ss so aufzudecken, daß der Leser versteht, wie der Irrtum möglich, fast unvermeidbar gewesen ist. Da ist zuerst zu sagen, daß wir Tatsachen von ganz der gleichen Seltsamkeit auch auf dem Gebiete der Bewertung von Sachen antreffen. Warum „schmeckt“ Kaviar kraft gesellschaft- licher Bewertung „besser“ als Butterbrot? Warum sind Diamanten „schöner“ als Rheinkiesel, von denen sie nur der Juwelier unter- scheiden kann? Warum sind gar künstliche Rubine und Smaragde, die vollkommene und völlig reine Kristalle sind, weniger hoch bewertet als echte Steine der gleichen Art und Größe, die man als echt nur an ihren Fehlern erkennen kann?! Aber mit dieser Parallele ist unsere Zweifelsfrage nur ver- schoben. Wenn wir erkennen, daß sie auf ein weiteres Gebiet anwendbar ist, so haben wir um so mehr eine Erklärung nötig oder wollen wenigstens den Beweis haben, daß sie unmöglich ist. Orientieren wir uns wieder an dem Wert der „Sachen“. Eine Sache wird in der Regel nur aus dem Grunde begehrt, weil der Begehrende aus persönlicher Erfahrung oder aus der Erfahrung seiner Gesellschaft, die ihm als Teil ihrer Wertungen objektiv übermittelt worden ist und subjektiv als Beweggrund in ihm wirkt, weiß, daß diese Sache die objektive Nützlichkeit hat, das empfundene Bedürfnis auch wirklich zu befriedigen, wie etwa Brot, den Hunger zu stillen, oder Chinin, die Malaria zu heilen. Nun ist das freilich „für unsere Begriffsbildung“ nur akzidentell und nicht essentiell. Essentiell ist als Bedingung eines Begehrens nur die Vorstellung des Bedürfenden von der Tauglichkeit des Dinges, gleichgültig, ob sie wahr oder falsch sei. (Theorie, S. 88.) Es werden auch Rauschgifte, Amulette und Liebestränke begehrt, trotzdem die erstgenannten objektiv schädlich, und die beiden letzten nach der Überzeugung der Oberschichten moderner Kulturgesellschaften ohne objektive Nützlichkeit sind. Aber es gibt doch unzweifelhaft Dinge von objektiver Nützlich- keit, von denen daher die ganz allgemein verbreitete Vorstellung besteht, daß sie objektiv nützlich sind, und die deswegen von jedermann begehrt werden — wo also die objektive Nützlichkeit die Bedingung der Bedingung des Begehrens ist. Und von diesen Dingen sagt der Sprachgebrauch, von dem man wissenschaftliche Exaktheit nicht verlangen kann, sie hätten „Wert“. Hier wird das Wort rein adjektivisch als Eigenschaft des Dinges gebraucht. Ganz analog liegen die Dinge nun auch beim Begriff Quali- fikation. Auch hier hängt die Qualifizierung der Personen durch