung, oder umgekehrt von einer bekannten
 Wirkung auf eine unbekannte Ursache schließen,
oder auch für die Erkenntnis von unbekannten Umständen
einer Tatsache sich auf die Analogie mit einer anderen
ähnlichen Tatsache stützen. Die Hypothese selbst macht
natürlich die angenommene Tatsache noch nicht zur Wirklichkeit.
 Sie kann aber eine Brücke zu neuen Erkenntnissen
 schlagen und den Weg bahnen, um aus dem Bereich
 der bekannten Tatsachen hinreichende Beweise für
die Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit der angenommenen
Tatsache zu finden, Insbesondere soll sie in bezug auf
einen fehlerhaften Text nicht bloß eine Korrektur vorschlagen,
 sondern auch die Ursachen des Fehlers möglichst
erklären und die Gründe für die Berichtigung vorlegen.
Erst wenn diese Beweise als feste Stütze zur Konjektur
hinzutreten, verliert sie ihren rein hypothetischen Charakter
und kann je nach ihrem größeren oder geringeren Wahrheitsgehalt
 Anspruch auf Beachtung und Annahme erheben.
Über die Konjektur vgl. Ch, de Smedt, Principes de la eritique
historique 238—62 und die von ihm zitierte Schrift von Ernest Naville,
 La logique de l’ hypothese. Paris 1880. Beispiele guter Konjektur-Berichtigungen
 bieten James Gow und Salomon Reinach, Minerva‘
(Paris 1907) 60—4 (Franz. Bearb. 130), — Wir müssen hier darauf
verzichten, dem Wunsch H. Schrörs entsprechend ausführlicher auf
die Hypothese und Konjektur einzugehen.
Mit Recht wird aber immer wieder vor den Gefahren einer unbesonnenen
 und unbescheidenen Konjekturalkritik gewarnt, die das
Wahre vom Spitzfindigen nicht unterscheiden kann und die eigenen
willkürlichen Einfälle als notwendige und einzig wahre Berichtigungen
ansieht, Mit Rücksicht auf abschreckende Beispiele dieser verkehrten
Richtung auf dem Gebiete der altklassischen Philologie bemerkt August
Boeckh: „Eine solche Bearbeitung der alten klassischen Schriften ist
eine Art Verbrechen, eine Nichtachtung fremden Eigentums, ein frevelhafter
 Eingriff in fremde Individualität. Die Athener haben auf Antrag
 des Redners Lykurgos verboten, die Tragiker zu Ve man

DA
        <pb n="240" />
        2 Die Beurteilung der Quellen
möchte beinahe wünschen, daß alle alten Klassiker jetzt durch ein
ähnliches Verbot geschützt würden“ (Encyklopädie? 187).
An warnenden Beispielen zu großer Kühnheit der Kritik aus inneren
 Gründen fehlt es nicht auf den verschiedenen Gebieten. Es
möge genügen, an Scherers glänzende Kritik über den Monolog: „Habe
nun, ach! Juristerei...“ in Goethes Faust zu erinnern. Mit bewundernswertem
 Scharfsinn und exakter Meihode wies er nach, daß dieser
Monolog in drei verschiedenen Zeitperioden abgefaßt sei. Sein melhodisch
 einwandfreier Beweis wurde aber durch die Auffindung der Abschrift
 Frl. von Goetenhausens ebenso einwandfrei widerlegt (0. Kataun).
64. Textgestaltung. Das Ergebnis der textkritischen
Bearbeitung der Quelle wird schließlich die Herstellung und
Gestaltung der ältesten erreichbaren Textform sein. Man
pflegt diese Herstellung des Originaltextes als Rezension
desselben zu bezeichnen. Sie bildet die Grundlage der
Edition oder Ausgabe des Textes für weitere Kreise.
Soweit dabei die Veröffentlichung selbst in Frage kommt,
werden wir uns später damit zu beschäftigen haben. Zum
Abschluß der Erörterung der textkritischen Bearbeitung des
Textes müssen aber schon hier einige Bemerkungen über
die Weise der Textgestaltung Platz finden. Da dieselben
Gesichtspunkte auch für die einfache Zitationsweise, wo es
sich um wörtliche Anführung von Texten handelt, Geltung
haben, dienen diese Bemerkungen zugleich schon als Vorbereitung
 für die Besprechung dieses höchst praktischen
Teiles der wissenschaftlichen Arbeit‘).
1. Das Ziel der kritischen Textgestaltung ist die Herstellung
 des „idealen Originaltextes“ d.h. des Textes, „sowie
 er nach der Intention des Autors hat geraten sollen,
ohne Schreib- und Druckfehler, mit Einsetzung mangelnder
 und Besserung mißratener Interpunktion“?). Freilich
muß auch bei diesen geringfügigen Abweichungen vom
realen Originaltext „der gewissenhafte und methodisch geschulte
 Herausgeber über jeden subjektiven Eingriff durch
Noten unter dem Text oder allgemeine Bemerkungen in
der Einleitung Rechenschaft geben und den Leser in den
*) Vgl. Kap. 29,
?) E. Bernheim, Lehrbuch® 450.

938
        <pb n="241" />
        Textgestaltung ;
Stand setzen, etwaige Mißgriffe zu redressieren“ (ebd.).
Insbesondere darf der Sinn des Textes durch die Änderung
der Interpunktion in keiner Weise berührt werden. Doch
würde eine noch genauere, auch in materieller Hinsicht
völlig getreue Wiedergabe des realen Originals nur in sehr
seltenen Fällen dem Zwecke der Herstellung und Veröffentlichung
 des Textes entsprechen.
2. Schon hier macht sich aber gleich die Hauptregel
für jede Textgestaltung geltend. Der Maßstab für die Übereinstimmung
 zwischen Textrezension und Originaltext innerhalb
 der Grenzen der erreichbaren Möglichkeit muß dem
jedesmaligen Zweck der eigenen Arbeit entnommen werden.
Das Vorgehen der einzelnen Bearbeiter wird in erster Linie
sich darnach richten, ob für den Zweck ihrer Arbeit die
sprachliche oder die sachliche Seite eines Textes die größere
Bedeutung hat. Für den Philologen, der vorzüglich die
sprachlichen Eigentümlichkeiten in jeder Quelle zu beachten
hat, werden auch kleinere Differenzen der orthographischen
Schreibung Wert haben, über die der Historiker, Jurist
oder Theologe leichter hinweggehen kann. Bei den verschiedenen
 Lesarten, die für den apparatus criticus notiert
werden müssen, werden diese letzteren sich für gewöhnlich
 mit solchen begnügen, die den Sinn irgendwie beeinflussen,
 während der Philologe auch den verschiedenen
Wortformen und kleinsten sprachlichen Unterschieden in
den einzelnen Textzeugen volle Beachtung schenkt.
3. Außer dem Zweck wird speziell für die Herausgabe
 von Texten namentlich bei historischen Quellenpublikationen
 auch die Quellengatlung und die Zeitperiode, der
sie angehören, zu berücksichtigen sein, wie dies in den
Lehrbüchern der historischen Methode ausführlicher behandelt
 wird ').
4. Mit Rücksicht auf die ausschlaggebende Bedeutung
des besonderen Zweckes lassen sich daher feste Regeln und
Gesetze für alle Arbeiten kaum aufstellen. Doch dürften
') Vgl. E. Bernheim, Lehrbuch® 459—61.

990
        <pb n="242" />
        &amp;gt;». Die Beurteilung der Quellen
einige konventionelle Punkte als ziemlich allgemein gültig
anerkannt sein. Wenngleich es sich dabei mehr um äußerliche
 und unwesentliche Kleinigkeiten handelt, ist es doch
nicht recht, diese gemeinübliche wissenschaftliche "Technik
zu ignorieren. „Qui ignorat, ignorabitur.“
5. Für diese technische Form der Textgestaltung ist
folgendes zu bemerken:
a) Offenbare Schreib- oder Druckfehler des Originals
 werden ohne Bemerkung beseitigt.
b) Die Schreibweise des Textes ist im allgemeinen
beizubehalten. Im Interesse leichterer Verständlichkeit empfiehlt
 es sich aber, wenn nicht der besondere Zweck der
Arbeit etwas anderes erfordert, @) die Verbindung und
Trennung der Worte nach dem heutigen Gebrauch einzuhalten
 ;
ß) unrichtige oder willkürliche orthographische Eigenheiten
 sowie die willkürliche Setzung der großen Anfangsbuchstaben
 zu beseitigen;
Y) in lateinischen Texten statt zj einzusetzen und
ebenso in deutschen Texten % statt des alten y außer in
Fremdwörtern und Eigennamen, und wu, wenn dafür v
oder w steht.
c) Abkürzungen des Textes werden ohne weiteres
aufgelöst, wenn über die Bedeutung kein Zweifel besteht;
sonst wird die Auflösung in spitzen Klammern &amp;lt;. . .&amp;gt; beigefügt.
 Die allgemein gebräuchlichen Abkürzungen können
natürlich beibehalten werden.
d). Die Interpunktion ist sinngemäß zu gestalten.
Deshalb werden fehlende Zeichen ohne Bemerkung eingesetzt
 und fehlerhafte verbessert, sofern der Sinn dadurch
nicht geändert wird.
Einheitliche Gesetze lassen sich für die Interpunktion
nicht aufstellen. Sie unterliegt mannigfachem Wechsel von
Land zu Land, von Sprache zu Sprache und ist auch innerhalb
 derselben Sprache nicht gleich in Poesie und Prosa.
Die Hauptsache ist, „daß der Leser möglichst selten im
Unklaren darüber gelassen werde, wie der Herausgeber

2M
        <pb n="243" />
        Textgestaltung .
die einzelnen Satzglieder zusammengenommen und konstruiert
 wissen will“1). Im Interesse dieser Hauptforderung
dürfte aber durchgehende Konsequenz in der Anwendung
der Satzzeichen doch wichtiger sein, als Stählin meint.
e) Absätze (Alinea) können der größeren Übersichtlichkeit
 halber weggelassen oder neu eingeführt werden.
Maßhalten ist aber auch hierin notwendig; denn wie ein
über viele Seiten ohne ein neues Alinea sich hinziehender
Text ungemein ermüdet, so bekommt der durch zu viele
neue Absätze zergliederte antike Text das Ansehen eines
modernen Romans”).
f) Lücken in der Vorlage werden durch Sternchen
*** Auslassungen des. Herausgebers durch Punkte
‚.... angedeutet. Um die Anzahl der in. einer Lücke
fehlenden Zeichen genau anzugeben, wird von manchen,
namentlich bei Veröffentlichung von Inschriften, die entsprechende
 Zahl senkrechter kurzer Striche | | | verwendet.
g) Einschaltungen des Verfassers werden in runden
 Klammern (. ..), Zusätze des Herausgebers, auch
wenn es sich um ein hinzugefügtes Wort oder einen Buchstaben
 handelt, in spitzen Klammern &amp;lt;. . .&amp;gt; angegeben.
h) Handschriftlich überlieferte Silben oder Wörter oder
Sätze der Vorlage, die vom Herausgeber getilgt werden,
kommen in eckigen Klammern [. ..] zu stehen.
i) Verdorbene und nicht geheilte Stellen des Textes
werden zwischen. zwei Kreuzchen +. . .} gesetzt. /
k) Unsichere Lesungen werden mit einem Fragezeichen
 in spitzen Klammern &amp;lt;?&amp;gt;, befremdliche, aber
gesicherte Ausdrücke mit einem Ausrufungszeichen
in spitzen Klammern &amp;lt;!&amp;gt; bezeichnet. Beide Zeichen sollen
aber nicht etwa nach unwissenschaftlicher Anfängerart die
verschiedenen subjektiven Affekte des Herausgebers offenbaren,
 sondern nur die Unsicherheit der Lesung anzeigen
oder die Verantwortung für einen auffallenden Ausdruck
dem Verfasser selbst zuweisen. Statt des Ausrufungs-1)
 0. Stählin, Editionstechnik 416.
?) Ders. aa0. 415.

931
        <pb n="244" />
        3 Die Beurteilung der Quellen
zeichens wird von anderen ein &amp;lt;so&amp;gt; oder &amp;lt;sic&amp;gt; im gleichen
Sinne verwendet.
Doch wird von anderen die völlige Unterlassung derartiger
 Bezeichnungen befürwortet.
Für die vorstehenden Bemerkungen wurden besonders die Ausführungen
 von F. Stieve und jene von 0. Stählin henützt; vgl. die zu
Anfang dieses Kapitels p. 206 f angegehene Literatur.
Im Interesse der sehr wünschenswerten Einigung hinsichtlich der
Anwendung dieser Zeichen, die K, Krumbacher und OÖ. Stählin mit
Recht als ein dringendes Desideratum der wissenschaftlichen Arbeit
bezeichnen, sind die Angaben der ersten Auflage nach den Darlegungen
 0. Stählins ergänzt und teilweise geändert worden.
Was außer der eigentlichen Textgestaltung noch für die Herausgabe
 selbst zu tun ist, soll im 5. Abschnitt über die Veröffentlichung der
wissenschaftlichen Arbeit zur Sprache kommen.
65. Glaubwürdigkeit und Wahrheit des Textes.
Die Beurteilung der Quellen muß durch die Bestimmung
ihres Wertes, ihrer Glaubwürdigkeit und Wahrheit ihren
Abschluß finden. Eine eingehende Behandlung des ganzen
Gegenstandes müssen wir den ausführlichen Lehrbüchern
der historischen Methode überlassen. Einige allgemeine
Gesichtspunkte lassen sich aber auch für jede wissenschaftliche
 Arbeit aus dem Gebiet der geschichtlichen und der
sprachlichen, der juridischen wie der theologischen Studien
ins Auge fassen.
Es handelt sich bei dieser Untersuchung hauptsächlich
um die Frage: Welcher Wert kommt dem Zeugnis
einer Quelle über eine zu unserem Thema gehörige
 Tatsache zu? Wir müssen darüber durch Prüfung
 der äußeren und inneren Kriterien zu einem Urteil zu
gelangen suchen. Da bei diesen Studien größtenteils schriftliche
 Quellen in Betracht kommen, müssen wir diese auch
vorzüglich berücksichtigen.
1. Äußere Kriterien. Als äußere Kriterien haben
wir zunächst a) die Zeugnisse über den Wertder
Quellen zu beachten. Liegen uns von kompetenter Seite

94
        <pb n="245" />
        Glaubwürdigkeit und Wahrheit des Textes 233
Urteile vor, die sich anerkennend darüber äußern, so wird
es uns in der Regel leichter sein, ein solches Werturteil
auf seine Berechtigung zu prüfen, als ohne solche Vorarbeit
zu einem eigenen Urteil zu gelangen. Das gleiche gilt überhaupt
 von allen Hilfsmitteln, die wir bei unserer Arbeit
zu Rate ziehen. Ein begründetes Urteil von zuständiger
Seite wird uns bei der Wahl derselben sicherer vor Zeitverlust
 und Irrwegen bewahren, als wenn wir uns bloß
auf die eigene Erfahrung verlassen wollten. Dabei soll uns
freilich nicht die Nachprüfung fremden Urteils erspart
bleiben. Die Arbeit dafür erfordert aber weit weniger
Zeit und Mühe, als wenn wir ganz allein auf uns selbst
angewiesen sind.
b) Zu den äußeren Kriterien gehört auch die Benutzung
 und Verbreitung einer Quelle in weiten
Kreisen. Wenngleich in früheren Zeiten ebensogut wie
heutzutage mancherlei Umstände auf die größere oder geringere
 Verbreitung einer Quelle Einfluß haben konnten,
so wird doch eine aufmerksanmıe Prüfung aller Verhältnisse
bald ergeben, ob die Verbreitung eine verdiente oder mehr
zufällige ist. Bei älteren Quellen wird man auch aus der
handschriftlichen Überlieferung einen Schluß auf den größeren
 oder geringeren Kreis der Benutzung eines Textes
 ziehen können.
c) Ein noch wichtigeres äußeres Kriterium ist uns durch
den Vergleich eines Zeugnisses mit anderen
Quellen an die Hand gegeben. Bei der gegenseitigen
Kontrolle der verschiedenen parallelen Angaben und Berichte
 wird sich entweder durch Übereinstimmung eine
Bestätigung des Zeugnisses ergeben, oder durch den Widerspruch
 eine erneute Prüfung als notwendig erweisen. Der
Widerspruch stellt sich dann nicht selten als nur scheinbar
 heraus, indem zwei Aussagen über denselben Gegenstand
 sich miteinander vereinen lassen, oder zwei unvereinbare
 Berichte nicht denselben Gegenstand betreffen; in
anderen Fällen läßt sich bei einem wirklich vorhandenen

A
        <pb n="246" />
        On Die Beurteilung der Quellen
Widerspruch die eine Aussage als unglaubwürdig nachweisen
 und so die andere indirekt bestätigen.
9, Innere Kriterien. Aus der Prüfung der Quellen
selbst ergibt sich eine Reihe von inneren Kriterien.
a) Zuvörderst ist die Beschaffenheit und der
allgemeine Charakter der Quellen zu beachten.
Wir können uns darüber ein Urteil bilden durch die Prüfung
 der Entstehung und des Alters eines Textes sowie durch
die Untersuchung seiner Ausdrucksweise und seines allgemeinen
 Inhaltes. Entstammt die Quelle einer Zeit, einer
Gegend, einer Gesellschaft, die den in Frage kommenden
Tatsachen nahestehen, so sprechen diese Umstände weit
mehr für die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit des Berichtes,
 als wenn es sich um eine späte und in einer entlegenen
 Gegend unter lauter fremden Menschen entstandene
 Erzählung handelt. Nach der sprachlichen Seite hin
können uns gezwungene und gezierte Wendungen, gehäufte
übertriebene Ausdrücke, allzu gefühlvolle und phantastische
Schilderungen vor zu großem Zutrauen zu derartigen Berichten
 warnen. Ebenso wird sich aus der allgemeinen
Geistesrichtung, die im Texte zum Ausdruck kommt, aus
den falschen Lehrmeinungen, einseitigen Parteiansichten
u. ä. wenigstens im allgemeinen der Charakter der Quelle
erkennen lassen.
b) Von großer Wichtigkeit ist dann die Prüfung der
Zuverlässigkeit des Autors.
a) Es fragt sich dabei zuerst, ob er die Wahrheit in
Bezug auf die berichteten Tatsachen wissen konnte.
Es ist dafür zu beachten, ob er ein Zeitgenosse und unmittelbarer
 Zeuge war, oder doch aus glaubwürdigen Quellen
 seine Kenntnisse schöpfte;. ob er seiner Stellung nach
zu den berichteten Tatsachen in besonderer Beziehung
stand; ob er seinen geistigen Fähigkeiten und seinem Bildungsgrade
 nach in der Lage war, die Tatsachen richtig
wahrzunehmen und aufzufassen, seine Wahrnehmungen
korrekt zu verknüpfen, genau im Gedächtnis zu bewahren
und ohne Entstellung mitzuteilen.

534
        <pb n="247" />
        Glaubwürdigkeit und Wahrheit des Textes Ba
ß) Es fragt sich dann zweitens, ob der Autor die Wahrheit
 auch sagen wollte. Wir müssen uns daher auch über
seinen moralischen Charakter ein Urteil bilden und deshalb
beachten, ob sich im Texte gewisse Tendenzen zeigen, die
ein Grund zur Entstellung der Wahrheit sein könnten; ob
der Verfasser vielleicht auch solche Dinge mitteilt, die für
seine Person oder seine Freunde oder sein Volk ungünstig,
ader umgekehrt für seine Gegner und Feinde günstig sind;
ob sonst sein Charakter als der eines wahrheitsliebenden
Mannes hervortritt.
c) Der wichtigste Punkt für die Beurteilung der Quellen
ist die Frage nach dem Abhängigkeitsverhältnis des
Textes. Wir müssen daher sorgfältig untersuchen, in
welcher Beziehung ein vorliegender Bericht zu den behandelten
 Tatsachen steht, ob er als eine ursprüngliche oder
abgeleitete Quelle zu betrachten ist. Hinsichtlich der verschiedenen
 Textzeugen ist ihre verwandtschaftliche Beziehung
 zueinander und ihr Verhältnis zum ursprünglichen
"Text schon früher erörtert worden. Hier kommt es vorzüglich
 darauf an zu prüfen, ob eine vorliegende Quelle
in der kritisch erreichbaren ältesten Textgestalt selbst wieder
 von anderen Quellen abhängig ist, oder als ursprüngliches
 Zeugnis über eine Tatsache zu gelten hat. Ein Vergleich
 mit allen irgendwie einschlägigen Quellentexten und
eine sorgfältige Prüfung aller Angaben wird ein Urteil
darüber ermöglichen.
Eine ähnliche Frage ist übrigens wieder bei allen
Hilfsmitteln der wissenschaftlichen Arbeit zu beantworten.
Wie schon früher. bemerkt wurde, richtet sich ihr Wert
hauptsächlich nach dem Verhältnis, in welchem sie zu
den ursprünglichen Quellen stehen, ob sie unmittelbar oder
durch eine zweite, dritte oder noch spätere Hand aus
ihnen schöpfen.
Für die sogenannte Quellenanalyse im engeren Sinne, d. h. „die
zerlegende Reduzierung der Quellen auf deren etwaige Quellen und
Urquellen und die Untersuchung der Verwandschaftsverhältnisse zwischen
verwandten Quellen lediglich aus den uns vorliegenden Texten selbst“,

955
De
        <pb n="248" />
        255 Die Beurteilung der Quellen
betont Einst Bernheim vorzüglich zwei psychologische Erfahrungssätze :
„erstens, wenn zwei oder mehrere Menschen dasselbe noch so einfache
Ereignis, geschweige denn einen ganzen Komplex von Ereignissen erleben
 und auffassen, so fassen sie nie alle Momente desselben in ganz
gleicher Weise auf, geben also, wenn sie dasselbe berichten, nie alle
Momente in ganz gleicher Weise wieder; zweitens, wenn zwei oder
mehrere Menschen selbständig denselben Vorstellungsinhalt zu sprachlichem
 Ausdruck bringen, so geschieht das nie in ganz gleicher Form
(abgesehen von formelhaften Wendungen, die gar kein selbständiger
Vorstellungs- und Gedankenausdruck sind)“ (Lehrbuch® 414 f). Die
beiden Sätze sind im allgemeinen sicherlich berechtigt und können bei
der Quellenanalyse mit Nutzen verwendet werden. Auch der Schluß,
den Bernheim daraus zieht, ist ganz berechtigt: „Wenn zwei oder mehrere
Quellen dieselben Tatsachen in gleicher oder annähernd gleicher Form
berichten (abgesehen von formelhaften Wendungen), so sind diese Berichte
 nicht unabhängig voneinander konzipiert, sondern hängen in
irgendeiner Weise miteinander zusammen“ (ebd. 415). Die Worte müssen
nur in dem richtigen Sinne verstanden werden, wie Bernheim sie verstanden
 wissen will, daß nämlich der Zusammenhang zwischen den
Berichten nicht ausschließlich durch schriftliche Quellen, sondern auch
durch mündliche Tradition hergestsellt sein kann. Es ist dies zB. für
die richtige Lösung der synoptischen Frage über die Abhängigkeitsverhällnisse
 der drei ersten Evangelien besonders zu beachten. Für dieselbe
verdient jene Annahme wenigstens volle Berücksichtigung, welche die
weitgehende sachliche und formelle Übereinstimmung der synoptischen
Berichte nicht so sehr aus dem unmitlielbaren Zusammenhang und der
Abhängigkeit der schriftlichen Quellen voneinander, als vielmehr aus
der langjährigen mündlichen apostolischen Heilsverkündigung herleitet,
wenngleich diese mündliche Überlieferung allein zu einer befriedigenden
 Lösung nicht hinreicht.
d) Ein ferneres wichtiges Kriterium ergibt sich aus der
Prüfung der Einzelangaben des Inhaltes eines Textes.
In der Regel wird wenigstens für viele dieser Angaben ein
Vergleich mit anderen Quellen möglich sein, soweit es sich
um mehrfach bezeugte Tatsachen handelt. Erweist sich
bei dieser Prüfung ein Text im allgemeinen als zuverlässig,
so darf man ihn auch für gewöhnlich hinsichtlich solcher
Angahen als zuverlässig und glaubwürdig betrachten, die
sich auf nur einmal bezeugte und nicht kontrollierbare "T’atsachen
 beziehen. Doch ist hier wie sonst eine sorgfältige
Erwägung aller Umstände und der Vergleich des Zusammenhanges
 der Angaben mit den anderweitig bekannten

ANY
        <pb n="249" />
        a) A
Glaubwürdigkeit und Wahrheit des Text*s “3 7 4 &amp;gt;
NA 7 f
Tatsachen oft ein gutes Mittel zur weiteren \eröfung der Sr
Glaubwürdigkeit eines Berichtes. Sn * fiel x
3. Trotz aller Sorgfalt und Mühe wird man dochnieht
immer zu einem sicheren und abschließenden Urteil über
eine Quelle gelangen können. Man muß sich dann damit
bescheiden, die größere oder geringere Wahrscheinlichkeit
der einander gegenüberstehenden Gründe zu Kkonstatieren,
oder vielleicht auch auf ein „non liquet“ zu erkennen. Gerade
 in derartigen Fällen hat man, wie Charles de Smedt
mit Bezug auf das Verständnis der Texte treffend bemerkt!),
 einen fast untrüglichen Prüfstein für den Wert
eines Kritikers: „S’il est mediocre, il ne manquera pas de
s’attacher arbitrairement et avec une sorte d’acharnement
au sens le plus favorable a l’opinion vers laquelle le portent
 ses affections ou ses prejuges, et il croira avoir tout
fait lorsqu’il sera parvenu ä 6tablir qu’ on ne peut demontrer
 avec certitude la faussete ni meme |’improbabilite relative
 de ce sens. Le critique. serieux se gardera bien de
semblables exces. Il conviendra loyalement de ]l’ ambiguite
du texte, quelqgue avantage qu' il puisse en retirer pour
confirmer ses idees favorites, ou, s’ il se prononce en faveur
 d’une interpretation determine, ce sera parce que
cette interpretation est appuyee sur des raisons extrinseques
 bien solides: si non, il se contentera de signaler la
probabilite du sens vers lequel il incline, en attendant que
le temps et l’ etude apportent de nouvelles lumieres pour
le definir plus exactement“.
Bei Quellen, die'sich auf die Religion und ihre Geschichte beziehen,
 gehen die Kritiker je nach ihrem verschiedenen Standpunkt in
der Regel am weitesten auseinander. Es ist dies immer wieder ein
neuer Beweis für die große Macht der vorgefaßten Meinungen und für
den yroßen Kinfluß, den die Richtung des menschlichen Strebevermögens
 au! die Verstandestätigkeit ausübt.
Ein Hauptgrund für diese Meinungsverschiedenheiten liegt namentlich
 in dem wunderbaren Charakter vieler für die Religionsgeschichte
wichtiger Ereignisse, Die Mehrzahl unserer heutigen Kritiker steht dieser
Wunderfrage ablehnend gegenüber. Allerdings rühmt man es als „einen
') Ch. de Smedt, Principes de la eritique historique 115 f,
        <pb n="250" />
        5 Die Beurteilung der Quellen
großen Fortschritt, den die geschichtliche Wissenschaft im letzten Menschenalter
 gemacht hat, daß sie jene Erzählungen verständnisvoller und
wohlwollender zu beurteilen gelernt hat und daher auch Wunderberichte
als geschichtliche Quellen zu würdigen und zu verwerten vermag“
(Ad. Harnack, Das Wesen des Christentums [Leipzig 1900] 16).
Worin dieser große Fortschritt der geschichtlichen Wissenschaft in
bezug auf das Wunderproblem bestehen soll, kann man aus den etwas
dunkeln Andeutungen, die Harnack den Studierenden aller Fakultäten „zu
eigener Entwicklung“ vorlegt, nicht so deutlich entnehmen als aus den
Worten Bernheins, der die Wunderberichte in seinem Lehrbuch unter
besonderer Berücksichtigung der Wunder des hl. Bernhard kurz streift
(58.328 f): „... Was wird uns in all diesen Fällen denn eigentlich
bezeugt? Gewisse Vorgänge, welche die Berichterstatter für wunderbare
halten. An der Tatsächlichkeitder Vorgänge aan sich ist in dem
Falle des heiligen Bernhard und in hundert anderen Fällen gar nicht
Zu zweifeln, und niemand kann daran zweifeln wollen, der das Mittelalter
 verstehen will, sei er wess Glaubens er will. Was man bezweifeln
kann, ist nur die Auffassung und Beurteilung dieser Vorgänge als
wunderbarer. Wenn wir das tun, d. h. uns in der Beurteilung der erzählten
 Tatsache auf Grund unserer abweichenden Anschauungen und
Kenntnisse von dem Urteil der Berichterstatter emanzipieren, so tun
wir gar nichts anderes als das, wozu wir uns überall methodisch berechtigt
 halten, wo es sich um die Kritik und Interpretation von
Autoren handelt. Wir würden diese Berechtigung nur überschreiten,
sobald wir die unanfechtbar bezeugten Tatsachen selber in Zweifel
zögen ... In methodischer Hinsicht verfährt Hüffer (in der Behandlung
 der Wunder des hl. Bernhard) hiermit ganz ebenso wie wir,
wenn wir auf Grund unserer Anschauungen uns noch weiter von dem
Urteil der Berichterstatter emanzipieren und die Tatsachen, die diese als
Wunder auffassen, soweit sie nicht als Betrug gelten können, mit Hilfe
der Psychologie und Medizin als natürliche Vorgänge gewisser nervöser
Erscheinungen erklären, ohne die Vorgänge in ihrer Tatsächlichkeit an
sich zu bezweifeln“.
Es ist zu diesen Anschauungen zu bemerken: 1) Sie sind identisch
mit den schon vor hundert Jahren von Heinrich Eberhard Gottlob Paulus
aufgestellten Grundsätzen und, können daher nicht als großer Fortschritt
der Wissenschaft im letzten Menschenalter gelten. Der alte Heidelberger
Exeget betonte schon in seinem „Philologisch-kritischen und historischen
Kommentar über das Neue Testament“ (4 Bände über die Evangelien.
Lübeck 1800-04) wie in seinem späteren „Exegetischen Handbuch über
die drei ersten Evangelien“ (3 Bände in 5 Teilen. Heidelberg 1830—33)
und in seinem „Leben Jesu als Grundlage einer reinen Geschichte des
Urchristentums“ (2 Bände in 4 Teilen. Heidelberg 1828), daß man „bei
jedem als Wunder geglaubten Erfolg die Tatsache, woran nicht zu zweifeln

“GR
        <pb n="251" />
        Glaubwürdigkeit und Wahrheit des Textes „+
ist, von dem Zeiturteil unterscheiden könne“ (Handbuch 1, 2 p. VID). Er
erinnerte zB. beim Bericht über den Seesturm „an die vorher schon
bemerkte und oft anwendbare Regel, daß immer die erzählte Tatsache
 von dem erzählten Urteil der Teilhabenden wohl zu unterscheiden
 ist“ (Leben Jesu 1, 1,229).
2) Die Theorie läßt uns ganz im Stiche in allen Fällen, die wir
weder als Betrug noch auch „mit Hilfe der Psychologie und Medizin
als natürliche Vorgänge gewisser nervöser Erscheinungen erklären können“,
 wie zB. bei den durchaus glaubwürdig berichteten Naturwundern
Jesu. Wenn man solchen Berichten nur die Behauptung entgegenhält:
„Daß ein Seesturm durch ein Wort gestillt worden ist, glauben wir
nicht und werden es nie wieder glauben“ (A. Harnack, Das Wesen des
Christentums 18), so wird man darin keine wissenschaftliche Kritik
des Berichtes finden können.
3) Zu der unbezweifelbaren Tatsächlichkeit eines wunderbaren
Vorganges gehören in sehr vielen Fällen nicht bloß das Wesentliche
dieser Tatsache, sondern auch die von den gleichen zuverlässigen
Zeugen mit derselben kritisch unanfechtbaren Glaubwürdigkeit berichteten
 Umstände, unter denen der Vorgang sich ereignete. Ein typischer
 Fall ist zB. die plötzliche und vollkommene Heilung des flämmischen
 Arbeiters Peter de Rudder, welche am 7. April 1875 in dem
belgischen Örtchen Oostacker erfolgte, nachdem seit dem 16. Februar
1867 sein Schien- und Wadenbein etwas unterhalb des Knies völlig
abgebrochen waren und zwei große eiternde und krebsarlige Wunden
sich an der Bruchstelle und auf dem Fußrücken gebildet hatten. Unbezweifelbare
 Zeugnisse bestätigen bei dieser Begebenheit nicht bloß
das Wesentliche, nämlich die Heilung des zerbrochenen Beines, sondern
auch die einzelnen Umstände, unter denen diese Heilung plötzlich und
ohne Anwendung irgendwelcher natürlicher Mittel erfolgte. Die Zeugnisse
 und Aktenstücke nebst Photographien sind von drei Ärzten veröffentlicht
 worden in der Schrift: „Guerison subite d’ une fracture.
Recit et etude scientifique par L. van Hoestenberghe, Doecteur en medecine,
 K. Royer, Docteur en medecine, 4. Deschamps S. J., Docteur en
medecine et en sciences naturelles“ (Bruxelles 1900, L. Lagaert). Einen
Auszug daraus bot Erich Wasmann in: „Stimmen aus Maria-Laach“ 58
(1900, 1) 113—28. Eine Unterscheidung zwischen der Glaubwürdigkeit
der Zeugnisse hinsichtlich der Heilung an sich und der Umstände, unter
denen sie erfolgte, ist kritisch durchaus unzulässig. Diesen Umständen
gegenüber aber nützt die Unterscheidung zwischen der 'Tatsächlichkeit des
Vorganges und der Auffassung der Zeugen gar nichts. Denn eine Heilung
 des zerbrochenen Beines und der eiternden Wunden unter diesen
konkret feststehenden und bewiesenen Umständen kann keine Psychologie
 und keine Medizin noch auch irgendeine andere Wissenschaft als
natürlichen Vorgang gewisser nervöser Erscheinungen erklären. Die

DC
        <pb n="252" />
        25, Die Beurteilung der Quellen
Einwendung aber, die mir ein Professor der Pathologie in Bezug auf
diesen typischen Fall machte: „Wenn wir einen solchen Fall zugeben,
welche Konsequenzen müßten wir daraus ziehen?“, wird man auch
nicht als wissenschaftlichen Grund für die Leugnung der Glaubwürdigkeit
 und Wahrheit des Wunderberichtes ansehen können.
Es bleibt schließlich als Grund dieser Leugnung nur die kritische
Scheu vor der Wunderfrage bestehen, mit der sich, wie Charles de Smedt
zutreffend bemerkt (Principes 35), nur die allerwenigsten Kritiker in
ernster wissenschaftlicher Weise beschäftigt haben. Nicht auf seiten
des Wunderglaubens, der historisch unanfechtbare Berichte auch bei
einem Wunder als glaubwürdig anerkennt, liegt hier der Mangel an
Voraussetzungslosigkeit, sondern auf seiten jener Wunderscheu, die philosophische
 Voraussetzungen von der angenommenen, aber nicht bewiesenen
 Unmöglichkeit eines Wunders unberechtigterweise in die
historische Untersuchung hineinträgt.
Für die ausführlichere Behandlung dieser Frage sei auf die Einleitung
 zu meiner Erklärung der „Wunder des Herrn“ und die reichlichen
 Literaturangaben daselbst verwiesen (1? [Innsbruck 1907] 3—126).
—- k &amp;gt;
r &amp;gt;

AO
        <pb n="253" />
        Die Sichtung des Stoffes: Zeitliche Ordnung
Siebzehntes Kapitel
Die Sichtung des Stoffes
Vgl. £, Bernheim, Lehrbuch der hist. Methode® 549—55; Lang-Zois-Seignobos,
 Introduction aux 6tudes historiques (*Pariıs 1905) 200 — 17.
66. Zeitliche Ordnung. Zum Abschluß der Verarbeitung
 des gesammelten Stoffes ist eine angemessene
Ordnung desselben notwendig. Sie kann sich je nach dem
Charakter und dem Bedürfnis der Arbeit nach verschiedenen
 Gesichtspunkten richten. Wir können an erster Stelle
die zeitliche Reihenfolge ins Auge fassen.
Diese erste Ordnung wird sich 1. auf die Quellen
und Hilfsmittel erstrecken müssen, aus denen wir den
Stoff zur Arbeit gesammelt haben. Die Untersuchung über
die Entstehung der Quellentexte liefert von selbst das nötige
Material zur chronologischen Bestimmung der einzelnen
Quellen und der aus ihnen schöpfenden Darstellungen. Für
die Sichtung des Stoffes empfiehlt es sich aber, die Angaben
in zeitlicher. Ordnung zusammenzustellen, um so einen Überblick
 über den Zusammenhang der Quellen zu erleichtern
und sie bei der Verwertung für die Arbeit in ihrer Zusammengehörigkeit
 nicht auseinander zu reißen, soweit andere
Rücksichten nicht eine Abweichung von der zeitlichen Reihenfolge
 nahelegen.
Ihre praktische Verwendung findet diese zeitliche Ordnung
 der Quellen und Darstellungen schon bei den Literaturangaben,
 wenn diese nicht in Form einer alphabetischen
Bibliographie vorgelegt werden.
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3, Aufl;

241
16
        <pb n="254" />
        “ Die Sichtung des Stoffes
9, Die zeitliche Ordnung betrifft ferner auch die einzelnen
 Zeugnisse, die den Quellen entnommen werden.
 Auch bei diesen wird die Übersicht und das Verständnis
 ihres Zusammenhanges vielfach durch die zeitliche Reihenfolge
 sehr gefördert. Sie verdient daher neben der sachlichen
 Anordnung eine besondere Berücksichtigung.
3. Weiterhin ist auch bei den Personen. auf. die
chronologische Folge zu achten. Weil das nachfolgende
Geschlecht die geistige Erbschaft des voraufgegangenen antritt
 und in mannigfacher Hinsicht unter dem Einfluß desselben
 steht, ist es nicht gleichgültig, in welcher zeitlichen
Ordnung wir uns mit den einzelnen Personen beschäftigen.
A. Endlich können die Tatsachen durch die richtige
chronologische Ordnung oft neues Licht erhalten. Das
Nacheinander der Ereignisse wird häufig mit dem Verhältnis
von Ursache und Wirkung zusammenhängen und umgekehrt
 wird dieses in jenem seinen Ausdruck finden. Wir
werden deshalb die logische Entwicklung der Begebenheiten
ohne Rücksicht auf ihren chronologischen Zusammenhang
kaum richtig und allseitig erkennen können.
Es genügt aber nicht, das eine Moment der zeitlichen
Reihenfolge für sich allein in Erwägung zu ziehen. Wir
müssen es möglichst mit dem Gesichtspunkt der örtlichen
und sachlichen Zusammengehörigkeit zu verbinden und aus
den verschiedenen möglichen Kombinationen Licht für den
Gegenstand unserer Arbeit zu gewinnen suchen.
67. Geographische Ordnung. In ähnlicher Weise
wie bei der zeitlichen Reihenfolge läßt sich auch hinsichtlich
 der örtlichen Zusammengehörigkeit eine gute geographische
 Ordnung des gesammelten Stoffes erzielen.
Dieselbe muß sich wiederum auf die Quellen, ihre
einzelnen Zeugnisse, die Personen und Tatsachen erstrecken.
Solange man diese einzelnen Faktoren nur isoliert für sich
allein betrachtet, wird einem ihr gegenseitiger Zusammenhang,
ihre Bedeutung und Tragweite nur sehr unvollkommen klar
werden können. Erst durch die örtliche Gruppierung der

wAD
        <pb n="255" />
        Geographische Ordnung. Sachliche Ordnung ,
zusammengehörigen Tatsachen erhält das Bild seine richtigen
 Farben und das volle Licht, das zum rechten Verständnis
 der einzelnen Züge erfordert ist.
Man bezeichnet diese Betrachtung nach der örtlichen
Zusammengehörigkeit wohl als die topische. Durch die Verbindung
 mit dem chronologischen Ordnungsprinzip können
wir auch jene Tatsachen zum Gegenstand unserer Betrachtung
 machen, die zur selben Zeit an verschiedenen Orten
oder zu verschiedenen Zeiten an demselben Orte geschehen
sind. Die erstere Betrachtungsweise nennt man die synchronistische;
 die zweite kann man mit E. Bernheim als die syntopische
 bezeichnen.
68, Sachliche Ordnung. Bei den meisten Untersuchungen
 ist die Ordnung des gesammelten Stoffes nach
sachlichen Gesichtspunkten vor allem notwendig, um zu
einer klaren Übersicht und zu einer sicheren Beurteilung
des vorliegenden Materials zu gelangen. Man bezeichnet
diese sachliche Ordnung auch wohl als logische Folge*), obwohl
 dieser Ausdruck auch eine andere Bedeutung zuläßt
und daher mit Grund von E. Bernheim?) beanstandet wird.
Als solche sachliche Gesichtspunkte können in Betracht
kommen: 1. die Bedeutung eines Gegenstandes im allgemeinen.
 Wir werden darnach die Hauptsache von den
Nebenfragen, das Wichtige von dem minder Wichtigen,
das Wertvolle von dem Wertlosen zu unterscheiden und
unter dieser Rücksicht das Material für die Verwendung
bei der Arbeit zu ordnen -trachten. Der Maßstab für diese
Bedeutung eines Gegenstandes ist bei. jeder wissenschaftlichen
 Arbeit der besonderen Beziehung zum Thema zu
entnehmen.
2, Mit besonderer Rücksicht auf die zu erörternde
Frage wird die größere oder geringere Beweiskraft
eines Argumentes bei der Ordnung beachtet werden müssen.
Es ist wichtig, schon bei der Sichtung des Stoffes die enta
 1) Ch, Seignobos in: Langlois-Seignobos, Introduction? 203.
2?) E. Bernheim, Lehrbuch® 550 Anm.

242
16*
        <pb n="256" />
        Zt Die Sichtung des Stoffes
scheidenden Beweise besonders ins Auge zu fassen und von
den. weniger beweiskräftigen Gründen zu trennen.
3. Ein anderes Ordnungsprinzip ergibt sich aus der
logischen Zusammengehörigkeit der verschiedenen
Stoffe. Man wird den eigentlichen Gegenstand selbst mit
seinen einzelnen Teilen von seinen Voraussetzungen, Ursachen
 und Anlässen und ebenso von seinen Folgen und
Wirkungen unterscheiden und diese Stoffe in besonderen
Gruppen zusammenfassen.
4A. Ferner läßt sich in dem gesammelten Stoff seiner
Qualität nach dasjenige, was sich mehr auf die äußere
Form oder auf die Methode der Behandlung bezieht, von
den inhaltlichen und sachlichen Elementen trennen und
überhaupt das Gleichartige und Ungleichartige voneinander
scheiden und in eigenen Gruppen vereinigen.
5. Für jede einzelne Wissenschaft lassen sich endlich
aus der systematischen Einteilung des ganzen Fachgebietes
 besondere Kategorien entnehmen und für die Ordnung
 des Stoffes verwenden. So stellt zB. X. Bernheim
für die Geschichtswissenschaft eine „thematische Einteilung“
zusammen!) und Ch. Seignobos macht ebenfalls in der „Introduction
 aux 6tudes historiques“ den Versuch einer umfassenden
 Einteilung der geschichtlichen Tatsachen®).
uıuı=‘) E, Bernheim, Lehrbuch? 53—70,
?) Ch. Seignobos in: Langlois-Seignobos, Introduction? 202 f,
DA, SF

Ay.
        <pb n="257" />
        Die Disposition des Stoffes: Notwendigkeit
Achtzehntes Kapitel
Die Disposition des Stoffes
Vgl. E. Bernheim, Lehrbuch der hist. Methode®* 781—5,
69. Notwendigkeit. Die Disposition bildet den Übergang
 von der Verarbeitung zur Darstellung des Stoffes. Sie
bringt jene zum Abschluß und bereitet diese vor. Man
kann sie daher auch als einen Teil der Darstellung selbst
betrachten, wie Bernheim es tut. Doch hat sie auch zum
Schluß des Abschnittes über die Verarbeitung des Stoffes
ihren berechtigten Platz.
Wir verstehen unter Disposition die dem Thema entsprechende
 planmäßige Einteilung der ganzen Darstellung
und die zweckmäßige Verteilung des Stoffes auf ihre einzelnen
 Abschnitte. Sie setzt deshalb einerseits klare Erfassung
des Themas voraus, das hier wie überall sich als maßgebend
 erweist; anderseits aber auch volle Beherrschung des
ganzen Stoffes, der für das Thema in Betracht kommt, ohne
daß damit auch schon jede Kleinigkeit in nebensächlichen
Dingen völlig bereit zu sein braucht. Bei der Sammlung,
Durcharbeitung und Sichtung dieses Stoffes muß beides erreicht
 sein, um mit Erfolg die Darstellung beginnen zu
können.
Außerdem muß man sich auch über den Plan und die
Anlage der Arbeit klar sein, wenigstens in ihren Hauptlinien,
 Die Sichtung und Ordnung des Stoffes hat noch
nicht genügend dafür gesorgt. Wie der Baumeister seinen
Plan fertig haben muß, bevor er mit dem Fundamente be-945
        <pb n="258" />
        2 Die Disposition des Stoffes
ginnen kann, so muß auch bei der wissenschaftlichen Arbeit
der Entwurf für die Anlage der ganzen Darstellung gemacht
sein, ehe man mit der Ausführung des ersten Teiles den
Anfang machen kann.
Im Verlauf der Ausführung läßt sich dann die genauere
Bestimmung des Planes für einzelne Teile nachtragen oder
der eine oder andere Teil ändern und umstellen. Jedenfalls
 muß man sich aber auch hinsichtlich der Abschnitte
und Unterabteilungen jedesmal vor Beginn der Ausführung
über Plan und Anlage klar geworden sein. Wer ohne
Steuer und Kompaß sein Schifflein treiben läßt, wird wohl
kaum das Ziel der Fahrt erreichen. Ein blindes und zielloses
 Vertrauen auf die Einge! ung des Augenblickes macht
das Gelingen der wissenschaftlichen Arbeit vom Zufall abhängig
 und entspricht nicht der. hohen Würde des Dienstes
der Wahrheit.
70, Eigenschaften. Die Disposition ist bei jeder
einzelnen Arbeit so sehr vom Thema und von dem verfügbaren
 Material abhängig, daß sich der einzelne Arbeiter
seine Disposition notwendig selber machen muß. Eigenes
Nachdenken unter genauer Berücksichtigung der Aufgabe
und des Stoffes wird in der Regel schon jedem seinen
Weg zeigen. Auch kann das Vorbild anderer bei der Bearbeitung
 von ähnlichen Gegenständen manch nützlichen
Fingerzeig geben.
Immerhin lassen sich aber einige Eigenschaften einer
guten Disposition im allgemeinen angeben. Wir können
dazu rechnen: 1. Durchsichtigkeit. Notwendige Voraussetzung
 für die Erkenntnis der Wahrheit ist ja die Klarheit
 und Übersichtlichkeit in der Darstellung des Stoffes;
diese hängt aber größtenteils von einer klaren Einteilung
und Disposition der Arbeit ab.
2. Zielstrebigkeit. Das Geheimnis der übersichtlichen
 Klarheit liegt vorzüglich in der Zielstrebigkeit. Wenn
man selber genau weiß, was man will, und ‚überall bewußt
dieses Ziel ins Auge faßt, wird man auch leicht die rechten

JAÄ6
        <pb n="259" />
        Eigenschaften 247
Mittel in der rechten Weise wählen können, um andere
zum gleichen Ziel zu führen.
3. Folgerichtigkeit. Weil das Ziel der Arbeit auf
die Erkenntnis der Wahrheit gerichtet ist, wird man bei der
Disposition auch alles berücksichtigen müssen, was das
Verständnis erleichtern und fördern kann. Ein wichtiges
Mittel dafür ist die logische Folge und die geeignete Verbindung
 der einzelnen Teile, die sich gegenseitig vorbereiten
 und ergänzen und in richtiger Folge auseinander ergeben
 müssen... So wird die Darstellung zu einem organischen
 Ganzen, bei dem nicht das Nebeneinander der
Teile, sondern das Ineinandergreifen und die lebendige Verbindung
 der einzelnen Glieder den geschickten Werkmeister
erkennen läßt.
4. Zweckmäßigkeit. Bei der großen Verschiedenheit
 der Aufgaben muß die Disposition bei jeder einzelnen
 Arbeit notwendig dem besonderen Zwecke derselben
angepaßt sein. Man wird daher den besonderen Anforderungen
 des eigenen Themas entsprechend für die Anordnung
 des Stoffes bald mehr auf die sachliche, bald auf
die räumliche und zeitliche Folge Rücksicht nehmen. Eine
jede Ordnung muß aber stets das Wichtigste in den Vordergrund
 stellen und das Nebensächliche zurücktreten lassen.
Die Disposition soll uns ja, wie X. Bernheim bemerkt,
„ähnliche Dienste leisten wie die Perspektive bei einem
Gemälde: ähnlich wie diese das räumliche Vor- und Hintereinander,
 das Fern und Nah der Dinge durch künstliche
Anordnung in dem zusammenhängenden Nebeneinander
einer Fläche veranschaulicht, so muß die Disposition das
zeitliche und räumliche Durcheinander der Erscheinungen
durch künstliche Anordnung in dem Nacheinander der Erzählung
 vorstellig machen“ '). Aber auch bei einem Gemälde
muß der Beschauer bei richtiger Anordnung des Bildes
und zweckmäßiger Anwendung der Perspektive keinen
Augenblick über die Hauptpersonen und die Nebenfiguren
im Zweifel bleiben.
') E, Bernheim, Lehrbuch®* 782.
        <pb n="260" />
        Die Disposition des Stoffes
5. Allseitigkeit. Bei der Wahl seines Themas
wird man sich in der Bearbeitung einer Frage auf bestimmte
Grenzen beschränken können, über die man sich im Titel
oder im Vorwort der Arbeit aussprechen soll. Für die
Darstellung des gewählten Stoffes muß aber die Disposition
möglichst alle Seiten des Gegenstandes innerhalb des bestimmten
 Umfanges berücksichtigen. Einseitige Hervorhebung
 einzelner Teile wird leicht falsche Anschauungen und
irrige Urteile veranlassen.
6. Schönheit. Last and least soll auch das ästhetische
 Moment bei der Disposition Beachtung finden, aber
nur soweit die erkenntnistheoretischen Rücksichten es gestatten.
 Die klare Erkenntnis ir Wahrheit muß ausschlaggebend
 bleiben. Die Schönheit mag als willkommener
Schmuck hinzukommen. Sie darf sich aber nur als Begleiterin
 anschließen und kann keinen Anspruch auf den
ersten Platz erheben.
Eine Forderung des ästhetischen Momentes betrifft vorzüglich
 eine gewisse Gleichmäßigkeit im Aufbau, ohne daß
dieselbe in eine eintönige Gleichförmigkeit oder pedantische
Gleichheit ausarten soll. Mit derselben kann sich vielmehr
möglichste Mannigfaltigkeit verbinden, um allen Wünschen zu
entsprechen, soweit der Hauptzweck der Arbeit es gestattet.
Beispiele guter Dispositionen wird man leicht in den verschiedenen
 Schriften guter Autoren auf allen Gebieten finden. Es möge hier
genügen, das von Oskar Kataun mitgeteilte Schema einer Arbeit über
ein poetisches Werk beizufügen.
1. Einleitung: Die literarischen und politischen Verhältnisse der
Zeit des Dichters; | .
2. Der Dichter und seine Entwicklung bis zu dem in Frage kommenden
 Werke;
3, Vorgeschichte (Briefe), Entstehungszeit des Werkes;
4. Inhalt, Quellen (historische Grundlage, dichteriche Erfindung),
Form (Gattung, Stil, Vers);
5. Verhältnis des Werkes zur Entwicklung des Dichters und zu
seiner Zeit;
6. Nachgeschichte des Werkes: Aufnahme, Nachwirkung auf den
Dichter und sein weiteres Schaffen, Nachwirkung auf die Zeit (Nachahmung,
 Schule usw.).

DÄ4R
        <pb n="261" />
        Die Darstellung: Vorbemerkungen
Vierter Abschnitt
Die Darstellung
Vgl. E. Bernheim, Lehrbuch der hist. Methode® 777—98; Langlois-Seignobos,
 Introduction aux etudes historiques® 256—73.
71. Vorbemerkungen. Nach der Sammlung und
Verarbeitung des Stoffes erübrigt die schriftliche Ausführung
 der entworfenen Disposition, die wir mit dem Namen
„Darstellung“ bezeichnen. Sie hat die Zusammenfassung
der Ergebnisse und Beweisgründe unserer wissenschaftlichen
 Arbeit zum Gegenstand. Ihr Ziel ist für gewöhnlich
die Mitteilung dieser Beweise und Resultate an andere.
Wir haben uns hier mit der Darstellung nicht vom
Standpunkt der Stilistik und Rhetorik zu beschäftigen,
wenn es auch nicht unnütz sein mag, an einige Regeln
derselben kurz zu erinnern. Unser Augenmerk muß aber
hauptsächlich auf die Anforderungen gerichtet sein, die der
wissenschaftliche Charakter der Arbeit auch hinsichtlich
der Darstellung zu stellen berechtigt ist. Wir können diese
Anforderungen in zwei Gruppen zusammenfassen: allgemeine
 und besondere. Die ersteren betreffen teils die
sprachliche Seite, teils den Inhalt; die letzteren beziehen
sich auf gewisse äußere Punkte, die bei der wissenschaftlichen
 Darstellung nach allgemein üblichem Brauche zu
beachten sind.

949
        <pb n="262" />
        250

Allgemeine Erfordernisse der Darstellung
Neunzehntes Kapitel
Allgemeine Erfordernisse der Darstellung
72. Sprache und Stil. Als Anforderungen an die
sprachliche Seite der wissenschaftlichen Arbeit kommen
vorzüglich in Betracht: 1. die Sprachrichtigkeit. Es
versteht sich zwar ganz von selbst, daß die Wissenschaft
sich nicht von dieser ersten und elementarsten Forderung
emanzipieren darf. Manche Beispiele mahnen aber daran,
daß es nicht ganz überflüssig ist, diese Forderung wenigstens
 kurz zu erwähnen.
2, Klarheit. Nicht ganz mit Unrecht ist der „Ge-Jehrtenstil“
 wegen seiner Dunkelheit und Schwerfälligkeit
in einen gewissen Verruf geraten. Die so sehr wünschenswerte
 und notwendige und für das Verständnis so förderliche
 Klarheit läßt sich am besten erreichen, wenn. man
auf die rechte Wahl der gebräuchlichen, bezeichnenden
und konkreten Wörter, auf die richtige Wortstellung und
auf den Bau der Sätze und Satzgefüge, in allem aber
auf ungesuchte Einfachheit achtet. Insbesondere ist die
Häufung von Neben- und Zwischensätzen und von zu vielen
Abstrakten eine: gewöhnliche Ursache von Unklarheit und
Schwerfälligkeit.
3. Angemessenheit. Auch innerhalb der Grenzen
einer richtigen und klaren Sprache steht noch die Wahl
zwischen verschiedenen Stilarten offen: man kann sich mit
dem niederen Stil begnügen oder den mittleren, den pa-
        <pb n="263" />
        Sprache und Stil 251
thetischen oder. auch den erhabenen nehmen. Die Wahl
muß vom rechten Takt geleitet sein, der alles dem Gegenstande,
 dem Zwecke, den Personen und den Umständen
anzupassen und darnach zu bemessen weiß. Mit Recht
wird namentlich vor den verfehlten Stilblüten gewarnt, die
besonders in einer wissenschaftlichen Arbeit gar nicht an
ihrem Platze sind; es sind jene „zahlreichen bildlichen
Redewendungen . .., die im Lauf der Zeit durch übermäßigen
 Gebrauch die konkrete Anschaulichkeit gänzlich
eingebüßt haben, Wendungen wie ‚die blutige Fahne des
Aufruhrs erheben, den Stier bei den Hörnern packen, sich
zwischen zwei Stühle setzen, das Kriegswetter tobt‘ u. dgl. m.“
(Bernheim 734).
‘4. Schönheit. Wie schon bei der Disposition so
kommen auch hinsichtlich der Sprache die ästhetischen
Forderungen bei der wissenschaftlichen Arbeit zuletzt an
die Reihe. Unbeschadet der notwendigen übrigen Eigenschaften
 kann sich aber die Schönheit bei der sprachlichen
Seite der Arbeit geltend machen in der Wahl von wohlklingenden,
 bedeutungsvollen, weniger abgenutzten Wörtern,
im eigentlichen Redeschmuck durch Tropen und Figuren,
Bilder, Vergleiche, Sentenzen und andere der künstlerischen
Form entsprechende Eigenschaften.
Für die sprachliche Seite der Arbeit kann man mit Nutzen verwenden:
 Daniel Sanders, Wörterbuch der Hauptschwierigkeiten in der
deutschen Sprache. *%Berlin 1892; Karl Gustav Andresen, Sprachgebrauch
 und Sprachrichtigkeit im Deutschen. °Leipzig 1903; AC&amp;lt;nton&amp;gt;
Schlessıng, Deutscher Wortschatz. ‘Stuttgart 1907; Gustav Wustmann,
Allerhand Sprachdummheiten. *Leipzig 1908; Otto Schroeder, Vom papiernen
 Stil. °Leipzig 1906; Friedrich Kluge, Unser Deutsch. Leipzig
1907 (Wissenschaft und Bildung 1); R. M. Meyer, Deutsche Stilistik,
München 1906; W. Raleigh, Style. °London 1898; A. Albalah, UL’ art
d’ 6crire enseigne en 20 lecons. *Paris 1899; ders., De la formation du
style. Paris 1902; ders., Les ennemis de l’art d’&amp;amp;crire. Paris 1905.
— Auch Nik. Schleininger, Grundzüge der Beredsamkeit (‘von K. Racke.
Freiburg 1906) gibt manch nützliche Winke.
Im einzelnen kann man natürlich über die eine oder andere
„Sprachdummheit“ verschiedener Meinung sein.
        <pb n="264" />
        Ben Allgemeine Erfordernisse der Darstellung
73. Inhalt. Hinsichtlich des Inhaltes sind vorzüglich
folgende Punkte zu beachten: 1. Die Wahrheit. Es ist
wiederum eine ganz selbstverständliche Forderung. Die
Würde der wissenschaftlichen Arbeit macht es aber einem
jeden zur ernsten Pflicht, sich immer wieder zu prüfen, ob
er dieser Forderung stets voll und ganz entspricht und
nicht vielleicht, ohne es zu wollen, sich von subjektiven
Anschauungen zu einer Nichtachtung der objektiven Rechte
der Wahrheit verleiten läßt.
2. Anschaulichkeit. Die Anschaulichkeit wird zum
Teil durch die rechte Wahl geeigneter Wörter und Ausdrücke
 erreicht werden und insofern zur sprachlichen Seite
gehören. Sie kommt aber auch beim Inhalt zur Geltung.
So wird man zB. bei der Darstellung statt der allgemeinen
und abstrakten Wahrheiten möglichst die besonderen und
konkreten bevorzugen, in welchen jene ihren Ausdruck
finden; man wird sich nicht mit allgemein gehaltenen Urteilen
 begnügen, sondern die Einzelfälle auswählen, aus
denen sie sich ergeben; ebenso kann man sonstige allgemeine
 Erscheinungen und umfassende Begriffe in ihre einzelnen
 Teile zerlegen und aus den konkreten Einzelbildern
die Sache viel anschaulicher darlegen, als es bei einer allgemein
 gehaltenen Schilderung möglich wäre.
3. Zusammenfassung. Bei der Darstellung läßt
sich nicht die ganze Masse des gesammelten Stoffes mit
all seinen Einzelfällen und Wiederholungen in behaglicher
Breite vorlegen. Es muß notwendig dem Zweck des Themas
entsprechend das Gleichartige, das schon bei der Sichtung
des Stoffes in gemeinsamen Gruppen vereinigt wurde, kurz
zusammengefaßt werden, um das Wichtige klarer zum Ausdruck
 bringen zu können. So muß durchwegs bei allen
einzelnen Teilen ‚der Arbeit aus der Fülle des gesammelten
Stoffes ein Auszug gemacht und für die zu behandelnde
Frage verwendet werden, ähnlich wie bei einem Klavierauszug
 aus einem Orchesterwerk „trotz aller Fortlassung
zahlreicher Tonmassen der fortlaufende Zusammenhang und

A]
        <pb n="265" />
        In::. 2
melodiöse Inhalt des ganzen Werkes in gleichmäßiger Verkürzung
 mitgeteilt wird“!).
Es ist klar, daß diese „Konzentration“, wie die Zusammenfassung
 wohl auch genannt wird, der Anschaulichkeit
 des Inhaltes nicht entgegensteht.
Im übrigen können die bei der Disposition erwähnten
Punkte auch für den Inhalt der Darstellung Anwendung
finden.
') E. Bernheim, Lehrbuch® 780.
5 K

-halt 953
        <pb n="266" />
        Die Schreibweise
Zwanzigstes Kapitel
Besondere Anforderungen: Die Schreibweise
74. Die wissenschaftliche Genauigkeit, die allen höchst
erwünscht ist, wird in der Regel bei der Veröffentlichung
der Arbeit nur dann erreicht werden, wenn man sich auch
bei der schriftlichen Darstellung an ihre Vorschriften gewöhnt
 hat. Es mögen äußerliche und nach dem Urteil
Fernstehender vielleicht kleinliche Punkte sein. Sie haben
aber ihre Berechtigung und sollten bei der wissenschaftlichen
 Arbeit nicht vernachlässigt werden.
1. In Bezug auf die Schreibweise sei zunächst an die
notwendige Gleichmäßigkeit bei der Anwendung der
sogenannten lateinischen und deutschen Schriftgattung erinnert.
 Es macht einen eigentümlichen Eindruck, dieselben
ohne hinreichenden Grund durcheinander gemischt zu sehen,
sei es auch nur um jeden beliebigen Eigennamen durch
lateinische Lettern hervorzuheben.
Einen eigentümlichen Eindruck macht es auch, wenn die lateinischen
 Zahlzeichen ohne jeden ersichtlichen Grund in deutschen Schriften
 zur Verwendung kommen, wie zB. im Titel der „Festrede, im
Namen der Georgs-Augusts-Universität zur akademischen Preisverteilung
am VIII Juni MDCCCOXCGVIII gehalten von Rudolf Smend“ (Göttingen,
Diederich).
2. Wichtiger ist aber die. dringend erwünschte Übersichtlichkeit
 in der Schreibweise. Sie läßt sich erreichen:
 a) durch eine angemessene Texteinteilung.
Man gewöhne sich von Anfang an daran, nicht bloß einige

954
        <pb n="267" />
        Die Schreibweise x
Hauptabschnitte oder Kapitel zu bezeichnen, sondern auch
regelmäßige Abteilungen und Unterabteilungen zu machen.
b) Diese einzelnen Teile können durch Bezeichnung
mit Nummern und Überschriften noch deutlicher
kenntlich gemacht werden. Wenn jeder neue Abschnitt
durch eine eigene Überschrift hervorgehoben wird, gewinnt
die ganze Darstellung außerordentlich an Übersichtlichkeit ;
zugleich zwingt diese Bezeichnung auch den Schreiber
überall zu einer bestimmten und klaren Entwicklung seines
Stoffes. Die Bezeichnung mit fortlaufenden Ziffern hat
außer dem Nutzen der größeren Übersichtlichkeit auch noch
den Vorteil, daß sich leicht auch schon im Manuskript auf
jeden Teil der Arbeit verweisen läßt.
c) Ein weiteres Hilfsmittel zum gleichen Zweck der
Übersichtlichkeit ist der Gebrauch, innerhalb der einzelnen
Teile häufig einen Absatz zu machen und mit einer
neuen Zeile zu beginnen (a linea). Es soll dem Sinne
gemäß geschehen und darf nicht in eine gekünstelte Weise
ausarten, noch auch übertrieben werden‘). Wo es aber
zweckentsprechend geschieht, hilft es sehr zur größeren
Klarheit und Verständlichkeit.
d) Innerhalb der einzelnen Abschnitte kann man ferner
auch einzelne Teile durch Unterstreichen in verschiedener
 Weise hervorheben, um die Aufmerksamkeit
 besonders auf sie zu lenken und den verschiedenartigen
 Charakter der Teile kenntlich zu machen. Bei der
Drucklegung ist ganz besonders auf diesen Punkt zu achten,
wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden.
e) Für die Übersichtlichkeit ist es ferner wichtig, sich
an eine gute und genaue Anwendung der Satzzeichen
zu gewöhnen. Die Interpunktion soll nach festen Prinzipien
 geregelt sein und der klareren Hervorhebung des
Sinnes dienen. Die Klarheit wird aber auch hier wiederum
mehr durch Konsequenz und weises Maßhalten als durch
die Überfülle der Zeichen erreicht. Die Regeln in den
') Vgl. oben p. 231 e).

WB
        <pb n="268" />
        2 Die Schreibweise
orthographischen Wörterbüchern können mit Nutzen verwendet
 werden‘).
Abschreckende Beispiele von wenig übersichtlichen Darstellungen
gibt es leider nur zu viele. Zwei gelehrte Schriften dieser Art charakterisiert
 Heinrich Holtzmann in der „Theolog. Literaturzeitung“ 32
(1907) 377 f als Kundgebungen, die auch „formell die gleiche monströse
Erscheinung eines, mit einziger Ausnahme des größeren Absatzes II
S. 115, ohne jede Gliederung, ohne Angabe von Abschnitten der Darstellung
 oder Stationen der Beweisführung, ja ohne Andeutung irgendwelcher
 Disposition fortlaufenden Monologes darbieten. Nicht einmal
eine Inhaltsangabe am Anfang oder ein Register am Schluß erleichtern
dem Leser den Gang durch ein Dickicht und Gestrüpp, darin keinerlei
Bahnspur, durch Gehölz und Waldung, darin keinerlei Lichtung anzutreffen
 ist. Daher das Gefühl physischer Ermüdung, welches jede längere
Beschäftigung mit dem einen wie mit dem anderen dieser Bücher zurückläßt.
 Während man sich durch die ganz erstaunliche Masse von Wissensstoff,
 der hier angehäuft ist, durcharbeitet, gesellt sich zu der Hauptfrage
nach Wert und Fruchtbarkeit desselben immer die Nebenfrage: wie mag
es zugehen, wo ein solches Buch geschrieben, ein solches Produkt geboren
 wird? Ich kann mir keine andere Vorstellung davon machen
als die, daß der Verfasser, der fraglos ein Polyhistor ersten Ranges
ist und eine beneidenswerte Belesenheit besitzt, wohl Jahre lang Lesefrüchte
 über Lesefrüchte, die ihm in einer gewissen Beziehung zu seinen
Grundgedanken zu stehen schienen, gesammelt und dieselben schließlich
nach einer vielfach vom Moment bedingten Ideenassoziation aneinander
gereiht hat. Daher auch der aufmerksame Leser nie ahnen kann, wovon
auf der nächsten Seite die Rede sein werde“.
Mit Bezug auf die Texteinteilung würde auch das vielfach so vorzügliche
 „Lehrbuch der historischen Methode“ von Ernst Bernheim viel
gewonnen haben, wenn statt der langatmigen Paragraphen und Abteilungen
 die einzelnen Abschnitte bezeichnet oder wenigstens die Texteinteilungen
 auch durch Seitenüberschriften kenntlich gemacht wären.
In der vorliegenden Form ist der Benutzer des Buches bei den sehr
häufigen Verweisen auf frühere oder spätere Abschnitte immer wieder
genötigt, sich über den Fundort des „$ 4, 1 c“ erst aus dem Inhaltsverzeichnis
 Aufschluß zu verschaffen, oder „unten Abschnitt 4 am Anfang“
durch vieles Umblättern herauszufinden, oder den „fünfnächsten Absatz“
sich selber erst abzuzählen. Wie viel Zeit geht dabei unnütz verloren!
') Vgl. zB. Joh. Weyde, Wörterbuch für die neue deutsche Rechtschreibung
 (*Wien 1902) 18—22; Duden, Rechtschreibung der deutschen
 Sprache (°Leipzig und Wien 1915) XXXVII—XLILI. — Vgl. auch
das oben p. 230 d) über Interpunktion Gesagte.

56
        <pb n="269" />
        Die Abkürzungen
Einundzwanzigstes Kapitel
Die Abkürzungen
75. Für die Abkürzungen läßt sich zwar kein allgemein
 gültiges Schema aufstellen. Einige Punkte können
aber als gemeinüblich gelten und Anspruch auf Beachtung
erheben.
1. Im allgemeinen muß für die Kürzungen Deutlichkeit
 und Genauigkeit bestimmend sein. Es ist daher
notwendig, die mehrdeutigen Abkürzungen möglichst zu
vermeiden, und im allgemeinen bei der Verwendung von
Abkürzungen mit Konsequenz vorzugehen.
9, Das Maß der Kürzungen, die unbeschadet der
Deutlichkeit gebraucht werden können, richtet sich bei jeder
Arbeit nach dem Leserkreis, den sie im Auge hat,
und nach den Umständen und Verhältnissen, die für
die Veröffentlichung in Betracht kommen. Bei einer Schrift,
die sich nur an Fachgenossen wendet, kann ein ganz anderes
 Maß zur Anwendung kommen, als bei einer Veröffentlichung,
 die für weitere Kreise bestimmt ist. Bei Zeitschriften
 und Sammelwerken muß im Interesse der wünschenswerten
 Einheit die gemeinsame Norm eingehalten
werden.
3. Es ist dringend zu empfehlen, mit den Abkürzungen
Maß zu halten, sich möglichst mit den allgemein gebräuchlichen
 und herkömmlichen zu begnügen und
nicht für jede Schrift eine Reihe von eigenen neuen Kür-Fonck,
 Wissenschaftliches Arbeiten. 3. Aufl. 7

257
1.
        <pb n="270" />
        305 Die Abkürzungen
zungen dem Leser für die Lektüre und das Studium mit
auf den Weg zu geben. Die Menge der neuen Zeichen
und Siglen macht die Lesung beschwerlich und bewirkt
Ermüdung und Überdruß.
Wenn es sich nur um das Weglassen von einem oder
zwei Buchstaben handelt, wird die Abkürzung im allgemeinen
 besser vermieden.
Auch hinsichtlich der vielfach noch herrschenden Abkürzungsmode
 sind es recht beherzigenswerte Worte, mit denen
Karl Krumbacher seine „Miszellen zu Romanos“ beschließt:
„Wer heute publiziert, wendet sich in einem ganz anderen
Grade an Fachgenossen aller Kulturnationen als noch vor
kurzem und er muß daher gerade in allen formalen und
technischen Dingen auch auf sie Rücksicht nehmen. Wir
müssen aber auch an die nachkommenden Geschlechter
denken; wenn dem in allen Äußerlichkeiten herrschenden
Schlendrian nicht bald energisch gesteuert wird, dürfte die
Benützung unserer gelehrten Werke und Zeitschriften ein
paar Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen mit ungeahnten
Schwierigkeiten verbunden sein“%).
4. Insbesondere sollte auch für die Bezeichnung
der Zeitschriften und Sammelwerke außerhalb
der bibliographischen und enzyklopädischen Veröffentlichungen
 mit der üblichen Mode der Initialen - Siglen gebrochen
 worden. Man kann mit Recht verlangen, daß die
Bezeichnung dieser Schriften in den wissenschaftlichen Abhandlungen
 und gelehrten Werken dem Leser auf den ersten
Blick verständlich sei. Gerade die Rücksicht auf die Fachgenossen
 aller Kulturnationen und auf die nachkommenden
Geschlechter, von der K. Krumbacher spricht, und selbst
die Rücksicht auf gar manchen Leser, der sich für einen
Gegenstand interessiert, ohne daß ihm die Spezialliteratur
eines bestimmten Faches geläufig ist, sollte den wissenschaftlichen
 Arbeiter bestimmen, der kleinen Mühe einer
deutlicheren und leichter verständlichen Bezeichnung sich
1) K. Krumbacher, Miszellen zu Romanos 135,

XR
        <pb n="271" />
        Die Abkürzungen „9
nicht zu entziehen. Für die bibliographischen und enzyklopädischen
 Werke, die möglichste Reichhaltigkeit und
Übersichtlichkeit mit größter Raumersparnis anstreben, ist
die Ausnahme berechtigt.
Es ist erfreulich, daß von verschiedenen Seiten gegen die herrschende
 Sigel-Mode entschiedener Einspruch erhoben wird, Karl Krumbacher
 bemerkt darüber: „Die beliebte Darstellung der Zeitschriftentitel
durch ein einer chemischen Form gleichendes Initialaggregat scheint
doch allmählich wieder aufgegeben zu werden. In der Byz. Zeitschr.
und im Archiv f. Papyrusforsch. zB. werden die Zeitschriften in der
Regel s bezeichnet, daß man sie auf den ersten Blick identifizieren
kann. D s sollte allgemein durchgeführt werden; eine Ausnahme mag
allenfalls bei den rein bibliographischen Werken gemacht werden, wenn
jedem Bande oder Hefte eine Liste der gebrauchten Abkürzungen beigegeben
 wird...“ (Miszellen zu Romanos 134 Anm. 2). Ähnlich äußern
sich 0. Stählin, Editionstechnik 420 f; P. Pape, Theol. Litztg. 33
(1908) 177.
5. Bei der Formulierung der Abkürzungen verwende
man nicht mehrdeutige Zeichen, die notwendig
Verwirrung anstiften, und denke nicht „bloß an seine
nächste wissenschaftliche Umgebung und seine eigene Zeil“,
sondern auch an „fernliegende und ältere Organe und an
kommende Möglichkeiten“.
K. Krumbacher (aa0.) warnt mit den letzteren Worlen vor
einem „besonders häufigen Fehler bei der Formulierung von Abkürzungen“
 und weist auf das Sigel BZ als Beispiel einer doppelsinnigen
Buchstabenformel hin: viele Autoren gebrauchten und gebrauchen es
für „Byzantinische Zeitschrift“ ; bei der Gründung der „Biblischen Zeitschrift“
 wurde es aber auch für diese angewendet, „ohne Rücksicht
auf die ältere ‚Schutzmarke‘“,
6. Bei den gebräuchlichen Siglen, besonders auch in
der Bezeichnung von Handschriften im Apparatus eriticus,
sollen die einzelnen Teile nicht durch Punkte
oder andere Unterscheidungszeichen getrennt werden.
Auch am Schluß des Sigels ist ein Punkt überflüssig, obwohl
 er häufig gesetzt wird, Man schreibe also nicht: Z.
D. M. 6. und nicht Z D M G., sondern einfach: ZDMG
für : Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft.
7. Über alle Abkürzungen, die man bei der Arbeit
verwendet, soweit es -sich nicht um ganz selbstverständ-ON


177
        <pb n="272" />
        * Die Abkürzungen
liche handelt, gebe man in einer eigenen Übersicht am
Ende des Vorwortes oder nach der Inhaltsangabe genaue
Rechenschaft und Aufklärung.
Aus praktischen Gründen empfiehlt es sich nicht, diese
Erklärung mit dem Text des Vorwortes oder der Einleitung
zu verbinden, oder sie gar in einer leicht zu übersehenden
Anmerkung unterzubringen. Ihren besten Platz hat sie unmittelbar
 vor dem Anfang des Textes. Sie sollte auch
jedem Bande eines Werkes und bei periodischen Veröffentlichungen
 bibliographischer Verzeichnisse jedem Hefte hinzugefügt
 werden.
Eine Zusammenstellung der gebräuchlichen Abkürzungen für Zeitschriften
 und Sammelwerke, die für die einzelnen Fachwissenschaften
teilweise verschieden sind, findet sich in den meisten größeren Literaturberichten
 und Sammelwerken. Für das Gesamtgebiet der theologischen
 Wissenschaften sei beispielsweise verwiesen auf den ersten
Band des „Kirchlichen Handlexikon“ von Michael Buchberger (München
1907) S. VI—XVI oder auf das alphabetische Verzeichnis der Abkürzungen,
 das jedem Bande des „Theologischen Jahresberichtes“ bei.
gegeben ist,
FANTS

260
        <pb n="273" />
        Die Zitate: Bedeutung und Berechtigung
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Die Zitate
76. Bedeutung und Berechtigung des Zitates,
Eines der besten äußeren Kennzeichen, um den Dilettanten
auf irgendeinem Gebiete der Wissenschaft von dem methodisch
 geschulten Arbeiter zu unterscheiden, bietet wohl
die Zitationsweise. Wir heben kurz einige wichtigere Punkte
hervor.
1. Zitieren. bedeutet im allgemeinen, aus den Quellen
die Belege für eine Behauptung erbringen oder ein fremdes
Wort oder Urteil anführen, um es einer Prüfung zu unterziehen
 oder zur Stütze der eigenen Anschauung zu verwenden.
 Gewöhnlich wird Zitat im letzteren Sinne aufgefaßt als
eine Berufung auf das Urteil eines anderen zur Bestätigung
der eigenen Ansicht. Es gehört also in diesem Sinne, wie
wir es vornehmlich hier betrachten, zu den Autoritätsbeweisen.

9, In dieser Bedeutung liegt auch seine Berechtigung
und deren Begrenzung. Durch die Autorität anderer die
eigenen Ansichten stützen wollen, ist ein berechtigtes Streben,
 sofern das fremde Urteil einen wirklichen Wert als
Autorität besitzt und mit unseren Anschauungen tatsächlich
 übereinstimmt. Es verliert seine Berechtigung, wenn
die Bestätigung einer Meinung überhaupt unnötig und überflüssig
 ist, oder wenn es sich nicht um eine Autorität handelt,
 oder wenn deren Urteil nicht mit dem unseren übereinstimmt.


961
        <pb n="274" />
        3 Die Zitate
Über die Bedeutung und Berechtigung des Zitates ist zu vergleichen:
 Wladislaus Switalski, Die erkenninistheoretische Bedeutung
des Zitates. Ein Beitrag zur Theorie des Autoritätsbeweises, Braunsberg
 1905 (Verzeichnis der Vorlesungen am kgl. Lyceum Hosianum im
Sommersemester 1905).
3. Außer dieser Hauptbedeutung kommt ferner noch in
Betracht der Wert des Zitates als Literaturangabe, wodurch
 der Leser auf eine parallele oder eine ausführlichere
oder auch eine abweichende Behandlung der Frage oder
auf die einschlägigen Quellen hingewiesen werden soll.
Daß auch unter dieser Rücksicht das Zitat seine volle Berechtigung
 hat, läßt sich nicht bestreiten, mag man auch
über das rechte Maß verschiedener Ansicht sein.
77. Gegenstand. Aus den angegebenen Bedingungen
der Berechtigung des Zitates ergibt sich unmittelbar als
Regel für den Gegenstand des Zitates, daß wir 1. nicht
ganz selbstverständliche Dinge durch Belege zu bestätigen
suchen sollen. Einfach feststehende Tatsachen, sei es aus
der Geschichte eines Volkes, oder aus der Grammatik oder
dem Wortschatz einer Sprache, oder aus irgendeinem anderen
 Gebiet, über die jedes Handbuch und Nachschlagewerk
 der betreffenden Wissenschaft Aufschluß geben kann,
brauchen nicht durch ein Zitat aus einer Quelle bestätigt
zu .werden.
2. Die fremde Autorität, welche zur Bestätigung einer
Sache angerufen wird, muß für das betreffende Gebiet und
für die fragliche Sache wirklichen Wert besitzen. Es ist
deshalb verfehlt, Autoren anzuführen, die selbst wiederum
nur durch zweite oder dritte Hand aus den Quellen
geschöpft haben; oder ältere Schriften zu zitieren, die
längst durch neue und bessere Bearbeitungen desselben
Gegenstandes überholt sind; oder den Beleg für eine Angabe
 solchen Schriftstellern zu entnehmen, die sich nur
ganz gelegentlich mit der Sache beschäftigen.
Man soll daher nicht zB. zur Erklärung der Maßangaben in einem
alten Texte sich auf andere Erklärer berufen und deren Ansichten anführen,
 sondern entweder selbst aus den ersten Quellen schöpfen, oder

36
        <pb n="275" />
        Gegenstand 263
doch eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Metrologie wie
Friedrich Hultsch zitieren. — Noch viel weniger wird es angehen. zur
Bestätigung einer Meinung in einer wissenschaftlichen Frage sich auf
ein Konversationslexikon oder auf eine Tageszeitung zu berufen, wenn
man diese auch für andere Untersuchungen je nach dem Thema mit
Nutzen als Quelle verwenden mag.
I. Benzinger zitiert als Literatur zum Arlikel „Edelsteine“ in der
„Realenzyklopädie für prot. Theologie und Kirche“ 5* (Leipzig 1898) 156
außer den allgemeinen Hinweisen auf die Kommentare zu den zwei
hauptsächlichsten Bibelstellen über den Gegenstand sowie auf die Archäo-Jogien
 und biblischen Wörterbücher nur die beiden Werke von Kl.
Handbuch der Edelsteinkunde (1860) und Hartmann, Die Hebräerin am
Putztisch (1810). Kluge ist durch die Edelsteinkunde von M. Bauer
(1896) völlig überholt und eher als Hartmann wären die Spezialuntersuchungen
 über den Gegenstand von J. Braun und J. J. Bellermann
zu zitieren gewesen.
3. Der Sinn des zitierten Urteils muß mit der Ansicht
übereinstimmen, für die es angeführt wird. SS» selbstverständlich
 die Forderung ist, so wenig wird sie oft genug
beachtet. Man verlasse sich daher nie auf die aus dem
Zusammenhang gerissenen Worte, sondern berücksichtige
den ganzen Kontext der Stelle, die man zitieren will, und
suche sich über den Sinn volle Sicherheit zu verschaffen.
4, Im allgemeinen ist es sehr zu empfehlen, im Zitieren
 Maß zu halten und nicht allzu viel mit fremden
Autoritäten zu operieren. Es ist aber nicht zu billigen,
daß man ganz oder fast ganz auf das Quellenzitieren
verzichte. Bequemer mag das allerdings sein, aber
es entspricht nicht den Interessen der wissenschaftlichen
Forschung.
Auf den Vorwurf der „Nachlässigkeit im Zitieren wichtiger Belege“,
 den C. Kaufmann gegen E. Horn erhoben hatte, erwiderte dieser
im „Zentralblatt für Bibliothekswesen“ 11 (1894) 201; „Ich habe nicht
daran gedacht, den Kritikern ihr Geschäft zu erleichtern, sondern nur
daran, den interessierten Lesern die Lektüre nicht zu erschweren. Die
fortwährenden Quellenzitate sind nach meiner Auffassung gelehrter
Aufputz für den Autor und Stolpersteine für den Leser. Der Kritiker
weiß, wo Barthel den Most holt, und wenn er’s nicht weiß, soll er
nicht kritisieren“. Ferd. Eichler bemerkte dazu aber wohl mit Recht:
„Die Einwendung gegen das Quellenzitieren wird Horn bei ruhiger Erwägzung
 wohl selbst nicht aufrecht erhalten. Es ist doch ein bedeu-
        <pb n="276" />
        264 Die Zitate
tender Unterschied zwischen kleinlicher Stellenklauberei und sachgemäßer
 Anführung von Belegstellen“ (ebd. 14 [1897] 180 Anm. 2).
Wenn man mit Recht das Zuviel tadelt, soll man doch vor dem
Zuwenig sich hüten und nicht in das andere Exirem fallen, bloß um
„die Leser nicht durch ein Gewimmel von Zitaten und Auffassungen
anderer Autoren zu erschrecken“. (Joh. Belser, Das Evangelium des
heiligen Johannes [Freiburg 1905] S. IX): Zur Empfehlung dieser extremen
 Meinung, die auf Quellenbelege ganz oder fast ganz verzichtet,
ist es nicht hinreichend, daß sie schon von älteren Autoren vertreten
wurde wie zB. von den Historikern Georg Cruger (} 1671) und Christian
Hirschmentzel (+ 1703). Vgl. die Notiz von Nik. Nilles in: Zeitschrift
für kath. Theol. 22 (1898) 765f,
78, Art und Weise. Für die Zitationsweise sind
vorzüglich folgende Punkte zu beachten: 1. Als erste Regel
befolge man streng das „Thomäische Gesetz“, das wir
schon wiederholt kennen lernten: „Nisi videro . .., non
credam“, Man mache es sich zur unverbrüchlichen Gewohnheit,
 niemals ein Zitat unbesehen aus einer
anderen Schrift oder nach der Angabe eines
anderen in die eigene Arbeit zu übertragen. Ist
es aus irgendeinem Grunde nicht möglich, das Zitat nachzuprüfen,
 so verzichte man lieber auf die Anführung desselben,
 oder überlasse die Verantwortung für seine Richtigkeit
 durch Angabe des Fundortes dem Gewährsmann, auf
den das Zitat zurückgeht. „Näoe xai uEWAO’ AmOTtEIV“
lautete schon die Mahnung des alten Epicharm (+ c. 450
v. Chr.).
Trotz hundertfacher und hundertmal gerügter Erfahrung richtet
das bequeme Abschreiben der Zitate doch immer wieder neues Unheil
an, Am meisten ist es zu bedauern, daß auch die Mitarbeiter an
großen Nachschlagewerken sich nicht die nötige Mühe geben, um durch
die eigene Arbeit anderen Zeit und Mühe zu ersparen. In dem schon
erwähnten Artikel „Edelsteine“ in der „Realenzyklopädie für protestantische
 Theologie und Kirche“ (5% [1898] 156) zitiert zB. I. Benzinger
unter anderem: „Hartmann, Die Hebräerin am Putztisch I 9287 ff;
II 27 ff“. Genau dasselbe Zitat findet sich in: Georg Benedikt Winer,
Biblisches Realwörterbuch 1 (®Leipzig 1847) 281. Da beide Zahlenangaben
 falsch sind, ist das spätere Zitat einfach eine Kopie des früheren,
 das auch zB. in den Exodus-Kommentar von August Dillmann
        <pb n="277" />
        Art und Weise 265
(2302) unbesehen unter Änderung von 27 in 37 herübergenommen
wurde. Richtig müßte es heißen: 1, 276 —91 und 3, 87—100.
GG. WCissow&amp;gt;a bemerkt über die Zitate in Andre Baudrillart, La
religion romaine? (Science et religion, Paris, Bloud): „Zitate wie Pers.
5,502 (S. 22,1; die Satire hat nur 191 Verse; gemeint ist 5, 31) oder
Cie. Ad alt. 519 (so S. 28, 4; lies ad Att. V 9, 1) zeigen, daß sie weder
aus erster Hand stammen, noch vom Verfasser nachrevidiert sind“,
(Lit. Zentralblatt 61 [1910] 210).
Derselbe Kritiker bemerkt vorher über die Auswalıl der Zitate in
der gleichen Schrift: „Die unteren Ränder der Seiten sind durch eine
Anzahl Verweisungen auf Stellen alter Autoren und neuer Schriftsteller
verziert, wobei man sich vergeblich den Kopf zerbricht, welche Erwägungen
 die Auswahl bestimmt und zB. der ganz veralteten Arbeit
von C. Seidel, De saltationibus sacris veterum Romanorum (1826) oder
@. F. Ungers von Grund aus verfehltem Aufsatze über die Lupercalien
die Ehre einer Erwähnung verschafft haben, während 100 andere ebenfalls
 bei Marquardt angeführte Einzeluntersuchungen übergangen
werden“ (ebd.).
Nur halb genügt den notwendigen Anforderungen das Verfahren,
das zB. Francois Martin beobachtet in seinem Werke: Le livre de
Henoch (Paris 1906) S. LXIII Anm. 4 Er bemerkt daselbst, daß die
Schrift von Murray, Enoch restitutus, in keiner Pariser Bibliothek zu
finden sei, und fügt bei: „et quelques aulres, V. g. CEUX de Köstlin,
Wittichen, Thompson etc.“; deshalb zitiere er diese Schriften nach
den Angaben von A. G. Hoffmann, Charles und Clemen. Gegen das
Vorgehen als solches ist natürlich nichts einzuwenden. Aber den herechtiglen
 Forderungen der wissenschaftlichen Akribie ist nicht Genüge
geleistet, wenn man von den nach den Angahen anderer zitierten
Werken beispielsweise drei nennt und die übrigen mit einem undefinierbaren
 „etc.“ einbegreift, dessen Inhalt anderswo nicht näher bestimmt
wird. So wirft dieses „etc.“ einen Schalten auf die im übrigen recht
sorgfältige Quellenbenutzung des Autors,
Vgl. auch Chr. Rupprecht, Bibliographische Genauigkeit, in:
Zis. f. Bücherfreunde 12 (1908) 40—3; 0, Stählin, Editionstechnik 422;
P. W. Schmiedel in: G. B. Winer, Gramm. d. neutest. Sprachidioms
(Göttingen 1894) p. IX.
9. Eine Anwendung der gleichen Regel ist die Forderung,
 auch die eigenen Zitate bei der Drucklegung
 oder bei einer Neubearbeitung einer
sorgfältigen Nachprüfung zu unterziehen. Nur
zu leicht schleichen sich auch gegen unseren Willen und
ohne unser Zutun gerade in die Zitate Schreib- oder
Druckfehler ein.
        <pb n="278" />
        Ze, Die Zitate
3. Mit der ersten Regel verwandt ist die Weisung,
den zu zitierenden Text auch bei einer Quelle,
die man selbst einsieht, genau hinsichtlich
seines Ursprunges zu prüfen. Man setzt sich sonst
der Gefahr aus, ein Plagiat oder ein stillschweigendes Zitat
unter fremder Flagge weiterzuführen. Besonders notwendig
ist dies bei älteren Schriftstellern, zu deren Zeit der Begriff
des literarischen Eigentums noch nicht so ausgebildet war,
oder doch. noch nicht so streng beachtet wurde. Leider
zeigen die nicht seltenen Fälle von „heimlicher Beraubung“,
wie Paulsen es genannt hat, daß wir auf literarischem
Gebiete noch längst nicht zu idealen Zuständen gelangt sind.
4. Es könnte fast überflüssig erscheinen, die Ehrlichkeit
 beim Zitieren besonders zu betonen. Leider beweist
 die Praxis nur zu häufig das Gegenteil, und die Bemerkung
 mehrerer Kritiker, die diesen Punkt in der ersten
Auflage ungern vermißten, wird deshalb nicht unberechtigt
 erscheinen.
Einer derselben bemerkt darüber: „Namentlich im Zitieren kommen
 so überaus viele Unreinlichkeiten vor, daß man eine bessere Erziehung
 der nächsten wissenschaftlichen Generation in solchen Dingen
geradezu als eines der dringendsten Erfordernisse betrachten kann.
Da wird, auch wo es sich nicht um Diebstahl handelt, mit einer oft
unglaublichen Gemütlichkeit oder Ungemütlichkeit fremdes geistiges
Eigentum als ein eigenes vorgeführt, oder es wird ganz unklar gelassen,
 auf welchen Autor das zurückgeht, was wir zu lesen bekommen“
(H. Schmidkunz in: Zts. f. Philos. u. Pädag. 15 [1908] 506). Vgl. auch
0. Kataun in: Reichspost 15 (1908, 6. April) n. 96.
Auch H., Schrörs hält eine ausdrückliche Mahnung zur Ehrlichkeit
 beim Zitieren für angebracht, und wünscht außerdem eine „Berücksichtigung
 jener, die einen von anderen geprägten Ausdruck oder formulierten
 Satz rezipieren“ (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3084). Auch in
diesem letzteren Falle gilt die Forderung der Gerechtigkeit, jedem das
Seine zu geben. Sie wird ihr Recht aber nur dann geltend machen
können, wenn der fragliche Ausdruck oder Satz wirklich eine charakteristische
 Prägung darstellt, die der Autor mit Grund als sein Eigentum
 beanspruchen kann, und wenn ein solcher Ausdruck noch nicht in
das allgemeine Sprachgut übergegangen ist. Man wird in einem solchen
Falle den Ausdruck oder Satz wenigstens durch Anführungszeichen als
fremdes Eigentum kenntlich machen, und wo es tunlich und der Mühe
wert ist, auch den Urheber kurz bezeichnen.

€
        <pb n="279" />
        Art und Weise des Zitates 267
5. Bei allen Zitaten verlangt die wissenschaftliche Genauigkeit,
 daß die angeführte Quelle bestimmt und
klar und mit Ausschluß jeder Mehrdeutigkeit
angegeben werde.
Daher gewöhne man sich: a) stets den Verfasser
mit Namen und Vornamen zu bezeichnen und den
Haupttitel genau wiederzugeben. Bei selten angeführten
 und weniger bekannten Werken, oder wenn häufiger
zu zitierende und nicht allgemein bekannte Schriften zum
ersten Male genannt werden, füge man Ort und Jahr der
Veröffentlichung hinzu.
b) Unbedingt notwendig ist die Angabe der Auflage, des
Bandes und der Seitenzahl oder von Kapitel, Nummer und
Paragraph. Die Auflage wird am einfachsten ‚durch die
über der Zeile stehende arabische Ziffer bezeichnet; dabei
genügt es, eine etwaige „dritte und vierte“ ‚oder „fünfte
bis siebte“ Auflage durch % oder 5 anzugeben.
Der regelmäßige Platz für die Auflage-Exponenten ist nach dem
"Titel und bei mehrbändigen Werken nach der Bandzahl oder auch
vor dem Verlagsort; dem Verfassernamen wird der Exponent nur beigefügt,
 wenn derselbe ohne weiteren Titel zur Bezeichnung eines bekannten
 Werkes dient.
c) Für die Angaben des Bandes, Buches, Kapitels,
Paragraphen usw. werden am besten die arabischen
und nicht die römischen Ziffern verwendet. Selbstverständlich
muß aber eine römische Seitenzählung der Quelle auch mit
römischen Zahlen wiedergegeben werden.
Die neueren Autoren entscheiden sich mit Recht mehr für den
ausschließlichen Gebrauch der arabischen Ziffern statt der römischen
bei allen Stellenangaben. Vgl. zB. die Patrologie Prof. Bardenhewers in
der dritten Auflage (Freiburg 1910) mit den heiden früheren Ausgaben.
Auch die Bezeichnung der Bücher mit römischen Ziffern, die von manchen
 festgehalten wird (vgl. zB. 0. Stählin, Editionstechnik 417), scheint
nicht notwendig und dürfte gegenüber der einheitlichen Bezeichnung
mit arabischen Ziffern weniger zu empfehlen sein.
d) Für die Seitenangaben empfiehlt es sich, stets
die Anfangs- und Schlußseite für den zitierten Text genau
zu verzeichnen: denn es entspricht dies schon der allge-
        <pb n="280" />
        &amp;gt; Die Zitate
meinen Forderung der genauen Anführung einer Quelle
und es ist auch für den Leser durchaus nicht gleichgültig,
ob er nur auf eine kurze Notiz oder auf eine ausführliche
Behandlung von 50 oder 100 Seiten verwiesen wird.
Die Angaben der Seiten oder Spalten brauchen in der Regel
nicht durch ein vorgesetztes S. oder p. oder Sp. kenntlich gemacht zu
werden, außer wenn es im Interesse der Deutlichkeit erforderlich ist.
Dagegen müssen Kapitel, Nummern und Paragraphen durch ein vorgesetztes
 K,(c. oder ch.), N. oder n. und $ bezeichnet werden. Ebenso
wird bei Doppelspalten auf Seiten mit gleicher Seitenzahl die Spalte mit
a oder b (zB. 259a, 259b) kenntlich gemacht. Wird der Text einer
ganzen Seite durch Buchstaben in Abschnitte eingeteilt, so kann man
auch diese beim Zitieren berücksichtigen. Bei Handschriften und Aktenstücken,
 bei denen nur die Blätter gezählt werden, wird die Vorderseite
 mit 7 (== recto) und die Rückseite mit v (= verso) bezeichnet.
Zu vermeiden ist für gewöhnlich die bequeme Weise, die Seiten
durch bloße Nennung der Anfangsseite oder durch Hinzufügen von „ff“
anzugeben. Das einfache „f“ zur Bezeichung einer einzigen folgenden
Seite ist natürlich zulässig, da es bestimmt genug den Umfang des Textes
zu erkennen gibt. Ganz unzulässig ist aber zB. ein Zitat, wie man es
bei H. von Soden in: Kurzes Bibelwörterbuch von H. Guthe (Tübingen
1903) 264 s. v. „Heuschrecken“ findet: „Älteres über die Heuschrecken bei
Oedmann, Sammlungen II 276 f und passim“. Zunächst ist die Angabe
falsch, da es II 76 heißen muß; statt „f“ müßte wenigstens „ff“ stehen,
da die 62 folgenden Seiten über den Gegenstand handeln; statt passim
müßten die zwei einzigen Stellen, die sich noch bei Oedmann finden,
angegeben werden. Richtig würde es also heißen müssen: „Samuel
Oedmann, Sammlungen 2, 76—149; 3, 84—90; 6, 74-78“. Schon
Georg Benedikt Winer war in dieser Hinsicht etwas genauer, obwohl
er in seinem „biblischen Realwörterbuch“ noch mit „ff“ zitiert.
Bei der Angabe des Titels würde durch Zuviel gefehlt werden,
wenn man für ein einfaches Zitat ein vollständiges Faksimile des Titels
bieten wollte, wie es zB. im „Bessarione“ 11 (1906—07) 153 mit Hesychius
 geschieht; ebenso wenn man bei häufiger angeführten Werken
regelmäßig alle Bestimmungen und Angaben des Titels wiederholt, zB.
wenn zu „A. Boeckh, Encyklopädie?“ regelmäßig beigefügt wird: „Encyklopädie
 und Meihodologie der philosophischen Wissenschaften, herausgegeben
 von R. Klussmann 1886“, wie es teilweise auch von E. Bernheim
 des öfteren geschieht. Durch Zuwenig wird hingegen die Akribie
verletzt, wenn bei einem einmaligen Zitat selbst der Hauptiitel in ganz
veränderter Form wiedergegeben wird. So findet man zB. in K, Baedeker,
Palästina und Syrien® p. XCIV angeführt: „Hilderscheid, Das Klima
Palästinas. ZDPV. XXV, 1902“ statt: „H. Hilderscheid, Die Nieder-68
        <pb n="281" />
        Art und Weise des Zitierens I
schlagsverhältnisse Palästinas in alter und neuer Zeit, in: ZDPV 25
(1902) 1—105“. Zu wenig geschieht auch, wenn der Titel in einer
unverständlichen Weise abgekürzt wird. Zwei klassische Beispiele bringt
der schon früher erwähnte lesenswerte Artikel „Bibliothekserfahrungen“
in den Grenzboten 37 (1878, 1, 1) 258 f: „Man kann zB. ein sehr
respektabler Philolog sein und doch durch Zitate wie ‚Cic. Arat.‘ oder
‚Her. x. p. X.‘ — die Fälle sind nicht erfunden — in einige Verlegenheit
geraten. Der Bibliothekar wird vielleicht nach einiger Zeit dahinterkommen,
 daß das erstere sich auf die erhaltenen Fragmente von Ciceros
Übersetzung der Sternerscheinungen (Phänomena) des Aratos, das
letztere sich auf die Schrift des alexandrinischen Grammatikers Herodian
 zepi uovnipovc \eEewc beziehen soll“.
Für die genaue Angabe des Titels sind die früher bei den Bibliothekskatalogen
 besprochenen Regeln (p. 40—50) zu vergleichen. Da die
Rücksicht auf die alphabetische Reihenfolge, welche für manche dieser
Regeln maßgebend ist, bei den gewöhnlichen Zitaten nicht in Betracht
kommt, können auch die bibliothekarischen Normen nur mit mancherlei
Ausnahmen eine sinn- und sachgemäße Anwendung auf die Zitationsweise
 finden.
6. Im Interesse der wissenschaftlichen Genauigkeit und
Bestimmtheit sind Doppelverweisungen bei Zitaten
möglichst zu vermeiden. Nur allzu oft wird die Geduld
des Lesers durch ‚solche Verweise auf eine harte Probe
gestellt. Eine kurze Angabe des Hauptitels würde in den
meisten Fällen ebenso schnell und mit aller wünschenswerten
 Bestimmtheit direkt auf den zitierten Text führen.
In gewissem Sinne gehört das oft gebrauchte und mißbrauchte
„aa0.“ zu den Doppelverweisungen. Es wäre dringend zu wünschen,
daß man mit demselben sparsamer umginge und es nur dort verwendete,
 wo seine Bedeutung durch den nächsten Zusammenhang ohne
weiteres klar ist. Sonst soll man wenigstens, wenn man die Wiederholung
 eines längeren Titels vermeiden will, dem Namen des Verfassers
statt des „aaO.“ den Hinweis auf die Seite beifügen, wo der Titel zu
finden ist: (oben S. 123, 5) (0. Stählin, Editionstechnik 421).
Noch weniger zu billigen ist die eigentliche Doppelverweisung,
wie sie von Ernst Bernheim in seinem Lehrbuch der historischen Methode
 häufig angewendet wird. Er verweist zB. S. 446 auf „H. Bloch
in der oben S. 409 angeführten Rezension“; nach einigem Suchen
findet man S. 409 im kleingedrucklen Text den Hinweis auf eine Note
in den Göttingischen Gelehrten Anzeigen, ohne daß das Suchen durch
Hervorheben des Autornamens erleichtert oder die Note als Teil der
gemeinlen Rezension kenntlich gemacht wäre, Auf derselben Seite 446

6!
        <pb n="282" />
        270 Die Zitate
wird an eine „eben erwähnte“ Schrift von G. Monod erinnert, die auf
Seite 445 angegeben wird als „die oben S. 409 angeführte Schrift“,
Nach längeren Bemühungen wird man schließlich auf der letztgenannten
Seite im Kleindruck ohne jede Hervorhebung des Autornamens oder
des Titels die gesuchte und zitierte Schrift angegeben finden. Sicherlich
ist der Wunsch berechtigt, solche Doppelverweisungen möglichst vermieden
 zu sehen.
7, Bei wörtlichen Zitaten sind die Regeln zu beachten,
 die früher bei der allgemeinen Erörterung der Textgestaltung
 der Quellen (p. 228—32) berührt wurden. Für
gewöhnlich ist die Übereinstimmung mit der idealen
Urgestalt des Textes anzustreben, wie sie nach der
Absicht des Verfassers hätte sein sollen. Daher sind
offenbare Schreib- oder Druckfehler einfach zu korrigieren;
auch können Eigenheiten der Schreibweise innerhalb der
früher (aa0.) angegebenen Grenzen dem geltenden Brauche
angeglichen werden, soweit nicht besondere Gründe die
Beibehaltung derselben empfehlen.
Im übrigen ist in solchen Zitaten . jede Änderung zu
unterlassen, selbst wenn der Sinn durch sie keine Einbuße
erlitte. Denn der zitierte Autor hat das Recht, seine Worte
und Sätze genau in der von ihm gewählten Form angeführt
zu sehen. Gegebenenfalls sind die vom Zitierenden gemachten
 Änderungen als solche durch spitze Klammern
&amp;lt;. . .&amp;gt; kenntlich zu machen.
8. Zur Kennzeichnung der wörtlichen Zitate genügen
 in der Regel die Anführungszeichen zu Anfang
 und zu Ende der zitierten Worte; will man das Zitat
noch deutlicher von dem übrigen Text unterscheiden, so
kann man die Anführungszeichen zu Beginn jeder Zeile des
Zitates wiederholen. Eine andere Hervorhebung der zitierten
Worte zB. durch Sperrdruck, wie es im Wiener Corpus scriptorum
 ecclesiasticorum latinorum geschieht, oder durch Kursivoder
 Petitdruck erscheint, von besonderen Fällen abgesehen,
überflüssig und führt auch zu manchen Unzuträglichkeiten.
Zitate, die innerhalb eines anderen Zitates vorkommen,
müssen durch eine andere Art von Anführungszeichen
gekennzeichnet werden.

KT
        <pb n="283" />
        Art und Weise des Zitierens 271
Am Schluß eines Zitates ist darauf zu achten, daß
ein Frage- oder Ausrufungszeichen vor oder nach den das
Zitat abschließenden Anführungszeichen zu stehen komme,
je nachdem es zu den zitierten oder zu den einführenden
Worten gehört. Wie O0. Stählin bemerkt, achten wenige
Herausgeber auf diese notwendige Unterscheidung‘).
9. Bei fremdsprachigen Zitaten hängt es zumeist
vom Zweck und Charakter der Arbeit ab, in welchem Umfange
 die Ursprache beibehalten werden kann. Bei streng
wissenschaftlichen Arbeiten können die französischen, italienischen,
 spanischen, die englischen und holländischen, die
lateinischen und griechischen Texte in der Regel beibehalten
 werden, außerdem je nach dem besonderen Fachgebiete
 bei philologischen Fragen auch die zur betreffenden
 Fachgruppe gehörenden Sprachen.
Bei Arbeiten, die sich an einen weiteren Leserkreis
richten, wird man wenigstens im Text besser die Übersetzung
 des Zitates geben und den Urtext, wenn nötig, in
einer Anmerkung beifügen. Ähnlich kann man es mit
Zitaten aus ferner liegenden Sprachen halten.
10. Die Titel der zitierten Werke und Zeitschriften
 sind für gewöhnlich in ihrer Sprache beizubehalten
 und nicht zu übersetzen. Namentlich bei Zeitschriften,
 von denen viele sehr ähnliche Titel führen, gäbe
die Übersetzung leicht Anlaß zu Verwechslungen?).
Doch wird auch in dieser Hinsicht die Rücksicht auf
einen weiteren Leserkreis es bei gewissen Arbeiten rechtfertigen,
 daß man im Text den Titel eines fremdsprachigen
Buches übersetzt und denselben nur in der Anmerkung in
der Ursprache angibt.
11. Noch viel weniger sollen die Namen der zitierten
 Autoren zB. in einer lateinischen Arbeit latinisiert
 werden.
') 0. Stählin, Editionstechnik 415 f; vgl. 413 f.
?) O0. Stählin erinnert zB. an die drei Sammlungen patristischer
Arbeiten: Texte und Untersuchungen“, „Texts and Studies“, „Studi
e Testi“ (aaO. 421).
        <pb n="284" />
        Die Zitate
Auch für die Vornamen ist bei Zitaten die schon
gelegentlich der Bibliothekskataloge (p. 45f) erwähnte
Regel zu beachten, daß für ihre sprachliche Form die Nationalität
 des Autors den Ausschlag geben soll. Es liegt
auf der Hand, welche Verwirrung entstehen muß, namentlich
 bei der üblichen Bezeichnung der Vornamen durch
die bloßen Initialen, wenn aus einem ehrlichen Wilhelm
Meyer ein G&amp;lt;uilelmus&amp;gt; Meyerus, aus Joseph ein G&amp;lt;iuseppe&amp;gt;,
aus Hieronymus ein J&amp;lt;e&amp;amp;röme&amp;gt; oder Girolamo wird,
12. Bei periodischen Schriften empfiehlt es sich,
die Zitate mit der Angabe der Bandzahl, des Jahrganges
und der Seitenzahlen zu bestimmen. Die Nummern der
Hefte und Lieferungen können dagegen für gewöhnlich
unberücksichtigt bleiben, wenn es sich nicht um die Nummern
 einer Zeitung handelt. Die Jahreszahl wird am besten
in Parenthese gesetzt in runden oder (innerhalb einer anderen
 Parenthese) in eckigen Klammern; umfaßt der Jahrgang
 mehrere selbständige Bände, so wird die arabische
Ziffer des betreffenden Jahresbandes innerhalb der Klammer
der Jahreszahl beigefügt. Bei Zeitschriften, die nach Serien
eingeteilt sind, muß die Serienziffer der Bandzahl vorausgehen.

Stehen zwei gleichartige Zahlen nebeneinander, oder werden
mehrere Zitate mit gemischten Zahlen aneinandergereiht, so ist eine
deutliche Unterscheidung notwendig. Dieselbe läßt sich am einfachsten
durch konsequente Anwendung der Interpunktion erreichen. Zwei oder
mehrere gleichartige und gleichwertige Zahlen, die sich also nicht auf
subordinierte, sondern auf koordinierte Teile beziehen, trennt man am
besten durch Punkte, ungleichwertige, die subordinierte Teile bezeichnen,
 durch Beistriche, gemischte Zahlengruppen durch Strichpunkte.
Wenn der Zahl aber eine Bezeichnung für das Kapitel oder die Nummer
oder den Paragraphen oder die Seite oder eine Anmerkung u. dgl.
vorausgeht, können die unterscheidenden Satzzeichen bei den zum
gleichen Zitat gehörigen Zahlen wegbleiben, da ohnehin die Trennung
und Bedeutung der Zahlen deutlich hervortritt. Salvo meliore mögen
diese Bemerkungen als Wegmarken dienen, ohne daß sie der Freiheit
des einzelnen allzu enge Schranken setzen wollen.
Man wird also beispielsweise zitieren: Corpus Inseriptionum Latinarum
 (abgekürzt: CIL) 1, 1? 33 d.h. erster Band, erster Teil, zweite
Auflage, Seite 33; oder: 1, 1, 45. 63. 87; 2, 93; 2, 110; oder: In: 1

979
        <pb n="285" />
        Art und Weise des Zitierens 6
c. 12 n. 29 bei lateinischen Texten für: Liber 1 caput 12 numerus 29 etc.
Bei Zeitschriften: Natur und Offenbarung 46 (1900) 513—25; oder:
The Expository Times 14 (1902—03) 321 f; oder: The Expositor Ser. 6
t. 4 (1901, 2) 194—9 ete,
13. Von der gewöhnlichen Zitationsweise sind hinsichtlich
 einiger Punkte ausgenommen die Texte aus
der Bibel, aus der Summa theologica des heiligen
 Thomas von Aquin und aus dem Corpus
iuris. Obwohl manche neuere Autoren auch bei diesen
Texten die sonst übliche Zitationsweise zur Anwendung
bringen wollen, dürfte doch mit Rücksicht auf den besonderen
 Charakter dieser Quellen und auf eine zum Teil wohl
Jahrhunderte alte Tradition, sowie im Interesse der leichteren
 Verständlichkeit die Ausnahme berechtigt sein.
Für die Bibel zitiert man die einzelnen Bücher am besten in den
herkömmlichen leicht verständlichen Abkürzungen entweder im Anschluß
 an die Namen der Vulgata oder an die deutsche Bezeichnung.
Zur Unterscheidung von mehreren gleichnamigen Büchern wird die
entsprechende arabische Zahl ohne Trennungszeichen dem Namen vorausgesetzt.
 Die Texte werden nach Kapitel und Versen, bei den
Psalmen nach der Reihenzahl des. Psalmes und der Verse angeführt.
Die Bezeichnung mit römischen Zahlen scheint weniger praktisch zu
sein. Man schreibt also: 1 Reg 17,4 oder 1 Kön 17,4; 2 Kor 5,14;
Mt (oder Matth) 17,24. 25. 27; 25,13 usw.
Die Summa des h. Thomas von Aquin wird durch Angabe von
pars, quaestio, articulus und responsum zitiert; bei der Erklärung des
Magister sententiarum wird statt der pars das entsprechende Buch des
Petrus Lombardus und die Zahl der Distinctio angegeben. Man schreibt
also: S. Thomas 1 q. 2 a. 3; 1,2 q. 3 a. 4 ad 1; 2,2 q. 5 a. 2 ad 3;
3q. 4a. 2ad1; In 1 sent. d. 2 q. 3 a. 1 ete.
Für das Corpus iuris canonici gibt Simon Aichner in seinem
Compendium iuris ecclesiastici (!*Brixen 1905) 52 f£ diesen „modus allegandi“
 an: I. Für das Decretum pars I: c. 4. (Voventibus) dist. 27,
oder: c. 4. D. 27; pars II: ce. 17 (Petüsti) C. VII q. 1, oder: ec. 17
&amp;amp;. 7.q. 1; tract. de paenit.: cap. 17 de paenit, d, 1, oder: c. 14 D. P.
d. 1; pars III: c. 23 de consecr. d. 2. — II. Für die Decretales Gregorü
 IX: Die Texte werden durch den Zusatz „extra“ oder den Buchstaben
 X als außerhalb des „Decretum“ stehend bezeichnet; Buch und
Titel werden von den neueren Autoren meistens in Klammern beigefügt:
 c. 1 X de cler. coni. (III 3), oder: c. 1 extra (IM 3), oder: ec. 1
X (MI 3) d. h. Kapitel 1, Buch 3; Titel 3. — III. Liber Sextus und
IV. Clementinae: Die Zitationsweise unterscheidet sich nur durch den
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3. Aufl.

27°
18
        <pb n="286" />
        274 Die Zitate
Zusatz „in Sexto“ oder „Clem.“ von der vorhergehenden: c. 1 Licet
de const. (I 2) in Sexto (oder: in VI); c. 2 cum lite (II 5) Clem. oder:
c. 2 Clem. (II 5). — V. Extravagantes: Die Texte werden durch den
Zusatz: „Extrav. (oder Xvag.) Joann, XXIII“ oder „Extrav. (Xvag.)
commun.“ unterschieden: Xvag. Joann. XXII cap. un. De sent. excomm,
(tit. 13), oder: Xvag. comm. €. 1 (I 7).
Für das Corpus iuris civilis gibt Franz Lauwrin im Anhang
zu seiner „Introductio in Corpus juris canonici“ (Freiburg 1889) 235—77
eine kurze Zusammenstellung der Zitationsweisen für die verschiedenen
Teile, aus der wir die folgenden Angaben entnehmen: 1) Die vier
Bücher der Institutionen Justinians zerfallen in Titel, die mit
wenigen Ausnahmen in eine Einleitung und Paragraphen gegliedert
sind; man beginnt das Zitat mit der Paragraphenzahl oder der Bezeichnung
 „principium“ oder „pr.“ für die Einleitung, fügt dann das
Sigel J oder Inst. mit oder ohne Bezeichnung der Titelüberschrift
hinzu und läßt Buch- und Titelzahl folgen: zB. $ 1 J (oder Inst.) de
patr. potest. I 9, oder: $1J19. — 92) Bei den 50 Büchern der
Digesten oder Pandekten Justinians beginnt das Zitat mit der
Zahl der anzuführenden lex vor dem Sigel „Dig.“ und schließt mit der
Zahl des Buches und Titels, dem das Gesetz angehört. Eine Ausnahme
bilden die Bücher 30. 31 und 32, die den einheitlichen Traktat „de
Jegatis et fideicommissis“ enthalten; diese Bezeichnung wird nach „Dig.“
mit den Ziffern I oder II oder III für die drei Bücher hinzugefügt:
zB. 1. 4 $ 2 Dig. I 5; 1. 5 pr. de leg. et fideicomm. II. — 3) Die
zwölf Bücher des Codex Justinians werden ähnlich zitiert wie die
Institutionen; nur tritt an die Stelle von J oder Inst. das Sigel GC
(== Codex): zB. lex 1 GC ne s. bapt. iteretur I 6, oder: lex 1 C. I 6.
— 4) Die Novellen werden heute nach ihrer Ordnungszahl nebst
caput, praefatio oder epilogus, eventuell auch nach principium (pr.)
und Paragraph zitiert, falls sie diese Unterabteilung aufweisen: zB.
Nov. V praef.; Nov. V ce. 2 pr. $ 1.
14. Wie für die wissenschaftliche Arbeit im allgemeinen
so gilt namentlich für die Zitationsweise die Hauptregel,
mit peinlichster Sorgfalt auf das Kleinste zu
achten. Diese alles durchdringende Akribie darf als vorzügliche
 Standestugend des zitierenden Schriftstellers bezeichnet
 werden.
79, Ordnung der Zitate. Wenn mehrere Zitate
nacheinander angeführt werden, ist notwendig auf eine gewisse
 Ordnung zu achten. Aus den früheren Bemerkungen
über die Sichtung des Stoffes (p. 241—4) läßt sich die
        <pb n="287" />
        Art und Weise. Ordnung der Zitate A
verschiedene Gestaltung dieser Ordnung leicht entnehmen,
ohne daß wir hier ausführlicher darauf einzugehen brauchen.
Bei der zeitlichen Reihenfolge, die für gewöhnlich sich
am meisten empfehlen dürfte, ist die gleichzeitige Berücksichtigung
 von sachlichen Gesichtspunkten durch Zusammenstellung
 der sich ergänzenden Schriften desselben Verfassers
u. dgl. nicht ausgeschlossen. Liegen von einer Schrift
mehrere Auflagen vor, so bleibt für die zeitliche Folge in
der Regel das Erscheinen der ersten Ausgabe maßgebend,
wenn nicht die neue Bearbeitung überhaupt oder doch mit
Rücksicht auf die in Betracht kommende Stelle als ganz
neues Werk anzusehen ist.
Die rein äußerliche alphabetische Ordnung wird zumeist
 nur dort in Frage kommen, wo es sich um übersichtliche
 Literaturverzeichnisse oder Register handelt.
AS

ATE
18*
        <pb n="288" />
        276

Die Veröffentlichung
Fünfter Abschnitt
Die Veröffentlichung
Vgl. Osw. Bertram, Manuskript und Korrektur. Bemerkungen und
Erläuterungen zum deutschen Buchdrucker-Normaltarif für Schriftsteller
und Verlagsbuchhändler. Halle 1875 (ist nach dem neuen Tarif zu berichtigen);
 Carl B, Lorck, Die Herstellung von Druckwerken. .Praktische
 Winke für Autoren und Buchhändler. ‘Leipzig 1883; Hans Paul
und Jul. Lehmann, Hilfsbuch bei Herstellung und Preisberechnung von
Druckwerken. °Leipzig. 1891; Alex Waldow, Katechismus der Buchdruckerkunst
 (in: J. J. Webers ülustrierte Katechismen). ‘Leipzig 1894;
ders., Lehrbuch für Schriftsetzer. “Leipzig 0. J.; Heinr. Keiter, Praktische
 Winke für Schriftsteller. Essen 1899; Deutscher Buchdrucker-Tarif
 nebst Kommentar hgb. vom Tarif-Amt der deutschen Buchdrucker
(zuletzt revidiert vom 25. September bis 2, Oktober 1906 in Berlin.
Gültig ab 1. Januar 1907); W. Crane, Von der dekorativen Illustration
des Buches in alter und neuer Zeit. Leipzig 1901; Otto Grantoff, Die
Entwicklung der modernen Buchkunst in Deutschland. Leipzig &amp;lt;1902&amp;gt;;
Wilh. Unger, Wie ein Buch entsteht (Aus Natur und Geisteswelt).
Leipzig 1908; Eug. Mouton, L’art d’ecrire un livre, de l’imprimer et
de le publier. Paris 1896 ; V. Pasche, Comment on 6dite un livre? ?Paris;
Gust, Tillie, Guide pratique d’ edition ä l’ usage des auteurs. Paris Ss. a.;
ders., Cöde d’ edition. Paris. Hier auch die französischen Gesetze über
das Urheberrecht. Für die betr. deutschen Gesetze vgl. Reclams „Universalbihliothek“
 n. 4237 und (zugleich für die internationale Gesetzgebung)
 1704.
80. Einleitendes. Wenn die wissenschaftliche Arbeit
 die Erforschung und die Erkenntnis der Wahrheit fördern
 soll, so darf sie nicht auf den Autor allein beschränkt
bleiben. Seine mühevollen Untersuchungen und Sammlungen
 müssen auch anderen nutzbar gemacht werden, um
        <pb n="289" />
        Einleitendes I
ihr Ziel in vollem Maße zu erreichen. So wird die wissenschaftliche
 Arbeit ihren regelmäßigen Abschluß durch die
Veröffentlichung finden, die sie den interessierten Kreisen
zugänglich machen kann.
Dieser Abschluß der Arbeit bietet namentlich für den
Anfänger manche neue Schwierigkeiten, für die er sich oft
lange und vergeblich nach einer Lösung umschaut. Vielleicht
 mag es auch nicht gar so selten vorkommen, daß
das Schifflein noch am Eingang des Hafens an einer Klippe
scheitert.
Einige Bemerkungen für diese letzte Station unseres
Weges werden daher nicht ganz überflüssig sein. Wir
müssen uns dabei wieder auf einige Hauptpunkte beschränken
 und besprechen deshalb zunächst einige allgemeine
 Fragen, erörtern dann die Drucklegung und Korrektur,
 um mit den Registern, dem Vorwort und Titel des
Buches zu schließen.

977
        <pb n="290" />
        278

Allgemeine Bemerkungen
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Allgemeine Bemerkungen
81. Das Manuskript. Die Veröffentlichung der
Arbeit ist schon für die Gestaltung des Manuskriptes von
Bedeutung. Zu den früheren Bemerkungen über die Schreibweise
 (p. 254—6) kommen deshalb mit Rücksicht auf die
Drucklegung noch einige weitere praktische Punkte hinzu,
1. Hinsichtlich des Papieres empfiehlt es sich, einzelne
 Blätter, nicht zusammenhängende Bogen oder
Hefte zu gebrauchen, und sie nur auf einer Seite zu
beschreiben. Man erleichtert dadurch dem Setzer ganz
wesentlich seine Arbeit und ist auch selbst bei der Überarbeitung
 des Geschriebenen ohne Schwierigkeit imstande,
größere Änderungen, Umstellungen, Zusätze, Berichtigungen
im Manuskript anzubringen.
Das Format der Blätter darf nicht zu groß sein, weil
sonst die Übersichtlichkeit beeinträchtigt und die Setzerarbeit
 erschwert wird. Am praktischsten dürften für gewöhnliche
 Arbeiten Quartblätter verwendet werden.
2, Die einzelnen Blätter müssen notwendig mit fortlaufenden
 Zahlen bezeichnet werden. Zusatzblätter
werden mit der Zahl der Seite, wozu sie gehören, und fortlaufenden
 Buchstaben kenntlich gemacht zB. 22a, 22b, 22c
als Zusätze zu Seite 22°).
') Anderen erscheint es praktischer, die Seite, zu welcher Zusatzblätter
 hinzukommen, mit a zu kennzeichnen und dann bei den
Zusätzen mit b, c, d fortzufahren.
        <pb n="291" />
        Das Manuskript ©
3. Die Schrift muß vor allem klar und deutlich
sein. Einer Begründung sollte diese selbstverständliche
Forderung überhaupt nicht bedürfen. Die Drucklegung gibt
aber noch einen unmittelbar einleuchtenden Grund an die
Hand im 8 36 des „Deutschen Buchdrucker-Tarifs“: „Für
schwer leserliches, ungeordnetes oder durch Korrekturen
(Streichungen, Einschaltungen usw.) erschwertes Manuskript
ist der Setzer besonders zu entschädigen“.
Einen anderen praktischen Grund gibt O0. Stählin an:
„Undeutliche Schrift verursacht Druckfehler, und je mehr
Druckfehler beim ersten Druck gemacht werden, desto mehr
bleiben auch stehen; je weniger Druckfehler von vorneherein
 entstanden sind, desto weniger entgehen der Korrektur.“!)

4. Man versäume nicht, einen genügenden Rand
und einen angemessenen Abstand zwischen den Zeilen
frei zu lassen. Für die leichtere Lesbarkeit des ganzen
Manuskriptes und für notwendige kleinere Berichtigungen
und Bemerkungen ist die Befolgung dieser Vorschrift von
großer Bedeutung.
5, Mit besonderer Sorgfalt sind die vorkommenden
Eigennamen zu schreiben. Es ist ratsam, dieselben in
doppelter Schrift (lateinisch und deutsch) einmal im Text
und einmal über der Zeile oder am Rande klar anzugeben.
Im Druck empfiehlt es sich, die Eigennamen der zitierten
Autoren durch Kursiv- oder Sperr- oder kleinen Majuskeldruck
 (Kapitälchensatz) hervorzuheben.
Ebenso müssen die Zitate, namentlich wenn sie
fremdsprachige Texte enthalten, mit großer Klarheit und
Genauigkeit geschrieben werden.
6. Berichtigungen und Zusätze geringeren Umfanges
 können leicht zwischen den Zeilen oder am Rande
Platz finden; es ist nur darauf zu achten, daß die Stelle,
wo sie im Text einzusetzen sind, durch Zeichen oder Ziffern,
vielleicht auch mit dem Rot- oder Blaustift, deutlich kennt-')
 0. Stählin, Editionstechnik 408.

279
        <pb n="292" />
        % Allgemeine Bemerkungen
lich gemacht werde. Bei den am Rande stehenden Nachträgen
 und Korrekturen wird dann dasselbe Zeichen oder
dieselbe Ziffer wiederholt.
Für größere Zusätze ist es am zweckmäßigsten, neue
Blätter mit der oben angegebenen Bezeichnung einzufügen.
Auch bei diesen Nachträgen ist die Stelle, wohin sie gehören,
 im Text genau kenntlich zu machen.
7. Die gewünschte Hervorh ebüung eines Wortes
oder einer Reihe von Wörtern läßt sich im Manuskript
durch besondere Zeichen für den Setzer verständlich
machen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, legt man am
besten dem Manuskript ein besonderes’ Blatt mit der Erklärung
 der angewandten Zeichen bei, oder notiert jedesmal
bei besonderen Hervorhebungen die Bedeutung des Zeichens.
Es genügt deshalb auch, die einfache Unterstreichung im
Text gleichmäßig anzuwenden und am Rande die gewünschte
 Schriftart dem Setzer anzugeben.
Die gewöhnlichen Zeichen sind: Einfaches Unterstreichen
 für anzuwendenden Sperrdruck (in der Druckersprache
 auch „spationierter Satz“ oder „Spatiensatz“ genannt).

Doppeltes Unterstreichen für Fettdruck, neben
dem auch die schmal-halbfetten und halbfetten Schriften
zur Verwendung kommen können.
Einfaches Unterschlängeln (mit gewundener
Linie) für gewöhnlichen Kursivdruck bei der sogenannten
lateinischen Schrift oder Antiqua.
Doppeltes Unterschlängeln für halbfette oder
fette Kursivschrift, die ebenfalls nur bei der Antiqua zur
Verwendung kommt.
Zur Bezeichnung eines Absatzes (alinea), wo im
Manuskript fortlaufend geschrieben wurde, wird ein _[ vor
das Wort gesetzt, mit dem die neue Zeile beginnen soll,
oder auch das Wort „Absatz“ oder „Alinea (al.) hinzugefügt.
 Die Auslassung ‚eines im Manuskript gemachten
Absatzes wird durch eine das erste und letzte Wort der
beiden Zeilen verbindende Linie angezeigt.

30
        <pb n="293" />
        Das Manuskript. Die Anmerkungen ge1
Wenn etwas in Kleindruck gesetzt werden soll,
wird das Wort „Petit“ oder „Kleindruck“ am Rande. beigefügt;
 wie weit sich derselbe erstrecken soll, wird durch
einen senkrechten Strich am Rande angedeutet.
82. Die Anmerkungen. Bei wissenschaftlichen
Arbeiten wird mancher nicht gerne auf Anmerkungen unter
dem Text verzichten wollen. Es ist dabei zu beachten:
1. Die Sucht, wenige Zeilen des Textes mit recht vielen
und langen und recht gelehrten Anmerkungen zu begleiten,
ist eine nicht zu billigende Gewohnheit, die glücklicherweise
 schon ziemlich als überwunden gelten kann, mögen
auch heute. noch nach dem Urteil Heinrich Keiters „junge
Schriftsteller es lieben, in einer reichen Zahl von Anmerkungen
 mit ihrer Belesenheit zu prunken“!). In einzelnen
Fällen werden sich längere Anmerkungen nur schwer vermeiden
 lassen. Alles Zuviel ist aber vom Übel. Man wird
bald des Lesens überdrüssig, wenn man auf Schritt und
Tritt vom Text auf die Anmerkungen verwiesen wird, um
vielleicht dort „eine Belehrung einzuheimsen, die man gar
nicht nötig hat“2).
9. Das entgegengesetzte Extrem ist ebensowenig zu
billigen. Man kann es in manchen neueren Schriften finden,
die ohne jede Anmerkung und ohne Unterscheidung in den
Typen alles in gleicher Weise in den Text aufnehmen. Es
mag das allerdings für den Autor bequemer sein. Aber den
Interessen des Lesers ist damit nicht gedient. Er muß sich
überall zuerst einen Weg durch das pfadlose Dickicht bahnen
und wird dieser beschwerlichen Arbeit leicht überdrüssig.
3. Es ist jedenfalls ein berechtigter Wunsch, daß der
Verfasser bei der Drucklegung auf die klare Unterscheidung
des Wichtigen und Unwichtigen, der Hauptpunkte und der
nebensächlichen Bemerkungen achte und diesen Unterschied
auch äußerlich hervortreten lasse. Solche Nebensachen gehören
 nicht auf gleicher Stufe mit dem Hauptgegenstand
1) H. Keiter, Praktische Winke für Schriftsteller 15.
?) H. Keiter ebd.

3
        <pb n="294" />
        a. Allgemeine Bemerkungen
der Untersuchung in den Text hinein, und doch kann ihre
Mitteilung oft wünschenswert und nützlich erscheinen. Dahin
gehören zB. ausführlichere Literaturangaben, geschichtliche
Notizen, sprachliche oder sachliche Erläuterungen zu einem
Texte, längere Beispiele, Berücksichtigung abweichender
Meinungen, fremdsprachige Zitate, die im Text nicht gut
wiedergegeben werden können, auch der Wortlaut eines
längeren Zitates, das im Text nur inhaltlich angeführt
wurde, u. dgl.
4. Für derartige nebensächliche Dinge würden nun die
Anmerkungen an und für sich einen geeigneten Platz bieten.
Es würde aber auch bei diesem Verfahren bald der Übelstand
 einer zu großen Häufung der außer dem Text stehenden
 Notizen sich zeigen. Daher erscheint es ratsamer, auch
bei solchen Nebenpunkten zu unterscheiden zwischen den
Bemerkungen, die zur Erläuterung des im Texte Gesagten
unmittelbar dienlich sein können, und anderen nur lose
mit dem Text zusammenhängenden Angaben. Erstere lassen
sich bei der Drucklegung durch Kleindruck vom Text unterscheiden,
 ohne daß sie unter dem "Text ihren Platz erhalten.
 Nur jene gelegentlichen Bemerkungen der zweiten
Art kommen als Anmerkungen unter dem Text zu stehen.
Weniger empfehlenswert dürfte die Weise sein, die zB. von
Theodor Zahn und Johannes Belser in ihren Einleitungen in das Neue
Testament befolgt wurde, nämlich alle zu einem längeren Kapitel gehörigen
 Bemerkungen bis auf das Ende des Kapitels zu versparen und
sie dort als Anhang zum Text zusammen unter eigenen Nummern vorzulegen,
 durch die im Text auf diese Anmerkungen verwiesen, wird.
Eine notwendige Folge dieses Verfahrens macht sich bein Lesen eines
solchen Werkes sofort in sehr unliebsamer Weise bemerkbar: man ist
genötigt, alle Augenblicke etwa 20 oder 30 Seiten umzublättern, um
von dem Inhalt der Anmerkung Kenntnis zu nehmen, und dann den
unterbrochenen Text bei der nicht leicht erkennbaren kleinen Ziffer
wieder aufzunehmen. Wollte man zuerst den Text zu Ende lesen und
dann die Anmerkungen im Zusammenhang durchnehmen, so würde die
Verwirrung bei der Lektüre nur noch größer werden.
Es dürfte wohl praktischer und übersichtlicher sein, im Text
selbst an der gehörigen Stelle mit neuem Absatz’ die wünschenswerte
erläuternde Bemerkung in Kleindruck folgen zu lassen. Nur wäre
darauf zu achten, daß solche Bemerkungen nicht den Gedankengang

9897
        <pb n="295" />
        Die Anmerkungen
des Textes störend unterbrechen, sondern am Schluß eines inhaltlich
zusammengehörigen Absatzes eingefügt werden.
5. Die Frage, wie die Anmerkungen im Manuskript
niederzuschreiben sind, wird verschieden beantwortet.
Die Hauptsache ist eine klare und unzweideutige Bezeichnung
 derjenigen Teile, die als Anmerkungen oder im Kleindruck.
 zu setzen sind. Es steht daher nichts im Wege, die
für den Kleindruck oder die Anmerkungen bestimmten Sätze
oder Seiten im fortlaufenden Zusammenhang und auf den
gleichen Blättern mit dem übrigen Text niederzuschreiben,
wenn nur durch die Angabe: „Petit“ oder „Anmerkung“
und einen senkrechten Strich am Rande der Charakter und
die Ausdehnung der entsprechenden Stelle des Manuskriptes
für den Setzer deutlich gemacht wird. Geschieht dies in
konsequenter Weise und wird es gleich zu Beginn des
Manuskriptes mit einer kurzen Bemerkung dem Setzer erklärt,
 so ist kaum eine Verwechslung oder Verwirrung bei
der Drucklegung zu befürchten.
Anderen scheint es besser, die Anmerkungen am Rande
oder auf ein besonderes Blatt zu schreiben oder sie am
Fuße der Seite anzubringen. Wenn die Hauptsache einer
klaren und deutlichen Kennzeichnung des Charakters des
Textes gewahrt bleibt, wird auf die Weise der Niederschrift
nicht so großes Gewicht zu legen sein.
. Adolf Harnack stellte in einem Vortrag im Verein Berliner Bibliothekare
 die folgenden „Zehn Gebote für Schriftsteller, die mit Anmerkungen
 umgehen“ auf (aus O0. Stählin, Editionstechnik 4192):
„1. Fasse deinen Text so, daß er auch ohne Anmerkungen gelesen
 werden kann.
9, Vergiß nicht, daß es auch Parenthesen im Text gibt und Exkurse
 am Schluß des Buches, die Anmerkungen ersetzen können.
3. Sei sparsam mit Anmerkungen und wisse, daß du deinen
Lesern Rechenschaft geben mußt über jede unnütze Anmerkung.
Betrachte die Anmerkungen nicht als Rumpelkammer, sondern als
Schatzhaus.
4. Halte dich nicht für zu vornehm, um Anmerkungen zu machen,
und wisse, daß keine Berühmtheit dir-die Beweise deiner Behauptungen
erspart.

MR
        <pb n="296" />
        2 Allgemeine Bemerkungen
5. Schreibe keine Aumerkung, wenn du etwas in der Hauptdarstellung
 vergessen hast; schreibe überhaupt die Anmerkungen nicht
nachträglich.
6. Schreibe nichts in die Anmerkungen, was dem Text widerspricht,
 und schreibe nichts in die Anmerkungen, was wichtiger ist als
der Text.
7. Betrachte die Anmerkungen nicht als Katakomben, in denen
du deine Voruntersuchungen beisetzest, sondern entschließe dich zur
Feuerbestattung.
8. Mache die Anmerkungen nicht ohne Not zum Kampfpatz;
tust du es aber, so schmeichle dir nicht, daß du das letzte Wort hast.
9. Versuche es die Kunst zu lernen, durch Anmerkungen der
Darstellung Obertöne und Akkorde zu geben, aber spiele kein Instrument,
 das du nicht verstehst.
10. Stelle die Anmerkungen stets dorthin, wohin sie gehören,
also nicht an den Schluß des Buches, es sei denn, daß du eine Rede
drucken läßt.“
83. Die Anmerkungen in Textausgaben. Eine
besondere Behandlung erfordern die Anmerkungen für die
kritische Ausgabe eines Textes‘).
1. Der richtige Platz für diese Anmerkungen ist
der untere Rand der einzelnen Seiten. Die Gewohnheit der
älteren Herausgeber, dieselben in der Einleitung oder in
einem Anhang unterzubringen, ist mit Recht ziemlich allgemein
 aufgegeben worden.
2. Bei den Anmerkungen sind im allgemeinen zwei
Klassen zu unterscheiden: die erklärenden und die textkritischen
 Anmerkungen. Es ist sehr wünschenswert, daß
diese beiden Klassen getrennt voneinander ihren Platz
unter dem Text erhalten.
3. Die erklärenden Anmerkungen beziehen sich:
a) auf die Quellen (fontes), auf die der Text mit Zitaten,
Anspielungen, Nachahmungen usw. hinweist. Dabei ist die
Kontrolle und Richtigstellung der Zitate des Autors eine
wichtige und oft mühevolle Aufgabe.
1) Vgl. zu den folgenden Bemerkungen besonders K. Krumbacher,
Miszellen zu Romanos 71—8. 122—35, und O0. Stählin, Editionstechnik
419—29, wo die hier nur kurz angedeuteten Punkte ausführlicher
erörtert und mit zahlreichen Beispielen erläutert werden.

"84
        <pb n="297" />
        Die Anmerkungen in Textausgaben 235
b) auf die Zeugnisse (festimonia) d.h. die Zitate,
Anspielungen, Nachahmungen, die sich in späteren Schriften
in bezug auf den Text finden.
c) auf die Parallelstellen, die mit dem Text in
sprachlicher oder sachlicher Hinsicht sich berühren und
daher zu seinem Verständnis beitragen können. Mäßigung
in der Anführung solcher Stellen ist ratsam, zumal wenn
diese sich schon anderswo ausführlich gesammelt finden.
Der reichhaltige und wertvolle Schatz von Paralleltexten, den
J. G. Wettstein in den zwei Folianten seiner Textausgabe
des griechischen Neuen Testamentes gesammelt hat, braucht
nicht nochmals in einer Textausgabe seinen Platz zu erhalten.
d) auf die neuere Literatur, die für das Verständnis
 des Textes von Nutzen sein kann. In der Beschränkung
wird sich auch hier der Meister zeigen.
e) auf die Erläuterung von dunklen und
schwer verständlichen Stellen, soweit dies mit
dem Charakter und Zweck der Ausgabe vereinbar ist.
Es empfiehlt sich, von diesen fünf Gruppen die beiden
ersten, nämlich die Quellen und Zeugnisse, in getrennten
Absätzen zu behandeln; die drei letzten können leichter
zusammengestellt werden, da sie alle drei unmittelbarer
der Erleichterung des Verständnisses des Textes dienen
sollen. Deshalb können sie auch bei Ausgaben, die nur
die kritische Wiedergabe eines Textes bezwecken, leichter
ausgelassen werden.
A. Die textkritischen Anmerkungen sollen die
Lesarten der verschiedenen Textzeugen geordnet als apparatus
 critieus vorlegen. Für diesen textkritischen Apparat
ist zu beachten:
a) die Wahl der Siglen für die Textzeugen,
Soweit es möglich ist, wird man die üblichen Bezeichnungen
beibehalten müssen. Wo man selbst neue Siglen zu bestimmen
 hat, nehme man a) für die Handschriften in
der Regel die Buchstaben des großen lateinischen Alphabetes
 und suche, soweit es angeht, durch die Wahl des
Buchstabens das Gedächtnis auf die Handschrift hinzu-GE
        <pb n="298" />
        2» Allgemeine Bemerkungen
weisen: zB. einen Vaticanus bezeichne man mit V, einen
Monacensis mit M, einen Parisinus mit P. Die verschiedenen
 Schreiber innerhalb derselben Handschrift (prima,
secunda, tertia manus) bezeichnet man mit den Exponenten
 ! 23; die ursprüngliche Lesart einer Handschrift zum
Unterschied von einer späteren Korrektur wird durch ein
Sternchen * angedeutet: V*. Mehrere Handschriften derselben
 Bibliothek können durch kleine Buchstaben - Exponenten
 notiert werden.
ß) Für die Übersetzungen, sofern sie als Textzeugen
 in Betracht kommen, empfiehlt es sich, die großen
Buchstaben des deutschen oder des griechischen Alphabetes
 zu nehmen, und die Handschriften der Übersetzung
mit einem Exponenten zu bezeichnen, wenn nicht schon
andere Siglen für dieselben allgemein üblich sind, wie zB.
bei der Septuaginta und der Vetus Latina.
y) Für Handschriftengruppen kann man die
großen lateinischen Buchstaben in Fettdruck anwenden, für
alle Handschriften das‘ Sigel 0.
d) Herausgeber oder Mitarbeiter werden im
Apparat am einfachsten mit den ersten zwei Buchstaben
ihres Namens bezeichnet: Di für Dindorf,
b) Die Wahl der übrigen Zeichen. a) Zur Bezeichnung
 der Zusätze, Auslassungen und Umstellungen
 empfiehlt X. Krumbacher (p. 123 Anm. 1) die
Beibehaltung der Abkürzungen add. (= addit, addunt), om.
(= omittit, omittunt), transp. (= transponit, transponunt).
0. Stählin hält dagegen für zweckmäßiger die Zeichen +
für Zusätze, — für Auslassungen, — für Umstellungen, weil
die Bedeutung dieser Zeichen sich ohne weiteres erraten
Jäßt (p. 425 8 25).
ß) Die Trennung der Varianten zum selben Wort
des Textes ist durch die Siglen allein, ohne jede Interpunktion
 deutlich genug gekennzeichnet; für die Trennung
der verschiedenen Bemerkungen des Apparates innerhalb
derselben Textzeile ist die Anwendung eines senkrechten
Striches | zweckmäßiger, als die Unterscheidung durch ein

6
        <pb n="299" />
        Die Anmerkungen in Textausgaben 287
Spatium; die Varianten zu den einzelnen Zeilen werden
durch die fettgedruckte Zeilenzahl (ohne Doppelstrich ||)
hinreichend geschieden.
y) Das Wort, auf welches sich eine Bemerkung des
Apparates bezieht, muß stets genau angegeben werden;
kommt ein solches Wort mehrmals in der gleichen Zeile
vor, so wird es durch die Exponenten !: ? ® näher bezeichnet.
c) Die Auswahl der Varianten. Im allgemeinen
ist für die Auswahl der Varianten, wie schon früher bemerkt
 wurde, die Natur und der Zweck der Arbeit ausschlaggebend.
 Jedenfalls muß man es mit Friedrich Blass*) als
dringend wünschenswert bezeichnen, den Apparat möglichst
zu vereinfachen und daher für gewöhnlich nur die selbständigen
 Textzeugen zu berücksichtigen, und auch aus
diesen nur das für den Zweck der Arbeit Wichtige mitzuteilen.

Im einzelnen ist zu bemerken: «) Nicht in den
Apparat hinein gehören orthographische Quisquilien,
 rein graphische Schwankungen, Verwechslungen
der phonetisch (infolge des Itazismus etc.) identischen
Zeichen, wenn nicht dadurch ein anderes Wort entstanden
ist oder ein Fehler erklärt wird; ferner das v &amp;amp;@e)\xvOTIxöv,
 das bewegliche o, Akzent- und Spiritusfehler u. a,
ß) Ebenfalls nicht in den Apparat gehören Bemerkungen
 über frühere Ausgaben, wertlose Varianten
und Sonderfehler einzelner Handschriften, verfehlte und
aufgegebene Konjekturen.
y) Hingegen ist es in den meisten Fällen zu empfehlen,
 den Apparat nicht bloß negativ, sondern auch
positiv zu gestalten, d.h. nicht bloß für die abweichenden
 Varianten, sondern auch für die in den Text aufgenommene
 Lesart die Zeugen anzuführen.
d) Die Reihenfolge der Varianten. Hinsichtlich
 der Reihenfolge der Varianten kann man ‚«) entweder
von der handschriftlichen Lesart ausgehen (K. Krumbacher),
') Fr, Blass in: Handbuch d. klass, Altert. 1* 286,
        <pb n="300" />
        2 Allgemeine Bemerkungen
oder von der etwa auf Konjektur beruhenden Lesart des
Textes (0. Stählin). Letzteres hat den Vorzug, daß dann
die Bezeichnung einfacher ist und die Beziehung zwischen Apparat
 und Text stets auf den ersten Blick klar hervortritt,
auch wenn die Konjektur von der handschriftlichen Lesart
bedeutend abweicht. Ist zB. xoh\oı eine Konjektur Dindorfs
 statt des handschriftlichen öliyoı, so genügt im Apparat
 nach der letzteren Weise: xo\oi Di öliyoı L,
während es nach der ersteren Weise heißen müßte: xoM\o1]
öMyoı L, corr. Di; oder: zxoMof] öMyoı L zoMot Di.
ß) Sind zu einem Worte mehrere Varianten anzugeben,
so wird man am besten von der im Texte stehenden Lesart
 ausgehen und die Varianten nach ihrem Werte beifügen.

e) Die Reihenfolge der Zeugen. Wenn zu einer
Variante mehrere Zeugen gehören, so werden diese am
besten nach ihrer Zusammengehörigkeit, und nicht nach
dem Alphabet der Siglen, geordnet. Innerhalb einer Handschriftengruppe
 sind die einzelnen Zeugen immer in der
gleichen Reihenfolge zu setzen, damit das Gruppenbild sich
leichter dem Gedächtnis einpräge. Ebenso sollten verschiedene
 Handschriftengruppen stets in der gleichen Ordnung
aufeinander folgen. Im Interesse des Gruppenbildes sind
auch die Übersetzungen zugleich mit den Handschriften,
aber nach diesen, stets in der gleichen Folge anzuführen.
Die Mode, den textkritischen Apparat ohne Spiritus, Akzente,
Satzzeichen zu drucken, „bringt wenig Raumersparnis, erschwert dagegen
 die Benützung“; dasselbe gilt von der Abkürzung der Worte im
Apparat (0 Stählin 426).
Die zweckmäßigsten Abkürzungen für Handschrift, Handschriften,
handschriftlich, Manuskript, Manuskripte sind: Hs, Hss, hs, Ms, Mss
(ohne Punkle).
Bei der schwierigen und entsagungsreichen Aufgabe,
die Anmerkungen für eine gute kritische Textausgabe fertigzustellen,
 wird wie in manchen anderen Stücken das
Studium geeigneter Vorbilder am sichersten auf den rechten
 Weg führen.

88
        <pb n="301" />
        Berechnung des Manuskriptes 289
Von den älteren Textausgaben sind insbesondere die Veröffentlichungen
 der Väterwerke durch die französische Benediktinerkongregation
 vom hl. Maurus (Mauriner) größtenteils mustergültig und zum
Teil noch heute unübertroffen. Vgl. Jules Doize, L’ oeuvre eErudite des
Benedictins de St.-Maur, A propos du deuxieme centenaire de Mabillon,
in: Etudes 114 (1908, 1) 94—115.
Von neueren Textausgaben sind vorzüglich die „Monumenta Germaniae
 historica“ mit ihren fünf Abteilungen Scriptores, Leges, Diplomata,
 Epistolae und Antiquitates, sowie die Veröffentlichungen der
„Historischen Kommission bei der kgl. Bayerischen Akademie der
Wissenschaften“ vorbildlich geworden. Auch die Bände des Wiener
„Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum“ und der Berliner Samm-Jung
 der griechischen christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte
 bieten manche mustergültige Ausgabe. Genannt sei nur die
von Otto Stählin besorgte Edition des Clemens Alexandrinus in der
Berliner Sammlung.
Vgl. auch E. Bernheim, Lehrbuch®* 259—70.,
84. Berechnung des Manuskriptes. Die Frage,
wie viel Seiten ein Manuskript im Druck ausmachen wird,
tritt an jeden Schriftsteller heran. Der Umfang läßt sich
auf verschiedene Weise leicht ermitteln.
1. Die einfachste Weise ist folgende. Man läßt von dem
Manuskript eine Probeseite in dem gewünschten Format und
Satz herstellen oder nimmt ein Buch in dem gleichen Format
und Satz und zählt die Silben in etwa fünf geschriebenen
und fünf gedruckten Zeilen. Die geschriebenen ergeben
zB. zusammen 104 Silben; im Durchschnitt hat also die
geschriebene Zeile 21 Silben. Die gedruckten 5 Zeilen enthalten
 76 Silben: durchschnittlich kommen, also 15 Silben
auf die gedruckte Zeile. Sodann zählt man die Zeilen auf
einer geschriebenen und auf einer gedruckten Seite; es
seien auf jener beispielsweise 40, auf dieser 36 Zeilen,
Auf einer Seite des Manuskriptes stehen demnach 40X21 ==840
 Silben, auf einer gedruckten Seite 36 x 15 = 540 Silben.
Umfaßt nun das Manuskript zB. 100 Seiten, so würde die
Zahl der Silben 84.000 betragen. Teilt man diese Zahl
durch 540, so ergibt sich, daß das Manuskript etwa 155
Seiten im Druck ausmachen wird.
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3, Aufl,

19
        <pb n="302" />
        Q6 Allgemeine Bemerkungen
Freilich ‚ist ein solches Ergebnis nur als annähernd
richtig zu nehmen. Denn die Handschrift wird häufig
nicht vollkommen gleichmäßig sein und ebenso wird die
Zeilen- und Silbenzahl sich nicht immer gleich bleiben,
besonders wenn gemischter Satz. angewendet werden soll.
Das annähernde Resultat kann aber für die meisten Fälle
schon genügen.
9. Wollte man eine genauere Rechnung haben, so könnte
man statt der Silben die Buchstaben zählen und den Durchschnitt
 aus einer größeren Anzahl von Zeilen berechnen
und die Verschiedenheit der Handschrift und des anzuwendenden
 Drucksatzes: in Betracht ziehen. Bei vielen Korrekturen
 und Nachträgen in der Handschrift wird die Berechnung
 oft nur von einem Fachmann mit annähernder
Sicherheit gemacht werden können.
Ist der Umfang einer Arbeit vorgeschrieben, so wird
man auf die gleiche Weise vorher berechnen können, wie
viel Seiten das Manuskript enthalten darf, um die vorgesteckte
 Grenze nicht zu überschreiten.
Am sichersten ist die Berechnung natürlich bei Schreibmaschinenschrift
 zu machen, da sie absolut gleichmäßig ist. Nur bei dieser trifft
es in der Regel auch zu, daß zB. 100 Manuskriptseiten 150 Druckseiten
ergeben können.
Eine etwas andere Berechnungsart nebst einer Berechnungstabelle
bietet 4. Waldow, Lehrbuch für Schriftsetzer®* 134—6.
85. Art der Veröffentlichung. Für die Veröffentlichung
 bieten sich dem Autor verschiedene Wege dar. Er
kann seine Arbeit entweder als Artikel in einer Zeitschrift
oder als Teil einer Sammlung von wissenschaftlichen Studien
 oder als selbständige Schrift erscheinen lassen.
1. Für eine kleinere Arbeit ist eine passende und angesehene
 Fachzeitschrift in der Regel der angemessenste
Platz zur Veröffentlichung. Man darf aber schon etwas
wählerisch sein und sich erst die Gesellschaft ansehen, in
deren Mitte man bei einer Zeitschrift auftreten würde.
Zwar richtet sich die Wahl zumeist nach dem Geschmack
des einzelnen und läßt sich nicht gut mit allgemeinen Regeln

0
        <pb n="303" />
        Art der Veröffentlichung Sl
entscheiden. Jedenfalls ist es aber ratsam, sich vorher
über den Charakter einer Zeitschrift und den Kreis ihrer
Mitarbeiter zu erkundigen.
Mit der Veröffentlichung in einer Zeitschrift muß man
sich auch die Bedingungen gefallen lassen, die als allgemeine
 Norm für die Mitarbeiter Geltung haben. Man
wird den Wünschen des vielgeplagten Redakteurs nach
Möglichkeit zu entsprechen suchen und nicht gleich mit
einem „Sint ut sunt aut non sint“ antworten. Hinsichtlich
 der äußeren Form, namentlich in Behandlung der Zitate,
 Abkürzungen und Anmerkungen, wird man sich nach
den bestehenden Gepflogenheiten des Organs zu richten
haben und auch bezüglich des Inhaltes wird die Rücksicht
auf den Leserkreis in manchen Punkten maßgebend sein
müssen.
Dafür kann man dann auch seiner Rechte sich freuen
und insbesondere das festgesetzte Honorar und die übliche
Zahl der Sonderabdrücke in Empfang nehmen. Sollte eine
größere Anzahl dieser Abzüge erwünscht sein, so kann
man dieselben gewöhnlich leicht erhalten bei rechtzeitiger
Meldung seines Wunsches und gegen Abzug der Druckkosten
 vom Honorar.
In der Regel wird es beiderseits wünschenswert erscheinen,
 daß der Verfasser nach der Drucklegung wenigstens
 eine Korrektur seiner Arbeit zur Durchsicht und
allenfalsigen Berichtigung erhält.
Mit Recht hat man hinsichtlich der Zeitschriften einen bibliographischen
 Mikbrauch gerügt, der leider noch vielfach besteht, nämlich
das „Bandwurmsystem“ oder die über Gebühr sich hinausschleppenden
Fortsetzungen von Aufsätzen über dasselbe Thema. Die Leser können
bei solchem Verfahren, bei dem ihnen ein wissenschaftliches Werk von
150 oder mehr Seiten in einer endlosen Reihe von Fortsetzungen mit
monatlichen oder vierteljährigen Unterbrechungen vorgesetzt wird, unmöglich
 auf dem Laufenden bleiben. Auch der beste Magen wird
schließlich dabei doch den Appetit verlieren. Es ist daher mit Josef
Sickenberger (Theol. Revue 5 [1906] 96 f) im Interesse der Zeitschriften
wie der Mitarbeiter und Leser sehr zu wünschen, daß solche Mißbräuche
möglichst abgestellt werden.

28
19*
        <pb n="304" />
        Zn Allgemeine Bemerkungen
In den meisten Fällen kann man zur Verhütung dieses unerträglichen
 Mikbrauches dem Abschnitte, der sonst Teil eines überlangen
Artikels wäre, eine eigene Überschrift geben und ihn als selbständigen
Artikel erscheinen lassen. Aus einer Abhandlung werden auf diese
Weise vier oder fünf. Eine gemeinsame Überschrift ist unnütz. Es genügt
 vollkommen, daß die einzelnen Artikel tatsächlich zusammengehören.
 Setzen die späteren Abhandlungen die früheren voraus, so kann
man sich auf sie ganz in der gleichen Weise beziehen, wie wenn sie
als Teile eines Artikels erschienen wären. Es ist gar nicht einzusehen,
weshalb eine Beziehung zB. auf eine in einem anderen Artikel gegebene
 Begründung schwieriger sein sollte, als wenn diese Begründung
im selben Bandwurmartikel stände (J. Overmans).
9. Hat die Arbeit einen größeren Umfang, so empfiehlt
sich in manchen Fällen wie schon früher bemerkt wurde, die
Veröffentlichung in einer Sammlung von gleichartigen wissenschaftlichen
 Studien aus dem entsprechenden Fachgebiet.
Die mannigfachen Vorteile, welche diese Art der Veröffentlichung
 bietet, haben besonders in den letzten Jahrzehnten
 zu einer großen Zahl von derartigen periodisch
erscheinenden Sammlungen unter dem "Titel „ Veröffentlichungen“
 oder „Studien“ oder „Ergänzungshefte“ o. ä.
Veranlassung gegeben. Die Veröffentlichung in einer solchen
 Studienreihe nimmt gewissermaßen die Mitte zwischen
Zeitschriftartikel und ganz selbständiger Schrift ein. Aus
bibliographischen und anderen praktischen Gründen verdient
 sie namentlich bei Schriften kleineren Umfanges, die
doch für einen Artikel in einer Zeitschrift zu groß sind, den
Vorzug vor der ganz selbständigen Veröffentlichung.
3. Wenn die Arbeit sich weder für eine Zeitschrift,
noch für eine Sammlung von Studien eignet, bleibt der
dritte Weg der selbständigen und unabhängigen
Veröffentlichung übrig.
Insbesondere für diese dritte Art der Publikation gelten
die folgenden praktischen Bemerkungen. Auf die. meisten
Punkte macht schon Heinrich Keiter in seinen „praktischen
Winken für Schriftsteller und Zeitungskorrespondenten“
aufmerksam.

io 992?
        <pb n="305" />
        Autor und Verleger. Wahl des Verlegers
Vierundzwanzigstes Kapitel
Autor und Verleger
Vgl. die p. 276 angegebene Literatur.
86. Wahl des Verlegers. In der Regel wird man
für eine wissenschaftliche Arbeit einen Verleger suchen
müssen und nicht von einem Verleger gesucht werden.
Bei der Wahl hat man auf einige Punkte zu achten, die
für die Veröffentlichung von Wichtigkeit sein können.
1. Man wird zunächst auf den guten Ruf des Verlaghauses
 sehen, dem man seine geistigen Kinder anvertrauen
will. Je inniger die Beziehungen sind, in die der Verfasser
zu seinem Verleger zu treten hat, desto mehr muß er vor
der Entscheidung die Augen aufmachen. Bei selbständigen
Schriften ist diese Vorsicht noch viel nötiger als bei Veröffentlichungen
 in periodischen Blättern.
9. Man muß insbesondere auch über die Person des
Inhabers eines Verlags sich volle Klarheit verschaffen. Denn
ohne diese genaue Kenntnis seines Charakters und seiner
Eigenschaften wird man ihm kaum das volle Vertrauen
schenken können, das von der Stellung des Verfassers zum
Verleger erfordert wird. Mit vollem Recht bemerkt H. Keiter
über diese Stellung: „Wenn der Verfasser eines Buches
dessen Vater genannt wird, so kann man den Verleger gewiß
 als die Mutter bezeichnen; denn ohne dessen Einverständnis
 &amp;lt;und Mitwirkung&amp;gt; erblickt kein Buch das Licht der

993
        <pb n="306" />
        29 Autor und Verleger
Welt“?). Darum muß der Autor seinem Verleger auch volles
Vertrauen entgegenbringen können.
3. Weiterhin muß die Schrift auch dem gewöhnlichen
Kreise der Verlagstätigkeit einer Firma entsprechen. Befaßt
 sich ein Verleger bloß mit belletristischer Literatur,
so werden ihm für gewöhnlich streng wissenschaftliche
Schriften nicht in den Verlag passen. Häufig fehlen ihm
auch die nötigen Einrichtungen und Verbindungen, die für
einen wissenschaftlichen Verlag erforderlich sind. Zu einem
ersten Versuchsobjekt wird nicht jeder seine Schrift herzugeben
 bereit sein. Es macht immer doppelte Mühe, auf
einem noch ungebahnten Wege glücklich voranzukommen.
4. Wenn möglich wird mar. auch, unter sonst gleichen
Verhältnissen, einen Verlag bevorzugen, der gerade für das
Spezialfach der eigenen Studien und Arbeiten sich besonders
eignet durch seine Einrichtungen und seine bewährte Tätigkeit
 auf diesem Gebiete,
87. Die Honorarfrage. Die fertige Arbeit ist für
den Verfasser das Kind vieler Mühen und Sorgen gewesen
und hat in der Regel auch große materielle Opfer gefordert.
 Er kann daher mit vollem Recht auch einen materiellen
 Ersatz und Entgelt vom Verleger erwarten, für
den seine Schrift vielleicht eine gute Erwerbsquelle werden
wird.
1. Es wäre aber ein Irrtum, wenn der Autor die Höhe
seines Honorars in erster Linie mit dem Maßstab der aufgewandten
 Mühe und Opfer bemessen wollte. Der Verleger
 muß sich, um überhaupt existieren zu können, notwendig
 auf den geschäftlichen Standpunkt stellen und vor
allem fragen, welchen Absatz wird das Buch voraussichtlich
haben und zu welchem Ladenpreis soll es verkauft werden.
Diese beiden Faktoren, Absatz und Ladenpreis, sowie die
Höhe der Herstellungskosten sind deshalb auch für die Höhe
des Honorars an erster Stelle maßgebend. Im Zusammenhang
 damit können dann auch andere Gründe und Rück-')
 H. Keiter, Praktische Winke 23.

A
        <pb n="307" />
        Die Honorarfrage 205
sichten in Erwägung gezogen werden, über die Autor und
Verleger sich zu ‚einigen haben.
9. Ein anderer Irrtum wäre es, wenn der Verfasser sein
Honorar nach dem inneren Wert seiner Schrift bemessen
wollte. Er kennt denselben natürlich am besten und wird
ihn auch recht hoch anschlagen. Aber je wissenschaftlicher
 seine Arbeit ist, desto kleiner wird auch nicht selten
der Kreis sein, auf den der Verleger für die Abnahme des
Buches rechnen kann. Da zugleich die Herstellungskosten
bei streng wissenschaftlichen Arbeiten oft erheblich teurer
zu stehen kommen als bei anderen Büchern, so ist es
nicht zu verwundern, daß das Honorar nicht selten im umgekehrten
 Verhältnis zum wissenschaftlichen Wert einer
Arbeit steht.
Der „Allgemeine Schriftsteller-Verein“ (Sitz Berlin) bemerkt in
einem Rundschreiben über wissenschaftliche Honorare (ohne Datum)
folgendes: „Es ist ja allgemein bekannt, daß die Honorare für wissenschaftliche
 Arbeiten, sei es im Zeitschriften-, sei es im Buchverlag,
verglichen ‚mit den Honoraren für nichtwissenschaftliche Arbeiten außerordentlich
 gering sind. Wenn nun auch von den Verlegern eingewandt
wird, daß ihre Erträgnisse aus wissenschaftlichen Zeitschriften ‚und
Büchern nur klein sind, so mag das teilweise zutreffen, aber sicher
nicht immer, und gerade der Reichtum der meisten wissenschaftlichen
Verleger spricht gegen diese Angabe, wie überhaupt der wissenschaftliche
 Verlag weit risikoloser ist als jeder andere.“
In wieweit die lobenswerten Bemühungen des Vereines, in diesen
Verhältnissen Wandel zu schaffen, von Erfolg begleitet waren, ist mir
nicht bekannt,
3. Die Bemessung der Höhe des Honorars kann auf verschiedene
 Weise ‚geschehen. Sehr häufig wird ein bestimmter
 Betrag für jeden einzelnen Bogen vereinbart, zB.
90 oder 30 Mark oder Kronen pro Bogen; oder es wird ein
Teilbetrag des festgesetzten Netto- oder des Ladenpreises
für jedes Exemplar dafür bestimmt, zB. ein Fünftel oder
ein Sechstel oder ein Siebtel; oder es wird für die ganze
Auflage zusammen zB. der hundertfache Betrag des Nettooder
 des Ladenpreises eines Exemplares gezahlt. Die letztere
Art stimmt schließlich überein mit der anderen Weise, eine
feste Summe als Honorarbetrag für die Schrift zu bestimmen.

nn
        <pb n="308" />
        265 Autor und Verleger
Der Verfasser kann sich auch mit dem Verleger in den
Erlös aus dem Verkauf der Schrift teilen, wobei jährliche
Abrechnung erforderlich ist, oder einen etwas höheren Betrag
 festsetzen mit der Bestimmung, daß die Hälfte davon
erst nach Verkauf einer gewissen Anzahl von Exemplaren zu
bezahlen ist. „Hoffnungsfrohe Verfasser“, bemerkt H. Keiter
dazu, „mögen auf ein solches Abkommen eingehen; sie erreichen
 indessen nicht viel damit“*),
Wenn keine besondere Vereinbarung getroffen ist, erfolgt
 die Zahlung des Honorars gleich nach Vollendung des
Druckes oder beim Erscheinen des Werkes.
H. Schmidkunz warnt die Autoren mit Recht dringend vor Nachgiebigkeit
 gegen die bei Verlegern beliebten Tantieme-Honorare: „Es
ist eine der festesten Erfahrungen im Urheberrechtsleben, daß die
Tantiemen für andere als dramatische und ähnliche Literatur zu vielem
Verdruß und Schaden führen; höchstens als Zusatz zu einem festen
Honorar mögen sie zulässig sein. Die Unklarheiten, die zwischen den
Zeilen unserer Gesetze und zwischen den Hauptzügen der geltenden
Verkehrsgebräuche liegen, legen äußerste Vorsicht noch ganz besonders
nahe“ (Zts. f. Philos. und Pädag. 15 [1908] 511). Die „etwas pessimistische
 Haltung“ bei der geschäftlichen Seite der Sache, der diese
Warnung entspringt und die Schmidkunz ausdrücklich empfiehlt, ist
jedenfalls berechtigt.
Leider gibt ja gerade die Honorarfrage in vielen Fällen zu Klagen
seitens des Autors Anlaß, die man in Anbetracht der bestehenden Verhältnisse
 vielfach nicht als unbegründet bezeichnen kann. Insbesondere
sind die Bedingungen für den sogenannten Kommissionsverlag
im allgemeinen dem Verfasser wenig günstig. Derselbe muß in einem
solchen Falle nicht nur die Auslagen für die Vorbereitung seiner Arbeit
und die Fertigstellung des Manuskriptes bestreiten, sondern auch die
Schrift auf seine eigenen Kosten drucken lassen. Der Verleger, dem er
dann den Vertrieb seines Werkes anvertrauen will, verlangt, besonders
in Frankreich und Italien, aber auch in Deutschland und Österreich,
oft genug 50 %, des Ladenpreises, wenn er das Buch ebenso wie seine
eigenen Verlagswerke behandeln soll. Werden ihm nur 40%, oder 30 %,
bewilligt, so gibt er sich für den Verkauf des Buches nur geringe oder
gar keine Mühe, Der Verfasser hat außerdem in der Regel noch die
Auslagen für den Transport seines Werkes an die Verlagshandlung, und
häufig auch die Versendungskosten der Rezensionsexemplare allein zu
tragen. Sein Verleger bezahlt ihm dann ein- oder zweimal im Jahre
50 %, für die verkauften Exemplare.
') H. Keiter, Praktische Winke 927.

75
        <pb n="309" />
        Honorarfrage.. Höhe der Auflage 237
Trotzdem wird der Verfasser gewöhnlich auch unter solchen Bedingungen
 den Kommissionsverlag anzunehmen gezwungen sein. Denn
ein Buch im Selbstverlag erscheinen zu lassen, dürfte nur in den
seltensten Fällen zu empfehlen sein. Doch wird er im Kommissionsverlag
 oft genug sich zufrieden geben müssen, wenn er wenigstens die
baren Auslagen für die Druckkosten wieder einbringt.
Im allgemeinen würde es gewik mehr der Gerechtigkeit entsprechen,
 wenn dem Autor für seine Mühen und Auslagen zwei Drittel,
dem Kommissionsverleger ein Drittel des Erträgnisses zufiele. Es dürfte
aber kaum zu hoffen sein, daß diese Norm, die J. B. Geniesse (Schreiben
vom 12. März 1909) vorschlägt, seitens der Verleger die im Interesse
der Wissenschaft dringend zu wünschende Zustimmung findet, .
88. Höhe der Auflage. Der Autor wird die Bestimmung
 der Höhe der Auflage seines Werkes nicht leicht
dem Belieben des Verlegers überlassen. Er muß sich aber
wohl mit ihm darüber beraten und eine Vereinbarung darüber
 treffen.
1. Für die Bestimmung der Zahl der Exemplare wird
zunächst der Gegenstand, Zweck und Umfang der Arbeit
zu berücksichtigen sein. Behandelt die Schrift ein sehr
aktuelles Thema, für das sich weite Kreise interessieren,
so kann die Auflage eine viel höhere sein, als wenn sie
sich mit der Untersuchung einer weniger bekannten wissen“
schaftlichen Frage beschäftigt. Ist. ein Werk für den Unterricht
 in der Schule oder für Vorlesungen auf der Universität
 bestimmt und wird es voraussichtlich in manchen Anstalten
 als Handbuch zugrunde gelegt werden, so muß die
Auflage wiederum eine ziemlich hohe sein. Kleinere Schriften
können im allgemeinen leichter in größerer Zahl verlegt
werden als umfangreiche mehrbändige Werke, und insbesondere
 ist der Verleger bei Broschüren meistens auf eine
höhere Auflage angewiesen.
9. Ferner ist auch der Ladenpreis des Buches
für die Höhe der Auflage sehr in Erwägung zu ziehen.
Schulbücher müssen zB. zu niedrigem Preis verkauft
werden und erfordern auch deshalb eine höhere Auflage.
Dasselbe gilt von kleineren Schriften und namentlich von
den Broschüren.

ac
        <pb n="310" />
        Autor und Verleger
3. Endlich kommt in etwa auch die Person des
Verfassers in Betracht. Hat sich dieser schon durch
frühere Veröffentlichungen einen guten Ruf erworben, so
wird in der Regel für ein neues Werk von ihm ein guter
Absatz zu erwarten sein. Daher kann der Verleger leichter
eine größere Anzahl Exemplare von demselben herstellen
lassen.
4. Die regelmäßige Zahl einer Auflage ist 1000 Exemplare.
 Bei ‚streng wissenschaftlichen Schriften wird man
sich aber oft mit 500 oder noch weniger begnügen müssen,
während der Verleger von gutgehenden Werken leicht 1500
oder 2000 oder auch mehr drucken lassen kann.
5. Bleibt die Bestimmung der Auflage dem Verleger
überlassen so soll er nach den Bestimmungen der Verlagsordnung
 für den deutschen Buchhandel ohne Einwilligung
des Verfassers nicht mehr als 2000 ausgeben und vor Beginn
 des Druckes den Autor von der Höhe der Auflage
in Kenntnis setzen.
89. Neue Auflagen. 1. In der Regel wird dem Verleger
 gleich heim ersten Druck das Verlagsrecht auch für
etwaige spätere Auflagen übertragen. Wenn nichts anderes
vereinbart wird, gelten dann für diese die. gleichen Bestimmungen
 hinsichtlich des Honorars und der Zahl der
Exemplare und der übrigen Punkte wie für die erste Auflage.

2. Die Vorbereitung einer etwa notwendigen neuen Auflage
 muß, wenn möglich, so zeitig in Angriff genommen
werden, daß das Werk ohne Unterbrechung im Buchhandel
verkauft werden kann. Daher muß der Verleger den Autor
zeitig genug von der Notwendigkeit eines Neudruckes in
Kenntnis setzen, während der Autor für die Fertigstellung
des korrigierten Manuskriptes rechtzeitig zu sorgen hat.
3. Für diese Korrektur des alten Druckes, die in den
meisten Fällen notwendig oder doch ratsam sein wird, läßt
man sich am besten jede Druckseite auf einen größeren
Bogen Schreibpapier aufkleben: die beiden dazu nötigen

298
        <pb n="311" />
        Neue Auflagen. Andere Vereinbarungen 299
Exemplare wird man vom Verleger für diesen Zweck wohl
erhalten können. Man kann sich auch damit begnügen, ein
Exemplar mit weißem Papier durchschießen zu lassen;
doch ist dann ein Zerschneiden und Umstellen einzelner
Teile des Textes bedeutend erschwert.
A. Für die Bezeichnung der neuen Auflage ist es bibliographisch
 höchst unpraktisch, die moderne Gewohnheit
nachzuahmen und bei der doppelten Anzahl von Exemplaren
 von einer „dritten und vierten Auflage“ zu reden.
Für die Zitate und Literaturangaben sollte man derartige
Benennungen überhaupt nicht dulden. Die Bezeichnung
der Doppelauflage wird noch eindrucksvoller erreicht durch
die Angabe: „dritte Auflage, drittes und viertes Tausend“.
Ebenso unpraktisch ist es, gleich beim ersten Druck die
„erste und zweite Auflage“ anzukündigen, oder bei einer
neuen Ausgabe einfach von einer „neuen“ (früher auch
wohl „neuesten“) Auflage zu reden. Leider kann man
solche verfehlte Bezeichnungen in allen Sprachen auf den
Titeln wissenschaftlicher Werke antreffen.
90. Andere Vereinbarungen. Außer den erwähnten
 Punkten sind noch einige andere Stücke durch
Übereinkommen zwischen Autor und Verleger zu regeln,
Dahin gehören:
1. Die Zahl der Rezensions- und Freiexem+
plare. Es liegt im beiderseitigen Interesse, für die Bekanntmachung
 des Werkes durch Versendung von Rezensionsexemplaren
 an geeignete Zeitschriften und Zeitnngen
zu sorgen. Gegebenenfalls kann es von Nutzen sein, auch
Behörden oder sonstigen Personen, deren Mitwirkung für
die Verbreitung der Schrift von Wichtigkeit ist, ein Exemplar
 zukommen zu lassen. Über die Zahl dieser Rezensionsexemplare
 und die Zeitschriften, Zeitungen und Personen,
 an die sie zu versenden sind, muß zwischen Autor
und Verleger eine Vereinbarung getroffen werden. Die
Auswahl der Zeitschriften und Zeitungen geschieht bei wissenschaftlichen
 Werken am besten durch den Verfasser.

Ci
        <pb n="312" />
        © Autor und Verleger
Ebenso muß die Anzahl der dem Autor zustehenden
Freiexemplare durch Übereinkommen festgesetzt werden.
Die Verlagsordnung des deutschen Buchhandels bestimmt
dafür ein Exemplar von hundert, doch nicht mehr als fünfzehn
 im ganzen. Autor und Verleger können aber auch
in anderer Weise diesen Punkt vereinbaren und zB. bei
geringerem Honorar eine größere Zahl von Freiexemplaren
bestimmen.
Sowohl die Rezensions- als auch die Freiexemplare
werden gewöhnlich über die festgesetzte Auflage hinaus
ohne Honorar gedruckt.
9. Preisermäßigung für Bestellungen des
Verfassers. Für Exemplare, die der Verfasser auf eigene
Rechnung beim Verleger bestellt, bewilligt dieser in der
Regel eine Ermäßigung von 20 oder 25 Prozent vom Ladenpreise.
 Ausländische Verleger gewähren auch wohl einen
Rabatt von 30 oder 33'/3 Prozent.
3. Umfang des Manuskriptes, Ablieferung,
Zeit des Erscheinens. Wird die Vereinbarung vor der
Fertigstellung des Manuskriptes getroffen, so bestimmt man
meistens auch ‚den ungefähren Umfang des Werkes und
die Zeit der Ablieferung der Handschrift in die Druckerei.
Man wird sich vor allzu engen Grenzen bei diesen Bestimmungen
 hüten müssen. Säumigen Verfassern gegenüber
ist der Verleger berechtigt, eine Erklärung über die Lieferzeit
 zu verlangen und bei Nichteinhaltung derselben nach
Verlauf einer angemessenen Wartefrist die Fortsetzung eines
schon begonnenen Werkes einem anderen Verfasser zu
übertragen.
Umgekehrt kann es auch im Interesse des Autors gelegen
 sein, die Zeit des Erscheinens wenigstens durch Festsetzung
 eines äußersten Termines mit dem Verleger zu
regeln.
4. Bestimmungen für den Todesfall. Für den
Todesfall besteht zunächst die allgemeine Klausel, daß die
Rechte und Verpflichtungen auf die beiderseitigen Rechtsnachfolger
 übergehen.

400
        <pb n="313" />
        Andere Vereinbarungen 301
Außerdem wird aber meistens noch eine besondere
Bestimmung für die Vorbereitung eines etwaigen Neudruckes
getroffen. Wird ein geeigneter Bearbeiter von den Erben
gestellt, so fällt ihnen in der Regel das ganze Honorar zu
mit der Verpflichtung, die Mühen des Bearbeiters selbst
zu entschädigen. Muß hingegen der Verleger die Vorbereitung
 der Neuauflage besorgen lassen, so kann er vom
Honorar die Entschädigung für diese Vorbereitung in Abzug
 bringen.
5. Buchaustattung. Es empfiehlt sich, auch über
die Ausstattung des Buches eine Vereinbarung zu treffen.
Am einfachsten nimmt man ein schon gedrucktes Werk
als Müster und trifft darnach seine Bestimmungen. Diese
müssen sich beziehen auf das Format, das Papier, die anzuwendende
 Druckschrift, etwaige Illustrationen, Karten oder
sonstige Beilagen, Titel und Umschlag. Wir kommen im
nächsten Kapitel auf diese Punkte zurück.
6. Korrektur. Der Verfasser hat für gewöhnlich
eine Korrektur der. Druckbogen. und eine Revision zu lesen
und übernimmt diese Arbeit ohne besondere Entschädigung.
Wenn nötig, kann er noch eine weitere Revision verlangen.
Ohne seine Einwilligung darf kein Bogen im Reindruck
fertiggestellt werden. Er gibt diese Einwilligung durch den
Vermerk „druckfertig“ auf der letzten Revision eines jeden
Bogens.
7. Preis des Buches. Auch über den Ladenpreis,
zu welchem das Buch verkauft werden soll, muß im Kontrakt
 eine Bestimmung enthalten sein. Sie darf nicht dem
Ermessen des Verlegers überlassen werden.
Für die Festsetzung des Preises kommen in Betracht
die Auslagen für den Druck und das Papier, die Höhe des
Honorars, die Zahl der zu druckenden Exemplare, die Ausstattung
 des Buches, das Risiko des Verlegers für. den
Absatz des Buches, die für den Vertrieb zu machenden
Auslagen und der dem Verleger gebührende Gewinn. Die
Verhältnisse sind deshalb von Fall zu Fall zu beurteilen,
ohne daß sich ein allgemeiner Kanon aufstellen läßt. Es
        <pb n="314" />
        - Autor und Verleger
versteht sich aber von selbst, daß der Preis umso niedriger
gestellt werden kann, je einfacher der Druck, das Papier und
die übrige Ausstattung, je geringer das Honorar, je höher die
Auflage, je sicherer der baldige Absatz des Buches ist.
Leider ist es ebendeshalb mit den wissenschaftlichen
Werken im allgemeinen recht übel bestellt. Der Druck ist
oft ziemlich kompliziert, die Ausstattung muß gut sein, die
Auflage bleibt in der Regel klein und der zu erwartende
Absatz ist oft recht gering. So ist es nicht zu verwundern,
daß der Preis dieser Werke ziemlich hoch sein muß.
Trotzdem wird man den oft gehörten Klagen über die
exorbitanten Preise wissenschaftlicher Werke, namentlich
in gewissen Verlagshandlungen, nicht jede Berechtigung
absprechen können.
Ein Beispiel kann die große Verschiedenheit der Preislage bei ungefähr
 gleichen Voraussetzungen erläutern: Die „Alttestamentlichen
Abhandlungen“ und „Neutestamentlichen Abhandlungen“ im Verlage
der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster i. W. werden per Bogen
mit 40 Pfennig = 48 Heller berechnet; die mehr populären „Biblischen
Zeitfragen“ im gleichen Verlage mit 16 Pfennig == 20 Heller; die „Veröffentlichungen
 des biblisch-patristischen Seminars zu Innsbruck“ im
Verlage von Felizian Rauch in Innsbruck, als deren erste Nummer die
erste Auflage dieses Buches erschien, mit 12 Heller == 10 Pfennig.
91. Verlagskontrakt. Über die genannten und
etwa sonst noch notwendigen Punkte wird zwischen Autor
und Verleger vor dem Beginn des Druckes ein Verlagskontrakt
 geschlossen. Heinrich Keiter gibt in seinen „Praktischen
 Winken“ den folgenden Entwurf eines solchen Vertrages
 (S. 34—6):
„Zwischen . ... als Verfasser des $ 1 erwähnten Buches einerseits
 und .... als Verleger desselben andererseits ist am heutigen
Tage nachstehender für beide Teile und deren Rechtsnachfolger gültiger
Verlagskontrakt abgeschlossen worden,
$1..-.. überläßt .... das Verlagsrecht des von ibm unter
dem Titel: .... verfaßten [oder: zu verfassenden] Werkes für die
erste und alle nachfolgenden Auflagen. Die Verlagsbuchhandlung ist
berechtigt jede Auflage in der Höhe von .... Exemplaren herstellen
zu lassen, außerdem ... . (Rezensions- und) Freiexemplare über die
honorarpflichtige Auflage hinaus honorarfrei drucken zu lassen,

309
        <pb n="315" />
        Verlagskontrakt “3
$ 2. Die Verlagshandlung verpflichtet sich, an den Verfasser für
die erste Auflage von .... Exemplaren ein Honorar von .... zu
zahlen und außerdem .. .. Freiexemplare zu gewähren, jede fernere
Auflage von .... Exemplaren und .... Freiexemplaren mit...
zu honorieren.
Die Honorarzahlung erfolgt ....
$ 3. Das Werk soll in ... erscheinen, im Satz, Druck und
Format von .... und im ganzen . . . bis. . . Bogen umfassen; übersteigt
 das Werk ohne Einwilligung des Verlegers die Bogenzahl von
-..., 80 hat der Verfasser keine Honoraransprüche für das Mehrgelieferte
 als verabredet. Der Verfasser hat die Ablieferung des voll-.
ständigen druckfertigen Manuskriptes, bei einer Konventionalstrafe von
‚... bis zum ... . zu bewirken; der Verleger die Drucklegung bei
derselben Konventionalstrafe bis zum ...-$
 4. Der Verfasser übernimmt eine Korrektur der Druckbogen
sowie diejenige der Revision ohne besondere Entschädigung. Die durch
umfangreichere Satzänderungen verursachten besonderen Korrekturkosten
trägt der Verfasser; der Betrag dafür wird bei der Honorarzahlung in
Abzug gebracht. Der Verleger darf ohne Genehmigung des Verfassers
keine Änderung an der Handschrift vornehmen.
$ 5. Von der bevorstehenden Notwendigkeit einer neven Auflage
hat die Verlagshandlung dem Verfasser möglichst frühzeitig Kenntnis
zu geben. Etwa notwendig werdende Änderungen bezw. Neubearbeitungen
 für dieselbe soll der Verfasser verpflichtet sein so zeitig zu
liefern, daß die Verlagshandlung in der Lage ist, ein Fehlen des Buches
zu vermeiden. Will der Verleger eine neue Auflage nicht veranstalten,
so darf der Verfasser die neue Auflage in einem anderen Verlage erscheinen
 lassen.
$ 6. Nach dem Tode des Verfassers ist die Verlagshandlung befugt,
 selbständig für die sachgemäße Bearbeitung neuer Auflagen zu
sorgen. Den Erben des Verfassers steht alsdann nur derjenige Teil
des in $ 2 vereinbarten Honorars zu, welcher nach Befriedigung des
bezw. der neuen Bearbeiter verbleibt. Sollten die Kosten für die
Neubearbeitung jedoch die Hälfte des in $ % bedungenen und den
Erben zustehenden Verfasser-Honorars überschreiten, so fällt der bezügliche
 Überschuß jedesmal der Verlagshandlung zur Last. Sind die
Erben indessen imstande, dem Verleger einen Bearbeiter zu stellen, der
ihm geeignet erscheint, so bleibt ihnen das volle Honorar, aus welchem
sie den Bearbeiter selbst honorieren. "
$ 7. Der Verfasser verpflichtet sich, kein größeres oder kleineres
Buch über denselben Gegenstand ohne Einverständnis der Verlagsbuchhandlung
 in einem anderen Verlage erscheinen zu lassen.“
Es fehlt in diesem Entwurf die Bestimmung über den Ladenpreis
des Buches und die Preisermäßigung für Bestellungen des Verfassers.

30:
        <pb n="316" />
        Drucklegung und Korrektur
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Drucklegung und Korrektur
92. Format, Papier und Satz. Für die Drucklegung
 des Manuskriptes müssen Autor und Verleger, wie
bereits erwähnt, zunächst die dem Buche zu gebende Ausstattung
 vereinbaren. Es gehört dazu vor allem die Bestimmung
 von Format, Papier und Satz.
1. Im allgemeinen ist zuerst an die praktische Regel
zu erinnern, die schon früher (S. 301) kurz erwähnt wurde,
daß der Autor sich die Entscheidung über die verschiedenen
 Punkte der Ausstattung seines Werkes am leichtesten
machen wird, wenn er, unter Berücksichtigung des fachmännischen
 Rates seines Verlegers, ein Druckwerk zum
Muster nimmt, das seinen Wünschen und Anforderungen
am besten entspricht.
9. Die Bezeichnung des Formates wird eigentlich nur
durch die Zahl der Druckseiten bestimmt, die auf einen
Bogen gehen. Es heißt Folio, wenn ein Bogen 4 Seiten
umfaßt; Quart bei 8, Oktav bei 16, Duodez bei 24,
Sedez bei 32 Seiten. Häufig denkt man aber bei diesen
Formatbezeichnungen mehr an die herkömmliche Größe
eines solchen Buches als. an die Zahl der Druckseiten eines
Bogens. In größeren Bibliotheksbetrieben ist dann diese
Größe aus praktischen Rücksichten auch genau nach Zentimetern
 bestimmt worden. Doch bleibt eine derartige Bestimmung
 naturgemäß nur eine konventionelle und willkürliche.
- Für  wissenschaftliche Veröffentlichungen kommt am
meisten das Oktavformat in seinen verschiedenen Abstu-8304
        <pb n="317" />
        Format, Papier und Satz 305
fungen in Betracht. Das unbequeme Folio- und Quartformat
wird heutzutage gewöhnlich nur noch gewählt, wenn Tabellen
 oder Karten oder "Tafeln es wünschenswert erscheinen
 lassen.
3. In bezug auf das Papier wird der Autor in seiner
Wahl sehr beschränkt und zumeist auf seinen Verleger
angewiesen sein. Er kann aber seinen Einfluß dahin geltend
machen, daß möglichst holzfreies Papier für sein Werk
genommen werde. Für wissenschaftliche Werke, die von
dauerndem Werte sein sollen, ist die Verwendung von
reinem Lumpenpapier dringend zu wünschen. Wie es sonst
schon nach 30 oder 40 Jahren mit einem Werke gehen
kann, das für Jahrhunderte bestimmt war, zeigen manche
der früheren Bände der „Monumenta Germaniae historica“ :
das nicht holzfreie Papier ist schon in dieser kurzen Zeit
vielfach ganz gelb und fleckig und brüchig geworden.
Außerdem empfiehlt es sich, kein glänzendes
Papier zu nehmen, wenn es nicht wegen der im Text
selbst anzubringenden Illustrationen nötig ist. Der Glanz
des Druckpapiers tut, namentlich wenn man bei Nacht
lesen muß, manchen Augen leicht wehe. Für die Illustrationen
 kann man für gewöhnlich eigene "Tafeln mit dem
geeigneten Papier herstellen lassen.
4A, Hinsichtlich des Satzes oder der Typen’ hat der
Autor zunächst die Wahl zwischen der sogenannten deutschen
 (Fraktur) und der lateinischen Schrift (Antiqua). Für
wissenschaftliche Werke, die auch auf ausländische Leser
etwas Rücksicht zu nehmen haben, wird der lateinische
oder Antiqua-Satz den Vorzug verdienen.
Auch für die Bestimmung der Größe und der besonderen
 Art. der Schrift innerhalb der beiden Hauptklassen
wird der Rat des Verlegers und das Muster anderer gedruckter
 Werke am leichtesten den rechten Weg finden
lassen. Für die gewöhnlichen Oktavformate kommen vorzüglich
 die sogenannten Cicero-, Korpus- und Borgis-Schriften
 in Betracht, für die Anmerkungen und den Kleindruck
 das gewöhnliche Petit oder das noch kleinere Non-Fonck.,
 Wissenschafıliches Arbeiten. 3, Aufl. a)

vr
        <pb n="318" />
        3 Drucklegung und Korrektur
pareille. Größere Schriftarten werden in der Regel nur bei
den Überschriften und Titeln Verwendung finden.
5. Für die Wahl der Lettern zur Hervorhebung oder
Kennzeichnung .gewisser Worte oder Sätze muß das Manuskript
 dem Setzer die notwendigen Weisungen geben, wie
früher bemerkt wurde (S. 280f.). Der Sperrdruck kann
ebenso wie im Deutschen auch im Lateinischen und Griechischen
 zur Anwendung kommen.
Genaueren Aufschluß geben die zu Anfang dieses Abschnittes
(S. 276) angeführten Werke. Es genüge hier, von den fünf genannten
Schriftarten eine kurze Probe vorzulegen :
Nonpareille: Labor omnia vineit improbus,
Petit: Labor omnia vincit improbus.
Borgis: Labor omnia vincit improbus.
Korpus: Labor omnia vincit improbus.
Cicero: Labor omnia vincit improbus.
Wenn dem Werke Karten oder Illustrationen oder andere Beigaben
 hinzugefügt werden sollen, so müssen darüber besondere Vereinbarungen
 getroffen werden. Ebenso wird eine Bestimmung zu treffen
sein über die Ausführung des Titeldruckes, den äußeren Umschlag und
seine Ausstattung sowie über etwaige Anzeigen oder Mitteilungen auf
demselben. Alle diese Punkte sollen nicht leicht dem Belieben des
Verlegers überlassen bleiben.
93, Korrekturregeln. Mit dem Anfang des Druckes
beginnt auch für den Verfasser die oft recht lästige und
beschwerliche Arbeit des Korrekturenlesens. Sie fordert die
größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit, soll nicht das Schifflein
 im Angesicht des ersehnten Hafens noch Schiffbruch
leiden.
Im weiteren Sinne heißt „Korrektur“ jeder Abzug des
Satzes vor dem Beginn des Reindruckes. Im engeren Sinne
führt »nur der erste Abzug diesen Namen, während der
zweite als „Revision“, ein dritter als „zweite Revision“
oder als „Superrevision“ bezeichnet wird. Ein Abdruck
des Satzes vor der „Formierung“ oder Brechung der Seiten
wird „Fahne“ genannt. Jene Abzüge, die vom fertigen
Satz gemacht werden, bevor er für den Reindruck in die
Maschine gebracht wird, nennt man „Bürstenabzüge“, Die

06
        <pb n="319" />
        Korrekturregeln 2
ersten im Reindruck abgezogenen Bogen heißen „Aushängebogen“.

Als allgemeine Korrekturregeln sind vorzüglich
die folgenden zu beachten: 1. Man vermeide beim
schon formierten Satz möglichst alle größeren
Änderungen, insbesondere Zusätze und Auslassungen,
wenn dieselben sich nicht gegenseitig ungefähr aufheben.
Der Satz kann sonst erhebliche Mehrkosten verursachen.
Sind voraussichtlich größere Änderungen notwendig, so
lasse man sich vor der Brechung der Seiten einfache
Fahnenabzüge geben.
9. Jeder Fehler muß durch ein deutliches Zeichen
im Text kenntlich gemacht und unter Wiederholung desselben
 Zeichens am Rande korrigiert werden. Für dieselbe
Zeile müssen bei mehreren Fehlern verschiedene Zeichen
zur Anwendung kommen.
3. Die Korrekturen auf den schon gebrochenen Seiten
sind in der Regel am äußeren und nicht am inneren
Rande der Seite anzubringen; nur bei zweispaltigem Druck
sind sie auf den äußeren und inneren Rand zu verteilen.
4. Man soll im Text nicht mehr wegstreichen
und am Rande nicht mehr hinschreiben, als die
Korrektur selbst oder die unzweideutige Bezeichnung
derselben erfordert. Ist also bloß ein Buchstabe zu
berichtigen, so durchstreicht man nicht das ganze Wort,
sondern nur den falschen Buchstaben und schreibt nur
den richtigen dafür auf den Rand. Ist aber ein Buchstabe
ausgelassen, so durchstreicht man den vorhergehenden oder
folgenden gedruckten Buchstaben und wiederholt denselben
unter Hinzufügung des ausgelassenen am Rande.
5. Es ist sehr zu empfehlen, die Korrekturbogen nicht
nur selbst mit peinlichster Genauigkeit zu lesen, sondern
auch von einem in solchen Dingen geübten Manne lesen
zu lassen. Auch durch das Anhören des laut von einem
anderen Gelesenen wird man oft auf Fehler aufmerksam.
Insbesondere ist es bei der Korrektur einer Textausgabe,
 die mit einer gegebenen Vorlage verglichen werden

30
90*
        <pb n="320" />
        © Drucklegung und Korrektur
muß, sehr ratsam, zuerst die beiden Texte selbst Wort für
Wort zu vergleichen, und dann den Neudruck einem oder
mehreren anderen vorzulesen, die den "Text in der Vorlage
nachlesen. Die stille Kollation läßt die Fehler im einzelnen
Wort besser erkennen; durch das Vorlesen wird man auf
Auslassungen, Zusätze oder Änderungen im Texte leichter
aufmerksam‘).
6. Wenn bei der Korrektur eine neue Umbrechung
der Seiten oder eine Änderung der Zeilen notwendig
 wird, muß man bei der Revision ganz besonders
auf das Ende und den Anfang der Seiten und der Zeilen
achten, wo in einem solchen Falle sich leicht neue Fehler
einschleichen”?).
Ebenso sind bei der Revision sorgfältig die Seitenüberschriften
 und etwaige Zahlen und Bemerkungen am
Rande des Textes zu kontrollieren.
7. Die Angaben der Zitate und die Zahlen im
Index sind bei der Korrektur wenn möglich sämtlich
nochmals im Originaltext selbst nachzuschlagen und zu
vergleichen. „Auf allen möglichen Wegen schleichen sich
in die Zahlen der Zitate &amp;lt;und des Index&amp;gt; Fehler ein; erst
wenn die Richtigkeit im Druckbogen selbst festgestellt ist,
sind den Fehlern die Wege verrammelt“?).
8. Sind bei der zweiten Korrektur oder Revision noch
irgendwie erheblichere Fehler zu berichtigen, so schließe
man nicht leicht mit „druckfertig“ oder „nach Berichtigung
druckfertig“ ab, sondern verlange zuvor noch die Berichtigung
 der Fehler in einer neuen Revision zu sehen. Ist
nichts Bedeutendes mehr zu korrigieren, so wird jedem
einzelnen Bogen durch den Vermerk „druckfertig“ das
Imprimatur gegeben.
94. Korrekturzeichen. Für die Bezeichnung der
Fehler und der notwendigen Berichtigungen kann jeder
') O0. Stählin, Editionstechnik 433,
*) Ebd.
3) Ebd.

108
        <pb n="321" />
        Korrekturregeln. Korrekturzeichen
Verfasser sich zwar seine eigenen Zeichen wählen. Vorausgesetzt
 daß er deutlich und konsequent dieselben verwendet,
wird der Setzer keine besonderen Schwierigkeiten haben.
Es ist aber doch ratsam, die konventionellen Zeichen für
die Korrekturen zu kennen und sich an dieselben zu halten,
 solange man nichts Besseres an deren Stelle zu
setzen hat.
Die häufiger vorkommenden Zeichen sind folgende:
1. Ein überflüssiger Buchstabe oder ein überflüssiges
Satzzeichen oder Wort wird im Text durchstrichen und
am Rande durch ein geschweiftes d (== deleatur) als zu
tilgen bezeichnet.
9. Ein Buchstabe oder Wort, das im Text auf den
Kopf gestellt ist, wird durchstrichen und am Rande mit
einem geschweiften v (== vertatur) als umzuwenden bezeichnet.

3. Ein falscher Buchstabe oder ein falsches Wort
wird im Text durchstrichen und am Rande neben dem
gleichen Zeichen richtig wiederholt. Zur Unterscheidung
von anderen Zeichen in derselben Zeile fügt man dem
Strich am oberen oder unteren Ende ein oder mehrere
Häkchen hinzu.
4. Die unrichtige Wortfolge wird bei zwei Worten
durch das einfache Umstellungszeichen, bei mehreren durch
Bezeichnung mit arabischen Zahlen im Text berichtigt und
am Rande durch Wiederholung des Zeichens und der
Zahlen (ohne die Worte) dem Setzer angemerkt.
5. Sind zwei zusammengehörige Worte oder Wortteile
durch den sog. Ausschluß irrtümlich getrennt worden,
so verbindet man den ersten und letzten Buchstaben mit
einem kleinen Bogen über und unter der Zeile (ZT).
6. Ist dagegen irrtümlich etwas verbunden worden,
was getrennt bleiben muß, so werden die beiden Buchstaben
 durch einen senkrechten Strich mit einem umgekehrten
 kleinen Bogen über und unter der Zeile oder durch
zwei parallele senkrechte Striche als voneinander zu trennen

209
        <pb n="322" />
        3. Drucklegung und Korrektur
bezeichnet. In beiden Fällen wird allein das betreffende
Zeichen am Rande für den Setzer wiederholt.
7. Soll ein mit gewöhnlichem Satz gedrucktes Wort
(oder auch mehrere Worte) gesperrt oder halbfett
oder fett oder kursiv (in Maliques) oder in einer anderen
Schriftart gesetzt werden, so unterstreicht man es im Text
einfach oder doppelt oder mit geschlängelter Linie und
notiert am Rande die gewünschte Schriftart. Ebenso kann
man verfahren, wenn ein gesperrt gedrucktes oder anderswie
 hervorgehobenes Wort in gewöhnlichem Satz wiedergegeben
 werden soll. Aufkebung oder Anwendung von Sperrdruck
 wird auch durch besondere Zeichen angedeutet, die
aus der beigefügten Schriftprube (S. 311) zu ersehen sind.
8. Zu hoch oder zu tief oder schief stehende
Buchstaben oder Worte werden durch eine gerade Linie
über und unter der Zeile als korrekturbedürftig angemerkt
und mit demselben Zeichen am Rande notiert.
9. Ist der Abstand (Durchschuß) zwischen zwei Zeilen
zu groß geraten, so werden sie durch zwei kleine senkrechte
 Bogenlinien am äußeren und inneren Rande miteinander
 verbunden; ist hingegen der Abstand zu klein
ausgefallen, so wird zwischen den beiden Zeilen eine horizontale,
 am Rande etwas überstehende Linie gezogen.
10. Das Einrücken oder Herausrücken einer Zeile
wird mit einer Art eckigen Klammer [ oder _ [7 bezeichnet.
11. Neu einzuführende Absätze werden durch dasselbe
 Zeichen vor dem ersten Wort des gewünschten Absatzes
 angedeutet; soll dagegen ein Absatz ausfallen, so
wird das erste und letzte Wort in den beiden fraglichen
Zeilen durch eine gewundene Linie verbunden.
12. Folgen die Seiten eines Bogens nicht richtig aufeinander,
 so wird der Bogen auf der ersten Seite als „verschossen“
 notiert.
Das Nähere über die Korrekturzeichen ist aus der
nebenstehenden Schriftprobe eines korrigierten Textes zu
entnehmen.

10
Sn
        <pb n="323" />
        s » = =
Schriftprobe eines korrigierten Textes
Ze _____ zz
Bezeichnung der Fehler Text Korrekturzeichen
SHE nn a ME ra
Überfüssige Buch- Wo immer/ derf Wanderer)" / FT. A L 4
staben u. Lesezeichen gem Gestadeg Palästinas sich naht,
USA da entbietet ihm den [dem ersten ;
Verkehrt stehende Gruß des Orientg das echte Kind
N VO a Lehdes des morgeflländischen Handes und ; PS
Wort der morgenländischen Sonne, PP N
Taleche Buchstaben herrliche Dattelpalme. Der ame, .
mit def Griechen und Lateiner
Falsches Wort diese /Fürsfin der Oasen“ bezeich- Unig
Ausschluss zu hoch Men, deutet schon an, daßgdieser
(Spiess) prächtige Eu vorzüglich als
(derfBewohnernl pa ästinischen Küsten
Wortstellung ändern dem an wurde bekannt;
nicht denn olne Grund ward er BE
Schriftart ändern „der Phönicier“ (Phoenix) zube- &amp;gt;
Neuer Absatz benannt. (Schon in ihrem eigent- inea
lichen Heimatland Babylonien gall
Sperrdruck (spatio- dieDattelpalme als „Gnadenbaum“, E
DISTem als „Baum, der voll Huld ist _ge-Durchschuss
 fehlt gen die Menschen“. Denn Je
gebigste Wohltäterin stellt sıe alle
ihre Teile bis zum letzten Tropfen
Durchsohuss zu gross ihres Saftes und bis zur letzten
Faser ihres‘ Bastes in den Dienst
Ausschluss fehlt des Menschen und spendefihm ZU-(auseinanderrück6n:
 eyejch mancherleiSpeise und Trank,
Zusammenrücken Schaffen und Öbdach, Najhrung
für seine Haustiere, Feuerung, al-Nicht
 spationieren Jerlei Flechtwer k für Seile und
Umgekehrte Buch- Matte und Körbe und Säck” und
staben(Fliegenköpfe) „oh manch anderen Nutzen, Leistet
In gerade Linie sie doch NACH einem alten orienbringen
 talischen Hymnus den Menschen
Kein Absatz 360fältig verschiedene Dienste.
(Kein Wunder, dass sie von den
alten Babyloniern als -heiiger Got-Zeile
 herausrücken [tesbaum verehrt wurde und auch
Unreine und lädierte bei den Ägyptern von alters her, ww T
Buchstaben liebevolle Pflege fand. = nl
Zeile einrücken Fbefsowenig kann es uns wundern, T
Fehlendes Wort daß dieser herrlichefin den heiligen { Paum
N Sichel hen ds nl Büchern eine so ehrenvolle Stel.
derer Schrift lung eiy£nimmt. | 7 4 [mn
        <pb n="324" />
        Zugaben zum gedruckten Text
Sechsundzwanzigstes Kapitel
Zugaben zum gedruckten Text
95. Seitenüberschrift n. Als Zugaben zum gedruckten
 Text möchten wir die verschiedenen kleinen Punkte
bezeichnen, die bei einem gutgedruckten Werke nicht fehlen
sollten und die für den praktischen Wert und die Brauchbarkeit
 des Buches von einiger Bedeutung sind. Als ersten
dieser Punkte nennen wir die Seitenüberschriften, die
man technisch als „Kolumnentitel“ bezeichnet.
1. Für die Übersichtlichkeit einer Schrift muß zwar in
erster Linie durch eine klare Einteilung und‘ gute Disposition
 gesorgt werden, die man auch äußerlich durch deutliche
 Hervorhebung der Hauptteile und kurze Überschriften
der einzelnen Abschnitte, Kapitel, Paragraphen und Nummern
 hervortreten lassen sollte. Es ist aber auch von einer
gewissen Bedeutung, daß der Leser und Benutzer eines
Buches nicht bloß dann sich in demselben auskennt, wenn
er es in fortlaufender Lektüre durchnimmt; er muß sich
auch sonst leicht darin zurecht finden, wenn er es nur gelegentlich
 zu Rate ziehen will, um über irgendeine Frage
schnellen Aufschluß zu erhalten. Ein wichtiges Hilfsmittel
dafür sind gute Seitenüberschriften.
2. Es mag freilich wiederum fast selbstverständlich
scheinen, daß für diese Überschriften der einzelnen Seiten
eines Buches in entsprechender Weise gesorgt werde. Wenn
man sich aber nur etwas umschaut gerade in der neuesten
wissenschaftlichen Literatur auf den verschiedensten Ge-312
        <pb n="325" />
        Seitenüberschriften
bieten, so wird man die Erinnerung an diese selbstverständliche
 Forderung doch kaum als ganz unnötig bezeichnen
können. Wie viele gelehrte Bücher bieten überhaupt gar
keine Seitenüberschrift! Selbst Ernst Bernheim scheint dieselben
 in seinem sonst so brauchbaren Lehrbuch der historischen
 Methode für überflüssig zu halten. Kaum besser
als gar nichts ist eine durch das ganze Werk sich gleich
bleibende wirklich „tote“ Überschrift. Was hat man denn
schließlich davon, wenn Leo Meyer durch vier starke Bände
hindurch auf jeder Seite wiederholen läßt: „Griechische
Etymologie“ , oder wenn eine Zeitschrift durch den ganzen
Jahrgang hindurch nichts anderes als „The Expository
Times“ oben auf jeder Seite bietet? Auch 300 Seiten lang
den Titel eines Hauptabschnittes wiederholen, ohne die
Unterabteilungen anzudeuten, hat wenig praktischen Wert.
Wenn man die Kolumnentitel gleich im Manuskript auf jeder
Seite angibt, erscheinen sie schon wenigstens ungefähr richtig auf der
Korrektur und können dann leicht zusammen mit dem gedruckten Text
korrigiert werden. Wollte man sie hingegen erst auf den Korrekturbogen
 anbringen, so würden leicht in diesem neugedruckten Seitenüberschriften
 noch Druckfehler stehen, während der Text schon druckfertig
 wäre. Man müßte dann manchmal bloß der Kolumnentitel wegen
eine weitere Revision verlangen (J. Overmans).
3. Sicherlich wird es dem Leser sehr erwünscht sein,
wenn er durch die Überschrift auf den Hauptinhalt der
Seite kurz hingewiesen wird. Will der Autor ihm die
Übersicht noch mehr erleichtern, so kann er auf der einen
Seite (am besten auf der linken) in einer allgemeineren
Überschrift den Abschnitt, das Kapitel oder den Paragraphen
mit seinem Inhalt kurz angeben und auf der gegenüberstehenden
 Seite den Inhalt des auf den beiden Seiten enthaltenen
 Textes mit ein paar Worten bezeichnen oder auch
bei jeder einzelnen Seite den Inhalt in eine kleine Überschrift
 zusammenfassen.
4. Bei Textausgaben hat man bei diesen Seitenüberschriften
 vor allem auf die gebräuchliche Einteilung des
Textes zu achten und diese am besten nach dem Anfang
und Ende jeder Seite kurz anzugeben. Wie lästig der Ge-313
        <pb n="326" />
        Z Zugaben zum gedruckten Text
brauch einer Ausgabe ohne diese Bezeichnung ist, wird
jedem klar, wenn er zB. des öfteren die prächtige kritische
Ausgabe des syrischen „Tetraevangelium sanctum“ von
Phil. Edw. Pusey und Gg. Henry Gwilliam (Oxford 1901)
zur Hand nehmen muß. Da hat er zwar oben auf jeder
Seite am Rande genau die 15 oder mehr Kodizes verzeichnet,
 aus denen der Text entnommen ist, aber außer
dem allgemeinen „Mattai“ etc. findet er nicht die mindeste
Angabe über Kapitel und Vers, nach denen er die Seiten
zu durchsuchen hat. Ebenso unpraktisch ist es zB. bei
einer kritischen Ausgabe des Lukaskommentars von Ambrosius
 (Corpus scriptorum eccl. lat. 32) zwar die alten
Einteilungen des Kommentars, nicht aber die Kapitel und
Verse des evangelischen Textes anzugeben, auf den sich
der Kommentar bezieht. Unter hundert Benutzern werden
doch neunundneunzig die Erklärung nach der Einteilung
des Textes und nicht nach den Abschnitten des Erklärers
einsehen und zitieren wollen.
5. Die äußere Ecke des oberen Randes der Seiten ist
gewöhnlich für die Seitenzahl bestimmt. Bei den eben
genannten Ausgaben von Texten, die von allen Benutzern
nach der feststehenden Einteilung zitiert werden, ist es aber
praktischer, diese Seitenzahlen in der inneren Ecke des
oberen Randes oder auch auf dem unteren Rande anzubringen
 und die äußere obere Ecke für die Angabe der
Texteinteilung zu reservieren. Der eigentliche Kolumnentitel
 in der Mitte des oberen Randes würde dann nur die
kurze sachliche Inhaltsangabe der Seite enthalten. Jedenfalls
 würde das Nachschlagen zB. in Hetzenauers Ausgabe
der Vulgata bedeutend erleichtert, wenn man, ohne das
Buch ganz aufschlagen zu müssen, gleich in der oberen
äußeren Ecke Kapitel und Vers der einzelnen Bücher angegeben
 fände.
Wenn 0. Stählin ganz allgemein bemerkt, daß man
sachliche Inhaltsangaben bei textkritischen Ausgaben nicht
erwartet!), so dürfte doch der praktische Nutzen derartige
') 0. Stählin, Editionstechnik 417.

314
        <pb n="327" />
        Seitenüberschriften. Inhaltsverzeichnisse ®
Angaben nicht bloß bei historischen Werken und bei den
biblischen Büchern als zweckmäßig erscheinen lassen. Aber
auch wenn der obere Rand, wie zB. in Nestles Novum
Testamentum, nur die Angabe des biblischen Buches enthält,
 wird doch von diesem in editionstechnischen Dingen
erfahrenen Herausgeber die äußere obere Ecke mit Recht
für die Notierung von Kapitel und Vers benutzt.
Innerhalb des gleichen Bandes muß stets die gleiche Seitenzählung
weitergeführt werden. Welche Konfusion beim Zitieren verursacht zB.
Alfred Loisys „L’enseignement hbiblique“ mit der bei jedem Faszikel
neu beginnenden Paginierung! Auch bei einem mehrere Bände umfassenden
 Werke, deren Inhalt durch, einen gemeinsamen Index erschlossen
 werden soll, ist die Fortführung der gleichen Seitenzählung
zu empfehlen, wenigstens wenn die Zahl der Bände nicht zu groß ist.
Die Angaben des Index werden dadurch bedeutend vereinfacht und
erleichtert (0. Stählin 416).
Außer den Seitenüberschriften bringt man noch wohl die sogenannten
 Marginalien oder kleinen Noten am äußeren oder inneren
Rande oder auch Ziffern zum Bezeichnen der Zeilenzahl an. Nach
dem deutschen Buchdruckertarif ($ 28) werden solche Marginalien und
Zeilenzähler bis zur Breite von neun Nonpareille-Buchstaben als zur
Formatbreite gehörend berechnet; bei breiteren Marginalien kommt
ein Aufschlag von 100 Prozent hinzu. Außerdem wird dem Setzer
noch für die sogenannte Justierung 1 Mark pro Bogen vergütet. Mit
Rücksicht auf diese erhebliche Verteuerung des Satzes wird man
breitere Marginalien nur dann anwenden, wenn einem höheren Verkaufspreis
 nichts im Wege steht und das Interesse der Arbeit und die
Übersichtlichkeit wesentlich gefördert wird.
In textkritischen Ausgaben ist es praktisch, am linken
Rand die Zeilenzahlen 5, 10, 15... und eventuell die Seitenzahlen
früherer Ausgaben oder auch die führenden Handschriften zu vermerken;
 am rechten Rande jeder Seite finden die Kapitel-, Paragraphen-
 und Verszahlen ihren Platz, wenn man nicht lieber statt des
linken und rechten Randes die inneren und äußeren Ränder unter”
scheiden will (vgl. O0. Stählin 417—9).
Erwähnt sei noch, daß jeder Druckbogen auf der ersten Seite
unter dem Text links mit dem kürzesten Haupttitel des Buches, der
sog. Norm oder Signatur, und rechts mit der Bogenzahl bezeichnet
wird, Sie dienen zur leichteren Kennzeichnung und Unterscheidung
der einzelner. losen Bogen.
96. Inhaltsverzeichnisse. 1. Die Rücksicht auf
zweckmäßige Einrichtung und praktische Brauchbarkeit darf

315
        <pb n="328" />
        S Zugaben zum gedruckten Text
auch bei wissenschaftlichen Werken nicht außer acht gelassen
 werden. Sie müssen deshalb zunächst selbstverständlich
 ein gewöhnliches Inhaltsverzeichnis nach der
Reihenfolge und Anordnung des Stoffes haben. Es ist
dabei zu empfehlen, nicht bloß die Überschriften der Kapitel
und die Hauptabschnitte wiederzugeben, sondern auch auf
die einzelnen Paragraphen und Nummern einzugehen, um
so einen raschen Überblick über den ganzen Inhalt der
Schrift zu ermöglichen und auch auf die behandelten Detailfragen
 aufmerksam zu machen. Dabei genügt es nicht,
einfach die Nummern. der Kapitel und Paragraphen und
einzelnen Abschnitte zu verzeichnen, oder bloß die Anfangsseite
 zu notieren. Man sollte überall die Seitenzahl, und
zwar mit Anfangs- und Schlußseite angeben, um den Überblick
 so genau als möglich zu gestalten.
Dieses erste allgemeine Inhaltsverzeichnis kann man
schon nach dem Manuskript herstellen und die Seitenangaben
 bei der Korrektur hinzufügen. Seinen Platz erhält
es am zweckmäßigsten nach dem Vorwort und vor dem
Beginn des eigentlichen Textes. Da es in allgemein üblicher
 Weise mit römischen Zahlen paginiert wird, kann es
ohne Schwierigkeit nach Beendigung des Textdruckes gesetzt
 werden.
2. Außer dem allgemeinen Inhaltsverzeichnis ist in
den meisten Fällen bei wissenschaftlichen Werken auch ein
alphabetisches Register sehr wünschenswert. Man
beginnt mit demselben erst während der Drucklegung, aber
sofort nachdem man den ersten Reinbogen (Aushängebogen)
erhalten hat. Man notiert beim Durchlesen desselben jeden
einzelnen Namen der vorkommenden Personen, Gegenstände
und Orte, unter Umständen auch die sprachlichen Formen,
die Zitate oder andere Punkte, die man registrieren will,
nebst der zugehörigen Seitenzahl (eventuell auch der Zeilenzahl)
 auf je einem kleinen Zettel. Dabei übergehe man
nichts, was irgendwie bedeutsam erscheint oder für die
verschiedenen Klassen von Lesern von Interesse sein kann.
Man scheue auch nicht davor zurück, in zweifelhaften Fällen

216
        <pb n="329" />
        Inhaltsverzeichnisse. Literaturverzeichnis )
ein doppeltes Schlagwort zu nehmen und bei jedem die
betreffende Seitenzahl zu notieren. Dagegen sollten bei
einmaligen Seitenangaben einfache Verweise von einem
Schlagwort auf ein anderes in diesen Registern möglichst
vermieden werden; die Seitenzahl nimmt noch weniger
Raum ein als der Hinweis und einzig einem Prinzip zu
liebe braucht man doch nicht andere Leute unnötig zu
plagen. In besonderen Fällen, wo es sich um größere
Angaben handelt, kann ein Hinweis angebracht sein.
Kommt ein Name oder eine Sache sehr häufig vor, so erhöht es
die praktische Brauchbarkeit sehr, wenn man die Stellen nach sachlichen
Gesichtspunkten ordnet und diese im Register durch kurze Bemerkungen
kenntlich macht. Überhaupt sollte ein Register sich nicht mit der
mechanischen Aufzählung der Seiten begnügen, sondern wo möglich
durch Verarbeitung des Materials dem Leser ein willkommenes Hilfsmittel
 bieten. Vgl. über die Register besonders für textkritische Ausgaben
 O0. Stählin, Editionstechnik 429—339,
3. Die Zettel mit den Schlagwörtern und Seitenzahlen
läßt man bis zur Beendigung des Druckes sich sammeln,
um sie erst dann zu ordnen. Man kann dabei entweder
Personen-, Sach- und Ortsregister trennen oder alle drei
in ein Alphabet vereinigen. Für und gegen beide Weisen
lassen sich Gründe anführen. Die Hauptsache bleibt immer,
daß ein möglichst reichhaltiges und übersichtliches alphabetisches
 Register geboten wird.
Außerdem kann in manchen Werken ein Zitatenverzeichnis,
 ein Wortregister, ein grammatischer Index von
Nutzen sein.
4. Für die Drucklegung kann man die geordneten Zettel
entweder einfach zusammenbinden oder der Reihe nach
auf größere Blätter aufkleben oder sie abschreiben oder
abschreiben lassen, um sie so zum Druck zu befördern.
Seinen Platz erhält das alphabetische Register am besten
ganz zu Ende des Buches nach dem Text und den etwaigen
 Anhängen.
97. Literaturverzeichnis. Zwar nicht von der
gleichen Bedeutung, aber doch vielfach praktisch und nütz-317
        <pb n="330" />
        - Zugaben zum gedruckten Text
lich ist neben dem Inhalt auch ein Verzeichnis der Literatur
 über das behandelte Thema.
1. Unmittelbar praktischen Nutzen für die Lektüre
und das Studium eines Buches hat ein solches Verzeichnis,
wenn es die im Verlauf der Arbeit häufiger zitierten Quellen
und Hilfsmittel übersichtlich zusammenstellt‘: und die für
die Zitation zur Anwendung kommenden Abkürzungen für
dieselben angibt. In dieser Hinsicht erleichtert es dem
Verfasser bedentend die Mühe des genauen Zitierens und
dem Leser wird die Bedeutung der abgekürzten Zitate in
leicht und sicher auffindbarer Weise erklärt.
2. Im allgemeinen wird man das Literaturverzeichnis
auch auf eine solche Zusammenstellung der häufiger zitierten
Werke beschränken können. Man sollte dabei die alltäglichen
 Hilfsmittel eines jeden Fachgebietes nicht leicht in
das Verzeichnis aufnehmen, wenn nicht besondere Rücksichten
 auf Anfänger oder auf den Unterricht, oder‘ auch
die Angabe der für die Zitation gebrauchten Abkürzung
es doch ratsam erscheinen lassen.
3. Aus ähnlichen praktischen Gründen wird man das
Verzeichnis in einzelnen Fällen auch über den Kreis der
häufiger zitierten Werke hinaus auf die ganze einschlägige
Literatur .zur behandelten Frage ausdehnen. Doch ist dabei
 Maßhalten geboten, namentlich wenn es sich um Fragen
von mehr allgemeinem Charakter handelt. Gewöhnlich
verrät sich dabei der Anfänger nur zu leicht in dem Streben,
ein möglichst vollständiges und ausgedehntes Verzeichnis
von irgendwie benutzten Werken zu bieten.
A. Für die Ordnung bei diesem Verzeichnis verdient im
allgemeinen auch die alphabetische Reihenfolge den Vorzug.
Sie schließt aber sachliche Gruppierung nicht aus. Im
Gegenteil dürfte es namentlich bei einer großen Zahl von
Schriften sehr zu empfehlen sein, die gleichartigen und zusammengehörigen
 auch in besondere Gruppen zu vereinigen
und innerhalb dieser Einzelfamilien alphabetisch zusammenzustellen.
 Inwieweit auch die chronologische Ordnung in
besonderen Fällen zu berücksichtigen sei, wird sich nur

318
        <pb n="331" />
        Literaturverzeichnis. Vorwort 2
aus den Umständen und der Natur der einzelnen Arbeit
entscheiden lassen.
5. Ihren Platz erhält die Literaturübersicht am besten
nach dem Inhaltsverzeichnis und vor dem eigentlichen Text.
Jedenfalls sollte man es nicht einfach mit den Ausführungen
des Vorwortes oder der Einleitung verbinden, weil das
Aufsuchen der Literatur und ihrer Abkürzungen dadurch
oft erheblich erschwert wird.
98. Vorwort. Ein gutes Vorwort, wenn es auch nur
kurz ist, hat seine volle Berechtigung und sollte in keiner
Schrift fehlen.
1. Zweck des Vorwortes ist es vorzüglich, über die Entstehung
 des Buches in Kürze dasjenige zu berichten, was
für weitere Kreise von Interesse sein kann; ferner sich
über den besonderen Zweck einer Schrift und die nähere
Begrenzung ihres Themas sowie die Anlage der Arbeit
auszusprechen, soweit dies nicht in der Einleitung der
Arbeit geschehen kann; endlich auch persönlichen Bemerkungen
 von allgemeinerem . Interesse sowie der Dankespflicht
 für Teilnahme und Unterstützung bei der Arbeit
Ausdruck zu geben.
2. Die Mitteilungen, die diesem Zwecke entsprechend im
Vorwort gemacht werden; sind nicht selten für die Beurteilung
 des Werkes von Bedeutung. Es liegt daher ebensosehr
 im Interesse des Autors, sich darüber auszusprechen,
als im Interesse des Lesers, diese Bemerkungen im Vorwort
 nicht zu übergehen. Freilich, wenn man nichts anderes
 zu sagen wüßte, als daß die Schrift einem dringenden
 und tief empfundenen Bedürfnisse abzuhelfen berufen
sei, so könnte man sich ein eigenes Vorwort unbedenklich
sparen.
3. Über die einzelnen Quellen und den apparatus
criticus soll man nicht im Vorwort, sondern in der Einleitung
 und in den Anmerkungen unter dem Text Aufschluß
geben.‘

31€
        <pb n="332" />
        Sn Zugaben zum gedruckten Text
Bei textkritischen Ausgaben sollte diese Einleitung enthalten:

a) die Angabe und Beschreibung der Handschriften;
b) die Besprechung der früheren Ausgaben;
c) Mitteilungen über die Druckvorlage und
d) die Vorarbeiten, den Druck und die Korrektur;
e) häufig auch eine Erörterung der Zeugnisse aus dem
Altertum, der Echtheitsfrage, der indirekten Quellen der
Überlieferung.)
Je nach den Umständen wird dem Vorwort auch eine Liste von
Berichtigungen und. Zusätzen angeschlossen werden können.
Man darf ja kaum hoffen, von dem bösen Druckfehlerteufel gänzlich
verschont zu bleiben. Doch wird man auch bei dieser Zugabe sich vor
dem Zuviel hüten müssen und deshalb keine ganz selbstverständlichen
kleinlichen Ungenauigkeiten in dem Verzeichnis korrigieren und ebensowenig
 ganz unnötige und unwichtige Nachträge als Zusätze notieren.
1» O0, Stählin, Editionstechnik 410—3.
54

390
        <pb n="333" />
        Der Titel
Siebenundzwanzigstes Kapitel
Der Titel
99. Verkehrte Titelmoden. Das erste, was dem
Leser bei dem fertigen Buche vor die Augen tritt, ist für
den Verfasser nicht selten das letzte, worüber er sich selbst
klar wird. Denn einen guten Titel zu finden, ist nicht leicht
und für den Erfolg der Schrift nicht gleichgültig.
1. Wie man den Titel nicht zu wählen hat, können
manche verkehrte Titelmoden zeigen. Schon Aulus Gellius
macht sich in der Praefatio zu seinen „Noctes Atticae“
über die „tituli exquisitissimi“ und die „insceripta nimis
lepida multasque prorsum concinnitates redolentia“*) etwas
lustig und zählt einige dreißig dieser schönen Büchertitel
seiner Vorgänger auf. Heinrich Meisner gibt in der „Zeitschrift
 für Bücherfreunde“ unter der Überschrift „Büchertitelmoden“
 eine interessante Auslese von älteren und
neueren Büchertiteln‘), denen sich manche andere Beispiele
von gleicher Art anreihen lassen.
Vgl. auch Rob, F, Arnold, Zur Bibliographie der deutschen Restaurationszeit,
 in: Zeitschrift für Bücherfreunde 5 (1901—02) 1,141—7 ;
2,358—60. 479—81 (von Gustav Augitz); K, Bader, Vom Büchertitel
einst und jetzt, ebd. 6 (1902—03) 1,68—73; Egon v. Komorzynski, Zur
Geschichte der Blume im deutschen Buchtitel, ebd, 7 (1903--04)
2,284 —7; Rob. F. Arnold, Zur Geschichte des Buchtitels, in: Mitteilungen
des österr. Vereins für Bibliothekswesen 7 (1903) 167—73; 8 (1904)
28—31; S. Frankfurter, Unrichtige Büchertitel, ebd. 9 (1905) 230—44;
1) A. Gellius, Noctes Att. Praef. 5. 9.
?) H. Meisner in: Zts. f. Bücherfreunde 8 (1904—05) 1,38—43,
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 8, Aufl. DA

321
        <pb n="334" />
        322 Der Titel
Eb. Nestle in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 14 (1897) 240—2;
19 (1902) 466—8; 20 (1903) 373—5; Osk. v. Gebhardt ebd. 17 (1900)
94—6.
Ein lehrreiches „Wort über Büchertitel“ schrieb auch Franz
Hülskamp im „Literarischen Handweiser“ 26 (1887) 449—54, Vgl. auch
O0. Stählin, Editionstechnik 409 f,
Zu meidende Moden in Titeln sind vorzüglich: 1. Die
allzu wortreichen Titel früherer Zeiten, die freilich noch
längst nicht völlig ausgestorben sind. 117 oder gar 175
Wörter für den Titel, wie sie beim „wahrhaften Farbenkoch
 ohne Maske“ etc. (Brünn 1794) zu zählen sind, dürften
des Guten doch etwas zuviel sein.
2. Die allzu bildreichen Titel nach altem Geschmack.
 Es ist noch ein Glück, wenn „die geistlich gerührte
 Harpffen David’s“ im Untertitel als „das hl. Psalterbuch
 eingerichtet zur Erbauung“ verdeutlicht wird, der „Mus
exenteratus“ des Frater Wilhelmus de Stuttgard sich vorstellt
 als „Tractatus valde magistralis super quaestione
quadam theologicali, spinosa et multum subtili, ut intus,
scriptus pro redimenda vexa“ (Lipsiae 1677) und unter der
„Viola odorifera“ aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
sich „Contemplationes plissimae in septenas Jesu Christi
sanguinis effusiones“ verbergen. Wer vermöchte aber zu
ahnen, daß das talmudische „Buch des Arzneihändlers“
von der Liebe Gottes handelt und unter den „Lippen des
Schlafenden“ ein Verzeichnis rabbinischer Schriftsteller
schlummert ?
3. Die absonderlichen Titel, die leicht die Grenze
der Geschmacklosigkeit streifen oder auch überschreiten.
4. Die nichtssagende und gezierte Nachahmung
 alter Titel, wie wenn zB. Johannes von Müller
nach dem Muster der „Titi Livii ab urbe condita libri“
seine Weltgeschichte „24 Bücher allgemeiner Geschichten“
nannte; „der Buchbinder macht daraus,in der Abkürzung
den sinnigen Rückentitel: ‚Müller, 24 Bücher‘“.!)
5. Die einfache Wiederholung fremder Titel, vorzüglich
 wenn es ich um nicht ganz gewöhnliche handelt.
1 F, Hülskamp aa0. 450,
        <pb n="335" />
        Verkehrte Titelmoden 323
Wenn zB. Ludwig Schneller sein bekanntes Buch über
Palästina „Kennst du das Land?“ betitelte und es damit
1899 auf 16 Auflagen brachte, so gebührte doch Sebastian
Brunner die Priorität und das Eigentumsrecht bei diesem
Titel, den er 1857 seinem Buche über Italien gab. „Ein
Buchtitel“, bemerkt Heinrich Keiter mit Recht, „ist doch
auch gewissermaßen ein Privateigentum, das man achten
soll“ 1).
6. Die irreleitenden Titel, vor denen Eberhard
Nestle an den oben angeführten Stellen wiederholt und
mit Recht gewarnt hat. Irreleitend sind Titel von Doppeldrucken
 ohne Hinweis auf die parallelen identischen Veröffentlichungen
 und Titel von gleichen Drucken. mit verschiedenen
 Angaben auf dem Titelblatt.
In gewisser Weise gehören zur letzteren Klasse auch
die sogenannten Titelauflagen, bei denen die neue
Auflage sich einzig und allein auf die Bemerkung: „zweite
Auflage“ o. ä. oder auf eine andere Fassung des Titels
erstreckt, während der Text überhaupt gar nicht neu gesetzt
 wurde.
Besonders in Frankreich scheint die Mode oder vielmehr die Unsitte
 der Titelauflagen sehr im Schwung zu sein. Edouard Le Roy
schreibt zB. in der Revue du Clerge francais (1908, 1) 238:
„.&amp;lt;«.. je voudrais faire savoir a vos lecteurs que toutes les 6ditions
de Dogme et Critique depuis la troisieme proviennent d’un seul et unique
tirage, lequel a 6t6, selon usage, reparti en plusieurs ‚editions‘, le
numerotage ne concernant que les couvertures d’exemplaires . .. “
7. Irreführend ist auch das Verfahren, auf dem Vortitel
 oder auf dem äußeren Umschlag dem Titel eine andere
 Fassung zu geben als auf dem eigentlichen Titelblatt.
 Das Buch von 7. K. Cheyne „Job and Solomon,
the Wisdom of the Old Testament“ (London 1887) wird
zB. auf dem Vortitel bloß „The Wisdom of the Old Testament“
 genannt; H. Clay Trumbull’s „Jonah in Nineveh“
(Philadelphia 1892) heißt auf dem äußeren Umschlag;
„Light on the story of Jonah“.
1) H. Keiter, Praktische Winke 18.

91
        <pb n="336" />
        Se Der Titel
Selbst das spanische Gegenstück zu unserem „Wissenschaftlichen
 Arbeiten“, nämlich die Schrift von Zacartas
Garcia Villada: „Como se aprende a trabajar cientificamente“
 mit dem Untertitel „Lecciones: de Metodologia
y Critica Histöricas“ hebt auf dem äußeren Umschlag als
Haupttitel hervor: „Metodologia y Critica Histöricas“, läßt
den ersten Vornamen des Verfassers ganz weg und gibt
den eigentlichen Titel in kaum noch lesbarem Kleindruck
wieder, lauter methodologische Ungehörigkeiten.
8. Zu meiden ist endlich die Mode, auf dem Titel die
Jahreszahl auszulassen und ferner die Gewohnheit,
den ganzen Titel mit lauter gleichmäßigen großen
Anfangsbuchstaben zu schreiben. Eberhard Nestle hat auch
in diesem Punkte ganz recht, wenn er mit aller Entschiedenheit
 seine „Bitte um Jahreszahlen“ stellt und fordert, daß
man bei den Titeln die großen Anfangsbuchstaben hervortreten
 lassen solle!). Wenigstens sollten, wenn schon lauter
Großbuchstaben verwendet werden, durch ihre verschiedene
Größe die mit großen und kleinen Anfangsbuchstaben geschriebenen
 Worte unterschieden werden, und wenn aus
irgendeinem Grunde die Zahreszahl auf dem Titelblatt wegbleibt,
 sollte sie wenigstens auf der Rückseite des Titels
oder am Schluß der Einleitung zu finden sein. „Ausgaben,
bei denen das Druckjahr nirgends angegeben ist, sollte es
überhaupt nicht geben.“?)
Zu den verkehrten Titelmoden läßt sich in gewissem Sinne auch
rechnen die wohl nicht ganz zufällige Erscheinung, daß der Titel in
nicht seltenen Fällen durch Sprach- und Druckfehler verunziert erscheint.
 Bei ausländischen deutschen Drucken mag man es ja noch
leichter verzeihen, obwohl es stets einen ungünstigen Eindruck macht,
wenn man gleich auf dem Titel derartigen sprachlichen Schnitzern begegnet.
 Auch bei lateinischen Titeln wird man den Gelehrten ob seiner
1) E. Nestle in: Zentralbl. f. Bibl. 14 (1897) 241 f; 19 (1902)
466 f.
2) Otto Stählin, Editionstechnik 409. — Das dort für die großen
Anfangsbuchstaben angeführte Beispiel von Burkitts Evangelion da-Mepharresche
 ist nicht ganz glücklich, weil da-Mepharresche als Transkription
 der syrischen Worte auch ohne große Initialen da-mepharresche
geschrieben werden kann.

„PA
        <pb n="337" />
        Verkehrte Titelmoden 325
sprichwörtlichen Zerstreutheit noch eher entschuldigen, wenn er selbst
bei einer Festschrift eine „disquisitio historico-critica de palearum [sic],
quae in Gratiani decreto inveniuntur“ herausgibt, wie es dem älteren
Johann Wilh. Bickell in Marburg 1827 passierte. Weniger schön ist
es jedenfalls, wenn die Festschrift der Universität Heidelberg vom
Jahre 1903 im ersten Bande auf dem Titel eines Teiles von den
Heidelberger morgenländischen Studien und Professoren „vor und besonders
 im 19. Jahrhundert“ redet; ebenso ist es nicht ganz korrekt,
wenn Eberhard Nestle seine „Philologica sacra“ im Untertitel als „Bemerkungen
 über die Urgestalt der Evangelien und Apostelgeschichte“
bezeichnet. Leider hat es der Druckfehlerteufel nicht gerade selten
sogar auf den Namen des Verfassers abgesehen. Kirnst Rowe zählt
17 Beispiele von „Druckfehlern in Verfassernamen“ auf in der „Zeitschrift
 für Bücherfreunde“ 7 (1903—04) 2,424—8 und die Reihe ließe
sich durch neue Beispiele leicht erweitern. Ein anderes schönes Beispiel
 vom Druckfehler-Mi£geschick im Titel erzählt Zug. Mouton in
seinem Buch: L’art d’&amp;amp;ecrire un livre (Paris 1896) p. 326: Eine alte
Druckerei wollte eine Prachtausgabe des Telemaque veranstalten; der
herrliche Folioband war nur durch einen Druckfehler verunstaltet: auf
dem Titelblatt las man: Letemaque (nach der franz. Bearbeitung p. 188 f).
Hinsichtlich der Verfassernamen ist es eine andere üble Titelmode,
nur den halben Namen auf den Titel zu setzen, nämlich den Familiennamen
 ohne den Vornamen, oder den letzteren bloß in einer unverständlichen
 Abkürzung, die wieder längere bibliographische Nachforschungen
 nötig macht. Solche interessante Forschungen sind natürlich
stets sehr willkommen, zumal sie einem regelmäßig recht gründlich
zeigen, womit man sich in seiner überflüssigen freien Zeit beschäftigen
könnte. Vgl. auch R. Klußmann in: Zentralbl. f. Bibl. 25 (1908) 518.
Von den Anonymen und Pseudonymen wollen wir hier lieber gar
nicht reden. Sie werden für wissenschaftliche Arbeiten doch nur in
seltenen Ausnahmefällen Berechtigung haben. Für nichtwissenschaftliche
Schriftstellerei bietet „Die Feder“ 9 (1906) 1520 einige praktische Winke
über die „Wahl des Pseudonyms“.
Schließlich sei noch einer überflüssigen Mode gedacht, die allmählich
 wenigstens bei den Titeln ihre Alleinherrschaft verliert. Es
ist der Gebrauch, jedesmal nach dem Haupt- und Untertitel, nach dem
Verfassernamen, dem Erscheinungsort und Jahr einen schönen Punkt
zu machen. Er dürfte in allen Fällen, wo es sich nicht um einen
eigentlichen vollen Satz handelt, gänzlich überflüssig sein ebensowie
bei den Kapitel- und Seitenüberschriften im Buche selbst. Möglichste
Vereinfachung des Zeichensetzung schadet nicht nur der Deutlichkeit
nicht, sondern kann derselben nur förderlich sein. Deshalb braucht
noch nicht jede durch die Klarheit geforderte Interpunktion weggelassen
zu werden.
        <pb n="338" />
        Der Titel
100. Eigenschaften eines guten Titels. Die
Eigenschaften eines guten Titels lassen sich mit Franz
Hülskamp in folgende drei Punkte zusammenfassen :!)
1. Kongruenz. Der Titel soll weder zu eng noch
zu weit sein, sondern muß sich mit dem Inhalt möglichst
decken. Ein zu weiter oder zu enger Haupttitel wird auch
noch nicht dadurch entschuldigt, daß er durch den Untertitel
 berichtigt wird.
Zur Kongruenz können wir ferner auch rechnen, daß
die Art des Titels der Natur und Beschaffenheit des Themas
der Arbeit und dem Leserkreise entspreche. Eine rein wissenschaftliche
 Untersuchung darf auch mit Bezug auf den Titel
nicht mit einem Roman auf „leiche Stufe gestellt werden.
Für eine populärwissenschaftliche Darstellung über den
Vogel und sein Leben wäre der ursprünglich von Bernhard
Altum gewählte Titel: „Teleologische Ornithologie“ viel zu
gelehrt gewesen.
2. Klarheit und Bestimmtheit. Der Titel soll
den ganzen Inhalt möglichst deutlich zum Ausdruck bringen.
Es ist wiederum eine Forderung, die schon an den Haupttitel
 allein zu stellen ist. Denn das Buch soll durch seinen
Titel auch dann klar gekennzeichnet sein, wo nur durch
ein Zitat darauf hingewiesen wird; das Zitat muß sich für
gewöhnlich aber mit dem Haupttitel begnügen. Der Untertitel
 kann höchstens eine Ergänzung dazu bringen zur
näheren Bestimmung des Zweckes oder des Leserkreises
oder durch Hervorhebung von besonders nützlichen Teilen
oder Beigaben.
3. Einfachheit und Kürze. Möglichst knappe Form
bei völlig entsprechender, klarer und bestimmter Bezeichnung.
 des Inhaltes macht den Titel vollkommen. „Ein Titel
muß kein Küchenzettel sein“. Darin wird man wenigstens
Lessing beipflichten können. Ein einziges Wort wie „Schulbibel“
 verdient vor der längeren und doch um nichts besseren
 Bezeichnung „Biblische Geschichte für die Schule“
selbstverständlich entschieden den Vorzug. Sind mehrere
a ') Fr. Hülskamp in: Lit. Handw. 26 (1887) 451.

296
        <pb n="339" />
        Eigenschaften eines guten Titels. Schluß 327
Worte notwendig, so wird auch die Rücksicht auf praktische
 Gründe nicht unbeachtet bleiben dürfen, insbesondere
auf die leichte bibliographische Verwendbarkeit des Titels
und die Möglichkeit leichter Abkürzung für den Rückentitel
 bei gebundenen Exemplaren oder für die Norm beim
Druck der einzelnen Bogen. Nötigenfalls kann man ein
knappes und klares Stichwort durch einen Nachsatz oder
einen Untertitel ergänzen. Nur hüte man sich dabei vor
müßigen Wendungen und Zusätzen wie zB.: „Eine Untersuchung
 angestellt von N. N.“
Noch eine Bemerkung über die Rückseite des Titelblattes. Es
dürfte von praktischem Nutzen sein und manche bibliographische Nachforschungen
 abkürzen, wenn man auf. dieser für gewöhnlich freien
Seite kurz angibt: 1. wann die einzelnen Auflagen des Buches erschienen
 sind, eventuell unter Beifügung der Anzahl der Exemplare für jede
Auflage ;
2. welche Übersetzungen des Buches veröffentlicht wurden;
3. welches der Preis des Buches ist.
Zum Teil wird dies in England schon eingehalten.
101. Schluß. Ein guter Titel ist der Schlußstein der
ganzen Arbeit. Die Schrift enthält damit das letzte Stück
ihrer Rüstung, den Helm mit dem Visier. Sie mag nun
getrost sich auf das Feld der Öffentlichkeit hinauswagen,
um im Dienst ihrer ‚edlen Herrin zu werben, und wenn’s
sein muß, auch zu streiten.
Mit dieser letzten Station sind auch wir am Schluß
unseres Weges angelangt. Er ist etwas lange geworden
und für manchen vielleicht etwas beschwerlich. Wo es
galt, streckenweise den Pfad erst zu bahnen, wird man
nicht überall einen ganz mühelosen Weg erwarten dürfen.
Kleinere und. größere Unebenheiten werden beim Gebrauch
des Weges allmählich von selbst verschwinden. Wo noch
einige Steine auf dem Pfad liegen geblieben sind oder etwas
Gras oder gar ein kleines Dorngestrüpp nicht entfernt
wurde, da wird vielleicht der eine oder andere Wanderer
mit hilfreiche Hand anlegen.
Jedenfalls kann uns der Rückblick auf den ganzen
Weg zeigen, daß es bei der wissenschaftlichen Arbeit nicht
        <pb n="340" />
        3. Schb 6
überflüssig ist, auf den einzelnen Stationen sich genau umzuschauen
 und alles zu benützen und zu verwerten, was
es dort zu sehen und zu beachten gibt. Je höher die Aufgabe
 ist, mit der sich jede wissenschaftliche Arbeit zu beschäftigen
 hat, je schwieriger oft das Ziel erscheint, durch
Betätigung der eigenen Kräfte an der Förderung der Erkenntnis
 der Wahrheit in möglichst weiten Kreisen mitzuarbeiten,
 desto unabweislicher tritt auch an jeden die Pflicht
heran, alle Mittel zur Erreichung des Zieles wohl ins Auge
zu fassen und nichts gering zu achten, was für die Lösung
der großen Aufgabe dienlich und förderlich sein kann.
Was bei der Themawahl, für das Sammeln und Verarbeiten
 des Stoffes, in der Darstellung und Veröffentlichung
selbst in scheinbar kleinen Punkten zu beachten ist, wird
im Licht des großen Zieles geschaut der Berücksichtigung
nicht unwert erscheinen.
Das große Ziel, durch die eigene Arbeit die Erkenntnis
der Wahrheit zu fördern, wird auch jedem die notwendige
Beharrlichkeit und Ausdauer in der Betätigung seiner Kräfte
geben können. Mag auch ein guter Anfang schon halbes
Werk bedeuten, so führt doch nur diese Beharrlichkeit zur
Krönung des Ganzen, jene glückliche Ausdauer, die aus
Schwierigkeiten sich Mittel zum Werke schafft und in unverdrossener
 Arbeitsfreudigkeit den Grundsatz betätigt:
„Labor omnia vinecit improbus“.
Das große Ziel läßt endlich uns auch mit siegesfreudiger
 Zuversicht des Erfolges der Arbeit froh werden. Denn
echte Wissenschaft wird stets im Dienst der Wahrheit stehen
und deshalb auch stets am Sieg der Wahrheit teilnehmen.

98 ala!
        <pb n="341" />
        Allgemeine Bibliographie
Erster Anhang
Quellennachweise
8 1. Allgemeine Bibliographie
1) Bibliographische Nachschlagewerke:
1, Aide-memoire du libraire et de l’ amateur des livres. Essai de
bibliographie pratique. Paris 1906.
2. Allibone, S. A. A crit. Dictionary of English Literature and
British and American Authors. London 1859—1902. 3 Bde. u.
2 Suppl.
8. Antonio, N. Bibliotheca Hispana Nova. Matriti 1783—8. 2 Bde.
$. — — Bibliotheca Hispana Vetus. Matriti 1788. 2 Bde,
5, Aribau, B. C. Biblioteca de Autores Espafioles. Madrid 1846 ff.
71 Bde.
6. Arlia, C. Dizionario bibliografico. Milano 1902.
7. Bauer, J.J. Bibliotheca librorum rariorum universalis. Nürnberg
1770—97. 4 Bde. u. 4 Suppl.
8. Beale, T. W. Oriental Biographical Dictionary. New edition revised
 by H. E. Keene. London 1894,
9. Bernheim, Ernst. Lehrbuch der historischen Methode (Leipzig
1908) 259—79.
\0. Biagi, @. Chi &amp;amp;? Annuario biografico italiano. Roma 1908.
11. Biographie, Allgemeine deutsche. Hgb. durch die histor. Kommission
bei der k. Akademie der Wissenschaften. Leipzig 1875—191%.
56 Bde.
12. — nationale p. p. 1’ Academie Royale de Belgique. Bruxelles 1866 ff,
13. —, Nouvelle, generale... p. sous la direction de M. /J. Ch. Ferd.]
Hoefer. Paris 1855—66. 46 Bde.
14. — universelle ancienne et moderne . . ., fortges. von L. @. Michaud
u. a. Paris 1811—692. 85 Bde. (bis Vil). Neue Ausgabe u. d. T.:

3929
        <pb n="342" />
        330

; Quellennachweise
Nouvelle Biographie universelle ancienne et moderne, Paris 1842
bis 1880. 45 Bde.
15. Blanc- Vaganay, Repertoire bibliographique des auteurs et des
ouvrages contemporains. Paris 1902,
16. Blätter, Biographische. Berlin 1895f. Fortges. u. d. T.: Biographisches
 Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Berlin 1897—.
17. Bleibtreu, C. Die Vertreter des Jahrhunderts. Berlin 1904. 3 Bde.
18. Boase. F. Modern English Biography. Truro 1892,
19. Bornmüller, Frz. Biographisches Schriftsteller-Lexikon der Gegenwart.
 Leipzig 1882.
20. Bratke, Eduard, Wegweiser zur Quellen- und Literaturkunde der
Kirchengeschichte (Gotha 1890) S. 104—7. 153—7. 162—4,
21. Bricka, C. F. Dansk biografisk Lexikon. Kopenhagen 1887—1905.
19 Bde.
22. Brunet, @. Dictionnaire de bibliographie et de bibliologie catholiques.
 Paris 1858—66.' 6 Bde.
23. —, J. Ch. Manuel du libraire et de l’ amateur de livres. °Paris
1860—5. 6 Bde. Supplement v. P. Deschamps und &amp;amp;@. Brunet.
Ebd. 1878—80. 2 Bde.
24. Castro, J. Rodriguez de. Biblioteca espafiola. Madrid 1781—6.
25. Chalmers, A. General Biographical Dictionary. New Edition.
London 1812—7, 32 Bde.
26. Chevalier, Ul. Repertoire des sources historiques du moyen
äge. Bio-bibliographie. Paris 1905—7. %2 Bde. — Dass., Topobibliographie..
 Montbeliard 1894—1903. 2 Bde.
27. Dantis, A. Dietionnaire biographique et bibliographique. Paris
1875—77. 3 Bde. u. Suppl.
28. Degener, H. A. L. Wer ist’s? Zeitgenossenlexikon. Leipzig 1906.
29. Dictionnaire bibliographique, historique et critique des livres rares,
 precieux, singuliers, curieux, estimes, recherches. Paris 1802.
3 Bde.
30. Dunkel, J. @. W. Hist.-crit. Nachrichten von verstorbenen Gelehrten
 und deren Schriften. Cöthen 1753—60. 2 Bde.
31. Ebert, F, A. Allgemeines bibliographisches Lexikon. Leipzig
1821—30. 2 Bde. — Engl. u. d. T.: General bibliographical
Dictionary. Oxford 1837. 4 Bde.
32. Estreicher, K, Bibliografia polska. Krakau 1870—1900. 17 Bde.
33. Fletcher, W. J. The: American Library Association Index. An
Index to general Literature... "Boston and New York 1901.
34. Fournier, F. J. Nouveau. dictionnaire portatif de la bibliographie,
precede d’un precis sur les bibliotheques et la bibliographie.
Paris 1889.
35. Franklin, Alfr. Dictionnaire des noms, surnoms et pseudonymes
latins de ]’histoire litteraire du Moyen-äge (1100—1530). Paris 1875,
        <pb n="343" />
        Bibliographische Nachschlagewerke Zu]
36. Gallardo, J. B. Ensayo de una biblioteca espafiola de libros
raros y curiosos. Madrid 1863—89. 4 Bde.
87. Gelehrten-Lexicon, Compendiöses. Nebst einer Vorrede Joh. Burchard
 Menckens. Leipzig 1715.
38. Georgi, Th. Allgemeines europäisches Bücher-Lexikon. Leipzig
1742—58. 5 Teile und 3 Suppl.
39. Ga, D. Systematisch geordnetes Repertorium der kath. theolog.
Literatur. Paderborn 1895—1904. 2 Bde.
40. Götten, G. W. Das: jetzt lebende gelehrte Europa (fortges. von
Rothluff und Strodtmann). Braunschweig 1735—75. 14 Bde.
41. GAraesel, Arnim. Handbuch der Bibliothekslehre. (%Leipzig 1902)
S. 493—507; ders., Führer für Bibliotheksbenutzung (*?Leipzig
1913) S. 96—215.
42, Grassauer, Ferd. Handbuch für österreichische Universitäts- und
Studien-Bibliotheken, sowie für Volks-, Mittelschul- und Bezirks-Lehrerbibliotheken
 ... (Wien 1883 [*Titel-Aufl. 1899]) S. 66 —86.
43. Graesse, J. &amp;amp;. Th. "Tresor de livres rares et precieux. Dresden
1859—69. 7 Bde.
44, Gubernatis, A. Comte de. Dizionario biografico degli serittori
contemporanei. Firenze 1879f. 2 Bde.
45. — — Dietionnaire international des ecrivains du jour. Florence
1888—91. 3 Bde. Suppl. Ebd. 1906.
46, — — Dicetionnaire international du monde latin. Rome, Florence
1905. Suppl. Ebd. 1906,
47. Hain, L.Repertorium bibliographicum ad a. 1500. Stuttgartiae et Lutetiae
 Par. 1826—38, 4 Teile. — Indices opera C. Burger. Lipsiae 1891.
Supplement v. W. A. Copinger (u. Konr. Burger). London 1895—1902,
3 Teile. Appendices dazu v. D. Reichling. München 1904 —9. 5 Fasz,
48. Halvorsen, J. B. Norsk Forfatter Lexikon 1814—80. Kristiania
1885—1908. 7 Bde.
49. Hamberger, Gg. Christoph. Zuverlässige Nachrichten von den vornehmsten
 Schriftstellern vom Anfange der Welt bis 1500. Lemgo
1756—64. 4 Teile.
50. — — Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden
teutschen Schriftsteller, Fortges. von Joh. Gg. Meusel u. a...
Lemgo 1796—1831. 22 Bde.
51. Heichen, P. H. Taschen-Lexikon der hervorragendsten Buchdrucker
und Buchhändler seit Gutenberg bis auf die Gegenwart. Leipzig 1884.
52. Heimbucher, M. Die Bibliothek des Priesters. Regensburg 1911.
53. Heinsius, W. Allgemeines Bücher - Lexikon oder vollständiges
alphabet. Verzeichnis der von 1700 bis Ende 1892 erschienenen
Bücher. Leipzig 1812—94. 19 Bde.
54. Hidalgo, D. Boletin bibliogräfico espafiol y estranjero. Madrid
1840—50. 11 Bde.

33
        <pb n="344" />
        332 Quellennachweise
55. Hidalgo, D. Boletin bibliogräfico espafiol. Madrid 1860—8.
9 Bde.
56. —, 0. O. Diccionario general de bibliografia espafiola. Madrid
1862—81. 7 Bde.
57. Hirsching, F. K, @. Historisch-literarisches Handbuch berühmter
und denkwürdiger Personen, welche in dem 18. Jahrhundert gestorben
 sind (fortgesetzt u. hgb. v. J. H. M. Ernesti). Leipzig
1794—1815 17 Bde.
58. Hummel, B. F. Neue Bibliothek von seltenen und sehr seltenen
Schriften, Nürnberg 1775—82. 11 Teile.
59. Hurst, J. F. Bibliotheca theologica. A select and classified
bibliography of Theology. New York 1883,
60. — — Literature of Theology. New York 1896.
61. Hurter, H. Nomenclator litterarius theologiae catholicae. *°Oeniponte
 1903—13. 5 Bde.
62. Jöcher, Christian Gottlieb. Allgemeines Gelehrten-Lexikon. Leipzig
1750f. 4 Teile; fortges. von Joh. Christoph Adelung (A—93) und
Heh. Wilh. Rotermund und 0. Günter (K—Rumulus und Nachtr,
zu K). Leipzig 1784—1897. 7 Bde.
63. Jordell, D. Repertoire bibliographique de la librairie francaise.
Paris 1901—.
64. Kayser, Ch. G. Vollst. Bücher-Lexikon (1750—1910). Leipzig
1834 —1912. 36 Bde. Ersetzt durch: Deutsches Bücherverzeichnis;,
hgb. v. Börsenverein der deutschen Buchhändler. Leipzig 1916—.
65. Langlois, Ch.-V, Manuel de bibliographie historique. *Paris 1901—4.
Premiere partie: Instruments bibliographiques,
66. Lermina, J. Dictionnaire universel illustre, biographique et bibliographique
 de la France contemporaine. Paris 1884 f.
67. Literaturkalender, Allgemeiner deutscher. Hgb. v. H. und J.
Hart, J. Kürschner u. a. Bremen (Leipzig) 1878— .
68. — Katholischer. Hgb. v. H. Keiter u. a. Regensburg (Essen)
1891—
69. Maittaire, M. Annales typographici ab artis inventae origine ad
a. 1664. Hagae Comitum 1719—41. 5 Bde. — Supplement v. M,
Denis. Viennae 1789,
70. Manuel de bibliographie biographique et d’iconographie des femmes
celebres. Turin und Paris 1892—1900. Mit Supplement.
71. Meusel, Joh. Gg. Lexikon der vom J. 1750—1800 verstorbenen
teutschen Schriftsteller. Leipzig 1802—16. 15 Bde. — S. auch
Hamberger n. 50.
72. Mezow. Sistematiczeskij katalog ruskim knigam. St. Petersburg 1869,
73. Minerva. Jahrbuch der Universitäten (fortges. u. d, T.: Jahrbuch
der gelehrten Welt). Hgb. v. R. Kukula und Karl Trübner u. a.
Straßburg 1891—
        <pb n="345" />
        Bibliographische Nachschlagewerke 333
74, Müller, F. Catalogus dissertationum et orationum theologicarum
defensarum et habitarum ab a, 1650—1850 in academiis Neer-Jandiae,
 Germaniae, Sueciae (10.375 Nummern). Amsterdam 1868,
75. Muiioz y Romero, T. Diccionario bibliogräfico - histörico de los
antiquos Reinos, Provincias, Ciudades, Villas, Iglesias y Santuarios
 de Espatia. Madrid 1858.
76. Niceron, J. P. Memoires pour servir &amp;amp; ]' histoire des hommes
illustres. Paris 1729—41. 42 Bde.
77. Othmer, G. Vademecum des Buchhändlers und Bücherfreundes.
SLeipzig 1903.
78. Oettinger, E. M. Bibliographie biographique universelle, ?Bruxelles
(Paris) 1854—66. 2 Bde.
79. — — Moniteur des dates, contenant un million de renseignements
biographiques, genealogiques et historiques. Dresde 1866—68. 6 Bde.
Supplement v. H. Schramm ((-Macdonald). Ehd. 1873—82, 3 Bde.
80. Ottino, G. e G. Fumagalli. Bibloteca bibliografica italiana. Catalogo
 degli seritti di bibliografia e biblioteconomia pubblicati in
Italia e di quelli riguardanti l’ Italia pubblicati all’ estero. Roma-Torino
 1889—1901. 2 Bde. und 3 Suppl.
81. Panzer, Gg. Wolfg. Annales typographici ad a. 1536. Norimbergae
1793—1803. 11 Bde.
82. Patrick, D. und F. H. George, Biographical Dictionary. London
1911.
83. Peignot, @. Manuel du Bibliophile. Dijon 1823. 2 Bde,
84, Perennds, F. Dictionnaire de bibliographie catholique, p. P.
l’ Abbe Migne. Paris 1858—60, 4 Bde.
85. Petzholdt, Jul, Bibliotheca bibliographica. Kritisches Verzeichnis
der das Gesamtgebiet der Bibliographie betreffenden Literatur des
In- und Auslandes . . . Leipzig 1866.
86. Plarr, V. G. Men and women of the time. London 1899.
87. Potthast, Aug. Bibliotheca historica medii aevl. Wegweiser durch
die Geschichtswerke des europäischen Mittelalters bis 1500 ..
?Berlin 1896. 2 Bde.
88. Proctor, R. An index to the early printed books in the British
Museum ... London 1898—1903. Bd. 1 und 2, 1.
89. Qui ötes-vous? Annuaire des contemporains, Paris 1908— .
90. Rahir, E. La bibliotheque de l’ amateur. Guide sommaire ä
travers”les livres anciens les plus estimes et les principaux ouvrages
 modernes. Paris 1907.
91. Richter, P. E. Adreßbuch der Professoren, Dozenten und Lektoren
der Universitäten. Leipzig 1891.
92, Rowveyre. E. Connaissances necessaires &amp;amp; un bibliophile, accompagn6es
 de notes critiques et de documents bibliographiques.
5Paris 1899. 10 Bde.
        <pb n="346" />
        3534 Quellennachweise
93. Sabin, J. A bibliography of bibliographies. New York 1887.
94. Schmersahl, E, F. Zuverlässige Nachrichten von jüngst verstorbenen
 Gelehrten. Zelle 1748.
95. — — Geschichte jetzt lebender Gelehrten. Langensalza 1751.
96. Schulte, F. J. Geschichte der Quellen und Literatur des kanonischen
 Rechtes von Gratian bis auf die Gegenwart. Stuttgart
1875—80. 3 Bde.
97. Schultz, 0. 4. Allgemeines Adreßbuch für den deutschen Buchhandel
 (jährlich). Leipzig 1839— .
98. Signerin, Ch. Repertoire bibliographique ä l’ usage des bibliotheques
 paroissiales, comprenant plus de 2000 ouvrages examines
sous le rapport du style etc. (1865—93). Lyon 1893.
99. Silva, J. F. Diecionario bibliogräfico Portuguez. Lisboa 1845.
100. Sommervogel. €. Bibliotheque de la Compagnie de Jesus, Bruxelles
 1890—1909. 10 Bde.
101. Sonnenschein, W. Svan, The best books. A reader’s guide to
the choice of the best available books in every departement of
science, art and literature. °London 1910—12, 2 Bde.
102. Stein, H. Manuel de bibliographie generale. Bibliotheca bibliographica
 nova. *%Paris 1898.
103. Stephen, Leslie und Sidney Lee. Dictionary of national Biography.
 London 1908—13. 26 Bde.
104. Thelert, @, Supplement zu Heinsius, Hinrichs und Kaysers Bücherlexikon.
 Grossenhain-Leipzig 1893.
105. Thesaurus librorum rei catholicae. Handbuch der Bücherkunde
der gesamten Literatur des Katholizismus [v. Ant. Ruland ?].
Würzburg 1848—50.
106. Universitätskalender, Deutscher. Hgb. v. F. Ascherson und W. Seelmann
 (jährlich). Berlin 1872—
107. Vallde, Leon, Bibliographie des bibliographies. Paris 1883. Suppl.
Ebd. 1887.!
108, Vapereau, @. Dictionnaire universel des contemporains, *Paris 1893,
Suppl. Ebd. 1895,
109. Vicaire, G. Manuel de 1’ amateur de livres du XIX. siecle. Paris 1894.
110. Watt, Robert. Bibliotheca Brittannica or a general index to british
and foreign literature. Edinburgh 1824, 4 Bde.
111. Who’s who. Ed. by D. Sladen (jährlich). London 1849-—.,
112. Who’s who in America. Ed. by John W. Leonard (alle 2 Jahre),
Chicago 1899—.
113. Who’s who, The Catholic. Ed. by F. C. Burnand. London 1907—.
114, Wilson, J. @., und J. Fiske. Appleton’s Cyclopaedia of American
 Biography. New York 1887—9, 6 Bde.
115. Witte, Heuning. Diarium biographicum. Danzig (Riga) 1688—1691.
% Bde.
        <pb n="347" />
        Allgemeine Bücherverzeichnisse a
116. Zeitgenossen- Lexikon, Deutsches. Leipzig 1905.
117. Zieler und Scheffer, Th. Das akademische Deutschland. Leipzig
1905—.
2) Allgemeine Bücherverzeichnisse:
118. Becker, Gust. Catalogi bibliothecarum antiqui. Bonnae 1885.
119. Catalogo analitico per soggetto in ordine alfabetico delle opere,
atlanti, carte e periodici. Ministero della Marina. Biblioteca Centrale.
 Roma 1913.
120. Catdälogo de la real biblioteca. Madrid 1898—.
121. Catalogue general des livres imprimes de la bibliotheque nationale
Paris 1897—.
122. —, General, of the British Museum Library. London 1881—99.
600 Lieferungen zu 250 Sp, Supplement seit 1900. — Auszüge
mit der Literatur zu einem bestimmten Stichwort (zB. „Academies“,
 „Aristotle“, „Bible“, „Jesus Christ“, „Periodical publications“)
 sind besonders erschienen u. d. T.: „Excerpts from general
catalogue of the British Museum%.
123. Ellendt, G. Katalog für die Schülerbibliotheken höherer Lehranstalten
 nach Stufen und nach: Wissenschaften geordnet. ‘Halle 1905.
124. Gesamtkatalog der preuss. wissenschaftlichen Bibliotheken (der
Univ.-Bibl. zu Berlin, Bonn, Breslau, Göttingen, Greifswald, Halle,
Kiel, Königsberg, Marburg, Münster und kgl. Hofbibliothek zu
Berlin). — Vgl. dazu Fr. Milkau, Zentralkataloge und Titeldrucke.
Leipzig 1898.
125. Gesamt- Verlags-Katalog des deutschen Buchhandels und des mit
ihm in direktem Verkehr stehenden Auslandes. Münster 1881—.
126. Indici e cataloghi delle biblioteche del Regno, pubblicati a cura
del Ministero della Pubblica Istruzione. Roma 1885—.
127. Katalog der Bibliothek des (deutschen) Reichstags. Berlin 1890—9.
4 Bde.
128. — des Börsenvereins der deutschen Buchhändler. Leipzig 1885
bis 1902.
129. — der Handbibliothek des Ausleihezimmers der k. Universitäts-Bibliothek
 München. *Erlangen 1902,
130. — der Handbibliotheken des Katalogzimmers und Lesesaales der
k, k.‘ Universitätsbibliothek in Wien. Wien 1904,
131. —, Sistematiteskoje, opisanije rukopisej Moskovskoj sinodalnoj
biblioteki. Moskau 1894—.
132. — russkich knig biblioteki imperatorskago S.-Peterburgskago universiteta.
 St. Petersburg 1897—.
133. — der Stadtbibliothek in Zürich. Zürich 1869—96.
134, List of the books of reference in the reading-room of the British
Museum. *London 1889.

333
        <pb n="348" />
        320 Quellennachweise
135. List of bibliographical works in the reading-room of the British
 Museum. (London) 1889.
136. [Omont, H.] Catalogue alphabetique des livres imprimes mis ä
la disposition des lecteurs dans la salle de travail (du departement
des manuserits de la biblioth&amp;amp;que nationale). Paris 1895.
137. Pagliaini, A. Catalogo generale della libreria italiana dal 1847
a tutto il 1910. Milano 1912. 6 Bde.
138. Verzeichnis der Bücher [der] Freiherrlich Karl von Rothschildsche[n]
 öffentliche[n] Bibliothek. Frankfurt a. M. 1892 —1904. 2 Bde.
139. — der Handbibliothek des Lesesaales: der Universitäts-Bibliothek
zu Leipzig. ?Leipzig 1900.
140. — der im großen Lesesaale (der kg. Bibliothek zu Berlin) aufgestellten
 Handbibliothek. *Berlin 1902.
141. — der im Lesesaale (der kgl. Universitäts-Bibliothek zu Göttingen)
aufgestellten Handbibliothek. Göttingen 1890.
142. — der Lesesaal- und Handbibliothek der Universitäts-Bibliothek
zu Berlin. °Berlin 1906.
143. Witney, J. Lymann. A catalogue of the bibliographies of special
subjects in the Boston public Library. Boston 1890.
3) Enzyklopädien:
Aus praktischen Gründen wurde in der Regel der Name des
Herausgebers als persönliches‘ Ordnungswort beibehalten, obwohl
 theoretisch meistens ein sachliches Ordnungswort erforderlich
 wäre.
a) allgemeine:
144. Andreev, J. E. EnciklopediGeskij Slovar. S. Petersburg 1890—,
145. Beach, Fred. Conv. The (Eneyclopaedia) Americana. New York
1906. 16 Bde.
146. Bouwillet, M. N. Dietionnaire universel d’histoire et de geographie.
 %Paris 1901.
147. — — Dietionnaire universel des sciences, des lettres et des arts.
14Paris 1884.
148. Brockhaus, F. A. Konversations- Lexikon. **Leipzig 1892—97.
17 Bde. — Neue Jubiläumsausgabe. Neudruck. Ebd. 1898. — Neue
Ausgabe. Ebd. 1908. 17 Bde. — Kleine Ausgabe. .°Ebd. 1906. 2 Bde.
149. Chamber’s Encyclopaedia. New. ed. London 1901. 10 Bde,
150. Conversations-Lexikon, Nordisk. °Kjobenhavn 1893.
151. Dezobry, L. C. und T, Bachelet. Dietionnaire general de biographie
 et d’ histoire, de mythologie, de geographie etc. *”Paris 1903,
% Bde.
152. Diaconovich, C. Enciclopedia romänä. Sibiniu 1896—1903. 3 Bde.
153. Diecionario enciclopedico Hispano-Americano de Literatura etc,
Barcelona 1887,

"A
        <pb n="349" />
        Enzyklopädien E27
154, Dictionnaire des antiquites grecques et romaines, Paris 1896—-,
155. Diderot, D. und J. L. d’ Alembert. Encyclopedie, Geneve, Neufchätel
 1751—72. 17 Bde Text, 11 Bde Tafeln. Supplement.
Amsterdam 1776f. 5 Bde.
156. Encyclopaedia Americana. New York 1883—9, 4 Bde.
157. — Britannica, The. Edinburgh 1910—11, 29 Bde,
158. — New International. New York 1903-—.
159. Encyclopedie, Allgemeene Nederlandsche, Zutphen 1865—68, 15 Bde.
160. Encyclopedie, La grande. Paris 1885— 1902. 31 Bde.
161. Encyelopedya powszechna. Warschau 1859—68. 28 Bde.
162. — — illustrowana, Wielka, Ebd. 1890—.
163. Ersch, J. S. u. J. G, Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften.
 Leipzig 1818—89. 167 Bde.
164. Gugrin, Encyclopedie universelle. *Paris 1905. 8 Bde.
165. Herbermann, Ch. &amp;amp;@. The (Catholic Encyclopaedia. New York
1907—12. 15 Bde.
166. Herders Konversations-Lexikon. °Freiburg i. B. 1901—07. 8 Bde.
167. Kürschner, Jos. Universal-Konversations-Lexikon. °Berlin s. a.
168, Larousse, Pierre. Grand dietionnaire universel du XIX. siecle.
Paris 1866—90. 18 Bde. — Verkürzte Ausgabe u. d. T.: Nouveau
Larowsse illustre. Ebd. 1897—1904. 7 Bde und Suppl.
169. Lübker, Fr. Reallexikon des klass. Altertums. Leipzig -Berlin
1914.
170. Mellados. Enciclopedia moderna. Madrid 1848—51. 34 Bde, Text
und 3 Bde. Atlas.
171. Meyers Konversations-Lexikon. Leipzig 1902—08. 20 Bde. — Kleine
Ausg. 7Ebd. 1906—14. 7 Bde,
172. Ottuv Slovnik naucny. Prag 1888—.
178. Pallcıs Nagy Lexikona. Budapest 1893—1900, 12 Bde. u. Suppl.
174. Pauly-Wissowa. Real-Enzyklopädie der klass. Altertumswissenschaft.
 *”Stuttgart 1894—.
175. Pierers Konversations-Lexikon. ’Hgb. v. Jos. Kürschner. Berlin
und Stuttgart 1888—93. 12 Bde, .
176. Pomba, Nuova Enciclopedia .popolare. *Torino 1875—89, 25 Bde,
Suppl. Ebd. 1888—.
177. Saint-Laurent, H. Dietionnaire encyclopedique usuel. Paris 1887.
178. Segui. Enciclopedia ilustrada. Diccionario universal, Barcelona
s. a. 7 Bde.
179. Smith, B. E. Cyclopaedia of Names. London [1894].
180. [Vallardi] Lexicon Vallardi. Enciclopedia universale illustrata,
Milano s. a. 10 Bde,
181. Winkler Prins, Geillustreerde Encyclopaedie. %onder hoofdredaktie
van H. Zondervan. Amsterdam 1905—.
182, Zedler, Joh. Hch. Großes, vollständiges Universal.Lexikon aller
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3, Aufl, a

35
AG,
        <pb n="350" />
        E33 Quellennachweise
Wissenschaften und Künste. Leipzig u. Halle 1732—54. 64 Bde.
und 4 Bde, Suppl.
b) religiöse:
183. Als, Adh. d’. Dietionnaire apologetique de la foi catholique.
Paris 1911—.
184. Baudrillart, A. Dictionnaire d’histoire et de geographie ecclesiastiques.
 Paris 1912—.
185. Buchberger, M. Kirchliches Handlexikon. München 1907—12. 2 Bde.
i86. Cabrol, F. Dietionnaire d’archeologie chretienne et de liturgie,
Paris 1907—.
187. Cheyne, T. K. und J. S. Black. Encyclopaedia biblica. London
1899— 1903, 4 Bde.
188. Encyclopaedia, The Jewish. New York und London 1901—7. 12 Bde,
189. — of Missions, The. New York 1904,
190. Glaire, Walsh u. a. Eneyclopedie theologique catholique. Lyon
und Paris 1846 f. 11 Bde.
191. Glubokovsky, N. N. Pravoslavnaja bogoslovskaja Encyclopedya.
St. Petersburg s. a.
192. Hastings, J. Dictionary of the Bible. Edinburgh 1898—1904. 5 Bde,
193. — — Dictionary of Christ and ihe Gospels. Ebd, 1906—8. 2 Bde.
194. — — Encyclopaedia of Religions and Ethics. Ebd. 1908—.
195. Herzog, J. J. und 4. Hauck. Realenzyklopädie für protestantische
Theologie und Kirche. %Leipzig 1896—1913. 24 Bde. ;
196. Holtzmann, H. und R, Zöpffel. Lexikon für Theologie u. Kirchenwesen.
 *Braunschweig 1895.
197. Houtsma, Th. Enzyklopädie des Islam. Leiden u. Leipzig 1908—.
198, Lessico ecclesiastico illustrato. Milano 1901—6. 4 Bde.
199. Lichtenberger, F, Encyclopedie des sciences religieuses. Paris
1877—82. 13 Bde.
200. Raebiger, J. F. Encyclopaedia of theology. Edinburgh 1884 f,
4 Bde. .
201. Schaaf-Herzog. A religious Encyclopaedia, or Dictionary of biblical,
 historical, doctrinal and practical theology. °New York 1891.
4 Bde.
202. Schäfler, Jos. Handlexikon der kath, Theologie. Regensburg 1900.
4 Bde.
203. Schiele, F. M. Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch
 in gemeinverständlicher Darstellung. Tübingen 1908 bis
1913. 5 Bde.
204. Slovnik apologetyczny. Warschau 1894—6. 3 Bde.
205. Smith, W. Dictionary of the Bible. °London 1893. 4 Bde.
206. — — und H. Wace. Dietionary of christian biography. London
1877—87. 4 Bde.
207. Vacant, A. Dictionnaire de theologie catholique. Paris 1899—.

422E
        <pb n="351" />
        Enzyklopädien, Allgemeine Literaturgeschichte 339
208. Vigouroux, F. Dietionnaire de la Bible. Paris 1895—1912. 5 Bde.
209. Wetzer, H. J. und B. Welte, Kirchenlexikon oder Enzyklopädie
der kath. Theologie. Freiburg 1882—1903. 13 Bde.
4) Allgemeine Literaturgeschichte:
210. Baumgartner, Alexander. Geschichte der Weltliteratur, Freiburg
i. Br. 1897—. %ebd. 1903—.
211. Ebert, Adolf. Allgemeine Geschichte der Literatur des Mittelalters
im Abendlande. Leipzig 1874—87. 3 Bde. (1? 1889).
212. Fabricius, J. Alb. Bibliotheca latina mediae et infimae aetatis.
Hamburgi 1734-—46. 6 Bde. ’Florentiae 1858.
213. Geschichte der Literatur der europäischen Völker, Berlin 1877—.
214. — der Weltliteratur in Einzeldarstellungen. Leipzig 1883—,
215. Gidel, Ch. und F. Lolide. Dictionnaire-manuel illustre des ecrivains
et des litteratures. Paris 1898. In: Bibliotheque de diectionnairesmanuels
 illustres.
216. Grässe, Joh. Gg. Theod. Lehrbuch einer allgemeinen Literärgeschichte
 aller bekannten Völker ... Leipzig 1837—59. 4 Bde.
(in 12 Tln.)
217. Grisebach, Ed. Weltliteraturkatalog eines Bibliophilen. *Berlin
1905. 2 Bde,
218. Gubernatis, A. Conte de. Storia universale della letteratura. Milano
1882-—85. 16 Bde.
219. Histories, Short, of the literatures of the world. Ed. by X. Gosse.
London 1898—.
220. Library, The, of literary history. London 1898--,
221. Literaturen, Die, des Ostens in Einzeldarstellungen. Leipzig 1901—.
222. Norden, Ed. Die antike Kunstprosa vom 6. Jahrh. v. Chr. bis in
die Zeit der Renaissance. °Leipzig 1909. 2 Bde,
223. Norrenberg, P. Allgemeine Geschichte der Literatur. Münster i. W,
1882—84. 3 Bde. %v. K. Macke. Ebd. 1896.
224. Sammlung iüllustrierter Literaturgeschichten. Leipzig 1896—.
295. Saxe, C. Onomasticon litterarilum sive nomenclator historicocritieus
 praestantissimorum . . ‚ scriplorum. Ultrajecti 1775—18083,
8 Bde.
226. Scherr, Joh. Illustrierte Geschichte der Weltliteratur. '*Jubiläumsausg.
 hg. v. 0. Haggenmacher. Stuttgart 1900,
227. Spemanns goldenes Buch der Weltliteratur. Leipzig 1901,
228. Vapereau, @}. Dictionnaire universel des litteratures. *?Paris 1884.
229. Wachler, L. Handbuch der Geschichte der Literatur. Frankfurt
a. M. 1822. 2 Bde.
5) Anonyme und pseudonyme Schriften:
230. Collin, E. Anonymer og pseudonymer i den danske, norske og
islandske literatur „... Kjobenhavn 1869, |

ot
        <pb n="352" />
        &amp;amp; Quellennachweise
231. Cotgreave, A. A selection of pseudonyms or fictitious names used
by wellknown authors, with the real names given. Also a number
of anonymous works with the authors given. London 1891.
932. Cushing, Will. Anonyms. London 1890. 2 Bde.
933. — — Initials and pseudonyms. London 1886—88. 2 Bde.
934. Dahlmann, Pet. Schauplatz der masquirten und demasquirten Gelehrten
 bey ihren verdeckten und nunmehr entdeckten Schrifften.
Leipzig 1710.
935. Dickson, W. P. How to procure full names for author-entries.
In: The Library 5 (1893) 16—19.
236 Doorninck, J. I. van. Bibliotheek van nederlandsche anonymen
en pseudonymen. ’s Gravenhage (1870).
237. Drujon, F. Les livres ä clef. Paris 1888. 2 Bde.
238. Ersch, J. S. Verzeichnis aller anonymischen Schriften und Aufsätze
 in der 4, Ausgabe des gelehrten Teutschlands und deren
1. und 2. Nachtrage. Lemgo 1788. In: Meusel, J. G. Das gelehrte
Teutschland. 4. Ausg. Supplement.
239. Fonseca, Mart. Ag. da. Subsidios para un diecionario de pseudonymos,
 iniciales e obras anonymas de escriptores portuguezes.
Lisboa 1896.
240. Frey, A. R. Sobriquets and nicknames. London 1887.
Franklin, Alfr. s. n. 35.
241. Graesel, Arnim. Handbuch der Bibliothekslehre (*Leipzig 1902)
205 f. 248 f.
242. Halkett, Sam., und John Laing. A dictionary of the anonymous
and pseudonymous literature of Great Britain. Edinburgh 1882 —88.
4 Bde.
243. Hayn, Hugo. Bibliographie der Bücher mit fingierten Titeln. In:
Zeitschr. f.. Bücherfreunde 3 (1899—1900) 1,84—90.
244. Heumann, Chr. A. De libris anonymis et pseudonymis schediasma.
 Jenae 1711.
245. Heylli, Gg. d’. Dietionnaire des pseudonymes. Nouv. €d. Paris 1887.
946. Hittmair, Ant. Hehlnamen salzburgischer Schriftsteller. In: Mitteilungen
 des öst. Vereins f. Bibliothekswesen 5 (1901) 134 f.
247. -— — Die Verfasser anonymer Salisburgensien. 2 Tle, Salzburg 1897 f,
248. Holzmann, Mich. u. Hanns Bohatta. Deutsches Anonymen-Lexikon
(1501-—1850). Weimar 1902—1911. 6 Bde, In: Schriften der
Gesellschaft der Bibliophilen.
949. — — Deutsches Pseudonymen-Lexikon. Wien u. Leipzig. 1906,
950. Hull, Chas. H. Helps for catalogues in finding full names. In:
Library Journal 14 (1889) 7—20.
251. Krüger, Hugo. Verfasser- und Vornamen-Ermittelung. In: Zentralbl.
f. Biblioth. 19 (1902) 328 —37.
952. Lancetti, V. Pseudonimia. Milano 1836.

‘40
        <pb n="353" />
        Anonyme und pseudonyme Schriften 341
953. Larva detracta h. e. Brevis expositio nominum, sub quibus
seriptores aliquot pseudonymi recentiores imprimis latere voluerunt.
 Veriburgi 1670.
954. Lane, M. Über Vornamenermittlung. In: Zentralbl. f. Biblioth.
13 (1896) 114—23. — Vgl. dazu Ch. Berghoeffer ebd. 275.
955. Manne, A. E. de. Nouveau dietionnaire des ouvrages anonymes
et pseudonymes. Nouv. ed. Lyon. 1862.
256. — — Nouveau recueil d’ouvrages anonymes et pseudonymes,
Paris 1834.
957. Marchmont, Fred. A concise handbook of ancient and modern
Jiterature, issued either anonymously, under pseudonyms or initials.
 London 1896.
958. /Melzi, Gaetano]. Dizionario di opere anonime e pseudonime di
serittori italiani o come che sia aventi relazione all’ Italia. Milano
1848—59. 3 Bde. Supplement v. Giambattista Passano. Ancona
1887, — Vgl. Rocco, E. (u. n. 268).
959. Mylius, Joh. Chph. Bibliotheca anonymorum et pseudonymorum
detectorum ad supplendum Placcii Theatrum. Hamburgi 1740.
9260. Onomatomorphosis, Virorum eruditorum. D. i. etlicher gelehrter
Männer gebrauchte Nahmensveränderungen. Frankenhausen 1720.
261. Pettersen, Hialmar. Anonymer 0g pseudonymer i den norske
literatur 1678—1890. Kristiania 1890.
262. Pietsch, K. Additions and corrections to author-entries in the
Catalogues of the Peabody Institute Library and of the British
Museum. In: Library Journal 18 (1898) 37—40.
263. Placcius, V. Theatrum anonymorum et pseudonymorum. Hamburgi
 1708. Vgl. Mylius, (0. n. 259).
264. Pseudonymi i cryptonymi pisorzöw polskich zebrata J.Z. Warschau
 1905.
265. Querard, J.-M. Les supercheries litteraires devoilees. Galerie des
gerivains francais de toute I’ Europe qui se sont deguises sous des
anagrammes, des asteronymes, des eryptonymes, des initialismes,
des noms litteraires, des pseudonymes . .. ?p. Gust. Brunet et
Pierre Jannet, suivie 1° du dietionnaire des ouvrages anonymes
p. Ant. Alex. Barbier® p. Olivier Purdi:; 2° d’une table generale
 des noms r6els des 6crivains anonymes et pseudonymes cites
dans les deux ouvrages. Paris 1869—82. 7 Bde. Supplement p.
Gust. Brunet. Ebd. 1889.
266. Rassmann, Fr. Kurzgefaßtes Lexikon deutscher pseudonymer
Schriftsteller... Mit einer Vorrede über die Sitte der lit. Verkappung
 v. J. W. S. Lindner. Leipzig 1830.
267. Rhodius, Jo. Auctorum supposititiorum catalogus. Hamburgi 1764.
268. Rocco, E. Anonimi e pseudonimi italiani. Supplemento al Melzi
e al Passano. Napoli 1888. — Vgl. n. 258.

Gi
        <pb n="354" />
        da Quellennachweise
269. Sablatzkij, M. Lexikon der Pseudonyme hebräischer Schriftsteller.
Berditschew 1902.
270. Schmidt, Andr. Gottfr. Gallerie deutscher pseudonymer Schriftsteller
 vorzüglich des letzten Jahrhundert. Grimma 1840.
271. Sommervogel, Carlos. Dictionnaire des ouvrages anonymes et
pseudonymes publies par des religieux de la Compagnie de Jesus,
Paris 1884,
272. — — Table des anonymes et pseudonymes (des 6crivains de la
Compagnie de Jesus) in: Backer, Aug. et Aloys de. Bibliotheque
de la Compagnie de Jesus. Nouv. 6d. pP. C. Sommervogel 9
(Paris 1900) c. 913—1464.
273. Uriarte, J. Eug. de. Catälogo razonado de obras anönimas y
seudönimas de autores de la Compaftia de Jesus pertenecientes ä
la antigua Asistenzia Espafiola. Madrid 1904,
274, Weller, Emil, Die falschen und fingierten Druckorte (der deutschen,
lat. u. franz. Schriften). 1 (deussche u. lat. Schr.) 2Leipzig 1864,
2 (franz. Schr.) auch u. d. T.: Dietionnaire des ouvrages francais
portant de fausses indications des lieux d’impression et des imprimeurs,
 Ebd. 1864.
275. — — Lexicon pseudonymorum. Wörterbuch der Pseudonyme aller
Zeiten und Völker.? Regensburg 1886.
276. — — Die maskirte Literatur der älteren und neueren Sprachen.
2Leipzig 1862—67. 4 Bde.
277. Zeitlin, William. Anagramme, Initialen und Pseudonyme neuhebr.
Schriftsteller und Publizisten seit dem Erscheinen der „Mesafim“ bis
auf unsere Tage. In: Ztsch. f. hebr. Bibl. 9, 81—90. 113—19. (S.
A. Frankfurt a. M. 1905.)
Über amerikanische Pseudonyme und Anonyme. bietet weitere
wertvolle Aufschlüsse die Zeitschrift: The American Täbrary
Journal. New York 1877—.
6) Bibliographie der Zeitschriften:
a) Geschichte der periodischen Literatur; Verzeichnisse:
278. Biblioteche Milanesi, Le. Manuale ad uso degli studiosi, seguito
dal saggio di un elenco di riviste e d’altre pubblicazioni periodiche
che si trovano nelle biblioteche di Milano. Milano 1914,
279. Catalogue of Periodicals contained in the Bodleian Library. Oxford
 1878. (1. English Periodicals. 2. Foreign Periodicals,)
280. Hlenco alfabetico delle pubblicazioni periodiche esistenti nelle
biblioteche di Roma e relative alle scienze morali, storiche, filologiche,
 belle arti etc. Roma 1914.
281. — dei giornali e delle opere periodiche che si pubblicano in
Italia. Roma 1887.

A
        <pb n="355" />
        Bibliographie der Zeitschriften Lad
282. — delle pubblicazioni periodiche ricevute dalle biblioteche pubbliche
 d’Italia nel 1884. Roma.
283. Fabricius, Joh. Alb. Brevis notitia alphabetica ephemeridum litterariarum
 . .., aucta et ad annum 1747 continuata a Johanne
Joach. Schwabio. In: Dan. Gg. Morhof, Polyhistor litterarius* 1
(Lubecae 1747) Sign. (a) bis (f) ohne Seitenzählung.
984. Grant. The newspaper press: its origin, progress and present
position. London 1871, 2 Bde. — Deutsch v. Duboc. Hannover 1893.
985. Grassauer, Ferd. Generalkatalog der laufenden periodischen Druckschriften
 an den österreichischen Universitäts- und Studienbibliotheken.
 Wien 1898.
986. Guthrie, A. L. Readers Guide to periodical literature. Minneapolis
1905. (Für Amerika):
987, Hartzenbusch, E. Periodicos de Madrid 1661—1870. Tabla cronolögica.
 Madrid 1876.
488. Hatin, E. Histoire politique et litteraire de la presse en France.
Paris .1859—61. 8 Bde.
289. — — Bibliographie historique et critique de la presse periodique
francaise. Paris 1866 (mit einem „Essai historique et statistique
sur la naissance et les progres de la‘ presse periodique dans les
deux mondes“).
290. — — Les gazettes de Hollande et la presse clandestine aux 17°
et 18° siecles. Paris 1865.
991. Heidenheimer, Hch. Von Zeitungen und Zeitschriften in älterer
und neuerer Zeit. In: Zts, f. Bücherfreunde 7 (1903—4) 2, 337—40.
292, Josephson, A. @. L. Bibliography of union lists of periodicals
1864—99. S. 1. 1899.
993. Kürschner, Jos. Handbuch der Presse, Berlin 1902.
994, Le Soudier, H. Catalogue-tarif des journaux, revues et publications
 periodiques publies &amp;amp; Paris. Paris s. a.
295. List, A, of periodicals, newspapers, transactions and other serial
publications currently received in the principal libraries of Boston
and vieinity. Boston 1897—.
296. Liste des periodiques etrangers (du departement des imprimes de
la bibliotheque nationale). Paris 1896—.
997. Preisliste der durch das kais. Post-Zeitungsamt in Berlin und die
kais. Postanstalten des Reichs-Postgebietes zu beziehenden Zeitungen,
 Zeitschriften usw. Berlin 1876 —.
298, Preis- Verzeichnis der ausländischen Zeitungen. Wien 1851—71.
299, — — der in der österreichisch-ungarischen Monarchie und im
Auslande erscheinenden Zeitungen und periodischen Druckschriften,
bearb. v. der k. k. Postamts-Zeitungs-Expedition in Wien. Wien
1872—. (Vereinigung des früheren „Verzeichnis“ für die inländischen
u. „Preis- Verzeichnis“ für die ausländischen Zeitungen u. Zeitschriften).

ZAf
        <pb n="356" />
        344 Quellennachweise
300. Prutz, Rob. Geschichte des Journalismus. 1. Hannover 1845.
301, Publications, Periodical. Excerpts from General Catalogue of the
British Museum. London 1899—1900. 6 Teile nebst Index. -
302. Salomon, Ludw. Geschichte des deutschen Zeitungswesens von den
ersten Anfängen bis zur Wiederaufrichtung des deutschen Reiches.
Berlin 1900—6. 3 Teile (1? 1906),
303. — — Allgemeine Geschichte des Zeitungswesens (Sammlung
Göschen 351). Leipzig 1907.
304. Schlossar, Ant. Taschenbücher und Almanache zu Anfang unseres
Jahrhunderts. In: Zeitschr. f. Bücherfreunde 3 (1899—1900) 1,49
bis 64; 2,298 —315.
305. Tavernier, Eug. Du journalisme. Son histoire, son röle politique
et religieux. Paris 1902,
306. Verzeirhnis der Zeit- und Vereinsschriften der kgl Bibliothek zu
Berlin. Berlin 1892. Neu erschienen u. d. T.: Alphabetisches Ver-Zeichnis
 der laufenden Zeitschriften [an der] kgl. Bibliothek zu
Berlin. Berlin 1906 (November); ? ebd. 1908 (März).
307. Zenker, Ernst Vikt. Bibliographie zu einer allgemeinen Geschichte
des Zeitungswesens. Wien 1904.
b) Einige für die Bibliographie und die allgemeine Literaturkunde
 wichtige Zeitschriften :
308. Academy, The. A monthly record of literature, learning, science
and art. London 1869—.
309. Anuario del cuerpo facultativo de Archiveros, Bibliotecarios y
Anticuarios. Madrid 1882 f. 2 Bde.
310. Athenaeum, The. Journal of literature, science, the fine arts,
music and the drama. London 1827—.
311. Bibliographe, Le, moderne. Courier international des archives et
des bibliotheques, p. sous la direction de H. Stein. Paris 1897—
312, Bibliographer, The. New York 1902—,
313. Bibliographie catholique. Paris 1841—78, 50 Bde,
314. Boletin de la Libreria. Madrid 1874-—,
315. Bollettino bibliografico della Unione tipografico-libraria cattolica.
Roma 1906—,
316, Bülletin critique de litterature, d’histoire et de theologie. Paris
1880 — 1910.
317. Chambers, W. und R. Conecise Gazetteer of the World. London
1906 —,
318. Ciwviltäa Cattolica, La. (Napoli, Firenze,) Roma 1850—.
319. Echo, Das literarische. Halbmonatsschrift für Literaturfreunde.
Berlin 1898—.
320. Evans, C. American bibliography. Chicago 1913—.
        <pb n="357" />
        Bibliographie der Zeitschriften 345
321. Handweiser, Literarischer, zunächst für das kath. Deutschland.
Münster 1862—.
322. Jahrbuch der deutschen Bibliotheken. Leipzig 1909.
323. Journal, The American Library. New York 1877—.,
324. Journal, Le, des scavans. Paris 1665—,. Seit 1816 u. d. T.:
Journal des savants.
325. Library, The. London 1889—.,
326. — World, The. London 1899—.
327. Literaturblatt, Österreichisches. Wien 1892—. Seit 1899 u. d. T.-Allgemeines
 Literaturblatt.
398. Literature. Published by The Times. [London 1897—.]
329. Literaturzeitung, Allgemeine. Jena (Halle u. Leipzig) 1785—1849.
330. — Deutsche. Berlin 1880—,
331. Mitteilungen des österreichischen Vereins für Bibliothekswesen.
Wien 1897—.
332. Moniteur bibliographique. Lyon 1892 —
333. Nation, The. New York 1865—.
334, News, The literary. New York 1880—.
335. Polybiblion. Revue bibliographique universelle, Paris 1868—.,
336. Review, The Dublin. London 1836—-.
337. —, The Quarterly. London 1809—.
338. Revista de archivos, bibliotecas y museos, Madrid 1871—.
339. Revue bibliographique belge. Bruxelles,
340. — des bibliotheques. Paris 1891—.
341. — critique d’histoire et. de litterature. Paris 1866—.
342. Rivista delle biblioteche. Firenze 1888—.,
343. Rundschau, Literarische. Aachen 1875—. MFortgesetzt u. d. T.:
Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Freiburg
 i. B. 1881—.
344, Serapeum, Zeitschrift f. Bibliothekswissenschaft, Handschriftenkunde
und ältere Literatur. Leipzig 1840—1870. (s. auch n. 432).
345. Stimmen aus Maria-Laach. Fortges. u. d. T.: Stimmen der Zeit.
Freiburg i. B. 1871—. Ergänzungshefte. Ebd. 1876—.
346. Studien. Tijdschrift voor Godsdienst, Wetenschap en Letteren.
Nijmegen 1869—.
347. Tijdschrift voor boek- en bibliotheekwezen. Antwerpen 1903—.
348. Weekly, The publishers. New York 1852—.
349. Year-Book, The library association. London 1895—.
350. — The literary. London 1897—.,
351. Zeitschrift für Bücherfreunde. Bielefeld und Leipzig 1897—.
352. —, Byzantinische. Leipzig 1892—. Ergänzung dazu u. d. T:: Byzantinisches
 Archiv. Ebd. 1898—,
353. Zeitungen, Göttingische, von gelehrten Sachen. Göttingen 1739—.
Fortgesetzt u. d. T.. Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen.
        <pb n="358" />
        Quellennachweise
1753—1801. Dann: Göttingische gelehrte Anzeigen. 1802 —. Dazu
die Beilage: Zugabe zu den Göttingischen Anzeigen von gelehrten
Sachen. 1770—82. Später: Nachrichten von der Georg-Augusts-Universität
 u. der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen,
1845—863. Dann u. d. T.: Nachrichten der kgl. Gesellschaft der
Wissenschaften u. der Georg-August-Universität 1864—93. Zuletzt
u. d. T.: Nachrichten von der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften
zu Göttingen. 1895—,
354, Zentralblatt für Bibliothekswesen. Leipzig 1884—.
355. — Literarisches, für Deutschland. Hg. von F. (jetzt Ed.) Zarncke
Leipzig 1851—.
c) Theologische Zeitschriften:
356. Abhandlungen, Alttestamentliche. Münster 1908 —,
357. — Kirchengeschichtliche. Breslau 1902-—.
358. — Neutestamentliche. Münster 1908—.
359. ’Aldeum, ’Exxhnosaotixn. Athen, Konstantinopel 1881—.
360. Analecta Bollandiana. Paris, Bruxelles 1882 —.
361. Annales du Musee Guimet. Bibliotheque de vulgarisation, Paris
1889—. Bibliotheque d’ 6tudes. Ebd. 1892—.
362. Archiv für kath. Kirchenrecht. Mainz 1857—.
363. — für Literatur und Kirchengeschichte des Mittelalters. Berlin,
Freiburg i. B. 1885—1900, 7 Bde.
364. — für Religionswissenschaft, Freiburg i. B., Tübingen 1898—.
365. Beiträge zur Förderung christlicher Theologie. Gütersloh 1897—.
366. Bibliotheca Sacra, The. Oberlin (Ohio) 1844--,
367. Bulletin d’ ancienne litterature et d’arch6ologie chretienne. Paris
1911—.
368. — de litterature ecclesiastique. Paris 1901—.
369. Comment and Criticism. A Cambridge Quarterly Paper for the
discussion of current religious and theological questions. London
1913—.
370. Echos d’ Orient. Paris 1897—.
371. Ktudes Franciscaines. Paris 1899—.
372. — de theologie, de philosophie et d’histoire. Fortges. u. d. T.:
Etudes religieuses, historiques et litteraires, Paris 1857—.
373. Expositor, The. London 1875—.
374. Forschungen zur christlichen Literatur- und Dogmengeschichte.
Mainz 1900—.
375, Journal, The American, of Theology. Chicago 1897—.
376. — The Hibbert. Quarterly Review of religion, theology and
philosophy. London, Oxford 1902—,
377. —, The, of theological studies. London 1899—.
378. Literaturblatt, Theologisches. Leipzig 1880—.

ZA
        <pb n="359" />
        Bibliographische Zeitschriften
379. Literaturzeitung, Theologische. Leipzig 1876—.
380. Quartalschrift, Theologische. Tübingen 1819—.,
381. Quarterly, The Irish Theological. Dublin 1906—
382. Recherches de science religieuse. Paris 1910—.
383. Review, The Church Quarterly. London 1875—,
384, —, The Jewish Quarterly. London 1889—.
385. —, The Presbyterian and Reformed. Fortgesetzt u. d. T.: The
Princeton Theological Review. Philadelphia 1890—.
386. Revue benedietine. Maredsous, Paris 1884—,
387. — biblique internationale. Paris 1892—,
388. — chretienne. Paris 1854—,
389. — du clerge francais. Paris 1894—,
390. — d’histoire ecclesiastique. Louvain 1900—.
391. — d’histoire et de litterature religieuses, Paris 1896—.
392. — d’histoire des religions. Paris 1880—.
393. — du monde musulman. Paris 1906—.
394, — n60o-scolastique. Louvain 1904—.
395. — de l'’Orient chretien. Paris 1896—.
396. — des sciences philosophiques et theologiques. Kain, Paris 1907—
397. —, Theologische. Münster 1902—.
398. — Thomiste. Paris 1892—,
399. Rivista storico-critica di scienze teologiche. Roma 1905—10. 6 Bde,
400. Seuola cattolica, La nuova. Milano 1873—,
401. Studia biblica by the members of the University of Oxford. Fortgesetzt
 u. d. T.: Studia biblica et ecclesiastica. Oxford 1885—1900.
5 Bde.
402. Studien, Biblische. Freiburg i. B. 1895—.
403. — zur Geschichte der Theologie und der Kirche. Fortges. u. d. T.
Neue Studien zur Geschichte der Theologie und Kirche. Leipzig,
Berlin 1897—.
404, —, Straßburger theologische. Freiburg i. B. 1894—1907. 14 Bde.
405. — und Kritiken, Theologische. Hamburg, Gotha 1828—,
406. —, Theologische, der Leo-Gesellschaft, Wien 1898—,
407. Times, The Expository. Edinburgh 1889—,
408. Universit€ Catholique, L’. Lyon 1889—.
409. Versuche, Religionsgeschichtliche. Gießen 1903—.,
410. World, The Biblical, continuing the Old and New Testament
Student. Chicago 1893—.
411. Zeitfragen, Biblische. Münster 1908—,
412. Zeit- und Streitfragen, Biblische. Berlin 1905—.
413. Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Gießen 1881—,
414. —, Biblische. Freiburg i. B. 1903—.
415. — für katholische Theologie. Innsbruck 1877—,
416. — für Kirchengeschichte. Gotha. 1876—,

347
        <pb n="360" />
        348 Quellennachweise
417. —, Neue kirchliche. Erlangen, Leipzig 1890—.
418. — für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde des
Urchristentums. Gießen 1900—.
419. — für Theologie und Kirche. Freiburg, Tübingen 1891—.
420. — für wissenschaftliche Theologie. Leipzig 1858—.
d) Bibliographische Hilfsmittel über den Inhalt der Zeitschriften
 :
A421. Catalogo metodico degli seritti contenuti nelle pubblicazioni periodiche
 italiane e straniere. Roma 1885—95. 5 Bde. In: Biblioteca
della Camera dei Deputati.
422, Dietrich, F. Bibliographie der deutschen Zeitschriften-Literatur.
Leipzig 1897—. Supplement : Bibliographie der deutschen Rezensionen
 mit Einschluß der Referate und Selbstanzeigen. Ebd. 1901—.
423. Gomme, G. L. Index of archaeological papers. 1665—1890. London
 1907.
4924. Index, The annual, of periodicals and photographs for 1890.
London 1891. Fortges. u. d. T.: Index to the periodical literature
of the world ... . (für 1891 ete.). Ebd. 1892—.
495. —, Cumulative, to a selected list of periodicals, Cleveland 1896—.
426. Jordell, D. Repertoire bibliographique des principales revues
francaises (pour l’annee 1895 ete.). Paris 1898—.
427. Notes and Queries. General Index. London 1896—1904.
428. Palmers Index to the Times Newspaper. 1805—1907. London
1908. 94 Bde,
429. Polybiblion, Partie technique, Paris 1868—.
430. Poole, W. Fr. An index to the periodical literature (1802—81),
Revised edition. London 1891. 2 Bde. Supplemente v. W. Fr. Poole
und W. J. Fletcher. London 1882—1907. 5 Bde.
431. Presse Belge, La. Repertoire general. Bruxelles 1895.
432. Proctor, Rob. A classified index to the Serapeum. London 1897.
433. Repertorium, Bibliographisches. Berlin 1904—. In: Veröffentlichungen
 der deutschen bibliographischen Gesellschaft.
434. Richardson, E. C. An alphabetical subject index. . . Encyclopaedia
to periodical articles in religion (1890—9). New York 1908.
Bei den meisten größeren Zeitschriften ist die Übersicht über
den Inhalt auch durch die von Zeit zu Zeit erscheinenden Generalregister
 erleichtert.
7) Nachweis der neuerscheinenden Literatur:
435. Accessions-Katalog, utgifven af kgl. biblioteket (für die öffentlichen
Bibliotheken Schwedens). Stockholm 1886—.
436. Bibliografia Espafiola. Cırguno oficial de la Asociaciön de la libreria
de Espafia, Madrid 1900—.

3€
        <pb n="361" />
        Nachweis der neuerscheinenden Literatur 9
437. Bibliographia universalis. Publication cooperative de l’ office international
 de bibliographie. Bruxelles 1897—.
438. Bibliographie de la France. Journal general de l’imprimerie et
de la librairie. Paris 1811—.
439. Bibliographie, Orientalische. Berlin 1888—.
440. Book-Prices current. A record of the prices at which books have
been sold at auetion. London 1886—.
A441. — —, American. New York 1898—.
442. Brockhaus, F. A. Allgemeine Bibliographie. Monatliches Verzeichnis
 der wichtigeren neuen Erscheinungen der deutschen und
ausländischen Literatur. Leipzig 1856—.
443. Bulletin mensuel des publications etrangeres (acquises par la
bibliotheque nationale). Paris 1874—.
444, — — des recentes publications francaises. Paris 1877—.
445. Bullettino delle opere moderne straniere acquistate dalle biblioteche
 pubbliche governative del regno d’Italia. Roma 1886—.
446. Catalogue of the accessions to the Brit. Mus. Libr. London 1880—.
447. —, The american (von 1876 an). New York 1880—.
448. —, The english (von 1835 an). London 1858—.
349. Fletcher, W. J., und R. R. Bowker. The annual literary Index.
Fortges. u. d. T.: The annual library Index. New York 1893—.
450. Forteseue, @. K, Subiect-Index of the modern works added to
the library of the British Museum. London 1903—.,
451. Georg, Karl (und L. Ost.). Schlagwort-Kat. (1883 —1912). Hannover
1889—1913. 7 Bde. Ers. durch Deutsch. Bücherverzeichnis s. 0. n. 64,
452. Hinrichs, J. C. Verzeichnis der im deutschen Buchhandel erschienenen
 Bücher, Landkarten, Zeitschriften. ... Leipzig 1798, wöchentlich
 seit 18492, vierteljährlich seit 1846, fünf). seit 1856, dreij.
seit 1910. — Das „Wöchentliche Verzeichnis der erschienenen und
der vorbereiteten Neuigkeiten des deutschen Buchhandels“ wird
jetzt herausgegeben vom Börsenverein der deutschen Buchhändler,
dessen „Deutsches Bücherverzeichnis“ auch Hinrichs’ Mehrjahrskataloge
 ersetzt (s. n. 64).
453. Jahresbericht über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft.
 Berlin 1873-—.
454. — der Geschichtswissenschaft. Berlin 1878—.
455. -——, Theologischer. Berlin 1882—.
456. Jahrbuch der Bücherpreise. Leipzig 1907—.
457. List, Annual, of new and important books added to the public
Library of Boston. Boston: 1595—.
458. Liste alphabetique des nouvelles acquisitions [des bibliotheques
universitaires de France]. Montpellier 1895—.
459. Lorenz, O0. Catalogue general de la librairie francaise (von 1840
an). Paris 1867-—. Anastatischer Neudruck Paris 1897-—.

24
        <pb n="362" />
        35) Quellennachweise
460. Reference-Catalogue, The, of current Literature, London 1898-—.
461. Repertoire des ventes publiques cataloguees. Paris 1894 f, Seitdem
fortgesetzt von der Revue biblio-iconographique,
462. Verzeichnis der aus der neu erschienenen Literatur von der kgl.
Bibliothek zu Berlin erworbenen Druckschriften. Berlin 1892—.
463. Year-book, Literary (for the current year). London 1899—,
464. Zuwachsverzeichnis der Bibliotheken in Zürich. Zürich 1898-—.
Außerdem werden von den meisten größeren Verlagsbuchhandlungen
 und Antiquariaten Kataloge und Berichte über Neuerscheinungen
 und Neuerwerbungen ausgegeben. Für die einzelnen
Fächer sind die Bibliographien in den Fachzeitschriften und Jahresberichten
 zu vergleichen.
8) Schulschriften und Veröffentlichungen
gelehrter Gesellschaften:
Das vollständigste Verzeichnis der hieher gehörigen Schriften
bietet die Abteilung „Academies“ des Catalogue of printed books
des British Museum (5 Teile mit zusammen 1018 Spalten und ein
Index mit 100 Spalten in Folio. London 1885 f). Eine Auswahl
geben Aug. Boeckh, Encyklopädie und Methodologie der philologischen
 Wissenschaften (*Leipzig 1886) 52; Arnim Graesel,
Handbuch der Bibliothekslehre (*Leipzig 1902) 180—2; ders.,
Führer für Bibliotheksbenutzer (%Leipzig 1913) 103—6; Ernst
Bernheim, Lehrbuch der hist. Methode (*Leipzig 1908) 271 f., u. a.
— Für die systematischen Verzeichnisse der einschlägigen Schriften
ist außerdem die Fachliteratur der einzelnen Gebiete zu vergleichen
(vgl. Graesel, Handbuch 289).
465. Annuaire des societe&amp;amp;s savantes de la France et de l’Etranger
publie sous les auspices du Ministere de ]’Instruction publique.
Paris 1846, Annee 1. — Nicht mehr erschienen. Später fortges.
u. d. T.: Revue des societes savantes de France et de l’ Etranger.
Paris 1848. T. 1. Janvier—Fevrier. Später u. d. T.: Revue des
societes savantes de la France et de I’ Etranger, publiee sous les
auspices du Ministre de ]’Instruction publique et des Cultes.
Paris 1856—58. 5 Bde. Fortgesetzt u. d. T.: Revue des societes.
savantes des Departements ... Paris 1859—.
466. Bericht über die Schriften, welche die kgl. sächs. Gesellschaft der
Wissenschaften in Leipzig seit ihrem Bestehen bis jetzt veröffentlicht
 hat. Leipzig 1875.
467. Bittner, J. Systematisch geordnetes Verzeichnis der Programmarbeiten
 österreichischer Mittelschulen aus den Jahren 1874—89,
Teschen 1890 f. 2 Teile.
468. Bowker, R. R. Publications of Societies. A provisional list of the
publications of American scientific, literary and other Societies
New York 1899,

"r
        <pb n="363" />
        Schulschriften 551
469. — — State publications. A provisional list of the official publications
 of the several states of the U. S. New York 1899—.
470. Büeler, G. Verzeichnis der Programmbeilagen der schweizerischen
Mittelschulen. Frauenfeld 1890.
471. Calvary, Die Schulprogramme und Dissertationen und ihr Vertrieb
 durch den Buchhandel ... Nebst einem Verzeichnis der
im J. 1863 erschienenen Programme u. Dissertationen. Berlin 1865.
472. — Verzeichnisse der Universitäts- und Schulschriften aus den
Jahren 1864—68. Berlin 1865—69, 5 Teile.
473. Catalogue des dissertations et 6crits academiques provenant des
6changes avec les universites 6trangeres et recus par la bibliotheque
 nationale. Paris 1884— (jährlich).
474. — des livres publies en langues 6trangeres par l’ Academie imperiale
 de St.-Petersbourg. St.-Petersbourg 1854.
475. — des livres publies par l’Academie imperiale des sciences.
St.-Petersbourg 1876—.
476. — of scientific papers (1800—1873) compiled and published by
the royal Society of London. London 1867—.
477. — des theses et 6crits academiques. Paris 1885— (jährlich).
478. Delaunay, H. Les societes savantes de France. Notes et renseignements.
 Paris 1902,
479. Fesenbeckh, Fr. Das Programmeninstitut im Großherzogtum Baden
nebst einer Zusammenstellung sämtlicher seit 1837 von den
badischen Lyceen und Gymnasien veröffentlichten Programmbeilagen.
 Rastatt 1888.
480. Gruber. Verzeichnis sämtlicher Abhandlungen in den auf preußischen
 Gymnasien erschienenen Programmen von 1825—37 nach
dem Inhalt wissenschaftlich geordnet. Berlin 1840.
481. Gutenäcker. Verzeichnis aller Programme, welche an den kgl.
bayer, Lyceen, Gymnasien und latein. Schulen 1823/24—1859/60
erschienen sind. Bamberg 1862. — Fortgesetzt von J. G. Zeiss
1860/61 — 1883/84; von E. Henn 1884/85 — 1894/95. Landshut
1874—96.
482. Gutscher, J. Systematisch geordnetes Verzeichnis des wissenschaftlichen
 Inhaltes der von den österr, Gymnasien und Realgymnasien
 in den J. 1850—67 veröffentlichten Programme, Marburg
 1868. T. I.
483 Hahn, G. Systematisch geordnetes. Verzeichnis der Abhandlungen,
Reden und Gedichte, die in den an den preuß. Gymnasien und
Progymnasien von 1842—60 erschienenen Programmen enthalten
sind. Salzwedel und Magdeburg 1854—64, 2 Teile. _
484. Hanus, I. J. Systematisch-chronologisch geordnetes Verzeichnis
sämtlicher Werke und Abhandlungen der kgl. böhm. Gesellschaft
der Wissenschaften. Prag 1854.

Or
        <pb n="364" />
        3 Quellennachweise
485. Hericourt, Achm:t D’. Annuaire des societes savantes de la France
et de ]l’Etranger. Paris 1863—6. 3 Bde.
486. Hübl, F. Verzeichnis derjenigen Abhandlungen und Reden, welche
in Mittelschulprogrammen Österreich-Ungarns (1850—73) und in
jenen von Preußen (1852—72) und Baiern (1863—73) enthalten
sind. Czernowitz 1869—74. 2 Teile.
487. Jahrbuch, Statistisches, der höheren Schulen Deutschlands, Luxemburgs
 und der Schweiz. Neue Folge von Mushackes Schulkalender.
Leipzig 1880 — (jährlich). Gibt eine systematische Zusammenstellung
 der von den Gymnasien, Real- und höheren Bürgerschulen
Deutschlands und von den Gymnasien Österreichs veröffentlichten
Abhandlungen.
488, Jahresverzeichnis der an den deutschen Schulanstalten erschienenen
Abhandlungen. Berlin 1890 — (jährlich). — Vgl. dazu die Ergänzungen
 von E. Roth in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 9
(1892) 288 f und R. Klussmann ebd. 14 (1897) 137—9; 15 (1898)
431—3.
489. — der an den deutschen Universitäten erschienenen Schriften
Berlin 1887 — (jährlich). — Dazu: Sachregister I—V. Berlin
1891.
490. Jahresverzeichnis der schweizerischen Universitätsschriften. Hgb.
von C. Chr. Bernoulli. Basel 1898 — (jährlich).
491. Inhaltsverzeichnis der Abhandlungen der kgl. Akademie der Wissenschaften
 aus den J. 1822—72. Berlin 1873. (Nach den Klassen
geordnet).
492. Josephson, A. G@. S. Avhandlingar ock program utgivna vid svenska
ock finska akademier ock skolor under aren 1855—90. Upsala
1892—98.
493. Klussmann, R. Systematisches Verzeichnis der Abhandlungen,
welche in den Schulschriften sämtlicher an dem Programmaustausche
 teilnehmenden Lehranstalten von 1876—1900 erschienen
sind. Leipzig 1889—1903. 4 Bde.
494. Lasteyrie, Rob. de. Bibliographie des travaux historiques et
archeologiques publies par les societes savantes de la France.
Paris 1888—1909. 5 Bde.
495. M.D.[B.C. F.de Laverdy]. Tableau general raisonne et methodique
 des ouvrages contenus dans le recueil des Memoires de
V' Academie Royale des Inseriptions et Belles - Lettres depuis sa
naissance jusques et compris l’ annee 1788 ... Paris 1791.
496. Lechner, J. J. Möglichst vollständiges alphabetisches Verzeichnis
der in Deutschland und anderen Ländern herausgekommenen Dissertationen.
 Nürnberg 1826,
497. Maire, A. Repertoire alphabetique des theses de doctorat &amp;amp;8
lettres des universites francaises 1810—1900, Paris 1903.

9
        <pb n="365" />
        Schulschriften 58
498, Milkau, Fritz. Verzeichnis der Bonner Universitätsschriften 1818
bis 1885. Bonn 1897.
499. Monatsbericht, Bibliographischer, über neu erschienene Schul- und
Universitätsschriften. Hgb. von @. Fock. Leipzig 1890 —(monatlich).
500. Müller, J. Die wissenschaftlichen Vereine und Gesellschaften
Deutschlands im XIX. Jahrhundert. Berlin 1883—87, ,
501. Reiche, S. @. Geordnetes Verzeichnis des Inhaltes der seit 1825—40
erschienenen Programme der preußischen Gymnasien und einiger
Gymnasien anderer deutschen Staaten, welche dem Programmentausche
 beigetreten sind. Breslau 1840,
502. Reuss, J. D. Repertorium commentationum a societatibus litterarläis
 editarum secundum ‚diseiplinarum ordinem . .. Gottingae
1801—21. 16 Bde.
503. Rezitre, E. de, und E, Chatel. Table generale et methodique‘ des
memoires contenus dans les recueils de 1’ Academie des Inscriptions
 et Belles-Lettres et de 1’ Academie des Sciences morales et
politiques. Paris 1856,
504. Tableau general methodique et alphabetique des matieres contenues
 dans les publications de 1’ Academie Imperiale des sciences
de St.-Petersbourg depuis sa fondation. St.-Petersbourg 1872—75.
2 Teile.
505. Terbeck, J. Geordnetes Verzeichnis der Abhandlungen, welche in
den Schulschriften sämtlicher an dem Programmaustausche teilnehmenden
 Lehranstalten vom J. 1864—68 erschienen sind
Münster 1868,
506. Verzeichnis der Abhandlungen der kgl. preuß. Akademie der
Wissenschaften von 1710—1870 in alphabet. Folge der Verfasser.
Berlin 1871.
507. — sämtlicher von der k. Akademie der Wissenschaften seit ihrer
Gründung bis zum letzten Oktober 1868 veröffentlichten Druckschriften.
 Wien 1868.
508. — der Berliner Universitätsschriften 1810—85. Hgb. von der k.
Universitätsbibliothek zu Berlin. Berlin 1899.
509. — der an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg vom Sommersemester
 1872 bis Ende 1884 erschienenen Schriften, Straßburg 1890.
510. Vetter, W. Geordnetes Verzeichnis der Abhandlungen, welche in
den Schulschriften sämtlicher an dem Programmaustausch teilnehmenden
 Lehranstalten vom J. 1851—63 erschienen sind. Luckau
1864 f. 2 Teile.
511. Walther, Ph. A. F. Systematisches Repertorium über die Schriften
sämtlicher historischen Gesellschaften Deutschlands. Darmstadt
1845.
51%. Wegner, @. Generalregister zu den Schriften der kgl. böhm. Gesellschaft
 der Wissenschaften 1784—1884, Prag 1884.
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3, Aufl, 93

&amp;amp;”
        <pb n="366" />
        354 Quellennachweise
513. Winiewski, F. Systematisches Verzeichnis der in den Programmen
der preuß. Gymnasien und Progymnasien, welche in den J. 1825
bis 1841 erschienen sind, enthaltenen Abhandlungen, Reden und
Gedichte. Münster 1844,
514. Yearbook of the scientific and learned Societies of Great Britain
and Ireland. London 1884 — (jährlich).
9) Allgemeine Handschriftenverzeichnisse:
Für unseren Zweck mag der Hinweis auf einige Handbücher
genügen, in denen ausführliche Angaben über Handschriftenverzeichnisse
 zu finden sind:
515. Becker, G@. Catalogi bibliothecarum antiqui. Bonn 1885.
516, Blass, Friedr, in: Handbuch der klass. Altertums-Wissenschaft
hgb. von Iwan Müller 1? (München 1892) 350—3.
517. Dictionnaire des manuscrits par M. X., publie par l’abbe Migne.
Paris 1853. 2 Bde,
518. Gardthausen, Vikt. Sammlungen und Kataloge griechischer Handschriften
 (Byz. Archiv 3). Leipzig 1903.
519. Graesel, Arnim. Handbuch der Bibliothekslehre (?Leipzig 1902)
284—86. — Dazu die Nachträge von Wilh. Weinberger in: Mitteilungen
 des öst. Ver, für Bibliothekswesen 6 (1902) 170 f.
520. Hänel, G. Catalogi librorum manuscriptorum qui in bibliothecis
Galliae, Helvetiae, Belgii, Britanniae M., Hispaniarum, Lusitaniae
asservantur. Leipzig 1830.
521. Katalog der Handbibliotheken des Katalogzimmers und Lesesaales
der k. k. Universitäts-Bibliothek in Wien (Wien 1904) 46—62,
522. Labbe, Phil. Nova bibliotheca manuseriptorum librorum. Paris
1653.
523. Massatinti, @. Inventarii dei manosecritti delle biblioteche d’Italia.
Torino 1887.
524. Montfaucon, Bern. de. Bibliotheca bibliothecarum manuscriptorum
nova. Paris 1739. 2 Bde.
525. Oesterley, H. Wegweiser durch die Litteratur der Urkundensammlungen.
 Berlin 1885 f. 2 Bde.
526. Weinberger, W. Catalogus catalogorum. Verzeichnis der Bibliotheken,
 die ältere Handschriften lateinischer Kirchenschriftsteller
enthalten. Wien 1902,
Die Kataloge der wichtigsten Bibliotheken und ihrer handschriftlichen
 Schätze werden auch angegeben in: Minerva, Jahrbuch
 der gelehrten Welt (s. o. n. 73). Für die Handschriften einzelner
 Schriftsteller und Werke sind zu vergleichen Aug. Potthast,
 Bibliotheca historica medii aevi (s. o. n. 87) und andere
Quellennachweise sowie die Literaturgeschichten der verschiedenen
 Gebiete.
        <pb n="367" />
        Handschriftenverzeichnisse. Sonstige allgemeine Hilfsmittel 355
10) Sonstige allgemeine Hilfsmittel:
527. Benham, W. G&amp;amp;. Cassel’s Book of quotations. London [1907].
528. Büchmann, Gg. Geflügelte Worte. Der Zitatenschatz des deutschen
Volkes gesammelt und erläutert. ?(v. Ed. Ippel) Berlin 1910.
529. Capelli, Adr. Lexicon abbreviaturarum. Wörterbuch lateinischer
und italienischer Abkürzungen, wie sie in Urkunden und Handschriften,
 besonders des Mittelalters, gebräuchlich sind... Leipzig
1901.
530. Chevin. Dietionnaire latin-francais des noms propres de lieu ete.
Bar-le-Duc [1897].
531. Dalbiac, P. H. Dictionary of quotations. English (Sonnenschein’s
Dictionary of quotations). London 1897. — Dass. German. Ebd.
1908. — S. auch Harbottle,
532. Edwards, E. Words, facts and phrases. A dictionary of curious
matters. London 1882.
533. Egli, J. F. Nomina geopraphica. Sprach- und Sacherklärung von
42.000 geographischen Namen aller Erdräume. Leipzig 1893.
534. Eubel, C. Hierarchia catholica medii aevi ab a. 1198 usque ad
a. 1431. Monasterii 1898—1901. 2 Bde. Dass. 1431—1503. ?Ebd.
1913.
535. Ferrarius, Ph. Lexicon geographicum.... Mailand 1627; emendavit
 et auxit M. A. Baudrand. Paris 1670, 2 Bde.
536. Finzi, G. Dizionario di citazioni latine ed italiane. Milano 1902.
537. Friswell, J. H. Familiar words, London 1877.
538. Fumagalli, (ius. Chi ]’ha detto? Tesoro di citazioni italiane
e straniere di origine letteraria e storica. “Milano 1904.
539. Gams, P. Series episcoporum ecclesiae catholicae. Ratisbonae 1873.
Supplement 1879. 1886.
540. Göschen, Sammlung. Stuttgart, Leipzig 1889—,
541. Grässe, J, @. Th. Orbis latinus. %(v. Frd. Benedict) Berlin 1909.
542. Grocott, J. C. Familiar quotations. London 1890.
543. Hartbottle, T. B. Dictionary of quotations. Classical (Sonnenschein’s
 Dictionary of quotations). London 1902,
544. — —, und P. H, Dalbiac. Dietionary of quotations. French and
Italian (Sonnenschein’s Dictionary of quotations). London 1901,
545. Haydn, J. Dictionary of dates (by B. Vincent). London 1906.
546. Hoyt, J. K. Cyclopaedia of practical quotations. New York 1896.
547. Initia librorum Patrum latinorum, sumptibus Academiae Caesarene
Vindobonensis, Wien 1865,
548. Katechismen, Webers illustrierte. Leipzig 1851—.
549. King, W. J. H. Foreign and classical quotations. London 1904,
550. Kösel, Sammlung. Kompendien des Wissens und der praktischen
Weltkunde, Kempten und München 1906—.

Dg*
        <pb n="368" />
        356 Quellennachweise
551. Latham, E. Famous sayings and their author (Sonnenschein’s
Dictionary of quotations). London 1882.
552. Little, A. G. Initia operum latinorum quae saeculis 13., 14., 15.
attribuuntur, secundum ordinem alphabeti disposita. Manchester
1904.
553. Montgomery, H. und P. G. Cambray. Dictionary of political
phrases and allusions. London 1906.
554. Oesterley, H. Historisch-geographisches Wörterbuch des deutschen
Mittelalters. Gotha 1883.
555. Ritter, K. Geographisch-statistiches Lexikon °(v. J. Penzler). Berlin
 1910. ‘2 Bde.
556. Sammlung von Kompendien für das Studium und die Praxis,
Münster 1887 —.
557. Schwenke, P. und A. Hortzschansky. Berliner Bibliothekenführer,
Berlin 1906.
558. Vatasso, M. Initia Patrum aliorumque seriptorum ecclesiasticorum
latinorum ex Mignei Patrologia et ex compluribus aliis libris
conlegit. Romae 1906—8. 2 Bde.
559. Wagner, H. Lehrbuch der Geopraphie. °Leipzig 1908.
560. Wale, W. What great men have .said about great men (Somenschein’s
 Dictionary of quotations). London 1902.
561. Wheeler, W. A. Familiar allusions. London 1882,
8 2. Quellensammlungen allgemeinen Inhalts
Die wichtigsten Quellensammlungen allgemeinen Inhalts
finden sich in den Werken von Julius Petzholdt (s. n. 85), August
Potthast (s. n. 87) u. a. zusammengestellt und eingehender beschrieben.

562. Achery, Luc d’. Spicilegium sive collectio veterum aliquot scriptorum
 . . , Parisiis 1655—77. 13 Bde.
563. Acta Sanctorum . . . notis illustravit Joh. Bollandus ... Antverpiae
 etc. 1643—1794, 62 Bde. Editio novissima. Parislis 1863—.
— Eine Ergänzung dazu bilden: Analecta Bollandiana, Paris etc,
1882—.
564. Anecdota Maredsolana. Maredsous 1893—.
565. Bibliotheca magna veterum patrum et antiquorum scriptorum
Ecclesiae, primo quidem a Margarino de la Bigne composita ...
Paris 1654. 17 Bde.
566. — maxima veterum patrum. et antiquorum scriptorum ecclesiasticorum
 (cura Ph. Despont). Lugduni Bat. 1677. 27 Bde.
567. — patristica medii aevi seu eiusdem temporis patrologia ab
anno 1216 usque ad Concilii Tridentini tempora . .. ad exemplar
patrologiae Migne et ad eiusdem patrologiae continuationem.
Parisiis 1879 f. Series I. 6 Bde. — Nicht mehr erschienen.
        <pb n="369" />
        Sonstige allgemeine Hilfsmittel. Quellensammlungen 357
568. — veterum Patrum antiquorumque scriptorum ecclesiasticorum . .
ed. Andr. Gallandus, Venetiis 1765—81. 14 Bde.
569. — scripiorum graecorum et romanorum Teubneriana, Lipsiae
1849—.
570. — — medii aevi Teubneriana. Lipsiae 1875—93. 9 Bde.
571. Bibliothek der Kirchenväter. Kempten 1911—.
572. Bouquet, Mart. Rerum gallicarum et francicarum scriptores. Recueil
 des historiens des Gaules et de la France. Paris 1628—1876.
93 Bde. Neue Ausgabe u. d. T.: Recueil des historiens des
Gaules et de la France . . . sous la direction de Leop. Delisle.
Paris 1869—80. 23 Bde.
573. Canisius, Henr. Antiquae lectionis tomus 1—6. Ingolstadii 1601
bis 1604. Neue Ausgabe u. d. T.: Thesaurus monumentorum
ecclesiasticorum et historicorum (ed.) Jac. Basnage. Antverpiae
(Amstelaedami) 1725. 7 Teile.
574, Collection de textes pour servir ä&amp;amp; l’etude et ä l’ enseignement
de l’histoire. Paris 1886—.
575. Corpus inseriptionum latinarum consilio et auctoritate Academiae
Litterarum Regiae Borussicae editum. Berolini 1863—.
576. — — semiticarum ab Academia Inscriptionum et Litterarum
Humaniorum conditum atque digestum. Parisiis 1881—.
577. — seriptorum ecclesiasticorum latinorum editum consilio et impensis
 Academiae Litterarum Caesareae Vindobonensis. Vindobonae
 (Pragae, Lipsiae) 1866—.
578. — — — orientalium (ed.) J. B. Chabot, I. Guidi, H, Hyvernat,
B. Carra de Vaux. Romae, Parisiis, Lipsiae 1904—-.,
579. — — historiae byzantinae. Editio emendatior et copiosior consilio
 B. @. Niebuhrii instituta ... Auctoritate Academiae Litterarum
 Regiae Borussicae continuata. Bonnae 1828—78. 49 Bde,
580. Descriptiones, Palaestinae, ex saec. IV, V et VI. Hgb. von Titus
Tobler. St. Gallen 1869.
581. — Terrae Sanctae ex saec. VIII, IX, XII et XV. Hgb. von Titus
Tobler. Leipzig 1874.
582. Fabricius, Joh. Alb. Bibliotheca ecclesiastica, in qua continentur
de seriptoribus ecclesiasticis S. Hieronymus ... Hamburgi 1718,
583. — — — Bibliotheca graeca sive notitia scriptorum veterum graecorum
 . . . Hamburgi 1705—28. 14 Bde. Ed. 4 cur. &amp;amp;. C. Harles.
Lipsiae 1790—1838, 12 Bde. und Index.
584. — — — Bibliotheca latina. Hamburgi 1697.
585. — — — Bibliotheca latina mediae et infimae aetatis. Hamburgi
1734—46. 6 Bde. Ed. emend. Florenz 1858. 6 Teile in 3 Ban.
586. Florilegium patristicum, ed. M. G. Rauschen. Bonn 1904—.
587. Fragmenta, Historicorum graecorum, Auxerunt notis Carolus et
Theod. Mulleri. Parisiis 1841—70. 5 Bde.
        <pb n="370" />
        358 Quellennachweise
588. Geographi graeci minores. Rec. Carolus Mullerus. Parisiis 1855
bis 1861. 3 Bde.
589. — latini minores. Coll. 4. Riese. Heilbronn 1878.
590, Graevius, J. @. Thesaurus antiquitatum romanarum. Lugduni
Batavorum 1694—9. 12 Bde, Supplementum. Venetiis 1737. 5 Bde,
591. — — Thesaurus antiquitatum et historiarum Italiae. Lugd. Bat.
1704. 3 Bde.
592. — — Thesaurus antiquitatum et historiarum Siciliae, Sardiniae
et Corsicae. Ebd. 1723—5. 15 Bde.
593. Hahn, Sim. Fried. Collectio monumentorum veterum et recentium
 . . . geographiam, historiam omnem etc. illustrantium. Brunsvigae
 1724—26. 2 Bde.
594. Hardouin, Jean. Conciliorum collectio regia maxima. Paris 1675
bis 1715. 11 Tle, in 12 Bdn,
595. Hugo, Car. Lud. Sacrae antiqg (itatis monumenta historica, dogmatica,
 diplomatica notis illustrata. Stivagli 1725—31. 2 Bde.
596. Jaffe, Phil. Regesta Pontificum Romanorum ab condita Ecclesia ad
annum p. Chr. n. 1198. Berolini 1851. Editionem secundam correctam
 ‚et auctam auspielis Gulielmi Wattenbach curaverunt S. Loewenfeld,
 F. Kaltenbrunner, P. Ewald, Lipsiae 1885—88. 2 Bde.
597. Insecriptiones christianae urbis Romae, Ed. G&amp;amp;4iov. Batt. de Rossi
Romae 1861—. &amp;gt;
598. — graecae consilio et auctoritate Academiae Litterarum Regiae
Borussicae editae. Berolini 1873—.
599. Kehr, P. Fr. Regesta Romanorum Pontificum, iubente regia Soc.
Gotting. congessit. Berolini 1906—.
600. Labbe, Phil. et Gabr. Cossart. Sacrosancta Conecilia. Paris 1671 f.,
_ 17 Teile in. 18 Ban.
601. Laurent, J. C. M. Peregrinatores medii aevi quatuor , . . Lipsiae
1864. Ed. 2. accessit Magistri Thietmari peregrinatio. Ib. 1873.
602. Lipomanus, Aloys. Historia de vitis sanctorum. Romae 1551—60.
9 Bde.
603. Mabillon, Jean. Acta Sanctorum ordinis S. Benedicti, Lutetiae
Par. 1668—1701: 9 Bde.
604. — — Museum Italicum seu collectio veterum seriptorum ex bibliothecis
 italicis eruta. Parisiis 1687—89, 2 Bde.
605. — — Vetera analecta. Parisiis 1675—85, 4 Bde.
606. Mai, Ang. Scriptorum veterum nova collectio e Vaticanis codicibus.
 Roma 1825—838. 10 Bde.
607. — — Spieilegium Romanum. Romae 1839—44, 10 Bde.
608. — — Nova Patrum bibliotheca, Romae 1844—54, 7 Bde, Suppl.
von Gius. Cozza-Luzi. Ebd. 1871—1904, 3 Bde.
609, Mansi, Giov. Dom, Sacrorum Conciliorum nova et amplissima collectio.
 Ed. novissima. Florentiae et Venetiis 1759—98. 31 Bde.
        <pb n="371" />
        Die wichtigsten Quellensammlungen 359
610. Martöne, Edm., et Ursinus Durand. Veterum scriptorum et monumentorum
 historicorum, dogmaticorum, moralium amplissima
collectio. Parisiis 1724—33. 9 Bde.
611. — — — — Thesaurus novus anecdotorum ... Lutetiae Parisiorum
 1717. 5 Bde.
612. Matthaeus, Ant. Veteris aevi analecta. Lugd. Bat. 1698—1710.
10 Bde.
613. Michel, Chr. Recueil d’inscriptions grecques. Bruxelles 1900—,
614. Mombritius, Boninus. Sanctuarium sive vitae sanctorum collectae
ex codieibus manuseriptis, alphabetice digestae. Mediolani s. a.
(vor 1480). 2 Bde,
615. Mommsen, Theod. Res gestae D. Augusti ex monumentis Ancyrano
et Apolloniensi. *Berolini 1883,
616. Monumenta biblica et ecclesiastica, ed. Pont. Inst. Bibl. Romae
1914 —.
617. — Ecclesiae liturgica, ed. F. Cabrol et H. Leclercq. Paris 1900,
618. — Germaniae historica inde ab anno Christi quingentesimo usque
 ad annum millesimum et quingentesimum, auspiciis Societatis
 aperiendis fontibus rerum Germanicarum medii aevi edidit
Georgius Henr. Pertz. Hannoverae 1826— . Seit 1875 heißt
es auf dem Titel statt: auspiclis. . .: Edidit Societas aperiendis
fontibus rerum Germanicarum medii aevi.
619. Muratori, Ludovico Ant. Anecdota ex Ambrosianae bibliothecae codicibus
 nunc primum eruta. Mediolani (et Patavii) 1697—1713. 4 Bde.
620. — — Antiquitates Italicae medii aevi. Mediolani 1738 —40. 6 Bde.
621. — — Rerum Italicarum seriptores. Mediolani 1723—51. 28 Bde.
Nuova ediz. Citta di Castello 1902— .
622. Opuscula selecta sanctorum Patrum, ed. H. Hurter. Ser. 1, Innsbruck
 1868—85. 48 Bde; ser. 2, ebd. 1884—92. 6 Bde.
623. Patrologiae cursus completus. Cur, J. P. Migne, Series 1 latina,
Parisiis 1844 —64, 221 Bde, Series 2 graeca, Parisiis 1857—1886.
161 Bde. — Inhaltsangabe bei Potthast 1? XCIN—CIX.
624. Patrologia orientalis ... [publ. p.] R. Graffin, F. Nau. Paris
1907— . .
625. — syriaca . .. accurante R. Graffin. Parisiis 1894— .
626. Pez, Bern. Bibliotheca ascetica antiquo-nova, Ratisbonae 1723 bis
1740. 12 Bde.
627. — -— Thesaurus anecdotorum novissimus. Augustae Vind. et Graechi
1721—929. 6 Bde.
628. Pitra, Giov. Batt, Spicilegium Solesmense complectens sanctorum
patrum seriptorumque ecclesiasticorum anecdota hactenus opera...
Parisiis 1852—58. 4 Bde. Fortges. u. d. T.: Analecta sacra spicilegio
 Solesmensi parata. Parisiis (u. a.) 1876—91. 8 Bde. und:
Analecta novissima. Typis Tusculanis 1885-—88, % Bde.
        <pb n="372" />
        367 Quellennachweise
629, Publications de la Societe de l' Orient latin.. Geneve (und Paris)
1877—.
630. Recueil des historiens des croisades publie par les soins de ]' Academie
 des Inscriptions et Belles-Lettres. Paris 1841— .
631. Richard und Giraud. Bibliotheque sacree, Paris 1822—7. 29 Bde.
632. Rosweydus, Heribertus. Vitae patrum ... %2Antverpiae 1628.
633. Ruinart, Theod. Acta primorum martyrum sincera et selecta ..
Parisiis 1689,
634. Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengeschichtlicher Quellenschriften,
 hgb. von &amp;amp;@. Krüger. Tübingen 1891—.
635. — griech. und lat. Schriftsteller mit deutschen Anmerkungen,
Hgb. von M. Haupt und H. Sauppe, Leipzig 1848—.
636. Schriftsteller, Die griechischen christlichen, der ersten drei Jahrhunderte.
 Hgb. von der Kirchenväter-Kommission der kgl. preuß.
Akademie der Wissenschaften. Leipzig 1897—.,
637. Sceriptores historiae Augustae. H. Jordan et F, Eyssenhardt recensuerunt.
 Berolini 1864. 2 Bde,
638, — Rerum Britannicarum medii aevi. (Roll’s Series). London
1858 —,
639, — Byzantinae historiae. Parisiis 1645—1711. 39 (auch 47 oder
23 oder 27) Bde.
640. Studi e testi. Pubbl. dalla Biblioteca Vaticana. Roma 1900—.
641. Surius, Laur. De probatis Sanctorum historiis. Coloniae Agr.
1570—75, 6 Bde.
642. Sylloge inscriptionum graecarum. Iterum ed. &amp;amp;. Dittenberger. Lipsiae
 1898—1905. 3 Bde und 3 Supplemente. *%Ebd. 1915—.,
643, Texte, Kleine, für theologische und philologische Vorlesungen und
Übungen, hgb. von H. Lietzmann u. a. Bonn 1903—
644, — und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur,
 hgb. von 4. Harnack u. a. Leipzig 1883—
645, Textes et documents pour ]’ etude historique. du christianisme.
Publies sous la direction de MM. Paul Lejay et Hipp. Hemmer.
Paris 1904—
646. Texts and studies. Contributions to biblical and patristical literature,
 Cambridge 1891—

“iO
        <pb n="373" />
        Zweiter Anhang
Seminarstatuten
der
theologischen Fakultät
der
k. k. Universität zu Innsbruck
Genehmigt durch Erlaß des Ministeriums für Kultus und Unterricht
vom 2, November 1904 Z. 31.687.
I. Zweck und Mittel
$1
An der theologischen Fakultät der k. k. Universität zu
Innsbruck besteht ein wissenschaftlich-theologisches Seminar.
82
Zweck des Seminars ist „die höhere Pflege der theologischen
 Wissenschaften und Aneignung der wissenschaftlichen
 Form und Methode .. ., damit teils die begabteren
Studierenden der Theologie mit Erlaubnis ihrer geistlichen
Oberen, teils die absolvierten Hörer und Aspiranten des
Doktorates wie auch andere lernbegierige Priester eine formgerechte
 und tiefere theologische Bildung gewinnen und
Anleitung zur literarischen Produktivität erhalten können“
(Beschlüsse der Generalversammlung des österreichischen
Episkopates zu Wien am 13. November 1901, II n. 14).
        <pb n="374" />
        a Seminarstatuten
83
Als Hauptmittel zur Erreichung des Zweckes dienen
die praktischen Übungen im Seminar, welche teils in mündlichen
 Vorträgen und Erörterungen, Interpretation von Texten,
Besprechungen neuer literarischer Erscheinungen, Disputationen
 usw., teils in schriftlichen Arbeiten bestehen.
$ 4
Ferner dienen dem gleichen Zwecke die theoretischen
Anleitungen seitens des Seminarleiters, die sich an die
praktischen Übungen anschließen und namentlich auf die
wissenschaftliche Methode beim Arbeiten Rücksicht nehmen.
DS 5
Mit dem Seminar ist eine Handbibliothek verbunden
nebst Lehrmittelsammlung, die in ebensoviele selbständige
Abteilungen als das Gesamtseminar- zerfällt.
Il. Organisation
S 6
Das Seminar besteht aus mehreren Abteilungen, welche
in ihrer näheren inneren Organisation und in ihrem spezifischen
 Betriebe selbständig sind.
Die Errichtung einer neuen Abteilung kann nach Maßgabe
 des Bedürfnisses mit Genehmigung des Ministeriums
für Kultus und Unterricht erfolgen.
&amp;amp;87
Zur Leitung der einzelnen Abteilungen sind die jeweiligen
 Fachprofessoren berufen; unter mehreren Professoren
 desselben Faches wird einem durch Beschluß des
Professorenkollegiums die Leitung übertragen.
858
Die Leiter der einzelnen Abteilungen können zu ihrer
Unterstützung aus den Mitgliedern einen Kustos ernennen.!)
!) Der Zusatz des Entwurfes: „der eine den Mitteln des Seminars
angemessene Vergütung erhält“, der den Seminarstatuten der juridischen
Fakultät zu Innsbruck entnommen war, .wurde vom. Ministerium gestricehen.


362
        <pb n="375" />
        Organisation. Übungen
SE
Alle einzelnen Abteilungen bilden ein einheitliches Institut,
 dessen gemeinsame Interessen nach außen, insbesondere
 den Behörden gegenüber, durch den jeweiligen
Dekan vertreten werden.
Jeder einzelne Abteilungsvorsteher hat die Befugnis,
in Angelegenheiten seiner Abteilung durch den Dekan sich
an die vorgesetzte Behörde zu wenden.
8 10
Die Verteilung der Dotation auf die einzelnen Abteilungen
 wird von einer durch die Fakultät gewählten Bibliothekskommission
 vorgenommen.
S 11
Die Leiter der einzelnen Abteilungen entscheiden über
die Aufnahme oder den Ausschluß eines Mitgliedes und
über die Preiswürdigkeit der eingereichten Arbeiten; sie
stellen auf Verlangen eine Bestätigung über die Teilnahme
an den Seminarübungen aus.
1X. Übungen
$ 12
Zur Teilnahme an den Seminarübungen können an
sich alle Theologen zugelassen werden, welche als ordentliche
 Hörer an der Universität immatrikuliert sind. Die
Aufnahme anderer Hörer der Universität und auswärtiger
Gäste hängt von dem Ermessen des einzelnen Seminarleiters
 ab.
8 13
Die Mitgliedschaft ist eine ordentliche und außerordentliche.
 Ordentliches. Mitglied ist jeder Theologiestudierende,
der an den Seminarübungen durch schriftliche Arbeiten
oder mündliche Vorträge aktiv sich beteiligt.
Außerordentliches Mitglied ist jener, der den Seminarübungen
 regelmäßig beiwohnt, ohne sich aktiv daran zu
beteiligen. Beide Arten der Mitgliedschaft sind unentgeltlich.

363
        <pb n="376" />
        Seminarstatuten
$ 14
Die allgemeine Bedingung der Aufnahme in eine Seminarabteilung
 als außerordentliches Mitglied ist der Besitz
der für die erfolgreiche Teilnahme erforderlichen Vorkenntnisse.
 Die Entscheidung darüber steht dem Seminarleiter zu.
Die ordentliche Mitgliedschaft wird durch eine schriftliche
 Arbeit oder einen mündlichen Vortrag erworben. Sie
berechtigt zum Vollgenuß der Vorteile des Seminars, insbesondere
 zur Teilnahme an den Prämien.
Der Seminarleiter ist befugt, besondere Bedingungen
für die Aufnahme in seine Abteilung festzusetzen.
$ 15
Jeder Theologiestudierende kann nur einer Abteilung
des Seminars als ordentliches Mitglied angehören, während
die außerordentliche Mitgliedschaft bei mehreren Abteilungen
 zugleich gestattet ist.
8 16
Die Aufnahme in eine Seminarabteilung kann einem
ordentlichen Hörer der Theologie in der Regel nur verweigert
 werden 1) wegen Nichterfüllung der allgemeinen
oder besonderen Bedingungen, von denen die Aufnahme
abhängig ist ($ 14); 2) wegen beharrlichen Unfleißes im
Besuche der Vorlesungen oder früherer Seminarübungen.
Aus den gleichen Gründen kann auch der Ausschluß
schon aufgenommener Mitglieder erfolgen.
S- 17
Die von dem Seminarvorsteher geleiteten Übungen
dürfen in den einzelnen Abteilungen nicht mehr als zwei
Stunden wöchentlich in Anspruch nehmen. Dieselben werden
 den Seminarleitern in die Zahl ihrer Vorlesestunden
und den Studierenden in die Zahl der von ihnen zu hörenden
 Vorlesungen eingerechnet.
$ 18
Die Ankündigung, das An- und Abmelden der Seminarübungen
 erfolgt in derselben Weise wie hinsichtlich der
öffentlichen Vorlesungen.

364
        <pb n="377" />
        Übungen. Bibliotheksordnung 365
Über die Mitglieder des Seminars ist ein besonderes
Verzeichnis zu führen.
8 19
Die von dem Leiter einer Seminarabteilung ausgestellte
Bestätigung der erfolgreichen Teilnahme an den Seminarübungen
 gilt in derselben Weise wie die Kolloquienzeugnisse
 als Nachweis entsprechender Studienerfolge.
8 20
Für die Prämiierung tüchtiger schriftlicher Arbeiten
wird jeder Abteilung der jeweils bewilligte Betrag zu Handen
 des Dekans angewiesen. Die Höhe einer Prämie soll
in der Regel den Betrag von 50 K nicht übersteigen.
Ein etwaiger Restbetrag, welcher für die Prämiierung
nicht verwendet wurde, kann mit Genehmigung des Ministeriums
 für Kultus und Unterricht zu Gunsten der Seminarbibliothek
 oder für sonstige Bedürfnisse des Seminars
benutzt werden.
8 21
Die Mitglieder des Seminars genießen bei Benutzung
der Universitätsbibliothek die ihnen nach den Anordnungen
des Ministeriums für Kultus und Unterricht zukommenden
Begünstigungen.
8 22
Am Schlusse des Studienjahres erstattet jeder Abteilungsvorsteher
 durch das Dekanat einen Bericht an das
Ministerium für Kultus und Unterrricht über die Tätigkeit
und die Bedürfnisse der von ihm geleiteten Abteilung.
IV. Bibliotheksordnung
8 23
Jede Seminarabteilung stellt den Mitgliedern die Handbibliothek
 und die sonstigen Lehrmittel zur freien Benutzung
 in den Seminarräumen je nach ihrer besonderen Organisation
 zur Verfügung.
8 24
Die Benutzung der Bücher außerhalb der Seminar.
räume ist in der Regel nur den ordentlichen Mitgliedern
        <pb n="378" />
        £ Seminarstudien
einer Seminarabteilung und nur für die eigenen Arbeiten
gestattet.
Bei jeder Abteilungsbibliothek haben die Mitglieder der
betreffenden Abteilung vor denen einer anderen den Vorzug.
$ 25
Über die Entlehnung ist ein Empfangsschein nach dem
vorgeschriebenen Formular auszufüllen und mit genauer
Angabe der Wohnung des Entlehners zu unterfertigen.
$ 26
Während des Studienjahres ist das entlehnte Werk
wenigstens nach Ablauf eines Monates dem Kustos zur
Revision vorzulegen. Eine Verlängerung der Ausleihefrist
kann bewilligt werden, sofern das Werk nicht von anderer
Seite benötigt wird. In diesem Falle kann ein Buch auch
früher zurückgefordert werden.
827
Einige Zeit vor Schluß des Semesters werden sämtliche
 entlehnte Bücher vom Kustos zurückgefordert. Wird
diesem Verlangen nicht entsprochen, so ist hiervon der betreffende
 Vorstand oder auch der Dekan zu verständigen.
$ 28
Für die Zeit der Oster- oder Herbstferien ist die Entlehnung
 von Büchern nur ausnahmsweise und nach Ermessen
 des Abteilungsleiters gestattet. Auf den betreffenden
 Empfangsscheinen ist die genaue Angabe des Ferienaufenthaltes
 des Entlehners beizufügen.
8 29
' Für die Beschädigung oder den Verlust eines ausgeliehenen
 Werkes ebensowie für die Beschädigung der in
den Seminarräumen benutzten Bücher und Lehrmittel hat
der Entlehner oder Benutzer in erster Linie zu haften.

366
        <pb n="379" />
        Personenregister
Die Zahlen bezeichnen die Seiten.
Achery L d’ 356 Bader H 321
Adelung 3 Chr 332 Baedeker K 268
Aichinger G. 91. 92 Bailly 192
Aichner S 273 Bainvel J V 25. 145
Albalah A 251 Ballerini A 143
Alembert LA’ 337 Barbier A A 341; — O0 341
Alds Ad’ 338 Bardenhewer O0 267
Allibone S A 329 Baronio GC 147 £. 189
Altum B 326 Baert 92
S, Ambrosius 314 Bartels A 85
Anaxagoras 118 Bartolo S di 154
Andreev 3 E 336 Basnage J 357
Andresen K G 251 Baudrand M A 355
Antonio N 329 Baudrillart A 265. 338
Aquaviva Cl 72 Bauer J J 329; — M 263
Aribau B C 329 Baumeister A 5. 21. 22, 27
Arlia C 329 Baumgartner A 339
Arminius 112 Bayer 31
Arndt W 199 Beach Fr GC 336
Arnold R F 321 Beale T W 329
Aschendorff 302 Beck von Mannagetta. IL 24. 28
Ascherson F 334 Becker G 335. 354
Ast F 187 Beelen 192
S. Augustinus 1438. 145, 152. 160, Bellermann J J 263
215. 224 Belser J 264, 282
Avellaneda D de 14 Benedict Fr 355
Azarias Brother 141 Benham W G 355
Benzinger I 263, 264
Bacchini B 16 Beranger 195
Bachelet T 336 S. Bernhard 238
Baco Fr 153 Bernheim E VIII. 31f 33, 38, 49.
        <pb n="380" />
        36 Personenregister
80. 111f. 116. 117. 127. 129. Brunner S 323
133. 134. 136. 186. 187. 192. _Buchberger M 260, 338
197. 199. 201. 206. 207. 215f. Bücheler F 215
228f. 229. 235f. 238. 241. 243. Büchmann G 164. 335
244, 245. 247. 249. 251. 253. Büeler G 351
256. 268. 269f. 289. 313. 329. Bühler C 191f
350. Burger K 331
Bernoulli C Chr 352 Burkäitt 324
Berthelot 195 Burnand F C 334
Berthold A 141
Bertram O0 276 Cabrol F 338. 359
Besse J M 124, 159. 174 Calmes Th 200
Bickell G 23; — J W 325 Calmet A 16
Bigne M de la 356 Calvary 351
Bittner J 350 Cambray P G 356
Black F S 338 Canisius H 357
Blackie J St 141 Capet H 152
Blanc 330 Capelli A 355
Blass Fr 63. 96. 186. 187. 192. Carra de Vaux B 357
199. 206. 209, 223. 287. 354 Casaubonus 160 £
Bleibtreu GC 330 Castro J R de 330
Bloch H 269 Cauer P 63. 64
Boase F 330 Cellarius Chr 19
Boeckh .A 186. 187. 206, 207. 209. Chabot J B 357
218. 227 £f. 268. 350 Chalmers A 330
Bohatta H 41. 340 Chamber 336; — R 344; — W
Böklen E 200 344
Bollandus J 356 Charles 265
Bonifacio J 14. 17 Charmides 118 f
Bornmüller F 330 Chatel X 353
Boudinhon A 25 Chätelain E 199
Bouillet M N 336 Chevalier U 330
Bouquet M_ 357 Chevin 355
Bowker R R 349, 350 Cheyne T K 323. 338
Brandes G 141 Christ W 31
Bratke E 330 Cicero 14. 16f. 91f. 265. 269
Braun J 263 Cim A 41
Bretholz K 199 Claise 146
Brewer H 221 Clemen X 265
Bricka GC F 330 Clemens Al 289
Broc*haus F A 336. 349 Clöment Fr 148
Brown J D 41 Collin E 339
Brugmann K 169 Combefis F 148
Brunet G 330. 341; — J Ch 330 (Comte A 197

-®
        <pb n="381" />
        Personenregister ;
Copinger WA 331 Duboc 343
Cornely R 186. 192. 193. 197 Du Cange Ch du Fresne Sieur
Cossart G 358 17. 192
Dotgreave A 340 Duchesne L 214
Cozza-Luzi G 358 Duden 256
Crane W276 Duhr B 5. 8. 9. 10. 11. 12, 15,
Cruger G 264 57f. 72
Crüwell G A 41 Dunkel J G W 330
Cushing W 340 Dunn W F 210
Du Plessis d’ Argentre Ch 148
Da Fonseca M A 340 Durand U 359
Dahlmann P 340 Dziatzko K 6
Dalbiac PH 355
Dantes A 330 Ebert A 339; — F A 330
Daublebsky von Sterneck R 41 Ebstoa J A 141
De Backer Al 342; — Aug 342 Edwards E 355
Degener H A L 330 Egli J F 355
Deissmann A 192 Eichler F 6. 40, 263 f
Delaunay H 351 Ellendt G 335
Delisle L 40. 357 Epicharm 264
Demosthenes 119 S. Epiphanius 204 £
Denis M 332 Erman W 22, 33. 61
De Rudder P 239 f Ernesti J HM 332
Deschamps A 239; — P 3380 Ersch J S 337. 340
De Smedt Ch 142. 186, 189. 206. KEsser G 154
208. 216. 227. 237. 240 Estienne (Stephanus) H 192
Despont Ph 356 Estreicher K 330
De Vit V 192 Ettlinger M X
De Waal A 138 Eubel C 355
Dezobry L_ GC 336 Euripides 118
Diaconovich C 336 Evans GC 344
Dickson W PP 340 Ewald P 358
Diderot DJ 337 HEyssenhardt F 360
Dieffenbach IL 192
Diekamp F 221 HFabricius J A 339. 343. 357
Dietrich F_ 348 Fell G 8
Dillmann A 264 Ferrarius P 355
Dindorf 286, 288 Fesenbekh F 351
S, Dionysius Areop. 221 Fessler J 206
Dirksen HE 17 Fichet A 141. 147. 153. 159
Dittenberger W360 Finci G 355
Doizd J 289 Finkenrath A 180, 181
Drexel J 159, 161. 162. 171. 172 Fiske J 334
Drujon F 340 Flemisch M 146
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3, Aufl.

369
94
        <pb n="382" />
        z Personenregister
Fletcher W 3 330. 348. 349 Glubokovsky N N 338
Florent H. 90 Gomme G L 348
Fock G 353 Göschen G J 355
Forcellini Aeg 17. 192 Gosse E 339
Fortescue G K 349 Goetenhausen von 228
Fortius (Starck) J 141 Goethe W 127. 215. 228
Fournier F J 330 Götten GW 331
Frank GC 159 Gow J 227
Frankfurter S 321 Graffin R 359
Franklin A 330 Grant 343
S. Franz von Sales 215 Grantoff O0 276 -
Fredericq P 21 Graesel A 40.41. 49. 331. 340.
Freund 192 350. 354
Frey AR 340 Grassauer F 41, 331. 343
Fries W221. 292. 31 Graesse J G Th 331. 339. 355
Frieswell JH 355 Graevius J G 358
Fröhlich W 91 Gregor IX 273
Fumagalli (+ 41. 199, 333, 355 Gregor XII 14
Funk F X von 154 Gregory GR 214
Furgole J B 148 Gretser J 148
Fuzet F_ 25 Griesbach J J 224
Grimm J 192; — W 192
Gallandus A 357 Grisar H_ 23. 30
Gallardo J B 331 Grisebach E 339
Gams P 355 Gröber H 186. 191. 206
Garcia Villada, Z X. 32% Grocott J C 355
Gardthausen V 354 Gruber 351; — J G 337
Gatterer M 23 Gubernatis A de 331. 339
Gebhardt O von 322 Guegrin 337
Geiger W192 Gugitz G 321
Gellius A 161 f. 170f. 321 Guidi I 357
Geniesse J B X. 297 Günter O0 332
Georg K 349 Gutenäcker 351
George FH 333 Gutenberg 331
Georges K E 192 Guthe H 268
Georgi Th 331 Guthrie AL 343
Gerbert M 144 Gutscher J 351
Gesner J M 19 Gwilliam G H 314
Gidel Ch 339
Giegler A 146 Hadrian VI 90
(ildemeister K 220 Haffner A 1X
Tiraud 360 Hagenbach KR 186. 192. 206
Gla D 331 Hahn G 351; — L 124; S Fr 358
(ilaire J B 338 Hain L 331

370
        <pb n="383" />
        Personenregister
Halloix P 148 S. Hieronymus 193. 221
Halkett S 340 Hilderscheid H 268 f
Halvorsen J B 331 Hilty K 141
Hamberger G Chr 331 Himmelbauer J 41
Hammerstein L von 33 Hinrichs J C 349
Hänel G 354 Hippias 118f
Hanus 1 J 351 Hippokrates 163
Hardouin J 358 Hippolytos von Theben 221
Harles G C 357 Hirsching F_K G 332
Harnack A von 154. 202. 221. Hirschmentzel Chr 264
237 f. 239. 283 f. 360 Hittmair A IX. 340
Hart H 210. 332; — J 332 Hoefer J Chr F 329
Hartbottle TB 355 Hoffmann A G 265
Hartmann A Th 263. 264 Hogan J 25
Hartzenbusch E 343 Holtzmann HJ 101. 256. 338; —
Hastings J 338 O 101
Hatin E 343 Holzmann M 340
Hauck A 204. 338 Homer 64
Hauff 86 Horn E 22, 61. 263 f
Haupt M 360 Horneffer E 118 f
Haydn J 355 Hortzschansky A 356
Hayn H 340 Houtsma ‘Th 338
Heichen P H 331 Hoyt J K 355
Heidenheimer H_ 343 Hübl F 352
Heimbucher M 331 Hüffer. G 238
Heinsius W 331 Hugo CL 358
Heller J E IX Hugo de S. Victore 141
Hemmer H. 62 360 Hull Ch H 340
Henn E 351 Hülskamp F 148f. 322. 326
Henoch 265 Hultsch F 263
Herbermann Ch G 337 Humboldt W von 63, 64
Herder B 337 Hummel B F 332
Hericourt Ad’ 35% Hurst J F 332
Hermann G 34 Hurter H 16. 62. 147f. 332, 359
Herodian 269 Hyvernat H 357
Herzberg-Fränkel X
Herzog J J 204. 338 Jaff£€ Ph 358
Hesychius 268 Jannet P 341
Hettinger F 59. 60. 61. 141 Janssen J 16
Hetzenauer M 141. 314 Jedlicska 3 201 £f
Heumann Chr A 340 S. Ignatius von Loyola 89
Heylli G d’ 340 Jöcher Chr G 332
Heyne M 192 Johannes XXIL 274
Hidalgo D 331, 332; — O0 332 S. Johannes Chrysost. 144. 215.
Ark

371
WE
        <pb n="384" />
        372 Personenregister
Jordan MH 360 Labbe Ph 354. 358
Jordell D 332. 348 Laches 118 £
Josephson AGL 343. 352 Lagarde P de 78
Jouvancy (Juvencius) J 159. 171 Lagrange M J 200
S. Irenaeus. 200 Laing J 340
Judde Cl 141 Lambeck P 141
Jülicher A 202 Lambros Sp P 124
Jungmann B 206 Lamennais 195
Justinian 274 Lancetti V 340
Juvencius (Jouvancy) J 159. 171 Lane M 341
Langlois Ch V 21. 117. 206. 207.
Kalinka E IX 208. 241. 243. 249. 332 ;
Kaltenbrunner F 358 Lanman Ch 169
Kaemmel 0 7 Larousse P 337
Karl der Große 112 Laschitzer S 41
Kataun O X. 21. 64. 86.228. 248.266 Lasteyrie R de 352
Katschthaler J B 23 Latham E 356
Kaufmann C 263 Latty CM M 25
Kayser C G 332 Laude J 40
Kehr P F 358 Laurent J CM 358
Kehrbach K 7 Laurin F 274
Keiter H 141. 159. 276. 281. 292. Laverdy B C F de 352
293 f. 296. 302 f, 323. 332 Le Camus E (Bischof von La Ro-Kelle
 H von 24. 28 chelle) 25
Keller J 64 Lechner J J 352
Kern J 144 Leclercqg H 359
Kihn H 63. 96. 186. 187. 192. 206 Lee S 334
King WS H 355 Lehmann J 276
Kleemeier Fr J 41 Lejay P 62. 360
Kluge 263; — F 251 Le Maire (Maior) J 144
Klußmann R 186. 268. 325. 352 Leonard J W 334
Koch H 221 Lermina J 332
Kommodian von Gaza 221 Le Roy E 323
Komorzynski E von 321 Le Soudier H_ 343
Kösel J 355 Lessing G E 326
Köstlin 265 Lessius (Leys) L 147
Krier'J B 141. 159 Lexer M 192
Krüger G 63. 360; — H 340 Lexis W 33
Krumbacher K 206 f. 210. 232. Leyen E von der 33
258. 259. 284. 286. 287 Leys (Lessius) L_147
Kuhn A 1X; — E 192 Lichtenberger F 338
Kukula R 332 Tiddell 192
Kunz F X 5. 8 Lietzmann H 63. 360
Kürschner Jj 332, 337. 343 Lindner J WS 341

"x.
        <pb n="385" />
        Personenregister ‚43
Lipomanus A 358 Meyer GC 337; — E 161; —L313;
Little AG 356 PM 17; — R M 250
Livius 17 Mezow 332
Lobkowicz J GC von 148 Michaud J 329
Loisy A 200. 315 Michel Chr 359
Lolide F_ 339 Migne J P 141. 333. 354, 359
Loos J 159 Mignot EEJ %
Lorck GC B 276 Milkau F 335. 353
Lorenz O0 349 Mill St 122
Loewenfeld S 358 Minor 21
Lübben A 192 Molnar J B 141
Lübker F 337 Mombritius B 359
Ludwig XIV 152 Mommsen Th 17. 148. 359
S. Lukas 221 Moniglia T V 16. 147
Zupus (Wolf) Chr 148 Monod G 270
Luther M 154. 215 Montfaucon B de 148. 199. 354
Lykurgos 227 Montgomery X 356
Morhof D G 141. 153. 159. 161.
Mabillon 3 92 f. 124, 159. 171. 170. 171. 343
172 f. 199. 206. 289. 358 Morin G 124
Macbeth D 210 Moulton 192
Macdonald 333 Mouton E 276. 325
Macke K 339 Müller F 333; — J 353; — J von
Mai A 358 322; — I 63. 186. 191. 199.
Maior (Le Maire) J 144 206. 354; — K 357. 358; —
Maire A 40. 352 Th 357
Maistre J de 148 Munoz y Romero T 333
Maittaire M 332 Muratori L A 359
Manne A E de 341 Murray 265
Mannucci U 189, 226 Mushacke 352
Mansi G D 358 Mylius J Chr 341
Marchmont F 341
S. Maria 204 f Napoleon 1 216
Marquardt J 265 Nau F 359
Martine E 359 Naville E_227
Martin F 265 Nestle E 118. 315. 322. 323. 324.
Massatinti G 354 325
Matthaeus A 359 Nestorius 226
Meisner H 321 Niceron 3 P 333
Meister A 199. 206 Niebuhr B G 357
Mellados 337 Nilles N 264
Melzi G 341 Nisius J B 23
Mencken J B 331 Norden E 339
Meusel J G 331. 332. 340 Noris H 148

3
        <pb n="386" />
        374 Personenregister
Norrenberg P 339 ! Petavius D 141
Notton M 202 Petrus Lombardus 273
Pettersen H 341
Oberrauch H 148 Petzholdt J 333. 356
O0’ Connor 141 Pez B 359
Oedmann S 268 Pierer 337
Omont H_ 336 Pietsch K 341
Orsi A F 148 Pipin 112
Ost L_ 349 Pisanus A 72
Oesterley H 354. 356 Pitra G B %20. 359
Othmer G 333 Placeius V 159. 174. 179. 181. 333.
Oettinger EM 333 341
Öttino G 333 Plarr V G 333
Overmans J X. 155. 178. 191.292. Plato 118 f
313 PJautus 14
Plinius 170. 171
Pachtler GM 7.8. 11.12.13. 15.16 Pomba 337
Pagliaini A 336 Poole W Fr 348
Palfray X 189 Porta G 124, 159. 206
Pallas 337 Possevino A 8. 59. 90. 141. 171
Palmer 348 Potthast A 334, 356. 359
Palmieri A 21 Preuschen E 123. 124, 192
Pangerl F 1X Probst J 24
Panzer GW 333 Proctor R 333. 348
Paoli C 199 Proklos 221
Pape P 259; — W 192 Prou M 199
Papehrock D 92 f Prutz R 344
Pascal B_215 Ptolomaeus (Tolomei) G B 148
Pasche V 276 Pusey Ph E 314
Passano.G 341 Pythagoras 163
Passow F 192
Pastor L von 154 Querard J M 341
Patrick D 333
Paucker GC 192 Raebiger J F 338
Paul H 186. 191. 206. 276 Racke K 251
Paulsen F 6. 15. 21. 33—35. 60. ARahir E 333
141. 266 Raleigh W 251
Paulus HG E 101. 204. 238 f Raßmann F 341
Pauly 337 Rauch F 302
Peignot G 333 Rauschen M G 62. 357
Peitz W IX Reclam Ph 276
Penzler J 356 Reiche S G 353
Perennds F 333 Reichling D 331
Pertz G H 359 Reimarus HS 203 f

A
        <pb n="387" />
        Personenregister
Rein W 52 Sanders D 251
Reinach S 227 Sanmarthanus (de Sainte Marthe)
Reinke L 148 f D 148
Renan E 101. 195 Sattler M 8
Reuß J D 353 Sauppe H 360
Rezitre E de 353 Saxe C 339
Rhodius J 341 Schaaf 338
Richard 360 Schäfer E 145
Richardson EC 348 Schäfler 3 338
Richer E 148 Scheffler Th 335
Richter P E 333 Scheid H 15
Richthofen F von 21 Scherer 228
Riedler A 33 Scherr J 339
Riese A 358 Schiele FM 338
Ritschl Fr W 34 Schiller K 192
Ritter K 356 Schlegel W 64
Rocco E 341 Schleiermacher Fr 187
Roiron F X M J 108 Schleiniger N 251
Rossi G B de 136. 138. 358 Schlessing A 251
Rosweydus H 360 Schlossar A 344
Rotermund H W 332 Schmersahl E F 334
Roth E 352 Schmid K A 7. 16
Rothluff 331 Schmidkunz H X. 31. 35. 51. 82.
Rottmanner 085 122 f. 134 f. 157. 266. 296
Rousselot P 108 Schmidt A G 342
Rouwveyre E_ 333 Schmiedel P W 265
Rowe E 325 Schneller L 323
Royer E 239 Schönbach A E 142
Ruinart Th 360 Schopenhauer A 102
Ruland R 334 Schöpfer Ae 201
Rupprecht Chr 265 Schramm H 333; — S 210
Schroeder O0 251
Sabin J 334 Schrörs H_X. 26. 28. 56. 67. 75.
Sablatzkij M 342 130 f. 151. 164. 227. 266
Sacchini Fr 142. 159. 160. 162.171 Schröter Th 180
Sailer J M 91 f Schulte F J 334
Sainte Marthe (Sanmarthanus) D Schultz O0 A 334
de 148 Schultze V 154
Saint-Laurent H 337 Schürer E 154
Saintyves P 25 Schuster H 154
Sallwürck E von 16 Schwab J J 343
Salomo 108 Schwenke P 356
Salomon L 344 Scott 192
Sanchez T 148 Seelmann W 334

375
        <pb n="388" />
        8. Personenregister
Segut 337 Szekely St 186. 192
Seidel C. 265
Seignobos Ch 117. 206. 207. 208. Taine H 197
241. 243, 244, 249 Tangl M 199
Seybold 3 142 Tavernier E 344
Sickenberger J 214, 291 Terbeck J 353
Siebourg M 70 Terenz 14
Signerin Ch 334 Tertullian 145. 215
Silva J F 334 Teubner B G 357
Sladen D 334 Teufer J 70
Smend R 254 Thelert G 334
Smith B E 337; — W 338 Theodosius Archidiaconus 220
Smits W 16 Thiersch FW 34
Soden H von 214, 268 S. Thomas Apostel 143; — von
Sokrates 119 Aquin 108. 202. 273
Sommervogel C 335. 342 Thomassin L 198
Soennecken F 180 Thompson 265; — E M 199
Sonnenschein WS 334. 355. 356 Tiüllie G 276
Sophocles EA 192 Titius A 154
Spemann W 339 Tobler A 186. 206; — T 357
Stählin O0 207, 210. 211. 230 f. Tolomei (Ptolomaeus) G B 148
231. 232. 259. 265. 267. 269.271. Toner PJ8
279. 283. 284. 286. 288. 289, 308. Treitschke H. von 33
314. 315. 317. 320. 322. 324 Trübner K 332
Starck (Fortius) J 141 Trumbull HC 323
Stattler B 91 f Turinaz Ch F 25. 124
Steffens F_199 Tuzer A 23
Stein H 334. 344
Steinthal H_ 187 Ude J IX
Stephanus (Estienne) H 192 Unger G F 265; — W 276
Stephen IL 334 Uriarte J E de 342
Stier 3 159
Stieve F 206. 232 Vacandard E 154
Stiglmayr J 221 Vacant A 338
Stobaeus J 159 Vaganay 330
Stöckl A 151 Vaihinger H 112. 118f. 121 f. 124
Stolzenberg 180 Vallardi 337
Strauß D F 101, 156. 204 Vallde L 334
Streitberg W169 Van Doorninck J I 340
Strodtmann 331 Van Herwerden H 192
Sturm J 161 Van Hoestenberghe L 239
Suarez F 147 Van Laak MH 16. 67. 147
Surius L 360 Vapereau G 334. 339
Switalski W262 Varus Qu 112

276
        <pb n="389" />
        Personenregister
Vatasso M 356 Wetzer HJ 339
Vergil 14. 108 Weyde J 256
Verres 91 f Wheatley HB 41
Vetter W353 Wheeler WA 356
Vicaire G 334 Wilhelm von Stuttgart 322
Vigouroux F 339 Willmann O0 35
Vincent B 355 Wilson J G 334
Virgilius (Itinerarium) 220 Wimmer J 1X
Vives J L 59. 61. 88. 90. 159. 171 Winckler H. 200
Voß 64 Winer G B 192. 264. 265. 268
Winiewski F 354
Wace H 338 Winkler Prins 337
Wachler L 339 Wissowa G 265. 337
Wagner X 356 Witney J L 336
Waldow A 276. 290 Witte H_ 334
Wale W 356 Wittichen K 265
Walsh 338 Wolf (Lupus) Chr 148; — FA 19.
Walther Ph A F 353 20. 27. 29. 34. 35. 187
Wasmann E 239 Wrede W 101
Watt R 334 Wustmann G 251
Walttenbach W199. 358
Weber 355; — JJ 276; — L 70 Zahn Th 282
Wegner G 353 Zarncke Ed. 346; — F 346
Weinberger W354 Zedler J H 337
Weinel H 123. 125 Zeiß J G 351
Weiß B 101; — J 101 Zeitlin W342
Weitenauer I 142. 143. 149. 159. Zenker E V 344
161. 171. 172. 206 Ziegler Th. 5
Weller E 342 Zieler G 335
Welte B 339 Zöckler O0 202. 204f
Wenig 23 Zondervan H 337
Wernle P 101 Zöpffel R 338
Wetstein J J 197 f. 285 Zorell F 192
Wetzel F X 142. 159 Zschokke H. 22, 23

377
        <pb n="390" />
        Orts- und Sachregister
Orts- und Sachregister
Die Zahlen bezeichnen die Seiten
A und ae in der alphabetischen Akte, akademische 4. 7. 9. 10. 68
Reihenfolge 50 Aktenkasten für Kollektaneen 178.
Aa0 bei Zitaten 269 180 |
4b in Familiennamen 45 Aktuelle Fragen 56. 118 f
Abgeleitete Quelle 130 £ Akzente 211. 225. 287. 288
Abhandlung, wissenschaftliche 106 Alexandriner 200 f
—110: Begriff und Aufgabe 106 Alinea 231. 255. 280. 310. 311
—108; Bedeutung 108 f; An- Allegorisieren 200 f
forderungen und Schwierigkeiten Allseitigkeit der Disposition 248
109 f; Methode 111— 328 Alphabetisches Register 316 f;
Abhängigkeit der Texte 212—214, Reihenfolge in Bibliothekskata-235
 f logen 40—50; der Kollektaneen-Abkürzung
 257—260. 168. 225 230. zettel 177
288. 291. 318 Amerika 20, 22
Ablieferung des Manuskriptes 300 Analytisch-synthetisch 151
Absatz eines Buches 294. 295, 298. Änderungen bei der Korrektur 303.
301 f 307; der Zeilen 308 ; b. Zitaten 270
Absatz (Alinea) 231. 255, 280. Anfänge der Seminarbildung in
310. 311 den alten Schulen 3—17
Abschreiben von Zitaten 264 f Anfangsbuchstaben 225. 230. 3924;
Absicht des Autors 194 -seite und Schlußseite zitieren
Absönderliche Titel 321. 322 168. 267 f. 316
Abstand der Zeilen 279, 310 Anführungszeichen bei Zitaten 270f
Abstrakte Ausdrücke vermeiden252 Angemessenheit der Sprache 250 f;
Actus in den alten Schulen 4, 7. 68 des Titels 326
Adelsgrad beim Katalogisieren 47 Anmerkungen 281—284. 291; in
Adversaria bei Kollektaneen 172 Textausgaben 284—289. 319
Akademie in den alten Schulen 4f, Anonyme 47 f. 325. 339 —342
8—11. 12. 23 Anregung beim Rezensieren 89
Akribie 167. 254. 257. 264—274 Anschaulichkeit der Darstellung 252

378
        <pb n="391" />
        Orts- und Sachregister 5.3
Anschauungsmittel 50—52 Ausrufungszeichen bei befremd-Ansichtssendungen
 40. 65 lichen Ausdrücken 231 f; am
Anspielungen im Text 212. 284. 285 Schluß eines Zitates 271
Antiochien 221 Ausschluß (Setzersprache) 309. 311
Antiqua (Druckschrift) 280. 305 Ausschnitte aus Zeitungen 157 f.
Antiquariatskataloge 40 166. 168
Antwerpen 16 Ausstattung eines Buches 301. 302.
Ap in Familiennamen 45 304 — 306
Apostelgeschichte 221 Auszüge 93. 162—169; s. Kollek-Apostolat
 der Wissenschaft 119 f taneen
Apparat, gelehrier 103. 104; in Autograph 209. 217
Textausgaben 285—289, 211. Autor und Verleger 293 -— 303:
222. 229. 319 Wahl des Verlegers 293 f; Ho-Arabische,
 nicht römische Ziffern norarfrage 294 —297; Höhe der
beim Zitieren 267 Auflage 297 f; neue Auflagen
Arbeit, persönliche 145—147; s. 298 f; andere Vereinbarungen
Selbsttätigkeit; schriftliche 71— 299—302; Verlagskontrakt 302 f
110. 10. 11. 23. 52. 54 Autorenkatalog 42
Arca studiorum 181 Autoritätsbeweis 261 f
Archäologie 136. 138. 198. 199
Archirvforschungen 114 f Bandwurmartikel 291 f
Argument, negatives (ex silentio) Bandzahl 43. 267. 272 f
208 f Bayern 138
Art der Veröffentlichung 290—292; Bearbeitungen von den Quellen zu
des Zitierens 264 —274 unterscheiden 130 f; eines Textes
Artikel im Ordnungswort 44, 48 46
Artikel in Zeitschriften 103 f. 290 Bedeutung des Gegenstandes bei
—0992 der sachlichen Ordnung 243 ; der
Aufbewahrung der Kollekıaneen Quellenschriften 153; des Zi-178—181
 tates 261 f
Auffassung fremder Ausführungen Bedürfnisse der Gegenwart und
6. 60. 77; bei Wunderberichten Themawahl 119 f
238—9240; s. Verständnis Begriffsbildung durch die Dispu-Auflage
 43. 267; Bezeichnung 267. tation 59
298 f; Höhe 297 f; neue 298 f. Beharrlichkeit 146 f. 328
303; neueste benutzen 156 Beherrschung des Gegenstandes
Ausdauer 146 f. 328 60. 245
Ausdrücke, charakteristische 266; Beilagen eines Buches 301. 309 ; wis--sweise,
 populär-wissenschaftliche senschaftliche der Zeitungen 103
102 f Beirut 69
Aushängebogen 307. 316 Beispiele sammeln 165. 166; von
‚Auslassungen im Text ‚224. 225, Zeitbenutzung 147 f
231. 286; bei der Korrektur 307 Belehrung beim Rezensieren 89
Auslegung 187; s. Verständnis Belgien 20. 21. 22. 96

37.
        <pb n="392" />
        3 Orts- und Sachregister
Belletristische Kritiker 85 f Bibliographie 241. 258. 259. 260;
Benediktiner 8. 289 Verfassername im Katalog 46;
Benutzung eines Textes 212. 218. bibliographische Hilfsmittel 38.
220. 233 39. 131. 133. 139 f. 150. 164.
Beobachtungen auf Reisen 166 329 — 360; der Zeitschriften 145.
Bequemlichkeit bei der Themawahl 342—348
112 Bibliothek 37—50; Kataloge 40
Beraubung, heimliche 266 —50; — serfahrungen 38 f. 49,
Berechnung des Manuskriptes 289 f 269; — ordnung 365 f; — ver-Berechtigung
 des Zitates 261 f hältnisse bei der Themawahl be-Berichterstattung
 als Seminararbeit achten 114; vatikanische 210
76 —79; beim Rezensieren 93.95 Bilder als Lehrmittel 51; — und
Berichtigungen 164. 320; im Manu- Vergleiche 165; -reiche Titel
skript 279 f; von Textfehlern 321. 3292
226 f Bildung, seminaristische in den
Berlin 20. 27 alten Schulen 3—17
Bescheidenheit 72. 92 f Biographien, Verfassername im
Beschränkung des Themas 115 f Katalog 46
Besprechung der Fachliteratur 64 Bogleiana (Bibliothek Oxford) 210
—66. 77; der Seminararbeit 74 f; Bonn 154
eines Textes 63; s. Rezension Borgis (Druckschrift) 305 f
Bestimmtheit des Themas 116 f; Brechung d.Druckseiten 306.307.308
des Titels 326 Breslau 27. 146
Beurteilung der Quellen 206-240: RBrjefordner für Kollektaneen 180;
Literatur 206 f; Einleitendes 207 -wechsel, wie katalogisieren 46
—209; Hilfsmittel 209—217; Broschüren 104. 166. 178. 297
Entstehung u. Echtheit 217—222; Buch beim Ordnungswort 48; —
Erhaltung und Unverfälschtheit ausstattung 301. 302. 304 — 306;
222 — 228; Textgestaltung 228 — staben als Seitenteiler 268;
—232; Glaubwürdigkeit und als Verfasserbezeichnungen 47
Wahrheit 232— 240; — 127.149. Bücherkenntnis 38 f; 64f. 122;
153. 185 -verzeichnisse, allgemeine 335 f
Beweis, negativer 208 f; populär- Bürstenabzüge 306
wissenschaftlicher 103; — kraft
der Argumente 243 f Cambridge 210
Bezeichnung der Auflage 267. 298 f ; Card Index System 175
der Textzeugen 285 f; der Zeit- (asus in den alten Schulen 4.7 f. 23
schriften und Sammelwerke 258 f Charakter der Quellen 234; - isti-Bibel
 wie katalogisieren 46; wie sche Ausdrücke 266
zitieren 273; -forschung 104; Chrestomathien, Verfassername im
-institut 69; -kritik, negative Katalog 46
104; -text 211. 214. 224. 314. Chronologische Folge beim Quellen-315;
 biblische Philologie 192 studium 152; bei der Sichtung
Biblia als Ordnungswort 46 des Stoffes 241 f

80
        <pb n="393" />
        Orts- und Sachregister 381
Cicero (Druckschrift) 305 f Disposition des Stoffes 245 —948:
Cimelien einer Bibliothek 41 Notwendigkeit 245 f; Eigenschaf-Ciroulus
 in den alten Schulen 4. 7 ten 246—48; — 110. 185. 256.
Collatio casıum in den alten Schulen 312
7 f. 28 Disputation in den alten Schulen
Collegium 4. 17; — elegantioris 5—8. 33 f; im Seminar 57— 61;
litteraturae in Halle 19 bei öffentlichen Promotionen 58 f
Concertatio in den alten Schulen 5 Dissertationen 109; s. Abhandlung
Conversatorium 23 Dittographie 225
Corpus iuris, wie zitieren 273 f Dogmatische Untersuchungen 131
Doppelauflage 299; -drucke 3923;
Da vor portugiesischen Namen 45 -lauter in der alphabetischen
Da’, dai, dal vor italienischen Reihenfolge 50 ; -namen 45; -ver-Namen
 45 weisungen 269 f
Darstellung des Stoffes 249—275: Dotation des Seminars 39. 52 f 363
Vorbemerkungen 249 ; allgemeine Druckbogen 301; älteste Drucke 211 5
Erfordernisse 250 — 253; Schreib- -fehler 96. 142f. 228. 230. 265.
weise 254 - 256; Abkürzungen 270. 279. 320. 324 f; -fertig 301.
257—260; Zitate 261—275; — 308; -kosten 294. 295. 296. 297;
populär - wissenschaftliche 98— -Jegung 304—311: Format, Pa-105:
 Aufgabe und Bedeutung 98 pier und Satz 304—306; Kor-—100;
 Anforderungen 100—103; rekturregeln 306—308; Korrek-Arten
 103—105 turzeichen 308 —310 ; Probe eines
De vor holländischen Namen 45 korrigierten Textes 311; -schrift
De’, dei, del vor italien. Namen 45 (Typen) 301. 305 f
Declamatio in den alten Schulen 5 Duw vor französischen Namen 45
Defendent in der Disputation 58 Dublettenaustausch 40
Demut 72. 92 £ Duodez 304
Denkweise, logische 60 Durchschuß (Setzersprache) 310.
Des vor französischen Namen 45 311
Desideratenlisten für die Thema- Durchsichtigkeit der Disposition 246
wahl 123 —125
Detailangaben hei der Rezension AHirhtheit eines Textes 217—92992
93 f. 96; in Texten 236 f. Ecole bihblique 69; des Chartes 20.
Deutlichkeit der Abkürzung 257; 69; pratique des Hautes Etudes 20
der Schrift 279 Edelsteine in der Bibel 263, 264 f
Deutschland 19 f. 21. 22. 296 Editio princeps 211
Dialektbildungen 189 Editionstechnik 206 f, 228—2392
Dialektik, scholastische 5 f Ehrlichkeit beim Rezensieren 85:
Diapositive 51 beim Zitieren 266
Diphthonge in der alphabetischen Kigennamen 44 f, 225. 230. 279
Reihenfolge 50 Eigenschaften der Disposition 246
Diskussion in den alten Schulen 9. —9248 ;der Rezension 86 —93; des
10; im Seminar 55-57. 74 f Themas 112—120; des Titels 326 f
        <pb n="394" />
        38 Orts- und Sachregister
Einfachheit der Sprache 250; des Kwvangelien 63 f. 101. 156. 177. 200.
Titels 321 f. 326 f 203 f. 221. 314; -Kkritik 204;
Einheit, organische, der Wissens- synoptische 236
gebiete 135 Explicit 43, 217
Einleitung 155. 319 f Exzerpte 93. 162—169; s. Kollek-Einrichtung
 der Kollektaneen 170 taneen.
—178
Einschaltungen hei Textausgaben f und ff bei Zitaten 268
231. 286; s. Zusätze Fabrikbetrieb, wissenschaftl, 146
Einseitig schreiben 182. 278; -keit Fachkatalog 42; -literatur 40, 64
116 —66; -zeitschriften 39 f; s, Zeit-Einteilung
 der Kollektaneen 176 f; schrift
des Textes 254 f. 256. 312. 313f Fächer, offene, für Kollektaneen
Einzelangaben prüfen bei der Re- 179. 180
zension 93 f. 94 f. 96; in Texten FaculteE orientale 69
236 £f; -blätter für das Manuskript Fähigkeiten prüfen hei der Thema-278
 wahl 113
Empfindlichkeit 75, 88 Fahne, -nabzug (Setzersprache) 306.
England 138. 327; englische Eigen- 307; -karten für Kollektaneen
namen 45 175. 182 f,
Entlehnung der Bücher aus der Falsches Verständnis der Quellen
Seminarbibliothek 39. 365 f 199—205
Entstehung eines Textes 198. 217 Fälschungen der Textüberlieferung
—922 226
Enzyklopädien 150. 258, 259. 336 Familien der Textzeugen 212—214,
—09809 222; -namen in den Katalogen 44 f
Ephesus 226 Fassung des Themas 115 f
Episkopat, österreichischer 24, 27. Fehler der Textüberlieferung 222
361 —3228: Arten 224 f; Quellen
Erfahrungstatsachen notieren für 225 f; Berichtigung 226 —228; —
die Kollektaneen 166 213. 219
Ergänzungshefte 292 Festakt, akademischer 68 f; s, Akte
Erhaltung eines Textes 222—228 Fettdruck 280. 310
Erklärung der Abkürzungen 259f; Figuren und Tropen 251
schwieriger Stellen in Textaus- Fitz in Familiennamen. 45
gaben 284 f, 285; von Texten, MFliegenkopf (Setzersprache) 311
Verfassername im Katalog 46 Flugblätter aufbewahren 166
Erlebnisse notieren für die Kollek- Folge, logische 244; zeitliche 241 f;
taneen 166 -richtigkeit des Denkens 60; der
Erscheinungsjahr und -ort 43. 168. Disposition 243 f. 247
324 Folio 304. 305
Erschöpfte Fragen 112. 117 f Förderung der Forschung 106— 108,
Erwiderungen auf eine Kritik 116—118
96 f Form der Anmerkungen in Text-5
        <pb n="395" />
        Orts- und Sachregister 383
ausgaben 284—289; der Aufzeich- Gedanken, originelle notieren 94
nungen für Kollektaneen 166— Gegenstand der Kollektaneen 162
169; der Disputation 57 f; der Ka- — 166; der populär-wissenschafttalogzettel43;
 der Textgestaltung lichen Darstellung 101; der Zi-228—232;
 der Vornamen 46 ; der tate 262—264
Zitate 264—274 Gegenwart berücksichtigen bei der
Format eines Buches 43. 301. 304 f Themawahl 119 f
Formelkram 190. 191 Gehässigkeit hei der Rezension 85.
Formierung der Druckseiten 306. 87. 88 f
307. 308 Gelehrtenstil 250
Forschung,Förderung der106—108, (Gemeinsamkeit bei der Themawahl
116 —118; und Volkskreise 98— 112; -verständliche Ausdrucks-105;
 -sreisen 115 weise 102 f
Fortschritt, moderner 3. 34, 50. 204. Genauigkeit Standestugend des wis-237—239
 senschaftlichen Arbeiters 167 ; bei
Fortsetzungen, wie katalogisieren den Abkürzungen 257; bei der
17; von Zeitschriftartikeln 291 f Darstellung 254; in der Fassung
Frage, synoptische 236; wissen- des Themas 127; in der Frageschaftliche
 Diskussion im Seminar ‚stellung 116 f; beim Zitieren
55-57; Gegenstand der For- 264—274
schung 98 f. 106 f; gemeinsame Geographie 20. 198. 199; geogra-Untersuchung
 im Seminar 66— phische Ordnung 242 f
68; s. Thema; «stellung 111.133. Geräte als Lehrmittel 51
138; s. Themawahl; -zeichen CCerechtigkeit beim Rezensieren 87
bei unsicherer Lesung 231; am Geschichte der Literatur 339; der
Schluß eines Zitates 271 Seminare 3—25 ; der Zeitschriften
Fragmentist, Wolfenhbütteler 203 f 342—344; -sforschung 20. 112,
Fraktur (Druckschrift) 305 129. 131. 134. 138.152. 186 f,
Frankreich 20. 21. 25. 96. 138. 198.199. 209. 229. 238—240, 244,
296; französische Eigennamen KMGesellschaften, gelehrte 350—354
45; -es Preßgesetz 96 f Gesetz, Thomäisches 143. 193. 264;
Freiexemplare 299 f. 302, 303 -sammlungen, wie katalogisieren
Fremdsprachige Zıtale 271. 279. 48
282; -wörter 159. 230 Gestaltung des Textes 228—232
Fundort bei Zitaten angeben 168. (Glanz des Druckpapiers 305
264; ursprünglicher 129 f; ©, Glaubwürdigkeit eines Textes 232
Quelle —9240
GHeichmüßigkeit der Disposition
Gaza 221 248; der Schreibweise 255
Gebote für Anmerkungen 283 Gleichnisreden Jesu 107. 114. 136,
Gebrauch der Seminarbibliothek 202
39. 65 f Gnostiker 200
Gedächtnis unzuverlässig 160 f. (Göttingen 19. 34
162. 177 Grammatischer Kontext 193
        <pb n="396" />
        3b Orts- und Sachregister
Greifswald 154 Herstellungskosten 294, 295. 296.
Grenzgebiete, wissenschaftliche 135f 297. 301 f
GFriechen, orthodoxe 226 Hervorhebung einzelner Teile im
Griechisch in den alten Schulen Druck 306. 312; im Manuskript
12, 14 280 f
Gründe, innere. und äußere 208. Heuristik 128. 129—140; s. Quel-209.
 214—217. 219—221. 222. lenkunde
232—237 Hilfsmittel von den Quellen zu
Fruppen der Handschriften 286. unterscheiden 130 f. 132. 133.
288; bei den Kollektaneen 176; 138 f; bei der Beurteilung eines
bei der Rezension 93 f. 95 f; Textes 209—217; bibliograph.
der Textzeugen 212—214 131. 133. 139 f. 329—360 ; des
Gymnasium 5. 15. 126 Seminars 36—53; sprachliche
191 f; bei der Themawahl be-Halle
 19. 20. 34. 35 rücksichligen 114 f
Handbücher 38. 39. 121.191 f.199 Hilfswissenschaften 135 f
Handelsbetrieb, wissenschaftlicher Hintergrund, sachlicher 197—199
146 Hinweise bei Katalogen 42. 43. 47.
Handschriften 41. 209—211. 213. 49; bei Kollektaneen 176; beim
217. 224, 268. 314. 315. 320; Register 317
Abkürzung 288; Bezeichnung Historica bei Kollektaneen 172
285 f; -forschung 114 f; -kunde Hochschule 3 f. 5; s. Seminar,
199; Verzeichnisse 354 Universität
Haplographie 225 Hochzeit (Setzersprache) 311
Harz 70 ) Höhe der Auflage 297 f. 301. 302.
Haupt- und Nebensachen unter- 303; des Honorars 294—297.
scheiden 151. 243. 247. 281 f; 302. 303
beim Rezensieren 94 Holländische Eigennamen 45
Hausarbeiten 109 Holzfreies Papier 305
Hebräisch in den alten Schulen AHomoioteleuton 225
12. 14 Honorar 291. 294—297. 298, 301.
Heftmethode bei den Kollektaneen 302. 303
170—174 Hörfehler in der Textüberlieferung
Heidelberg 238. 325 225
Heilige, Vornamen im Katalog 45 Hyperinterpretation 200 £
Heilungswunder Jesu 136 Hypothesen 101. 107. 117. 226 f
Hellehistisch 189. 190. 192
Herausgeber, Bezeichnung in text- Jahr der Veröffentlichung 43. 49,
kritischen Anmerkungen 286; im 267; -bücher, wie katalogisieren
Katalog 46 46; -gang bei Zeitschriften 272 f.
Herkommen bei der Themawahl -zahl auf dem Titel‘ 324
111 £f. 116 f Ideale Urgestalt des Textes bei
Hermeneutik 62. 63. 186—205; s. der Textgestaltung 228 f; bei
Verständnis der Quellen Zitaten 270

+44
        <pb n="397" />
        Orts- und Sachregister ©)
Ideenassoziation 59 mittel 51; -system für Kollek-Jerusalem
 69. 226 taneen 175. 181
Jesuitenschulen 8, 16. 22 f Kartotheken für Kollektaneen 175,
Tilustrationen 301, 305. 306 181. 183
Impressionistische Kritik 87 f Kataloge der Bibliothek‘ 40—50 ;
Imprimatur des Autors 301. 308 allgemeine Bücherk. 335 f; der
Index 308; -katalog 42 Handschriften 354; von Lehr-Individueller
 Sprachgebrauch 191. und Anschauungsmitteln 51f;
215 f. 219; Themawahl 112 — 114 der Verlagshandlungen und An-Inhalt
 einer Schrift prüfen für die tiquariate 40; der Zeitschriften
Beurteilung 216 f. 219 —221; für 342—348 ; -zettel 43 ; Zuwachsk.
das Verständnis 194—199; -sver- 348 — 350
zeichnis 155. 256.315—317; der Kazan 21
Zeitschriften 348 Kenntnis des Gegenstandes 84.101 f.
Initia bei patristischen Werken 43. 207 f; der Literatur 38f. 64 f. 122;
355. 356 der Person des Autors 153 f; seine
Initialen als Verfasserbezeichnung K.e prüfen bei der Themawahl
47; -buchstaben bei Titeln 324; 113 f
-siglen 258 f Kevelaer 16
Inkunabeln 41 Kirchenlexika 150. 338 f
Innsbruck 22 £. 24, 30. 40 Klarheit der Kritik 88; der Sprache
Institute der Universität 3 f 250; des Titels 326
Interpolation 224 Klassische Sprache 189; Studien
Interpretation der Quellen 127. 186 in den alten Schulen 13—15;
—905; s. Verständnis; eines an der Universität 18— 20
Textes im Seminar 62—64 Kleindruck 281. 282, 283 305 f.
Interpunktion 225, 228 f. 230 f. Kleinigkeitskram 86. 96. 116
255 f; in textkritischen Anmer- Kodizes s. Handschriften
kungen 288; bei Titeln und Kollationieren der Handschriften
Überschriften 325; in Zitaten 210 f
272 f Kollektaneen 159—183: Literatur
Johannesevangeliun 200 159; Notwendigkeit und Nutzen
Irreleitende. Titel 323 160—162; Gegenstand 162—166;
Ischia 70 Form der einzelnen Aufzeichnun-Islam,
 antimohammedanisches Se- gen 166—169; Einrichtung und
minar 21 Ordnung 170—178; Aufbewah-Italien
 96. 138. 296; italienische rung 178 —181; Praxis 181—183;
Eigennamen 45 — 192. 128: 158
Italiques (Kursivschrift) 280. 310 Kolumnentitel 312 —315
ITtaziemus 225. 287 Kommentare als Textzeugen 211 f.
Judengfiechisch 190 218
Kommissionsverlag 296 f
Kalksburg 70 Komposita im Ordnungswort 48
Karten 301. 305. 306; als Lehr- Kompromißpolitik 88
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten, 3% Aufl.

380
95
        <pb n="398" />
        385 Orts- und Sachregister
Kongenialität beim inhaltlichen La vor französischen Elgennamen
Verständnis 196 45
Kongruenz des Titels 326 Ladenpreis 294, 295. 297, 301 f
Konjektur 223. 226 —228. 287. 288 308
Konkrete Darstellung 252 Land des Autors berücksichtigen
Konstantinopel 226 189. 196. 197. 198
Kontext, grammatischer, logischer, La Rochelle 25
psycholog. 193; bei Zitaten 263 Latein in den alten Schulen 14:
Kontrakt mit dem Verleger294—303 latinisierte Namen 45
Kontrolle der eigenen Zitate 265; Le, les vor französischen Eigenbei
 der Korrektur 308; fremder namen 45
Zitate 264 f. 266. 284 Leben - Jesu - Forschung 101. 156.
Konversationslexika 150. 263. 336 203 f. 237—240; s. Evangelien,
—338 Parabeln, Wunder
Konzentration bei der Darstellung Lebensverhältnisse des Autors be-252
 f rücksichtigen 195 f
Korpus (Druckschrift) 305 f Lehramtskandidaten 13—15. 19 f.
Korreferent 57. 74. 75 21. 34 f. 109
Korrektur 291. 301. 303. 306 —311. Lehrmittel 36 f. 50—592. 53
313. 316; Regeln 306 — 308; von Leiche (Setzersprache) 311
Textfehlern 226—228; Zeichen Leihverkehr der Bibliotheken 65
308—311; -en in Handschriften 114. 156 £
211; im Manuskript 279 f Leipzig 146
Kosten des Druckes 294. 295. 296. Leiter der Seminare 11. 19 f. 31.
297. 301 f 38. 39. 51. 53, 57. 66. 67 f. 362
Kriterien, innere und äußere bei Leitkarten 175. 182 f
der Textkritik 208. 209. 214 — Lektüre und Interpretation von Tex-217.
 219—221. 222 f. 232 - 237 ten 12. 14. 62—64, 77; — und
Kritik 62. 64; der Quellen und Studium 141—158: Literatur
des Textes 127. 149. 185. 206 141 f; Voraussetzungen 142—
—9240; s. Beurteilung derQuellen; 149; Praxis 149—158
Kunstkritik 82. 87; literarische Lesarten 209. 213. 222—298 ; in
82, 85; philologisch-historische textkritischen Anmerkungen 285
207 ; rezensierende 80 — 97.207; s. —289: Auswahl 287; Bezeich-Rezension;
 Stimmungskr. 87 f; nung 296 f; Reihenfolge 287 f;
kritische Anmerkungen 286 — 289 Trennung 286 f; -ebücher, Ver-Kritikaster
 85 £ fassername im Katalog 46;
Kultur, moderne 3 f; -geschichte -fehler in Handschriften 225
199 Liber in Buchtiteln 48; — ponti-Kunst,
 kirchliche .70 ; -kritik 82, 87 ficalis 214
Kurrentschrift 182 Lichtbildervorträge 51
Kursivdruck 280. 310 Liedersammlung, Verfassername im
Kürze des Titels 322. 326 f Katalog 46
Kustos des Seminars 37. 362, 366 Listen für dieT hemawahl 123—125
        <pb n="399" />
        Orts- und Sachregister
Literatur zum Thema 132. 150; Mauriner 289
„angaben 241. 282; in den er- Mechanische Fehler in Handschrifklärenden
 Anmerkungen 285; ten 225
-gattung der Quellen 199; -ge- Medizin bei der Wundererklärung
schichte, allgemeine 339. 344 — 136. 238— 240
346; periodische 46. 48. 49. 65f. Mehrdeutige Abkürzungen 257. 259
272 f. 342—348; s. Zeitschrift; Menstrua disputatio 7
„verzeichnis 317 —319; sein Platz Merkkarten 175. 182 f
319; -zeitung, theologische 154 Methode des Arbeitens 111—8328:
Lob und Tadel bei der Rezension Themawahl 111— 125 ; Sammeln
85. 87 des Stoffes 126 — 183; Verarbei-Logische
 Denkarbeit 60; Folge 244; ten des Stoffes 184—248; Darstel-Kontext
 193 lung 249 - 275; Veröffentlichung
London 210 276—328; — 926 f. 29 ; bei Kollek-Löwen
 21. 90 taneen 170—178; des Unterrichts
Lücken im Text 211. 213. 224. 13. 19
995. 231; Bezeichnung in den AMetrik, hebräische 118
textkritischen Anmerkungen 286 Metrologie 263
Lumpenpapier 305 Milieu 197—199
Mitarbeit der Studierenden 5. 6. 9.
MM, Mac, Mc in Familiennamen 45 10 f. 18. 21. 26. 30. 31--33. 61.
Magister sententiarum 273 67.73; -er, Bezeichnung in Text-Mangel
 an Bücherkenntnis 38 f. ausgaben 286
64 f; an Sachkenntnis 201 f; Mitglieder der Akademie 9; des
an Voraussetzungslosigkeit 203 f. Seminars 363—365
207 f. 237. 240 Mittelalter 5 f; lateinische Lite-Manuskript
 der wissenschaftlichen ratur 124; -liche. Autoren, wie
Arbeit 254 —256, 278-281; Be- katalogisieren 45
rechnung 289 f; Lieferzeit und Mode bei der Themawahl 111 f.
Umfang 300; -e s. Handschriften ; 116 £
Abkürzuug 289 Modelle als Lehrmittel 51
Mappen für Kollektaneen 178. 179f. Moderator der Akademie 9. 10
Marburg 325 Mohammedaner, antimohammeda-Märchensammlung,
 Verfassername nisches Seminar 21
im Katalog 46 Monographien 72
Marginalien 315 Monumenta Germaniae historica
Mariengrab 226; -verehrung 204 f 289, 305. 359
Martyrologium 64 Moraltheologie 7 £
Maßangaben 262 f; -halten hei Ab- München 70
kürzungen 257; bei Anmerkungen Münzen als Lehrmittel 51
281; bei Kollektaneen 163 f; bei Mythentheorien 200 f
Literaturangaben 318; beim Zitieren
 263 f Nachahmungen eines Textes 212.
Mathematik 12. 20 218. 284 f, 285; von Titeln 322 f

387
9E#
        <pb n="400" />
        385 Orts- und Sachregister
Nachlässigkeit im Zitieren 263 f. Opponenten bei der Disputation 58
264 f Ordensleute, Name im Katalog 45
Nachprüfung der eigenen Zitate Ordnung der Kollektaneen 170—
265. 308; fremder Zitate 264 f, 178; des Literaturverzeichnisses
266. 284 318 f; beim Quellenstudium 151
Nachschlagewerke 38. 39; hiblio- —153; des Stoffes 110. 185. 241
graphische 329—335 —244; der Zitate 274 f£; -swort.
Nachträge im Manuskript 279 f£ in Bibliothekskatalogen 42. 43
Name des Verfassers im Katalog —50; bei Kollektaneen 169. 171.
44-—46; bei Zitaten 271; s. Vor- 173. 175 f. 177. 178. 180
name Orientierungsvorlesungen 29, 32
Nancy 124 Originaltext, idealer, bei der Text-Nationalität
 d. Verfassers bestimmt gestaltung 228 f; bei Zitaten 270
die Form des Vornamens 46 Ort der Veröffentlichung 43. 267;
Naturwissenschaften 20. 27. 69 f£. -sangahben bei Kollektaneen 168;
100, 107. 114. 117. 136; -wunder -register 316 f
Jesu 239 Orthographica nicht im kritischen
Neben- und Hauptsachen unter- Apparat 287; notieren bei der
scheiden 151. 243, 247. 281 f; Kollation 211; -ie bei der Text--titel
 44 gestaltung 223. 228. 229, 230;
Negatives Argument 208 f bei Zitaten 270; -ische Fehler
Neigungen und Themawahl 113 in Handschriften 224 f
Neudruck 298 f. 301. 303; Be- Österreich 22 f. 24, 27, 138 296. 311
zeichnung 267. 298 f; Katalo- Oxford 210
gisierung 47; -erscheinungen 40.
64—66. 348—350; -sprachliche Pädagogische Rücksicht im Seminar
Studien 20 13—15. 19 f. 21. 34 f. 50 f
Nominalkatalog 42 Paläographie 199
Nonpareille (Druckschrift) 305 f Palästina 114%. 202, 268 f
Norm (Setzersprache) 315. 327 Palencia 14. 15. 17
Notwendigkeit der Disposition 245 f; Papier für den Druck 301. 302.
der Kollektaneen 160—162; der 305; für das Manuskript 278
Monographien 72 Päpste, Vorname im Katalog 45
Nummern bei d. Texteinteilung 255 Parabeln Jesu 107. 114. 136. 202
Nutzen der Kollektaneen 160—162 Parallelstellen 194. 285
Paraphrasen als Textzeugen 212
Ö und oe in der alphabetischen Parenthese 231
Reihenfolge 50 Paris 69
0’ in Familiennamen 45 Pars in Buchtiteln 48
Oberflächlichkeit 115. 201 f Patristische Arbeiten 43. 62. 114.
Objektivität 207 f 135. 136. 267. 289. 355. 356
Oktav 304 f; bei Kollektaneen 175. Periodische Schriften 46. 48. 49.
178 65 f. 272 f. 342 -348 ; s. Zeit-Dostacker
 239 schriften

5
        <pb n="401" />
        Orts- und Sachregister 353
Person des Autors berücksichtigen 301 f. 303; -ermäßigung bei Bebeim
 Quellenstudium 153 f; für stellungen des Verfassers 300
das inhaltliche Verständnis 195 Preßgesetz, französisches 96 f
—-197; für das sprachliche Ver- Privatbibliothek 65. 157; -Sammständnis
 191; -enregister 316 f lungen, Ordnungswort in Kata-Petitdruck
 281. 283. 305 f logen 46; -vorlesungen 32
Philologie 135 f. 138. 191f. 227f. Probe einer Korrektur 311
229; biblische 192; ‚-ische Se- Problema in den alten Schulen 4. 7f
minare 11—16. 185—21 Probleme für die Themawahl 117;
Philosophie, griechische 118; mittel- s. Frage
alterliche 6 Programme für die Kollektaneen
Photographien als Lehrmittel 51; 166
von Handschriften 210 Projektionsapparat 51
Phrasen zu vermeiden bei der Dar- Promotion, öffentliche 58 f
stellung 251; bei der Rezension Proseminar 20
89; im Vorwort 319 Prospekte für die Kollektaneen 166
Plagiat 266 Prüfung der eigenen Zitate %65.
Pläne als Lehrmittel 51 308; fremder Zitate 264 f. 266,
Platz der Anmerkungen in Text- 284
ausgaben 284; des Inhaltsver- Pseudonyme 47. 49. 325, 339—342
zeichnisses 316; der Literatur- Psychologie bei der Wunderfrage
übersicht 319; der übrigen Re- ;2338-—240; -ischer Kontext 193
gister 317 Punkte vermeiden bei Siglen 259;
Polemik, Regeln 91 nach Titel u. Überschriften 325
Populär-wissenschaftliche Darstellung
 98—105: Aufgabe und Be- Quart 304. 305; bei Kollektaneen
deutung 98-—100; Anforderungen 175. 178 ; für das Manuskript 278
100-103; Arten 103—105; — Quelle, Begriff 129—131; „abge-77;
 Gegenstand 101 leitete“ 130 f; selbst benutzen
Portugiesische Eigennamen 45 79. 128. 133 f. 142—145. 150 f;
Prag 35 bei Textausgaben angeben 284;
Prägung charakteristischer Aus- bei fremden Zitaten 264; der
drücke 266 Textfehler 225 f; -nanalyse 235;
Prämiierung von Seminararbeiten -kritik 33. 109. 127. 138. 206 --592.
 364. 365 240; s. Beurteilung ; -nkunde 129
Präpositionen vor Familiennamen —140: Begriff und Aufgabe 129
bei der Katalogisierung 44 f —131; Notwendigkeit u. Bedeu-Präsenz
 des Wissens 6. 60 tung 132 f; allgemeine Regeln
Praxis bei Kollektaneen 181 — 183; 133—139; Nachweise 139 f. 329
hei der Rezension 93—97; beim —360; -sammlungen 131. 133.
Studium 149 —- 158 ; bei der The- 356—360; -schriften für Semimawahl
 120 --125 narübungen 62 f; -studium 14.
Preis eines Buches 294, 295. 297. 198, 1383 f. 1439-—145. 150 f

AC
        <pb n="402" />
        35 Orts- und Sachregister
r bei Handechriftzitaten 268 tung 82 f; Voraussetzungen 83
Rabbiner 200. 322 —86; Eigenschaften 86-93;
Rand lassen im Manuskript 279; Praxis 93—97; eines Textes 228
-bemerkungen (Marginalien) 315 —232; -sexemplare 296. 299 f.
Rasuren in Handschriften 211 302
Rat fragen bei Kollektaneen 183; Rheinland 138
bei der Themawahl 120 f. 123 Risiko des Verlegers 295. 301 f
Ratio studiorum S. J. 7. 9. 11. Rom69. 136. 138. 210; -ische Zif-121.23..27
 fern vermeiden 267
Rätselsammlung, Verfassername im Rückseite des Titelblattes 327
Katalog 46 Rußland 21
Realenzyklopädie für protestantische
 Theologie 145. 204 f. 263. Sabbatina disputatio 7
264 f; -kataloge 42 Sachkenntnis 84. 101 f. 154 207 f;
Rechtsurkunden 190 Mangel an S. 201 f; -liche Ord-Redensarten
 vermeiden bei der Dar- nung 243 f; -s Verständnis 197
stellung 251; bei der Rezension —199; -register 316 f
89; im Vorwort 319; -schmuck Sagensammlung, Verfassername im
165. 251 Katalog 46
Referat 74. 76—79; -ent 57.74. 75 Saint vor Familiennamen 45
Reflexionskritik 88 Salamis 204
Reform der Universitäten 31—33 Salzburg 8
Regeln für die Korrektur 306—308; Sammeln des Stoffes 126—183;
für die Polemik 91; für die Einleitendes 126--128; Quellen-Quellenkunde
 133-—139; für das kunde 129-140; Studium und
Studium 142 158; für die The- Lektüre 141— 158; Kollektaneen
mawahl 112—125 159 —183
Regierende Häuser, Vorname der Sammelkritiken 85; -mappen für
Mitglieder in Katalogen 45. 47 Kollektaneen 178. 179 f; -me-Register
 155. 256. 316 f; Verfasser- thode beiKollektaneen 170—178:
name im Katalog 46 „schrank 180 f; -werke 257. 258 f,
Reihenfolge beim Quellenstudium 260; Ordnungswort 47. 48
151—153; der Textzeugen 288; Sammlung von Lehrmitteln 50--der
 Varianten 287 f 52; von wissenschaftlichen Stu-Reinbogen
 316; druck 301. 306 f dien 292
Religiönsgeschichte 100. 104. 105. Satz (Druckschrift) 301, 305 f
237—240; -öse Fragen 100. 101. Satzzeichen 230. 255 f; in text-104.
 105. 203 f. 237—240 kritischen Anmerkungen 288 ; hei
Repetitio in den alten Schulen 4. 6. Zitaten 272 f; s. Interpunktion
7; -torium 23 Scabella in den alten Schulen 4. 7
Resumptio in den alten Schulen 7 Schachteln für Kollektaneen 179.
KRevisiond. Druckbogen 301. 306.308 180. 181
Rezension 80—97: Begriff und Auf- Schlagwort in Katalogen 43—50;
gabe 80—82; Zweck und Bedeu- „katalog 492 ; in Kollektaneen 169

in
        <pb n="403" />
        Orts- und Sachregister 391
171. 178. 175 f. 177. 178. 180: len 3—17. 21 f. 30 f; an den
im Register 316 f Universitäten 3 f. 18-—95; -ar-Schlußseite
 angeben 168. 267 f. 316 beiten 10. 54 f. 71—110; Bedeu-Schmuck
 der Darstellung 165. 251 tung 30—33; Betrieb 54—110;
Schmutztitel 44 Bibliothek 37—50. 52. 64. 65:
Scholastik 5 f Dotation 39. 52 f. 363; Einrich-Scholien
 als Textzeugen 211 f tung und Hilfsmittel 36—53;
Schönheit der Disposition 248; der Kustos 37. 362. 366; Lehrmittel
Sprache 251 36 f. 50—52; Leiter 11. 19 f.
Schreibfehler 223. 224 f. 228, 230. 31. 38, 39. 51. 53. 57, 66. 67f.
265. 270; -weise 239; der An- 362. 364; Lokal 36 f; Name 5;
merkungen im Manuskript 283: „Staluten 27 f. 361—366; Übunbei
 der wissenschaftlichen Dar- gen 4 —16, 54— 110; Zweck 9.21.
stellung 254—256 26—30. 73. — Antimohamme-Schriftkunde
 (Paläographie) 199; danisches 21; pädagogisches 21,
-probe eines korrigierten Textes 35; philologisches 11—16. 18—
311;-tafeln, paläographische 199; 21. 33 f; theologische 22 —925
Verfassername im Katalog 46; Sentenzen sammeln 165 ;
„liche Seminararbeiten 71—110: Separatabzug 166, 168 f. 178. 291;
Vorbemerkungen 71-75; Be- Seitenzählung 169
richterstattung 76—79; Rezen- Sic bei befremdlichen Ausdrückeu
sion 80-97; populär - wissen- eines Textes 232
schaftliche Darstellung 98—105; Sichtung des Stoffes 241—944 :
wissenschaftliche Abhandlung zeitliche Ordnung 241 f; geogra-106
 —110 phische 242 f; sachliche 243 f;
Schule, die alte 3—17; — der wis- — 95. 110. 185 ; der Handschrifsenschaftlichen
 Arbeit 3—110; ten 210 f
„bücher 297; -schriften 350---354 Sigel 168. 225, 258 ff. 259; für die
Schweiz 138 Textzeugen 285 f; s. Abkürzung
Serinium litteratum 181 Signatur (Setzersprache) 315
Sedez 304 Skioptikon als Lehrmittel 41
Seesturm 239 So bei befremdlichen Ausdrücken
Seitenangaben 168. 267 f. 272. 314 f. eines Textes 232
316; -überschriften 308. 312— Sonderabdrücke 166. 168 f. 178.
315; -zählung der -Sonderab- 291; Seitenzählung 169
drücke 169 Spanien 14
Selbstöffner für Kollektaneen 178. Spatiensatz (Setzersprache) 280; s.
180. 181; -prüfung bei der The- Sperrdruck
mawahl 112—114; -tätigkeit der Spationieren (Setzersprache) 311
Studierenden 5. 6. 9. 10f. 18.21. Sperrdruck 280. 306. 310. 311
26. 30. 31—33. 61. 67. 73; -ver- Spieß (Setzersprache) 311
lag 297 Spiritus notieren beim Kollatio-Selige,
 Vorname im Katalog 45 nieren der Handschriften 211; in
Seminar 3—110: in den alten Schu- textkrit. Anmerkungen 287. 288
        <pb n="404" />
        360 Orts- und Sachregister
Sprache und Stil bei der Beurtei- Literatur 141 f; Voraussetzungen
Jung der Quellen 214-—216. 219; 142—149; Praxis 149 —158; der
bei der Darstellung 250 f; beim Quellen 79. 128. 133 f. 150 f
Verständnis der Quellen 188— Summa theologica 202; wie zitie-194
 ;-charakter,individueller 191, ren 273
215 f; -dummheiten 251; -fehler Superrevision der Druckbogen 306
im Titel 324 f; -kenntnis 202f; _Syllogistische Form der Disputation
-periode der Quellen 189. 219; 57 f
-richtigkeit 250; -studium 131. Symbolische Auslegung 200 f
139. 188 f. 191 f Synchronistische Ordnung 243
Sprichwörtersammlung, Verfasser- Synoptische Frage 236
name im Katalog 46 Synthetisch-analytisch 151
Staffelkarten für Kollektaneen 175. Syntopische Ordnung 243
182 f Systematische Einteilung 244
Stammbaum der Textzeugen 212
—9214. 222 Tabellen 305; als Lehrmittel 51
Statuten der Akademie 9; des Se- Tadel und Lob bei der Rezension
” minars 27. 361—366 85. 87
Stellung des Verfassers bei Kata- Tafeln 43. 305
logangaben 47 Tagesblätter 103; s. Zeitungen
Stemma der Textzeugen 212—214. Talmudisten 200. 322
222 Tantilme-Honorare 295, 296
Stenographie 182 Tätigkeit, produktive 5 f; s. Selbst.
Stichproben bei größeren Werken tätigkeit
95. 155; -wort bei Kollektaneen Tatsachen, geschichtliche, bei Wun-169,
 171.173. 175.8. 177. 178. derberichten 238—240; neue
180; s. Schlagwort 107f
Stil bei der Beurteilung der Quellen Technik der Textigestaltung 206 f.
214 —216. 219; bei der Darstel- 230—939 ; der textkritischen An-Jung
 250 f; individueller 191, merkungen 284-—289
215 f; beim Verständnis der Quel- Teil in Buchtiteln 48
len 188-—194; -blüten, verfehlte, Ten, ter vor holländischen Eigenbei
 der Darstellung 251; bei der namen 45
Rezension 89; im Vorwort 319 Terminus ante quem und post quem
Stimmungskritik 87 £ 218. 220
Stoffsammeln 109. 126—183; s. Testament, Altes und Neues 45.
Sammeln 197 f. 201 f. 211. 214
Streitfragen, theologische 118 Testamentum, Ordnungswort in
Studien, klassische, in den alten Katalogen 46
Schulen 13—15; an der Univer- Textausgaben 38. 39. 206 f, 211.
sität 18—20; -ordnung der Ge- 228-232. 307 f. 313 315; Ansellschaft
 Jesu 7. 9. 11. 12f, 23. merkungen 284—289; Einleitung
27; -reisen 53. 69 f. 115. 181 319 f; Korrektur 307 f; Register
Studium und Lektüre 141—158 : 317: für Seminarübungen 62 f:

‘4%
        <pb n="405" />
        Orts- und Sachregister 393
wie katalogisieren 46 ; -einteilung Übersetzung und Original 155. 156.
313 f; -gestaltung 228—2832; bei 188 f. 192.211 ; als Seminarübung
Zitaten 270; -kritik 33. 109. 127. 62—64; des Titels von zitierten
207; -lektüre im Seminar 62— Werken 271; -en äls Texizeugen
64; -rezension 228—9232; -stu- 211. 218; Bezeichnung in Textdium
 hinsichtlich der Quellen ausgaben 286 ; Verfassername im
152 f; -zeugen 209—214. 217-— Katalog 46
219. 222; Gruppierung 212— Übersicht über die Literatur 64—
214; Sigel 285 f 66. 77. 78f. 121 f. 150; s, Li-Theben
 221 teratur ;-lichkeit 312; derSchreib-Themawauhl
 111—125: Wichtigkeit weise 254—256
111 f; Gesichtspunkte 112—120; Übungen des Seminars 54—110:
Praxis 120—125; — 109. 126. Vorbemerkungen 54 f; Diskus-127.
 133. 150. 162. 167. 245 sion 55—57; Disputation 57—
Theologische Seminare '22—25; 61; Lektüre. und Interpretation 62
Streitfragen 118; Untersuchungen —64; Besprechung der neuesten
131; Zeitschriften 346—348 Fachliteratur 64—66; gemein-Thomäisches
 Gesetz 143, 1y3, 264 same Untersuchung einer wissen-T’homismus
 108 schaftlichen Frage66—68 ; außer-Tirol
 70 ordentliche Veranstaltungen 68
Titel 321—327: verkehrte Titel —070; schriftliche Arbeiten 71—
moden 321—325; Eigenschaften 110; — 20. 21. 34, 35. 50. 3692.
eines guten Titels 326f; — 43. 363—365; in den alten Schulen
301. 306; von Texten in Hand- 3—17, 34
schriften 217; bei Zitaten nicht Umarbeitungen, Verfassername im
ändern 268 f; nicht übersetzen Katalog 46; der Seminararbeit 74
271; -auflagen 323; -blatt, Rück- Umfang des Manuskriptes 289 f.
seite 327, 325 300
Todesfall, Bestimmungen im Ver- Umgebung des Autors 195 f. 197
lagskontrakt 300 f. 303 Umschlag des Buches 301. 306;
Topische Ordnung 243 „titel 44. 323
Tot vor holländ. Eigennamen 45 Umstände b.Wunderberichten 239 £
Tote Seitenüberschrift 313 Umstellungen, Bezeichnung in text-Trient
 17. 152 kritischen Anmerkungen 256
Triest 70 Unabhängigkeit bei der Rezension
Tropen und Figuren 251 84 f
Tübingen 154 Ungedrucktes Material 210
Typen (Druckschrift) 301. 305 f Universität 3 f. 5, 18—265, 50 f;
-sbibliothek 37 f£f 59 f. 65
Ü und we in der alphabetischen Unterrichtsbehörde 24. 592. 61. 70.
Reihenfolge 50 361. 362
Überschriften der einzelnen. Ab- Unterscheidung der Begriffe 58. 59,
schnitte 255; der Seiten 308. 60; der Haupt- und Nebensachen
312-315; ohne Punkle 325 151.243.247.9281 f; d. Quellen 138
        <pb n="406" />
        3b Orts- und Sachregister
Unterschriftenbeihandschriftlichen Vergleiche und Bilder 94. 165. 251
Texten 217 Vergleichung der Handschriften
Unterstreichen einzelner Teile 255. 210 f; der Zeugnisse über einen
280. 306 Text 233 f
Untersuchung, dogmatische 131; Verhältnis der Handschriften 211;
einer wissenschaftlichen Frage der Quellen 235 f; der Text-66—68;
 s. Abhandlung zeugen 212—214.222; -se, eigene,
Untertitel 44. 325. 326. 327 bei der Themawahl berücksich-Unverfälschtheit
 eines Textes 222 tigen 112—114
—228 Verkaufskataloge, Ordnungswort
Urgestalt, ideale, bei der Textge- beim Katalogisieren 46
staltung 228 f; bei Zitaten 270 Verlag, wissenschaftlicher 294.295,
Ursachen der Textfehler 225 f 302 ; Kommissionsverlag 296 f;
Ursprung eines Textes 217—222 Selbstverlag 297; -skataloge 40;
Urteil 80 f; der Berichterstatter -kontrakt 302 f.
bei Wunderberichten 238—240 Verleger und Auter 293—303; s.
Urtext und Übersetzung 155. 156. Autor
188 f. 192. 211 Veröffentlichung der Arbeit 276 —
328: Literatur 276; Einleitendes
v bei Handschriftzitaten 268 276 f; allgemeine Bemerkungen
Van, van den vor holländischen 278—292; Autor und Verleger
Eigennamen 45 293 — 303 ; Drucklegung und Kor-Varianten
 209. 213. 222-—228; in rektur 304—311 ; Zugaben zum
den textkritischen Anmerkungen gedruckten Text 312—320; Titel
285—289: Auswahl 287; Be- 321—328; -en, amtliche, Ordzeichnung
 285 f; Reihenfolge nungswort im Katalog 48; ge-287
 £f; Trennung 286 f lehrter Gesellschaften 350—354
Veränderungen im Texte 224—226 Verschossen (Setzersprache) 310
Veranstaltungen, außerordentliche Verständnis der Quellen 186—205:
10. 68—70 Literatur 186; Einleitendes 186
Verarbeiten des Stoffes 184—248 : —188; sprachliches Verständnis
Vorbemerkungen 184 f; Verständ- 188—194 ; inhaltliches V. 194
nis der Quellen 186—205; Be- —199; falsches V. 199—205 ; —
urteilung 206—240; Sichtung 127. 185
des Stoffes 241—244; Disposi- Verstümmelungen eines Textes 224
tion 245 —248 Vertrag zwischen Autor und Ver-Verbreitung
 eines Textes 233 leger 294—303
Verfasser einer Schrift 217-—222; Verwandtschaft der Handschriften
-name im Katalog 42. 46; mehrere 211; der Quellen 235 f; der Text-Verfasser
 47.48; — und Verleger zeugen 212—214. 222
293 —303 Verzeichnis des Inhaltes 315—317 ;
Verfassung der Akademie 9; des der Literatur 317—319
Seminars 27, 361—366 Volksausgaben gelehrter Werke
VereinigteStaaten von Amerika 20 f 104 f; -genossen des Autors beaA
        <pb n="407" />
        Orts- und Sachregister 395
rücksichtigen 196. 197, 198; die W. 110, 328; W. und Liebe
-tümliche Darstellung 98—105 119 f; neue Wahrheiten 107 f;
Volumen in Buchtiteln 48 -sfeind 85; -sgehalt 59. 60. 61;
Von den, von und zur vor deut- -liebe 85. 86; eines Textes 232
schen Eigennamen 45 —240
Voraussetzungslosigkeit 203; 207f. Wechselwirkung zwischen Lehren-238—
 240 den und Lernenden 31 ; zwischen
Vorbereitung der Lehramtskandi- Natur und Geisteswelt 196
daten 13—15. 19 f. 21. 34 f; Weise des Zitierens 264—274
der Neuauflage 298 f. 301. 303 Werke mehrerer Verfasser, Ord-Vorkenntnisse
 prüfen bei der The- nungswort 47. 48
mawahl 113 f Werturteil 80 f; über das Gelesene
Vorlesen bei der Korrektur 307 f; 149. 165; über die Quellen 153.
-ungen in der Akademie 10; an 163
den Universitäten 5. 31—33, 50f; Widerlegung, Regeln 91 f
Orientierungsv. 29. 32; philo- Wiederholung fremder Titel 322 f
logische 15. 19 f; Privatv. 32 Wiegendrucke 41
Vorname angeben 49. 168. 267. Wien 21. 24, 27. 70. 210
272, 325; Form nach der Natio- Wirberichte der Apostelgeschichte
nalität 46; als Ordnungswort in 221
Katalogen 45 f. 47 Wissenschaft und Volkskreise 98
Vorschriften für Bibliothekskata- —105
loge 40—50 Wissensstoff, Kenntnis des 98 f,
Vorstand der Seminare 57; s. Leiter 30
Vortitel 44, 323 £ Wohlwollen beim Rezensieren 88 f.
Vortrag, mündlicher, in der Aka- 90 f
demie 9; im Seminar 54. 75; Weortbedeutung 188—194 ; Wörtervolkstümlicher
 103 bücher 192 f; -register 316. 317;
Vorurteile 87. 203 f, 207 f. 237; -reiche Titel 322; -stellung 225;
gegen wissenschaftliches Arbeiten -trennung 225. 230
71—78 Wunder Jesu 204. 237—240; -frage
Vorwort 316. 319 f; lesen 155 237 —240
Vulgärlatein 189. 192 Würde des Verfassers bei Katalogs-Vulgata
 273. 314; Namen der bi- angaben 47
blischen Bücher nach der V. 46.
273 Zahl der Exemplare einer Auflage
298; -en bei der Korrektur nach-Wahl
 des Themas 109. 111—125. prüfen 308; -spielereien 200
1838; s. Themawahl Zehn Gebote für Anmerkungen 283 f
Wahrheit 60. 81. 82. 83. 84f. 86. Zeichen beider Korrektur 307. 308
87. 88. 90. 99 f. 101. 102. 107. —311; setzung s. Interpunktion
108. 110. 199. 248, 252. 276. Zeilenabstand 279. 310; -änderung
327. 328; Dienst der W. 82. 83. bei der Korrektur 308; -zähler
86. 99 f. 108. 199; Kampf für 315. 316
        <pb n="408" />
        Orts- und Sachregister
Zeit der Veröffentlichung 267. 300 ; —92532. 279. 291. 318; Kontrolle
-angabe bei Aufzeichnungen für bei der Korrektur 308; bei Text-Kollektaneen.
 168. 176 f; -be- ausgaben 266. 284, 285; als
nutzung 147—149; -genossen des Texizeugen 212. 218; -verzeich-Autors
 berücksichtigen 196. 197, nis 316. 317
198; -liche Ordnung hei der Sich- Zugaben zum gedruckten Text 312
tung des Stoffes 241 f; -strö” —320: Seitenüberschriften 312
mungen berücksichtigen bei der —315; Inhaltsverzeichnis 315—
Themawahl 118 f; -verhältnisse 317; Läiteraturverzeichnis 317
des Autors beachten 196—198 —319; Vorwort 319 f
Zeitschriften 39. 40. 65 f. 108 f. Zum, zur vor deutschen Eigen-121.
 123 f. 145. 157. 165. 166. namen 45
168 f. 257. 258 f. 260, 271. 2721. Zusammenfassung der Darstellung
290. 292, 299; Ordnungswort in 252 f; -hang 193; bei Zitaten
Katalogen 46; Verzeichnis 84. 263; der Wissensgehiete 185;
—348 zwischen Natur und Geisteswelt
Zeitungen 103 f. 157. 263. 299. 196; stellung von Fragen für
342—344; Ordnungswort in Ka- die Themawahl 123 — 125
talogen 46; -sartikel 137 f;. -aus- Zusätze zu einem Buche 320; bei
schnitte 157 f, 166. 168; -rezen- der Korrektur 307; im Manusenten
 85 f, 89 : skript 279 f; in einem Texte 213.
Zettel für Bibliothekskataloge 43; 224. 225; Bezeichnung in den
für Kollektaneen 174 f. 181; -ka- Anmerkungen 286; hei Textaussten
 für Kollektaneen 181; -kata- gaben 231
log 42 f; -methode für Kollek- Zuverlässigkeit eines Autors 234 f
taneen 170. 173 f. 174—178 Zuviel und zuwenig bei Anmer-Zeugnisse
 über einen Text 208. 209 kungen 281; in schriftlichen Ar-—214,
 232 f. 285; Ordnung 242 beiten 74; in der Auslegung der
Zielstrebigkeit der Disposition 246 f Quellen 200 f; bei Zitaten 263 f.
Ziffern, arabische, bei Zitaten 267 268 f
Zitate 261--275: Bedeutung und Zwerk des. Autors beachten 194;
Berechtigung 261 f; Gegenstand der Seminarbildung 9. 21. 26—
262-—264; Art und Weise 264 30. 73. 361; -mäßigkeit der Dis-—274;.
 Ordnung 274.£; — 49. position 247
86. 94. 144 f. 167, 168. 228— Zweifel an der Echtheit 218 f
af
— — BEE —
A. M. D. 6.

206
        <pb n="409" />
        206$01498856X
        <pb n="410" />
        N Organisation. Übungen ,
8 89 .
® ® einzelnen Abteilungen bilden ein einheitliches In-;
 lessen gemeinsame Interessen nach außen, insbeden
 Behörden gegenüber, durch den jeweiligen
EB vertreten werden.
® er einzelne Abteilungsvorsteher hat die Befugnis,
x legenheiten seiner Abteilung durch den Dekan sich
7 vorgesetzte Behörde zu wenden.
® 8 10
Verteilung der Dotation auf die einzelnen Abtei-5
 vird von einer durch die Fakultät gewählten Biblionmission
 vorgenommen.
S 11
Leiter der einzelnen Abteilungen entscheiden über
aahme oder den Ausschluß eines Mitgliedes und
3 Preiswürdigkeit der eingereichten Arbeiten; sie
‚uf Verlangen eine Bestätigung über die Teilnahme
Seminarübungen aus.
III. Übungen
&amp;amp; 8 12
a Teilnahme an den Seminarübungen können an
2 Theologen zugelassen werden, welche als ordent-Srer
 an der Universität immatrikuliert sind. Die
ne anderer Hörer der Universität und auswärtiger
ängt von dem Ermessen des einzelnen Seminar-“:
 D.
$ 13
2 Mitgliedschaft ist eine ordentliche und außerordent-;
 _ ırdentliches, Mitglied ist jeder Theologiestudierende,
S$ den Seminarübungen durch schriftliche Arbeiten
n indliche Vorträge aktiv sich beteiligt.
serordentliches Mitglied ist jener, der den Seminarregelmäßig
 beiwohnt, ohne sich aktiv daran zu
A. Beide Arten der Mitgliedschaft sind unentgeltlich.

368
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
