Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft. 3] und der jetzigen anzustellen, kann sich der Sorge entschlagen, wie unter solchen Verhältnissen ein Wiederaufbau möglich sein soll. Der Wert der deutschen Ausfuhr nach England ist im ersten Halbjahre 1924 auf 28 % der Vorkriegsausfuhr gefallen, während die deutsche Einfuhr von dort sich auf 57 % des damaligen Wertes bezifferte. In der Scheinblüte, die einige wenige Wirtschaftszweige in Deutschland während der Inflationsjahre erlebten, haben sie sich tot- verdient, während die übrigen Zweige unserer Volkswirtschaft zu- sehends verarmten, Mit dem Augenblick, da die Umsiellung auf feste Währung versucht wurde, begann der schmerzliche Prozeß der Rück- kehr in die Wirklichkeit und der Wiederanpassung an die internatio- nalen Wettbewerbsverhältnisse. Damals stiegen beispielsweise die deutschen Eisenpreise über die Weltmarktpreise hinaus. Eine lang- dauernde Umstellungskrisis folgte für alle Teile der deutschen Volkswirtschaft, und dieser Anpassungsvorgang ist noch lange nicht zu Ende, Er bringt uns immer wieder zum Bewußtsein, daß die deut- schen Preise sehr hoch, die Löhne und Einnahmen sehr niedrig sind, daß daher die Gewinnmöglichkeiten unseres Exports äußerst schmal sind, falls überhaupt noch ein Gewinn verbleibt, und daß die Preis- bildung innerhalb Deutschlands mehr und mehr von internationalen Momenten bestimmt wird, So stehen wir mitten in einer langdauernden, schmerzhaften Wiedergenesung, die sich nur vollenden kann, falls es uns gelingt, unsere Stellung auf dem Weltmarkt, die während des letzten Jahrzehnts zum großen Teile verlorengegangen ist, unter wesentlich veränderten Umständen neu zu gewinnen. Aus dem umfangreichen Fragenkomplex, der sich hier vor unseren Augen auftut, seien angesichts des beschränkten Raumes dieser Arbeit als wichtigste Belange herausgegriffen unser Außenhandel, die weltwirtschaftliche Stellung unserer Industrie, die Neubildung des deutschen Kapitals, und die Beziehungen der deutschen Landwirtschaft zum Weltmarkt. Für Industrie und Landwirtschaft werden wir zu einer stark abweichenden Stellung gelangen, da die erstere im eigenen wie im nationalwirtschaftlichen Interesse ex- portieren muß, während die letztere einstweilen das Nahrungsmittel- bedürfnis des deutschen Volkes noch nicht durch eigene Erzeugung deckt, vielmehr mancherlei Lebensmittel eingeführt werden müssen”). *) Leider hat die Schriftleitung aus Raumgründen die beiden Kapitel über die Landwirtschaft und über die Kapitalbildung fortlassen müssen, so daß die Archi- tektonik dieser Arbeit nach den anderen Richtungen hin verschoben ist,