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        <title>Die deutsche Wirtschaft</title>
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      <div>424 Syndikus Dr. K, A, Fischer: 
nehmungen auszuleihen, Trotzdem hat die Preußische Staats- 
bank, wie aus den Verhandlungen anläßlich der Barmat- und 
Höfle-Affären bekannt geworden ist, ebenso wie die Reichs- 
post, größere Beträge unmittelbar an Privatunternehmungen 
ausgeliehen, Das erhebliche Aufsehen, das diese Vorgänge in 
der Öffentlichkeit erregt haben, wird voraussichtlich zur Folge 
haben, daß in Zukunft eine unmittelbare Kreditgewährung nur 
noch in Ausnahmefällen stattfinden wird; es kommen hier z. B. 
Fälle in Betracht, wo ein Eingreifen der Staatsbanken im 
öffentlichen Interesse erwünscht sein kann, ins- 
besondere, wenn es sich um Sein oder Nichtsein großer Unter- 
nehmungen handelt, deren Zusammenbruch eine erhebliche Er- 
schütterung der Gesamtwirtschaft, insbesondere auch eine 
große Vermehrung der Zahl der Arbeitslosen bedeuten würde 
und die Privatbanken aus privatwirtschaftlichen Erwägungen 
allein sich zu einer Stützung nicht entschließen können. 
° Eine größere Bedeutung hat seit Stabilisierung der Mark auch 
die unmittelbare Kapitalbeschaffung aus dem 
Auslande gewonnen. Soweit unmittelbare persönliche Be- 
ziehungen und ein Vertrauensverhältnis zwischen Inlands- 
unternehmen und ausländischem Geldgeber besteht, ist diese 
Art der Kapitalbeschaffung ohne Mitwirken der Banken mög- 
lich; insbesondere wird es der Export- und Veredelungs- 
industrie in sehr vielen Fällen möglich sein, ausländische Be- 
ziehungen zur Geldbeschaffung auszunutzen. Ebenso ist es den 
industriellen Großunternehmungen gelungen, erhebliche Kre- 
dite in den Vereinigten Staaten aufzunehmen. 
Für das Gros der in der Inlandwirtschaft verankerten mitt- 
leren und kleineren Werke kommt dagegen eine unmittelbare 
Inanspruchnahme des ausländischen Kapitals normalerweise 
nicht in Betracht; diesen Unternehmungen kann Auslandskapital 
nur durch Vermittlung der Banken zugeführt werden. 
Es entspricht den veränderten Verhältnissen, daß man 
neuerdings im Gegensatz zu der Stellungnahme während der 
Inflation den Erwerb von Aktien deutscher Aktiengesell- 
schaften durch das Ausland als durchaus wünschenswert an- 
sieht; in der Tat liegt hierin die wirtschaftlich für das Inland 
ungefährlichste Art der Beschaffung von Auslandskapital, aller- 
dings unter Verlust eines entsprechenden Teils der Ver- 
fügungsgewalt im eigenen Lande. Der Umfang einer der- 
artigen Investierung ausländischen Kapitals ist naturgemäß 
abhängig von den Ertragsaussichten der deutschen Industrie.</div>
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