L 1 [-% vinzen und Kreise gingen nur zögernd an die neue Aufgabe heran, weil nicht zu übersehen war, wie groß die Zahl der zu betreuenden Krüppel war und welche Kosten für die geschlossene und die offene Fürsorge erforderlich waren. Nach einer mit amtlicher Unterstützung von privater Seite aufgestellten Statistik vom Jahre 1906 gab es in dem damals erheblich größeren preußischen Staate etwa 60 000 Krüppel, von denen 35 000 als heimbedürftig bezeichnet wurden. 50 460 dieser 60 000 Krüppel waren unter 16 Jahren. Eine im Jahre 1920 bei Inkrafttreten des Krüppelfürsorgegesetzes bei den Stadt- und Landkreisen der Provinz veranlaßte Umfrage ergab, daß in West- falen rund 6000 Krüppel vorhanden waren. Es war jedoch damals schon mit Sicherheit anzunehmen, daß diese Zahl weit hinter der Virklichkeit zurückblieb und nur deshalb so niedrig gegriffen war, weil man die große sozial-hygienische Bedeutung der Krüppelfürsorge noch nicht allgemein erkannt hatte. Für die Aufklärung aller Stadt- und Landkreise durch die Provinzialverwaltung blieb deshalb viel Arbeit übrig. Es galt, zunächst bei allen maßgebenden Stellen das Verständnis für die Krüppelfürsorge zu wecken. Während man unter einem Krüppel früher nur denjenigen verstanden hatte, der wegen seiner körperlichen Entstellung landläufig so bezeichnet wurde, faßte das neue Krüppelfürsorgegesetz den Begriff des Krüppels viel weiter. Ich möchte an dieser Stelle nicht den recht unklar gefaßten § 9 des Gesetzes, der den Begriff des Krüppels festlegt, erläutern. Es sei jedoch bemerkt, daß heute auch diejenigen die Krüppelfürsorge ge- Nießen, die an einem angeborenen oder erworbenen Knochen-, Ge- lenk-, Muskel- oder Nervenleiden erkrankt sind. Zu den Krüppelleiden Jehören heute nicht nur Kinderlähmung, Rückgratverkrümmung, an- Jeborene Hüftverrenkung, Schiefhals und Klumpfuß, sondern auch Knochen- und Gelenktuberkulosse, Rachitis und Rückenmarksleiden ver- schiedener Art. Diese Erweiterung des Begriffs Krüppel und die in- zwischen erfolgte Aufklärung über die Bedeutung der Krüppelfürsorge hatte zur Folge, daß eine im Sommer 1924 erfolgte Rundfrage bei den westfälischen Bezirksfürsorgeverbänden die Meldung von 20 400 Krüppeln ergab. Aber auch diese Zahl dürfte den wirklichen Verhält- nissen noch nicht entsprechen, wenn man bedentt, daß einzelne Stadt- und Landkreise ~ ich nenne nur den Stadtkreis Dortmund und den Landkreis Recklinghausen D bereits im Jahre 1923 je über 2000 Krüppel in ihren Bezirken festgestellt hatten. . Das zunehmende Verständnis für die Bedeutung der Krüppel- fürsorge in den letzten Jahren zeigt sich auch in dem Ansteigen der Zahl derjenigen Kinder, die in die Anstaltsfürsorge der Provinz auf- Jenommen wurden. Während z. B. im Rechnungsjahre 1922 nur 488 Kinder der Anstaltsfürsorge zugeführt wurden, haben in dem Jahre 1925 die Neuaufnahmen der anstaltspflegebedürftigen Krüppel nach )-