nicht der körperlichen Züchtigung das Wort geredet werden, im Gegenteil: Es gilt, einen neuen Weg zur Beeinflussung der Lehr- linge zu finden, der den jungen Mann ohne „schlagenden Beweis‘ erkennen läßt, daß sich die Interessen des Lehrherrn und des Lehr- lings in einem gemeinsamen Ziele treffen und sich nicht feindlich gegenüberstehen, Leider lassen sich dem Lehrling gegenüber nicht dieselben Mit- tel anwenden, um seinen Fleiß anzuspornen, wie gegenüber dem ausgelernten Gesellen, Wenn dieser unsauber und leichtsinnig ar- beitet, wird er bald die Folgen verspüren, er wird sehr rasch keine Arbeit mehr finden, ganz abgesehen von seiner Schadenersatzpflicht für den angerichteten Schaden, Anders beim Lehrling, der sich zu- meist nicht darüber klar ist, daß er nicht allein für seinen Prinzipal schafft, sondern ebenso gut auch {für sich, für sein zukünftiges Wohlergehen. Der Lehrling betrachtet es vielfach sogar als sein verbrieftes Recht, während seiner Lehrzeit recht oft etwas schlecht zu machen, er denkt: „Ich habe ja noch nicht ausgelernt, ich bin ja noch Lehrling!“ Den jungen Leuten fehlt eben noch häufig das Verantwortungsbewußtsein, sie denken noch nicht an die Folgen ihrer schlechten Arbeit, Aus diesen Überlegungen heraus hat Malermeister Konrad Rapp (Inhaber eines bekannten Mannheimer Malergeschäftes) die von ihm vertriebenen „Leistungs- und Abzugstabellen für den Lehrling“ geschaffen, Malermeister Rapp' erhöht zunächst das Interesse des Lehrlings am Geschäfte dadurch, daß er zu der durch den Lehrvertrag bzw. durch den Tarif vorgeschriebenen festen Wochenvergütung für gute Führung einen freiwilligen Zuschuß gewährt, den er Barometerver- gütung nennt, Diesen Namen hat er gewählt, da der freiwillige Zu- schuß je nach den Leistungen des Lehrlings schwankt. Die genaue Ermittelung der Barometervergütung wird weiter unten erklärt. Die Leistungs- und‘ Abzugstabelle jedes Lehrlings wird in der Werkstatt an einer gut sichtbaren Stelle aufgehängt, jede Tabelle wird mit dem Namen des betreffenden Lehrlings überschrieben, in unserem Falle mit Jakob Weißmann. Auf der Tabelle ist dann genau angegeben, wieviel der Lehrling laut Lehrvertrag wöchent- lich verdient, in obigem Beispiele 3 Reichsmark pro Woche, und wie groß der ihm für gute Führung bewilligte Zuschuß pro Woche ist. Wie oben ersichtlich, ist hier eine freiwillige Barometervergü- tung von einer Reichsmark vorgesehen; sie kann natürlich beliebig hoch angesetzt werden, Darunter sind dann die einzelnen Verstöße aufgezählt, die sich Lehrlinge zumeist zuschulden kommen lassen. Diese Verfehlungen 174