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        <title>Die deutsche Wirtschaft</title>
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      <div>Die wirtschaftliche Einstellung der öffentlichen Verwaltung, 471 
gearbeitet, die infolge ihrer Erfahrungen bei der Anwendung der Ge- 
setze am besten wissen mußten, wie die Neuordnung zu gestalten sei. 
Jetzt ist Gesetzgebung und Verwaltung auf den wichtigsten Gebieten 
zwischen dem Reich und den Ländern geteilt, was sowohl auf die große 
Zahl wie auf die Güte der Gesetze nicht ohne Einfluß bleiben konnte. 
Aber die Lösung der hiermit zusammenhängenden großen innerpoliti- 
schen Fragen muß hinausgeschoben werden, bis Deutschland in seiner 
Außenpolitik sich wieder zu Freiheit und vollkommener Unabhängig- 
keit durchgerungen hat; deshalb sollen sie hier auch nur angedeutet 
werden, 
X. 
Die Übernahme zahlreicher neuer Kräfte hat eine gewisse Starre 
in der öffentlichen Verwaltung gelöst und sie dem wirtschaftlichen 
Leben nähergebracht, Das gilt nicht gleichmäßig für alle ihre Zweige. 
Besonders in den Regierungs- und Provinzbehörden verhindert eine 
rein staatliche und kommunale Einstellung nicht selten das verständnis- 
volle Eingehen auf die Belange der schwer ringenden Wirtschaft. Auch 
führt in manchen Behörden Sankt Bürokratismus noch nach wie vor das 
Zepter und wird erst mit den leitenden Personen ausscheiden. Aber 
man darf wohl feststellen, daß das wirtschaftliche Verständnis inner- 
halb der meisten Behörden doch zugenommen hat, und zwar in dem- 
selben Maße, als — leider — die Achtung der Wirtschaftskreise vor den 
Behörden abnahm. Durch die Beseitigung des Obrigkeitsstaates haben 
die Behörden den schwersten Stoß erlitten. Alle die ungeheuren 
Schwierigkeiten, die der Zusammenbruch des Jahres 1918 mit sich 
brachte, haben sich zunächst innerhalb der Behörden ausgewirkt, und 
hätte der Geist des alten Beamtentums sich den neuen Verhältnissen 
nicht anzupassen gewußt, wir wären nie über die letzten fünf Jahre hin- 
weggekommen. Die neu eingetretenen Beamten haben den Staat nicht 
über Wasser gehalten. Im Gegenteil, es waren manche ungeeigneten 
Elemente darunter, die zu den Totengräbern des Staatsgedankens ge- 
worden wären, wenn sie ungehemmt von dem Pflichtbewußtsein ihrer 
Kollegen alter Schule sich hätten auswirken können. Die Wirtschaft 
darf allmählich die Geringschätzung der Behörden, die sich in dem 
Worte von dem unproduktiven Stande ausspricht, aufgeben. Das große 
Reinemachen, dem auch sie sich unterziehen muß, weil sie wieder zur 
Produktivität gelangen will, hat auch bei den Behörden eingesetzt und 
wird dazu beitragen, daß sich beide in Zukunft in gleichmäßiger Ach- 
tung und gemeinsamer Arbeit zum Wohle des Ganzen begegnen. 
Mit dem Verlust der alten übergeordneten Stellung werden sich 
die Behörden allerdings abfinden müssen, und das ist gut; denn sonst 
werden zu leicht wieder Grenzgräben zwischen ihnen und dem Publi-</div>
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