61 Umgebung wichtig. Eine Krüppelfürsorge, die allein ärztlich oder gar nur chirurgisch ausgeübt wird, ist keine Fürsorge, sondern eine Ma- terialbeschaffung für Kliniken. s _ Einer der schwierigsten Punkte ist besonders in heutiger Zeit die Berufsausbildung und die Erfüllung der Aufgaben, die der Für- sorgestelle dabei zufallen. Das alte Vorurteil, jeder körperliche Krüp- hel müßte Schreiber werden, ist so tief in der Bevölkerung befestigt, daß man Mühe hat, gegenüber dem Unversstand der Eltern Ruhe zu behalten. Wenn garnichts mehr fruchtet, einen schwer Verkrüppelten unterzubringen, so soll die Gemeinde oder eine Zeche irgendeinen Schreiberposten für ihn beschaffen. Viel zu wenig wird daran gedacht, daß leider mit dem Krüppeltum viel häufiger, als wir bisher gewußt haben, geistige Minderwertigkeit verbunden ist, besonders bei der englischen Krankheit und daß schon der jugendlich Verkrüppelte eine Veränderung seines Charakters erfährt, die es unbedingt wünschens- wert erscheinen läßl, ihn von allzu geistiger Einstellung, von Kopf- arbeit fernzuhalten. Jeder Nervenarzt weiß, wie wohltätig Hand- Ibeit auf den überangestrengten Kopfarbeiter wirkt, der eben zur Erfüllung seiner Berufsaufgaben noch mehr als der Handwerker einer vollen Gesundheit bedarf, um nicht berufskrank zu werden. Dies muß mit der nötigen Schonung immer wieder den Kranken beigebracht Verden und vor allen Dingen ihren Eltern. Wie oft habe ich er- staunte Gesichter gesehen, wenn ich einen Hinkenden oder Beinbe- schädigten auf das Handwerk der Schmiede hinwies. Und doch hat es immer ja hinkende Schmiede gegeben. Ühnlich geht es einem mit ndern Berufen; leider ist im Zuge der Entwicklung dem Handwerk im allgemeinen das alte Lehrlingswesen verlorengegangen. Es wird iedem, der sich darum bemüht, auffallen, daß kein Meister und keine Meisterin mehr einen Lehrjungen ins Haus nehmen wollen, selbst wenn man ihnen Beihilfen verspricht. Und das Lehrlingswesen der großen Verte ist auch nicht geeignet, uns in der Berufsertüchtigung der Krüppel wesentlich zu unterstützen. Es bleiben dann ja nur die zum Teil vorbildlichen Berufsschulen der Krüppelheime, die aber natürlich lehr teuer sind und auch noch den Nachteil haben, die jungen Leute licht mit dem Geschäftlichen und mit der Anpassung an die bürger- iche Welt genügend vertraut zu machen, die der vom Lehrling zum Gesellen aufsteigende junge Mensch nebenbei begreifen lernt. Jeder, L. in dieser Frage eine Entlastung unserer Krüppelheime und der Ve gd esfürsorgeverbände herbeiführen kann, erwirbt sich ein großes rdienst. . Auf die Beziehungen der Krüppelfürsorgestelle zu dem Landes- fürsorgeverband möchte ich nicht näher eingehen. Das Bindeglied ist [G Jegeben in den Anträgen, die die Fürsorgestelle zur Einleitung von Heil- und Berufserziehungsverfahren stellt. Diese Anträge müssen