380 Dr. Finkenwirth: nehmen aus seinen laufenden Einnahmen in diesem Jahre erhebliche Aufwendungen zu machen hat, die dem Eisenbahnbetrieb als solchem nicht zur Last zu legen, sondern politischer Natur sind. Hierher ge- hören die Beseitigung der Kriegs- und Nachkriegsschäden an Gleisanlagen, Brücken, Lokomotiven, Fahrzeugen usw., die Instand- setzung der Rhein- und Ruhrbahnen, die zur Behebung der Regieschäden 100 Millionen Mark erforderten, und schließlich die auch als politische Folge anzusehende überaus große Personal- inflation, auf die noch besonders einzugehen sein wird. Maß- gebende Persönlichkeiten der Reichsbahnleitung haben wiederholt gefordert, daß das Reich diese Aufwendungen aus allgemeinen Mitteln ersetzen sollte. Selbst wenn das Reich an eine solche Aktion, die vom Standpunkt der Bilanzwahrheit zu begrüßen wäre, die Bedingung der Verwendung der Mittel zur Tarifsenkung knüpfen würde, so wäre sehr viel nicht geholfen, da die gleiche Last von der Volksgemeinschaft durch Steuern aufgebracht werden müßte, die dann ihrerseits wieder die Produktion belasten. Also zu diesem Experiment kann nicht geraten werden, und man darf ja auch hoffen, daß die alten politischen Lasten von Jahr zu Jahr geringer werden. Die Ruhr- schäden sind bald ausgewetzt, die finanzielle Wirkung des Personal- abbaues wird sich immer wieder geltend machen müssen; der Ver- schleiß verringert die großen Bestände von Tag zu Tag, und die Mög- lichkeit, nunmehr das gesamte Reichsbahngebiet nach einheitlichen Grundsätzen bewirtschaften zu können, wird gewisse Erleichterungen bringen. Eins muß man aber aus dem Vorgang lernen, daß nämlich Reichsregierung und Reichstag sich hüten müssen, der Reichsbahn neue politische Lasten aufzuer- legen; leider ist in dieser Richtung schon manches Erschwerende geschehen. Die Reichsregierung kann, wie wir oben sahen, nach dem Reichs- bahngesetz durch Forderungen der verschiedensten Art den Anlaß zur Aufwendung größerer Summen geben; sie könnte auch — und wer kann bei den wechselnden parlamentarischen Geschehnissen garantie- ren, daß dies nicht geschieht — eines Tages eine Verzinsung der ihr gehörenden Stammaktien fordern u. a. m. Man muß, was die Betriebs- technik anlangt, der Reichsbahnhauptverwaltung das Vertrauen ent- gegenbringen, daß sie das Richtige findet; sicher ist sie dazu besser be- rufen als etwa ein Parlament, Das in der Sitzung des Deutschen Indu- strie- und Handelstags vom 11. März 1925 geprägte Wort: „Die beste Verzinsung der Stammaktien, die im Besitze des Reiches sind, besteht darin, daß die Tarifpolitik der Reichsbahn jede nur mögliche Rücksicht auf die Erfordernisse der deutschen Wirtschaft nimmt”, sollte der Leit-