nicht imstande ist, den Anforderungen des Schulunterrichts und der gleichzeitigen orthopädischen Behandlung gerecht zu werden. Die Behandlung der Skoliosen findet folgendermaßen statt: Ein- mal Kräftigung der Muskulatur von Rumpf und Gliedmaßen durch systematische übungen, dann Mobilisierung der Wirbel durch be- stimmte Apparate, um so die Wirbelsäule wieder gerade zu strecken. In allen leichteren Fällen gelingt es so meist, die Skoliose zum Still- stand zu bringen. Immerhin ist ständige Beobachtung der Kinder und evtl. Wiederholung der Behandlung bis zum Abschluß des Wachs- tums dringend erforderlich. Bei allen schwereren Skoliosen, so be- sonders solchen mit starker seitlicher Abweichung und ausgebildeten Rippenbuckeln ist auch nach stattgefundener Mobilisierung die Mus- kulatur hierzu nicht imstande. Hier ist es nötig, die Wirbelsäule erst passiv mit Hilfe von Gipskorsetten (mit Einschluß von Kopf und Becken) zu strecken und in dieser gestreckten Haltung versteifen zu lassen; dann abnehmbares Korsett mit Kopfstütze. So gelingt es, selbst in scheinbar verzweifelten Fällen noch recht gute Heilresultate zu erzielen. Freilich kostet ein derartiger Erfolg nicht unbedeutende Aufwendung an Geduld, Zeit und Geld, was alles bei einer früh- zeitigen Einsetzung der Behandlung nicht erforderlich gewesen wäre. Neben dieser rachitischen Skoliose und der Skoliose als Be- lastungsdeformität treten die übrigen Formen der Stkoliose ganz in den Hintergrund. Ich erwähne nur die angeborene Form, die meist auf einer Keimstörung beruht, die Skoliose bei Narbenbildung (Ver- brennung oder Rippenfellentzündung), bei Ischias sowie die statischen Skoliosen bei Verkürzung eines Beines. Sehen wir, daß unter 100 Schulkindern die Hälfte an einer Wir- belsäulenverkrümmung erkrankt, so müssen wir von der Skoliose als kiner direkten Volkskrankheit sprechen. Diese fordert mehr Opfer im Jahre, als es viele Epidemien tun, an deren Bekämpfung man ständig arbeitet. Der Grund für diese Gleichgültigkeit liegt wohl darin, daß einmal die Todesfälle bei dieser Erkrankung fehlen und zweitens die wenigsten sich über die Häufigkeit dieser Erkrankung klar geworden sind. Wenn überhaupt Abhilfe geschafft werden soll, so kann es nur durch die oben angedeuteten Vorsschläge, besonders in Bezug auf Verhütung geschehen. Es ist nicht zu verkennen, daß in dieser Be- siehung gerade in den größeren Städten in letzter Zeit schon vieles Jeschehen ist und noch geschieht. Schlimm liegen aber die Verhältnisse Auf dem Lande. Hier Abhilfe zu schaffen, ist wirklich des Schweißes der Edlen wert. Das, was unser Volk noch an Reichtum besitzt, ist heute lediglich seine Jugend, und wenn wir diese Jugend (bei der fehlenden Schule des Militärdienstes!) gesund und frisch für den Staat erhalten können, so haben wir zum Wohle des Vaterlandes gearbeitet, wenn sich diese Arbeit auch mehr im Stillen und Verborgenen abspielt! ZZ