einkommens, des eigenen Besitzes oder des Besitzes oder der Mitgift der Frau war der geistige Arbeiter irgendwie an der Produktion interessiert. Hatte er zur Frau eine Grundbesitzers- tochter und war die Mitgift gesichert auf Gutsbesitz oder hatte man Anteil an dem Gutsbesitz, so war der Intellektuelle ge- neigt, wirtschaftlich ungefähr so zu denken wie ein Agrarier, wie ein Junker, auch wenn er es selbst nicht war. War aber die bessere Hälfte etwa aus Industriellenkreissen, so dachte man so wie ein Industrieller. So kam es zuweilen, daß zwei Brü- der, die verschiedene Bräute geheiratet hatten, der eine ganz konservativ, agrarisch, junkerlich dachte, der andere ganz modern liberal, jeder nach den Besitzbeziehungen, die er hatte. Die Mehrzahl war kleinbürgerlich, weil die Mehrzahl der Bräute dem Kleinbürgertum angehörte. So war für wenige Gottbegna- dete, die in die Hektare hineingeheiratet hatten, eine stramm junkerliche Gesinnung angemessen, für diejenigen, die in die großen Fabriksvermögen hineingeheiratet hatten, eine liberale, für die große Masse nur eine kleinbürgerliche. Was ist denn des Kleinbürgers Denken? Was anders als antisemitische Ge- sinnung! Also war das Gros der Intellektuellen eben Anti- semit. Jetzt ist aber alles anders geworden und das ist mir wieder zuerst in der Praxis so wunderbar aufgefallen. Da war ich mit einem in Wien lebenden Angestellten eines großen Industrieunternehmens, nämlich der Alpinen Montan- gesellschaft zusammen gekommen. Die Alpine Montangesell- schaft ist die größte eisenerzeugende Unternehmung Österreichs und hat natürlich das größte Interesse an den Eisenzöllen. Weil sie Eisenzölle haben will, ist sie als Alpine Montangesell- schaft natürlich sehr gern bereit, dem Agrarier Agrarzölle zu geben. Ich spreche mit dem Angestellten und sage also: Sie freuen sich wohl schon, daß wir einen Eilssenzoll bekommen? Da sagt er: „Was habe ich davon! Ich brauche keinen Eisenzoll, ich habe mein Gehalt, und um mein Gehalt kaufe ich meine Lebensmittel, die Zölle verteuern mir meine Lebensmittel." Wir sehen aus diesem Ausspruch die Emanzipation der geistigen Arbeiter von der Ökonomie der Produzenten. Das ist nicht nur so in diesem Falle, wo der Angestellte der Produktion nicht mehr das Produzenteninteresse hat, sondern wird allgemein so bei jedem Gehaltsempfänger, der nunmehr seine eigenen öko- nomischen Interessen hat: ich muß mit meinem Gehalt aus-