E4 = er erst lange Wege zur Behandlungsstelle zurücklegen muß. Durch solche weiten Wege werden die Kinder natürlich sehr angestrengt, so daß bei vielen Krüppelleiden dadurch ein Teil der Behandlungsergeb- nisse wieder aufgehoben wird. Auf Einzelheiten einzugehen, ist hier nicht der Ort, auch liegen die Verhältnisse nicht nur in jeder Provinz und fast jedem Kreise anders, sondern oft auch innerhalb desselben Kreises. Der Landeskrüppelarzt wird auf der Krüppelschau auch in diesen Fällen der sachkundige Berater der Bezirksfürsorgeverbände sein. Nächst der Behandlung wird die ambulante Beschulung auf dem Lande oft auf Schwierigkeiten stoßen, so daß man sich in manchen Fällen entschließen muß, lediglich zum Zwecke der Beschulung einen Krüppel in eine Anstalt aufzunehmen, bei dem gar keine Behandlung mehr erforderlich ist. Ein ganz besonderes Übel sind die Wirbelsäulenverkrümmungen iSkoliosen), die in manchen Kreisen bis zu 75 Prozent der gemeldeten Krüppel ausmachen. Sie alle in Anstalten aufzunehmen, ist natürlich völlig unmöglich, zumal die Behandlung solcher Fälle mehrere Jahre dauert. Eine Anzahl wird ja nur für die regelmäßige Untersuchung auf den Krüppelschauen in Frage kommen, da ihr Zustand sich nicht mehr wesentlich ändert. Ist in der Stadt ein Orthopäde vorhanden, so kann der Kreis mit ihm ein Abkommen über die Behandlung treffen. Hat das Kind Verwandte oder Bekannte in dieser Stadt oder in Ber- lin, so kann es eventuell dorthin ziehen. In einigen Fällen haben wir uns auf diese Weise geholfen, was aber bei der heutigen Wohnungsnot vielfach auf Schwierigkeiten stößt, namentlich dann, wenn die Eltern nichts oder einen unwesentlichen Betrag für die Verpflegung usw. zahlen können. Hier müßte dann der Bezirksfürssorgeverband einen entsprechenden Zuschuß zahlen; denn er kommt dann immer noch billi- ger fort als mit reiner Anstaltsversorgung des Kindes. Wenn nun aber alle diese Möglichkeiten nicht in Frage kommen, hat man sich so zu helfen versucht, daß man eine Lehrerin oder einen Lehrer in orthopä- dischem Turnen ausbilden ließ, die dann im Kreise Skoliosebehandlung machten. Diese Maßnahme ist sehr mit Vorsicht zu genießen; denn diese Lehrkräfte, die meist nur einige Wochen oder Monate ausgebildet sind, geraten, wenn sie nicht durch einen sachverständigen Arzt kontrolliert werden, gar zu leicht in die Versuchung, Kurpfusscherei zu treiben, was das Ansehen der Krüppelfürssorge nicht erhöht. Eine befriedigende Lösung der Skoliosenbehandlung auf dem Lande wird erst dann zu erwarten sein, wenn die Ürzte in den kleinen Städten und auf dem Lande genügende Kenntnisse in der Behandlung der Wirbelsäulenver- krümmungen besitzen, so daß sie diese Turnkurse überwachen können. Daß durch Turnen allein eine Skoliose nicht in ausreichender Weise behandelt werden kann, sei nur nebenbei erwähnt. Die sonstigen Maß-