einfachen Beratungsresultate zwischen jener Regierungsabteilung und der Industrie — soweit diese sich an den Beratungen beteiligt hat! — praktisch die Normisierung der Produktion bedeuten. Die Normisierung der Gebrauchsgegenstände, im besonderen aber der Halbfabrikate, Nebenprodukte, Werkzeuge, Grundmateria- lien usw. ist ein grosses Problem. Es ist bekannt, dass in Deutsch- land die Arbeiten des Normenausschusses der Industrie wesentliche Erfolge bisher nicht zu erzielen vermocht haben. Die Berichte dar- über sind völlig eindeutig. Um so mehr hatten die deutschen Ge- werkschafter in Amerika, dem leuchtenden Beispiel der Normisie- rung, Interesse an den Erfolgen der Normisierungsarbeit. Dies um so mehr, weil ja die Höhe und Leistungsfähigkeit der amerikanischen Produktion häufig im wesentlichen auf die erfolgreiche Normisierung zurückgeführt wird. Weiter überdies auch auf ihre Planmässigkeit der Produktion. (Über die Planmässigkeit der amerikanischen Wirtschaft wird in dem Kapitel: „Der Kampf gegen die Ver- schwendung in der Industrie“ im Zusammenhang berichtet.) Man muss bei einer Betrachtung der Warennormisierung in den Vereinigten Staaten, wenn man ihren Grad mit der in Deutschland bisher erreichten Einheitlichkeit vergleichen will, zuerst die mög- lichen Fehlerquellen der Beobachtung ausschliessen. Die Vereinigten Staaten umfassen 110 Millionen Einwohner und befriedigen erhebliche Bedürfnisse der Bevölkerung Kanadas und Mexikos. Wir haben es also mit einem Absatzgebiet von über rund 150 Millionen Menschen zu tun. Deutschland hat 65 Millionen Ein- wohner; sie sind vorwiegend sesshaft und kulturgeschichtlich mit ihrem Boden verbunden. Rein quantitativ gesehen, können in den Vereinigten Staaten schon wegen der grösseren Verbraucherzahl erheblichere Massen einheitlicher Fabrikate hergestellt werden als bei uns in Deutschland. Zudem erfolgt in Amerika der Waren- umschlag rascher als bei uns. Die Tyrannin Mode herrscht! Die einheitliche Massenherstellung wird durch zwei weitere für Amerika bedingte Ursachen begünstigt. Im einleitenden Kapitel ist Schon erwähnt, aus wie eigenartigen Umständen der Handel sich In den Vereinigten Staaten soweit auszudehnen und so stark zu werden vermochte. Man überliess, da man ja als Einwanderer die alte Kultur Europas hinter sich geworfen hatte und den Kampf um EINE Neue, bessere Zukunft führte, die Bedarfsbefriedigung dem Handel. Das Da-Sein steht vor dem Wie-Sein! Der Handel war seinerseits an der Einheitlichkeit des Produktes schon deswegen interessiert, weil er das Geschäft nicht standortmässig — man denke an die dünne und weitläufige Besiedlung —, sondern nur interlokal und mit ständig sich verändernderKolonistenschicht betreiben konnte. Was an kulturellen Eigenheiten von bestimmten Einwanderergruppen in Tracht und äusseren Lebensformen nach Amerika gebracht wurde, 59