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        <title>Forstwirtschafts-Politik</title>
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            <surname>Weber</surname>
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      <div>172 Aufgaben der künftigen Forsiwirtschaftspolitik. 
Wimmer!) hat auf Grund der Produktionsziffern (pro Hektar) der Statistik des 
Jahres 1913 und der für die einzelnen Nadelholzarten aufgestellten Ertragstafeln für 
das Nadelholz einen jährlichen durchschnittlichen Zuwachs von im ganzen 4,2 fm, also 
gegenüber dem durch die Statistik nachgewiesenen Ertrag pro Hektar von 3,5 km ein Mehr 
von 0,7 km für das Hektar herausgerechnet, was im ganzen für die rund 10 Millionen 
Hektar große Nadelwaldfläche eine nachhaltige Mehrproduktion von rund 7 Millionen 
Festmeter ausmachen würde. Diese ergäben etwa: 
71 !) = 5 Millionen Festmeter Nutzholz und 
29 °ss ~ 2 Millionen Festmeter Brennholz. 
Auch der Derbholz-Ertrag des Laubholzhochwaldes (2,6 Millionen Hektar), der nach 
der Statistik des Jahres 1913 zu 3,0 km pro Hektar ermittelt wurde, läßt sich nach 
Ansicht Wi m mer s durchschnittlich jährlich etwas erhöhen. – Als auch nur einiger- 
maßen zuverlässig können jedoch diese auf der Grundlage sogenannter „Normalertrags- 
tafeln“ errechneten Zahlen nicht bezeichnet werden. Jedenfalls ist bei der Steigerung der 
Abnutzung in den hiebsreifen Beständen Vorsicht am Platze. Wichtig ist für jezt und für 
alle Zukunft eine scharfe Trennung von Vorrat und Zuwachs. Wenn irgend möglich, 
müssen wir versuchen, mit dem Zuwachs auszukommen, ohne den Vorrat anzugreifen. 
An Mitteln zur künftigen Hebung der Holz gewinnung nach Menge 
und Güte kommen in Betracht die Überführung schlechtwüchsiger Nieder- und Mittel- 
waldungen in Hochwaldungen, die Umwandlung geringwüchsiger ertragloser Buchenbestände 
in Nadelholz-Laubholz-Mischbestände. ~ Ferner die Au ff or sstung von Ödland. 
Für eine Aufforstung kommen von der gesamten unproduktiven Fläche des Deutschen Reiches 
von im ganzen 3!/. bis 4 Millionen Hektar nur 600 000 ha, das sind etwa 5 ! der 
heutigen Gesamtwaldfläche, in Frage. An die Aufforstung dieser Flächen ist jedoch bei der 
heutigen Geldknappheit sowohl der Privaten als auch des Staates nicht zu denken. Zudem 
würde durch eine Aufforstung dieser Flächen, von denen ein sehr hoher Ertrag nicht erwartet 
werden darf, die Holzgewinnung Deutschlands nur um einige wenige Prozente gesteigert 
werden, und ~ was ebenfalls zu beachten ist ~ diese Steigerung würde sich erst nach 
Ablauf mehrerer Jahrzehnte bemerkbar machen. 
Ein größerer Erfolg wäre von der Aufforstung der Räumden und 
Bl ö ß en zu erwarten, deren Fläche nach der Statistik des Jahres 1913 zu 300 000 ha 
angegeben wird. 
Der „Angelpunkt“ der forstwirtschaftlichen Produktionssteigerung liegt jedoch bei der 
Verbesserung der Kultur-, Nutzungs- und Aufarbeitungstechnik (tieferes Abschneiden der 
Stämme, sachgemäßere Sortierung und Ausforsstung des Holzes). L e m m e l ?) schätzt die 
durch Maßnahmen dieser Art bewirkte Steigerung der Nutzholzausbeute für unsere gegen- 
wärtige Waldfläche zu rund 5 Millionen Festmeter ein. Die Intensivierung der Nutzholz- 
ausbeute läßt sich auch durch Anlage gut aufsschließender engmaschiger We gen etz e und 
die Anwendung vorsichtiger Rü &amp;gt; un g s m et h o d en fördern. 
Der Durchführung dieser Maßnahmen stehen aber in einem großen Teile unseres 
deutschen Waldes die Unk enntnis und Uninteressiertheit der Träger der 
Forstwirtschaft als îtarkes Hemmnis im Wege. Zur Beseitigung dieses Hemmnisses ist eine 
!) „Die Erträge des deutschen Waldes“, Forstliche Mitteilungen, Jahrg. 2, Nr. 3, Berlin 1919. 
?) „Was kann und muß zur Förderung der forstlichen Produktion geschehen?“ Vortrag, 
gehalten auf der vierten Vollversammlung des Reichsforstwirtschaftsrates am 29. Oktober 1925. 
„Mitteilungen des Reichsforstwirtschaftsrates“, 5. Jahrg., Nr. 2, Berlin 1925</div>
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