— 12 — Ganz das gleiche gilt von dem Spezialfall der Qualifikation. Das Wort wird ebenfalls in der Regel adjektivisch gebraucht: als objektive Eigenschaft einer Person oder als ein Inbegriff von objektiven Eigenschaften einer Person. Aber auch hier ist wissen- schaftlich korrekt nur die verbale Bedeutung: die Qualifizierung einer Person durch die Gesellschaft, kraft gesellschaftlicher Wertung. In dieser Bedeutung wird der Begriff auch gelegentlich gebraucht. Man denke an die bekannten „Qualifikationslisten“, z. B. der Richter und Offiziere. Die darin enthaltenen Daten be- sagen nicht unmittelbar, daß die Individuen die ihnen beigelegten Eigenschaften wirklich besitzen, sondern nur, daß ihre Vorgesetzten die Vorstellung haben (oder zuweilen auch zu haben vorgeben), daß sie jene Eigenschaften besitzen. Ja man findet auch wohl in jener älteren Zeit, in der der Terminus in unsere Wissenschaft eingegangen ist, die Formeln: „Dem P. P. ist die Qualifikation als Leutnant, als Assessor, als praktischer Arzt verliehen wor- den.“ Hier spricht die Gesellschaft offiziell durch ihre eingesetzten Organe: in der Regel spricht sie inoffiziell, aber nicht minder ent- scheidend, durch ihren Apparat von Wertungen !). Qualifikation in diesem verbalen Sinne heißt „Qualifizierung“, bedeutet also, daß die Gesellschaft eine bestimmte Person für fähig hält, eine bestimmte soziale Stellung einzunehmen, mit der wirt- schaftlich je nachdem ein bestimmtes Einkommen (Gehalt usw.) oder ein zwar unbestimmtes, aber doch nach unten und oben einigermaßen begrenztes Klasseneinkommen verknüpft ist. Mit diesen Erörterungen ist für die methodische Fiktion der Statik alles Erforderliche bereits geleistet. Es gehört zu den uns gegebenen empirischen Daten, daß die sämtlichen Produ- zenten mit verschiedener Qualifikationshöhe „bewertet“ sind und ein dementsprechendes Einkommen beziehen. Die Qualifikation wird in der Statik unmittelbar am Einkommen gemessen. Oder, arithmetisch ausgedrückt, die Qualifikationsstufen verhalten sich wie die Einkommensverschiedenheiten. Das hat Ricardo gemeint, als er schrieb: „Die Schätzung der verschiedenen Arbeitsarten wird sich bald auf dem Markte mit hinreichender Genauigkeit festsetzen. ... Diese Skala unterliegt, wenn sie einmal festgelegt ist, nur geringen Veränderungen.“ (Kap. I, Sekt. 2.) I) In der Praxis des merkantilistischen Staates, z. B. im alten Österreich der vorjosephinischen Zeit, wurde ganz analog auch gewissen Waren amtlich „Qualität“ beigelegt.