Natürliche Grundlagen des Holzhandels. 57 kam auf der Weich s el über die deutsche Grenze, nicht viel weniger auf der Memel, während die Holzeinfuhr auf der Warth e verhältnismäßig gering war. Für 1922 gibt das Statistische Iahrbuch für das Deutsche Reich (1923) die deutschen schifsbaren Wasserstraßen auf 12 216 km (einschließlich 650 km Förden und Haffs) an, davon 2213 km Kanäle und 9353 km Flüsse, kanalisierte Flüsse und Binnenseen. Dem Güterverkehr dienten 1923 tatsächlich 10 737 km. –1 Die deutsche Binnenschiffahrt hat, abgesehen von der erzwungenen Ablieferung beträchtlicher Mengen von Flu ß f a h r z eu g e n an unsere Feinde, durch die im Ver - sailler Vertrag vorgesehene Internationalisierung aller großen deutschen Ströme, außer der Weser, einen schweren Schlag erlitten. Die auf die deulsche Binnenschiffahrt bez. Bestimmungen des Friedensvertrages (Abschnitt XI, Kapitel 3 und 4 des Friedensvertrages) sind sehr ungünstig. Ströme, die mehr als einem Staate den Zugang zum Meere vermitteln, bedürfen nach den Worten des Friedensvertrages naturgemäß eines gewissen Maßes internationaler Regelung. Wenn nun auch die beteiligten Staaten zweifellos mehr oder weniger große Interessen an dieser Regelung haben, so hat der Friedensvertrag den internationalen Charakter dieser Ströme zum Vorwand genommen, um das deutsche Flußsysiem der deut sc< en Aufsicht zu entziehen. Deutschlands große Wasserwege wurden mit weitest- gehenden Befugnissen an fremde Körperschaften ausgeliefert, und ein großer Teil des Binnenverkehrs von Hamburg, Magdeburg, Dresden, Stettin, Breslau, Frankfurt und Ulm wurde fremdem Einfluß unterstellt. Das H o l z wird auf den Binnenwasserstraßen entweder in gebundenen Flößen oder zu Schiff transportiert. Transport in gebundenen Flößen!). Er spielte früher vor allem in Süddeutschland, in den Tälern des Schwarzwaldes, auf Neckar, Main und Rhein, eine sehr große Rolle:). Die Schwarzwälder flößten die starken Tannen des Schwarzwaldes, die sogenannten „Holl än d e r“, in kleineren Flößen auf der Murg, Enz, Kinzig usw. bis in den Rhein, banden sie dort zu größeren Flößen zusammen und brachten diese auf dem Rhein bis in die Niederlande. Auf dem Rhein gehörten im vorigen Jahrhundert Flöße von 1000 Fuß Länge und 90 Fuß Breite nicht zu den Seltenheiten. Sie wurden meist in Mannheim und Mainz zusammen- gestelt. Die gewöhnliche Länge betrug etwa 700 Fuß. Es gab Flöße, auf denen 400 Ruderknechte beschäftigt waren. Der mitzunehmende Vorrat an Lebens- mitteln war ungeheuer. Nach Angaben Klebers gab es Flöße, die 15 000 bis 20 000 Pfund Fleisch, 40 000 bis 50 000 Pfund Brot, 10 000 bis 15 000 Pfund Käse, 10 bis 15 Zentner Butter, 8 bis 10 Zentner Dörrfleisch, 30 bis 40 Malter Hülsenfrüchte, ') Die unge bund ene Flößerei oder Trift, welche teilweise noch in das Gebiet der Forstbenutzung (Holzbringung) gehört, spielt im Deutschen Reiche heute nur noch eine unter- geordnete Rolle. In größerem Maßstab wird sie zur Zeit nur noch im b a y eri s< en Wald auf der Ilz betrieben. (Vgl. hierzu L e y th äu s e r, „Die Trift im bayerischen Walde nach Passau in Vergangenheit und Gegenwart“, Forstwissenschaftliches Centralblatt, 1906.) ?) Vgl. die schöne Schilderung, die Heinrih Hansj a k o b in seiner Erzählung „Der Theodor“ vom Floßbetriebe im Kinzigtale gibt.