22 geschlossen wird, so daß der Arbeiter den Monopoltribut abtreten muß. Wir wissen, daß überall ein statisches Monopol zugrunde liegt, wo auf die Dauer das Austauschbedürfnis von einseitiger Dringlichkeit ist. Das heißt nicht, daß nur der eine Teil über- haupt das Bedürfnis des Austauschs hat, sondern daß es dem einen Teile merklich dringlicher ist als dem anderen. Und solche Dring- lichkeit besteht auf Seiten des Arbeiters immer, wenn er einen Lohnvertrag abschließt. Er ist seinem Begriffe nach ohne aus- reichende eigene Produktionsmittel und ohne ein Besitzvermögen, das ihm erlauben könnte, längere Zeit ohne Lohnverdienst zu leben. In aller Regel kann er nur kurze Zeit, oft nur wenige Tage, ohne solchen Verdienst existieren. Dagegen ist der Kapitalist seinem Begriffe nach mit Produktionsmitteln wohl versehen, die er äußersten Falles zu Gelde machen könnte, wenn er nicht schon ohnehin mit Geld oder Kredit für längere Zeit der Stillegung seines Unternehmens versehen sein sollte. Unter solchen Um- ständen hat er selbstverständlich im Preiskampfe um den Lohn das Übergewicht, und der Monopolgewinn muß sich bilden *). Daß also ein Monopol besteht, ist evident. Die Frage kann sich nur noch darum drehen, worin es wurzelt. Wir werden sie zu stellen haben, wenn wir nicht mehr bloß nach dem Ursprung, sondern nach der Höhe des Monopolgewinns fragen werden. Zu- nächst wollen wir nur feststellen, daß von Adam Smith an bis auf die neueste Zeit herauf kein Theoretiker von einigem Rang die Dinge anders gesehen hat, wenn auch kaum ein einziger das Verhältnis zwischen Kapitalisten und Arbeiter als ein Monopol- verhältnis vollkommen verstanden hat: genannt worden ist es so unzählige Male, aber ohne daß sich die betreffenden Autoren den Mechanismus klar gemacht hätten, kraft dessen ein solches Verhältnis regelmäßig „Mehrwert“ abwirft. Die einzige Ausnahme macht vielleicht Lexis, der ausdrücklich folgendes sagt: „Der großkapitalistische Unternehmer hat seinen Arbeitern gegenüber eine Art von Ankaufsmonopol in bezug der Arbeit“”). Alle ältere bürgerliche Ökonomik hat das konstante dringliche Über- angebot der Arbeit und den daraus folgenden Druck auf die Löhne mit Malthus aus einer „Übervölkerung“ abgeleitet und als Monopolwirkung zwar nicht immer bezeichnet, wohl aber ver- 1) „Der Arbeiter kann nicht warten: daher seine konstitutiv schlechtere Markt- position.“ (Goetz Briefs, Grundr. d. Soz. Ök. IX, 1, S. 148). 2) Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 3. Aufl., Ba. VI, S: 773;