verschwand im allgemeinen infolge jener dauernden Umspülung durch den spezifisch amerikanischen Handel. Es ergab sich dabei nicht eine Vereinheitlichung der Produktion, sondern die Ent- wicklung zur Einheitlichkeit des Geschmacks. Es ist ja auch heute so, dass z.B. die Konfektion, die von New York bis Chicago nicht abgesetzt werden kann und von den Farmern nicht aufgesaugt wird, nach dem Süden zu den Negern wandert. Die Neger der Vereinigten Staaten sind — soweit sie arm sind — in der Mode vielleicht einige Zeit zurück, aber sie haben einheitlich den Mode- begriff des weissen Amerikaners. Die andere Ursache, die die Einheitlichkeit des Warengesichts sehr förderte, ist in anderem Zusammenhang ebenfalls schon erwähnt worden, es ist die Entwicklungstendenz, die nicht zu den Kartellen geführt hat, sondern eher Truste ermöglichte. Kartell in deutschem Sinne bedeutet Erhaltung der unterschiedlichsten Pro- duktionsstätten, das ist ein Zwang gegen die Vereinheitlichung des Gesichts der Ware. In Amerika hat die, wie schon dargestellt, umgekehrte Entwicklung die Vereinheitlichung in der Waren- herstellung— die fälschlich Normisierung genannt wird— gefördert. Diese beiden Tatbestände müssen beachtet werden, wenn man den Grad der Normisierung der Waren in den Vereinigten Staaten objektiv mit der deutschen Warenvielgestaltigkeit vergleichen will. Was ergeben sich nun bei Beachtung jener Einschränkung für Tatsachen? In der Bekleidungsindustrie ist die Vielgestaltigkeitder Produktion ganz wesentlich grösser als bei uns. Jedermann in der Konfektion — nehmen wir z.B. die Damenmäntelschneiderei — sucht jährlich zweimal ein eigenes Modell fertigzubringen. Mit ihm wird zu den grossen Einzelverkaufsgeschäften, den Versandhäusern und Waren- häusern gerannt. Schlägt das Modell ein, so summiert sich natur- gemäss dieses Modell in grosser Masse. Bei der Ausdehnung und dem von Konkurrenzbefürchtungen getriebenen Arbeitstempo der Handelsorganisation wird ein solches Erzeugnis der Damenmäntel- schneiderei durch tausend Kanäle innerhalb weniger Tage weit ins amerikanische Land verbreitet. Die Folge ist, dass die gesamte Damenmäntelkonfektion, die ja ohnehin in ihren Gedankengängen gleichartig ist, in derselben Form produziert. Die Frauen Amerikas sehen dann „ganz einheitlich“ angezogen aus. Man darf nicht ver- gessen, dass die grossen Versandhäuser Millionen von Kunden haben, dass grosse Konfektionsschneidereien wöchentlich Hundert- tausende von Mänteln oder Anzügen oder Kleidern herzustellen vermögen. Es sind rund 150 Millionen Menschen zu bekleiden. Überdies ist die Einheitlichkeit des Geschmacks z.B. inder deutschen Herrenkleidererzeugung trotz des stark handwerklich zersplitterten Gewerbes ausserordentlich stark ausgeprägt. Äusserlich tritt die 60