©~–~ 4A48 .- Die häusliche Badekur wird folgendermaßen vorgenommen: jeden zweiten Tag ein Vollbad mit irgendeinem Badesalz (Staßfurter usw.) von 6 Prozent Lösung, d. h. auf 100 Liter Wassser 6 kg Salz, von 1,stündiger Dauer. Nach dem Bade ist eine mindestens zweistündige Bettruhe unumgänglich notwendig. Diese Bäder werden 4~6 Wochen lang verabreicht und können nach ebenso langer Pause wiederholt werden. Auch die Bestrahlungen des ganzen Körpers mit der künst- lichen Höhensonne haben sich als ein unentbehrliches Hilfsmittel bei der Bekämpfung der Rachitis erwiesen. Neben dieser allgemeinen Behandlung geht natürlich auch eine lokale Behandlung der rachitischen Verbiegung einher. Bei den rachi- tischen Verkrümmungen der Wirbelsäule hilft einzig und allein abso- lute Ruhe im Gipsbett. Glieder, die ssich wieder zu verbiegen drohen, werden durch Schienen gestützt. Ist aber die Verkrümmung älteren Datums und soweit fortgeschritten, daß eine spontane Heilung aus- geschlossen ist, tritt die operative Therapie in ihr Recht. Die Knochen werden durchmeißelt und die Glieder durch Gipsverbände gerade ge- stellt. Der Knochen zeigt sich meist in diesen älteren Fällen von förm- lich elfenbeinener Härte. In schweren Fällen muß man häufig mehr- mals den Knochen durchmeißeln, es gelingt aber fast stets, so ein gutes Heilresultat zu erzielen. Über die Behandlung der älteren rachi- tischen Verbiegung der Wirbelsäule spreche ich nachher im Zusammen- hang mit der Wirbelsäulenverkrümmung als Belastungsdeformität. Neben dieser kindlichen Rachitis besteht noch die sogenannte Spät- rachitis, die in den Schluß der Entwictlungs- und Wachstumsperiode fällt. Früher äußerst selten, zeigte sich nach dem Kriege infolge der Unterernährung und unzweckmäßigen Ernährung eine nie geahnte Häufung dieser Fälle. Sie bieten alle einen ganz charakteristischen Verlauf. Der junge Mann kommt etwa 16 jährig in die Lehre, wird Schmied, Schlosser, Bäcker usw., und dann treten bald Schmerzen und Ermüdungsersscheinungen in den Beinen auf und bilden sich charakteristische Verbiegungen, so z. B. X-Bein- und O-Bein-Bildung und Verbiegung an den Hüftgelenken. Es handelt sich hierbei um typisch rachitische Veränderungen. Als erstes ist Entfernung der Ur- sache erforderlich, d. h. zeitweises Aufgeben der schädigenden Tätigkeit, der der Körper des Patienten nicht gewachsen ist. Im übrigen ent- spricht die Therapie der der kindlichen Rachitis, nur daß bei der lokalen Behandlung die operative vorherrscht. Auch bei der Rachitis ist Vorbeugen die Hauptsache. Wohnungs- hygiene, Körperpflege (Volksbäder), Stillprämien, Unterstützung der werdenden Mütter werden in vielen Fällen die Entstehung der Rachitis verhindern oder wenigstens erreichen, daß derart monströse Fälle, wie wir sie jetzt gehäuft nach dem Kriege sahen, nicht mehr vor- kommen. Die Rachitis hieß „englische“ Krankheit, weil sie seinerzeit