b) Die physische Leistung des amerikanischen Arbeiters. Schon die erste Betrachtung der Arbeitsintensität in den Ver- einigten Staaten zeigte, dass bei Tempovergleichen grobe Fehl- schlüsse ausserordentlich naheliegen und von anderen Beobachtern auch häufig gemacht worden sein müssen. Wenn man Tempovergleiche durchführen will, muss die gleiche Ausgangsbasis vorhanden sein. Sie ist aber im wesentlichen weder für den Arbeiter noch für die materiellen Voraussetzungen seiner Arbeit im Vergleiche zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ohne weiteres vorhanden. Ernährung und psychologischer Zustand („Zufriedenheits“- stimmung) des deutschen und amerikanischen Arbeiters dürfen nicht ohne weiteres gleichgesetzt werden. Dasselbe gilt für die materiellen Voraussetzungen der Arbeit, wie sie einleitend in diesem Abschnitt schon angedeutet worden sind. Ebenso ist die Arbeits- dauer unterschiedlich; sie kann zwar bei Gegenüberstellungen auf den gleichen Nenner gebracht werden, sie ist in ihrem Gehalt dennoch nicht die gleiche. Über die Arbeitszeit in den Vereinigten Staaten ist an anderer Stelle das Notwendige gesagt. (Siehe den zweiten Teil desBerichts.) Zum Ernährungszustand darf wohl als unbestreitbar festgestellt werden, dass er beim amerikanischen Arbeiter im allgemeinen er- heblich günstiger ist als beim deutschen Arbeiter. Die Gründe dafür sind bekannt genug, sie brauchen nicht im einzelnen angeführt zu werden. Hier sei nur auf einen sehr wichtigen Gegensatz zwischen Amerika und Europa, damit auch zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland, hingewiesen. In den Vereinigten Staaten ist die Kaufkraft des Geldes gegen- über dem Allernotwendigsten am grössten, sie sinkt um so mehr, je weiter man in der Skala der Kulturgüter nach oben geht. Bei uns in Deutschland ist es umgekehrt. In Auswirkung des Krieges und der Inflation ist noch heute das Unentbehrlichste (Nahrung, Kleidung) am teuersten, während die Güter der höheren Lebens- haltung wesentlich billiger sind. Aus diesem Gegensatz erklärt sich, dass in den Vereinigten Staaten auch bei dem schlechtest entlohnten Arbeiter der Anteil seines Finkommens, der zur Bezahlung eines Existenzminimums notwendig ist, kleiner ist als bei uns in Deutschland. So bleibt im besonderen dem besser bezahlten amerikanischen Arbeiter ein er- heblich grösserer Anteil seines Lohnes für andere Ausgaben als die des Existenzminimums. Damit ist an sich seine soziale Lage keine andere als die des deutschen Proletariers, aber er ist ihr gegenüber körperlich und geistig in anderer Position. (Das führt beim ameri- En Arbeiter manchmal zur Täuschung über seine soziale Lage. 34