104 Otto Keinath: mineralischen Ursprungs, wie Erze, Kali, Schwefel, Salpeter, Petroleum u, dgl, da diese Bodenerzeugnisse nicht von irgendwelchen Ernte- schwankungen und ähnlichen Zufälligkeiten in der Preisgestaltung ab- hängig sind, infolgedessen stabilere Preise kennen und infolge ihrer ziemlich gleichbleibenden Qualität die Einschaltung des speziellen Sor- tierhandels überflüssig machen. Solche Waren eignen sich nicht für Terminhandel und Spekulativhandel, denn alle diese Bodenerzeugnisse werden das ganze Jahr hindurch durchweg gleichmäßig gefördert oder abgebaut, ihre Mengen sind übersehbar und sowohl der Beeinflussung durch die Erzeuger als auch der Verarbeiter zugänglich. Zwar spielt auch hier der freie Markt im Welthandel — Angebot und Nachfrage — eine bedeutsame Rolle, doch bewegen sich die Konjunktur- schwankungen in weiteren, allmählich auf- und absteigenden Linien, Internationale Zusammenschlüsse und Trusts neigen dazu, sich gerade dieser Bodenerzeugnisse zu bemächtigen (Petroleumtrust — Kalitrust; Deutschland/Elsaß-Lothringen — Eisensyndikat), um das Risiko von nichtübersehbaren Preisschwankungen nach Möglichkeit von vornherein auszuschalten. Ein ganz anderes Bild bietet sich uns bei dem Importvon aus- ländischen Fabrikaten im Gegensatz zu dem obenerwähn- ten Import von Rohstoffen, Beim Fabrikatenimport bestehen keine solchen straffen Organisationen, wie wir sie beim Import wichtiger Rohstoffe und Stapelwaren kennengelernt haben; insbesondere fehlt auch hier das wichtige Moment der Bildung von Spezialmärkten an den Stapelplätzen, da ja die eingeführten Fabrikate von außerordent- licher Vielfältigkeit und unterschiedlicher Qualität sind, so daß die Preisbildung sich nicht „börsen- oder marktmäßig‘ vollziehen kann. Im Gegensatz zum Auslande — in Amerika (New York) haben sich speziell Importeure von europäischen Massenartikeln festgesetzt — finden wir in Deutschland beim Import von Fertigwaren nur losere Organisationen, die auf nur ganz wenigen Gebieten einen besonderen Zusammenschluß bewerkstelligt haben (z. B. Tuch-Importhandel), Der übliche Import von Fertigwaren wird in der Regel ent- weder vom Exporthandel mit übernommen oder nur vom binnenländischen Großhandel vollzogen, der 80 % seines Geschäftes durch Vertreiben von im Inland erzeugten Fertigfabrikaten aufrechterhält, während er die übrigen 20%, um nur eine Ziffer zu nennen, aus dem Auslande bezieht, und zwar von Fall zu Fall dorther, wo ihm die Wareambilligsten und auch der Qualitätnach am preiswertesten angeboten wird, oder von solchen Ländern, die sich auf die Erzeugung bestimmter Quali- tätsware eingestellt haben, wie z. B. französische Seifen und