45 Bei der Wirbeltuberkulose erkrankt fast stets der Wirbelkörper. Es bildet sich hier ein Knochenherd, der allmählich wächst und den Virbelkörper zerstört, bis er unter der Last des Körpers zusammen- bricht. Die Folge dieses ganz allmählich stattfindenden Zusammen- bruchs ist die Buckelbildung. Zuerst tritt der Dornfortssatz eines Wir- belkörpers stärker hervor und ist auf Druck und Beklopfen schmerzhaft; allmählich wird der Buckel immer größer, bis er schließlich spitzwinllig werden kann. Fängt ein bis dahin gesundes Kind plötzlich an, sich schlecht zu fühlen, den Appetit zu verlieren und über Magenschmerzen ju klagen, so muß man stets an beginnende Wirbeltuberkulose denken. Das erste klinische Symptom ist die sogenannte „muskuläre Fixation“ der Wirbelsäule, d. h. das Kind fixiert durch Muskelspannung die Virbelsäule, um dem durch die Bewegungen verursachten Schmerz quszuweichen. Man kann sich dies am besten dadurch vor Augen führen, daß man den Patient einen Gegenstand vom Boden aufheben läßt. Er geht dann mit ssteifgehaltener Wirbelsäule in die Kniebeuge und richtet sich wieder auf, indem er die Hände auf die Vorderseite der Oberschenkel stützt. Besteht dies Symptom, so ist auch beim Fehlen ines Gibbus (Buckels) die Diagnose fast stets gesichert. Eine Sonderstellung nimmt die tuberkulose Erkrankung der bei- den obersten Halswirbel ein. Da hier ein Wirbelkörper fehlt, spielt sich der Prozeß in den Wirbelgelenken ab, und es kommt zu einer Schiefstellung des Kopfes, wie beim angeborenen Schiefhals. .. Fast stets kommt es im Verlauf der Wirbeltuberkulose zu Eiter- bildung. Dieser sammelt sich an der Vorderfläche der Wirbelkörper der im Wirbelkanal und bildet die sogen. Senkung s a bsz esse. Sie schreiten stets nach der Richtung des geringsten Widerstandes vor und können so sehr große Strecken zurücklegen. Sie kommen meist an der Beckenschaufel oder am Oberschenkel und Gesäß zum Vorschein. Hauptaufgabe der Behandlung ist es, sie geschl oss en zu erhalten, um die sonst unvermeidliche Mischinfektion mit ihren verhängnisvollen Folgen zu verhüten. Abgesehen von wenigen, genau indizierten Aus- nahmen ist ein Aufschneiden dieser „kalten“ Abszesse als ein Kunst- [ehler anzusehen. Man entleert den Eiter durch Punktion mit einer Öprite. Bei schwerem Verlauf der Wirbeltuberkulose, besonders bei ruck durch Eiterbildung auf das Rückenmark treten dann Lähmun- gen auf, je nach dem Sitz der Erkrankung. So können auch Blase und Mastdarm gelähmt werden. „ Die Behandlung der Knochentuberkulose ist heute, wenigstens n den ersten beiden Jahrzehnten eine ausschließlich konservative. Es ttt sich gezeigt, daß bei Ruhigstellung und Entlastung der erkrankten Helene und bei Unterstützung der natürlichen Abwehrmaßnahmen !§s Körpers die Tuberkulose in der Regel allmählich zur Heilung ommt. Die einfachste Methode der Ruhigstellung besteht im Anlegen