60 Produkte zu Markte bringt, ist nach meiner Definition geringer qualifiziert; und das stimmt denn auch mit dem allgemeinen Urteil überein, entspricht der „soziologischen Bewertung“. Man erkennt aus diesen Sätzen, daß Amonn den Begriff Qualifikation als „Fähig- keit“ im zweiten Sinne, und zwar in einer noch engeren Bedeutung auffaßt, als gewöhnlich der Fall ist. Er denkt offenbar an den „qualifizierten Handarbeiter“ und den „hochqualifizierten Geistes- arbeiter“, die Produkte ganz anderer „Art“ hervorbringen als die „Unqualifizierten“. Um aber die Dinge noch vollständiger aufzuklären, wollen wir uns noch einmal zur Kinetik und zur Berufswahl zurück- wenden. Ich habe in meiner Duplik auf die obigen Ausführungen zu diesem Gegenstande folgendes erwidert: Wer einen Beruf wählt, sieht sich vor der objektiven Tatsache, daß von den verschiedenen Berufen, für die er nach Körperbeschaffenheit, Vorbildung und allgemeiner sozialer Lage die „Fähigkeit“ und die äußere Möglich- keit besitzt, die einen ein höheres Einkommen abwerfen als die anderen. Dem höheren Einkommen auf der Habenseite stehen auf der Sollseite gegenüber: längere oder schwerere oder unan- genehmere oder gefährlichere Arbeit des Körpers oder Geistes, oder geringere Aussicht auf Erfolg: er wird z. B. als subalterner Beamter mit großer Sicherheit regelmäßig avancieren, wird aber freilich nur ein bescheidenes Einkommen erzielen, während er als Anwalt, Arzt, Künstler, Kaufmann usw. zu sehr großem Einkommen gelangen — aber auch ganz scheitern kann; oder es steht auf der Sollseite geringere gesellschaftliche Ehre: Er wird als Bordellwirt besser leben können wie als Handwerker, Sie als Prostituierte besser wie als Arbeiterin — und die Unehre fällt bei „normalen Menschen“ (von diesem Begriff wird sofort zu sprechen sein) schwer ins Gewicht. Wenn Er (oder Sie) den geringer bezahlten Beruf ergreift, so kann das verschiedene Ursache haben. Er weiß nicht, daß ein günstigerer Beruf offensteht, dann ist er gegenüber dem, der es weiß und danach wählt, minder „fähig“, wenn auch vielleicht ebenso. „be- gabt‘“: denn auch Kenntnisse sind „Fähigkeiten“. Oder: er weiß es zwar, traut sich aber die Kraft und Ausdauer nicht zu, um zum Ziele zu gelangen, oder fürchtet die Beschwerden oder Gefahren des Be- rufes oder glaubt nicht an sein „Glück“, die wenigen großen Chancen zu nehmen. Dann ist er gegenüber demjenigen, der den Mut hat und danach wählt, minder „fähig“: denn auch Mut und Selbst- vertrauen sind Fähigkeiten. Oder schließlich: er schreckt vor der