preise fielen. Es ist ausgeschlossen, daß so niedrige Getreidepreise, wie wir sie gehabt haben, leicht wiederkommen. Ja, auch die derzeitigen wieder besseren Preise müssen weiter steigen. Meines Erachtens müssen sich die Getreidepreise auf dem Weltmarkte – Meittelernten vorausgeseßktt – in den kommenden Jahren etwa auf mittleres Preisniveau der letzten Friedens- jahre plus Zuschlag für die Goldentwertung einstellen. Letztere beträgt z. Z. etwa 60 0/2. Das Niveau der Weltmarktgetreidepreise ist heute nur zufolge der großen Welternte ausnahmsweise niedrig. Die Inlandsgetreidepreise müssen jetzt nach Wiedereinführung der Einfuhrscheine ja annähernd um den Getreidezoll über den Weltmarktpreisen stehen. Die Einfuhrscheine sorgen eben dafür, daß solange Getreide exportiert wird, bis der Inlandspreis annähernd über dem Weltmarktpreis steht. Sie machen also die Zölle auch bei hohen Inlandsernten wirksam. In der so- genannten Caprivizeit war z. B. der Zollschutz für Getreide in Deutschland höher als in der Zeit vor dem Abgange Bismarcks, denn was Caprivi an den Zollsäteen abgebaut hat, das hat er durch die Aufhebung der Identitäts- nachweise und Einführung der Einfuhrsscheine mehr als eingebracht. Daß in der Caprivizeit troßdem die Getreidepreise so stark sanken, lag nicht an einem verminderten Zollschuße, sondern an dem ungeheuren weiteren Sturz der Weltmarktpreise. Dieser Sturz hätte auf die Inlandspreise bei Bei- behaltung der Bismarckschen Zollsätze mit Identitätsnachweis noch drückender gewirkt, als sie es in der Caprivizeit getan haben. Es ist töricht, zu behaupten, daß die Getreidezölle die Brotgetreide- preise des Inlandes nicht steigerten. Es ist nur eine andere Frage, ob die Landwirtschaft mehr Nutzen von einseitigen Getreidezöllen oder von einseitigen Zöllen auf tierische Erzeugnisse, insbesondere Molkereiprodukte, Gartenbauprodukte, Obst usw. hat und wie die ganze Volkswirtschaft dabei fährt. Ich kann hier heute auf diese und andere Zollfragen nicht näher eingehen. Sie wissen ja auch wohl, wie ich zu diesen Fragen stehe, und ich weiß, daß gerade die rheinischen Landwirte mit mir der Uberzeugung sind, daß es in erster Linie die tierischen Erzeugnisse und die Gartenbau- produkte sind, welche zollpolitisch geschittt werden müssen. Das wird in Zukunft noch mehr der Fall sein als bisher, denn die uns in Zukunft drohende Auslandskonkurrenz wird auf dem Gebiete der Viehzucht viel schneller wachsen als auf dem Gebiete des Getreidebaues. Schon heute ist diese Konkurrenz, namentlich auf dem Gebiete des Molkereiwesens und des Gemüsebaues, viel schlimmer als auf dem Gebiete des Getreidebaues, namentlich für den ganzen Westen Deutschlands. Unser Molkereiwesen ist zudem in der Kriegszeit viel rückständiger geworden als irgend ein anderer Zweig des landwirtschaftlichen Betriebes. Besonders aber ist an Moltkerei- produkten, Gemüse, Obst usw. viel mehr zu verdienen als am Getreide.