286 Reichsbankrat Alfred Speer: Aber im Chaos des Inflationselends entwickelten sich die Anfänge des Übergangs zu einer festen Währung. Während die Reichsbank, solange kein anderes Zahlungsmittel geschaffen war, alles daransetzen mußte, die Papiermark, wenn irgend möglich, zu halten, schritten die privaten Wirtschaftskreise zur Selbsthilfe in dem Maße, wie die Mark durch ihre fortschreitende Entwertung die Fähigkeit einbüßte, die Geld- funktionen zu erfüllen, Sie wurde immer allgemeiner sowohl als Wert- messer wie auch als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel außer Funktion gesetzt und versagte schließlich auch als gesetzliches Zah- lungsmittel, Mit der Schaffung wertbeständiger Anleihen war ein erster Schritt der Loslösung von der Papiermark aus den Wirtschafts- kreisen heraus getan, Die auf Grund des Gesetzes vom 2. März 1923 vom Deutschen Reich ausgegebenen, auf Dollar abgestellten, bei der Zeichnung in Gold oder Devisen einzuzahlenden „Schatzanweisungen des Deutschen Reiches von 1923‘ fanden zunächst wenig Aufnahme. Mehr Anklang fanden die ab Juni 1923 zur Ausgabe gelangenden, teils privaten, teils öffentlichen ‚„wertbeständigen“ Obligationen aller Art, die auf marktgängige Waren, wie Roggen, Kohle, Kali usw., oder auf fremde Währungen oder auf Gold abgestellt waren. Bei dem Mangel an wertbeständigen Anlagemöglichkeiten riß sich das Publikum förmlich um diese Papiere, Diese sogenannten wertbeständigen An- leihen wurden teils von eigens zu diesem Zwecke neugegründeten Geldinstituten, teils auch von bestehenden Unternehmungen und Körperschaften zur Ausgabe gebracht, Sie waren in ihrer Ausstattung recht verschiedenartig und in ihrer Sicherheit schwer zu beurteilen. Ein weiterer Schritt zur Emanzipierung des Kapitalverkehrs von der Papiermark war die Verabschiedung des Gesetzes über die wertbe- ständigen Hypotheken, in welchem ausdrücklich ausgesprochen wurde, daß die Geldsumme durch den amtlich festgesetzten Preis einer be- stimmten Menge von Roggen, Weizen, Kohle, Kali oder Feingold be- stimmt werden kann, Es folgte die Umstellung des Versicherungs- wesens und des Sparkassenverkehrs auf die Goldrechnung und die teilweise Valorisierung der Steuern, Auch die Privatbanken stellten mehr und mehr ihre Kreditgeschäfte auf die wertbeständige Basis ein. Aber nicht nur im Kapital- und Kreditverkehr, auch im Warenhandel und ganz allgemein vollzog sich in den letzten Stadien der Papier- markinflation die Abkehr von dem immer unbrauchbarer werdenden Gelde. Industrie und Großhandel gaben Waren nur noch auf der Basis einer hochstehenden Währung ab; z. T, setzte sich die Zahlung in effektiver Auslandsvaluta durch, auch im inländischen Großverkehr. Die Festlegung der Löhne und Gehälter in ihrer Kaufkraft durch Um- stellung auf wertbeständige Grundlage wurde angestrebt unter Zu-