. 71 Lähmung durch Quecksilbereinreibungen und Schwitzkuren zu fördern. Ferner wird Lagerung auf Gipsbett zur Entlastung der Wirbelsäule empfohlen, doch nicht immer vertragen. Anwendung des galvanischen Stromes im ersten Jahre mit Unterbrechungen, Massage, passive und soweit möglich aktive Gymnastik, behüten die Muskeln vor fortschrei- tender Abmagerung und kräftigen die benachbarten und nicht ge- lähmten Muskeln, um für die gelähmten eintreten zu können. Auf diese Weise kann aus den gelähmten Extremitäten oft noch erstaunlich viel herausgeholt werden. Die genannten übungen, namentlich die Gehübungen können durch einfache, leicht herstellbare Apparate viel- fach wirksam unterstützt werden. Der epidemischen Kinderlähmung kann die syphilitische Kinder- lähmung bei angeborener Lues (Thrombose der Gehirngefäße mit plötz- lich eintretender Halbseitenlähmung, ferner Lues der Stammganglien) zum Verwechseln ähnlich sein. Die klinischen Zeichen der angeborenen Spätsyphilis sind zu einem guten Teil uncharakteristisch und diagnostisch schwierig. In allen zweifelhaften Fällen muß aber versucht werden, die Diagnose durch fachärztliche Untersuchung zu sichern, weil sie für die Behandlung von entscheidender Bedeutung ist. Bei allen Arten von Lähmungen, besonders bei den spastischen ist es von besonderer Wichtigkeit, daß die Eltern sich durch einen Facharzt (Orthopäden) über die Pflege des Kindes belehren lassen. So kann z. B. durch richtige Lagerung des Kindes eine Beugetontrattur an Hüft- oder Kniegelenk verhindert werden, die sonst später der Be- handlung große Schwierigkeiten bietet. Eine große Zahl von Krüppeln verdankt ihr Leiden Unglücks - fällen des täglichen Lebens, namentlich bringen Industrie und Ver- kehrswesen der körperlichen Unversehrtheit große Gefahren. Die Un- fallverhütung ist zuerst in Deutschland als wichtiger Bestandteil der Unfallversicherung auf gesetzliche Grundlage gestellt worden. Das Ver- ständnis für die Durchführung unfallverhütender Maßnahmen ist aber vielfach noch gering, sowohl bei Arbeitgebern wie bei Arbeitnehmern. Jeder Mensch soll die gesundheitlichen Gefahren in seiner täglichen Umgebung und Beschäftigung genau kennen und muß sich darüber be- lehren lassen, bevor er die Arbeit aufnimmt. Der stetig wachsenden Zahl der Verkehrsunfälle kann nur Einhalt geboten werden durch strengste Beachtung der Verkehrsvorsschriften, für welche das Ver- ständnis schon in den Schulen geweckt werden muß. Hat doch die Statistik ergeben, daß fast die Hälfte aller durch Verkehrsunfälle zu Schaden Gekommenen noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht hatte. In England und Amerika ist seit Jahren eine planmäßige Er- Ziehung zur Unfallverhütung mit großem Erfolge durchge- führt. Gute Kenner Amerikas versichern, der starke Automobilverkehr dort würde unerträglich sein ohne das Alkoholverbot. Es ist ja be-