40 Arbeitsmen gentheorie und der darauf aufgebauten Marx schen Arbeits zeit theorie des Warenwertes einigermaßen zu kontrastieren, obgleich mir selbstverständlich klar war, daß darin kein Unterschied der grundsätzlichen Auffassung, sondern eben nur der Betonung, liegen sollte: selbstverständlich ist auch die Ricardosche sowohl wie die Marxsche Wertlehre prinzipiell eine „Arbeitswerttheorie des Warenwertes“. Denn jede Werterklärung ist eine Gleichung, muß eine Gleichung sein, weil der Wert ein Maß ist, und alle Maßausdrücke nichts als Gleichungen sind In einer Gleichung dürfen aber nur Größen „gleicher Dimension“ stehen: das ist ein Elementarsatz der Arithmetik. Man kann Längen nur mit Längen, Gewichte nur mit Gewichten usw. messen. Alle Gleichungen für den Wert, die wir bisher aufgestellt haben, haben überhaupt nur unter der einen Voraussetzung einen Sinn, daß auf beiden Seiten nichts vorkommt als Wertausdrücke. Nicht einmal das wird heutzutage von Leuten mehr ver- standen, die als angebliche Fachmänner für theoretische Ökonomik das kritische Richtschwert schwingen. Das wird durch die folgende Polemik gezeigt, zu der ich einmal gezwungen wurde: In Nr. ı1 des Jahrgangs VI., 1915 des „Kampf“, des offiziellen wissenschaftlichen Organs der Österreichischen Sozialdemokratie, ließ Herr Paul Brunner über meine Broschüre „Die soziale Frage und der Sozialismus“ eine kritische Anzeige vom Stapel, die den Titel trug: „Herr Oppenheimer, der marxistische Bourgeois“. Die Redaktion verweigerte mir mutvoll die Erlaubnis zur Erwiderung, der ich den Titel geben wollte: „Herr Brunner, der antimarxistische Marxist“. Ich lasse aus dem liegengebliebenen Manuskript, dessen positiver Inhalt im vorhergehenden verarbeitet worden ist, das Polemische folgen, nicht Herrn Brunner zu Ehren, sondern weil die Sache wohl einer größeren Ausführlichkeit wert ist: „Ich bin Herrn Brunner dankbar, erstens, weil er sich auf meine Herausforderung gestellt hat, und zweitens weil er mich viel liebenswürdiger behandelt hat, als ich es von jener Seite ge- wöhnt bin. Er hat sich bemüht, meine Anschauungen und Be- hauptungen korrekt und vollständig wiederzugeben; und auch der Tenor seiner eigenen Ausführungen zeugt von gewisser Milde. Die althergebrachte, sozusagen rituelle ungeheure Heiterkeit über die geistigen Defekte des unglücklichen Angreifers ist ja noch zum Ausdruck gebracht (irre ich mich, wenn sie mir ein klein wenig gezwungen erscheint?): aber es fehlt ganz und gar die eigentlich