Wenn dies aber nicht der Fall ist, dann kommen nicht nur die falschen Stellungen wieder, sondern die Kinder sind nun schlechter dran als vor der Behandlung, weil ja jetzt kein Material für Verpflanzung von Muskeln mehr zur Verfügung steht, weil die operativ versteiften Ge- lenke, wenn sie falsche Stellungen angenommen haben, nur durch neue Dperation wieder zur günstigsten Stellung gebracht werden können. wozu solche Eltern sich dann sehr schwer entschließen. Manchmal ist das Ergebnis verlorengegangen, weil die Eltern infolge zu großer, schlecht angebrachter Weichheit sich nicht dazu verstehen konnten, dem Kinde die Schienen regelmäßig anzulegen, sie wollten das „arme Kind“ nicht „quälen“, wie der schöne Ausdruck, den ihnen gute Nach- barn und Freunde beigebracht haben, meistens lautet. Wäre da eine regelmäßige Aufsicht durch eine geschickte Fürsorgerin gewesen, so wäre das Übel verhütet worden. Durch solche Fälle werden nicht nur die betreffenden Krüppel schwer geschädigt, sondern die ganze Krüppel- fürsorge kommt durch solche „negative Propaganda“ in der betreffen- den Gegend in Mißkredit, sehr zum Schaden der Krüppel und des GBeldbeutels der Fürsorgeverbände; denn sie müssen später nur desto höhere Kosten aufwenden. Die meisten Kosten verursachen nicht die regelrecht entkrüppelten Krüppel, sondern solche, die wiederholte Be- handlung und Versorgung gebrauchen. Man wende nicht ein, daß doch auch schon vor dem Krüppelfür- sorgegesez Krüppel behandelt worden sind, die gute Ergebnisse er- halten haben. Damals ließen sich solche Krüppel behandeln, die aus eigenem Antriebe kamen oder die gar selber das Geld für die Be- handlung aufbrachten. Diese haben aber von vornherein ein ganz anderes Interesse an der Behandlung und am guten Ausgange als die Krüppel, die jezt auf Grund des Krüppelfürsorgegeseßes manchmal nicht ganz mit ihrem vollen Einverständnis versorgt werden. Heute sind manchmal erst wiederholte Vorstellungen und die Drohung mit dem Vormundsschaftsgericht nötig, um von den Angehörigen die Ein- willigung zur Behandlung und Operation zu erhalten. Dazu kommt, daß nur ein kleiner Teil der Krüppel die Kosten selber trägt. Wer dies tut, der sorgt auch dafür, daß das Ergebnis nicht durch eigene Schuld wieder verloren geht; er aber fällt garnicht unter die Fürsorge im engeren Sinne. Betrachten wir die Überwachung als die Hauptaufgabe der Be- zirksfürsorgeverbände in der ambulanten Krüppelfürsorge, so darf darüber doch die ambulante Behandlung und Beschulung, ferner die Berufsausbildung nicht vernachlässigt werden. Wie weit die ambulante Entkrüppelung durchführbar ist, läßt sich nicht allgemein sagen, es richtet sich ganz nach den örtlichen Verhält- nissen. Ein großer Unterschied ist es, ob der Krüppel in einer Stadt oder in der Nähe wohnt, wo ein Facharzt für Orthopädie sitzt oder ob BZ