Die menschlichen Kräfte in der Wirtschaft, 177 Nicht Wohltaten und prunkend prahlerische Fürsorge fordern wir, sondern innere Versenkung zum mindestens der Führer, Vertiefung in sich, um den wahren Weg zeigen zu können. Das Streben zu Gott, zum Unendlichen, zum All oder wie wir es nennen wollen, ist die Innenarbeit, ist die Arbeit schlechtweg, aus der heraus alles andere Schaffen geboren wird. Alles im Allist Kraft, und diese unendliche Kraft steht uns in dem Maße zur Verfügung, wie wir selbst harmonisch und frei sind. Die Worte Erfinden und Ent- decken treffen das Richtige, denn es ist für uns nichts möglich, was nicht tatsächlich schon vorhanden ist. So muß unser Ziel sein: die Freimachung der Kraft in uns und um uns, die Erschließung all der Kraftquellen, die für unser Weiterstreben nützlich sind. Wenn wir die Kraft nicht offenbaren können, wie wir es uns vorstellen, so ist dies zurückzuführen auf Belastungen, die wir durch das, was wir Vererbung nennen, durch Erziehung und Zivilisation erfahren haben. Für uns ist von höchster Bedeutung, daß wir diese Belastungen unserer Kraft lösen, daß wir den Menschen frei machen von all dem, was ihm an Schlacken anhaftet, Wir wissen, daß auf Menschen, welche aus einer selbst- belasteten Familie stammen, das Bewußtsein der Folgen oft einen ver- heerenden Einfluß ausübt, ja geradezu zersetzend auf die Gesundheit wirkt. Wir wissen, daß ein Mensch, dem in der Jugend seitens seiner Eltern oder Lehrer Können oder sittlicher Ernst abgesprochen ist, die schwersten Kämpfe auszufechten hat, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, oft aber strauchelt und auf falsche Bahnen abgelenkt wird. Wir wissen, daß wir in unserer Zivilisation, die keine Kultur ist, sehr oft Menschen durch Maßnahmen belasten, welche sie an der Entwicklung hindern, Durch die Belastung wird besonders das Minderwertigkeits- gefühl des Menschen hervorgerufen, das überall dort hinderlich ist, wo wirklich von einem Aufbau die Rede sein soll. Dieses Minderwertigkeits- gefühl beruht darauf, daß der Mensch sich dem Schicksal gegenüber nicht gewachsen glaubt, daß der Mensch in Arbeit und Schaffen sich mitgezerrt fühlt von den Ereignissen. Und dieses Minderwertigkeits- gefühl drückt sich aus in der Überhebung, in übergroßer Vorsicht und in einem Versagen, das bis zu vollkommener Passivität übergeht. Wir müssen uns klarmachen, daß nur derjenige Mensch sich überhebt, der in der Wirklichkeit nicht mit Taten sprechen kann, daß nur derjenige sich überhebt, welcher krampfhaft an einem Trugbild seines minderwertigen Könnens festhalten muß. Und dieses Trugbild wird um so stärker und heftiger verfochten, je mehr die Tätigkeit und die Auswirkung des Menschen Schein ist. Die übergroße Vorsicht, die viele Menschen an den Tag legen, ist eine andere Äußerung des Minderwertigkeitsgefühls, ein Ängstlichsein, es könnte doch nicht ganz klappen, eine nicht ge- Die deutsche Wirtschaft. 19