— 75 — die hier vorausgesetzt wird, die statische Preisrelation nicht ver- ändert hat. Sie ist nach ihrem Ablauf genau die gleiche wie vor ihrem Beginn. Sie ist unabhängig von der Größe der Nach- frage und der Menge des Produkts. Es fällt mir ja durchaus nicht ein, zu bestreiten, daß der subjektive addierte Begehr der Mitglieder einer Wirtschaftsgesell- schaft kinetisch auf die Preise „einwirkt“, daß das alles in Rechnung gezogen werden muß, solange es sich darum handelt, die empirischen Tatsachen und ihre Zusammenhänge zu gewinnen, die dann als „Daten“ in unsere Rechnung eingestellt werden müssen, um von hier aus die Statik und damit den Erkenntnisgrund für die gesuchten Größenbeziehungen zu gewinnen. Ich will mich hier noch einmal abschließend prinzipiell über das Verhältnis der subjekti- vistischen Auffassung zur eigentlich ökonomistischen äußern: Was die Klassik behandelte, und was man von jeher als „Nationalökonomie“ bezeichnete, ist ausschließlich die Lehre von der Marktwirtschaft. Diese Lehre war, wie gesagt, in allen ihren guten Vertretern essentiell statisch, konnte nur statisch sein. Das bedingte gewisse Voraussetzungen, u. a. auch die, daß An- gebot und Nachfrage konstant sind, d. h. daß die Personalwirt- schaften in ihrer Statik fungieren. Diese Supposition ist an sich ohne weiteres gestattet. Aber es konnte wohl die Frage gestellt werden, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Angebot und Nachfrage konstant sein können. Die eine dieser Bedingungen kennen wir bereits: das dyna- mische Gleichgewicht der Marktwirtschaft muß hergestellt, die Konkurrenz auf ihrem Ruhezustande angelangt sein. Solange nämlich die Preise schwanken, ist es unmöglich, daß Angebot und Nachfrage konstant bleiben, weil sie durch jede Preisänderung in der bekannten Weise beeinflußt werden. Aber es ist eine zweite Frage möglich, wenn auch national- ökonomisch von keiner Bedeutung. Sie lautet: wie muß die Versorgung der Individuen beschaffen sein, damit sie auch bei als konstant angenommenen Preisen keine Veranlassung haben, weder ihre Nachfrage, noch ihr Angebot zu ändern? Dieses Problem ist, wie Amonn selbst sagt, durchaus nicht nationalökonomisch. Es ist rein psychologisch. Nun hat die Psychologie es leider versäumt, wie die von uns bedurften Grund- begriffe (z. B. Bedürfnis, Trieb usw.) überhaupt, so auch diesen Gegenstand zu untersuchen und uns, hier in der Rolle unserer Hilfswissenschaft, fertig zubereitet und zuverlässig darzubieten.