Wie soll man studieren ? kommen. Auch empfiehlt es sich, in dieser Zeit die Bekanntschaft mit Studierenden anzubahnen, um auf diese Weise später das Studium in gewisser Vorbereitung beginnen zu können. Die Umstände bringen es mit sich, daß viele Studierende sich neben dem Studium praktisch betätigen müssen. Dem Mißbrauch, der zuweilen mit dem nebenberuflichen Studium getrieben wird, indem Stu- dierende nur dem Schein nach immatrikuliert waren, ist durch Wieder- einführung der Vorkriegsgebühren abgeholfen worden. Dagegen ist gegen eine tatsächliche Verbindung von Praxis und Studium nichts ein- zuwenden, sofern dem Studierenden genügend Zeit verbleibt oder sofern er durch außergewöhnliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit eine doppelte Arbeitsleistung zu ertragen imstande ist. Auf jeden Fall muß der in der Praxis tätige Studierende mit wesentlich verlängerten Fristen für das Studium rechnen. Es muß davor gewarnt werden, daß der- gestalt belastete Studierende sich einem allein auf das Examen ein- gestellten Drill hingeben. Von den Mißerfolgen in den Prüfungen werden überwiegend die- jenigen Werkstudenten betroffen, die sich zu sehr von dem an sich begreiflichen Drange erfassen lassen, ihr Studium in den für die „reinen Studenten“ normalen Zeiten zu erledigen. Die praktische Betätigung in den Ferien ist bis zu einem gewissen Grade erwünscht, doch muß davor gewarnt werden, alle akademischen Ferien restlos dafür zu verwenden. Ferien bedeuten einen planmäßigen Bestandteil des akademischen Unterrichts; sie sind dazu da, dem Studierenden Gelegenheit zum Durch- und Ausarbeiten des gehörten Kollegs, zum Studium der Literatur und zur Anfertigung wissenschaft- licher Arbeiten zu geben.“ Der in vorstehenden Zeilen gegebene Rat liegt ungefähr in der Mitte der Meinungen über diesen Punkt und dürfte durchaus zu beachten sein. Jedenfalls wird eine vor Beginn des Studiums durchlaufene ernste prak- tische Tätigkeit sicherlich dem Studierenden in bezug auf Verständnis der Vorlesungen und Bildung des Urteils von außerordentlichem Nutzen sein. Wer also Wirtschaftswissenschaften studieren will, wird aus dem Vorstehenden erkennen, daß dieses Studium, soll es in den vorgeschrie- benen Semestern bewältigt werden, keine Zeit für ein feuchtfröhliches Bierstudententum gewährt. Man wird mit „Volldampf“ arbeiten müssen, ohne sich darum aber seine Jugend zu verkümmern. Wer ernst und pflichtbewußt unentwegt seine Schuldigkeit tut, kann sich erst recht dem frischen und frohen Studententum mit Zucht und Sitte hingeben. 39