Qualitätsarbeit, 305 Fabrikbesitzer, die Fabrikdirektoren und die Betriebsleiter, Diese nehmen fast durchweg einen einseitigen kaufmännischen oder tech- nischen Bildungsgang, und so ist es nicht zu verwundern, daß gerade bei den leitenden Personen der Industrie sich häufig eine große Un- sicherheit in allen Form- und Geschmacksfragen findet, Diese Per- sonen bestimmen aber die Erscheinung und die Qualität weitaus der meisten Dinge, die uns Menschen der Gegenwart umgeben, während die Werkmeister, Arbeiter und auch die Zeichner und Modelleure moderner Fabrikbetriebe meist nur ausführende Organe sind, die bis in alle Einzelheiten der Formgebung und Materialbearbeitung an die ihnen gegebenen Weisungen gebunden sind. Eine wichtige Bildungs- aufgabe ist hier noch zu erfüllen, von deren richtiger Lösung in ganz besonderem Maße die Qualität der Produktion in Zukunft ab- hängen wird. 7. Der Qualitätssinn der Verbraucher, Die Erzeugung billiger und geschmackloser Ware wird von den Produzenten häufig damit be- gründet, daß das Publikum nach solcher Ware verlange. Jedoch wird die oft gebrauchte Wendung: „Das Publikum will es so‘ den Tatsachen nur unvollkommen gerecht. Die Gütererzeugung der modernen, kapi- talistisch organisierten Produktion setzt ja nicht ein Verlangen des Ver- brauchers voraus, sondern sucht es durch das Warenangebot erst zu erwecken: sie ist nicht Kundenproduktion, sondern Marktproduktion., Das massenhafte Angebot schlechter und geschmackloser Ware hat erst dazu geführt, den Geschmack großer Verbraucherschichten zu verderben, Will man in der Gegenwart die Verbraucher zu höheren Anforderungen erziehen, so wird man vor allem berücksichtigen müssen, welch große Rolle der Handel in allen seinen verschiedenen Abstufungen vom Einkäufer oder Grossisten bis herab zur Verkäuferin spielt. Weder Produzentenschulung noch Verbrauchererziehung führen zu Qualitätssteigerungen, wenn nicht auch in allen Kreisen des Handels der Wille zur Qualität erweckt und gefestigt wird. 8. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der OQuwalitätsarbeit. Schlechte und geschmacklose Materialbehandlung ist Materialvergeu- dung. Qualitätsarbeit steigert den Wert des Werkstoffes aufs höchste und ist deshalb von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung für das deutsche Volk, das in seinen Rohstoffquellen beschnitten ist, dagegen über einen großen Reichtum gebildeter Arbeitskraft verfügt. Schlechte und geschmacklose Materialbehandlung ist aber auch Arbeits- vergeudung. Es gibt nichts Unsozialeres, als wenn ein Volk Millionen seiner Angehörigen dazu gebraucht, um Dinge herzustellen, die weder dem Erzeuger noch dem Verbraucher zur Freude und dauernden Befriedigung gereichen können. Für die Privatwirtschaft Die deutsche Wirtschaft, 0