Die wirtschaftliche Bewegung. 23 auch noch nicht alle Hoffnungen erfüllt haben, die man in übergroßer Begeisterung auf sie setzte, so ist doch zu erwarten, daß sich allmählich auch hier ein fruchtbares Feld darbieten wird, das dem ganzen Gewerbe einen tüchtigen Nachwuchs liefert und außerdem eine Generation hervorbringt, deren geistiges und sittliches Niveau einen erheblichert Fortschritt gegenüber früheren Wirtschaftsperioden bedeutet. Großes ist getan, Größeres verbleibt noch zu tun. Es kommt darauf an, die wirkliche Interessenharmonie zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herzustellen, Eine solche Gemeinschaft aber wird man schwerlich durch Gesetze und Verordnungen, durch Arbeitsgemeinschaften und Betriebsräte zustande bringen. Hier muß vielmehr die unermüdliche Arbeit aller Vertreter des Gewerbestandes einsetzen, um das zu erzeugen, was man vielleicht als Neopatriarchalismus bezeichnen darf, Wir werden die Zeiten des alten Handwerks, in denen Meister, Geselle und Lehrling gleichsam eine Familie bildeten, nicht mehr heraufbeschwören können. Indessen bieten sich auch im Rahmen der modernen Entwicklung Möglichkeiten genug, um die bestehenden Gegensätze auszugleichen und eine Brücke des Verständnisses zu bauen, Bereits hat sich die Institution der Sozialsekretäre, die sich als vermittelndes Glied zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einschiebt, vielfach als ein gutes Mittel bewährt, um die beiderseitigen Interessen auszugleichen. Der mit sozialem Verständnis begabte Unternehmer wird außerdem sein ganzes Verhalten darauf einstellen, daß er in materieller und ideeller Hinsicht das Menschentum seiner Mitarbeiter vom Prokuristen bis zum letzten Laufburschen gebührend fördert und veredelt. Hier mündet die gewerbliche Entwicklung in ein ganzes Meer der höchsten menschlichen Endzwecke aus, Es ist ein religiöses Amt, das hier dem Arbeitgeber anvertraut ist, Er wird, selbst vom Geist der Nächstenliebe erfüllt, diesen Geist auf seine ganze Umgebung auszudehnen trachten. Schon haben wir von Beispielen gehört, daß der Fabrikbesitzer in seinem kleinen Reich eine Art von Klubwesen begründet, in dem er oder seine dazu berufenen Vertreter mit den Arbeitern in menschlichen Verkehr treten, ihre Sorgen teilen und, wo es not tut, Abhilfe zu schaffen suchen. Steuert die gewerbliche Entwicklung äußerlich dem Ziele zu, der Arbeiterschaft behagliche Wohnungen und nach des Tages Arbeit fröhliche Rast sowie im ganzen eine menschenwürdige: Lebenshaltung zu ermöglichen, so besteht ihre weitaus erhabenere, innerliche Bestimmung darin, daß sie den Arbeiter wieder mit neuer Lebensfreude und Arbeitslust erfüllt, daß sie aufräumt mit dem unseligen System einer verblödenden Arbeitsteilung, die den Menschen zur Maschine herabwürdigt, und daß sie dafür Mittel und Wege findet, um auch dem letzten Arbeiter zu Bewußtsein