178 Prof. Dr.-Ing. A, Friedrich: nügende Sicherheit über die eigene Kraft. Und die weitere Stufe ist dann das vollkommene Verzagen, das Hin- und Hergeworfenwerden im Leben und in der Arbeit. Diese Menschen sind es, die den verhetzenden Führern leicht zum Opfer fallen, weil die stets bewahrte Passivität ein eigenes Denken und Handeln vollkommen ausschaltet. Wenn wirklich ehrliche Kritik geübt werden soll an anderen Menschen, dann darf man nicht an den äußeren Erscheinungen, welche ich eben kurz schilderte, stehen bleiben, sondern muß tiefer gehen und den Grund der Belastung aufdecken und beseitigen und wo es möglich ist, verhindern, Hier setzt die große Arbeit der Erziehung ein, der Erziehung in Haus, Schule und Beruf. Es erscheint selbstverständlich, daß jede Erziehung von Liebe getragen sein muß, und da wir selbst täglich und stündlich in unserem Zusammensein mit den anderen gestaltend wirken, muß es unser Streben sein, nur positive Gedanken, Worte und Taten zu bilden, unsere ganze Kraft dadurch frei zu machen, daß wir selbst vorwärtsstreben. Wie wir in der Körperausbildung darauf hinausgehen, das rhythmische Gefühl wieder frei zu machen, den Menschen von der Körperschwere zu befreien und eine natürliche Harmonie der Bewegungen möglich zu machen, so muß auch unser ganzes Schaffen in einer Bahn verlaufen, die uns gestattet, auf uns und andere erlösend zu wirken. Wenn nun die Innenarbeit des Menschen die Arbeit schlechtweg bedeutet, so ist es notwendig, die Beziehungen zu all dem zu finden, was wir als Werksarbeit, als alltägliches Schaffen vor uns haben, Jede Innenarbeit bedingt ein Offenbarwerden, ein Zutagetreten der frei- gemachten inneren Kraft, um sich selbst über den Fortschritt klar zu werden, um selbst darüber Gründe zu empfangen, ob der eingeschlagene Weg der richtige war, So ist die Äußerung der Kraft, die wir in der Arbeit und in allem Schaffen erkennen, ein Beispiel des inneren Fort- schritts, den der Mensch in seinem Streben zur Klarheit und Harmonie, zur inneren Stärke erreicht hat. Die äußerliche Arbeit ist gewisser- maßen die Probe aufs Exempel, die Kraftprobe, die jeder nötig hat, um über sich selbst klar zu werden. Es ist unmöglich, daß jemand dauernd in der Studierstube sitzt und das, was er in sich aufgenommen hat, nicht durch neues Erarbeiten in irgendeiner Form anwendet, Es ist unmöglich, stets nur innerlich zu arbeiten, ohne äußerlich die Kraft zu offenbaren. Eins bedingt das andere, und hier liegt die große Be- deutung der Arbeit, Nicht um der Arbeit willen arbeitet der Mensch, sondern die Arbeit ist Ausfluß innerer Kraft, In welcher Form sich die innere reine Kraft des Menschen offenbart, ist belanglos, Sie wird sich aber in dem, was wir Arbeit nennen, um so höher ausgedrückt finden, je reiner diese Arbeit wirklich gestaltet ist, je reiner die Ge- danken der Führer in der Bewirtschaftung der Arbeit sind, Innenarbeit,