—- 54 - Darauf hat Amonn in seiner Duplik das folgende erwidert : „Daist erstens die Voraussetzung der Ausgleichstendenz der Einkommen in der Statik. Oppenheimers Bemühungen, die Richtigkeit dieser Behauptungen zu erweisen, scheinen mir leider nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Wenigstens ist es mir nicht möglich, mich als überzeugt zu bekennen. Daß die An- schauungen über die „Annehmlichkeit usw.“ der verschiedenen Berufe „soziologisch bestimmt“ sind, das will ich gewiß nicht be- streiten, aber es scheint mir nicht, daß dieser Tatsache irgendeine Relevanz für die behauptete Tendenz der Ausgleichung der Ein- kommen Gleichqualifizierter in der Statik zukommt. „Denn was bedeutet Qualifikation? Es bedeutet nichts anderes als die Fähig- keit einer ökonomischen Person, Produkte (Güter oder Dienste) zu Markte zu bringen, die im Verhältnis zu den Produkten anderer Personen ein höheres als deren Einkommen erbringen.“ So spricht Oppenheimer selbst. Nun, angenommen, zwei haben gleiche „Fähigkeit“ in dieser Hinsicht, — Oppenheimer variiert leider mein früher als Gegeninstanz gebrachtes Beispiel so, daß das punctum saliens nicht mehr zur Geltung gelangt, — nämlich die Fähigkeit, sowohl höher als minder bezahlte Produkte (Güter oder Dienste) zu Markte zu bringen, also „Produkte, die im Verhältnis zu den Produkten anderer Personen ein höheres als deren Ein- kommen erbringen“ oder ein niedrigeres. Ist damit schon gegeben, daß sie sich beide dem Berufe zuwenden, in welchem sie das höhere Einkommen gewinnen können? Da steht wohl noch in Frage, ob die Differenz im Einkommen die Differenz der Annehmlichkeit, der Gefährlichkeit, der Anstrengung, nach ihrer „subjektiven“ Schätzung aufwiegt, die „subjektive“ Schätzung mag nun rein sub- jektiv oder objektiv durch die gesellschaftlichen Anschauungen, Traditionen usw. bedingt sein. Auf jeden Fall ist ein derartiges Aufwiegen neben der Tatsache der „Qualifikation“ oder Fähigkeit, solche höher bezahlte Produkte zu Markte zu bringen und dadurch ein höheres Einkommen zu gewinnen, notwendig. Die Fähig- keit allein ist nicht entscheidend, auch wenn man darunter nicht bloße intellektuelle „Begabung“ versteht, sondern auch „moralische“ Fähigkeit. Nun scheint Oppenheimer sagen zu wollen, wenn einer „trotzdem den angenehmeren oder weniger gefährlichen Beruf wählt“, obwohl er weiß, daß damit ein geringeres Einkommen ver- knüpft ist oder ein gleich großes nur bei größerer Arbeitszeit, — eine Annahme, die jener, daß in der Statik alle gleich lang arbeiten, eigentlich widerspricht, ein Widerspruch, der bei Oppen-