382 Dr. Finkenwirth: zugunsten des Automobils; eine tarifarischeEntlastungder Entfernungen bis zu 200 km würde aber der Bahn viel der verlorengegangenen Frachten zurück- gewinnen, Aus den bisherigen Darlegungen, die Wesentliches herausgreifen, ohne erschöpfend sein zu wollen, erhellt eins, daß es für die Reichs- bahnleitung eine Riesenaufgabe ist, angesichts so vieler Widrigkeiten und Schwierigkeiten die richtige Betriebspolitik zu treiben, d. h. über die aufgezwungenen, vorläufig nicht abänderbaren Lasten hinaus für die deutsche Wirtschaft das Möglichste zu leisten. Die im vorstehenden gemachten Vorschläge grundsätzlicher Art werden nach unserer An- sicht zum Gelingen beitragen; zur Abrundung des Bildes erscheint in- dessen die kritische Erörterung gewisser Posten der Ausgaben und Ein- nahmen der Reichsbahn-Gesellschaft noch am Platze., Zunächst die Ausgabenseite. Die Betriebszahl, die 1913 72,12 % betrug, ist heute auf 83,74 % gestiegen, d. h. im Ge- schäftsjahre 1925 werden von 100 Mark Einnahmen rund 84 M. für den Betrieb verbraucht; der Dienst der Reparationsschuldverschreibungen und die Ausgleichsrücklage, die zusammen fast 10 % der Einnahme er- iordern, während der Rest des Überschusses von rd, 6 % auf die säch- lichen Ausgaben für werbende Zwecke entfallen, ist in dieser Betriebs- zahl für 1925 nicht enthalten. Auf alle Fälle ist eine Betriebszahl von 84 % zu hoch; sie zeigt, daß die Selbstkosten zu groß sind, Wertvoll für die Beurteilung dieser Frage sind auch die Vergleichszahlen 1913/1925 hinsichtlich der personellen und der sächlichen Aufwendungen: Es entfielen: auf personelle Ausgaben auf Sachausgaben 1913 61 % 39 % 1925 66 % 34% Vom Betriebsstandpunkt aus betrachtet ist es ungesund, wenn wegen steigender Aufwendungen für Löhne und Gehälter die technische Ausgestaltung des Betriebes zurückstehen muß. Der beste technische Apparat muß angestrebt werden, denn sein Zustand ist für die Wirkung des Reichsbahnbetriebes ausschlaggebend. Die Reichsbahnverwaltung wird deshalb sich ernstlich angelegen sein lassen müssen, das Ausgaben- verhältnis zugunsten der Sachaufwendungen zu verbessern, Daß die Reichsbahnverwaltung besondere Aufmerksamkeit den Personalausgaben zuwenden muß, ergibt sich daraus, daß hier- durch 66 % aller Einnahmen in Anspruch genommen werden, Die Dinge liegen auf diesem Gebiet wenig erfreulich, wie folgende Zahlen zeigen: