kannt, daß schon mäßige Mengen Alkohol genügen, um die Aufmerk- samkeit und die Schnelligkeit der überlegung, vor allem aber das Ver- antwortlichkeitsbewußtsein zu beeinträchtigen. Die sozialen Unfall- versicherungen haben sich nicht mit einer Überwachung der Betriebe zur Verhütung der Unfälle begnügt, sie sind auch bestrebt, durch über- nahme und üÜberw achun g d es Heilv erf ahr ens die Folgen eines Unfalles möglichst zu b esschränk en. Es ist ja be- kannt, daß das Schicksal eines Schwerverletzten wesentlich davon ab- hängt, wer den Kranken in der ersten Zeit ärztlich behandelt. Die wesstfälische landwirtschaftliche Berufsgenosssenschaft hat dadurch, daß sie alle Schwerverletten s of or t in geeigneten Krankenhäusern durch Fachärzte behandeln läßt und auch die leichten Fälle überwacht, un- zweifelhaft jährlich eine gr o ße Anzahl von Verletzten vor deem Krüppeltum bewahrt. Auch in der speziellen Krüppelfürssorge erscheint eine überwachung des Heilver- fahrens durchaus notw end ig, wenn sie auch nicht wie in der berufsgenossensschaftlichen Unfallversicherung dem Träger der sozialen Fürsorge ausdrücklich im Gesetz zur Pflicht gemacht ist. Zwar wird die Behandlung von der Landesfürsorgestelle Westfalens grundsätzlich nur solchen Ürzten übertragen, die den Nachweis guter fachärztlicher Vor- bildung und Erfahrung erbracht haben; denn auch beim Krüppel ist die beste Hilfe gerade gut genug. Krüppelkinder und ihre Angehörigen sind aber selbst selten in der Lage, sich ein Urteil über Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit eines Eingriffes und die Eignung einer Anstalt und eines Arztes zu den geplanten Maßnahmen zu bilden. Gerade die Auswahl der Anstalt und des Arztes ist aber sowohl für den Erfolg der Behandlung als auch für die Kosten nicht selten von erheblicher Bedeutung. Die beste Hilfe ist für die Dauer auch die billigste. Wenn auch bei schwerer Verkrüppelung gern alles daran gesetzt werden soll, um Hilfe zu bringen, so können doch Operationsfreudigkeit, Experimen- tierkunsst und Geschäftssinn einen Arzt dazu verleiten, mehr zu unter- nehmen, als notwendig und angebracht ist, mit dem Erfolg, daß die ohnehin schwachen Glieder noch mehr geschwächt werden. Nicht jede neue Operationsmethode hat sich bewährt und nicht jeder sonst tüchtige Arzt und Chirurg ist für jede Behandlung gleich gut geeignet. Mit Schrecken denken wir heute zurück an die vielen unglücklichen Opfer von Resektionen tuberkulöser Gelenke, wie sie vor einigen Jahrzehnten besonders zahlreich waren. Der Begründer dieser Methode schrieb am Ende seines Lebens selbst, daß ihn die Verantwortung schrecke. Nil nocere! Dieser oberste Grundsatz jeder Behandlung muß auch und erst recht für den Krüppel gelten. Von den stark versstümmelnden Operationen hat man sich zum Glück in den letßten Jahren immer mehr abgewandt. Ohne einen gesunden Optimismus kommt man auch in der Krüppelfürsorge freilich nicht weiter, und eine große Handlungs- )