Wir haben das schon oben gesagt, als wir das Problem des Kapitalprofits in Übereinstimmung mit Karl Marx stellten. Er ist abzuleiten aus dem statischen Preise der beliebig reprodu- zierbaren Güter. Dessen näherer Bestimmung wenden wir uns jetzt zu. 5. Die Wertformel der beliebig reproduzierbaren Güter. An dem Begriff der beliebig reproduzierbaren Güter läßt sich besonders deutlich erkennen, wie wenig die Methode der Klassiker, und wie wenig daher die Klassiker selbst heute sogar von solchen Gelehrten verstanden werden, die sich als Spezialisten mit öko- nomischer Theorie beschäftigen. Ich habe den Begriff in den ersten Auflagen dieses Buches (S. 76 ff.) und in meiner „Theorie“ (S. 476 ff.) ausführlich festgelegt und Diehl und von Wieser nach- gewiesen, daß und wie sie ihn mißverstanden haben. Amonn folgt ihnen trotzdem*). Auch er faßt das Wort „beliebig“ auf, als bedeute es „grenzenlos“, aber das soll es beileibe nicht heißen. Man muß Ricardo immer ganz lesen. Hier kommt es auf den Schluß der Definition an, die Amonn zitiert: „Bei weitem der größte Teil der Güter wird durch Arbeit beschafft, und diese können nicht nur in einem Lande, sondern in vielen beinahe ohne jede angebbare Beschränkung vervielfacht werden, wenn wir geneigt sind, die zu ihrer Erlangung erforderliche Arbeit auf- zuwenden.“ Das besagt nichts anderes, als daß, wenn wir (das heißt der Markt) eine vermehrte Produktion bestimmter Güter „belieben“, „wenn wir geneigt sind, die zu ihrer Erlangung nötige Arbeit“ unmittelbar oder, was wichtiger ist, in Gestalt von da- gegen auszutauschenden eigenen Arbeitsprodukten auf- zuwenden, d. h. wenn wir geneigt sind, einen entsprechend höheren Preis zu bezahlen, — diese Produktion „beliebig“ ausgedehnt werden kann. Was hier festgelegt werden sollte, ist — und so ist es von den Objektivisten früher, als man die Klassiker noch verstand, z. B. von Adolf Wagner, auch immer verstanden worden — die dis- junctio completa zwischen solchen Produkten, bei deren Pro- duktion die volle freie Konkurrenz besteht, und solchen, bei denen sie nicht besteht, d. h. Monopolprodukten. Diese, wie z. B. Edel- weine und alte Geigen, können eben nicht „beliebig“ vermehrt werden, mag man auch noch so „geneigt sein, die zu ihrer Er- langung erforderliche Arbeit aufzuwenden“, d. h. höhere Preise zu 1) Ricardo als Begründer der theoretischen Nationalökonomie, Jena 1924, S. 18.