ergreifenden Kolonisten wanderte der Handel. Seine Wege gingen vom Osten aus den Hudson und Delaware hinein nach dem Westen, vom französischen Norden her (Kanada) durch die grossen Seen nach Süden und vom Süden aus den Mississippi aufwärts nach Norden. Diese Entwicklung kam zu einem gewissen Abschluss, als das dreifache Eindringen in den amerikanischen Kontinent sich in dem gewaltigen Stosse vereinigte, der die Vereinigten Staaten bis zur Pazifischen Küste westwärts ausdehnte. ; Die dünne und nur strichweise Besiedelung dieses ganzen riesen- haften Kontinents wurde durch den Handel zu einer wirtschaftlichen Einheit verwebt, wenn auch erst nur in weiten und dünnen Maschen. Dieser selbe Handel ist es überdies, der heute im Norden das englische Kanada und im Süden das spanische Mexiko ständig inniger mit der Wirtschaft der Vereinigten Staaten verknüpft. Jener amerikanische Handel war aber von anderer Art, als er sonst bei Gewinnung neuer Märkte erkennbar ist. Hier brauchte er nicht Bedürfnisse zu erwecken, er musste solche, die aus alten Kulturkreisen, durch die europäischen Einwanderer mitgebracht worden waren, befriedigen. Nach unserer Auffassung liegt in diesen Ursachen ganz wesentlich der Grund zur Vereinheitlichung des amerikanischen Geschmacks, die dann wieder die Massenproduktion begünstigt hat. Der Konsument überliess die Art der Bedürfnis- befriedigung dem Handel, damit überliess er ihm auch die Aus- drucksform der Waren, die Gestaltung der Mode. Alles, was nach Amerika kam, hatte aus irgendwelchen Gründen in der Heimat seine Existenz aufgegeben. Für jedermann wurde die Neuschaffung der Existenz oder die Erfüllung eines bisher versagt gebliebenen Glückes oder beides zum Ziel seiner Betätigung. So rückte all das an mitgebrachtem, an differen- ziertem Geschmack, Lebensstil, Ausdrucksform und an geistigen Werten, was wir in Europa Kultur nennen (ohne dass es dies über- dies immer wäre), ständig als eine mehr nebensächlich erscheinende Bedürfnisbefriedigung in den Hintergrund. Im Vordergrund stand die Schaffung der Existenz, die Hoffnung auf Ersparnis, auf Besitz. Der Handel spaltete sich in Warenhandel, und Verdienst- ansammlung und Verwaltung (Geldhandel), sie beide gemeinsam vervollkommneten die Massenproduktion. Gegenüber dieser in wuchtigem Tempo voranschreitenden Ent- wicklung der „normisierten“ Produktion von alltäglichen Bedarfs- gütern vermochten sich zuletzt auch jene Einwanderergruppen nicht zu halten, die festgefügte Wirtschafts- und Lebensformen aus Europa mitgebracht hatten und pflegten. Diese konservierten Er- innerungen an die alte Heimat haben sich bis heute im wesentlichen nur in geistigen Wesensunterschieden noch zu erhalten vermocht, und sie werden wohl auch, aus bestimmten Gesetzen des Gesell- 28